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Berner bringt die FCZ-Junioren Burkart und Di Giusto – FCZ ohne Brecher, Kryeziu, Aliti, Dzemaili / FCZ – Winterthur Vorschau und Matchblatt
Der FCZ hat in den bisherigen zwei von acht Derbys der Saison jeweils 1:1 gespielt und hat in diesen beiden Partien somit zwei Drittel seines bisher mageren Punktekontos gefüllt. Winterthur konnte den FCZ mit einem Auswärtssieg in Sion am letzten Wochenende auf den letzten Platz verdrängen. Die Eulachstädter haben diese Saison schon mehrmals die taktische Formation gewechselt und treten nun wieder ähnlich formiert wie in der Aufstiegssaison an. Wie beim FCZ heisst es “back to the roots“.
Aufgrund der Ausfälle von Samir Ramizi (gesperrt) und des formstarken Samuel Ballet (verletzt) können im Letzigrund die beiden FCZ-Junioren Matteo Di Giusto und Nishan Burkart für Winti in der Startformation auflaufen. Burkart leitete im Wallis mit seiner ersten Aktion das Game Winning Goal von Samuel Ballet ein. Auf seinen Antritt sollte die FCZ-Hintermannschaft gefasst sein.

Der FCZ könnte wieder ähnlich auflaufen wie im Stadtderby vor einer Woche, was bedeuten würde, das Bledian Krasniqi Fabian Rohner ersetzt.

Die Aufstellungen sind publik! Der FCW tritt genau so an, wie in der Vorschau vermutet.

Beim FCZ gibt es hingegen mehrere Änderungen: Brecher und Aliti fallen zusätzlich verletzt / rekonvaleszent aus. Kryeziu und Dzemaili sitzen auf der Ersatzbank. Nikola Katic hat gegen PSV in der Schlussphase überzeugt und spielt zum ersten Mal von Beginn an. Sein Name ist im FCZ-Dress eine Verpflichtung!

Vyunnik durchbricht Sturmflaute / Winterthur – FCZ in der Züri Live-Analyse
Im ersten Kantonsderby seit der Challenge League-Saison des FCZ war alles angerichtet: Wetter und Zuschaueraufmarsch stimmten. Auf dem Platz passierte aber vor allem in der 1. Halbzeit wenig, weil der FC Winterthur nach den Misserfolgen zum Beginn der Saison auf ein 5-1-2-1 umgestellt hat und darin sowohl sehr kompakt stand, als auch verschob. Es war zusammen mit den Auswärtsspielen in Baku und St. Gallen, sowie dem Heimspiel gegen Luzern nach Züri Live-Noten die schlechteste 1. Halbzeit der Saison.
Zu wenig schnelle Seitenwechsel
Die „Sturmflaute“ erreichte beim FCZ einen Höhepunkt. Die in der Startformation auflaufenden Santini (Offensiv-Note: 1, keine einzige Abschlussbeteiligung), Avdijaj (2) und Marchesano (2) spielten alle im Spiel mit Ball schlecht. Avdijaj war im Vergleich zu seinen ersten Einsätzen nicht mehr wiederzuerkennen und Santini konnte seine erste Startelfchance nicht nutzen. Der eingewechselte Gnonto (schlechtester Saisonauftritt) befindet sich sowieso seit Saisonbeginn in einem Leistungsloch. Die ebenfalls eingewechselten Vyunnik, Rohner und Mets sorgten hingegen dafür, dass der FCZ in der 2. Halbzeit nach vorne etwas mehr auf die Beine stellen konnte, und waren dann auch für den späten Ausgleich (das erste FCZ Liga-Tor der Saison nach 445 offiziellen Spielminuten plus Nachspielzeiten!) besorgt. Vyunnik ist dabei der Züri Live-MVP, Rohner nach den Heimspielen gegen Luzern und Linfield zum dritten Mal in dieser Saison der beste Offensivmann.

