Autor: Lukas Stocker
Frey, Marchesano, Brecher und Taini im Interview nach 10.Titel im 93. Cupfinal
Piu Da Costa: „Cupsieg in Bern grösster Moment meiner Karriere“
Piu Da Costa über den Cupfinal, seinen grössten Karriereerfolg 2014 in der Bundesstadt noch auf Naturrasen („mein Sohn erzählt heute noch davon, wie er damals im Chübel sass“), seinen Weg zurück von der Verletzung, den gerade abgestiegenen Ex-Klub Novara, sowie die Ambitionen und Europa League-Kampagne mit Lugano.
Züri Live-Studio: Rückblick auf die Saison 2017-18
Der heutige Gegner Lugano hat einen neuen (Internet-)Präsidenten
Heute spielt der FCZ sein letztes Meisterschaftsspiel der Saison im Tessin beim FC Lugano. Der Klub von Präsident Angelo Renzetti, welcher sich auch diese Saison wieder für die kommende Super League-Saison 2018/2019 qualifizieren konnte. In der ersten Spielzeit zurück im Oberhaus hatte Lugano 2015/16 den FCZ im Abstiegskampf hinter sich gelassen – und in
der zweiten Saison gar den dritten Platz und die Europa League-Gruppenphase erreicht.
Präsident Angelo Renzetti? Nicht mehr – wenn man den Angaben auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite glauben schenkt. Da lautet der Name des Präsidenten des FC Lugano seit vorgestern Deniz Kizilöz. Dieser behauptet auf Social Media-Kanälen an diesem Tag den Klub von Renzetti gekauft zu haben. Ausserdem werde er in den kommenden Tagen auch den FC Winterthur übernehmen, und er flirte «offiziell» mit dem Spanischen Elche FC. Als ersten Transfer für den FC
Lugano habe er Loic Rémy von Getafe ein Angebot unterbreitet. Die Substanz dieser Aussagen darf mit Skepsis betrachtet werden.
Vor drei Jahren tauchte der türkisch-stämmige und teilweise in der Schweiz sesshafte Kizilöz bereits einmal in Sofia auf und behauptete unter anderem in einer Sendung des Bulgarischen Senders «Nova TV», er sei sich mit den Verantwortlichen des schuldengeplagten Traditionsklubs CSKA Sofia über einen Kauf einig. Als es dann doch nicht klappte, wollte er anschliessend stattdessen angeblich Lokomotive Plovdiv übernehmen. Und ein Jahr später traf er sich mit den Verantwortlichen des Österreichischen Austria Klagenfurt zu
Gesprächen.
Zumindest ein gewisser Unterhaltungswert ist diesen Geschichten nicht abzusprechen und so wollen wir Kizilöz hier an dieser Stelle schon mal ehrenvoll vorläufig zum «Internet-Präsidenten» des FC Lugano küren. In der realen Welt trifft der Stadtklub im Cornaredo heute aber ohne den gesperrten Cédric Brunner auf eine Mannschaft, welche ihre letzten beiden Heimspiele unter dem neuen Trainer Guillermo Abascal gegen Lausanne und St. Gallen beide gewonnen hat. Nach den beiden Siegen in Thun und gegen Basel wird im Zürcher Lager mit Spannung der letzte Auftritt vor dem Cupfinal erwartet.
Thelanders Monate in Zürich mit zwei grossen Höhepunkten
Der Däne Rasmus Thelander zieht auf seiner Europa-Tournee weiter und muss Abschied nehmen von den „Sweet Guys“ (O-Ton Thelander auf Züri Live), die er im Zürcher Team angetroffen hat. Nach Griechenland und der Schweiz heisst die nächste Station Niederlande. In der Vorrunde erst relativ spät zur Mannschaft gestossen, konnte er anfangs die bereits vorher solide Defensivordnung weiter festigen. Je mehr sich der Verteidiger aber gegen Ende der Vorrunde mit in die Offensive einschaltete, desto mehr Lücken offenbarte der FCZ im Spiel gegen den Ball.
