Klartext zum FCZ – Neun Jahre nach „Finger weg vom Sportliche“ – Quo Vadis im November 2025

„Ich habe das Gefühl, wir sind erst jetzt richtig professionell geworden.“ Die kürzliche Aussage von Yanick Brecher zur Entwicklung des FC Zürich kontrastiert stark mit vielen Stimmen ausserhalb des Klubs. Innerhalb des Klubs berichten eigene Junioren wie David Vujevic, dass sie erst mit dem Wechsel der sportlichen Verantwortlichen „die Freude am Fussball“ wiedergefunden haben. Eltern sind begeistert, dass ihre Jungs und Mädels gezielter gefördert werden und hochmotiviert sind. Ausserhalb des Klubs hat sich hingegen ein Amalgam von Kritikern mit den unterschiedlichsten Motiven gebildet.

Inside Paradeplatz-Niveau bei Fabian Ruch

Die Opposition wird durch die schlechten Resultate seit dem Derby vor einem Monat befeuert. Die Resultate sind aber nicht ihr Ursprung. Der Kern besteht aus ehemaligen Mitarbeitenden, die Opfer des Wandels im Klub geworden sind. Ein Teil davon ist mit der organisierten Fanszene vernetzt, andere melden sich regelmässig bei Journalisten. Von diesen Journalisten gibt es wiederum einzelne, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten persönliche Animositäten gegenüber dem FCZ, der Stadt Zürich oder der Familie Canepa hegen. Und dann gibt es auch noch Leute, die den Sportchef Milos Malenovic unsympathisch finden.

Der alteingesessene Thomas Schifferle (TA Media) greift Präsident, Sportchefs und Trainer des FC Zürich seit Jahrzehnten immer wieder auf der persönlichen Ebene an. Einzig in einer Meistersaison ist zwischenzeitlich Ruhe. Wenn es schlecht läuft, taucht zudem zuverlässig wie aus dem Nichts Stephan Ramming (NZZ) auf. Offenbar aus einer Klause an der Goldküste und seit Monaten frei von Konsum jeglichen Super League-Fussballs – aber mit immer derselben Erkenntnis: der FCZ ist „pfui!“. Von TA Media zur NZZ geflüchtet ist der Berner Fabian Ruch. Der „wunderbare Fäbu“ setzt regelmässig abenteuerliche Theorien über Milos Malenovic in die Welt, die direkt aus der Feder des Click Bait-Journalisten Lukas Hässig von Inside Paradeplatz stammen könnten.

Durchschnittsalter der Neuzugänge: 25,5 Jahre

Ruch hat eine eigentümliche Art die Kommerzialisierung des Fussballs gleichzeitig abscheulich und genial zu finden. Dazwischen gibt es nichts. Hoffenheim ist ein Skandal – Red Bull Leipzig hingegen toll. Die Verstösse von Manchester City gegen das Financial Fairplay sind ein Verbrechen, aber eigentlich sollten die reichsten Klubs Europas eine eigene Liga gründen und nur noch unter sich spielen. Seine Haltung gegenüber dem FCZ, dessen Klubführung aber auch Zürich als Stadt und dessen Bewohnern kommt durchweg negativ rüber und dient häufig als Kontrast zur eigenen konstruierten Berner Identität. Ruchs Lieblingsbegriff in Bezug auf den FCZ ist aktuell „Spieler-Casino*. Er sieht die Transferpolitik als „Gambling“ und eine Wette auf hohe Ablösesummen, die sich finanziell auszahlen sollen.

Wäre das wirklich der Fall, müsste man Sportchef Milos Malenovic vorwerfen, die Spielregeln des Transfer-Gamblings nicht zu kennen. Das Durchschnittsalter der FCZ Sommer-Transfers 2025 liegt bei 25,5 Jahren. Wollte man auf hohe Transfergewinne wetten, müsste man Teenager und international bekannte Talente kaufen, wie das der FC Basel (Ruch: „der grösste Klub der Schweiz“) seit Jahren praktiziert: Bacanin, Agbonifo, Traoré, Diouf, Veiga, Esposito, Calafiori, Gauto, Sigua, Demir,…. Ruch nennt ausgerechnet und offenbar ohne selbst den Widerspruch zu bemerken unter anderem die aus dem Nachwuchs stammenden Tsawa und Ligue als Paradebeispiele für seine Theorie des „Spieler-Casinos“ unter Malenovic und lobt gleichzeitig den FC Luzern für den Verkauf ihrer Nachwuchstalente Jashari und Jaquez für gute Ablösesummen nach Belgien und Deutschland.

Seit zwei Jahren mehr Professionalität im Transfer-Bereich

In einer Fan-Umfrage auf dem Instagram- und Tiktok-Kanal von Züri Live und in Kommentaren auf Posts des FC Zürich auf Instagram oder Facebook sieht man wie weite Kreise das faktenbefreite Framing von Journalisten wie Fabian Ruch mittlerweile gezogen hat. Florian Raz (Blick) pflegt einen anderen Stil als Ruch, haut aber in dieselbe Kerbe. Der FCZ hole irgendwelche Spieler aus irgendwelchen Ländern, ohne System. Viele FCZ-Fans hatten beim Saisonstart gegen Sion im Juli eine ganz andere Wahrnehmung. Man wurde unruhig, weil Milos Malenovic erst Rückkehrer Sauter und die beiden Leihspieler Phaëton und Palacio verpflichtet hatte. Als Raz aus seinen Ferien zurückkam, wurde er von nun doch noch realisierten Neuverpflichtungen überrascht (Rodic, Tramoni, Segura und das Commitment zum bisher ausgeliehenen Perea), die er in seiner Ferien- und FCB-Bubble nicht mitbekommen hatte.

In der Vergangenheit hatte die Transferpolitik des FC Zürich tatsächlich einen teilweise zufälligen Charakter. Das war bei anderen Klubs aber auch so. Wenn ein Innenverteidiger den Klub verlassen wollte, suchte man einfach einen möglichst guten Ersatz auf dieser Position, der finanzierbar ist. Fertig. Oder noch zufälliger: man entdeckte einen formstarken Spieler in der Challenge League und beschloss diesen holen zu müssen „weil er gut ist“ – und damit ihn die Konkurrenz nicht wegschnappt. Unter Sportchef Milos Malenovic hat sich der Transferbereich merklich professionalisiert. Man hat erstmals eine klare Spielphilosophie definiert, die im ganzen Klub umgesetzt wird. Dies vereinfacht es Talenten schon früh auf höheren Stufen eingesetzt zu werden. Und es ergeben sich daraus für die 1. Mannschaft klar definierte Spielerprofile für die einzelnen Positionen. Die 1. Mannschaft ist darum deutlich besser strukturiert als früher. Man widersteht der Versuchung des „Weihnachts-Shoppings“ und verzichtet auf alles was im Schaufenster glänzt, sondern geht die Verpflichtung von Spielern gezielt an.

In kurzer Zeit deutliche Verbesserungen in der Academy

Yanick Brecher hat also Recht. Und es ist nur einer von vielen Bereichen in welchen der FC Zürich in den letzten zwei Jahren deutlich professioneller geworden ist. Ein anderer ist die Talententwicklung. Es ist noch nicht lange her, da waren die Juniorentrainer noch stark auf Resultate und Rangierungen fixiert – auch aus Eigennutz. Der Führungs- und Coaching-Stil war bei manchen antiquiert. Kein Wunder hat der FC Zürich seit den Zeiten von Ricardo Rodriguez, Josip Drmic und Nico Elvedi kaum noch Top-Talente hervorgebracht. Trotz grosser finanzieller Investitionen in den Juniorenbereich in all den Jahren. In kurzer Zeit hat sich nun sehr viel getan. Unter der alten Garde von Junioren-Trainern wurden bis zuletzt noch Talente wie Junior Ligue, Labinot Bajrami oder Finn Sommer überbeansprucht und ausgelaugt. Mit langfristigen Folgen. Heute wird viel stärker auf Belastungssteuerung Wert gelegt.