In der 1. Halbzeit hatte Winterthur 55% Ballbesitz, in der 2. Halbzeit war hingegen der FC Zürich zu 67% am Ball. Der FCZ trat in der offensiven Phase im 3-4-1-2 an und verteidigte wie häufig im 3-4-3 mit Raumdeckung. Ab der 69. Minute (Rohner kam für Avdijaj) spielte man dann auch mit Ball im 3-4-3. Um den FCW zu knacken, hätte der FCZ mit schnellen Seitenwechseln operieren müssen. Gantenbein und Diaby gehören nicht zu den defensiv stärksten Aussenverteidigern der Liga und sind im Eins-gegen-eins ohne Rückendeckung verwundbar. Stattdessen versuchte man aus stadtzürcher Sicht immer wieder vergebens in Räumen durchzukommen, wo die Heimmannschaft massiert stand.
Brecher in 1. Halbzeit stark, aber mit folgenschwerem Fehler beim Gegentor
Blerim Dzemaili trat im zweiten Spiel nach seiner kurzen Verletzungspause bereits etwas besser auf, als gegen Linfield, war aber immer noch insgesamt ungenügend – vor allem in der 2. Halbzeit. Yanick Brecher konnte in der 1. Halbzeit als bester Mann des Teams eruiert werden, machte dann aber beim Führungstreffer Winterthurs einen folgenschweren Fehler. Ohne seine Fehleinschätzung des Balles und der Geschwindigkeit Manzambis wäre das Winterthurer Führungstor sehr wahrscheinlich nicht gefallen. Die FCZ-Verteidiger waren eigentlich in Überzahl und der Winkel für Manzambi spitz. Aber aufgrund des Ausfluges von Brecher mussten Kryeziu und Kamberi das verwaiste Tor abdecken – Manzambi und Rodriguez liess man daher gewähren. Neben Dzemaili und Brecher liessen auch Kryeziu, Boranijasevic und Condé in der 2. Halbzeit nach. Allerdings war bei Dzemaili, Kryeziu und Guerrero zumindest nach dem Gegentreffer durchaus eine Reaktion zu sehen. Die Wende zum Ausgleich und den zwei späten Chancen zum Sieg bewerkstelligten aber trotzdem fast ausschliesslich die eingewechselten Vyunnik, Rohner und Mets.

