Startrakete Adi Winter mit eindrücklicher Bilanz: FCZ – Thun 2:1 im Review

Gegen einen im Vergleich zu den letztjährigen Direktbegegnungen eher mässig gut auftretenden FC Thun schaffte der FCZ zum Auftakt zu Hause den ersten „Dreier“ und geht damit im Tennisjargon als „Frontrunner“ mit gehaltenem Aufschlag ins Derby gegen GC.

In der Ersten Halbzeit zeigte das Letzigrund-Team vor 9’300 Zuschauern eine gute Leistung und kontrollierte das Spiel. In Halbzeit Zwei war dann hingegen der Wurm drin. Der FCZ kam nicht gut aus der Kabine und nur das entgegen dem Spielverlauf fallende Game Winning-Goal zum zwischenzeitlichen 2:0 konnte die drei Punkte retten. Bei diesem hatte Toni Domgjoni mit grossem Einsatz und Zielstrebigkeit die Vorarbeit geleistet. Torschütze war der zur Pause für den angeschlagenen Izer Aliu eingewechselte Adi Winter.  Dieser baut damit seine eindrückliche Saisonstart-Bilanz weiter aus. Vor Jahresfrist hatte Winter im ersten Saisonspiel gegen GC bereits ein Assist beigesteuert – im Jahr davor gegen Winterthur gar zwei Torvorlagen! Das ist aber noch nicht alles: auch bei Orlando City traf Winter zum Saisonstart und in Luzern holte er ebenfalls in all seinen drei Saisons im ersten Spiel Skorerpunkte – angefangen mit  dem 1:1-Ausgleich in der 94. Minute gegen den FCZ auf Vorlage von… Florian Stahel am 15. Juli 2012 auf der Luzerner Allmend. Der in jungen Jahren auch im Schwimmbecken reüssierende Zürcher schafft es dabei Jahr für Jahr zum ersten offiziellen Anpfiff explosiv vom Startblock zu kommen.

Züri Live-MVP ist aber diesmal trotzdem der in der 64. Minute eingewechselte Alain Nef, welcher in der Schlussphase in der zur Fünferabwehr mutierten Zürcher Hintermannschaft der ruhende Pol war, und kurz vor dem Schlusspfiff für den bereits geschlagenen Yanick Brecher auf der Linie rettete. Brecher hatte die Partie zuvor mit einem Schnitzer gegen den eingewechselten Dennis Salanovic noch einmal spannend gemacht, wobei sich dieser mit einem ähnlichen Fehler des Zürcher Torhüters davor im Duell mit Dejan Sorgic bereits angedeutet hatte. Ähnlich war es auf Seiten des FC Thun, wo dem das 0:1 durch Marco Schönbächler verursachenden Roy Gelmi bereits zuvor ein vergleichbarer, aber im ersten Anlauf noch folgenloser Fehler unterlaufen war.

Hekuran Kryeziu spielte ein paar gute Bälle im Spielaufbau, agierte in mehreren Situationen aber noch etwas zu nonchalant. Izer Aliu gelang, wenn auch unter gütiger Mithilfe von Roy Gelmi, das Assist zum 1:0, konnte bis zu seiner Auswechslung aber bei Standards nicht wie gewohnt für Gefahr sorgen.

Ein schöner Kreis wieder geöffnet wurde von Marco Schönbächler, der nach beinahe einjähriger Verletzungsabsenz beim letzten Meisterschaftsspiel in Lugano bereits sein Tor erzielt hatte. Nun traf er auch beim Saisonauftakt gegen Thun – gegen denselben Gegner, gegen welchen er sich in der Saisonvorbereitung 2017 (ohne wesentliche Einwirkung des Gegners) einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.

FC Zürich – FC Thun 2:1 (1:0)

Zürich, Letzigrund, 9’300 Zuschauer.

Tore: 16. Schönbächler (Aliu) 1:0; 62. Winter (Domgjoni) 2:0, 87. Sorgic (Salanovic) 2:1.

