Kaderplanung wie bei einer 5.Liga-Truppe / SFC – FCZ mit möglichen taktischen Formationen

Es ist wahrlich keine neue Erkenntnis: der FCZ hat seit der Winterpause grosse Probleme auf den Aussenverteidigerpositionen. Ein Grossteil der Gegentore plus zwei frühe Platzverweise gingen in den letzten Wochen auf schlechtes bis miserables Abwehrverhalten und unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung von Chris Kablan, Livano Comenencia und Lindrit Kamberi zurück. Dies hat sich in der 1. Halbzeit gegen Lausanne-Sport einmal mehr gezeigt. Kablan trat gegen Omar Janneh und Co. einmal mehr in der Rolle als Tourist auf – oder vielleicht eher als hilfsbereiter Fremdenführer durch die Zürcher Platzhälte? Um wenigstens etwas Stabilität auf die rechte Abwehrseite zu bringen, musste Trainer Hediger zur Pause den zentral wichtigen Cheveyo Tsawa auf die Rechtsverteidigerposition verschieben. Dies hatte tatsächlich eine gewisse stabilisierende Wirkung, ist aber für die FCZ-Transferpolitik der Winterpause eine Bankrotterklärung. Dies zumal zusätzlich auch noch die Aussenverteidigerposition nicht zu den gut besetzten Positionen im Nachwuchs gehört.

Aussenverteidiger-Abgänge Rodic und Tosic schlagen bei neuen Klubs ein

Derweil schiesst der in der Winterpause abgeschobene FCZ-Aussenverteidiger Milan Rodic seinen Stammklub OFK gegen das Spitzenteam Partizan mit einem Doppelpack zum Derbysieg. Nemanja Tosic hat Anorthosis Famagusta sofort defensiv stabilisiert. Dank nur einem Gegentor in den letzten vier Meisterschaftpartien klettert der seit Jahrzehnten im Exil in Larnaca domizilierte Zypriotische Traditionsklub Schritt für Schrit aus der Abstiegszone.-Derweil Chris Kablan im Herbst schon beim Zypriotischen Abstiegskandidaten Akritas Chlorakas defensiv neben den Schuhen stand – und diesen Eindruck in Zürich fortsetzt. Der sowieso eher nonchalant veranlagte Livano Comenencia liess sich seit der Winterpause bis zu seiner Verletzung zu noch mehr entscheidenden Unkonzentriertheiten hinreissen als zuvor. Lindrit Kamberis Auftritte als Captain waren schwankend und endeten zwei Mal in einer frühen Roten Karte.

Sebastian Walker hatte auf der linken Seite in Bern einen tadellosen Teileinsatz. Gegen Lausanne-Sport war es okay – die offensive Abstimmung mit Ivan Cavaleiro passte aber nicht, weil der Portugiese jeweils den Ball zu lange am Fuss führte, und damit den jungen Walker in die Bredouille brachte. Neil Volken ist verletzt, hat davor in dieser Saison aber auch noch keine Bäume ausgerissen. Eine Leihe in die Challenge Lrague wäre für ihn sicherlich die bessere Variante gewesen. In der U21 kommt der bereits 20-jährige gelernte Mittelfeldspieler Doron Lichtenstein nur darum regelmässig zum Einsatz, weil er bereit ist, die Position des Rechtsverteidigers / Rechten Aussenläufers zu bekleiden. Auf Promotion League-Niveau kann er mit seinem Einsatz die Mankos bezüglich Talent und fehlender Spezialisierung einigermassen ausgleichen. Mohamed Bangoura wurde sowohl in der 1. Mannschaft wie auch in der U21 zuletzt ebenfalls jeweils auf die Seite verschoben. Derweil Selmin Hodza den Schritt zu einem Challenge League-Klub spätestens letzten Sommer, wenn nicht vorletzten Sommer verpasst hat.