Exkurs: Vyunnik? Viunnyk? Vyunnyk? Wie schreibt sich der Ukrainische Stürmer des FCZ?
- auf Ukrainisch: Богдан Сергійович В’юнник
- auf Russisch: Богдан Сергеевич Вьюнник
- auf Englisch: Bohdan Vyunnyk
- auf Französisch: Bohdan Viunnyk
- auf Deutsch: Bohdan Vyunnik (oder: Vjunnik)
Der Vorname wird sowohl auf Ukrainisch wie auch auf Russisch eigentlich „Bogdan“ geschrieben und auf Russisch auch so ausgesprochen. Die ukrainische Aussprache geht aber eher in Richtung „Bochdan“ und daher wird der Vorname auf Englisch, Russisch und Deutsch mittlerweile mit einem „h“ geschrieben. Der Vatername „Sergijowitsch / Sergejewitsch“ wird Englisch / Französisch / Deutsch nicht verwendet. Der Familienname Vyunnik wird in den drei westlichen Sprachen jeweils leicht unterschiedlich geschrieben. Die offizielle Schreibweise des Namens in lateinischen Buchstaben gemäss Reisepass ist bei Russen und Ukrainern jeweils die französische. Der FCZ hat diese übernommen. Auf Vyunniks Trikot steht „Viunnyk“. Nur: es ist eigentlich üblich, dass der Name in jeder Sprache so geschrieben wird, wie man ihn ungefähr ausspricht. Genau darum gibt es ja unterschiedliche Schreibweisen. Beispiel: im Reisepass des aktuellen russischen Staatspräsidenten wird sein Name in lateinischen Buchstaben offiziell „Poutine“ buchstabiert (französisch). Im deutschsprachigen Raum wird aber trotzdem „Putin“ geschrieben. „Poutine“ auf Deutsch oder „Putin“ auf Französisch wären weit von der richtigen Aussprache entfernt und im zweiten Fall sogar mit unvorteilhafter Bedeutung. Züri Live verwendet daher nach Usus die deutsche Schreibweise Vyunnik bzw. Vjunnik – auch wenns auf dem Trikot anders steht.
Link zum Winterthur – FCZ Telegramm
FCZ Podcast: Züri i weniger als 93 Minute – Folg 6/22: 27 Jahre Schweizer Fussball Inside – mit Mischi Wettstein
FCW mit neuer taktischer Ausrichtung / Winterthur – FCZ Derby-Vorschau
Nach sechs Jahren kommt es wieder zum Kantonsderby! Dank dem dramatischen Aufstieg des FCW letzte Saison diesmal in der Super League! Zürich ist der einzige Kanton der Schweiz, in dem ein Duell von zwei Grossstädten überhaupt möglich ist. Im Juli 2016 kamen im Letzigrund mehr als 13’000 Fans zum damals ersten Kantonsderby seit damals mehr als 21 Jahren. Es war der erste Wettbewerbseinsatz des ehemaligen FCW-Mittelfeldspielers Antonio Marchesano für den FC Zürich. Dieser die folgenden sechs Jahre des Stadtclubs stark mitgeprägt und sollte in Kürze zu seinem 200. offiziellen Spiel für den FCZ kommen.
Diesmal kein Nebel – und neue taktische Ausrichtung in Winterthur
Die Wege der beiden „Schwesterklubs“, die 1896 fast gleichzeitig gegründet worden waren, kreuzten sich in den folgenden 125 Jahren erstaunlich selten. Nur von Mitte 60er bis Mitte 70er-Jahre gab es eine Zeitperiode, wo man sich mehr als ein Jahrzehnt lang Saison für Saison duellierte. Beide Klubs hatten zu dieser Zeit ihre Hochblüte. In der Challenge League-Saison 16/17 konnte der FCZ gegen das damals in der Liga eine schlechte Phase durchlebende Winterthur drei Siege und ein Unentschieden erzielen. Unvergessen dabei auch das „Nebel-Spiel“ auf der Schützenwiese im Dezember, das auch für die Kommentatoren von Züri Live eine Herausforderung darstellte. Das im wahrsten Sinne des Wortes undurchsichtige Spiel liess viel Raum für Spekulation, Interpretation, Träume und Wunschvorstellungen.
Diesmal trifft man sich aber an einem klaren Sommertag anschliessend an die Street Parade auf der für die Super League leicht umgebauten Schützi. Winterthur hat nach den Auftaktpartien gegen Basel, St. Gallen und Lugano (total 1 Punkt) das System und die Spielweise radikal umgestellt. In Genf gegen Servette hat dies letzte Woche schon ziemlich gut funktioniert, und man verlor etwas unglücklich durch einen Penalty in der Schlussphase mit 0:1. Bruno Berner liess sich bei der Neuausrichtung seiner Mannschaft ganz offensichtlich von Mario Frick’s FC Vaduz inspirieren, welcher mit dem gleichen System und Spielweise in der Rückrunde der Saison 20/21 (mit den heutigen Winterthurern Schmid und Di Giusto) gleich viele Punkte wie der FC Basel holte und nur knapp den Klassenerhalt verpasste.
Mehr Fragezeichen beim FCZ vor der Partie

Das 5-4-1 mit Rhombus hat Berners Mannschaft in Genf bereits gut umgesetzt. Man zieht sich in der Regel zurück und lauert auf Konter, läuft dabei den Gegner aber teilweise bereits im Mittelfeld aggressiv an. Entscheidend für das Funktionieren der Spielweise ist, dass die vier Mittelfeldspieler sich seitlich schnell verschieben und häufig in Ballnähe eine Überzahl schaffen. Mit Ball wird dann wann immer möglich direkt nach vorne gespielt. Innenverteidiger Yannick Schmid ist nach seinem Zusammenstoss mit seinem eigenen Torhüter Fayulu in Genf noch fraglich. Vier FCW-Spieler stammen aus dem FCZ-Nachwuchs (Gelmi, Cavar, Dakaj, Di Giusto) und drei weitere haben ebenfalls für den FCZ gespielt (Schättin, H. Kryeziu, F. Rodriguez).