FC Zürich: Brecher; Rüegg, Palsson, M. Kryeziu, Pa Modou; H. Kryeziu; Domgjoni, Aliu (46. Winter); Khelifi (64. Nef), Schönbächler (86. Dwamena); Frey.

Thun: Faivre; Glarner, Sutter, Gelmi (67. Fatkic), Facchinetti (86. Kablan); Hediger; Karlen, Stillhart; Tosetti (82. Salanovic), Spielmann; Sorgic.

 

 

 

 

 

Cédric Brunner: „Wir reden immer noch über den Cupsieg“

Cédric Brunner war beim Saisonauftakt im Letzigrund  als Fan mit dabei und im Pauseninterview bei Züri Live! Der 24-jährige verrät dabei wie er sich gegen den FC Thun auf der Tribüne fühlte, die wichtigsten Gründe für seinen Wechsel nach Bielefeld, woran er sich dort noch anpassen muss und worauf er sich freut…nicht ohne sich auch nochmal mit glühendem Herzen an den Cuptitel im Mai zurückzuerinnern…

https://soundcloud.com/fcz-radio/cedric-brunner-wir-reden-immer-noch-uber-den-cupsieg

Sommerbilanz: Eigene Talente und Hekuran Kryeziu verstärken das Zentrum

Bereits in der Saison 2017/18 gehörten die beiden Aussenspieler Kevin Rüegg (19) und Pa Modou (28) zusammen mit Victor Palsson und Michael Frey zu den vier Spielern mit den meisten Einsätzen in Wettbewerbspartien. An diesem Status hat sich nichts geändert. Nach der Sommervorbereitung sieht alles danach aus, als könne der FCZ auf den Aussenpositionen von Kontinuität profitieren. Speziell Rüegg hat die goldene Chance, in der kommenden Saison beim FCZ einen entscheidenden nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu machen. Schon in den Testspielen hat der 19-jährige angedeutet, dass er in Zukunft seine Schnelligkeit noch konsequenter und effizienter einzusetzen gedenkt. Gleichzeitig besteht noch viel Verbesserungspotential, beispielsweise in der Rückwärtsbewegung.

Nicht ohne Grund ist Trainer Magnin noch häufig mit seinem Schützling unzufrieden. Fabian Rohner ist auf der rechten Seite die Alternative, die aber wohl aktuell in erster Linie bei Rückstand (allenfalls auch als Sturmspitze) zum Zuge kommt. Der neu verpflichtete Hakim Guenouche (18) ist nicht nur einer der jüngsten, sondern wohl auch der leichtgewichtigste Spieler der Liga. Trotz seiner guten Technik scheint er einem Pa Modou noch nicht das Wasser reichen zu können. Dem Gambier unterlaufen zwar auch Fehler, aber er kann diese häufig gleich selbst wieder ausbügeln, was Guenouche bisher noch nicht gelingt.

Körperlich das Gegenstück zu Guenouche ist Mirlind Kryeziu. Mehrmals in der Testphase mussten sich Gegenspieler von einem Aufprall an der Zürcher «Wand» erholen. Es wäre keine Überraschung, wenn der 1,97m-Mann zum Saisonauftakt zusammen mit Neuverpflichtung Andreas Maxsø die Innenverteidigung bilden würde. Dies obwohl der Däne auf dem Platz noch nicht hundertprozentig ins Zürcher Spiel integriert scheint. In Abwesenheit der angeschlagenen Umaru Bangura und Becir Omeragic ist die Alternative dazu natürlich Alain Nef. Zu Beginn der Vorbereitung machte der Routinier einen sehr guten Eindruck, musste dann aber mit der Zeit der Intensität der Sommervorbereitung scheinbar doch etwas Tribut zollen. Im Idealfall wird die konditionelle Basisarbeit für den x-ten Frühling des Zürchers sorgen. Wird er wie schon in den letzten Saisons alle, die ihn bereits abgeschrieben haben, erneut düpieren? Je nach Grad der zurückkehrenden Spritzigkeit im Verlauf der kommenden Trainingswoche wäre auch Nef an Stelle von Maxsø in der Startaufstellung gegen Thun denkbar.

