Teamentwicklung unter der Lupe: FCZ zieht seine Schlüsse aus der Rückrunde

Der FCZ scheint die Erkenntnisse der Saison 2018/19, speziell der letzten beiden Partien in Luzern (0:3) und gegen St. Gallen (1:1) in die Vorbereitung der neuen Spielzeit mitgenommen zu haben. Nach dem desolaten Auftritt vor allem des Zürcher Mittelfeldes mit dem Zentrum Sertic / Rüegg / Marchesano und den Seitenspielern Schönbächler / Kololli in Luzern gab es zu Hause gegen einen FC St. Gallen, welcher mit einem Sieg noch die direkte Europa League-Qualifikation hätte erreichen können, eine stark verbesserte Leistung – der FC Zürich hätte an den Chancen gemessen das Spiel sehr gut auch gewinnen können. In den sechs Testpartien vor der neuen Saison agierte FCZ-Coach Ludo Magnin nun konsequent mit der gleichen Grundaufstellung wie im St. Gallen-Spiel mit einem 4-4-2 beziehungsweise 4-4-1-1 – je nachdem, ob neben dem gesetzten Assan Ceesay Antonio Marchesano oder mit Blaz Kramer ein zweiter klassischer Mittelstürmer auf dem Feld stand.

Die Startaufstellung in Leipzig gibt einige Hinweise, wie der FCZ zum Saisonstart gegen Lugano am kommenden Sonntag beginnen könnte – also mit Marchesano. Wie im St. Gallen-Match standen zudem auch in Leipzig die beiden 18-jährigen Simon Sohm sowie Becir Omeragic in der Startformation. In beiden Fällen kann man sagen, dass sie nicht einfach nur spielen, weil sie jung sind, sondern sie machen das Team tatsächlich besser. Dies war bereits bei ihren Einsätzen letzte Saison zu sehen. Sohm vermag mit seiner aussergewöhnlichen Kombination von Qualitäten in den drei entscheidenden Bereichen des Fussballs (Technik, Speed, Physis) der Mannschaft mehr Spielkontrolle und Sicherheit zu geben. Omeragic agiert schon sehr abgeklärt und hat eine hohe Spielintelligenz. Er ist zwar gelernter Innenverteidiger, scheint aber zum jetzigen Zeitpunkt im Erwachsenenfussball rechts besser aufgehoben zu sein.

Es gibt aber auch Änderungen im Vergleich zum St.Gallen-Spiel. So agierte damals Toni Domgjoni im Zentrum neben Sohm – in der aktuellen Vorbereitung spielte der Stammspieler der letzten Saison aber kaum eine Rolle. Die Position neben Sohm ist für Neuverpflichtung Denis Popovic vorgesehen, der nach einem eher unglücklichen ersten Kurzeinsatz gegen Stuttgart sich bei RB Leipzig schon deutlich verbessert zeigte und die Qualitäten andeutete, die ihn letzte Saison zum Leistungsträger bei Orenburg in der Russischen Premier Liga gemacht haben. Salim Khelifi bestätigte als agiler Wirbelwind seine aufsteigende Form von Ende Rückrunde. Auf der anderen Flügelposition schwankt Benjamin Kololli weiterhin zwischen zu viel Nonchalance und torgefährlichen Offensivaktionen. Dem frischgebackenen Vater Mimoun Mahi fehlt es noch an Fokus und Handlungsschnelligkeit.

Die linke Seite mit dem offensiv ausgerichteten Kharabadze ist weiterhin ein defensiver Schwachpunkt. Zudem musste man sich im Verlauf der Vorbereitung immer wieder um die Abwehrreihe in corpore Sorge machen. Nef weg, Maxsø weg, Pa Modou weg, Rüegg noch verletzt, Mirlind Kryeziu völlig ausser Form, Kharabadze in der Rückwärtsbewegung im Schneckentempo unterwegs. Schon letzte Saison hatte man bei gegnerischen Standards über weite Strecken der Saison Mühe, da mit Maxsø und Nef nur zwei gute defensive Standards-Spieler vorhanden waren, von denen häufig nur einer auf dem Platz stand. Die Situation hat sich diesbezüglich noch weiter verschärft. Aktuell gibt es keinen Spieler mit den defensiven Standard-Qualitäten von Maxsø oder Nef im Kader. Der neuverpflichtete Nathan ist diesbezüglich zwar besser als die Anderen, aber nicht auf dem Niveau der beiden erwähnten Cracks. Der Brasilianer feierte in Leipzig sein Début im FCZ-Dress und zeigte, was man von ihm aus seinen Zeiten bei Servette und GC kennt – ein Spieler mit viel Mentalität und eher geringen technischen Fähigkeiten im Aufbauspiel – unter dem Strich aber sicherlich ein Spieler, welcher dieser Mannschaft gut tut.

