Kann Reichmuth Cognat stoppen? / Servette – FCZ mit möglichen taktischen Formationen

Mit Servette und dem FCZ treten zwei Teams mit Hoffnungen aber gleichzeitig einer unkonstanten Saison gegeneinander an, die beide in der Tabelle im Vergleich mit konstanteren Mannschaften wie Thun oder Sion ins Hintertreffen geraten sind. Bei Servette hat offenbar das bittere Ausscheiden gegen Viktoria Plzen in der Champions League-Qualifikation zu einem ähnlichen Schock geführt wie beim FCZ 22/23 gegen Qarabaq Agdam. Der FC Zürich hat während der Saison bereits einen Trainer- und Sportchef-Wechsel hinter sich mit den daraus ebenfalls folgenden personellen Wechseln im Kader. Kein einziges Mal trat der FC Zürich im Jahr 2025 in Genf an! Dies aufgrund des „Schotten-Modus“ und Spielplanes. In den zwei Duellen im Letzigrund verlor der FCZ im März mit dem damaligen Coach Ricardo Moniz 1:3 und gewann im September unter Mitchell Van der Gaag mit 2:1. Letzteres war damals die zweite Liga-Partie von Jocelyn Gourvennec als Servette-Verantwortlicher an der Seitenlinie gewesen. Der FC Zürich kam nach 2:0-Führung durch einen Tsawa-Doppelpack im Verlauf der 2. Halbzeit immer mehr unter Druck und brachte die drei Punkte nach Platzverweisen gegen Bangoura und Sauter mit Glück ins Trockene.

Wer ersetzt beim FCZ Steven Zuber?

Beim letzten Auftritt in Genf im November 2024 traf Bledian Krasniqi beim 1:1 mit einem herrlichen Weitschusstor. Es war eines von 16 Toren Krasniqis in seinen 162 Partien für die 1. Mannschaft des FCZ. Sein Début hat Krasniqi in der Europa League-Saison 18/19 unter Ludo Magnin gefeiert. Nach zwei Leihjahren in Wil gehört der eingefleischte FCZ-Anhänger seit der Meistersaison 21/22 zum Stammpersonal. Auch in der aktuellen Saison gehört er zu den elf Spielern mit den meisten Spielminuten im Kader und hat in Wettbewerbspartien am meisten Torvorlagen geliefert. Nach seinem ausgezeichneten Saisonstart wurde er zuletzt allerdings nicht mehr häufig für die Startformation berücksichtigt. Vor der Winterpause sah man von ihm als Joker einzelne gute Aktionen.

Der Abgang von Steven Zuber könnte Krasniqi nun die Chance eröffnen wieder in die Startelf zu rücken – zumal Trainer Dennis Hediger wohl davon abrücken wird, einen gelernten Stürmer wie Umeh Emmanuel auf der Zehner-Position laufen zu lassen. Im einzigen Test vor einer Woche in Kaiserslautern war Krasniqi allerdings noch krank gemeldet. Für ihn lief der von seiner Leihe aus Vaduz frühzeitig zurückgekehrte Nevio Di Giusto auf. Im „Ländle“ unter Trainer Marc Schneider stand ihm auf der Zehner-Position Luzern-Talent Ronaldo Dantas vor der Nase. Als dritte gute Option steht zudem Jill Stiel in den Startlöchern.

Wer stoppt Cognat, Stevanovic und Njoh?

Vor der Winterpause hat der FC Zürich unter Dennis Hediger jeweils mit Dreierabwehr in einem 3-4-1-2 gespielt. Kaiserslautern-Trainer Torsten Lieberknecht sprach aber nach dem hinter verschlossenen Türen durchgeführten Testspiel davon der Gegner habe im Rhombus gespielt. Dementsprechend könnte als überraschende Variante in Genf doch wieder ein FCZ mit Viererabwehr auftauchen. Was sicherlich gleich bleiben wird ist ein im Vergleich zur Zeit unter Ural, Moniz und Van der Gaag wieder vertikaler agierender FC Zürich mit einem Zwei Mann-Sturm und einem Zehner dahinter – ohne Flügelspieler und wenig Speil über die Seiten. Aus diesem Grund passt der sich auf dem Absprung befindende Jahnoah Markelo auch nicht mehr ins Team.

