Ein paar Perspektiven und viele Grenzen aufgezeigt: Hajduk – FCZ 4:1

Der FCZ kassiert im Trainingslager in Belek die zweite Testspielniederlage der Wintervorbereitung. Die Partie muss dabei aus Zürcher Sicht in drei Abschnitte eingeteilt werden. Im ersten Spielviertel ging der FCZ von der ersten Sekunde an bewusst Vollgas und spielte über seinen eigentlichen physischen Möglichkeiten zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung. Diese Phase der Partie war denn auch die bisher beste der ganzen Vorbereitung, man war klar dominant und konnte mit Direktpassspiel über beide Seiten den Gegner deutlich dominieren. Es hätte in diesem Spielabschnitt auch noch mehr als das eine Tor durch Dwamena (Schlenzer in die entfernte linke Ecke nach Frey-Vorarbeit in der 7. Minute) fallen können oder dürfen.

Ein nach einer leichten Berührung Thelanders an Fomitschow zu hart gepfiffener Penalty leitete dann im zweiten Viertel der Partie einen Torreigen der Kroaten ein. Der FCZ musste seinem Anfangstempo nun Tribut zollen. Der 57-fache Portugiesische Nationalstürmer Hugo Almeida verwandelte den Penalty in der 24. Minute sicher zentral unter die Latte. In der 36. Minute trifft der ehemalige Italienische U19-Nationalspieler Ahmed Said zur 2:1-Führung, drei Minuten später Ex-Barcelona B-Innenverteidiger Lopez am nahen Pfosten per Kopf nach einem Eckball von rechts gar zum 3:1 und zwei Minuten vor der Pause schiesst Almeida nach Vorarbeit von Said sein zweites Tor – 4:1. Bei allen drei Gegentoren konnte Hajduk in erster Linie aber nicht nur von Fehlern des FCZ-Verteidigers Mirlind Kryeziu profitieren.

Beim 2:1 hatte Kryeziu gleich zwei Mal die Chance, den Ball vor Said zu erlaufen, war aber sowohl mit den Füssen wie auch gedanklich zu wenig schnell. Dazwischen ging der so unter Druck gesetzte herauseilende Torhüter Vanins im Zweikampf mit Said zu viel Risiko. Beim 3:1 konnte Kryeziu seinen Gegenspieler Lopez nicht am Kopfball hindern. Und beim 4:1 ging der 1,97m-Hüne an der Grundlinie auch weil er erneut nicht schnell genug vor Ort war, zu übermotiviert und naiv in den Zweikampf mit Said, und liess sich einfach austanzen. Es gab in dieser Phase noch zwei, drei weitere Szenen bei denen Kryeziu mit dem Tempo nicht mithalten konnte. Diese 22 Minuten waren für ihn auf jeden Fall lehrreich, denn sie zeigten auf, woran gearbeitet werden muss. Das Potential ist vorhanden – und auch ein anderer Verteidiger aus dem Kanton Zürich, der vor wenigen Tagen für 20 Millionen in die Bundesliga gewechselt ist, hat noch vor etwa zwei Jahren ähnliche Testauftritte gezeigt.

Kryeziu war aber schlussendlich nur die «Spitze des Eisberges». Das ganze Team bekam im zweiten Spielviertel in der defensiven Phase seine Grenzen aufgezeigt, und erinnerte stark an die letzten zwei Auftritte vor der Winterpause. Angefangen vorne bei Michael Frey, der seinem Team bei weitem nicht mehr im gleichen Ausmass defensiv helfen kann, wie lange Zeit während der Vorrunde. Antonio Marchesano im Mittelfeld im Team zu haben, ist bei eigenem Ballbesitz wunderbar, aber die defensive Stabilität geht verloren. Das war schon in der Challenge League jeweils der Fall gewesen. Umaru Bangura wurde im Zentralen Mittelfeld getestet – eine Rolle, die der 30-jährige früher in Norwegen bei Hönefoss auch schon ausgefüllt hatte. Dies könnte grundsätzlich durchaus funktionieren, nur: Bangura ist ebenfalls einer derjenigen Defensivspieler, die zuletzt ausser Form waren und immer noch sind – genauso wie Rasmus Thelander.