In der Meistersaison 21/22 war Gianni De Nitti (heute Ersatztorhüter beim FC Schaffhausen in der Promotion League) der einzige junge Spieler gewesen, der aus dem Nachwuchs hochgezogen wurde. Junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs erhielten ganz am Ende der Saison in Kehrausspielen noch ein paar Spielminuten als Brosamen. Heute setzt der FC Zürich mit Luzern und Servette zusammen am meisten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ein. Der SFV bietet wieder vermehrt Junioren-Nationalspieler des FCZ auf. im ersten Spiel der U17-WM gegen die Elfenbeinküste wurde Jill Stiel als Spieler der Partie ausgezeichnet und verbreitete Ricardo Rodriguez-Vibes, wenn auch auf einer anderen Position. Und für die 1. Mannschaft stehen aus der Academy in den nächsten ein bis drei Jahren auf verschiedenen Positionen mehr und vielversprechendere Talente bereit als in den letzten Jahren.

Bodö/Glimt und Midtjylland als Vorbilder für den Weg des FCZ

Als Milos Malenovic vor zwei Jahren begann, passte der grösste Teil des Kaders nicht zur Klubphilosophie. Dies ist nun anders. Nach zwei Sommer-Transferperioden sind die Spieler mit der Klubphilosophie im Einklang. Es sind keine Top-Talente, sondern wie früher Spieler mit einer gewissen Erfahrung, die für den FCZ finanzierbar sind. Nur: jetzt passen sie auch vom fussballerischen Profil her. Für jede Position gibt es zwei Spieler plus mindestens ein valables Talent aus dem Nachwuchs. Und: es gibt keinen Spieler, der fussballerisch nicht in die Mannschaft passt, wie das früher häufig der Fall gewesen war. Damals hing die Spielweise von der Philosophie des Trainers ab – und da dieser immer wieder mal wechselte, fiel mal der eine und dann wieder der andere Profi beim FCZ zwischen Stuhl und Bank. Heute sollte grundsätzlich der einzige Grund warum ein Spieler nicht zum Zug kommt die Qualität / Leistung / Form / Fitness sein. Das Kader ist auch insgesamt besser geworden. Vor zwei Jahren hatte man Ivan Santini als Mittelstürmer Nummer Eins mit Daniel Afriyie als Ersatz. Heute Philippe Keny mit Juan José Perea als Ersatz.

Es ist wirklich erstaunlich wie amateurhaft der Fussball trotz seiner bereits 150-jährigen Existenz bis vor kurzem in vielen Bereichen noch funktionierte und teilweise immer noch funktioniert. Der ehemalige FCZ-Europacupgegner Bodö/Glimt aus Norwegen oder der FC Midtjylland aus Dänemark sind zwei Klubs, die eindrucksvoll zeigen wie weit man auch mit geringen Mitteln kommen kann, wenn man professionell und faktenbasiert an den Details feilt. Beide Klubs spielen einen proaktiven Ballbesitz-orientierten Fussball wie ihn der FCZ ebenfalls umsetzt. Sie haben damit als kleine Klubs erst die grossen Klubs auf nationaler Ebene herausgefordert oder gar entthront, und dominieren auf internationaler Ebene auf dem Platz nun häufig auch Teams mit einem mehrfach höheren Marktwert. Bodö/Glimt mit Trainer Kjetil Knudsen hat dafür sieben Jahre benötigt. Der FCZ ist nach zwei Jahren unter Milos Malenovic auf diesem Weg schon weit gekommen. Er ist damit für fortschrittliche Trainer auch ein attraktiver Arbeitgeber.

FCZ als einziger Klub mit kleinem Budget Schweizer Meister in den letzten 20 Jahren

Das letzte Mal übrigens als beim FCZ ein neues fussballerisches Konzept zumindest in der 1. Mannschaft konsequent umgesetzt wurde, stand man zur Winterpause 03/04 mit Trainer Lucien Favre als Tabellenschlusslicht da. Die Umwälzungen und die neue Art von Fussball führten erstmal zu einem starken Abwärtstrend. Die Vereinsführung unter Ex-Präsident Sven Hotz hielt an Favre fest – und der Rest ist bekannt. Nachdem in der 80er- und 90er-Jahren neun verschiedene Klubs Schweizer Meister geworden waren, wurde der Bau der 30’000er-Stadien in Basel und Bern zum Game Changer. Damit katapultierten sich der FCB und YB finanziell in andere Sphären und haben heute ein Budget im 100 Millionen-Bereich – vergleichbar mit Bundesligaklubs. Alle anderen Schweizer Klubs inklusive FCZ bewegen sich in einem Budgetbereich von 15 Millionen (Winterthur) bis 35 Millionen (St. Gallen). Der FCZ hat 17 bis 20 Millionen Einnahmen und kann mit Europacup- und Besitzergeldern in einzelnen Saisons auch mal auf ein 25 bis 32 Millionen Budget kommen. Dementsprechend ist es eine grosse Leistung, dass der FCZ in den letzten 20 Jahren als einziger der finanziell kleineren Klubs der Liga Meister geworden ist – und dies mit Ancillo Canepa in der Klubführung gleich vier Mal!

Bei der Wahl der Cheftrainer hat man beim FC Zürich die Unkonstanz aber noch nicht ablegen können. Nach Ricardo Moniz folgte mit Mitchell Van der Gaag ein Coach, der vergleichsweise vorsichtig agierte und von der Klubphilosophie stark abwich – auch in Bezug auf die Integration der Academy-Spieler. Dennis Hediger ist hingegen genau auch darum vom FC Basel zum FC Zürich gewechselt, weil der fussballerische Ansatz beim FCZ auch sein persönlicher ist. In seinem ersten Spiel gegen YB herrschte nach einigen Umstellungen taktisch noch ein Chaos. Zuletzt in Basel sowie gegen Lausanne-Sport sah man dann aber speziell in den jeweiligen 1. Halbzeiten eine klare Steigerung. Hediger hat mit seiner Analyse nach dem Lausanne-Match recht: es fehlt nun in erster Linie noch an der Kondition, um das Spiel über 90 Minuten durchzuziehen.

Neun Jahre nach „Finger weg vom Sportliche“: Vorwärts in eine professionelle Zukunft? Oder zurück in die amateurhafte Vergangenheit?

Neun Jahre ist es her als die Südkurve am Cupfinal 2016 ein Banner präsentierte mit der martialischen Aufschrift: „Canepas: Finger weg vom Sportliche! S nächschte Mal verbrenned mer si oi.“ Die Meinung bei Medien und Fans war gemacht: der Abstieg sei die Folge davon gewesen, dass sich Ancillo und Heliane Canepa zu stark in die sportlichen Belange eingemischt hätten. Journalisten machten sich in diesem Zusammenhang lustig über das damalige FCZ-Organigramm. Die einhellige Forderung: Ancillo Canepa solle einen Sportchef ins Haus holen und diesen im sportlichen Bereich schalten und walten lassen. Er solle sich auf repräsentative Aufgaben zurückziehen und sich gefälligst nicht einmischen. Heute wird aus den gleichen Medienhäusern die „Machtballung“ des Sportchefs beklagt.