Mit Miguel Reichmuth hat der FC Zürich einen wendigen Sechser, der prädestiniert ist es mit dem Genfer Schlüsselspieler Timothée Cognat aufzunehmen. Bei der Auftaktniederlage (0:1) nach der Winterpause gegen Lausanne-Sport zeigte sich Cognat bereits wieder in bestechender Form. Ihn ganz auszuschalten ist nicht einfach. Weitere Schlüsselspieler in der Genfer Offensive sind Flügel Miroslav Stevanovic über rechts und Linksverteidiger Lilian Njoh über links. Falls er sich fit meldet wird es sicherlich die Aufgabe von Neuverpflichtung Chris Kablan sein, die Kreise von einem der beiden einzuschränken. Zuletzt auf Zypern hat Kablan zwar bei einem Eckball ein schönes Tor erzielt, blieb defensiv aber nicht immer über alle Zweifel erhaben. Mitentscheidend wird für den FCZ im Stade de Genève auch die Verteidigung der starken Genfer Standards von Cognat, Stevanovic und Njoh sein, die häufig kurz ausgeführt werden.

Viele talentierte Varianten am Linken Flügel Servettes

Servettes junger Linker Flügel Mardochée Miguel musste im Léman-Derby gegen Lausanne-Sport nach einem ansonsten starken Auftritt, aber einer hart gepfiffenen ersten Gelben Karte wegen Foulspiels, und einer korrekten zweiten Gelben Karte wegen Schwalbe schon vor der Pause mit Gelb-Rot unter die Dusche – und ist gegen den FCZ gesperrt. Der aus dem Servette-Nachwuchs stammende Portugiesische Junioren-Nationalspieler Keyan Varela könnte ihn ersetzen. Allerdings soll dieser auch kurz vor einem Wechsel zum Polnischen Spitzenteam und Conference League-Sechzehntalfinalist (gegen Fiorentina) Jagiellona Byalistok stehen, wo bereits die beiden Ex FCB-Akteure Pululu und Pelmard engagiert sind. Vielleicht wird das Spiel gegen den FCZ Varelas letzter Auftritt im Grenat-Dress. Mit Malek Ishuayed wäre ein weiteres vielversprechendes Nachwuchs-Talent eine Altermative – oder Lilian Njoh wird eine Reihe vorgezogen. Dies wiederum würde wohl dem U21-Captain Téo Allix zur Startelf-Nomination verhelfen – und Linksfuss Bradley Mazikou den Wechsel auf seine präferierte Seite. Aus Polen (Legia) zurückgekehrt in die Schweiz ist hingegen Marco Burch. Gegen Lausanne-Sport war der innenverteidiger noch nicht spielberechtigt gewesen, da das Transferfenster in der Schweiz erst am 15. Januar geöffnet wurde. Bei Gourvennecs Servette wird Burch die Aufgabe haben auch gegen einen hoch attackierenden FCZ mit Flachpassspiel hinten heraus zu kombinieren.

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Wettkampfglück wieder mal auf der Seite des FCZ? / FC Zürich – Luzern Vorschau mit möglichen taktischen Formationen

Luzern hat sich mittlerweile auf dem dritten Platz hinter Servette und dem FC Basel etabliert und liegt fünf Punkte vor dem FC Zürich. Der FCZ hat in dieser Saison bisher eine negative Bilanz gegen den FC Luzern. Die letzte Direktbegegnung im Januar in der Swissporarena wird noch lange in Erinnerung bleiben – mit rekordhohen drei Penaltys und zwei Platzverweisen – alle (auf dem Platz oder nach VAR-Checks) ausgesprochen gegen den FC Zürich. Luzern erzielte beim 3:1 alle drei Tore aus den Penaltys, während der FCZ in Unterzahl mit einem von Kamberi verwerteten Krasniqi-Freistoss zum 1:3 kam. Tyron Owusu und Thibault Klidjé waren auf Luzerner Seite die beiden Spieler welche den klaren Auftrag hatten, möglichst viele Situationen zu kreieren in denen es zu diesen Penaltys und Platzverweisen kommen konnte – oder wie es FCL-Trainer Mario Frick nach der Partie im TV-Interview formulierte: „Dorthin zu gehen, wo es weh tut“.