Wirklich solide tritt von den Innenverteidigern zur Zeit nur Cédric Brunner auf. Wie schon während den ersten beiden Testpartien agierte Sangoné Sarr im Zentrum der Abwehr und wirkte dabei defensiv weiterhin noch nicht auf der Höhe dieser Aufgabe. Dabei wäre es aus Sicht des Offensivspiels durchaus die Idealposition für Sarr, denn er hat wohl die beste Spieleröffnung von hinten heraus. Aber die Offensivphase macht halt eben nur 50% des Spiels aus. Im zweiten Durchgang wurde dann mit Victor Palsson ein weiterer Mittelfeldmann im Abwehrzentrum gebracht. Diesem unterliefen aber wie zuletzt in jedem seiner Spiele im und am eigenen Strafraum Unkonzentriertheiten und Abspielfehler.

In der Pause wechselten beide Trainer das ganze Team. Einzige Ausnahmen waren FCZ-Torhüter Vanins  sowie Hajduk-Verteidiger Ismajli, die auch im zweiten Durchgang auf dem Platz blieben. Beim FCZ durfte Lavdrim Rexhepi diesmal im Zentralen Mittelfeld neben Kevin Rüegg ran und erneut alle Standards treten. In der 81. Minute konnte Rexhepi eine Grosschance aus sechs Metern nicht zum zweiten Zürcher Tor nutzen. Die jungen Haile-Selassie, Aliu, Koné (in der 80. Minute für Domgjoni angeschlagen ausgewechselt) und Odey zeigten mehrmals gutes Kombinationsspiel – im Abschluss schaute dann aber wenig raus.

Insgesamt hatte Hajduk im zweiten Abschnitt mehr vom Spiel, kam aber im Duell der beiden «B-Teams» trotzdem nicht zu mehr guten Torchancen, als der FCZ. Trotz der klaren Niederlage gab es neben dem starken ersten Spielviertel noch einen zweiten kleinen Lichtblick beim FCZ. Izer Aliu scheint auf gutem Wege zu sein, sich zu einer echten Alternative auf der linken Seite zu entwickeln, und konnte sich in diesem Spiel von allen Jungen am meisten empfehlen. Der 19-jährige Linksfüsser setzt seine spielerischen Qualitäten zielgerichteter ein, als in der Vergangenheit – und hat physisch sowie mental zugelegt. Es war insgesamt eine sehr lehrreiche Partie für den FCZ, denn es wurden sowohl ein paar Perspektiven, wie auch sehr viele Grenzen der Mannschaft im Ganzen und der Spieler im Einzelnen aufgezeigt.

Hajduk – FCZ 4:1 (4:1)
Tore: 7. Dwamena (Frey) 0:1, 24. Hugo Almeida (Penalty, Formitschow) 1:1, 36. Said 2:1, 39. Lopez (Basic) 3:1, 43. Hugo Almeida (Said) 4:1.
Hajduk (1. Hz): Stipica; Tudor, Ismajli, Lopez, Formitschow; Hamza, Radosevic, Basic; Ohandza, Hugo Almeida, Said.
Hajduk (2. Hz): Grbic; Juranovic, Ismajli, Savvas, Bradaric; Juric, Kozulj, Nejasmic; Sego, Kovacevic, Sehic.
FC Zürich (1. Hz): Vanins; Thelander, Sarr, Kryeziu; Rohner, Marchesano, Bangura, Pa Modou; Dwamena, Frey, Rodriguez.
FC Zürich (2. Hz): Vanins; Nef, Palsson, Brunner; Winter, Rüegg, Rexhepi, Aliu; Koné (80. Domgjoni), Odey, Haile-Selassie.