Dies natürlich vorausgesetzt, Ludo Magnin entscheidet sich nicht für eine Dreierabwehr zum Saisonstart. Kein Thema wird wohl zur Zeit in der Verteidigung Ilan Sauter (17) sein, der in den Testpartien nahtlos an seinen unglücklichen Auftritt im U18-Meisterschaftsfinal in Basel anknüpfte. Die Anzahl Innenverteidiger hat auch einen Einfluss auf die Besetzung des Zentralen Mittelfeldes mit zwei oder drei Mann. Neuverpflichtung Hekuran Kryeziu hat sich bisher bewährt, und wird ziemlich sicher als Stammspieler in die Saison starten. Toni Domgjoni bleibt ein sicherer Wert, der sich obendrein immer noch laufend weiterentwickelt. Und Izer Aliu scheint stark aufgeholt zu haben. Wenn er sein Potential abrufen kann, ist der 18-jährige mit seinen spielerischen Qualitäten und ausgezeichneten Standards potentiell eine Schlüsselfigur fürs Zürcher Offensivspiel – zumal er zusätzlich auch selbst einen guten Abschluss hat. Aliu, der in der abgelaufenen Rückrunde in fast jeder Partie zum Einsatz gekommen ist, wird immer mehr zu einem echten Stammplatzkandidaten – auch weil er den aktuell angeschlagenen Antonio Marchesano in Bezug auf die Leistung in der Defensiven Phase langsam zu überholen scheint.

Im Zentralen Mittelfeld ist mit Abstand am meisten Talent aus dem eigenen Nachwuchs vorhanden. Da schlummert viel Qualität, welche die 1. Mannschaft insgesamt stärker machen kann. Die erfahreneren Spieler braucht es tendenziell eher auf anderen Positionen. Dies auch weil mit dem «Sechser» Simon Sohm und dem spielerisch starken Bledian Krasniqi zwei Spieler aus der U18 nachstossen, die fussballerisch bereits heute Super League-Reife haben – gerade im mentalen Bereich allerdings noch etwas mehr Widerstandskraft benötigen. Der Reichtum an vielversprechenden Talenten im Zentrum setzt sogar Captain Victor Palsson sportlich unter Druck. Der Isländer kann weiterhin in der Innenverteidigung nicht überzeugen, auch wenn er immer wieder mal dort (aushilfsweise) eingesetzt wird. Auf seiner angestammten Position im Mittelfeld agiert er solider. Die vorderen Aussenspieler nehmen eher eine spielerische Rolle ein, da die schnellsten Zürcher Akteure wie Rohner, Rüegg oder Schönbächler in der Regel auf anderen Positionen eingesetzt werden. In die Tiefe geschickt werden soll in erster Linie der Aussenverteidiger.

Adrian Winter (32) hatte schon letzte Saison zunehmend Mühe. Die für sein Spiel so wichtige Schnelligkeit nimmt altersbedingt ab – und die Prozentzahl der Duelle, in denen er einen Schritt zu spät kommt, zu. Salim Khelifi kann für den FCZ zu einem Gewinn werden, wenn er die Fortschritte im läuferischen Bereich, die er in der 2. Bundesliga gemacht hat, auch in der Super League zum Tragen bringen kann. Speed ist aber genauso wenig seine Paradedisziplin, wie die von Stephen Odey, welcher in der Saisonvorbereitung ebenfalls hauptsächlich auf dem offensiven Flügel eingesetzt wurde, um seine Stärken im Aufbauspiel zum Tragen zu bringen. Anders der schnelle Maren Haile-Selassie, der gegen Vaduz über den linken Flügel das einzige FCZ-Tor der letzten drei Testspiele vorbereitete, zuvor aber vorwiegend im Zentralen Mittelfeld eingesetzt worden war.