Es wäre zu wünschen, dass der FCZ sowohl auf der Trainer- wie auf der Sportchefposition seinem Weg treu bleibt und sich nicht von Kräften, die sich einer Modernisierung des Vereins entgegenstellen, bremsen lässt. Konstanz ist wichtig. Das zeigen dutzende Beispiele, angefangen bei Mauro Lustrinelli, der in seinem ersten Jahr als Challenge League-Mitfavorit mit Thun nur den 6. Platz erreicht hat. Der Weg von Bodö/Glimt und Midtjylland ist die Zukunft. Der FCZ kann mit progressiven Kräften wie Milos Malenovic oder Ausbildungschef Milicevic in Richtung Professionalisierung gehen. Oder von konservativen und irrationalen Kräften aus dem Medien- und Fanumfeld wieder zurück ins amateurhafte 20.Jahrhundert gezogen werden – eine Zeit, als es genügte ein bekannter ehemaliger Spieler des Vereins zu sein, um Trainer oder Sportchef der 1. Mannschaft zu werden.

Banner der Südkurve beim Cupfinal am 29.05.2016 (Bild: Südkurve)

Quo Vadis FCZ? (Februar 2024)

Saisonstart FCZ Frauen: die Basis steht – und nun kommt Tsawa III

Trotz grossem Umbruch und Verjüngung im letzten Sommer konnten die FC Zürich Frauen diesen Frühling den Schweizer Cup gewinnen – den sechzehnten der Geschichte und damit neuer alleiniger Rekord. Dies mit einem 1:0-Sieg gegen den FC Basel vor der neuen Cupfinal-Rekordkulisse von 8’600 Zuschauern im Letzigrund. Nach einem 5. Platz in der Regular Season konnte man zudem im Viertelfinal „Angstgegner“ St. Gallen bezwingen und war dann gegen den späteren Meister YB nahe am Finaleinzug dran. Im Hinspiel im Utogrund waren die FCZ Frauen eine Stunde lang die klar bessere Mannschaft gewesen. Es resultierte daraus aber nur eine 1:0-Führung. YB konnte dann seinem Spiel mit Einwechslungen neuen Schwung verleihen wohingegen beim FCZ die Einwechselspielerinnen die Qualität und Energie eher senkten. In den letzten zehn Minuten drehten die Bernerinnen dann die Partie nach Schnitzern des davor die ganze Saison durch sehr solide spielenden FCZ-Goalies Noemi Benz und der eingewechselten Marlene Deyss auf 1:3. Im Wankdorf brachte wie schon im Hinspiel die erst auf die Playoffs wieder fit gewordene Borbala Vincze die Züri Frauen 1:0 in Führung. Das zweite Tor gelang dann aber nicht mehr, und als Noemi Benz mit nach vorne stürmte, statt den Freistoss von der Mittellinie selbst auszuführen, traf YB im Gegenzug in den verwaisten Zürcher Kasten.

FC Zürich: die Basis steht

Vor Jahresfrist wurde nach dem dritten Sommer in Folge mit zahlreichen Abgängen und altersbedingten Rücktritten von routinierten Spielerinnen ein Neustart gemacht. Die Einführung der U20-Liga und die damit verbundene Auflösung der U21 wurde genutzt um einigen Spielerinnen dieses Teams eine Chance im Women’s Super League-Team zu geben – und mehrere von ihnen haben diese Chance genutzt. Alles war neu: Trainerteam, Spielphilosophie, Taktik, und das Teamgefüge. Die FCZ Frauen haben seither das mit Abstand jüngste Team der Liga. Die Spielphilosophie nutzt dabei die Stärken der Jugend wie Explosivität, Laufstärke und Unbekümmertheit aus. Mit dem früheren Team hätte man so einen intensiven Fussball wohl kaum spielen können. So haben die FCZ Frauen als Team auch gegen Gegner mit deutlich arrivierteren Spielerinnen eine Chance, wie die entscheidende Phase der letzten Saison gezeigt hat.

Nun geht es in die zweite Saison – und diesmal hat der FC Zürich den Faktor Kontinuität auf seiner Seite. Die wichtigsten Spielerinnen der Vorsaison sind mit zwei Ausnahmen geblieben. Die Spielweise behält man ebenfalls bei und kann dabei an den Details feilen. Und weil sonst in der Liga niemand so spielt wie der FCZ, ist es für die Gegnerinnen nicht immer einfach sich darauf einzustellen. In einer aussergewöhnlich intensiven, abwechslungsreichen und langen Vorbereitung haben die FCZ Frauen das Hohe Pressing und die starke Involvierung der Torhüterin im Aufbauspiel auch gegen Gegner wie den Italienischen Meister Juve (1:9) oder den Deutschen Double-Gewinner Bayern (2:2) durchgezogen.

Mutiger Auftritt gegen Juve und Bayern

Aufgrund des neu eingeführten „Serie A Women’s Cup“ befand sich Juventus im selben Stadium der Vorbereitung wie der FCZ. Das Spiel fand mehrheitlich in der Juventus-Platzhälfte statt. Die Zürcherinnen drückten den Gegner hinten rein und erzielten mehr als 20 Ballgewinne im gegnerischen Strafraum – konnten diese aber nicht in Tore ummünzen. Die schnellen Juventus-Verteidiger konnten jedes Mal noch ein Bein in den Schuss halten. Und die schnellen Stürmer um die Dänische EM-Torschützin Amalie Vangsgaard liefen der hoch stehenden Zürcher Mannschaft bei Kontern im Rücken immer wieder mal davon – fast jeder Konterangriff der Italienischen Meisterinnen war ein Treffer.

Auch Bayern trat mit ihren besten Spielerinnen an, war allerdings im Vergleich zu den Zürcherinnen beim Test vor über 5’000 Zuschauern in Friedrichshafen am Bodensee (wo die FCZ Männer vor drei Jahren einmal vor ähnlicher Kulisse gegen den VfB Stuttgart getestet haben) in ihrem Vorbereitungsprozess zwei Wochen im Rückstand. Bei den Zürcherinnen wiederum war in der 2. Halbzeit mit den Einwechslungen das Durchschnittsalter unter 20 Jahre. Die Jungen hielten sich gegen die arrivierten Double-Gewinnerinnen mit einer amtierenden Europameisterin (Georgia Stanway) gut. Am 6. September beginnen die Bayern Frauen ihre Bundesligasaison gegen Bayer Leverkusen in der Allianz Arena. Und es ist jetzt schon klar, dass dies in Bezug auf die Zuschauerzahl ein neues Frauen Bundesliga-Rekordspiel wird. Die FCZ Frauen testeten in ihrer Vorbereitung auf die neue Saison auch gegen die B-Junioren des FC Kilchberg-Rüschlikon (1:7) und gewannen das verregnete „Triangel-Turnier“ im Heerenschürli gegen den Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg (1:0) und das in Italien zur erweiterten Spitze gehörende AC Milan (1:0).

Viktoria Szabo und Noemi Benz wechseln in die Serie A

Viktoria Szabo und Noemi Benz sind die beiden sportlich gewichtigen Abgänge im Zürcher Team. Szabo ist mit 113 Länderspielen nach Einsätzen in den historischen Top Ten des Ungarischen Nationalteams. Die Standardspezialistin und Linksfüsserin war mit 28 Jahren die älteste Akteurin im Kader und bespielte die linke Aussenbahn mit präzisem Passspiel, guter Ballkontrolle und zumindest manchmal gefährlichen Flanken. Sie wechselte diesen Sommer in die Serie A zum „Alisha Lehmann-Team“ Como. Noemi Benz (21) war die letzten zwei Saisons Stammkeeper und in der Saison 24/25 gerade in den schiwierigen Phasen der Regular Season ein wichtiger Rückhalt. In den beiden Playoff-Halbfinalspielen gegen YB unterliefen ihr dann aber mitentscheidende Patzer. Auch sie wechselt in die Serie A, und zwar zu Sassuolo, wo sie aber vermutlich hinter Solène Durand (vier Länderspiele für Frankreich) erst mal Ersatz sein wird.