0:2 in Schaffhausen – FCZ noch nicht auf Betriebstemperatur

Wer einen Sinn für Esoterik, Zeichen und Omen hat, wird nach der 0:2-Testspielniederlage in Schaffhausen optimistisch auf die anstehende FCZ-Rückrunde blicken. Zum vierten Mal hintereinander traf der FCZ in der Vorbereitung auf den FC Schaffhausen. Nach den beiden Niederlagen gegen die Munotstädter in den Saisonvorbereitungen 2016 und 2017 spielte der Stadtclub jeweils eine gute Vorrunde. Der 3:1-Sieg im allerersten Match im nigelnagelneuen LIPO Park vor Jahresfrist und die anschliessenden weiteren tollen Leistungen und Resultate der Wintervorbereitung läuteten hingegen eine eher durchzogene Rückrunde ein, die nur dank dem vorangegangenen starken Herbst den Wiederaufstieg in die Super League nicht in den Sand setzte. Ein Testsieg gegen Schaffhausen scheint also ein schlechtes Zeichen, eine Testniederlage gegen den gleichen Gegner hingegen ein gutes Zeichen zu sein.

Das Stadion war im Januar 2017 noch eine Baustelle im Endstadium gewesen, und die inoffizielle Stadioneröffnung dementsprechend unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt worden. Diesmal liessen sich 300 Fans (etwas mehr Zürcher, als Schaffhauser) den Match am frühen Mittwoch Nachmittag nicht entgehen. Sie sahen ein typisches Auftaktspiel in die Vorbereitung, ein etwas besseres «Anschwitzen». Betriebstemperatur wurde aber bei weitem noch nicht erreicht. Der FCZ war über weite Strecken spielbestimmend, Schaffhausen fokussierte sich wie auch in der Liga auf schnelles Umschaltspiel.

Aus solch einer Umschaltsituation entstand auch das 1:0, als die Gelb-Schwarzen in der 12. Minute erstmals am Zürcher Strafraum auftauchten und Tranquilli den in offsideverdächtiger Position halbrechts im Strafraum freistehenden Hélios Sessolo (11 Skorerpunkte in der aktuellen Challenge League-Saison) bediente, und dieser alleine vor Torhüter Vanins den Ball über den Lettischen Fussballer des Jahres lupfte. Der Offensivmann aus dem Waadtland war es dann auch, der in der 26. Minute nach einem Umfaller Tranquillis im Anschluss an ein Del Toro-Dribbling von rechts an der Grundlinie in den Strafraum den von Ref Schärer etwas übereifrig gepfiffenen Elfmeter souverän zum Endresultat von 2:0 verwandeln konnte.

Der FCZ spielte in der Ersten Halbzeit im gewohnten 3-4-3. Zu Beginn der letzten Rückrunde war Mirlind Kryeziu während drei Partien in Uli Fortes Team in der Startformation gestanden, und hatte dabei bei einem 4:1-Sieg in Wil auch gleich sein erstes Profitor erzielt gehabt (seinen Einstieg im Profibereich hatte er zuvor während einer Leihe zum FC Biel gefeiert). Ein durch einen Kreuzbandriss geprägtes Jahr später nimmt der 20-jährige Zürcher einen neuen Anlauf und machte seine Sache vergleichsweise gut. Seine routinierten Nebenleute Bangura und Thelander wirkten deutlich weniger solide und fokussiert. Und gerade auch der häufig hadernde Michael Frey präsentierte sich zum Auftakt ähnlich uninspiriert kämpfend wie zeitweise zum Vorrundenabschluss in Lausanne.

Izer Aliu hatte in der Ersten Halbzeit am meisten Spielanteile und suchte immer wieder mit Maren Haile-Selassie, Michi Frey, Fabian Rohner oder Roberto Rodriguez den Doppelpass. Der 19-jährige musste sich aber auch ein, zwei Mal von den „viferen“ Challenge League-Profis Schaffhausens den Ball abluchsen lassen. Maren Haile-Selassie hatte auf der linken Seite etwas mehr gute Szenen als Fabian Rohner auf rechts, der in diesen ersten 45 Minuten noch nicht ganz die Bindung zum Spiel fand.