Roberto Rodriguez’ Rolle war zuletzt hauptsächlich diejenige eines Offensiv-Jokers, der in der Schlussphase mit seinen spielerischen Mitteln bei Rückstand effektiv mithelfen kann, eine gegnerische Abwehrreihe zu knacken, oder bei Vorsprung den Ball in den eigenen Reihen weit weg vom eigenen Tor zu halten. In den Testspielen war erkennbar, dass dies eine vielversprechende Option für das Zürcher Trainerteam darstellen kann. In der Rangliste «Minuten pro Skorerpunkt» der Sommervorbereitung liegt Lavdim Zumberi (18) mit 45 Minuten pro Skorerpunkt an Erster Stelle. Bei seinem Teileinsatz gegen Rapperswil-Jona bewies der Offensive Mittelfeldspieler wie schon so häufig in der Vergangenheit mit einem präzisen Weitschuss seine Torgefährlichkeit. Da die Saison und der Trainingsbetrieb bei den Nachwuchsspielern im Frühling länger als bei den Profis dauert, konnte der erste Teil der Saisonvorbereitung mit der 1. Mannschaft für die Academy-Talente, welche zum erweiterten Kader des Fanionteams zählen, an ihre Saison 17/18  „angehängt“ werden. Schulische Verpflichtungen und Junioren-Nati kamen hinzu. Die (in der Regel kurzen) Ferien stehen darum jetzt an.

Michi Frey absolvierte eine solide Vorbereitung. In der Partie gegen den Ligakonkurrenten St. Gallen in Rüti, in welcher für die Mannschaft ganz offensichtlich das Resultat wichtiger war, als in anderen Tests, war der Sturmtank einer derjenigen Spieler, die ihr Team mitrissen. Überdurchschnittlich gut waren die Auftritte von Raphael Dwamena. Der Nationalstürmer, welcher mit Ghana nach Saisonende eine halbe Weltreise unternommen hatte, wirkt gereift. Testspieler Lassana N’Diayé, bei dem es noch offen ist, wo er nächste Saison spielen wird, wäre trotz seiner jugendlichen 17 Jahre eine Verstärkung, welche nur wenig Eingewöhnungszeit benötigen würde. Marco Schönbächler wurde analog Adi Winter (Cupfinal) in der Vorbereitung meist als laufstarker Stürmer im Duett mit Frey oder Dwamena eingesetzt. Erfreulich zu sehen waren sein Antritt und die Spielfreude. Bis aber Schönbi sein Selbstvertrauen im Abschluss wiederfindet, benötigt er wohl noch ein paar Spiele. Noch unklar ist, ob Yanick Brecher nach seinem Zusammenstoss mit dem Bochumer Pantovic auf den Saisonstart hin wieder bereit ist. Ersatz Andris Vanins hat beim Test in Vaduz zwei Tore kassiert und gegen Atromitos dann hinten «die Null» gehalten.

 

Startschuss zur U19-EM: auch Fussballerinnen profitieren von Spielerberatern

Am Mittwoch beginnt in Wohlen und Biel die U19-EM der Frauen. Die Schweizerinnen treffen dabei unter anderem auf die beiden letztjährigen Finalistinnen Spanien (Titelverteidiger) und Frankreich. Die jungen Schweizer Talente haben grosse Hoffnungen für das Turnier. Die Teamleaderinnen Reuteler und Lehmann haben vor drei Jahren auf U17-Stufe den EM-Final erreicht. Die Akteurinnen mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust befinden sich aber auch individuell in einer entscheidenden Phase ihrer Fussballkarriere. Mit Fiona Flühler, Alicia Haller und Chantal Wyser werden drei von ihnen durch die Agentur Fairygoals unterstützt. Michi Lendi erläutert im Interview mit Züri Live, wie er und seine Kollegen diese ausgewählten Talente in ihrer Karriereplanung, persönlichen Entwicklung und bei Transfers betreuen:

 

Nullnummer gegen den «FC Thun Griechenlands»