Die auffälligste Änderung im FCZ-Spiel, auf die im Verlauf dieser Vorbereitung der Fokus gelegt wurde, war die tiefere Staffelung und das Konterspiel. Über viele Jahre war der FCZ eine Mannschaft gewesen, die das Spiel machen und den Ball haben will. In einzelnen Partien der letzten Saison probierte es Trainer Magnin bereits mit „tief stehen und lauern auf Kontergelegenheiten“, und dies funktionierte zum Beispiel beim 1:1 in der Vorrunde gegen den FC Basel grundsätzlich gut bis sehr gut. Allerdings war der FCZ unter allen Super League-Teams der letzten Saison in Sachen schnellem Umschalten in die Offensive so ziemlich die schlechteste Mannschaft. Darauf wurde nun daher in der Saisonvorbereitung ein spezieller Fokus gelegt – vor allem auch weil diese Spielweise der aktuellen Mannschaft eigentlich entgegenkommt.

Es ist daher kein Zufall, dass Assan Ceesay, der schon in seiner ersten Saison beim FCZ immer wieder gute Ansätze gezeigt und von den häufig eingesetzten Akteuren den drittbesten Züri Live-Notenschnitt gehabt hatte, in jedem Vorbereitungsspiel einen Treffer erzielte und alle 35 Minuten einen Skorerpunkt lieferte. Im schnellen Umschaltspiel fühlt sich der Gambier in seinem Element – nach dem Ballgewinn wird beim FCZ der Ball schnell zu Marchesano oder Aliu befördert, die das Leder dann in der Regel mit einer Ballberührung direkt in die Tiefe spielen. Da es in einer solchen Situation Räume hinter der Abwehr gibt, ist Schnelligkeit wichtiger als Präzision – der langbeinige Ceesay erläuft auch einen nicht hundertprozentig präzisen Ball.

Dies funktionierte in den Testpartien von Anfang an gut. Womit der FCZ aber diesen Sommer lange Zeit Mühe hatte, war die Rückwärtsbewegung und Staffelung bei gegnerischem Ballbesitz. Daran hat man ganz offensichtlich nun aber im Trainingslager im Inntal gearbeitet, denn in Leipzig war dieser Aspekt des Zürcher Spiels deutlich verbessert. Wenn man tief steht und die Staffelung gut ist, dann hat dies den zusätzlichen Vorteil, dass so die individuellen Mankos der Abwehrreihe besser kaschiert werden können. Auf den Auftakt gegen Lugano darf man daher auch aus taktischer Sicht gespannt sein, denn letzte Saison vermochte Lugano dem FCZ mit einer tiefen Staffelung und schnellem Umschaltspiel gleich 11 Punkte abzuknöpfen und liess kein einziges Gegentor zu. Schafft es der FCZ, die Tessiner mit deren eigenen Waffen zu schlagen?

 

Schönbi und Kasai treffen bei Aufgalopp 19/20

Das Kantonsderby zum Auftakt der Saison 2019/20 war erwarteterweise ein „Aufgalopp“ vor rund 300 Zuschauern im gut besuchten Heerenschürli. Die neuverpflichteten Mimoun Mahi und Blaz Kramer geben dabei ihr Début im FCZ-Dress und der Ivorer „Willie“ Britto (22, AS Tanda) wurde in der Innenverteidigung getestet. Dieser vermochte im technischen Bereich durchaus zu Gefallen, hatte aber gleichzeitig defensiv noch etwas Mühe. Mahi spielte im 4-4-2 links offensiv und war in der 1.Halbzeit der auffälligste Spieler.

In den entscheidenden Aktionen in Strafraumnähe agierte der Holländer aber noch etwas zu zögerlich. So in der Szene vor dem 1:1-Ausgleich Marco Schönbächlers, der nach einem Haken im Strafraum den ehemaligen FCZ Academy-Torwart Milosavljevic bezwang. Davor hatte der Israelische Testspieler Mido Bdamey auf Vorarbeit seines Landsmannes Anas Mahamid von einem Kamberi-Fehler profitiert und bereits in der 6. Minute zur 0:1-Führung für die Gäste getroffen.