Zur Halbzeit wechselte Forte das gesamte Team aus. Lavdrim Rexhepi kam dabei auf links zu seinem ersten Einsatz in der 1. Mannschaft und bestätigte seine zuletzt guten Trainingseindrücke. Wie gegenüber Züri Live in einem Kurzinterview geäussert will der Offensivmann das Beste herausholen – und dies in jeder Situation, sei es im Spiel oder im Training. Etwas weniger zu sehen war von Mittelfeldspieler Toni Domgjoni. Dieser war zwar bemüht, bekam aber kaum mal einen Ball in die Füsse. Mit Marchesano feierte der zweite «Toni» wie Kryeziu nach Verletzungspause sein Comeback. Für den Tessiner wurde das System in der Zweiten Halbzeit leicht angepasst. Aus dem offensiven Dreizack Koné – Frey – Rodriguez der Ersten Halbzeit wurde der Triangel mit Marchesano auf der 10-er Position hinter einem Zweimannsturm Dwamena – Odey.

Der FCZ-Anzug für die Zweite Halbzeit begann gut, schien aber im Verlauf des Durchganges bereits relativ früh müde zu werden, so dass dann gegen Ende der Partie nie wirklich das Gefühl aufkam, der FCZ könnte noch die zwei Tore zum Ausgleich erzielen. Schaffhausen-Coach Smiljanic wechselte etwas weniger und später, als sein Gegenüber auf der Zürcher Trainerbank. Der 22-jährige Innenverteidiger Stefan Umjenovic vom Österreichischen Zweitligisten Florisdorfer AC wurde 78 Minuten lang getestet und für die Schlussphase durch Pedro Pacheco vom FC Basel ersetzt. Beide sind Kandidaten als Ersatz für den zu GC gewechselten Juniorennationalspieler Jean-Pierre Rhyner. Weitere neue Gesichter bei den Gelb-Schwarzen waren Mittelfeldspieler Yannick Helbling von Rapperswil-Jona als möglicher Ersatz für den ebenfalls zu GC gewechselten Bujar Lika, und der 18-jährige Jovan Rether aus der Zweiten Mannschaft.

Schaffhausen – FCZ 2:0 (2:0)

Tore: 12. Sessolo (Tranquilli) 1:0, 26. Sessolo (Penalty, Tranquilli) 2:0.

Schaffhausen: Grasseler; Gonçalves (46. Loosli), Umjenovic (78. Pacheco), Mevlja; Tranquilli, Bunjaku (62. Rether), Helbling (78. A. Demhasaj), Mikari (46. Fioravanti); Del Toro (46. Castroman); Sessolo (62. Gül), Barry.

FC Zürich (1. Hz): Vanins; Thelander, Bangura, Kryeziu; Rohner, Palsson, Aliu, Haile-Selassie; Koné, Frey, Rodriguez.

FC Zürich (2. Hz): Brecher; Nef, Sarr, Brunner; Winter, Rüegg, Domgjoni, Rexhepi; Marchesano; Dwamena, Odey.

Wieder ein November-Knick? 3 Fragen vor FCZ – Lausanne-Sport

1. Erleidet der FCZ wieder einen November-Knick?

Letzte Saison kam der FCZ Mitte Juli stark aus den Startlöchern und hielt die Pace bis Mitte November durch. Diese Saison sieht es bisher ähnlich aus. Als Aufsteiger mit dem sechsthöchsten Budget der Liga ist man erstaunlich gut gestartet. Kommt erneut der November-Knick? Wäre dies der Fall, könnte es der FCZ sicherlich weniger gut überspielen wie noch vor Jahresfrist. Damals spielte man noch eine Liga tiefer und vermochte gewisse Spiele auch mit einer mässigen Leistung für sich zu entscheiden. Ausserdem war in jener Phase Alain Nef enorm wichtig, in dem er mit unbändigem Kampfgeist das ein oder andere Spiel für seine Nebenleute noch aus dem Feuer riss. Nun ist man wieder in der Super League, und Alain Nef war zuletzt angeschlagen. Wie schon vor Jahresfrist steht Adrian Winter symbolisch sowohl für den starken Start, wie auch für das Nachlassen Richtung Winterpause. Kevin Rüegg hat zuletzt auch im Training öfter mal auf dessen Position als Rechter Aussenläufer agiert und es ist durchaus möglich, dass er gegen Lausanne da auf dem rechten Couloir in die Startformation rückt. Zumal Victor Palsson sich im Zentrum zuletzt etwas besser etabliert hat.