Nicht zum ersten Mal durfte der FCZ ein Testspiel an der Churer Ringstrasse austragen und der Spielort gehört mittlerweile sicherlich zu den beliebtesten Destinationen der Zürcher Fans und Vereinsangehörigen. Angesichts dessen, dass für den FCZ die Saison in einer Woche beginnt – und für Atromitos erst in einem Monat, konnte das Letzigrund-Team auf dem Platz dann aber die durchaus zeitweise etwas ruppig geführte Freundschaftspartie zu wenig lange bestimmen. Es war das Duell von zwei Meisterschaftsvierten der letzten Saison. Atromitos kann man als den «FC Thun von Griechenland» bezeichnen, wobei die Athener in den letzten Jahren als ähnlich kleiner Verein sogar noch etwas erfolgreicher waren, als die Berner Oberländer. Zuletzt klassierte sich das Team des Österreichischen Trainers Canadi nur knapp hinter Krösus Olympiakos in der Abschlusstabelle 2017/18. Auch von dieser Perspektive her, war es ein optimaler Vorbereitungsmatch vor dem Thun-Spiel.

Taktisch begann der FCZ im 4-1-4-1 und wechselte nach der Einwechslung von Guenouche auf 3-4-3 mit Nef, Maxsö und Pa Modou in der Dreierabwehr. Wie schon in den letzten Partien gab es auch gegen Atromitos keine grosse Anzahl an Torchancen. Insgesamt hat der FCZ in den letzten drei von sechs Testspielen gegen Vaduz, Bochum und Atromitos nur ein einziges Tor erzielt – durch Testspieler Lassana N’Diayé. Die Gesamtbilanz sind zwei Siege (Wil, St. Gallen), ein Unentschieden (Atromitos) und drei Niederlagen (Rapperswil-Jona, Vaduz, Bochum). Gegen die Griechen konnte sich Izer Aliu am meisten hervortun. Da er sich kämpferisch laufend verbessert, kann der 18-jährige seine hervorragenden spielerischen Qualitäten noch besser einbringen. Er scheint näher an einem Platz in der Startformation zu sein, als wohl viele denken. Dies zusätzlich zu Toni Domgjoni, dessen seit Monaten soliden bis sehr guten Leistungen es dem Zürcher Trainerteam sicherlich schwermachen, ihn nicht aufzustellen. Insgesamt gibt es allerdings im Hinblick auf den Start gegen den FC Thun in einer Woche in allen Linien noch Steigerungspotential.

FC Zürich – Atromitos 0:0 (0:0)

FCZ Vanins; Rüegg, Maxsö, M. Kryeziu (59. Nef), Pa Modou; Palsson (46. Domgjoni); Winter (46. Schönbächler), H. Kryeziu, Aliu (75. Guenouche), Khelifi (75. Odey); Frey (59. Dwamena).

Atromitos: Mirkovic (46. Theodorakis); Sakic (46. Natsos), Chatziisaias, Risvanis (46. Karasalidis), Giannoulis (46. Strouggis); Madson (46. Umbides); Bruno (46. Manousos), Vasilakakis (46. Garoufalias), Busuladzic (46. Lazaridis), N’Sikulu (46. Kotsopoulos); Koulouris (46. Mujakic).

Klare Niederlage gegen laufstarke und effiziente Bochumer – Brecher verletzt?

Der FCZ hat weiterhin Mühe mit laufstarken Teams. Auch wenn es nur ein Testspiel war und die Beine mancher FCZ-Spieler gegen Ende des Trainingslager sichtlich schwerer waren, als die der Bochumer noch zu Beginn des ihren: es ist auffällig, wie man schon seit Jahren Schwierigkeiten hat einerseits mit dem wohl laufstärksten Team der Liga, «Angstgegner» Luzern, und andererseits mit den ebenso laufstarken Mannschaften der 2. Bundesliga in Testspielen. Würde der FCZ in dieser Liga antreten, müsste er seinen Spielstil wohl ändern. Gegen Kaiserslautern oder Dresden hatte man zuletzt ebenfalls klar verloren – allerdings jeweils in der Winter-Vorbereitung, wo die deutschen Teams einen zeitlichen Vorsprung haben. Diesmal war es auch im Sommer der Fall.