Blaz Kramer vermochte sich in der Zweiten Halbzeit nicht in Szene zu setzen – im Gegensatz zu Yann Kasai, der kurz nach Wiederbeginn auf Vorarbeit von Nicholas Andereggen traf. In der 66. Minute glich der ehemalige Luzerner Junior Luka Sliskovic zum 2:2 aus, nachdem der bei Auskicken und Auswürfen allgemein unsicher wirkende Osman Hadzikic ein grober Schnitzer unterlaufen war. Speziell war aus Zürcher Sicht das Comeback von Michael Kempter (letztes Wettbewerbsspiel mit der 1. Mannschaft vor mehr als zwei Jahren gegen Wohlen im Letzigrund) nach dessen Trip mit der Philippinischen Nationalmannschaft nach China und der Auftritt des ebenfalls aus der eigenen Academy stammenden Matteo Di Giusto (zurück von Leihe bei Freiburg U19 von Ex Winterthur U18-Coach Thomas Stamm, 6 Tore, 5 Assist in U19-Bundesliga Süd/Südwest, DFB-Pokalhalbfinal). Weitere Testspieler bei Winterthur neben den beiden Israelis waren Stefan Wolf (Luzern) sowie Marcin Dickenmann (GC U21). Und insgesamt mit Milosavljevic, Cavar, Schättin, Nils Von Niederhäusern und Wild fünf ehemalige FCZ-ler. Auch wenn es sich im Heerenschürli nur um ein „Anschwitzen“ handelte, war auf FCZ-Seite trotzdem die in dieser Zusammensetzung (ohne Nef, Maxsö, Pa Modou, Rüegg) fehlende Defensivqualität des Teams im Zentrum und noch mehr auf den Seiten offensichtlich.

FC Zürich – FC Winterthur 2:2 (1:1) 

Tore: 6. Bdamey (Mahamid) 0:1, 26. Schönbächler (Mahi) 1:1; 47. Kasai (Andereggen) 2:1, 66. Sliskovic 2:2.

FCZ 1. Halbzeit: Brecher; Maouche, Bangura, Kamberi, Kempter; Schönbi, Sohm, Marchesano. Mahi: Odey, Ceesay.

FCZ 2. Halbzeit: Hadzikic; Rohner. Britto, Sauter, Erne; Di Giusto, Zumberi. Arghandewall, Andereggen; Kramer, Kasai.

FCW 1. Halbzeit: Milosavljevic: Schmid, Isik, Cavar, Schättin: Liechti, Wolf, Saliji, Da Silva: Mahamid, Bdamey.

FCW 2. Halbzeit: Milosavljevic: Nils Von Niederhäusern, Isik, Hajrovic, Wild: Radice, Dickenmann, Doumbia, Calla: Buess, Sliskovic,.

16-jähriger Omeragic mit gutem Début – Sarr und Maouche zurück

Im achten Testauftritt der Saison gewinnt der FCZ zwar die Halbzeit gegen den auf dem fünfthöchsten nationalen Level spielenden FC Uster 2:0, verliert dann aber den «Final» des Dreistädturniers des Kanton Zürichs gegen Winterthur mit 1:3. Der FCZ trat gegen beide Gegner in einem klassischen 4-4-2 auf. Gegen Uster bildeten Antonio Marchesano und Maren Haile-Selassie das Sturmduo, gegen Winterthur Marchesano zusammen mit Stephen Odey. Die Intensität von FCZ-Seite war gegen die Ustermer nicht allzu hoch angesetzt. Trotzdem hatte man in den ersten 10 Minuten beinahe 100% Ballbesitz, kam aber nur zu zwei ungenau gezielten Abschlüssen Bledian Krasniqis von der Strafraumgrenze. Den ersten Schuss aufs Tor brachte «Tonino» Marchesano in der 12. Minute.

Für die erste gute Aktion an diesem frühen Abend im Buchholz sorgte Becir Omeragic (16), der gegen Uster in seinem allerersten Einsatz für den FCZ auf der Rechtsverteidigerposition eingesetzt in der 14. Minute nach innen zog und knapp innerhalb des Strafraums einen Drehschuss mit seinem schwächeren Linken Fuss an den entfernten Pfosten setzte – der Ball prallte zurück an die 16-Meterlinie, wo Omeragics Juniorennationalteamkollege Krasniqi mit einem Direktschuss diesmal präzise in die linke Ecke traf. Bis zur nächsten nennenswerten Aktion dauerte es sieben Minuten:  Maren Haile-Selassie hämmerte nach Krasniqi-Ablage den Ball aus 18 Metern an die Lattenunterkante. In der 27. Minute kam dann bei einem Konter der Auftritt von Marco Schönbächler und Antonio Marchesano, die sich im Zusammenspiel schön durch die gegnerischen Reihen spielten, wonach «Schönbi» schlussendlich zum 2:0 vollenden konnte.