2. Gibt es vor der Winterpause noch Verstärkung aus den eigenen Reihen?

Nicht zum ersten Mal stellt sich hier die Frage: Können die Fans für den Schlussspurt vor der Winterpause auf Verstärkung der Mannschaft aus den eigenen Reihen hoffen? Kann der ein oder andere zuletzt verletzt gewesene Spieler bereits eingreifen? Armin Alesevic, Michael Kempter, Yassin Maouche, Antonio Marchesano und Marco Schönbächler sind aktuell verletzt, rekonvaleszent oder im Aufbau begriffen. Aus den Äusserungen von Trainer UIi Forte in den letzten Wochen lässt sich herauslesen, dass es auf keinen Fall eine Feuerwehrübung geben soll. Erste Priorität ist, dass die betroffenen Spieler auf den Rückrundenstart hin in Bestverfassung kommen. Mirlind Kryeziu und Antonio Marchesano sind schon seit längerer Zeit (wenn auch bei Marchesano noch reduziert) im Mannschaftstraining mit dabei und beide machen dabei auf den Betrachter von Züri Live den Eindruck, dass sie bei ihrer Rückkehr die Mannschaft verstärken können. Kryeziu werden zur Zeit in der Promotion League von Spiel zu Spiel immer mehr Spielminuten zugestanden. Zuletzt bei der 1:5-Klatsche in Köniz waren es 65 Minuten.

3. Wer schiesst die Tore….und wie viele?

Bei Spielen mit Lausanne-Beteiligung gibt es die meisten Tore in der Super League: 53 an der Zahl bisher in 15 Begegnungen. Ganz anders beim FCZ – dieser hat mit 30 und genau zwei im Schnitt pro Partie den tiefsten Wert der Liga. Die erste Direktbegegnung der Saison auf der Pontaise (1:1 nach den Toren von Roberto Rodriguez und Francesco Margiotta) entsprach genau diesem FCZ-Schnitt. Auf der Pontaise im September hatte das Forte-Team eine starke erste halbe Stunde zu verzeichnen, in welcher Roberto Rodriguez das Spiel in die Hand nahm. Auch wettbewerbsübergreifend haben bisher in dieser Saison erst acht FCZ-ler ins Schwarze getroffen. Adi Winter hatte in dieser Saison bisher acht Abschlüsse, ohne ein Tor zu erzielen, Sangoné Sarr gar neun. Die beste Chancenverwertung hat mit 33% bisher Dzengis Cavusevic – allerdings war der grösste Teil seiner Spielzeit im Cup gegen unterklassige Gegner. Speziell Raphael Dwamena und Roberto Rodriguez müssen ihr Visier besser einstellen, denn sie kommen auch immer wieder im Strafraum zum Abschluss, und haben trotzdem eine Chancenverwertung von nicht über 15%. Schon 19 Spieler kamen in dieser Saison bei einem Wettbewerbsspiel zum Abschluss – Raphael Dwamena hatte mit 47 Schüssen auf oder neben das Tor die meisten Torchancen zu verzeichnen.

Drei Fragen vor Sion – FCZ: mit oder ohne Alain Nef?

Die erste Saisonbegegnung im August war aus Sicht des FCZ ein sehr wichtiger 2:0-Heimsieg dank zwei Standardtoren von Roberto Rodriguez und Michi Frey. Vor allem in der 1. Halbzeit gab es im Letzigrund viele Torchancen auf beiden Seiten, wobei beim Gegner vor allem der zuletzt verletzte Brasilianer Adryan jeweils seine Füsse im Spiel hatte.

Vor dem „Rückspiel“ im Tourbillon am Samstag stellen sich aus Sicht des FCZ drei Fragen.

  1. Hat die Mannschaft aus dem Derby gelernt?

Für Uli Forte war das Derby ein Match, wie er einmal pro Jahr vorkomme oder noch seltener. Deshalb gäbe es aus dem Derby nicht wirklich viel zu lernen. Die Mannschaft hat vor dem Derby gewusst, was sie machen muss, und weiss es auch jetzt. Man habe in diesem Spiel GC die Tore auf dem Silbertablett serviert. Das dürfe so nicht vorkommen. Und man müsse vorne um die Tore kämpfen, mehr Vertikalität ins Spiel bringen, und nicht davon ausgehen, dass alles von alleine gut komme. Nichtsdestotrotz habe man letzte Woche gegen Stade Lausanne Ouchy und den FC Basel wieder mehr Killerinstinkt gesehen.