Der Vfl Bochum (letzte Saison Tabellensechster, acht Punkte hinter dem «Barrage»-Platz drei) hat sicherlich ein prominent besetztes Team, mit ehemaligen Bundesliga-Spielern wie Hoogland, Celozzi, Tesche, Kruse, Sam oder Hinterseer. Und das Team von Trainer Robin Dutt scheint weiter im Aufwind zu sein. Gegen den FCZ waren die Westdeutschen, die über Zürich ebenfalls ins Trainingslager im Allgäu geflogen waren, vor allem auch effizient. Aus zwei Torchancen resultierten bis zur 24. Minute zwei Tore – beide Male hatte der von Hannover 96 verpflichtete Sebastian Maier seine Füsse entscheidend im Spiel. Beim ersten Mal spekulierte FCZ-Keeper Brecher bei einem Weitschuss Maiers von der Strafraumgrenze auf die falsche Ecke – und beim zweiten wurde der Zürcher Keeper nach einem Maier-Steilpass durch den alleine vor ihm auftauchenden Weilandt umspielt.

Unter dem Strich hatte das Team von Trainer Ludo Magnin mehr vom Spiel und führte die spielerisch feinere Klinge. Der auf der Tribüne den Match aufmerksam verfolgende „Tonino“ Marchesano war nicht ganz zu Unrecht immer wieder begeistert von den langen Bällen Mirlind Kryezius. Rüegg startete etwas harzig in die Partie, konnte sich dann aber mit seinem Speed mehrfach sehr gut über die rechte Seite durchsetzen. Auffallend ist auch die relativ gute Frühform Raphael Dwamenas, dessen Berater David Degen auf der Tribüne bei jedem harten Zweikampf zitterte. Der Ghanaer fällt zur Zeit nie unter ein gewisses Niveau. Rodriguez konnte mit seinen spielerischen Impulsen gegen Ende der Partie nochmal für etwas Verwirrung in der Bochumer Hintermannschaft sorgen. In Sachen Laufen, Spritzigkeit, Wendigkeit, taktische Disziplin. Fehlerquote und Abschluss war hingegen Bochum an diesem frühen Abend im Allgäuischen Durach bei Kempten das bessere Team. Der FCZ wusste sich in einigen Szenen nur mit einem Foul zu behelfen und Hekuran Kryeziu sah dafür gar Gelb. Speziell die älteren Spieler wie Alain Nef und Adrian Winter, welche in den Tests vor dem Trainingslager noch gute Ansätze gezeigt hatten, mussten stark auf die Zähne beissen und konnten sich nicht von ihrer besten Seite zeigen.

Taktisch begann der FCZ im 4-1-4-1, wobei Hekuran Kryeziu und Toni Domgjoni im Zentrum vor Victor Palsson vorgeschoben die Achterpositionen belegten. Ist es die Formation, welche in zwei Wochen gegen Thun in die Meisterschaft starten wird? Odey spielte nach seiner Einwechslung erneut auf dem Rechten Flügel, während Schönbächler nach dem Halbzeitpfiff zuerst Eins-zu-Eins die Position von Domgjoni übernahm, um dann später wieder im 4-4-2 als zweiter Stürmer im Duo mit Frey bzw. Dwamena zu fungieren. In der Zweiten Halbzeit nahm die Anzahl Einschussmöglichkeiten in einer allgemein eher chancenarmen Partie auf beiden Seiten nochmal weiter ab. Yanick Brecher musste sich nach etwa einer Stunde Spielzeit im Anschluss an einen Zusammenprall mit dem Bochumer Pantovic länger pflegen lassen. Der Zürcher Keeper konnte zwar vorerst weiterspielen und verzichtete auf die Auswechslung (Andris Vanins stand dazu schon bereit), aber eine Minute vor dem Ende der Partie ging es für ihn dann doch nicht mehr (Übelkeit, damit Verdacht auf Gehirnerschütterung, hat sich in vorsorgliche ärztliche Untersuchung begeben) – und der die Partie gut leitende Referee pfiff daher das Freundschaftsspiel vor rund 200 Zürcher, Bochumer und Kemptner Fans schon in der 89. Minute ab.