Es war allerdings dessen einzige gute Aktion: dem «Flügelflitzi» (O-Ton: Avi Rikan) misslang wie schon zuletzt in der Meisterschaft mehr, als dass ihm gelang. In der Zwischenzeit war Uster besser ins Spiel gekommen und konnte sich zeitweise gar etwas in der Zürcher Hälfte festsetzen. Die beste Chance der Gastgeber kam nach einem Lovisa-Fehler in der 42. Minute durch Sleyman, der den Ball alleine vor Novem Baumann aber über die Latte drosch.  Dies mitten in die Phase der Schlussviertelstunde, wo der FCZ nun praktisch im Minutentakt vor allem durch Roberto Rodriguez und Maren Haile-Selassie, dem in der 45. Minute noch ein Offside-Tor aberkannt wurde, zu guten Torchancen kam.

Der FCZ startete dann gegen den FC Winterthur (mit u.a. Ex FCZ-ler Tobias Schättin) deutlich besser und mit höherer Intensität in die Partie als noch gegen Uster, und kam in der dritten Minute nach Guenouche-Flanke mit einem Winter-Kopfball aufs Tor auch zur ersten Torchance. Trotzdem stand es nach 16 Minuten bereits 3:0 für Winterthur – der FCZ hatte mit eigenen defensiven Unzulänglichkeiten zu jedem der drei Gegentreffer stark beigetragen. Beim dritten Treffer beispielsweise liess sich Simon Sohm im Mittelfeld den Ball von Ousmane Doumbia abluchsen, beim zweiten liess Novem Baumann einen unplatzierten Abschluss Sliskovics aus 18 Metern passieren. Adi Winter traf dann in der 24. Minute nach einer guten Flanke Sadikus per Kopf zum 1:3, aber eine richtige Aufholjagd kam gegen einen motivierten Kantonsrivalen trotzdem nicht mehr zustande.

In der 25. Minute musste stattdessen der nun auf seiner angestammten Innenverteidigerposition agierende Omeragic angeschlagen raus (er hat den Saisonstart bereits verletzt verpasst) und Lindrit Kamberi kam unverhofft zu einem zweiten Einsatz. Sangoné Sarr (26) bestritt gegen Uster als Zentraler Abwehrspieler ebenfalls sein Saison-Début nach Verletzungspause und spielte eine unauffällige Partie. Das gleiche lässt sich auch von Yassin Maouche (21) sagen. Den Auftritt der Innenverteidiger Omeragic und Maxsø kann man sicherlich unter dem Strich als solide bezeichnen. Salim Khelifi zeigte sich zudem wie zuletzt in Lugano sehr engagiert und war als einziger nahe am Niveau der Liga-Intensität dran. Bledian Krasniqi hatte in seiner Halbzeit viel Einfluss aufs Spiel. Und Adi Winter bewies einmal mehr seine Skorerqualitäten. Nicht zuletzt deshalb und auch vor dem Hintergrund seiner starken Leistung im Cupfinal als Sturmpartner von Michi Frey ist er von den «gelernten Flügelspielern» vielleicht zur Zeit die interessanteste Alternative fürs Offensivzentrum – auch wenn er gegen Winterthur nicht da eingesetzt wurde. Omeragic mit seiner Schnelligkeit und guten Technik könnte ausserdem durchaus als Rechtsverteidiger relativ bald ein interessanter Backup für Kevin Rüegg werden, wenn er denn mal wieder voll belastbar ist.

Der ohne Zweifel sehr talentierte Simon Sohm (17) nahm hingegen im Zentralen Mittelfeld gegen die ausgefuchsten Challenge League-Cracks eine wertvolle Lehrstunde in Anspruch. Und Novem Baumann (22) liess nicht nur drei Gegentore in rund einer Viertelstunde zu, sondern verlor zusätzlich auch noch einmal im Strafraum einen Ball an den sich offensichtlich in Szene setzen wollenden Ousmane Doumbia, und verursachte ausserdem in einer anderen Szene mit dem in die Hände nehmen eines Rückpasses einen Freistoss innerhalb der eigenen «Box».

