Im Stade de Genève präsentierte sich der FCZ von seiner effizienten Seite und holte aus einem relativ chancenarmen, ausgeglichenen Spiel einen 2:1-Auswärtssieg. Mit Mirlind Kryeziu gelang bereits dem dritten FCZ-Akteur in dieser immer noch relativ jungen Saison ein direktes Freistoss-Tor – das sechste insgesamt.

Dzemaili erneut besser auf der 6-er Position

Da Servette im Zentrum standardmässig mit zwei „Achtern“ spielt, agierte beim FCZ Blerim Dzemaili weiter hinten als zuletzt üblich auf einer Doppel-Sechs mit Ousmane Doumbia. Und nicht zum ersten Mal war seine Leistung auf dieser Position deutlich besser, als wenn er weiter vorne agiert. Dies gilt auch für seine zwar selteneren, aber dafür konkreteren Offensivaktionen.

Mutig hohes Pressing des FCZ wird belohnt

Der FCZ ging von Beginn weg ins Pressing mit den beiden Aussenläufern Guerrero und Boranijasevic, welche in sehr hoher Position die gegnerischen Aussenverteidiger anliefen. Die drei Verteidiger hinten spielten somit alle Eins-gegen-Eins und rückten bei einer Rückfallbewegung ihres Gegenspielers zudem weit ins Mittelfeld vor. Die mutige Spielweise wurde mit einer 2:0-Pausenführung belohnt, wobei das Breitenreiter-Team beim 1:0-Führungstreffer das für einmal hoch stehende Servette mit einem exzellent gespielten Aufbau von hinten heraus überwinden konnte. Entscheidend war dabei die hervorragende direkte Ablage Blaz Kramers aus vollem Lauf auf Adrian Guerrero, als der Slowene sich noch zwischen Ball und den verdutzten Anthony Sauthier zu stellen vermochte.

Servette nutzt kleine Pressingpausen beinahe aus

Die wenigen gefährlichen Offensivaktionen Servettes entstanden jeweils in Phasen, in welchen der FCZ eine kurze „Pressing-Verschnaufpause“ einlegte. Imeri und Clichy nutzten dies zu Vorstössen im Halbfeld in die gegnerische Hälfte, um von dort ihre gefährlichen weiten Flanken hinter die Abwehr zu spielen.

Exzellentes Comeback Tosins

Abgesehen von der einen, allerdings mitentscheidenden Aktion, war das Comeback Kramers nicht überzeugend verlaufen und er wurde wie schon vor der Partie abgemacht zur Pause für Wilfried Gnonto ausgewechselt. Dieser musste im Verlauf der Zweiten Halbzeit wegen Gelb-Rot-Gefährdung dem zweiten Comebacker Aiyegun Tosin Platz machen, welchem sowohl defensiv wie offensiv einige exzellente Aktionen gelangen. Exemplarisch in der 90. Minute, als der Nigerianer im eigenen Strafraum eine gefährliche Cornerflanke per Kopf vor dem einen Kopf grösseren Rodelin klärte und dann höchstselbst den darauffolgenden Pass hintenheraus von Ousmane Doumbia mit einem Sprint im Höchsttempo an der Mittellinie erlief und mit einer Ballberührung Aussenrist mit dem schwächeren linken Fuss ideal in die Mitte weiterleitete, wo Assan Ceesay dadurch alleine auf Torhüter Frick zulaufen konnte.

Servettes taktische Vorteile durch eigene Ungeduld zunichte gemacht

Im letzten Spielviertel stellte Servette-Coach Alain Geiger auf ein 4-1-2-1-2 (Rhombus-System) um. Diese Umstellung funktionierte zu Beginn ausgezeichnet. Der FCZ kam im Mittelfeld ins „Schwimmen“, weil der Gegner im Zentrum nun häufig in Überzahl war und sich sowohl horizontal wie vertikal nun vorwiegend in Zwischenräumen bewegte. Zum Glück für den FCZ verlor ein Teil der Genfer Mannschaft dann aber viel zu früh die Geduld. Anstatt weiterhin die Zwischenräume im Mittelfeld zu besetzen und den FCZ vor Probleme zu stellen, rannten die offensiv orientierten Spieler bereits ab einer Viertelstunde vor Schluss vermehrt alle nach vorne und warteten auf Hohe Bälle, während gleichzeitig die Aufbauer hintenheraus händeringend immer noch Anspielstationen fürs Kombinationsspiel suchten. Die individuelle Qualität des sich in der bisherigen Form seines Lebens befindlichen Kastriot Imeri reichte so zu nicht mehr als dem Anschlusstreffer.