Bringt Franco Foda beim FCZ in der Abwehr wieder die „Liga-Besetzung“ Omeragic und Mets? Oder setzt er auf die bewährten Kräfte Kamberi / Kryeziu / Aliti? Starten im Mittelfeld wie gegen Linfield Condé und Selnaes? Oder werden die beiden durch Hornschuh und Krasniqi ersetzt? Vorne wird der Deutsche Coach wohl nicht auf die formstarken Avdijaj und Marchesano verzichten. Gnonto könnte wieder für Tosin reinkommen. Fast sicher ist: Brecher, Boranijasevic und Guerrero werden wie immer dabei sein.
Link zu Züri Live-Beiträgen über Spiele gegen den FC Winterthur


FCZ unter der Lupe: Vorsprung auf Barrage-Platz so klein wie seit fünf Jahren nicht mehr
Vor der Nationalmannschaftspause tritt der FCZ zu seinem zweiten Saison-Auswärtsspiel gegen den klaren Tabellenführer YB an, der seit dem 2:0-Auswärtssieg in Leverkusen in der Meisterschaft vier Mal Unentschieden gespielt und im Europacup zwei Mal verloren hat. Auf tieferem Niveau ganz ähnlich zuletzt der Verlauf beim FC Zürich. Nach dem 2:0-Heimsieg gegen den FC Basel scheint der Hunger auf Siege wieder etwas nachgelassen zu haben – mit fünf Punkten in ebenso vielen Partien hatten die Zürcher zuletzt einen unterdurchschnittlichen Punkteschnitt und waren damit sogar noch gut bedient, wenn man bedenkt, dass der jeweilige Gegner in jeder dieser Partien ein (teilweise klares, teilweise knappes) Chancenplus aufzuweisen hatte.
Beide Teams treten im Wankdorf also nicht gerade in der Blüte ihres diesjährigen Schaffens an. Die Frage ist: wer schafft es, sich aus dem Sumpf zu ziehen? Nach der eher unverdienten 1:2-Niederlage zum Saisonauftakt in Bern war man im Heimspiel Anfang Februar (1:4) gegen ein YB in Topform praktisch chancenlos gewesen – auch wegen eines völlig missratenen Auftrittes von Blerim Dzemaili. Der Zürcher Torschütze aus dem Auftaktspiel, Benjamin Kololli, ist nach genau dreimonatiger Absenz mittlerweile gegen Lausanne zu seinem ersten Teileinsatz gekommen.
Wegen Personalmangels auf der Innenverteidigerposition hat man Lindrit Kamberi vom FC Winterthur zurückgeholt. Den Eulachstädtern haben Kamberis regelmässige spielentscheidende Konzentrationsmängel in der Meisterschaft viele Punkte gekostet. Nur schon ohne die Hälfte von diesen Schnitzern wäre Winterthur im Aufstiegsrennen noch voll mit dabei. Neu ist dieses Phänomen beim Volketswiler nicht – es hat ihn auch schon durch seine Juniorenkarriere begleitet. Dazu kommt seine für einen Innenverteidiger eher geringe Grösse und Antrittsschnelligkeit. Die gute Ausbildung, die Sprungkraft und die von allen Seiten gelobte sympathische Ausstrahlung alleine reichen langfristig betrachtet wahrscheinlich nicht für eine Super League-Karriere. Auch für eine langfristige Etablierung in der Challenge League muss er noch konstanter werden.