Typische Aufstellung FC Zürich Frauen in den Playoffs 24/25

Neue Torhüterinnen werden den Ball viel am Fuss haben

Die in den Playoffs auf die Ersatzbank verdrängte Luisa Blumenthal wird Viktoria Szabo auf der linken Seite gut ersetzen, auch wenn sie als Rechtsfüsserin natürlich mehr nach innen ziehen und selbst den Abschluss suchen wird, wie sie dies zum Auftakt beim FC Thun (3:1-Auswärtssieg) beim 1:0-Führungstreffer gemacht hat. In Abwesenheit von Naomi Mégroz lief Blumenthal im Berner Oberland sogar als Captain auf. Den Gegenpart auf der rechten Seite übernimmt Chiara Bücher – eine der wichtigsten Spielerinnen. Sie ist auch auf ihrer Stammposition im Sturm einsetzbar, bringt dem Team aber auf der rechten Aussenbahn mehr Impact. Im Tor ist die aus dem College-Fussball (Rhode Island, Texas) stammende Faith Hutchins (23) die neue Nummer Eins. Zum Saisonstart erhält allerdings die von der 2. Mannschaft von Olympique lyonnais in die Schweiz zurückgekehrte Junioren-Nationaltorhüterin Yasmine Ammar (19) eine Chance, sich in der Liga zu beweisen. Hutchins ist für die erste Cup-Runde beim FC Mutschellen vorgesehen – danach soll aber Ammar die Cup-Torhüterin sein. Beide müssen sich noch an das Spiel der FCZ Frauen adaptieren. Da die Torhüterin im Aufbauspiel eine wichtige Rolle einnimmt, gehört dies zu Beginn der Saison zu den grössten Herausforderungen im Zürcher Spiel.

Typische Aufstellung FC Zürich Frauen zum Saisonstart 25/26

Ein 15-jähriger „Königstransfer“

Der „Königstransfer“ des Sommers ist die 15-jährige Shanae Tsawa von der U18 des FC St. Gallen – Tochter von Dorjee und Schwester von Cheveyo Tsawa. Dass Geschwister in der 1. Mannschaft der Männer und Frauen eines Klubs gleichzeitig eine wichtige Rolle einnehmen, ist wohl ein erstmaliges Phänomen. Auch weil die beiden ebenfalls die FCZ Academy durchlaufenden Brüder von Mittelfeldspielerin Martina Cavar den Schritt in die 1. Mannschaft nicht geschafft haben. Wie Cheveyo bringt Shanae ein Gesamtpaket an Physis, Zweikampfstärke, Technik und Spielintelligenz mit. Sie wird keine Probleme haben, sich in der Women’s Super League durchzusetzen. Tsawa übernimmt die zentrale Sechser-Position, die im Spiel nach vorne für Überzahl im Mittelfeld sorgt, in der Rückwärtsbewegung dann aber auch die zwei Verteidigerinnen unterstützt. Sie schlägt zudem bereits die Mehrzahl der Standards – und scheint damit in dieser Spielphase für mehr Torgefahr zu sorgen, als dies letzte Saison der Fall war. Die auf dieser Position zu Beginn der letzten Saison gut spielende Marlene Deyss fiel zuletzt immer wieder über längere Zeit aus und vermochte dann bei ihrer zeitweisen Rückkehr jeweils nicht zu überzeugen. Die im Winter von Rapperswil-Jona zurückgekehrte Anna Matsushita wiederum wird wohl von der trotz ihrer Jugend auf dem Platz reifer auftretenden Tsawa von der Sechserposition verdrängt werden.

Spielzeit für Matsushita könnte es vielleicht auf einer der beiden Achterpositionen geben, wo sich aber das junge Deutsche Duo Schuster / Baraniak zuletzt wieder stabilisiert hat. Haudegen Schuster kämpfte speziell zu Beginn der letzten Saison mit Verletzungen und Box-to-box Spielerin Baraniak hatte 24/25 eine Formbaisse. Derin Degirmenler zog sich beim Viertelfinal-Auswärtsspiel in St. Gallen eine Kreuzbandverletzung zu. Die letzte Saison auf der Zehnerposition eingesetzte Martina Cavar scheint dafür aktuell als Alternative weiter hinten auf der Doppel-Acht eingeplant zu sein. Die grösste Auswahl hat Trainer Renato Gligoroski auf der Position der zwei Verteidigerinnen. Neben Captain Naomi Mégroz hat sich Briana Eads im Verlauf der letzten Saison zu so etwas wie dem Defensivgewissen der Mannschaft entwickelt. Jede Mannschaft braucht mindestens jemanden, der an erster Stelle ans Verteidigen denkt. Die Alternativen sind aber ebenfalls valabel. In Thun agierten auf den hintersten Feldspielerpositionen Larissa Uetz und Luana Bürge. Auch U20-Spielerin Zoe Dönni hat sich in den Testspielen beweisen können. Und grundsätzlich ist auch immer noch Routinier Diane Caldwell im Kader aufgelistet. Die Irin hat praktisch die ganze letzte Saison verletzungsbedingt verpasst.

FCZ weiterhin Aussenseiter der fünf Spitzenteams – aber ambitioniert

Der Unterschied zwischen Meister YB und dem FCZ auf dem Transfermarkt ist beträchtlich. Die FC Zürich Frauen holen mit Amelie Roduner eine Einwechselspielerin von Bayern II. YB holt mit Carla Schwarz eine Stammspielerin von Bayern II. Der FCZ holt mit Marina Theodoraki eine 18-jährige Verteidigerin von OFI Kreta mit kaum Erfahrung im Erwachsenenfussball. YB holt von Serienmeister PAOK die Griechische Nationalspielerin Georgia Chalatsogianni. Der FC Zürich holt eine Torhüterin aus dem College-Fussball – Young Boys auf der gleichen Position mit Amanda Brunholt eine Dänin mit Europacup-Erfahrung, die acht Jahre in der obersten Liga gespielt hat. Dazu stösst zu den Bernerinnen mit Géraldine Ess von GC eine der treffsichersten Stürmerinnen der Liga und mit Maria Jimenez eine langjährige Stütze von Valencia und Real Betis in der Primera Division.

Auch Finalist GC hat sich mit Spielerinnen aus Spanien, Italien, Frankreich und der Schweiz weiter verstärkt. Die nach vier Jahren aus den USA zurückgekehrte aus dem FCZ-Nachwuchs stammende Stürmerin Ramona Kannady hätte man sich vom Spielertyp und der Qualität her beim heutigen FC Zürich auch noch gut vorstellen können, denn die Personaldecke auf dieser Position ist eher dünn. Personell noch etwas besser besetzt als YB und GC ist Servette. Nach dem Abgang von José Barcala zu Bayern hat der neue Coach Cristian Toro einige Spielerinnen aus der Spanischen Primera Division mitgenommen. Die wenigen Schweizerinnen im Kader werden noch mehr als zuvor um Einsatzzeit kämpfen müssen. Auch der FC Basel ist natürlich weiterhin prominenter besetzt als der FCZ. Man baut da auch auf mehrere potentielle Stammspielerinnen, die letzte Saison lange verletzt ausgefallen sind – und auf die einzige in der Liga verbliebene Schweizer EM-Teilnehmerin Coumba Sow. Erfreulich ist aber auch, dass das aus St. Gallen, Aarau (und grundsätzlich auch Luzern) gebildete Mittelfeld und selbst die „Kleinen“ Thun und Rapperswil-Jona laufend Fortschritte machen. Gerade Rapperswil-Jona startete diesen Sommer eine Transferoffensive. Diese Teams dürften noch häufiger als zuvor die Top Fünf der Liga in einzelnen Spielen in Schwierigkeiten bringen.

Das Derby am Mittwoch als Paukenschlag

Nach dem Auftaktsieg in Thun geht es nun Schlag auf Schlag weiter: bereits am Mittwoch 27. August 19:00 steigt im GC Campus das erste Derby der Saison. Dieses verspricht nicht nur aufgrund der Rivalität, sondern auch aus sportlichen Aspekten eine spannende Affiche gleich zum Saisonbeginn zu werden.