Uster – FCZ 0:2 (45min)

Tore: 14. Krasniqi (Omeragic) 0:1, 27. Schönbächler (Marchesano) 0:2.

FCZ gegen Uster: Baumann; Omeragic, Sarr, Kamberi, Lovisa; Schönbächler, Maouche, Krasniqi, Rodriguez; Haile-Selassie, Marchesano.

FCZ – Winterthur 1:3 (45min)

Tore: 4. Doumbia 0:1, 13. Sliskovic 0:2, 16. Sliskovic (Doumbia) 0:3, 24. Winter (Sadiku) 1:3.

FCZ gegen Winterthur: Baumann; Sadiku, Omeragic (25. Kamberi), Maxsø, Guenouche; Winter, Sohm, Aliu, Khelifi; Marchesano, Odey.

 

 

Wenig Erwärmendes im Testderby gegen Winterthur

Der FCZ spielt im letzten Test vor dem Rückrundenstart im heimischen Heerenschürli vor rund 300 Zuschauern 1:1 Unentschieden. Nachdem zuletzt beim 2:0-Sieg in Altach weitgehend die Stammformation durchgespielt hatte, durfte sich wie üblich im letzten Test die «zweite Garde» austoben. Einzige Ausnahme bildet wohl Raphael Dwamena, der am Sonntag gegen Thun in der Startformation erwartet wird. Zur Pause wurde Lavdrim Rexhepi für Fabian Rohner eingewechselt- Izer Aliu wechselte dadurch von der linken auf die rechte Seite. Nach der Hereinnahme von Kevin Rüegg für den leicht angeschlagenen Stephen Odey in der 82. Minute agierte zudem Antonio Marchesano in der Schlussphase auf dem Rechten Flügel, Raphael Dwamena verschob sich ins Sturmzentrum.

Winterthur wechselte zur Pause das gesamte Team aus – und unter anderem die FCZ-Eigengewächse Bojan Milosavljevic, Leandro Di Gregorio und Nicolas Stettler ein. Die Gäste aus Winterthur hatten über die ganze Partie hinweg mehr vom Spiel und kamen auch zu einer Mehrzahl an gefährlichen Torchancen. Gegen den schnellen Kwadwoh Duah kam in der Zweiten Halbzeit Torhüter Yanick Brecher zwei Mal gut raus, hatte bei einem auf den ersten Blick harmlos scheinenden Weitschuss von Luka Sliskovic aber auch etwas Glück, dass ihm der Ball nicht ins Tor flutschte. Die Gäste aus der zweiten Grossstadt des Kantons hielten sich häufig in der Nähe des FCZ-Strafraumes auf und konnten sich im vom Schweizer Spitzenschiedsrichter Sandro Schärer geleiteten Match ein Cornerverhältnis von 9:1 erspielen.

Auf beiden Seiten kam es ab und zu aufgrund von zu wenig konsequent von hinten herausgespielten Bällen zu Ballverlusten in der Nähe des eigenen Strafraumes. Eine solche Szene führte zum Führungstreffer des FCW kurz vor der Pause. Kofi Schulz profitierte dabei von einem Ballverlust Alain Nefs und brachte seine Farben in Führung – der Abschluss konnte vor der Torlinie von den Zürchern nicht mehr geklärt werden. Der Ausgleich für den FCZ fiel etwa zehn Minuten vor dem Ende der Partie nach Vorarbeit von Raphael Dwamena über rechts durch einen abgefälschten Schuss Stephen Odeys aus relativ spitzem Winkel (das erste Testspieltor des Nigerianers).