In der Innenverteidigung ist Nathan der verbliebene sichere Wert. Becir Omeragic, auch wenn er mit zunehmendem Saisonverlauf immer aktiver im Spiel nach vorne wird, war in den letzten drei Partien gegen die drei „L“ (Luzern, Lugano, Lausanne) insgesamt ungenügend. Wallner ist komplett in ein Loch gefallen. Aliti verkörpert den so lange gesuchten sicheren Wert als Linksverteidiger – der beste beim FCZ seit Loris Benito. Symbolhaft für seine Qualitäten die Art und Weise wie er und Nathan sich beim enorm wichtigen „Dreier“ in Lugano bei einer „hundertprozentigen“ Lugano-Doppelchance in die Abschlüsse aus kurzer Distanz warfen. Mit Ceesay versteht sich Aliti auf der linken Seite offensiv sehr gut und der Gambier hat defensiv grosse Fortschritte gemacht – allerdings mangelte es ihm zuletzt an Konstanz.
Die rechte Seite war beim FCZ zuletzt eindeutig schwächer als die linke und wurde von Gegnern wie Luzern oder Lugano dementsprechend auch deutlich mehr bespielt – nicht von Servette allerdings, denn die Genfer spielen so oder so immer über rechts, egal wie der Gegner aufgestellt ist. Ein möglicherweise sehr gut harmonierendes Duo für die rechte Seite wären Rohner und Winter. Beide haben sich nach der Winterpause stark verbessert gezeigt, und würden sich als Spielertypen gut ergänzen, da Winter mittlerweile nicht mehr der schnelle Flügelflitzer ist, sondern eher durch Umsichtigkeit positiv auffällt. Vor allem könnten sich die beiden in Bezug auf das Positionsspiel sehr gut komplementieren und je nach Spielsituation flexibel die Rollen tauschen.
Am wenigsten Fragezeichen ergeben sich im Zentrum. Ousmane Doumbia hatte zwar zwischenzeitlich Leistungsschwankungen, ist mittlerweile aber wieder auf dem aufsteigenden Ast. Antonio Marchesano ist mit seiner Laufbereitschaft ein Vorbild, organisiert die Mannschaft und macht mit seinen Direktpässen das Spiel schnell. Toni Domgjoni ist zusammen mit Marchesano der konstanteste Spieler auf gutem Niveau. Und Stephan Seiler hat seine Chancen gegen Servette, Luzern und Lugano alle genutzt. Domgjoni, Stammspieler im Zentralen Mittelfeld der U21-Nati, wird den FCZ mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Sommer genauso verlassen wie Hekuran Kryeziu, welcher zuletzt zwar den ein oder anderen Schnitzer in seinem Spiel hatte, dem man aber sein Bemühen, sich für Interessenten in einem möglichst guten Licht zu zeigen, nicht absprechen kann.
Ganz anders sieht es mit der Position der Sturmspitze aus, wo Blaz Kramer technisch und von der Spielintelligenz her die Mindestanforderungen für ordentliches Super League-Niveau weiterhin nicht erfüllt. In der Challenge League hingegen würde Kramer mit seinen physischen und Speed-Vorteilen, und dem was er in den letzten anderthalb Jahren beim FCZ gelernt hat, wohl einer der Topstürmer sein. Sollte Benjamin Kololli es nochmal schaffen, seine Form, die er unmittelbar nach dem Lockdown von MItte Juni bis Mittel Juli 2020 einen Monat lang gezeigt hatte, wieder abzurufen, wäre er auf dieser Position eine Lösung.

Nach 25 Runden hat der FCZ gleich viele Punkte wie vor zwei Jahren auf seinem Konto und zwei Punkte weniger als vor Jahresfrist – trotz bester Tordifferenz in der Super League zu diesem Zeitpunkt der Saison seit 14/15. Der Vorsprung auf den zweitletzten Platz ist vor der 26. Runde in Bern bei acht Punkten – dem geringsten Abstand seit der Abstiegssaison 15/16. Von 19 Punkten Reserve auf den Zweitletzten und 22 Punkte auf den (direkten) Abstiegsplatz wie letztmals in der Saison 14/15 konnte man in den letzten Jahren nur träumen. Auffällig ist, dass in sieben der aufgelisteten zehn Saisons der FCZ zu diesem Zeitpunkt zwischen 32 und 36 Toren erzielt hat. Dank der zu Beginn von Massimo Rizzos Amtszeit und dann wieder zum Restart nach der Winterpause ziemlich zahlreich erzielten Tore liegt man trotz aktuell unterdurchschnittlicher Performance mit Ball Richtung gegnerisches Tor im Saisonschnitt hier etwas über dem Schnitt der letzten Jahre. Dies bei gleichzeitig starker Verbesserung der Defensive im Vergleich zu letzter Saison.