Telegramm

Servette – FCZ 1:2 (0:2)
Tor: 28. Ceesay (Marchesano) 0:1, 44. Kryeziu (Freistoss, Ceesay) 0:2; 66. Imeri (Rodelin) 1:2.
Servette – Frick; Sauthier (59. Diallo), Rouiller, Severin, Clichy; Douline (90. Mendes); Imeri, Valls (59. Rodelin); Stevanovic, Kyei, Schalk (79.Antunes).
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (90.+2 Kamberi), Dzemaili (72. Hornschuh) Doumbia, Guerrero; Marchesano (72. Krasniqi); Ceesay, Kramer (46. Gnonto, 83. Tosin).

8 Tore zum 125 Jahr-Jubiläum – die Feierlichkeiten gingen nahtlos in das Spiel über und das Spiel nahtlos in Feierlichkeiten. Glückstage laufen so. Sowohl in der 1. wie auch in der 2. Halbzeit traf Assan Ceesay jeweils nach exakt 150 Sekunden zur Führung. Und Antonio Marchesano gelang in der 75. Minute das 1’000-ste FCZ-Tor der Super League-Geschichte. Der FC Zürich ist der dritte Verein, der diese Marke erreicht.

Lücken im FCZ-Gegenpressing lassen Sion im zweiten Viertel ins Spiel kommen

Gegen Sion zum Jubiläum startet der FC Zürich gut und hat die Partie im ersten Viertel unter Kontrolle. In der 24. Minute lässt man Sion ein erstes und danach gleich noch ein zweites Mal kontern. Moritz Leitner wich nach einem Krasniqi-Kopfballablenker zum Gegner in seiner typischen Art zurück, anstatt den Ballführenden anzugreifen.

Seitenwechsel als Erfolgsrezept

Obwohl durch schnelle Konter zurück ins Spiel gefunden, erzielt der FC Sion seine beiden Tore mit Hilfe von Seitenwechseln und nutzte dabei Lücken, die durch die Verschiebebewegung im gegnerischen Defensivverbund entstehen. Dies erinnerte stark an den Februar, wo die Walliser unter Weltmeister Fabio Grosso als Coach durch Luca Clemenza ebenfalls so im Letzigrund ihr Tor erzielten: “Grgic, Brecher und Domgjoni retten matten Zürchern einen Punkt“. Der FCZ kam zu seinem 1:0-Führungstreffer durch Assan Ceesay in der 3. Minute nach Vorarbeit von Bledian Krasniqi und Fidan Aliti allerdings ebenfalls auf die genau gleiche Art und Weise.

Moritz Leitner ungenügend

Sion ging nach dem 1:1-Ausgleich durch Filip Stojilkovic (trifft bei seinem zweiten Auftritt im Letzigrund gegen seinen Stammklub schon wieder) mit einem Chancenplus im zweiten Spielviertel und einem besseren Gefühl in die Kabine. André Breitenreiter reagierte und nahm den zu “pomadig“ auftretenden Moritz Leitner raus – und ebenso Fabian Rohner. Da half auch nicht mehr. dass die beiden kurz vor der Pause noch in einer hervorragenden Aktion nach einem Einwurf die beste Zürcher Chance von Bledian Krasniqi vorbereitet hatten.

Fabian Rohner aus dem Tritt geraten

Der 23-jährige Rohner hatte im Sommer auf den verschiedensten Positionen eingesetzt sehr gute Testpartien absolviert, ist aber mittlerweile aus dem Tritt geraten. Für die Stammformation reicht es zur Zeit nicht und bei seinen (Teil-)Einsätzen kann er sich nicht nachhaltig empfehlen. Die Entschlossenheit scheint ihm sowohl offensiv wie auch defensiv etwas abzugehen und er wird von den Mitspielern auch wenig gesucht und ins Spiel gebracht. Gar völlig neben den Schuhen stand Wilfried Gnonto. Der junge Italiener schien mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache zu sein und hatte an diesem Tag gar kein Auge für seine Mitspieler.