Überwältigendes Votum für Steven Zuber – Resultate der Züri Live-Leserumfrage zum Saisonstart

Die Resultate der Züri Live-Leserumfrage zum Saisonstart 25/26 sind da! Diese Umfrage wurde mit zahlreichen Rückmeldungen nach zwei Jahren zum zweiten Mal durchgeführt.

Top-Derbybilanz als grösstes Highlight – mit der Unterstützung der Fans

Diesmal waren die Züri Live-Leser vor allem begeistert von der Top-Derby-Bilanz unter Trainer Ricardo Moniz – mit vier Siegen und einem Unentschieden. Dieses Highlight wird genauso häufig hervorgehoben wie die Unterstützung der Fans, die bei den Highlights in solchen Umfragen immer weit vorne liegt. Die Europacup-Reisen waren hingegen ein weniger grosses Highlight wie bei der Umfrage vor zwei Jahren – klar, man hat diesmal mit Irland und Portugal „nur“ zwei Länder mit FCZ-Support beehrt – und keine Gruppenphase erreicht. 22/23 gab es Reisen bis über den Polarkreis und eine FCZ-Armada in den Strassen von London. Die zunehmende Bedeutung der Frauen-Equipe in den Erwägungen wird illustriert dadurch, dass der Cupsieg des Teams von Renato Gligoroski im Letzigrund gegen den FC Basel (1:0, Tor: Chiara Bücher) von 30% als eines der klaren Highlights der letzten Saison angesehen wird – bei der Züri Live-Umfrage zur Saison 22/23 waren es noch rund 23%, die notabene den Meistertitel der Frauen als Highlight der Saison einstuften.

Highlight der Saison 24/25

Vor zwei Jahren wurde der 1:2-Anschlusstreffer von Roko Simic (aktuell Karlsruher SC) in Luzern am 21. Januar 2023 knapp vor dem Débuttor von Juni Ligue gegen Servette von den Züri Live-Lesern zum Tor der Saison gewählt. Auch diesmal obsiegt wieder ein Tor gegen den FC Luzern – diesmal ist es der trockene Abschluss von Samuel Ballet in die lange Ecke nach einem Tunnel von FCL-Linksverteidiger Andrejs Ciganiks im Letzigrund. Es war aber eine enge Entscheidung, denn die Traumkombination in Sion mit Abschluss Perea, der Bilderbuchkonter in Basel mit erfolgreichem Schlenzer Chouiars und der Weitschussaufsetzer im Derby mit dem schwächeren Linken Fuss Kamberis erzielten fast gleich viele Stimmen.

Schönstes Tor 24/25

Steven Zuber: 63,3%!

Die Benotung der Vereinsführung liegt wie zu erwarten war im durchschnittlichen Bereich, wobei sich die Voten für eine gute „6“ und eine ungenügende „4“ etwa die Waage halten. Auch bezüglich Sportchef Malenovic gibt es zwei Lager, wobei in diesem Fall das Negativlager etwas grösser ist als bezüglich Ancillo und Heliane Canepa. Am besten schneidet Trainer Ricardo Moniz ab mit der grössten Anzahl Voten für eine Note „7“. Extreme Noten an beiden Enden der Skala wurden für Moniz praktisch keine vergeben.

Als besten Spieler der Saison 22/23 wählten die Züri Live-Leser mit 29% der Stimmen in dessen letzter Saison Blerim Dzemaili vor Aiyegun Tosin mit 24,2% und Captain Yanick Brecher mit 16,1% der Stimmen zum besten Spieler der Saison. Diesmal gibt es ein überwältigendes Ergebnis von 63,3% für Steven Zuber. Dies nur einige Monate nach dem unfreundlichen Empfang durch einen Teil der Fans. An zweiter und dritter Stelle folgen mit grossem Abstand Newcomer Jahnoah Markelo und der junge Stammspieler Junior Ligue – in einer Saison in welcher letzterer auf vielen verschiedenen Positionen eingesetzt worden war.

Bester Spieler der Saison 24/25

Mir händ meh vergässe als anderi je erläbed

2023 stand auch die Frage nach der besten Choreographie im Zeichen von Blerim Dzemaili. 17’700 Zuschauer sahen im Letzigrund gegen Lugano dessen Abschied von der Fussballbühne und auch die Choreographie zu seinen Ehren. Auch diesmal waren die Verabschiedungschoreos für Antonio Marchesano und Mirlind Kryeziu beliebt. Die Nummer Eins ist allerdings diesmal „Mir händ meh vergässe als anderi erläbed“ vom Auswärts-Derby am 30. März 2025.

Beste Choreo 24/25
Bild: Südkurve

Geringe Meisterhoffnung

Die Meisterschaft wird 24/25 zu einem klaren Zweikampf zwischen dem amtierenden Meister FCB und dem davor über mehrere Jahre weitgehend die Vorherrschaft innehabenden YB. 83,5% geben entweder dem einen oder anderen Team ihre Stimme, mit leichten Vorteilen für Basel. Dem FC Zürich trauen 8,7% den Schweizer Meistertitel zu. Danach folgt Lugano. Servette, GC, Winterthur, Lausanne-Sport und Luzern wurden von Einzelnen als Tipp für den Meistertitel ebenfalls noch erwähnt.

In Sachen Schlussrangierung sind die Züri Live-Leser optimistischer als vor zwei Jahren. Damals des FC Zürich hatte Rang 6 am meisten Stimmen erhalten. Diesmal gehen je mehr als 20% von einem 4. oder 5. Platz aus. Die Schlussrangierung der Vorsaison war ja auch etwas besser als vor zwei Jahren gewesen. Interessanterweise sieht von 255 Einreichungen des Fragebogens niemand (!) den FC Zürich auf dem 2. Platz. Meister und die letzten drei Plätze werden ebenfalls als ziemlich unwahrscheinlich angesehen. Fragen stellen sich dann aber bei den doch immerhin etwa 5% der Teilnehmenden, die den FCZ in der Meisterfrage auf dem 1. Platz getippt haben, bei der Rangierung dann aber nicht.

Züri LIve-Lesertipp Schlussrangierung FCZ 25/26

Markelo, Tsawa plus zwei Transfers

Vor der Saison 23/24 setzten am meisten Züri Live-Leser ihre Hoffnungen auf Donis Avdijaj, knapp vor Bledian Krasniqi und Calixte „Junior“ Ligue. Dieses Trio lag deutlich vor allen anderen genannten Kandidaten. Diesmal rechnet man vor allem damit, dass Jahnoah Markelo und Cheveyo Tsawa (weiter) „explodieren* werden. Dahinter folgen Reverson, Emmanuel und erneut Krasniqi.

Welcher Spieler „explodiert“ in der Saison 25/26?

Der Wunsch nach zusätzlichen Transfers ist gross. Einen Stürmer und einen Verteidiger wünscht sich die Mehrheit der Züri Live-Leser.

Transferwünsche der Züri Live-Leser

Das schöne Oberland lockt

In Sachen Auswärtsreisen freuen sich die FCZ-Anhänger wie schon vor zwei Jahren am meisten auf die neue Destination des Aufsteigers (diesmal Thun), dazu Basel, Winterthur und St. Gallen. Genf und Lausanne wecken als Auswärtsdestinationen am wenigsten Begeisterung.

Auf welche Auswärtsreise freust du dich am meisten?

Die Einschätzung der Ticket- und Abopreise im Letzigrund bleibt im Vergleich zu vor zwei Jahren weitgehend unverändert: eine Mehrheit findet sie weiterhin okay, annahernd 30% empfinden sie hingegen „an der oberen Grenze“. Zu teuer sind sie für 8,6% der Abstimmenden.