Vorsicht vor Laufwegen von Owusu und Klidjé

Dies haben Owusu und Klidjé mittlerweile auch gegen andere Gegner praktiziert, aber bei weitem nicht mit so viel „Erfolg“. Zuletzt beim 1:1 gegen den FCB blieb Schiedsrichter Urs Schnyder nach dem Tackling von Adrian Barisic gegen Owusu im Strafraum auch nach VAR-Intervention von Nico Gianforte trotz Berührung bei seiner Entscheidung von „kein Foul“. Etwas, was man sich damals gegen den FCZ auch von Sven Wolfensberger gewünscht hätte, als bei der VAR-Intervention von Lionel Tschudi wegen eines angeblichen „Fouls“ von Daniel Denoon gegen Thibault Klidjé dieses Foul auf den Video-Bildern nicht erkennbar war. Wolfensberger wurde interessanterweise erneut mit der Leitung der Partie FCZ – Luzern betraut. Der FCZ sollte sich aber natürlich nicht auf den Schiedsrichter fokussieren, sondern vor allem vor Owusu und Klidjé gewarnt sein, die mit abrupten Richtungsänderungen immer wieder den Kontakt mit rückwärtslaufenden Verteidigern suchen.

Der FC Zürich war mit einem sehr mutigen und intensiven Fussball nach der Winterpause gestartet. Die Penaltys und Platzverweise in Luzern sowie der verschossene Elfmeter Chouiars gegen Basel waren die ersten aber noch lange nicht letzten teilweise externen, teilweise selbst verschuldeten Rückschläge in den folgenden Partien. Die Stossrichtung eines dominanteren Fussballs bleibt bestehen. Der FCZ schafft es aber noch nicht, dies gegen nominell gleich starke oder stärkere Gegner wie beispielsweise dem FC Luzern auch durchzusetzen. Nach den letzten Partien mit einer Serie von teilweise hanebüchenen VAR-Interventionen hätte man aber definitiv wieder mal etwas Wettkampfglück verdient.

FCZ weiterhin mit Baustelle „Linksverteidiger“

Die Baustelle „Linksverteidiger“ bleibt aber weiterhin bestehen. Da Junior Ligue gegen Luzern möglicherweise krankheitshalber fehlen könnte, wird wohl Daniel Denoon wie schon im Januar zentral neben Mariano Gomez verteidigen. Doron Leidner wird weiterhin nur noch in der U21 eingesetzt. Den in der Vorrunde gute Ansätze zeigenden und im Winter zu Deportivo La Coruña ausgeliehenen Nemanja Tosic könnte man aktuell gut gebrauchen. Dieser sah im Duell mit Junior Ligue, der mittlerweile Innenverteidiger spielt, aber zu wenig Einsatzchancen. In Spanien spielte der Serbe bisher aber auch erst 45 Minuten. Rodrigo Conceiçao hatte mit seiner Unvorsichtigkeit im Laufduell gegen Tyron Qwusu die 1:3-Niederlage in Luzern eingeleitet. Zuletzt beim 1:3 gegen Servette zeigte der Portugiese, dass er dem Team mit seiner wilden Spielweise als Einwechselspieler bei Rückstand am besten helfen kann. Seine Einsätze von Beginn weg waren zuletzt hingegen ungenügend. Benjamin Mendy wiederum hätte Coach Ricardo Moniz wohl gegen Luzern in der Startformation vorgesehen gehabt, aber der Franzose war zuletzt ebenfalls krank gemeldet.