Der Kurzauftritt von Benjamin Kololli gegen Lausanne bietet trotz vieler Fehler und Unzulänglichkeiten auch dank dessen Top-Offensivaktionen beinahe alle drei Minuten Hoffnung. Auch weil beim 28-jährigen nach seinem dreimonatigen verletzungsbedingten Ausfall eine rasche Steigerung der Gesamtleistung realistischer ist, als beim 34-jährigen Blerim Dzemaili nach einem Jahr ohne Spiel. Antonio Marchesano ist nicht nur in der Offensive der Leistungsträger schlechthin beim FCZ. Wilfried Gnonto scheint langsam, aber sicher erlickt zu haben, dass man in der Super League beim Dribbeln den Ball immer abgeschirmt in einer gewissen Distanz zum Gegenspieler halten muss – sonst ist das „Leder“ sofort weg. Auch defensiv macht der junge Italiener Fortschritte, was man von Marco Schönbächler eher weniger behaupten kann. Der Ur-FCZ-ler ist der Mann für einzelne Spiele und Aktionen. Wann diese Spiele aber dann mal stattfinden, ist schwierig vorauszusagen. Mit Schönbi holte der FCZ diese Saison nur 1,11 Punkte im Schnitt – mit Gnonto hingegen 1,42. Für einen Mittelstürmer natürlich viel zu wenig ist die eine Top-Aktion nur alle rund 19 Minuten wie bei Blaz Kramer.

Bei den Top-Defensivaktionen pro 90 Minuten steht Schönbächler sogar an der Spitze der mehrheitlich auf dem Flügel eingesetzten Spieler. Dem gegenüber stehen dann aber eben auch viele Aktionen, wo er nicht auf seiner Position ist, oder die Zweikämpfe verliert. Das Bemühen ist wie bei allen im Sommer noch ohne Vertrag dastehenden Zürcher Akteuren vorhanden. Der von vielen hoch eingeschätzte Lasse Sobiech hat hingegen einen eher tiefen Wert von einer Top-Defensivaktion nur alle 15 Minuten. Fabian Rohner kommt dank seiner Schnelligkeit und seinem Einsatz auf fast doppelt so viele Top-Defensivaktionen, verteidigt aber rechts hinten trotzdem nicht in jedem Spiel souverän – auch etwas in Abhängigkeit seines Neben- und Vordermannes.
Rohner / Domgjoni / Koide machen Dampf, Kryeziu / Kramer sorgen für Ärger: Gewinner und Verlierer der Vorbereitung
Die Partie gegen den FC Winterthur im Letzigrund war nicht so, wie man sich eine Hauptprobe vor dem Meisterschaftsstart vorstellt. Aufgrund von Krankheit (gute Besserung Vasi!), Nationalteamaufgeboten (Gratulation Simon, Becir & Co.!) und dem gleichzeitigen Meisterschaftsauftritt der U21 gegen Brühl (2:3, zwei Sulejmani-Penalties), standen Trainer Ludovic Magnin mit Adrian Winter und Salim Khelifi gerade mal zwei Feldspieler als Reserve zur Verfügung. Und während das Spiel lief, wurde in den Sozialen Medien der neue Innenverteidiger Lasse Sobiech vorgestellt.
Beim FC Winterthur fielen gleich beide Torhüter aus und es standen mit Marzino und Scheithauer zwei Testspieler in der Startformation. In der ersten Halbzeit kontrollierte der FCZ weitgehend das Spiel und ging 2:0 in Führung. Die zweite Halbzeit war ausgeglichener. Nach einer Serie von Zürcher Topchancen gelang Adi Winter das 3:0 in der 80. Minute nachdem der andere Einwechselspieler Khelifi zuvor noch an Marzino gescheitert war. Die letzten zehn Minuten liess der FCZ dann aber stark nach und Winterthur drehte nochmal auf, ohne aber zu einem Torerfolg zu kommen. Am augenfälligsten ersichtlich war dies bei Stephan Seiler, der in der letzten Viertelstunde auf dem Zahnfleich lief und dem gar nichts mehr gelang.