Die Partie gegen Winterthur passt ins Bild der Vorbereitungspartien dieses Winters, die für sich genommen durchs Band nicht dazu herhalten können, positive Erwartungen in der Mannschaft und bei den Fans zu wecken. Was sagt dies aber für die kommende Rückrunde aus? Vor Jahresfrist hatte das Team von Trainer Uli Forte teilweise begeisternde Vorbereitungspartien gezeigt, worauf eine Auftaktniederlage in Genf und allgemein eher harzige Frühlingsrunde folgte. Dies soll nur als eines von vielen Beispielen der letzten Jahre dienen, wo die Testspiele jeweils weder im positiven noch im negativen Sinne eine sinnvolle Prognosekraft entwickelten. Was den Auftaktgegner FC Thun betrifft, ist aber auf jeden Fall davon auszugehen, dass er parat sein wird. Das Team von Trainer Marc Schneider hat in der Vorbereitung mit 21 Toren in sieben Partien die deutlich besseren Resultate als der FCZ erzielt – dazu gehörte unter anderem ein 4:1-Sieg gegen Schaffhausen, gegen welchen der FCZ 0:2 verlor. Die Berner Oberländer sind seit Jahren in Sachen Teamwork führend in der Liga, und haben in der Winterpause mit dem Zuzug von Djordje Nikolic ihren grössten Schwachpunkt des Herbstes (Torhüter) behoben. Vorne bringt zudem Marvin Spielmann alles mit, um den zu Lausanne gewechselten besten Torschützen Simone Rapp in dieser Rolle ersetzen zu können – ganz abgesehen von Talenten wie beispielsweise Omer Dzonlagic, mit dessen Speed die FCZ-Hintermannschaft bereits beim dramatischen 4:3-Sieg im Cup-Viertelfinal ihre liebe Mühe hatte.

FCZ – Winterthur 1:1 (0:1)

Tore: 44. Schulz 0:1; 80. Odey (Dwamena) 1:1.

FC Zürich: Brecher; Nef, Domgjoni, Kryeziu; Rohner (46. Rexhepi), Marchesano, Sarr, Aliu; Dwamena, Odey (82. Rüegg), Haile-Selassie.

Winterthur: Minder (46. B. Milosavljevic); Markaj (46. Di Gregorio), Katz (46. Isik), Lopez (46. Lanza), Schättin (46. Stettler); Gazzetta (46. Sliskovic), Doumbia (46. Salihi), Huser (46. N. Milosavljevic); Radice (46. Ulrich), Silvio (46. Sutter), Schulz (46. Duah).

Heim und Tia überzeugen bei FCZ-Gewinn des Dreistädte-Turniers

Das Team von Trainer Uli Forte gewinnt vor rund 500 Fans im Buchholz das Duell der drei grössten Städte des Kantons durch einen 5:0-Sieg gegen Uster und ein 2:0 im Vergleich mit Winterthur, und zeigte dabei über weite Strecken solide Leistungen. Sechstligist Uster (nach 2 Runden Tabellenführer der 2. Liga Gruppe 2) hielt in beiden Partien wacker mit und kam gegen Winterthur zu zwei Toren, sowie gegen den FCZ zu zwei, drei guten Torchancen inklusive einem Pfostenschuss.  Winterthur trat abgesehen vom Torhüter (Joël Zimmerli aus der U21) gegen den FCZ in Bestformation an, wobei der gerade eben von Luzern ausgeliehene Dario Ulrich rechts den bei der U21-Nati weilenden Nicolas Stettler ersetzte.

Beim FCZ gaben fünf Spieler ihr Début in der 1. Mannschaft: der neu verpflichtete Innenverteidiger Rasmus Thelander, welcher am Sonntag in Luzern auf der Ersatzbank sass, Calvin Heim (Tor, U18), Enit Sadiku (Aussenläufer Rechts, U21), Noah Lovisa (Verteidigung, U18), und Eric Tia (Flügelstürmer, U21). Einen ausserordentlich viel versprechenden Eindruck hinterliessen Heim (16) und Tia (20). Thelander (26) präsentierte sich erwartungsgemäss und Lovisa (17) überaus engagiert – nur der auch in der U21 eher unkonstant agierende Sadiku (19) fiel etwas ab.

Der 16-jährige Heim machte einen ausserordentlich souveränen Eindruck mit den Füssen und bei Flanken. Noah Lovisa gehört in der Academy nicht zu den technisch stärksten Spielern, zeichnet sich aber auf der linken Seite, wo er in der Regel eingesetzt wird, durch überdurchschnittlich viel Willensstärke, Kampfgeist und Zielstrebigkeit aus. Der 17-jährige gibt keinen Ball verloren, und kann Druck nach vorne entwickeln – ein wichtiges Element für jede Mannschaft. Im Test bei der 1. Mannschaft wurde Lovisa in der Dreierabwehr eingesetzt und wirkte wie üblich von Beginn weg topmotiviert.