Gegen Servette zeigte sich nach dem Seitenwechsel erneut, dass Steven Zuber von der Linken Seite aus effektiver agiert als im Zentrum, wo ihm als Fixspieler auf engem Raum die Reaktions-Schnelligkeit fehlt. Als weitere Alternative im Sturmzentrum neben Torschütze Damienus Reverson und Mohammad Mahmoud gab heute in Lugano Vincent Nvendo sein Début in der FCZ U21, wurde aber zur Pause ausgewechselt. Nicht mit dabei im Tessin sind unter anderem Joseph Sabobo, Neil Volken und Dylan Munroe. Möglich, dass einer von diesen drei im Letzigrund im Kader gegen Luzern steht. Janoah Markelo war unter der Woche ebenfalls krank, könnte es aber möglicherweise noch rechtzeitig auf die Partie gegen Luzern schaffen.

Wie macht sich Ballet gegen Kutesa? / FC Zürich – Servette Vorschau mit möglichen taktischen Formationen

Der FCZ hat in dieser Saison bisher eine negative Bilanz gegen Servette. In beiden Begegnungen setzten die Genfer auf Konterfussball und dabei wiederum vor allem auf Dereck Kutesa. Der FCZ trat beide Male mit Dreierabwehr an und liess Kutesa auf der Seite dabei zu viel Raum. Die rechte Zürcher Seite hatte jeweils grosse Probleme. Lindrit Kamberi hätte in der ersten Partie im Letzigrund (1:3, dritthöchste Zuschauerzahl der bisherigen Saison) eigentlich zur Pause ausgewechselt werden müssen. Im zweiten Spiel (1:1 im Stade de Genève) ging es Rodrigo Conceição nicht viel besser. Servettes Stärke im Umschaltspiel hat sich seither weiter akzentuiert. Die Schlüsselspieler Cognat und Stevanovic sind zusätzlich wieder besser in Form und vorne setzten sich zuletzt Neuverpflichtung Ndoye sowie die eigenen Junioren Varela und Ouattara als zusätzliche „Waffen“ in Szene. Servette liegt sowohl in der Formtabelle der letzten fünf Partien als auch in der Jahrestabelle 2025 vor dem 27. Spieltag auf dem 1. Platz der Liga. Gegen keinen anderen Gegner hat der FC Zürich in der Super League zudem so eine schlechte Heimbilanz. Ein leichter Aufwind ist auch beim FCZ zu verspüren, aber es wartet ein schwerer Brocken.

Wird Perea durch Ligue ersetzt?

Andeutungen von FCZ-Coach Moniz an der Pressekonferenz vor der wegweisenden Partie gegen Servette lassen vermuten, dass der verletzte Juan José Perea im Sturmzentrum durch Junior Ligue ersetzt werden könnte. Moniz sprach von zwei zusätzlichen Positionen auf denen dadurch Änderungen vorgenommen werden müssten. Dies wäre die Verschiebung des in Lugano als Linksverteidiger auflaufenden Denoon zurück in die Innenverteidigung und dessen Ersatz auf links durch möglicherweise Conceição.

Ob dies allerdings eine vielversprechende Lösung wäre, scheint zweifelhaft. Die Abwehrkette mit Ligue im Zentrum und Denoon links funktionierte in Lugano hervorragend. Auch Ballet hat sich zuletzt verbessert. Es wäre sicherlich interessant zu sehen, wie er sich gegen Kutesa macht. Conceição enttäuschte hingegen zuletzt ziemlich stark. Und Mendy ist wohl weiterhin noch nicht ready für die Startformation. Ausserdem gibt es im Sturmzentrum viele Alternativen. Mahmoud machte bei seinen Teileinsätzen einen sehr guten Eindruck. Und dann gäbe es da auch noch Emmanuel (In Lugano für Perea eingewechselt), Reverson, Oko-Flex oder sogar Greco. Zuber, Markelo, Chouiar, Gbemin, Ballet und Gomez sind zur Zeit ziemlich sicher gesetzt. Krasniqi scheint aktuell in ein kleines Loch gefallen zu sein. Für ihn könnte allenfalls wieder Tsawa beginnen.