2. Ist der kürzliche Trainerwechsel in Sion ein Vorteil für den FCZ?

Normalerweise geht bei einem Trainerwechsel ein Ruck durch eine Mannschaft. Die vom alten Trainer verschmähten Spieler schöpfen neue Hoffnung und geben Vollgas, die etablierten müssen sich entsprechend neu beweisen. In Bern bei der 1:5-Niederlage Sions zum Auftakt der Ära des neuen Trainers «Gabri» wirkte Sion zeitweise etwas orientierungslos, und es gab viel taktischen Erklärungsbedarf zwischen Spielern und Trainerstaff. Uli Forte verfolgte dies als Tribünengast aus nächster Nähe. Der Spanier hatte nur ganz wenige Trainingseinheiten zur Verfügung, um dem Team seine Ideen zu vermitteln und musste gleich beim heimstarken Leader auf Kunstrasen ins kalte Wasser springen.

Mittlerweile hatten Gabri und sein Team eine ganze Woche Zeit, sich auf den FCZ-Match vorzubereiten und das 4-3-3 System einzustudieren. FCZ-Trainer Uli Forte erwartet  beim Gegner in jeder Hinsicht, organisatorisch, mental und möglicherweise auch personell eine andere Mannschaft auf dem Platz, als noch in Bern. Gabri bezeichnete das Spiel gegen den FCZ bereits als einen «Final» vor der Nationalmannschaftspause. Kommt der «Neue Besen»-Effekt bei den Wallisern also mit einer Woche Verspätung, oder braucht das Team noch etwas mehr Zeit, um vom Italiener Paolo Tramezzani auf die Barçelona-Schule Gabris mit viel Ballbesitz umzustellen?

  1. Ist Alain Nef wieder fit?

Alain Nef, der beim letzten Auftritt des FCZ im Wallis (ein turbulentes 2:2) drei Tage vor dem Abstieg in der 95. Minute Gelb-Rot sah, war zuletzt bereits etwas länger angeschlagen gewesen und gegen Basel aus diesem Grund erst in der Schlussphase eingewechselt worden. Er erhielt während seines Kurzeinsatzes aber einen weiteren Schlag aufs Knie und konnte nur mit Müh und Not zu Ende spielen. Diese Woche absolvierte er ein Spezialprogramm und sein Einsatz morgen gegen Sion ist zur Zeit noch fraglich.

Von den Langzeitverletzten am weitesten ist Mirlind Kryeziu. Der Verteidiger könnte in Kürze (wohl zuerst in der U21) zu seinen ersten Einsätzen kommen. Antonio Marchesano absolviert im Mannschaftstraining erst ein Teilprogramm – bei ihm wird es bis zu einem möglichen Einsatz noch mehrere Wochen dauern. Armin Alesevic muss in diesen Tagen eine weitere Operation am Knie über sich ergehen lassen, lässt sich davon aber nicht unterkriegen und wirkt im Gespräch mit Züri Live zuversichtlich für die nähere Zukunft.

News gibt es auch von Marvin Graf: der zuletzt an den FC Wohlen ausgeliehene schnelle Offensivmann laboriert seit mehr als einem Jahr an einem Knorpelschaden. Gemäss Leiter Sport Thomas Bickel ist zur Zeit geplant, dass Graf ab Dezember 2017 beim FCZ mit der Reha beginnt. Der aus dem eigenen Nachwuchs stammende 22-jährige hat noch Vertrag bis 2020.  

Nach Dwamena-Abgang: wie spielt der FCZ?