Taktische Umstellung bringt Wende zugunsten des FCZ

Vor allem aber nahm der FCZ auf die 2. Halbzeit hin eine taktische Umstellung von einem 3-3-2-2 (zuletzt liess Breitenreiter sein 3-4-1-2 vermehrt mit nur einem 6-er auflaufen) auf ein 4-1-2-1-2, also ein 4-4-2 mit Rhombus, vor. Auch dies ist wie Breitenreiters bisherige Lieblingsformationen beim FCZ grundsätzlich ein System mit Fokus aufs Zentrum. Entscheidend aber: in der defensiven Phase standen die beiden 8-er Doumbia und Gnonto breit. Sion, das sich vom zweiten Viertel der Partie gewohnt war, mit Doppelpässen und Seitenwechseln erfolgreich auf den Seiten durchzukommen, wurde angesichts der neuen Situation etwas auf dem falschen Fuss erwischt. Der FCZ nutzte dies zum schnellen 2:1-Führungstreffer.

Balleroberer Doumbia nach der Pause auf der richtigen Position eingesetzt

Wichtig dabei auch die Personalwahl, Ousmane Doumbia auf die 8-er Position auf der rechten Seite zu stellen, denn Sion konnte sich zuvor mit dem spielfreudigen Cipriano und Itaitinga speziell auf ihrer linken Seite immer wieder durchsetzen. Balleroberer Doumbia sollte generell immer auf derjenigen Position spielen, wo der Gegner vorzugsweise sein Spiel aufbaut. Das könnte auch mal auf der “10“ sein, oder (warum nicht?) gegen einen seitlichen Spielmacher wie aktuell wieder Stevanovic oder letzte Saison Clichy von Servette ganz auf der Seite als Aussenverteidiger oder Flügel. Was Doumbia ganz und gar nicht ist: ein „Stratege“ auf der “6“, der defensiv positionssicher agiert und mit präzisen langen Bällen das Spiel lanciert.

Zuletzt gute Entwicklung bei Blerim Dzemaili

So eine Beschreibung trifft viel eher auf Blerim Dzemaili zu – auf einen fitten Blerim Dzemaili wohlgemerkt. Bei seinen Einsätzen letzte Saison war Dzemaili weit vom Super League-Niveau entfernt gewesen. In Züri Live-Analysen wurden auch schon starke Zweifel geäussert, ob er dieses Niveau überhaupt nochmal erreichen kann. Nach seinen (Teil-)Einsätzen zuletzt lässt sich sagen: es ist nicht mehr auszuschliessen, dass Dzemaili doch noch einmal für ein paar Wochen oder Monate dem FCZ wirklich helfen könnte. Die Entwicklung zuletzt ist gut. Neben der taktischen Umstellung war die Hereinnahme des Zürchers ein weiterer Faktor für den Umschwung gegen Sion nach der Pause. Bei der Balleroberung vor dem 2:1 beispielsweise machte er einen wichtigen Laufweg, welcher Serey Dié eine Anspielstation wegnahm und somit Boranijasevic und Doumbia die Balleroberung wesentlich erleichterte.

Ceesay, Dzemaili & Co. physisch verbessert

Die 6-er Position scheint in dieser Phase von Dzemailis Karriere auch wieder besser auf ihn zugeschnitten zu sein – was auch in dieser Hinsicht eine Rückkehr zu den Wurzeln wäre, nachdem er auf dem Höhepunkt seiner Karriere tendenziell eher auf der 8er- und teilweise sogar 10er-Positon gespielt hatte. Was ersichtlich ist: auch schon nur ein 45 Minuten-Einsatz in Super League-Intensität bringt Dzemaili aktuell physisch an seine Grenzen. Ein Blick in sein Gesicht spricht Bände. Aber zumindest ist er im Gegensatz zu letzter Saison mittlerweile in der Lage, 45 oder 60 Minuten das Tempo mitzugehen und die entscheidenden Sprints zu machen. Vielleicht bald auch noch mehr? Eine verbesserte physische Verfassung scheint ganz allgemein ein wichtiger Faktor für den guten Saisonstart des FCZ zu sein. Speziell in Bezug auf den lange Zeit äusserst fragilen Assan Ceesay. Dessen sichtlich verbesserte Körperbalance und -stabilität setzt sich nahtlos um in mehr Zweikampfgewinne, aber auch deutlich mehr Präzision am Ball.