Seit mehr als einem Jahr torloser Perea verschuldet Lausanner Siegtreffer

Für Rechtsverteidiger Yuro Bohon kam hingegen als letztjähriger U21-Ergänzungsspieler die Leihe in die Challenge League nach Wil zu früh. Valentino Longo wiederum wechselte zu GC. Fazit: die Aussenverteidigerposition ist im heutigen Spitzenfussball mindestens so wichtig wie alle anderen Positionen. Beim aktuellen FCZ ist sie hingegen qualitativ und quantitativ unterbesetzt. Und etwas wie in einer 5.-Liga-Amateurtruppe werden die „schwächeren“ Zentralen Mittelfeldspieler und Innenverteidiger auf diese Position abgeschoben. Bereits nicht mehr ganz junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Sebastian Walker und Pirosch Fischer, die selbst in der U21 nie gänzlich überzeugen konnten, werden als Notnagel für die 1. Mannschaft (zurück)geholt. Servette hatte auf der Rechtsverteidigerposition diese Saison lange Zeit ebenfalls ein Problem. Talent Loun Srdanovic verletzte sich und Théo Magnin fiel in ein tiefes Leistungsloch (mittlerweile transferiert zu Red Star nach Paris). Die Lösung soll nun der von Fortuna Sittard gekommene Houboulang Mendes sein, so dass auch U21-Captain und Innenverteidiger Téo Allix da nicht mehr zwingend aushelfen muss.

Auf der linken Seite ist man bei Servette hinten mit Lilian Njoh (einem der besten Assistgeber der Liga) und Bradley Mazikou sowieso doppelt besetzt – und davor auf dem LInken Flügel hofft man mit dem von Almere City ausgeliehenen Junior Kadile zumindest temporär einen Ersatz für den im Sommer nach Griechenland abgewanderten Dereck Kutesa gefunden zu haben. Der Linke Flügel des FCZ, Ivan Cavaleiro, brachte in seinen ersten 120 Minuten im FCZ-Dress kein Bein vor das andere. Nach der Halbzeitpause gegen Lausanne vermochte er erstmals zumindest offensiv zwei, drei sehr gute Aktionen zu zeigen – mit einer Flanke auf Philippe Keny und dem Tor per Direktabnahme zum zwischenzeitlichen 1:1. Vom Sturmduo Keny / Reverson kam hingegen gegen die Waadtländer eher wenig. Der eingewechselte Juan José Perea wiederum machte vor mehr als einem Jahr (!) in Sion seinen letzten Skorerpunkt im FCZ-Dress. Gegen Lausanne-Sport war der Kolumbianer wesentlich für das späte 1:2 mitverantwortlich, da er beim Custodio-Eckball Gegenspieler und Torschütze Karim Sow zu schlampig bewachte.

Live Radio

SFL Telegramm

Kann Reichmuth Cognat stoppen? / Servette – FCZ mit möglichen taktischen Formationen

Mit Servette und dem FCZ treten zwei Teams mit Hoffnungen aber gleichzeitig einer unkonstanten Saison gegeneinander an, die beide in der Tabelle im Vergleich mit konstanteren Mannschaften wie Thun oder Sion ins Hintertreffen geraten sind. Bei Servette hat offenbar das bittere Ausscheiden gegen Viktoria Plzen in der Champions League-Qualifikation zu einem ähnlichen Schock geführt wie beim FCZ 22/23 gegen Qarabaq Agdam. Der FC Zürich hat während der Saison bereits einen Trainer- und Sportchef-Wechsel hinter sich mit den daraus ebenfalls folgenden personellen Wechseln im Kader. Kein einziges Mal trat der FC Zürich im Jahr 2025 in Genf an! Dies aufgrund des „Schotten-Modus“ und Spielplanes. In den zwei Duellen im Letzigrund verlor der FCZ im März mit dem damaligen Coach Ricardo Moniz 1:3 und gewann im September unter Mitchell Van der Gaag mit 2:1. Letzteres war damals die zweite Liga-Partie von Jocelyn Gourvennec als Servette-Verantwortlicher an der Seitenlinie gewesen. Der FC Zürich kam nach 2:0-Führung durch einen Tsawa-Doppelpack im Verlauf der 2. Halbzeit immer mehr unter Druck und brachte die drei Punkte nach Platzverweisen gegen Bangoura und Sauter mit Glück ins Trockene.

Wer ersetzt beim FCZ Steven Zuber?

Beim letzten Auftritt in Genf im November 2024 traf Bledian Krasniqi beim 1:1 mit einem herrlichen Weitschusstor. Es war eines von 16 Toren Krasniqis in seinen 162 Partien für die 1. Mannschaft des FCZ. Sein Début hat Krasniqi in der Europa League-Saison 18/19 unter Ludo Magnin gefeiert. Nach zwei Leihjahren in Wil gehört der eingefleischte FCZ-Anhänger seit der Meistersaison 21/22 zum Stammpersonal. Auch in der aktuellen Saison gehört er zu den elf Spielern mit den meisten Spielminuten im Kader und hat in Wettbewerbspartien am meisten Torvorlagen geliefert. Nach seinem ausgezeichneten Saisonstart wurde er zuletzt allerdings nicht mehr häufig für die Startformation berücksichtigt. Vor der Winterpause sah man von ihm als Joker einzelne gute Aktionen.