Einschätzung der Ticket-/Abopreise

Stadion wird bis zum 200 Jahr-Jubiläum des FC Zürich eröffnet

In Bezug auf die Realisierung des neuen Fussballstadions in Zürich sind die Züri Live-Leser in den letzten zwei Jahren skeptischer geworden. Mittlerweile rechnet fast die Hälfte der Abstimmenden damit, dass das Stadion nie oder zumindest nicht zu ihren Lebzeiten stehen wird. Dass es bis ins Jahr 2032 eröffnet wird, glaubt nur noch ein Viertel.

Hauptprobe in der Stadt von Albert Einstein und Uli Hoeness

von Züri Live Deutschland-Korrespondent Toni Gassmann

Ulm und sein SSV 1846 Fussball

Ulm ist mit ca. 130’000 Einwohnenden nach 195 km von der Quelle in Donaueschingen die erste grosse Stadt am Flusslauf der Donau. Hier wurde 1879 Albert Einstein geboren, der Entdecker der Relativitätstheorie, später dann, mit grosser Relevanz für den Fussball, auch Uli Hoeness (1952) und sein Bruder Dieter (1953). Apropos relativ: Für Menschen in der Schweiz wäre Ulm eher eine grosse Stadt, die sechstgrösste, knapp vor Winterthur. Für Menschen in Deutschland wäre die Stadt im schwäbischen Teil von Baden-Württemberg eher weniger gross, die Nummer 63 der bevölkerungsreichsten Städte im ganzen Land.

In Ulm und um Ulm herum wurde in den vergangenen Jahren nach drei Insolvenzen, die letzte 2014, die Begeisterung für den „SSV Ulm 1846 Fussball“ wieder entfacht. Von der Regionalliga kletterte der Club unter Thomas Wörle, vormals bei den Frauen des FC Bayern München, im Sommer 2022 zuerst in die 3. Liga, danach 2023 direkt in die 2. Bundesliga hoch. Vereinfacht geschrieben waren eine solide Abwehr, viele Tore aus Standards und der brasilianische Tempodribbler Léo Scienza mit 12 Toren und 13 Assists Schlüssel für den Durchmarsch, der dazu durch aussergewöhnlichen Teamgeist möglich wurde. ULMAUFHALTSAM lautet denn auch der Titel des bebilderten Buches über diese historische Erfolgsgeschichte. Ähnliches erlebten in der gleichen Zeit parallel dazu Spieler und Fans der Westfalen vom SC Preussen Münster und eine Saison davor die SV Elversberg aus dem Saarland, welche 2021 in der Regionalliga Südwest vor Ulm den Aufstieg erreicht hatte.

Mit 17’000 Zuschauern war das 1925 eingeweihte Donaustadion am 3. Oktober 2023 im Drittligaspiel gegen 1860 München seit dem Jahr 2000 erstmals wieder ausverkauft. Vergleichbar ist das Stadion mit Tartanbahn um das Spielfeld herum mit dem bisherigen Stadio Cornaredo von Lugano: kurze, gedeckte Haupttribüne, lange, ebenfalls gedeckte Gegentribüne, je zum Sitzen, flache, ungedeckte Stehtreppen in beiden Kurven. Für die Zulassung zur 2. Bundesliga musste letzten Sommer eine Rasenheizung und eine Bewässerungsanlage eingebaut werden.

Durch diese Erfolge wechselten zuerst Spieler, wie Yannick Rochelt (Elversberg, jetzt Hannover) und Adrian Beck (Heidenheim), später Léo Scienza (Heidenheim) in höhere Ligen, was die Ulmer letzte Saison zu spüren bekamen. Dass trotz Trainerwechsels zum ehemaligen U19-Trainer, Robert Lechleiter, noch während der letzten Spielzeit, sogleich wieder der Abstieg folgte, scheint aber diesmal keine existenzielle Katastrophe mehr zu sein, anders, als es das jeweils in früheren Jahren gewesen war, als vieles danach zusammengebrochen war; beispielsweise nachdem Ralf Rangnick zuvor die Ulmer Spatzen 1998 in die 2. Bundesliga geführt hatte, Martin Andermatt 1999 danach der Aufstieg in die 1. Bundesliga gelungen war, verbunden mit dem sofortigen Abstieg, nicht zuletzt wegen einer denkwürdigen und vorentscheidenden 1:2-Niederlage in Rostock, früh in der Saison, als gleich vier Spieler von Ulm im Laufe des Spiels die Rote Karte zu sehen bekommen hatten, dazu Trainer Andermatt und der Manager des Clubs. Aber erst in der 90. Minute war Rostocks Victor Agali damals mit 11 gegen 7 Spielern das Siegtor gelungen. Am Ende hatten den Ulmern genau diese drei Punkte Differenz gefehlt, um mit Rostock gleichauf dazustehen. Bis heute ist es das Spiel mit den meisten Roten Karten in der Geschichte der Bundesliga und damit unrühmlich legendär. Sie waren allesamt berechtigt. Es hätten sogar noch mehr sein können.

Der FCZ vor dem Testspiel

Gemäss Insiderinformation verliefen die Trainings durch den neuen Chef Mitchell Van der Gaag sehr intensiv und gezielt ausgerichtet. Einerseits ging es inhaltlich in der Vorbereitung um den Aufbau einer sehr guten Fitness, andererseits stark um ein taktisches Konzept. Idee ist, mit gezieltem und von der physischen Beanspruchung her bewusst getaktetem Pressing, in Ballbesitz zu gelangen und so die Kräfte auf die ganze Dauer des Spiels besser zu verteilen. Dadurch soll der FCZ in Zukunft länger das Spiel kontrollieren können. Bevorzugtes System ist ein 4-3-3. Gegen den FC Magdeburg, immerhin 5. in der Schlusstabelle der letztjährigen 2. Bundesliga, hatte der FCZ eine Woche zuvor bereits eine gute Umsetzung dieses Vorhabens gezeigt, war die Mannschaft doch während allen vier Spielteilen à 30 Minuten die bestimmende Mannschaft gewesen und hatte souverän mit 2:0 gewonnen.

Die Rahmensituation um das Testspiel herum

Die Testpartie zwischen dem SSV Ulm und dem FC Zürich war ursprünglich auf den Sonntag angesetzt worden. Aber wegen der Festlegung der Swiss Football League, die Meisterschaft 2025/2026 durch den FCZ gegen den FC Sion bereits am Freitagabend zu starten, verschob der SSV Ulm die Begegnung auf Bitte des FCZ auf den Samstag.

Was auf den ersten Blick problemlos erscheint, ist bei genauerer Betrachtung als echtes Entgegenkommen der Ulmer zu sehen. Sie hatten geplant, dieses Spiel in ihre Saisoneröffnung mit Rahmenprogramm einzubetten. In Deutschland sind solche Anlässe bei Profivereinen vor dem eigentlichen Meisterschaftsstart üblicher, als bei Clubs in der Schweiz. So war es vorgesehen, im Ulmer Münster, einem bedeutenden, gotischen Bauwerk im Stadtzentrum, um 12:00 Uhr für Fans eine kirchliche Messe abzuhalten. Danach würden diese zu Fuss zum Donaustadion gelangen und dort sollten Sportdirektor Markus Thiele und Trainer Robert Lechleiter vor Publikum am Spielfeldrand befragt werden zur bevorstehenden Saison, inklusive der Verkündung der Vertragsverlängerung von Captain Jo Reichert. Weiter sollte das neue Heimtrikot präsentiert werden. Nach dem Spiel würde der Anlass speziell für die jungen Fans abgerundet mit der Gelegenheit, Autogramme ihrer Lieblinge einholen zu können. Die Behörden ordneten jedoch an, dass am Samstag im Stadion nur 5000 Zuschauende zugelassen sein dürfen, um andere Veranstaltungen nicht stärker zu konkurrenzieren. Das ganze Rahmenprogramm fand trotzdem so statt, wie geplant. Allerdings beteiligten sich dabei merklich weniger Leute an Messe und Fanmarsch, wie an einem Sonntag. Trotzdem war es auch als Ortsfremder kein Problem, ohne elektronische Hilfe zum Donaustadion zu gelangen, denn es bewegten sich immer noch genügend SSV-Anhänger in diese Richtung. Die Gastmannschaft aus der Schweiz war im Bus angereist und dabei noch etwas in einen Stau geraten. In latenter Ferienstimmung erschienen war zudem eine Gruppe von Fans des FCZ.