Zweiter taktischer Wechsel nach dem 2:2

Im Gegensatz zum 1:1 fiel der 2:2-Ausgleichstreffer Sions nach der Pause entgegen dem Spielverlauf. Der FCZ war ab der 46. Minute einfach besser und liess sich auch durch diesen temporären Rückschlag in der Spielweise auf der Resultattafel nicht beirren. Allerdings wechselte Trainer Breitenreiter nach dem 2:2 erneut die taktische Formation – zurück auf das lange Zeit übliche 3-4-1-2 mit zwei 6-ern. In dieser Aufstellung gelangen dann gegen zunehmend nachlassende Walliser durch gute Spieleröffnungen Mirlind Kryezius durch die Mitte die entscheidenden Treffer zum 3:2 und 4:2.

Telegramm

FC Zürich – FC Sion 6:2 (1:1)
Tore: 3. Ceesay (Krasniqi) 1:0, 33. Stojilkovic (Cipriano) 1:1; 48. Ceesay (Marchesano) 2:1, 63. Serey Dié (Stojilkovic / Eigentor Aliti) 2:2, 72. Ceesay (Marchesano) 3:2, 75. Marchesano (Ceesay) 4:2, 87. Gogia (Doumbia) 5:2, 90. Ceesay (Coric) 6:2.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu Aliti; Rohner (46. Boranijasevic), Doumbia, Gnonto (69. Gogia); Leitner (46. Dzemaili), Krasniqi (69. Coric); Ceesay, Marchesano (86. Hornschuh).
Sion – Fayulu; Wesley, Saintini, Schmied, Cipriano; Serey Dié (77. Vagner); Cavaré (72. Tosetti), Keita, Zuffi, Itaitinga (63. Bua); Stojilkovic (72. Karlen).

Post Scriptum

Die erste Mannschaft, welche die Marke von 1’000 Treffern erreicht hatte, war vor mehr als fünf Jahren der FC Basel gewesen. Der Isländer Birkir Bjarnason traf dabei im April 2016 nach 0:2-Rückstand (Tore: Kerzhakov, Bua) für die Rotblauen zum 2:2-Ausgleich gegen den FCZ. Nachdem man nach einer schlechten Vorrunde mit Neuverpflichtung Leonardo Sanchez gut in die Rückrunde gestartet war, gab es nach diesem verpassten Auswärtssieg im St. Jakob Park beim FCZ einen Bruch (gerade mal ein Punkt aus den folgenden sieben Spielen), auch weil Sanchez nach einem harten Einsteigen von Cédric Itten in der Folge für den Rest der Saison angeschlagen war. Zwei Jahre später hätte YB ebenfalls zu Haue im April gegen den FCZ mit zwei Toren die 1’000-er Marke knacken können, aber es resultierte “nur“ ein 1:0-Sieg (Tor: Sanogo). Das tausendste Tor wurde ein paar Tage später in Thun durch Jean-Pierre Nsamé nachgeholt und zwei Wochen danach feierte Bern gegen den FC Luzern den ersten Meistertitel seit mehr als drei Jahrzehnten. Bis zum nächsten Klub, der die 1’000-er Marke erreicht, wird es wieder ein paar Jahre dauern. GC, St. Gallen oder Luzern in dieser Reihenfolge sind dafür die heissesten Kandidaten.

Der FCZ verliert nach dem Spiel Zwei auch das Spiel Drei (von fünf) der Saison gegen den FC Basel mit dem Ergebnis von 0:2. Beide Teams traten ganz anders an und auf als noch in den Auswärtsspielen am Wochenende in Sion und Luzern. Basels Trainer Marcel Koller, der beim 1:0-Sieg bei den grossgewachsenen Innerschweizern noch eine relativ konservative taktische Linie vorgegeben und auf physisch stärkere Spieler wie Balanta, Xhaka, Kuzmanovic, Stocker und Ajeti gesetzt hatte, ging richtigerweise von einem FCZ aus, der mitspielen will und brachte eher seine wirbligen, schnellen und/oder technisch starken Leute wie Campo, Van Wolfswinkel, Kalulu oder Widmer – dazu war Spielgestalter und Teamleader Fabian Frei, der beim 2:0-Heimsieg gegen den FCZ im Dezember eine Top-Leistung abgeliefert hatte, wieder in der Startformation. Ausserdem verlangte Koller von seinen Spielern diesmal von Anfang an mit Vollgas in hohem Tempo zu pressen. Nicht per Zufall stibitzte Van Wolfswinkel schon nach wenigen Sekunden den Ball vom Fuss Umaru Banguras und holte einen Eckball heraus. Die enorm fehlerhafte Vorstellung des Zürcher Innenverteidigers in Sion ist den Baslern natürlich nicht entgangen. Der FCB suchte zudem immer wieder lokal Überzahlsituationen zu kreieren und liess dabei gleichzeitig andere Räume ungenutzt und von Akteuren der Zürcher Abwehrformation nutzlos besetzt.

