Leonardo Nigro: „Als Stadtchind FCZ. Punkt.“

Schauspieler Leonardo Nigro („Schellen Ursli“, „Die Schwarzen Brüder“, „Der Match“) bringt dem FCZ als Co-Kommentator gegen Lugano den ersten Heimsieg der Saison. Im Gespräch mit Züri Live schwelgt der FCZ-Anhänger („Als Stadtchind git’s nume de FCZ. Punkt.“) in seinen ersten Fussballerinnerungen an der Langstrasse und im Letzigrund, und erzählt, wo und wann er auch als Schauspieler dem Traum Fussball-Profi nahe kommen konnte.

Nigro empfiehlt zur Lektüre den Klassiker „Fever Pitch“ von Nick Hornby und teilt seine Lebensabschnitte auf der Basis von WM- und EM-Turnieren ein. Der Familienvater berichtet ausserdem von Treffen mit Lugano-Trainer Zdenek Zeman und Michael Schumacher, und verrät, wie er auf Tore für und Schiedsrichterentscheide gegen die Azzurri reagiert. Damit der Bildungsauftrag von Züri Live nicht zu kurz kommt, hat sich Nigro ausserdem dazu bereit erklärt, den Unterschied zwischen einem Simulant und einem Schauspieler zu erklären.

 

André Gonçalves: „Möchte im Sommer nächsten Schritt machen“

Glarner haben Tradition beim FCZ – mit Fritz Künzli und René Botteron stammen zwei der grössten Letzigrund-Idole aller Zeiten aus dem „Zigerschlitz“. In Zeiten einer nun stündlichen direkten S-Bahnverbindung ist der von seinen langwierigen Verletzungen wiedergenesene Armin Alesevic der Glarner Vertreter im aktuellen Fanionteam. Kein Glarner war hingegen trotz seines Namens Stefan Glarner, welcher bis vorletzten Sommer zweieinhalb Jahre lang die Zürcher Farben trug. Dafür aber André Gonçalves: er ist zwar in Meiringen – der Heimat von Stefan Glarner – geboren, ist aber im Kanton Glarus aufgewachsen.

Ausgerechnet als Einwechselspieler für ebendiesen (Stefan) Glarner kam Gonçalves zu seinem bis anhin einzigen Super League-Einsatz: am 2.März 2013 kam er in einem Heimspiel gegen Sion eine Viertelstunde vor Schluss beim Stand von 3:1 in die Partie. Es sind bis dato die einzigen 16 Super League-Minuten für den vielseitigen Gonçalves geblieben. Denn sein Vertrag wurde zwei Monate später nicht verlängert, und Gonçalves wechselte zum FC Schaffhausen, wo der Glarner seither engagiert ist. Gonçalves ist in Schaffhausen in gesundem Zustand Stammspieler, kann allerdings eher selten Akzente setzen und gehört nicht zum Kern der Leistungsträger.

Der Aussenverteidiger wurde 2009 mit der Schweizer U17 Weltmeister. Gonçalves wurde damals von Trainer Dani Ryser in allen sieben Partien  (auf unterschiedlichen Positionen) eingesetzt und erzielte im Achtelfinal gegen Deutschland (mit Mario Götze und Marc-André Ter Stegen) in der Verlängerung das entscheidende 4:3. Auf seiner Stammposition rechts hinten war sein Hauptkonkurrent der heutige Aarauer Bruno Martignoni. Zum FC Aarau in die Challenge League ausgeliehen war Gonçalves dann von 2010 bis 2012 zwei Jahre lang.

In der Mitte dieser Zeit wollte der FCZ sein Eigengewächs in der Sommervorbereitung in Celerina mit dabei haben. Bei Aarau rückte daher der eigentlich vor dem Absprung zu Baden stehende Silvan Widmer als Lückenbüsser nach. Nach dem Trainingslager schickte der FCZ Gonçalves wieder zu Aarau zurück, aber in der Zwischenzeit hatte ihm Widmer den Platz hinten rechts weggeschnappt. Der Aargauer spielt heute in der Serie A. In der darauffolgenden Saison bekam Gonçalves dann die Chance, sich ein Jahr lang in der 1.Mannschaft des FCZ im Training aufzudrängen, was ihm aber nicht gelang.