Der Abgang von Steven Zuber könnte Krasniqi nun die Chance eröffnen wieder in die Startelf zu rücken – zumal Trainer Dennis Hediger wohl davon abrücken wird, einen gelernten Stürmer wie Umeh Emmanuel auf der Zehner-Position laufen zu lassen. Im einzigen Test vor einer Woche in Kaiserslautern war Krasniqi allerdings noch krank gemeldet. Für ihn lief der von seiner Leihe aus Vaduz frühzeitig zurückgekehrte Nevio Di Giusto auf. Im „Ländle“ unter Trainer Marc Schneider stand ihm auf der Zehner-Position Luzern-Talent Ronaldo Dantas vor der Nase. Als dritte gute Option steht zudem Jill Stiel in den Startlöchern.

Wer stoppt Cognat, Stevanovic und Njoh?

Vor der Winterpause hat der FC Zürich unter Dennis Hediger jeweils mit Dreierabwehr in einem 3-4-1-2 gespielt. Kaiserslautern-Trainer Torsten Lieberknecht sprach aber nach dem hinter verschlossenen Türen durchgeführten Testspiel davon der Gegner habe im Rhombus gespielt. Dementsprechend könnte als überraschende Variante in Genf doch wieder ein FCZ mit Viererabwehr auftauchen. Was sicherlich gleich bleiben wird ist ein im Vergleich zur Zeit unter Ural, Moniz und Van der Gaag wieder vertikaler agierender FC Zürich mit einem Zwei Mann-Sturm und einem Zehner dahinter – ohne Flügelspieler und wenig Speil über die Seiten. Aus diesem Grund passt der sich auf dem Absprung befindende Jahnoah Markelo auch nicht mehr ins Team.

Mit Miguel Reichmuth hat der FC Zürich einen wendigen Sechser, der prädestiniert ist es mit dem Genfer Schlüsselspieler Timothée Cognat aufzunehmen. Bei der Auftaktniederlage (0:1) nach der Winterpause gegen Lausanne-Sport zeigte sich Cognat bereits wieder in bestechender Form. Ihn ganz auszuschalten ist nicht einfach. Weitere Schlüsselspieler in der Genfer Offensive sind Flügel Miroslav Stevanovic über rechts und Linksverteidiger Lilian Njoh über links. Falls er sich fit meldet wird es sicherlich die Aufgabe von Neuverpflichtung Chris Kablan sein, die Kreise von einem der beiden einzuschränken. Zuletzt auf Zypern hat Kablan zwar bei einem Eckball ein schönes Tor erzielt, blieb defensiv aber nicht immer über alle Zweifel erhaben. Mitentscheidend wird für den FCZ im Stade de Genève auch die Verteidigung der starken Genfer Standards von Cognat, Stevanovic und Njoh sein, die häufig kurz ausgeführt werden.

Viele talentierte Varianten am Linken Flügel Servettes

Servettes junger Linker Flügel Mardochée Miguel musste im Léman-Derby gegen Lausanne-Sport nach einem ansonsten starken Auftritt, aber einer hart gepfiffenen ersten Gelben Karte wegen Foulspiels, und einer korrekten zweiten Gelben Karte wegen Schwalbe schon vor der Pause mit Gelb-Rot unter die Dusche – und ist gegen den FCZ gesperrt. Der aus dem Servette-Nachwuchs stammende Portugiesische Junioren-Nationalspieler Keyan Varela könnte ihn ersetzen. Allerdings soll dieser auch kurz vor einem Wechsel zum Polnischen Spitzenteam und Conference League-Sechzehntalfinalist (gegen Fiorentina) Jagiellona Byalistok stehen, wo bereits die beiden Ex FCB-Akteure Pululu und Pelmard engagiert sind. Vielleicht wird das Spiel gegen den FCZ Varelas letzter Auftritt im Grenat-Dress. Mit Malek Ishuayed wäre ein weiteres vielversprechendes Nachwuchs-Talent eine Altermative – oder Lilian Njoh wird eine Reihe vorgezogen. Dies wiederum würde wohl dem U21-Captain Téo Allix zur Startelf-Nomination verhelfen – und Linksfuss Bradley Mazikou den Wechsel auf seine präferierte Seite. Aus Polen (Legia) zurückgekehrt in die Schweiz ist hingegen Marco Burch. Gegen Lausanne-Sport war der innenverteidiger noch nicht spielberechtigt gewesen, da das Transferfenster in der Schweiz erst am 15. Januar geöffnet wurde. Bei Gourvennecs Servette wird Burch die Aufgabe haben auch gegen einen hoch attackierenden FCZ mit Flachpassspiel hinten heraus zu kombinieren.