Nach dem wahrscheinlichen Dwamena-Abgang und vor dem interessanten Auswärtsspiel in Luzern ist ein guter Zeitpunkt für eine Standortbestimmung zur FCZ-Aufstellung. Neuverpflichtung Rasmus Thelander konnte gegen YB wegen fehlender Spielbewilligung noch nicht eingesetzt werden. Der Däne hat aber sowieso noch ein wenig Trainingsrückstand, weil er während der Transfergeschichte zwischendurch 10 Tage „verloren“ hat. Die beste Position für Thelander in der Dreierabwehr sieht Uli Forte auf halbrechts, wo bisher meist Alain Nef spielte, da Thelander ebenfalls Stärken in der Vorwärtsbewegung hat.  Er kann aber auch auf den anderen Abwehrpositionen eingesetzt werden. Nef zeigt sich wie schon in den letzten Jahren als kaum verzichtbarer Bestandteil der Mannschaft. Die Leistungen von Umaru Bangura, der in seiner Anfangszeit in Norwegen im Zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, sind eher etwas schwankend.

Denkbar ist sicherlich eine Abwehr, in der alle drei Routiniers auflaufen. Auf der (halb-)linken Seite haben aber grundsätzlich die beiden verletzungsgeplagten jungen Alesevic und Kryeziu den Vorteil, dass sie Linksfüsser sind. Gegen YB hat auf dieser Position ausserdem Cédric Brunner wie schon gegen Sion eine solide Leistung gezeigt. Da weder Sarr, noch Palsson oder Maouche bisher überzeugen konnten, ist es gut möglich, dass der wiedergenesene Antonio Marchesano wieder relativ zügig den Weg zurück in die Startformation findet. Der Tessiner war zum Ende der letzten Rückrunde gerade zu Bestform aufgelaufen gewesen, bevor er sich in der Vorbereitung im Testspiel gegen Thun verletzte. Marchesano bringt in der Offensive in der Ballverteilung und bei Standards grosse Qualitäten mit, steht er auf dem Platz, fallen in der Regel aber auch mehr Gegentore, da das Mittelfeld meist deutlich weniger dichtgehalten werden kann, auch wenn sich Marchesano zuletzt im Frühling in dieser Hinsicht leicht verbessert gezeigt hat.

Da die Defensive Phase mit nur einem Gegentor in fünf Meisterschaftspartien bisher hauptsächlich verantwortlich für die aktuelle Tabellenführung war, wäre ein Einsatz von „Toni“ also auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Dass der FCZ bisher vorwiegend im 3-4-3 gespielt hat, hing durchaus auch mit der Personalie Dwamena zusammen. Vor Saisonbeginn suchte Uli Forte nach einem System, welches sowohl offensiv wie auch defensiv mit dem Trio Dwamena, Frey und Koné funktioniert. Das System funktioniert allerdings auch ohne den Ghanaer sehr gut, denn die schnellen Rohner und Haile-Selassie haben gezeigt, dass sie für die Super League bereit sind. Bezüglich Speed stehen sie den jungen Westafrikanern in nichts nach, und sind zudem in der Rückwärtsbewegung eher stärker. Mittel- bis langfristig liegt die Hoffnung natürlich auch auf der Rückkehr von Schönbi, für den ein 3-4-3 in der Rolle als linker Flügelstürmer wie geschaffen ist.

Auch im 4-4-2/4-2-3-1 kann man sich die aktuelle Mannschaft gut vorstellen. Ob in dieser Transferperiode noch ein neuer Offensivmann dazukommen wird, ist noch nicht entschieden. Mindestens kurz- bis mittelfristig könnten ein Koné, ein Rodriguez, ein Haile-Selassie oder Rohner durch den Dwamena-Abgang zu zusätzlicher Spielzeit kommen. Und ein kleines Kader, in welchem jeder Spieler, auch die Jungen, grosse Chancen auf Einsätze hat, soll sich ja jeweils auch positiv auf den Teamgeist auswirken. Kilian Pagliuca konnte sich bisher in der Zweiten Mannschaft nicht fürs Fanionteam empfehlen. Da scheint bei Abwesenheiten anderer Akteure eine überraschende Nomination des abschlussstarken Lavdim Zumberi (17) in der Offensivreihe aktuell fast wahrscheinlicher.