Als er dann aber in der 23. Minute des zweiten Spiels erstmals nach vorne an den gegnerischen Strafraum stürmte, musste er sich anschliessend angeschlagen auswechseln lassen. Eric Tia kam für ihn in die Partie. Der kurzzeitig als Flügelstürmer agierende Kay Voser rückte somit wieder auf die defensivere Aussenposition zurück. „Er hat seine Chance genutzt“ heisst es jeweils in den Testspielberichten, und selten war das so klar und eindeutig der Fall wie beim 22-minütigen Auftritt Tias im langsam aufziehenden Gewitter. Als 17-jähriger Flüchtling lief der Strassenfussballer aus der Elfenbeinküste zufällig in der Nähe seines Asylzentrums am Fussballplatz der Churer Ringstrasse vorbei und fragte, ob er mitspielen dürfe. Innert kürzester Frist stieg er von der 2. In die 1. Mannschaft auf und spielte fortan 2. Liga Interregional.

Schon ein Jahr später entdeckte ihn FCZ Academy-Trainer Ludovic Magnin bei einem Freundschaftsspiel und wollte ihn zum FCZ holen. Der Wechsel zu einem Profiklub war aber aus administrativen Gründen damals nicht möglich. Mittlerweile ist Tia 20 und hat drei Jahre für den FC Chur gespielt, und nun hat es mit dem Wechsel in die FCZ U21 doch noch geklappt. In seinen ersten Testauftritten waren neben dem grossen Potential taktische und technische Defizite erkennbar. Nun scheint Tia aber innert kürzester Zeit den „2. Liga Inter-Mantel“ abgelegt und viel aufgeholt zu haben. Er trat auf wie ein Spieler der 1. Mannschaft, der in der Schlussphase noch für die Differenz sorgen kann. Nicht nur durch sein souverän erzieltes Tor auf Vorlage des in den letzten Wochen aufblühenden Brunners, sondern mit jeder seiner Aktionen. Unter diesen Umständen ist es eine durchaus eine berechtigte Frage, wie lange ihn die Schwamendinger noch im Heerenschürli werden bewundern dürfen. Tia wäre ein weiterer Charakterspieler in einer bereits charaktervollen Mannschaft Uli Fortes.

Zu dieser Mannschaft sicher gehören wird Rasmus Thelander. Die Eindrücke aus den Youtube-Videos bestätigten sich bei dessen erstem Einsatz im FCZ-Dress im Ustermer Buchholz. Er ist wohl keine „Kampfmaschine“ wie Nef, und wohl auch nicht so schnell wie Bangura, aber ein modern ausgebildeter defensiv intelligent agierender Innenverteidiger, der im gegnerischen Strafraum (deutlich mehr als Bangura) für Torgefahr sorgen kann. Im Gegensatz zu Tia trotz seinen drei Toren und einem weiteren Pre-Assist gegen Uster in der Offensive nicht empfehlen konnte sich auch diesmal Kilian Pagliuca. Der Genfer war vor vier, fünf Jahren einer der hoffnungsvollsten Schweizer Offensivspieler seines Jahrganges gewesen. Mit seinem Wechsel aus dem SFV-Nachwuchszentrum in Payerne zu Olympique Lyon begann der Genfer aber Jahr für Jahr etwas abzubauen. Daran änderten auch die Finalteilnahme im Coupe Gambardella und die Hoffnungen, die in Lyon in ihn gesetzt wurden, nichts. Und beim FCZ wie auch in Wohlen schaffte es der grossgewachsene Offensivmann bisher nicht, zu alter Stärke zurückzufinden.

Dzengis Cavusevic hat in seiner Rolle als Einwechselspieler für Michi Frey vor allem bei einer Zürcher Führung seinen Wert für die Mannschaft. Ein Freund von Testspielen wird der Slowene in seiner Karriere aber wohl nicht mehr. Denn gegen Teams wie Uster oder Wettswil-Bonstetten muss die Art und Weise seines Auslassens von Torchancen beinahe schon als Kunstform betrachtet werden.  Ins Bild passt dann vollends, dass Cavusevic am Ende durch eine Ungeschicklichkeit nicht nur sich selbst, sondern auch den Gegenspieler im Strafraum derart verwirrte, dass dies zu einem Penalty führte, den der beim Anlauf pokernde Pa Modou zum 2:0 verwertete. Yassin Maouche und Victor Palsson konnten sich abgesehen von einem Zweikampf des Letzteren an der Seitenlinie nicht speziell auszeichnen. Antonio Marchesano agierte vorwiegend als linker Flügelstürmer, eine Position, von wo der Tessiner seine guten Flankenbälle zur Geltung bringen kann, auch wenn die drei Stürmer vorne immer wieder etwas rotierten.