Live Radio

SFL Telegramm

Winter und Britto in Startelf vor den Augen von Urs Fischer: Aufstellungen Thun – FCZ im Detail

Der ehemalige FCZ- und Thun-Trainer sowie FCZ-Legende Urs Fischer will heute in der Stockhorn Arena ein spannendes Duell seiner beiden Ex-Klubs geniessen. Der aktuelle FCZ-Trainer Ludovic Magnin hat für die heutige Partie in der Stockhorn Arena eine begrenzte Personalauswahl in den vorderen Reihen. Benjamin Kololli kehrt zwar wieder zurück, aber dafür ist Blaz Kramer gesperrt – wegen eines „Fouls“ in der Anfangsphase der Partie gegen Lugano, das keines war. Dazu fallen die vom Platz gefahrenen / getragenen Tosin und Omeragic verletzt aus. Mahi und Marchesano sind ebenfalls nicht fit. Neu in die Startformation rücken Adi Winter, Mirlind Kryeziu, Hekuran Kryeziu und Willie Britto. Es ist sowohl eine Variante mit Dreierabwehr, als auch mit Viererabwehr denkbar.

Beim FC Thun hat Stürmer Ridge Munsy einen Lauf und seit seinem ersten Rückrundeneinsatz gegen Lugano in sechs Partien jedes Mal getroffen! Mit Hassane Bandé hat Thun-Trainer und FCZ-Gott Marc Schneider eine zusätzliche Option im Sturm, was Simone Rapp zu motivieren scheint, der zuletzt in St. Gallen nach seiner Einwechslung zur Halbzeit stark dazu beigetragen hat, dass die Berner Oberländer beinahe noch einen Punkt aus der Gallusstadt entführt hätten. Gegen den FCZ beginnt etwas überraschend das Duo Rapp / Bandé und Munsy sitzt als Joker auf der Bank. Seit einiger Zeit lässt Marc Schneider im Mittelfeld mit einer Raute spielen, wodurch die Position des Top-Assistgebers Tosetti auf dem offensiven Flügel normalerweise aus dem System rausfällt. Der FCZ hat in den letzten Jahren aber immer wieder Mühe mit Tosetti gehabt, daher bringt ihn Schneider heute trotzdem von Anfang an, ob als Achter in der Raute oder in einem flachen Vierermittelfeld wird sich noch zeigen. Grégory Karlen könnte in Abwesenheit von Miguel Castroman auf die 10er-Position rücken und der offensiv orientierte Nias Hefti ersetzt links hinten Chris Kablan.

Bangura beschert sich keine drei Punkte zum Geburtstag / Thun – FCZ 2:2 Analyse und Highlights

In den ersten Minuten der Partie im Berner Oberland kam der FCZ stark unter Druck, überstand diese Phase aber relativ rasch und übernahm grösstenteils das Spieldiktat. Die Gäste profitierten dabei davon, dass das Aussenverteidigerduo Rüegg / Pa Modou wieder gemeinsam auf dem Platz stand, was dem Zürcher Spiel meist gut tut. Mehrmals konnte der Ball mit Pressing in der gegnerischen Hälfte erobert werden. Nach den zwei Toren Benjamin Kolollis (das erste mit rechts, das zweite im Zusammenspiel mit dem eingewechselten Odey mit links) traten die Zürcher aber etwas übermotiviert auf und kassierten zwei Gegentore in weniger als vier Minuten. Neben Kololli waren Kevin Rüegg und Victor Palsson ebenfalls an beiden Zürcher Treffern beteiligt gewesen.