Insgesamt wirkte in allen vier Vorbereitungsspielen weder der FCZ noch die jeweiligen Gegner auch nur annähernd auf Meisterschaftsniveau spielend. Im Normalfall nähert man sich gegen Ende der Vorbereitung diesem Niveau an. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel war durchaus ersichtlich, aber ob es reichen wird, bereits in einer Woche in Chiasso im Cup das notwendige Niveau auf den Platz zu bringen – darauf darf man gespannt sein. Es wurde in allen vier Vorbereitungsspielen mit demselben System gespielt. Von den verschiedenen Phasen der letzten Saison orientierte sich das Zürcher Trainerteam dabei personell und taktisch stark am zweiten Saisonviertel, in welchem man ohne wirklich zu glänzen eine gute Resultatserie hatte hinlegen können.
Einzelne gute Automatismen in der Überwindung der Mittelzone des Spielfeldes waren zu sehen, sowohl mit schnellem Direktspiel, als auch mit geduldigem Aufbau – allerdings ohne auch nur annähernd die gleiche Gegenwehr auf dem Platz zu haben, wie sie den FCZ zum Meisterschaftsstart erwarten wird. Auch gegen Top-Gegner wird allerdings sicherlich Fabian Rohner eine Offensivwaffe sein. Immer wenn nach vorne nichts läuft, dann sorgt der Rechte Aussenverteidiger mit vertikalen oder diagonalen Läufen für Unruhe und Unordnung im gegnerischen Abwehrdispositiv. Rohner ist nicht nur nochmal eine ganze Spur schneller als Kevin Rüegg, sondern hat auch eine solidere Grundtechnik, als der Richtung Italien ziehende Captain der U21-Nationalmannschaft.
Ebenfalls Stammspieler in der U21-Nationalmannschaft ist Toni Domgjoni, der beim 4:1-Heimsieg gegen die Slowakei als Schaltzentrale und Wasserträger in einem im Schweizer Mittelfeldzentrum genauso eine gute Partie machte, wie weitgehend auch in den Vorbereitungspartien mit dem FCZ. Der dritte Gewinner der Vorbereitung ist Henri Koide, welcher nahtlos an die guten Leistungen der letzten Saisonphase 19/20 anzuschliessen scheint. Nicht nur gegen Schaffhausen gelang dem 19-jährigen Zürcher mit einer Klasse-Einzelleistung ein Treffer, sondern er erzielte auch das einzige Tor beim 1:0-Sieg mit der U19-Nationalmannschaft gegen Neuchâtel Xamax (mit unter anderem dem ehemaligen FCZ U21-Stürmer Eric Tia im Test).