Der FCZ hatte nur zwei personelle Wechsel im Vergleich zu «Sion» – Stephen Odey fiel verletzt aus, dafür kehrte der gesperrte Toni Domgjoni wieder zurück. Für den im Wallis in den Zweikämpfen auf der Seite zu häufig unterlegenen Joel Untersee rückte Kevin Rüegg wieder auf die Rechtsverteidigerposition und der schussstarke Offensive Mittelfeldspieler Lavdim Zumberi kam rein. Wie der FCB ging auch der FCZ von der Ersten Minute an hohes Tempo und presste hoch. Da beide Mannschaften das Gleiche praktizierten, entstand durch das Tempo und die grossen Distanzen im Mittelfeld ein stürmischer Schlagabtausch – mit klaren Vorteilen auf Seiten der Rot-Blauen aufgrund tieferer Fehlerquote und höherer individueller Qualität. In Sion war der FCZ noch vom sich zurückziehenden Gegner weit in dessen Hälfte gelockt worden, um hinter der Zürcher Abwehr Raum für das Yakin’sche schnelle Umschaltspiel zu schaffen. Aber auch dort waren es in erster Linie die zu zahlreichen individuellen Fehler beim FCZ, welche Sion die entscheidenden Vorteile verschafften.

Im August hatte der FCZ gegen Basel noch ungewöhnlich (zumal in einem Heimspiel) defensiv in einem de facto 5-2-3 agiert und sich in «Sion-Manier» in die eigene Hälfte zurückgezogen gehabt. Der taktische Kniff ging auf – der FCZ hätte die Partie (1:1) an den Torchancen beziehungsweise «expected Goals» gemessen gewinnen müssen. Allerdings war damals der FCB auch weit von seinem heutigen Niveau entfernt und das für den aktuellen FCZ in der Regel so wichtige Aussenverteidigerduo Rüegg / Pa Modou stand von Beginn weg auf dem Platz. Im Dezember beim 0:2 im St. Jakob Park hatte sich Basel immer noch nicht ganz erholt und der FCZ hätte zu jenem Zeitpunkt gute Chancen auf einen Punkt gehabt, agierte aber in jener Partie vor allem in der Ersten Halbzeit zu wenig wach, präsent und clever auf dem Platz. Man baute den Gegner unnötig auf. Am Ende war die Statistik bei den «expected Goals» trotzdem ausgeglichen.

Im April kam nun ein deutlich stärkerer FC Basel in den Letzigrund. Trotzdem war die Strategie des FCZ von Beginn weg das Szepter in diesem Spiel zu übernehmen – was misslang. Dafür war unter anderem auch die enorm schnelle und gute Reaktion der Basler auf die taktische Ausrichtung des FCZ entscheidend. Dies vor allem auch dank ihren enorm routinierten Teamleadern Fabian Frei, Marek Suchy und Ricky Van Wolfswinkel. Der FCZ trat nämlich in einer Mittelfeldraute an, einem in der Super League selten gespielten System. Gegen die meisten Liga-Gegner hätte man damit bestimmt das Überraschungsmoment auf seiner Seite gehabt und sich in der Anfangsphase Vorteile erspielen können. Nicht aber gegen den aktuellen FC Basel, wie man spätestens nach diesem Spiel weiss.