Vfl Bochum – FC Zürich 3:0 (2:0)

Tore: 16. Maier 1:0. 19. Weilandt (Maier) 2:0; 48. Soares 3:0.

Bochum: Riemann; Celozzi (60. Baack), Hoogland, Leitsch (46. Fabian), Soares (60. Perthel) ; Losilla (62. Janelt), Eisfeld (62. Saglam); Weilandt (62. Ekincier), Maier (46. Tesche), Sam (46. Pantovic); Hinterseer (46. Wurtz).

FCZ Brecher; Rüegg, Nef (56. Maxsö), M. Kryeziu, Pa Modou (75. Guenouche); Palsson; Winter (56. Odey), H. Kryeziu, Domgjoni (46. Schönbächler), Khelifi (75. Rodriguez); Frey (67. Dwamena).

Maxsö debütiert, Lassana trifft, Schönbi auf gutem Weg / Vaduz – FCZ 2:1

Gemäss dbfcz.ch war es das 28. Spiel der Geschichte gegen den FC Vaduz und es resultierte am Ende die dritte Niederlage – alle drei in Testpartien. Für die Liechtensteiner fungierte das Duell als letzter Test vor dem Europacup-Heimspiel von nächster Woche zu Hause gegen Davide Marianis Levski Sofia. Die «Residenzler» setzen auf die neue Saison hin wieder deutlich stärker auf Spieler aus Liechtenstein und der Rheintalregion. Aus dem eigenen Nachwuchs wird der talentierte Ferhat Saglam hochgezogen, die Liechtensteiner Sandro Wieser, Aron Sele und Benjamin Büchel dazu geholt, dazu kommen Schweizer Spieler aus der Region wie neu Gabriel Lüchinger. Jodel Dossou und Christopher Drazan wurden aus dem 35 km entfernten Lustenau geholt. Schon letzte Saison dabei war der Sarganserländer Stürmer Boris Babic (20), der gegen den FCZ nicht nur wegen der Beteiligung an beiden Toren einen sehr guten Eindruck hinterliess und bei Bestätigung seiner Fortschritte in der anstehenden Challenge League-Saison eine gute Rolle spielen könnte.

Der Vergleich zwischen dem FCZ und dem Team von Trainer Roland Vrabec hätte eigentlich ursprünglich in Oberstaufen auf dem Platz ausgetragen werden sollen, auf welchem der FCZ sein traditionelles Sommertrainingslager absolviert – praktisch «auf der anderen Strassenseite» des von Karl-Heinz Riedle geführten Hotels Evviva. Der Deutsche Fussballbund hatte aber etwas dagegen – «Air Riedle» hin oder her. Zwei fremdländische Teams wollen auf Deutschem Grund und Boden ein Testspiel austragen? Und dann auch noch eines aus einem Land, welches an der WM weitergekommen ist, als Deutschland? Kommt nicht in Frage! Um so mehr, als dass es sich bei diesem Testkick ja wohlbekanntermassen um ein Hochrisikospiel handelt. Man hat nämlich recherchiert und herausgefunden, dass es bei der Begegnung Vaduz – FCZ in der Vergangenheit schon einmal zum Abbrennen einer Pyrofackel gekommen ist!