Gegen den FC Winterthur an allen drei Treffern beteiligt war Assan Ceesay. Der Gambier hatte allerdings schon letzten Sommer in den Testpartien sehr gute Skorerwerte, welche anschliessend in der Meisterschaft wieder in den Keller sanken, als der FCZ mit einem anderen Spielstil auftrat. Auch wenn es immer noch der gleiche Assan Ceesay ist: ein gewisser Reifeprozess durch seine Zeit in Osnabrück ist ersichtlich – der 26-jährige Nationalstürmer wirkt etwas fokussierter, gradliniger und effizienter, als noch vor Jahresfrist. Und gleichzeitig versteht er sich auf dem Platz weiterhin sehr gut mit Antonio Marchesano – ein nicht zu unterschätzender Faktor. Zivko Kostadinovic schliesslich hat angedeutet, dass er in Bezug auf die Sicherheit, eine solide Nummer Zwei hinter Yanick Brecher zur Verfügung zu haben, im Vergleich mit vielen anderen Kandidaten der letzten Jahre wohl ein Schritt nach vorne für den FCZ ist.
Auf der Verliererseite der Saisonvorbereitung steht sicherlich an erster Stelle Mirlind Kryeziu: nach einem zu unkonzentrierten Auftritt mit zwei groben Schnitzern im ersten Testspiel gegen Schaffhausen vom Präsidentenehepaar ins Gebet genommen und seither im Kader der weiteren Testspiele nicht mehr aufgetaucht. Ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes wachgerüttelt wurde in der Pause des Testspieles gegen den FC Luzern Stürmer Blaz Kramer von Captain Yanick Brecher, nachdem der Slowene schon gegen Schaffhausen nicht mit dem Kopf bei der Sache zu sein schien.
Obwohl nicht eingesetzt als Verlierer vorkommen muss sich Michael Kempter, mit dem sich der FCZ nicht auf einen neuen Vertrag hat einigen können. Der Rudolfstetter war auf der linken Zürcher Seite nach der Coronapause endlich wieder einmal ein Spieler, der nicht nur im Spiel nach vorne eine der wichtigsten Zürcher Waffen in dieser Phase war, sondern obendrein auch noch so konsequent verteidigte, wie dies (mit Ausnahme phasenweise Pa Modou) schon seit vielen Jahren keinem FCZ-Linksverteidiger mehr gelungen war. Mit Tobias Schättin hingegen kommt von Winterthur ein Ersatz, der deutlich mehr Mängel im Spiel ohne Ball mitbringt und das Zürcher Defensivproblem auf links wohl kaum lösen wird. Auch das Testspiel gegen Winterthur bestätigte diesen Eindruck.
Lavdim Zumberi hatte in Basel mit der „U21 verstärkt“ einen zwar nicht fehlerfreien, aber trotzdem ziemlich guten Auftritt hingelegt gehabt. Mittlerweile findet er aber beim FCZ weder auf dem Matchblatt noch auf der Team-Seite (Webpage) noch Erwähnung. Mit seinen 20 Jahren muss er unbedingt im Profibereich zu mehr Spielzeit kommen – Vertrag hätte er noch zwei Jahre. Der FC Wil wäre für den Ostschweizer eine naheliegende Variante, aber auch ein Transfer zum FC St. Gallen oder FC Vaduz ist alles andere als undenkbar. Mit seiner direkten Spielweise und Stärke bei langen Bällen würde er ins Team von Peter Zeidler passen. Geschenkt wurde dem guten Distanzschützen beim FCZ in der 1. Mansnchaft in den letzten Jahren nichts – obwohl oder vielleicht gerade weil er zu Juniorenzeiten zu den Lieblingsspielern Ludovic Magnins gehörte.
Salim Khelifi schliesslich zeigte in der Vorbereitung dasselbe, was man schon von ihm kannte, als er vor einem Jahr nach Deutschland ausgeliehen wurde. Einzelne Highlights wie der Freistoss zu Nathans Kopfballtor, aber daneben auch (zu) viel Leerlauf, vergebene Top-Möglichkeiten und fehlende Defensivqualität. Mit Marco Schönbächler hat der FC Zürich bereits einen ähnlichen (aber insgesamt etwas besseren) Spieler im Kader. Ein zweiter solcher Mann ist tendenziell zu viel. Dann gibt es durch die Verpflichtung von Lasse Sobiech noch ein kleines Fragezeichen bezüglich der Rolle von Nathan. Sobiech ist ein ähnlicher Spielertyp, der aber mit mehr Ruhe und Souveränität agiert und die immer wieder von Magnin auf den Platz gerufene Vorgabe „ohne Foul“ wohl besser umsetzen kann, als der emotionale Brasilianer.
FC Zürich – Winterthur 3:0 (2:0)
Tore: 17. Ceesay (Marchesano) 1:0, 44. Ceesay (Marchesano) 2:0; 80. Winter (Khelifi) 3:0.
FCZ: Brecher; Rohner, Nathan, Bangura, Schättin; Schönbächler (64. Khelifi), Britto, Seiler, Gnonto (46. Winter); Marchesano; Ceesay.
Winterthur: Marzino; Gantenbein, Isik (46. Lekaj), Scheithauer, Schüpbach (64. Pauli); Arnold (46. Hamdiu), Pepsi (46. Doumbia); Callà (46. Ltaief), Ramizi (64. Rama), Mahamid (46. Alves); Buess.