 

Moussa Koné wie „Flasche leer“ / FCZ – YB Stats und Spielinfos

YB-Trainer Adi Hütter brachte mit Djibril Sow („Speziell, gegen die Südkurve zu spielen, wenn man früher selber drin stand“) und Christian Fassnacht beide Spieler aus der FCZ Academy, und dazu die beiden Ex FCZ-ler Steve Von Bergen und Loris Benito in der Startformation. In diesem kampfbetonten Spitzenspiel gab der FCZ in der 1. Halbzeit den Takt vor und hatte insgesamt deutlich mehr Top-Defensivaktionen, als Top-Offensivaktionen. Im Angriffsdrittel hatte der FCZ nicht viele gute Szenen, weder Defensiv noch Offensiv, was in erster Linie daran lag, dass die Stürmer, speziell Michi Frey, viel im Mittelfeld und teilweise gar im Backfield aushalfen bzw. aushelfen mussten.

Sangoné Sarr schafft es leider seit Monaten nicht, seine Fehlpassquote nachhaltig zu senken. Dies ist ein wesentliches Problem für das ganze Team. Mit einer besseren Passquote von Sarr oder Palsson wären drei Punkte möglich gewesen – so aber kam der FCZ in der Zweiten Halbzeit zu stark unter Druck. Roberto Rodriguez zeigt weiter aufsteigende Form – seltsam ist nur, dass ausgerechnet er, der nicht unbedingt der schnellste Offensivmann im Team ist, so häufig steil in die Tiefe geschickt wird.

Der zu Saisonbeginn nicht wirklich überzeugende Cédric Brunner zeigte auf halblinks in der Abwehr seine bisher mit Abstand beste Saisonleistung (inklusive Testspiele). Es scheint die Position zu sein, wo er sich zur Zeit am wohlsten fühlt. Weiterhin unsicher wirkte Neuverpflichtung Victor Palsson, zumal er zusätzlich wegen den Ausfällen von Bangura und Alesevic (in Chippis leicht am Knie verletzt zur Pause ausgewechselt) sowie der fehlenden Spielberechtigung Thelanders im Abwehrzentrum aushelfen musste. Erfreulich war, Antonio Marchesano wieder auf der Ersatzbank zu sehen. Sein erster Saisoneinsatz in einem Wettbewerbsspiel scheint nicht mehr weit entfernt zu sein.

Eine totale Enttäuschung war der eingewechselte Moussa Koné – wie „Flasche leer“, eine Nichtleistung, für die es nur die Tiefstnote „1“ geben kann. Trainer Forte war so erbost und erschrocken ob dem Bärendienst, welcher Koné dem Team nach der Auswechslung von Rodriguez erwies, dass er sich nicht mehr zu getrauen schien, weitere Spieler einzuwechseln. Der schon bereitstehende Cavusevic musste wieder zurück auf die Bank. Dass Forte nicht das volle Wechselkontigent ausschöpft, ist äusserst selten.

 

Nicolas Stettler empfiehlt sich: Winterthur – FCZ 0:3 Spielinfos und Stats

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Derbysieg am 13. Mai! Mit Antonio Marchesano (3), Oli Buff (2) und Raphael Dwamena (1) sind gleich drei Spieler an allen Toren beteiligt, bei welchen sie auf dem Platz standen. Auch Roberto Rodriguez und Nicolas Stettler haben je zwei Torbeteiligungen vorzuweisen. Der Thurgauer Aussenverteidiger spielt auf seiner „schwächeren“ Seite offensiv wie defensiv eine starke Partie und empfiehlt sich für weitere Einsätze. Cédric Brunner auf der anderen Seite hingegen kämpft auch in Winterthur mit seiner schlechten Rückrundenform.

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Der FCZ geht dank aggressivem Pressing in den ersten 10 Minuten verdient früh mit 1:0 in Front. In der Folge gleicht sich die Partie aus und ist insgesamt nicht sehr hochstehend. Die Zürcher zeigen sich aber auch in der 2. Halbzeit als die vor dem gegnerischen Tor effizientere Mannschaft. Torschütze und Assistgeber Oli Buff spricht nach der Partie im Gespräch mit Züri Live auch über einen möglichen Abgang zum Ende der Saison: Live-Interviews nach dem Kantonsderby.

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