Im einem längeren Gespräch mit Züri Live äussert sich André Gonçalves über seinen bisherigen Karriereweg, die U17-WM in Nigeria, seine „schwerste Zeit des Lebens“ mit der Thrombose und Lungenembolie vor einem Jahr – und verrät, dass er im Sommer gerne den nächsten Schritt machen will, und den Abschied von Schaffhausen in Betracht zieht – ob Richtung In- oder Ausland lässt der sympathische Verteidiger noch offen.  

 

 

„Gelegenheits-Schnäppchen“ Kerzhakovs erstes Training beim FCZ

Der FCZ ist seit heute wieder im Training und bereitet sich auf die Rückrunde vor. Wenn man auf die Platzierung in der Tabelle blickt, muss man den Letzigrund-Klub als ein Team im Abstiegskampf sehen. Die Konkurrenten Vaduz und Lugano werden in der Rückrunde sicherlich beide nochmal einen Zacken zulegen können – also braucht der FCZ zwei Zacken. Andererseits ist es trotz allem möglich, bei positivem Verlauf wie letzte Saison in der Liga einen Europacupplatz zu erreichen. Das viertplatzierte Luzern ist neun Punkte voraus, der fünfplatzierte FC St.Gallen sechs Punkte. Falls sich der Cupsieger unter den ersten vier klassiert, reicht auch ein fünfter Platz. Und vor allem hat der FCZ die arithmetische Chance von 25% selbst Cupsieger zu werden.

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Auf dem Weg zu diesen Zielen läuft aber vieles nicht nach Plan. So hadert der ansonsten frisch und erholt wirkende Trainer Sami Hyypiä damit, dass er an den ersten beiden Trainingstagen noch nicht Vollgas geben und die Spieler belasten kann, da die Leistungstests anstehen. Der Finne hätte diese viel lieber schon am Wochenende durchgeführt, aber die Klinik sei noch geschlossen gewesen. Die Miene des Übungsleisters verdüstert sich noch etwas mehr, als er auf die Platzsituation angesprochen wird: „Auf unserem Trainingsplatz können wir Schwimmen. Wenn wir ihn beim aktuellen Zustand einmal benutzen, dann ist er anschliessend nicht mehr brauchbar.“ Neu ist das Thema nicht. Hyypiäs Vorgänger hatten alle mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Es werde nun flexibel disponiert, aber es sei wichtig, immer die Option auf irgendeinen Kunstrasenplatz offen zu haben, meint Hyypiä weiter. Da ist dann auch Flexibilität gefragt. Die Mannschaft kennt mittlerweile sicherlich bald jeden Kunstrasenplatz der Stadt, sei es im Juchhof, Heuried oder Heerenschürli.

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Ebenfalls nicht das Resultat eines Planes sei die Verpflichtung von Stürmer Aleksandr Kerzhakov gewesen, lässt Hyypiä durchblicken, und bestätigt damit die Vermutungen einiger Beobachter. Die Russische Stürmerikone war vielmehr ein Gelegenheitsschnäppchen, welches man sich nicht entgehen lassen wollte. Dies obwohl der FCZ zumindest quantitativ in Sturm und Offensivzentrum ganz bestimmt nicht unterbesetzt ist. Kerzhakov war im ersten Training Teil der zwölfköpfigen Laufgruppe mit Bua, Buff, Sarr, Etoundi, Di Gregorio, Grgic, Schneuwly, Alesevic, Kleiber, Sadiku und Brunner, welche angeführt vom Trainerduo Hyypiä/Rizzo im Nieselregen eine knapp einstündige Laufeinheit absolvierte. Weitere Spieler waren gleichzeitig an den Fitnessgeräten anzutreffen, und die Torhüter trainierten ebenfalls separat.