Die Raute funktioniert nur, wenn man es schafft, das Spiel in die Hand zu nehmen und den Ballbesitz auf seine Seite zu bringen. Dies gegen den FCB in der aktuellen Form so konsequent anzustreben ist je nach Sichtweise mutig oder naiv. Im Nachhinein ist man sowieso immer klüger. Auf jeden Fall gelang es dem FCZ in der Startphase nicht, dieses Zwischenziel zu erreichen, worauf er die Formation in der 15. Minute auf ein 4-4-2 mit einem «flachen» Mittelfeld änderte. Diese Ausrichtung ist defensiv stabiler, vor allem die Seiten sind deutlich besser geschützt. Dies wirkte sich sofort aufs Basler Angriffsspiel aus. Die Spielauslösung des Koller-Teams dauerte deutlich länger und zögerlicher, weil nun die einfache Lösung über die Seite nicht mehr zur Verfügung stand. Dafür hatte im Gegenzug der FCZ selbst nun auch nicht mehr diese gefährlichen Umschaltmomente durch die im Rautensystem zahlreich bevölkerte Mitte, wie es sie in der Anfangsphase zwei Mal gegeben hatte. Insgesamt wurde die Partie deutlich ausgeglichener mit sporadischen guten Tormöglichkeiten auf beiden Seiten.

Auch wenn es aufgrund des Chancenverhältnisses auf den ersten Blick nicht so aussieht, war dieses Basel-Heimspiel eine Leistungssteigerung gegenüber dem Sion-Match, sowohl als Mannschaft wie auch in vielen Fällen individuell. Man versuchte in der Anfangsphase die Differenzen in der individuellen Qualität der beiden Teams mit einem riskanten System zu neutralisieren, was nicht funktionierte. In der Folge vermochte Toni Domgjoni im flachen 4-4-2 als zweite Spitze Assan Ceesay immer wieder wirkungsvoll beim Stören der Basler Angriffsauslösung zu unterstützen. Der in der Raute auf seiner Idealposition als 10er beginnende Lavdim Zumberi versuchte sich sichtlich und erfolgreich auch im Linken Mittelfeld von seiner aktuell besten Seite zu zeigen mit engagierter Defensivarbeit sowie nach vorne zielstrebigen Vorstössen, einem starken Weitschuss und zum Abschluss seines Einsatzes einer sehr guten Flanke.

Trotzdem tat die Einwechslung Pa Modous für Zumberi dem FCZ für die Schlussphase zusätzlich gut. Mit dem danach vorgerückten Levan Kharabadze, der sich im Vergleich zu seinen letzten Einsätzen verbessert zeigte und in der Ersten Halbzeit Kalulu (zur Pause ausgewechselt) praktisch ausschaltete, verstand sich der Gambier bei seinem Comeback auf der linken Seite von Anfang an gut. Assan Ceesay spielte sein wohl bisher bestes Spiel als Starter im FCZ-Dress mit vielen guten Kopfballweiterleitungen, Ballgewinnen und Sprints. Ein engagiertes Début allerdings ohne zu wesentlichen torgefährlichen Szenen zu kommen bestritt der 19-jährige Stürmer Nicolas Andereggen aus dem Argentinischen San Jeronimo Norte.

Ein Spiel «zum Vergessen» wars hingegen für Captain Kevin Rüegg. Bangura war besser als in Sion, aber unter dem Strich noch nicht genügend. Grégory Sertic zauberte direkt aus einem Corner einen Lattenkreuzknaller hin und beteiligte sich phasenweise konstruktiv am Aufbauspiel – was aber leider im negativen Sinn mehr als aufgewogen wird durch seine Körpersprache und ungenügendem Einsatz in vielen Aktionen – schon ab der 17. Minute begann der Franzose wie ein Grümpelturnierfussballer bei Ballverlusten stehen zu bleiben und zu hadern, statt wie ein Profi sofort die entstehende Lücke schliessen zu helfen. Schlimm wurde es dann vor allem in der Zweiten Halbzeit als Sertic beim Stand von 0:1 trotz reellen Chancen auf den Ausgleich wiederum viel zu früh die Segel strich.