So wurde die Partie also relativ kurzfristig in den Vaduzer Rheinpark verschoben – und Trainer Ludo Magnin entschied sich, einen Teil des Teams in der Beschaulichkeit des Allgäus zurückzulassen. Neben Torhüter Andris Vanins, der zu seinem ersten Testspieleinsatz des Sommers kam, durften daher die Feldspieler Palsson, Guenouche, Haile-Selassie und Dwamena ihre Ausdauer mit einem 90 Minuten-Einsatz testen. Neuverpflichtung Andreas Maxsö kam zu seinem ersten Einsatz im dunkelblauen FCZ-Auswärtsdress – das neue Heimdress blieb noch im Materialschrank. Der grossgewachsene Däne präsentierte sich so, wie man es erwarten konnte – er spielte den ein oder anderen guten Ball nach vorne, aber auch sein Schwachpunkt, Antritt und Beweglichkeit im Eins-gegen-eins, war gegen Vaduz ersichtlich. Auf der linken Seite durfte Hakim Guenouche erstmals von Beginn weg ran. Auch bei ihm keine Überraschungen – der Franzose bringt in der Offensive eine gerade für einen Linksverteidiger aussergewöhnlich gute Ballführung und Tempo mit Ball mit. Gleichzeitig war er im ein oder anderen Zweikampf unterlegen und sah beim 2:0 durch Ex FCZ-ler Milan Gajic trotz seinen 18 Jahren relativ «alt» aus, weil er es nicht mal im Ansatz schaffte, den Abschluss des gegnerischen Mittelfeldspielers von der Strafraumgrenze zu verhindern.

Wie schon gegen St. Gallen war die aufkommende Spielfreude und offensive Variabilität ein positives Feature im FCZ-Spiel. Zudem wollen sich die Jungen zeigen und aufdrängen, allen voran der in der 2. Halbzeit eingewechselte Bledian Krasniqi, welcher in der gegnerischen Hälfte mehrere Bälle eroberte und aktiv Lösungen suchte. Testspieler Lassana N’Diayé kam schon zur Pause rein, wirkte in der einen oder anderen Szene noch etwas zurückhaltend, bewies aber sein Potential und kam sogar bereits zu seinem ersten Treffer im FCZ-Dress aus kurzer Distanz. Lassana hatte zur Halbzeit Marco Schönbächler ersetzt, der analog Adi Winter im Cupfinal als laufstarkes Element eines Zweimannsturmes neben einem gelernten Stürmer, in diesem Fall Raphael Dwamena, antrat. Eine durchaus vielversprechende Variante auch für die Zukunft. Die Sprints und der Kampfgeist von «Schönbi» bereiteten Freude. Bei den Standards muss er noch etwas mehr üben. Nach der Einwechslung von Mittelfeldspieler Simon Sohm für Neuzuzug Maxsö übernahm der 17-jährige Neoprofi die Sechserposition im Mittelfeld und hinten wurde auf Viererabwehr umgestellt. Vorne agierte in der Folge Lassana N’Diayé als einzige Spitze im Zentrum, Dwamena kam über rechts und Maren Haile-Selassie über links. Auf dieser Position scheint sich der 19-jährige etwas wohler zu fühlen als im Zentrum und bereitete dementsprechend mit einer unwiderstehlichen Einzelleistung im Duell mit dem Vaduzer Testspieler Sadik Vitija (GC) den Zürcher Anschlusstreffer über die linke Seite vor in einer Schlussphase, in welcher der FCZ nochmal zuzulegen vermochte.

FC Vaduz – FC Zürich 2:1 (1:0)

Tore: 25. G. Lüchinger (Babic) 1:0; 52. Gajic (Babic) 2:0, 83. N’Diayé (Haile-Selassie) 2:1.

Vaduz: Hirzel; Nils Von Niederhäusern (46. Vitija), Wieser, Puljic, Göppel; Muntwiler (76. Sele); Dossou (76. Saglam), Gajic (58. Mathys), G. Lüchinger (58. M. Brunner), Coulibaly (58. Drazan); Babic (58. Tadic).

FCZ: Vanins; Maxsö (64. Sohm), Palsson, M. Kryeziu (46. Sauter); Rohner (46. Rüegg), Domgjoni (46. Aliu), Guenouche; Haile-Selassie, Rexhepi (64. Krasniqi); Schönbächler (46. N’Diayé), Dwamena.

1 142 143 144 145 146 274