Aufstellungen

SSV Ulm 1. Halbzeit

Ortag
Reichert – Röser – Dressel
Brandt – Mazagg – Scholze – Kölle
Boller – Castelle
Becker

SSV Ulm 2. Halbzeit

Schmitt
Reichert (Crnovršanin) – Wenig- Westermeier
Meier – Kahvić- Löder- Mazagg (Etse)
Scholze (Vater) – Boller (Kudala) – Castelle (Aksakal)

FC Zürich

Brecher
Kamberi – Gomez – Sauter (ab 19. Stork) – Volken (ab 59. Mendy)
Tsawa (ab 59. Reichmuth) – Palacio (ab 78. Bangoura) – Krasniqi (ab 59. Oko-Flex)
Emmanuel (ab 83. Di Giusto) – Reverson (ab 59. Phaëton) – Zuber
 

Bemerkung zur 2. Halbzeit:
Reichmuth nach Einwechslung halblinks, Zuber halbrechts im Mittelfeld
Oko-Flex rechts am Flügel, Emmanuel links am Flügel

Das Spiel

1. Halbzeit

Im Ulm war der FCZ eine gute halbe Stunde lang offensiv harmlos und musste den Schwaben bei schnellen Vorstössen in die Tiefe durch Röser und speziell Becker grössere Möglichkeiten zugestehen, die aber Brecher mit guten Interventionen unterbinden konnte. Zuvor hatte sich Sauter nach einem Zusammenstoss im Gesicht verletzt und sich auf dem Jochbein unter dem rechten Auge eine Platzwunde zugezogen die später aufschwoll. Nach längerer Pflege auf dem Spielfeld und Behandlung in der Kabine war er nochmals kurz ins Spiel zurückgekehrt, musste dann aber trotzdem für Stork ausgewechselt werden. In dieser Phase zielten auch Röser und Boller nach einem Eckball bzw. Einwurf jeweils von rechts mit dem Kopf knapp über das Tor.

Erst in der letzten Viertelstunde vor der Pause kam der FCZ vorne zu zwei Torszenen. Zuerst prallte dem überraschten Reverson nach einer Hereingabe von Emmanuel von der rechten Seite der Ball in bester Position im Strafraum seitlich an den Oberschenkel und versprang unkontrolliert. Die zweite Gelegenheit eröffnete sich Emmanuel nach einem Ballverlust der Ulmer vor der Mittellinie. Er übersah aber den links ideal mitlaufenden und gestikulierenden Zuber, verzögerte den Lauf, zog nach innen und schloss schliesslich selber ab. Der Schuss ging rechts vorbei. Bemerkenswert ist, dass sich Zuber auch danach noch offensichtlich aufregte, in so guter Position nicht angespielt worden zu sein. Im Ansatz sollte dies die beste Chance des FCZ im ganzen Spiel bleiben. In der Nachspielzeit vor der Pause war es dann Castelle, der auf Pass von Brandt von der halblinken Seite an der Strafraumgrenze Brecher mit einem präzis geschlenzten Schuss tief in der rechten Ecke überwinden konnte. Die Führung zu diesem Zeitpunk für den SSV Ulm war verdient, gemessen an Spielanteilen und Möglichkeiten. Die Schwaben wirkten spritziger in den Zweikämpfen und stellten den FCZ mit zügig umgesetztem, vertikalem Spiel vor gewisse Probleme. Ein Beleg dafür ist auch die Gelbe Karte gegen Gomez, der Castelle einmal im letzten Moment noch vor dem Strafraum zu Fall bringen konnte. Und vom FCZ kam kein einziger Abschluss auf das Ulmer Tor.

2. Halbzeit

Zur 2. Halbzeit wechselten die Ulmer sechs Spieler aus, später noch den weiteren Rest der Startelf. Der FCZ spielte vorerst in gleicher Formation weiter, wie vor der Pause, und konnte das Spiel nun ausgeglichen gestalten. Trotzdem waren es wieder die Ulmer, welche das nächste Tor erzielten. Scholze hatte auf der rechten Seite knappen Raum und Zeit für eine präzise Flanke, welche Kahvic beim hinteren Pfosten mit perfektem Timing wuchtig einköpfen konnte. Weder die Flanke, noch den erfolgreichen Kopfball konnte der FCZ verhindern.

Mit den vier Wechseln nach einer Stunde und einer Verschiebung von Zuber vom linken Flügel auf die 8er-Postition ins Mittelfeld rechts, hatte der FCZ dann auch seine beste Phase und in der 67. Minute gleich zwei sehr gute Szenen. Zuerst traf Zuber auf Pass von Phaëton von ausserhalb des Strafraums den rechten Pfosten. In einer neuen Aktion visierte darauf Phaëton selber mit einem Distanzschuss die Lattenoberseite über dem rechten Pfosten an.

Auch der eingewechselte Mendy trat nach seiner Einwechslung offensiv noch mehrmals in Erscheinung, allerdings ohne entscheidenden Impuls. Es sollten seine allerletzten 31 Minuten im Dress des FCZ sein. Es gelang bis zur letzten Minute keiner der beiden Mannschaften mehr, eine gute Möglichkeit herauszuspielen.

Dann aber erzielte Ulm nach einem Eckball von rechts mittels Kopfball durch Etse in der 90. Minute noch das 3:0.

Fazit

Der FCZ wirkte in der 1. Halbzeit so, als würde es ihm etwas an Laufbereitschaft fehlen. Dazu wurde der Ball zu schnell wieder verloren, weil der Gegner bissiger war und konzentrierter. Über die rechte Seite entstand offensiv etwas Gefahr durch Emmanuel, speziell wenn sich Kamberi mit nach vorne einschaltete. Links aussen wirkte Zuber „verschenkt“. Das wäre aber möglicherweise schnell anders gewesen, hätte er in bester Position von Emmanuel den Pass erhalten, beim Stand von 0:0.

Lindrit Kamberi führte die Niederlage in seiner Einordnung auf die strenge Trainingswoche zurück und auf etwas müde Beine, wollte diesen Umstand allerdings nicht als Ausrede gelten lassen. Leistung und Resultat dämpfen die Erwartungshaltung vor dem Saisonauftakt in die neue Super League Saison gegen den FC Sion und dürften für die Mannschaft und Staff wichtige Hinweise geben, was es mehr braucht für einen guten Saisonstart. Eine Baustelle könnte schon jetzt die Abwehr werden, da mit Vujevic, Junior Ligue und Denoon gleich drei Verteidiger verletzt sind und letzterer den FCZ nun auch Richtung Toskana zu Pisa SC verlassen hat. Hier würde sich eine Verstärkung etwas aufdrängen.

Im Mittelfeld absolvierte Palacio seinen ersten Einsatz für den FCZ und spielte meist in zentraler Position.

Es scheint, als hätten die Spatzen auch in dieser Saison wieder eine hohe Qualität bei Eckbällen, wie in den letzten drei Spielzeiten. Und auch die weiten Einwürfe von beiden Seiten waren im ganzen Spiel von bemerkenswerter Qualität. Beim FCZ war dies nicht der Fall. Es gab dazu auch wenig Gelegenheiten, die Qualität in dieser Sparte zu beweisen.