An seinem 31. Geburtstag lieferte Umaru Bangura eine unglückliche Partie ab. Es ist allgemein bekannt, dass sich «Uma» häufig zu leicht aus seiner Position herauslocken lässt, auch in Situationen, in denen er den Ball nicht erreichen kann. Auch in Thun passierte ihm dies mehrmals, unter anderem entscheidend beim zweiten Gegentreffer. Dazu sah er schon früh wegen einer «Notbremse»-ähnlichen Aktion seitlich an der Strafraumgrenze gegen Spielmann beinahe Rot und setzte zu einem anderen Zeitpunkt einen Freistoss desselben Thuner Offensivmannes per Kopf an den eigenen Pfosten, worauf Palsson den Ball knapp vor der Linie noch vor zwei einschussbereiten Gegenspielern wegschlagen konnte.

Thun – FCZ 2:2 (0:1)

Tore: 29. Kololli (Rüegg) 0:1; 57. Kololli (Odey) 0:2, 59. Salanovic (Kablan) 1:2, 62. Sorgic (Fatkic) 2:2.

Thun: Faivre; Kablan, Gelmi, Sutter, Facchinetti; Hediger; Tosetti, Fatkic, Stillhart, Spielmann; Sorgic.

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; H. Kryeziu, Palsson; Rodriguez (83. Winter), Domgjoni, Kololli; Ceesay (53. Odey).

Back to basics, please! FCZ-Spiel krankt an verzerrtem Selbstbild

Michael Frey ist einer, der in Bezug auf das aktuelle Manko des FCZ auf der richtigen Spur ist: «Wir sind keine Übermannschaft», und «wir müssen weniger reden und uns stattdessen voll aufs Spiel fokussieren» umschrieb der Stürmer treffend die für die derzeitige sportliche Baisse verantwortlichen Faktoren. Frey selbst hat diese Maximen phasenweise in der Vorrunde auch nicht immer beherzigt, mittlerweile aber offensichtlich daraus gelernt. Entscheidend wird sein, dass es alle FCZ-Spieler begreifen. Wenn ja, kann sich alles sehr schnell wieder zum besseren wenden. Wenn nein, ist das Ende der aktuellen desaströsen Resultate nicht absehbar.

Es liegt nicht am Personal, nicht an der Taktik, auch nicht am Engagement. Der FCZ machte gegen Thun von der 1. Minute an Druck und gab sich auch nach dem plötzlichen 0:2- und späteren 0:3-Rückstand in keiner Art und Weise auf, sondern versuchte wie schon im Cup-Viertelfinal gegen den gleichen Gegner das Spiel mit Vehemenz noch zu drehen. Die Entscheidung im Spiel wurde gar eher durch Übermotivation ausgelöst. Inklusive Nachspielzeit waren zu diesem Zeitpunkt noch zehn Minuten zu spielen, der FCZ im Flow, bei Thun kamen Gedanken an den Cup-Viertelfinal auf, und die Beine zitterten ein wenig, wie einzelne Berner Oberländer nach der Partie freimütig zugaben.

Ein drittes Zürcher Tor war ziemlich wahrscheinlich. Da führte Antonio Marchesano einen Freistoss in Strafraumnähe viel zu hektisch aus. Weder er selbst noch seine zahlreich sich in den gegnerischen Strafraum bewegenden Mitspieler waren zu diesem Zeitpunkt bereit für diesen Ball. Der Versuch, fünf Sekunden zu gewinnen, führte zu einem schlecht getretenen Freistoss, der schon an der Strafraumgrenze abgefangen werden konnte, und den entscheidenden Gegenstoss zum 2:4 bewirkte.

Es existiert ein schmaler Grat zwischen Selbstsicherheit und Selbstüberschätzung, und dieser wird zur Zeit zu häufig überschritten. Gerade Spieler der Hintermannschaft investieren zu wenig, um dem pressenden Gegner gar nicht erst die Chance auf eine Balleroberung zu geben. Der Vorsprung in einem Laufduell wird ohne Not verspielt, mit dem Abspiel zu lange gezögert, die eigene Position beim gegnerischen Angriff zu wenig rasch und konsequent eingenommen. Man verlässt sich zu stark auf die eigenen Qualitäten am Ball und im Zweikampf. Diese sind zwar im Super League-Vergleich nicht wirklich schlecht, aber niemals gut genug, um das zur Zeit zu häufig eingegangene Risiko zu rechtfertigen.