Insgesamt erinnert die Partie an das Heimspiel gegen Napoli, als der Live-Eindruck des FCZ im Stadion ebenfalls schlecht war, bei genauerer Betrachtung im Nachhinein aber auch viele positive Aspekte offenbart wurden. Vor allem scheint den Spielern die anspruchsvolle Spielsweise für die individuelle Lernkurve gut zu tun. Realistischerweise muss man allerdings auch einräumen, dass eine Kanterniederlage diese positiven Aspekte gefährdet hätte. Beim 0:1 durch Samuele Campo, der wie schon im August erneut gegen den FCZ im Letzigrund das Führungstor erzielte, war entscheidend, dass der umsichtige Fabian Frei Toni Domgjoni im Mittelfeld von Eray Cömert weglockte, was diesem erlaubte ohne jeglichen gegnerischen Druck den sehr guten langen Ball hinter die Abwehr zu spielen, den Campo direkt nahm. Umaru Bangura kam gegen Campo zwar zu spät, aber im Gegensatz zu vielen anderen Szenen zuletzt kann man in diesem Fall nicht von einem groben Schnitzer des Innenverteidigers aus Sierra Leone sprechen. Grundsätzlich reagierte er schnell, stand davor vielleicht wenige Zentimeter zu weit vorne – Cömert und Campo machten ihre Sache aber halt einfach auch sehr gut. Derjenige, der das Tor am ehesten hätte verhindern können, war Domgjoni.

Das 0:2 entstand aus einem schlecht ausgeführten Einwurf des eingewechselten Pa Modou. Albian Ajeti stand beim Zuspiel von Zdravko Kuzmanovic allerdings im Offside (im Standbild klar an der Grasnarbe erkennbar). Toni Domgjoni wurde zudem im Basler Strafraum nach klarem Foul von Zuffi ein Penalty verwehrt. Der zweite nicht gegebene klare Penalty in Folge gegen den FCB nach dem Handspiel Kalulus im St. Jakob Park im Dezember. Mühe hatte der FCZ wieder einmal bei gegnerischen Eckbällen, auch wenn daraus diesmal kein Gegentor resultierte. Maxsö nahm wie immer den gefährlichsten Gegenspieler aus dem Rennen. Suchy versuchte es einmal mit einem Stoss in den Rücken des Dänen, welcher aber von Referee Klossner korrekterweise geahndet wurde.

Grégory Sertic (diesmal gegen Van Wolfswinkel) ist zwar im Luftduell nicht stark, verkörpert aber mehr Routine als die meisten seiner Mitspieler, und weiss, wie man einen Gegenspieler genügend stören kann, ohne dass es einem Foulspiel entspricht. Kharabadze macht seine Sache bei gegnerischen Standards mehrheitlich gut, aber einmal entwischte ihm Fabian Frei trotzdem. Umaru Bangura hatte diesmal Glück, denn sein Gegenspieler Silvan Widmer wurde von Luca Zuffi nie anvisiert. Dafür stand diesmal die zweitgrösste Schwachstelle Kevin Rüegg im Fokus, der mit seinem U21-Nationalteamkollegen Eray Cömert seine liebe Mühe hatte. Dieser nutzte in seinen Laufwegen erfolgreich Mit- und Gegenspieler als „Kurveninnenseite“, um seinen Kontrahenten abzuschütteln. Eine einstudierte irreguläre Eckballvariante hatte Basel ebenfalls noch im Köcher (siehe Bildfolge unten). Bei dieser stürzten sich vor dem Strafraum ausserhalb des Sichtfeldes von Ref Klossner Silvan Widmer und Aldo Kalulu zu zweit wie Defensive Tackles im American Football auf Toni Domgjoni, damit dieser seinem Gegenspieler Campo nicht folgen konnte, worauf dieser nach dem kurz und flach gespielten Ball Zuffis frei zum Abschluss kam, der dann allerdings vom aufmerksamen Maxsö geblockt wurde. Der Däne ist der Züri Live-MVP der Partie und wird im Derby gesperrt fehlen.

FCZ – Basel 0:2 (0:0)

Tore:  54. Campo (Cömert) 0:1, 89. Ajeti (Kuzmanovic).

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsø, Kharabadze; Sertic; H. Kryeziu, Domgjoni (82. M. Kryeziu); Zumberi (58. Pa Modou); Khelifi, Ceesay (78. Andereggen).

Basel: Omlin; Widmer, Cömert, Suchy, Petretta; Frei, Zuffi; Kalulu (46. Ajeti), Campo (81. Xhaka), Okafor (62. Kuzmanovic); Van Wolfswinkel.

(Standbilder: Teleclub)