Drei Städte Turnier, Uster, Bergholz (3x 45 Minuten)

Uster – Winterthur 2:4

Uster – FCZ 0:5

Tore: 14. Pagliuca (Cavusevic) 0:1, 31. Pagliuca (Rodriguez) 0:2, 32. Cavusevic (Sarr) 0:3, 38. Cavusevic (Rodriguez) 0:4, 40. Pagliuca (Cavusevic) 0:5.

FC Zürich: Heim; Sadiku, Thelander, Lovisa; Rodriguez, Maouche, Sarr, Voser; Pagliuca, Cavusevic, Marchesano.

Winterthur – FCZ 0:2

Tore: 27. Tia (Brunner) 0:1, 43. Pa Modou (Penalty, Cavusevic) 0:2.

FC Zürich: Brecher; Nef, Thelander, Lovisa (23. Tia); Brunner, Palsson, Maouche, Voser; Pagliuca (19. Pa Modou), Cavusevic, Marchesano (36. Sadiku).

Nicolas Stettler empfiehlt sich: Winterthur – FCZ 0:3 Spielinfos und Stats

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Derbysieg am 13. Mai! Mit Antonio Marchesano (3), Oli Buff (2) und Raphael Dwamena (1) sind gleich drei Spieler an allen Toren beteiligt, bei welchen sie auf dem Platz standen. Auch Roberto Rodriguez und Nicolas Stettler haben je zwei Torbeteiligungen vorzuweisen. Der Thurgauer Aussenverteidiger spielt auf seiner „schwächeren“ Seite offensiv wie defensiv eine starke Partie und empfiehlt sich für weitere Einsätze. Cédric Brunner auf der anderen Seite hingegen kämpft auch in Winterthur mit seiner schlechten Rückrundenform.

1705-winterthur-fcz-match-stats

Der FCZ geht dank aggressivem Pressing in den ersten 10 Minuten verdient früh mit 1:0 in Front. In der Folge gleicht sich die Partie aus und ist insgesamt nicht sehr hochstehend. Die Zürcher zeigen sich aber auch in der 2. Halbzeit als die vor dem gegnerischen Tor effizientere Mannschaft. Torschütze und Assistgeber Oli Buff spricht nach der Partie im Gespräch mit Züri Live auch über einen möglichen Abgang zum Ende der Saison: Live-Interviews nach dem Kantonsderby.

Albin Sadrijaj zurück beim FCZ

Verteidiger Albin Sadrijaj (47 Promotion League- und 4 UEFA Youth League-Spiele für den FCZ) kehrt per sofort ins Kader der 1.Mannschaft zurück, wie der Winterthurer „Landbote“ berichtet. Zuletzt war der Thurgauer beim FC Winterthur getestet worden. Nach der Verletzung von Michael Kempter wurde er aber wieder zurückberufen und kam am Samstag gegen den FC Thun zu einem 20-minütigen Teileinsatz. In der Sommer-Vorbereitung 2016 war Sadrijaj mit 340 Spielminuten der meisteingesetzte Innenverteidiger gewesen, schaffte es in der Meisterschaft dann aber nur ein Mal auf die Ersatzbank (Mai, Heimspiel gegen Wil). Vor einem Monat unterschrieb der damals noch 19-jährige seinen ersten Profivertrag beim FCZ für 4 Jahre. In der U20-Nationalmannschaft kam Sadrijaj unter Trainer Claude Ryf im November zu zwei Einsätzen und agierte dabei als hängende Sturmspitze hinter dem ehemaligen FCZ-Teamkollegen Aldin Turkes und machte auf dieser Position seine Sache sehr gut, verblüffte mit starken Dribblings und Zuspielen in die Tiefe.

Schon im ersten Interview mit Züri Live vor Jahresfrist in den Katakomben der Fontenette in Carouge (siehe unten) sagte Sadrijaj: „Ich bin bereit (für die 1.Mannschaft)!“. Mit einem 7:1-Sieg hatte die Promotion League-Equipe in der Letzten Runde den Klassenerhalt erballert. Wegen einer Forfaitniederlage musste bis dahin gezittert werden. Es waren turbulente Tage kurz nach dem Abstieg der 1.Mannschaft und einen Tag vor dem erfolgreichen Cupfinal gegen Lugano im Letzigrund.

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