Hyypiä bemerkte, dass er in den Ferien mit keinem der Spieler gesprochen habe. Die Gespräche werden diese Woche im Anschluss an die Leistungstests erfolgen, und spätestens in der darauffolgenden Woche sollten dann erste Entscheidungen bezüglich weiterer Transfers – Abgänge oder Zugänge – fallen. Details würden dann mitgeteilt, wenn es soweit sei. Aber es ist durchaus denkbar, dass der eine oder andere Spieler gar nicht mehr im Training auftauchen wird, und die Suche nach einem neuen Verein sich bereits in der heissen Phase befindet.

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Am meisten im Mittelpunkt der zahlreich erschienenen Medienschaffenden stand natürlich Neuverpflichtung Alexandr Kerzhakov, der die vielen Fragen im Anschluss ans Training geduldig beantwortete. Auch über private Dinge: der Russe wohnt zur Zeit mit seiner Frau im gleich neben dem Trainingsgelände gelegenen Hotel (Sihlcity) und sucht so schnell wie möglich eine Wohnung, um den zurzeit bei Kerzhakovs Eltern lebenden Sohn nach Zürich holen zu können. Der Russische Stürmer will durch die Teilnahme an der Rückrundenvorbereitung wieder richtig in Form kommen, Spiele gewinnen, in der Tabelle Rang um Rang gutmachen und am Ende des Frühlings im EM-Aufgebot von Nationaltrainer Leonid Slutski stehen. Ob er Trainer Hyypiä wegen seinen beiden Toren im WM-Qualifikationsspiel 2009 in Helsinki schon im Spass aufgezogen habe? „Nein bisher nicht“, meint der 1,76m-Mann etwas schüchtern und schelmisch zugleich: „Ich weiss nicht, ob ihm solche Witze gefallen würden…“.

Marchesano: „Am liebsten hängende Spitze“

Antonio Marchesano vom FC Biel wurde bereits Anfang September vom FCZ als Neuzugang für die Saison 2016/17 vorgestellt, und gleichzeitig nochmal für eine Saison an die Seeländer verliehen. Der neue Mehrheitseigner des FC Biel, Carlo Häfeli, und dessen Vorstand haben das Budget des Klubs signifikant erhöht. Mit Transferaktivitäten sollen in der aktuellen Spielzeit CHF 700’000.- erwirtschaftet werden. Mit dem Marchesano-Transfer zum FCZ wurden CHF 230’000.- an Transfereinnahmen früh in der Saison ein Drittel davon realisiert.

Der Tessiner ist zweifellos schon seit Jahren einer der technisch und spielerisch besten Spieler der Challenge League, welchem aber in Sachen Laufvermögen, Qualitäten im Spiel ohne Ball und selbst bezüglich Torgefährlichkeit auch für Verhältnisse der zweithöchsten Liga einiges an Qualität fehlte. Im Sommer vom FC Winterthur zu einem runderneuerten FC Biel gewechselt, wirkte Marchesano nun aber fitter, als die Jahre zuvor. Vor allem wurde er von Trainer Patrick Rahmen auf seiner Lieblingsposition als hängende Sturmspitze eingesetzt, und hatte so einen kürzeren Weg zum Tor. Die Folge waren 10 Tore in den ersten sieben Runden.

Kaum aber hatte der 1.67 m grosse Offensivmann den Vertrag beim FCZ unterschrieben, zeigte seine Leistungskurve stark nach unten – und es folgte nur noch ein einziges Tor bis zur Winterpause, was parallel den ganzen FC Biel in eine sportliche Krise stürzte – auch wenn in diese Phase wegen muskulären Problemen im linken Oberschenkel drei verletzungsbedingt verpasste Spiele fielen. Wegen seiner nachlassenden Torgefährlichkeit und der Rückkehr der zweiten Sturmspitze Gaëtan Karlen wurde Marchesano von Trainer Patrick Rahmen zudem häufiger wieder zurück ins Mittelfeld beordert, wo der aus Bellinzona stammende Offensivmann aber noch schlechter agierte.