Der FCZ muss sofort beginnen deutlich schneller und schnörkelloser zu spielen. Dies bedeutet in jeder Situation erstmal die «Hausaufgaben» erledigen: sofort die richtige Position einnehmen, Druck auf den Gegner machen, und Ball sauber verarbeiten. Zudem: in der eigenen Platzhälfte keine Dinge tun, die man nicht wirklich beherrscht: also beispielsweise statt eine gegnerische Flanke mit einer riskanten Direktabnahme zu klären versuchen, sich erstmal darauf fokussieren, hinter dem Ball zu bleiben. Es bedeutet vor allem auch, jeweils die erste (realistische!) Idee sofort und so gut wie situationsbedingt möglich auszuführen, anstatt lange nach einer noch besseren Lösung zu suchen. Dies gilt auch im Abschluss im gegnerischen Strafraum.

Jeder im Team muss sich in dieser Hinsicht verbessern. Das Extrembeispiel ist aber sicherlich Umaru Bangura. Schon in Lausanne (Züri Live-Note «1») hatte der Nationalspieler Sierra Leones eine katastrophale Leistung abgeliefert und schloss in der Ersten Halbzeit gegen Thun nahtlos daran an. In der Zweiten Halbzeit war seinerseits dann aber bereits eine spürbare Verbesserung sichtbar – Bangura agierte in vielen Szenen schnörkelloser, als noch im ersten Durchgang. Roberto Rodriguez verzichtete in umkämpften und strittigen Szenen aufs Lamentieren. Dies lässt hoffen, dass eine schnelle Besserung der Situation grundsätzlich möglich ist.

Der FCZ ist keine Übermannschaft, genauso wie sieben andere Teams dieser Meisterschaft ebenfalls keine Übermannschaften sind. Das läuferische, technische und taktische Grundniveau der Liga steigert sich aber stetig. Ein FC Thun kann auch ohne seinen Captain Dennis Hediger genug Druck aufsetzen, um grundsätzlich jedem anderen Team der Liga, inklusive YB und FCB, Schwierigkeiten zu bereiten. Dies mit einem Mittelfeldzentrum mit dem jungen Sandro Lauper und den beiden in der Vergangenheit eher als Offensivkünstler bekannten und verschrienen Moreno Costanzo und Grégory Karlen – sowie einem Abwehrzentrum mit dem lange aussen vor gewesenen gelernten Mittelfeldspieler Nicola Sutter und dem eigenen Nachwuchsmann Timo Righetti (19) in dessen viertem Super League-Spiel.

In der Super League gewinnt diejenige Mannschaft, welche ihre Hausaufgaben zu 100% erledigt. Nur wenn dies beide Teams tun, können überhaupt individuelle Qualitäten zum Tragen kommen, und die Waage auf die eine oder andere Seite kippen lassen. Erst dann kann der Speed eines Fabian Rohner oder der Drehschuss mit links eines Raphael Dwamena im Duell mit einem FC Thun für die Differenz sorgen. Positiv zu werten ist sicherlich das Startelfdébut von Fabian Rohner, der sich speziell in der Anfangsphase sehr gut mit Roberto Rodriguez ergänzte. Neben einigen guten Offensivaktionen verhinderte Rohner zudem genauso wie Pa Modou mit Schnelligkeit und Einsatz potentiell gefährliche Konter des Gegners. Sonst wären es fünf oder sechs Gegentore geworden. Auch die Überlegung mit Linksfuss Pa Modou in der Dreierkette eine höhere Variabilität in der Spieleröffnung zu erreichen, ging auf. Der Gambier konnte mit seinen langen Bällen von hinten heraus das ein oder andere Mal die Thuner Defensive ins Wanken bringen.

FCZ – Thun 2:4 (0:2)

Tore: 8. Sorgic (Spielmann) 0:1, 11. Costanzo (Sorgic) 0:2; 52. Spielmann (Tosetti) 0:3, 65. Winter (Marchesano) 1:3, 69. Odey (Marchesano) 2:3, 84. Costanzo (Kablan) 2:4.

FC Zürich: Vanins; Thelander, Bangura, Pa Modou; Winter, Rüegg, Palsson, Rohner; Dwamena (62. Odey), Frey, Rodriguez (62. Marchesano).

Thun: Nikolic; Glarner, Sutter, Righetti, Joss (78. Facchinetti); Lauper ; Tosetti, Karlen (82. Bürgy), Costanzo; Spielmann (71. Kablan); Sorgic.