Anzumerken gilt auch noch, dass Zürichs Sportchef Milos Malenovic das Spiel von den Medienplätzen aus verfolgte.

Leserumfrage zum Saisonstart 25/26

Leserumfrage zum FCZ-Saisonstart 25/26
Fragen zur Saison 24/25
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7) Wer war der beste FCZ-Spieler 24/25?

Fragen zur neuen Saison 25/26
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1) Welche Schlussrangierung erreicht der FCZ in der Saison 25/26?

2) Wie findest du die Ticket- / Abo-Preise?

3) Auf welche Auswärtsreise freust du dich am meisten?

4) Welcher Spieler explodiert in der kommenden Saison?

5) Wer wird Schweizer Meister?

6) Was für einen Transfer wünschst du dir noch? (mehr als eine Antwort möglich)

7) In welchem Jahr steht das neue Zürcher Fussballstadion?

Stiel und die Coulibaly-Brüder bringen frischen Wind

Im Verlauf der Rückkehr nach seinem Kreuzbandriss kassierte Yanick Brecher (damals 24) vor etwas mehr als acht Jahren bei einem 9:1-Testspielsieg gegen den FC Dietikon ein Gegentor durch Marijan Jelec abgefeuert im Bereich der Mittellinie. Silas Huber (19) unterlief beim Test in Dietikon gegen YF Juventus dasselbe bei einem Weitschuss des Ex FCZ-Juniors Albion Avdijaj. Es war in der 2. Minute das 1:0 für den Nummer 3-Klub der Stadt, welcher zuletzt genauso wie die GC U21 in der Finalrunde der Aufstiegsspiele in die Promotion League knapp gescheitert war. Lausanne- Sport U21 erzwang in der Tuilière im Rückspiel in der 88. Minute durch einen an Marco Van Basten erinnernden Drehschuss von Innenverteidiger Rodolfo Lippo die Verlängerung und konnte sich dort letztlich durchsetzen.

Konkurrenz für Kamberi

Die Aufstellung des im traditionellen Young Fellows Gelb-Rot angetretenen Teams des neuen Coaches Nzuzi Toko im Test gegen den FC Zürich zeigt, dass der Appetit mit dem Essen noch gestiegen zu schein scheint. Neben dem prominenten Sturmduo Avdijaj / Chagas starteten neu auch die langjährigen Profis Samir Ramizi (zuletzt Xamax) und Joel Kiassumbua (Stade Nyonnais). Der FCZ reagierte aber sofort und drehte die Partie mit Toren in der 3. und 6. Minute. Gegen das traditionell offensiv orientierte YF Juventus führte unter anderem eine gute Chancenverwertung zum 4:1-Sieg nach 45 Minuten. Die von Steven Zuber angeführte Equipe legte einen konzentrierten Auftritt hin, besser als derjenige der im ersten 45 Minuten-Spiel gegen den FC Dietikon (2:0-Sieg) angetretenen Elf.

Aus dieser Partie lassen sich nur drei Spieler positiv hervorheben: der sich am Rechten Flügel gut behauptende Nevio Di Giusto, Cheveyo Tsawa und Jill Stiel (17), welcher als Einwechselspieler nach elf Minuten reinkam, sich aber trotzdem am meisten Torchancen erarbeiten konnte (vier) und zudem entscheidend an der Vorbereitung des 1:0-Führungstreffers in der 37. Minute beteiligt war. Die Innenverteidigung hatte mehr Probleme als dies gegen einen solchen Gegner der Fall sein sollte. David Vujevic musste nach einem unglücklichen Start in die Partie angeschlagen ausgewechselt werden. Dem immer wieder relativ grosse Leistungsschwankungen durchlebenden Lindrit Kamberi erwächst mit Mattia Rizzo echte Konkurrenz – nicht nur aufgrund dessen Tores zum 1:1-Ausgleich gegen YF Juventus.

Emmanuel bereitet zwei Reverson-Tore vor

Neben Stiel feierte auch der im Winter von Werder Bremen gekommene Daniel Ihendu (19) sein Début in der 1. Mannschaft. Er erzielte dabei gleich ein Abstaubertor und konnte sich defensiv gegen die Dietiker Angreifer meist durchsetzen – allerdings mit Mühe. Von einem Okafor, Fiorini oder Oko-Flex (trotz seines Tores) muss zudem mehr kommen. Mittelstürmer Vincent Nvendo hatte wenig Bälle, lieferte immerhin den Assist zum Führungstreffer. Räume zu schaffen und Bälle für Mitspieler aufzulegen ist sowieso bisher seine Hauptrolle – auch bei den Meisterschaftseinsätzen für die 1. Mannschaft in der abgelaufenen Saison.

Das Duo Emmanuel / Reverson war gegen YF Juventus gut für die beiden Tore zum 2:1 und 3:1. Beim ersten der beiden Treffer legte Emmanuel über links mit einem herzhaften Antritt gefühlt zehn Meter Distanz zwischen sich und dem gegnerischen Aussenverteidiger und flankte präzis auf den Kopf seines Mittelstürmers Reverson. Beim zweiten Tor des Holländers bediente ihn der Nigerianer aus zentraler Position in die Tiefe. Auch wenn es nur ein Testspiel war, bestätigte Reverson einmal mehr seine bereits letzte Saison angedeutete und im Meisterschaftsbetrieb so wichtige Effizienz in Chancenerarbeitung und Abschluss. Umeh Emmanuels Début-Saison beim FC Zürich ist missglückt und es war ihm anzumerken, dass er die Chance zum Neustart unter Trainer Mitchell Van der Gaag packen will.

Einfluss von Van der Gaag bereits spürbar

Neben Ihendu und Stiel kam mit Raphael Coulibaly (15) ein dritter Spieler zu seinem Début in der 1. Mannschaft. Für die letzte Viertelstunde auf der 8er-Position neben Miguel Reichmuth eingewechselt spielte er nicht wie ein 15-jähriger und bereitete mit seinem Zuspiel die Situation vor in der Steven Zuber im Strafraum gefoult wurde. Dieser verwertete den Penalty gegen den seine letzte Partie bestreitende und für die Schlussphase ebenfalls eingewechselte langjährige FCZ-ler Novem Baumann. Raphael Coulibalys älterer Bruder Parfait (16) wurde 45 Minuten auf dem Rechten Flügel eingesetzt und hinterliess ebenfalls einen positiven Eindruck. Er war in der abgelaufenen Saison ja bereits in Lugano zu einem Super League-Einsatz gekommen.

Von der Grundausrichtung her baut Mitchell Van der Gaag nach einer Trainingswoche auf der Vorarbeit der letzten Saison auf. Ein 4-3-3 mit einem häufig in die vorderste Linie vorstossenden offensiven 8er (Zuber, Stiel) und Rechten Aussenverteidiger (Kamberi, Rizzo) per Diagonallauf in die Halbposition. Auch die Rolle Steven Zubers zuerst auf der 8er-Position und danach im Sturmzentrum wurde (noch) nicht angepasst. Dies obwohl dieser im Zentrum selbst gegen Gegner aus dem Spitzenamateurbereich häufig etwas zu spät kommt und andererseits über den Flügel sehr effektiv agieren kann – nicht zuletzt mit seinen Top-Flanken. Trotzdem kann man selbst nach so kurzer Zeit auch bereits gewisse Veränderungen beobachten. Das Team reflektiert auf dem Platz die grundlegend andere Persönlichkeit des Trainers und wirkt dabei zwar weiterhin proaktiv, aber in einer ruhigeren und bedachteren Art und Weise. Dazu kommt gefühlt eine grössere Variabilität im Angriffsspiel. Man wechselt nahtlos zwischen Angriffen über die Seiten und durch die Mitte, Seitenwechseln, kontrolliertem Aufbauspiel und Bällen hinter die Abwehr.

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