Der Tessiner war im Sommer neben dem höheren Jahreslohn (inklusive Zusatzleistungen im tiefen sechsstelligen Bereich) vor allem auch deshalb von Winterthur zu Biel gewechselt, weil ihm dort Einsätze auf seiner Lieblingsposition versprochen wurden. Im Gespräch mit Züri Live äusserte sich Antonio Marchesano Ende Oktober über seine Lieblingsposition, den FCZ und die Möglichkeit eines vorgezogenen Wechsels im Winter:

Unter dem Strich konnte Marchesano seine Super League-tauglichkeit in der Vorrunde nicht unter Beweis stellen. Sami Hyypiäs taktisches Konzept kommt Marchesano entgegen, da der Finne mit einem torgefährlichen Techniker als hängende Spitze hinter Franck Etoundi spielen will. Allerdings gibt es für diese Position aktuell mehr als genug Alternativen. Es ist bereits die Idealposition von solch wichtigen Spielern wie Oliver Buff, Mario Gavranovic und Davide Chiumiento. Hinzu kommen Christian Schneuwly und Artjom Simonyan, die ebenfalls am liebsten und besten in dieser Rolle agieren. Den Sprung von der U20- in die U21-Nationalmannschaft hat Antonio Marchesano in Jugendzeiten nicht geschafft – ob ihm der Sprung in die Super League doch noch gelingt, ist offen. Er wird aber aus athletischen und taktischen Gründen eher noch etwas mehr Anpassungsschwierigkeiten zeigen, als beispielsweise sein Tessiner Offensivkollege Patrick Rossini.

Einmalig! FCZ Frauen nr.1 in NLA und NLB!

Die Frauenequipe des FCZ liegt zur Winterpause in der NLA in Front. Allerdings erwächst dem Team von Trainer Dorjee Tsawa von Seiten des FC Neunkirch und des FC Luzern Konkurrenz. Beide Equipen haben ausserdem in dieser Winterpause mit langjährigen Nationalspielerinnen nachgerüstet: Sandy Maendly wechselt aus Italien in den Kanton Schaffhausen, Nicole Remund vom FCZ nach Luzern.  Nach vier Meistertiteln in Folge könnte es dieses Jahr die schwierigste Titelverteidigung seit langem geben.

Im Windschatten der ersten Mannschaft schreibt die von Remo Mayer und Roman Matter trainierte U21-Equipe bisher eine ganz erstaunliche Erfolgsstory. Aufgestiegen in die Nationalliga B, sei die Mannschaft im ersten Spiel in der höheren Liga erst mal vom Tempo überrumpelt worden, wie Torfrau Natascha Honegger gegenüber Züri Live am Rande der Champions League-Partie gegen Lilleström im Oktober meinte. „Überrumpelt“ bedeutete ein 4:4-Unentschieden beim ehemaligen NLA-Team Schlieren. Danach gaben die Zürcherinnen aber während der ganzen Vorrunde nur noch ein einziges Mal Punkte ab – bei der 3:4-Niederlage in Thun am dritten Spieltag. Heraus kam ein Sechspunktevorsprung auf die zweitplatzierten Femina Kickers Worb. Aufsteigen kann die U21 nun aber natürlich nicht mehr – auch die Teilnahme am Cup-Wettbewerb ist nicht möglich. Ein freundschaftlicher Vergleich mit der ein oder anderen Equipe aus der unteren Tabellenhälfte der NLA wäre aber sicherlich interessant.

Weltweit ist es sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen wohl ziemlich einmalig, dass Teams aus dem gleichen Klub sowohl die höchste, wie auch die zweithöchste Liga des Landes anführen! Und dieses Zwischenergebnis haben die Girls vom Heerenschürli mit einer Equipe erreicht, bei welcher die Mehrheit 16-18 Jahre jung ist. Neben Natascha Honegger haben auch U17-Vizeeuropameisterin Kim Dubs, sowie die beiden im Sommer aus Winterthur gekommenen Elena Van Niekerk und Barbara Bösch mit Züri Live im Oktober über ihre Erfahrungen in der Nachwuchsnationalmannschaft und der zweithöchsten Liga des Landes gesprochen:

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