Nach der Winterpause bewegte sich der 26-jährige in einem Formtief und wurde speziell vom neuen Trainer Magnin nur noch für die Startformation berücksichtigt, wenn aus taktischen oder Verletzungsgründen Not am Mann war. Neben der Geburt seines zweiten Kindes war der Ausgleichstreffer zum 3:3 in der 90. Minute des Cup-Viertelfinals gegen Thun der emotionale Höhepunkt seiner Zürcher Zeit. Hier nochmal im Schnelldurchlauf dieses Highlight, Kommentare und ein Interview zu Beginn von, über und mit Rasmus Thelander auf Züri Live:
FCB wackelt am 13. Mai / Spielbericht und Interviews FCZ – FCB 4:1
Alain Nef und Florian Stahel verbringen auf der Westtribüne einen würdigen Feiertag des 13. Mai und sehen wie vier verschiedene Torschützen zum 4:1 gegen den FC Basel treffen. Auch in der 93. Minute gibt es wieder ein Tor – es trifft diesmal Albian Ajeti zum Ehrentreffer für die Gäste. Die Geschichte wiederholt sich – aber nie exakt gleich. Wie schon unter der Woche in Thun zeigt sich der FCZ im Abschluss effizient in einer Partie, welche von der Qualität und Intensität her aber sehr weit vom üblichen Niveau dieser Paarung entfernt war. Bei der 0:3-Niederlage im St. Jakob Park im April beispielsweise hatte der FCZ besser gespielt, als nun beim 4:1-Heimsieg – aber die Effizienz im Abschluss fehlte, und der Gegner hielt damals mehr dagegen.
Obwohl in den letzten sechs Partien nur gegen das zur Zeit stark nachlassende St. Gallen eine überzeugende Leistung gelang, holte der FCZ in dieser Zeitperiode 11 Punkte und verlor nur in Luzern – in letzter Sekunde. Dies nachdem man zuvor speziell in den beiden Duellen mit YB für gute Leistungen zu wenig belohnt worden war. Insgesamt muss man den Auftritt des FCB am Sonntag im Letzigrund als «nicht Super League-würdig» einstufen. Etwas, was in den letzten 15 Jahren bei den Rot-Blauen eigentlich nie vorgekommen ist. Und dies nach einer Serie von neun ungeschlagenen Partien in Folge. Der FCZ darf daher gerade im Hinblick auf den Cupfinal das Resultat gegen den FCB nicht überbewerten oder sich in falscher Sicherheit wiegen.
https://soundcloud.com/fcz-radio/kevin-ruegg-haben-gegner-genau-unter-die-lupe-genommen-1
Nach der Partie war FCB-Trainer Wicky verständlicherweise vor allem sauer über die ersten zwei Gegentore und, ohne Namen zu nennen, das Verhalten einzelner seiner Spieler in diesen Szenen. Welche Namen gemeint waren, war auch so klar. In erster Linie derjenige des jungen Neftali Manzambi, der seinen Gegenspieler Pa Modou zwei Mal zu stark gewähren liess. Vor allem beim 2:0 hatte der Zürcher Aussenläufer so viel Zeit und Musse im gegnerischen Strafraum, dass ihm ein schöner Schlenzer in die entfernte Ecke mit seinem schwächeren rechten Fuss gelang, worüber er sich anschliessend mit Co-Trainer Van Eck tierisch freute. Ehrliche Arbeit im Training zahlt sich eben irgendwann aus… Auf dem anderen Ende der Gemütsskala stand der gelernte Stürmer Manzambi, der zum zweiten Mal in der Super League in der Startformation gestanden, nachdem er vor zwei Wochen im Heimspiel gegen den FC Thun von seinem Trainer Wicky zum Rechtsverteidiger umfunktioniert worden war. Es lag aus FCB-Sicht aber nicht allein am 21-jährigen. Ohne Teamleader Michael Lang (auf der Bank) wirkte der entthronte Schweizer Meister zahnlos. Luca Zuffi war angeschlagen und wurde in der Halbzeitpause ausgewechselt (wobei Trainer Wicky dabei auch gleich noch eine taktische Umstellung vornahm), Samuele Campo unterliefen zu viele Ballverluste und Serey Dié wirkte nicht wie Serey Dié nachdem er zuletzt Numa Lavanchy spitalreif getreten hatte. Nur der 19-jährige Afimico Pululu konnte in seinem zweiten Super League-Einsatz gegen Ende der Partie noch für etwas Schwung sorgen.
https://soundcloud.com/fcz-radio/cedric-brunner-war-sehr-aufgewuhlt
Der FCZ trat mit Dreierabwehr an, unter anderem mit Mirlind Kryeziu, der von Spiel zu Spiel an Sicherheit zu gewinnen scheint. In der Schlussphase kam er zusätzlich auf Standards von Marchesano zwei Mal gefährlich zum Abschluss, wobei beim ersten Mal FCB-Keeper Vaclik spektakulär parierte. Diese «Offensivwaffe» war in den bisherigen Partien Kryezius in der aktuellen Saison noch «eingerostet» gewesen, weil jeweils das Timing nicht gestimmt hatte. Cédric Brunner konnte in seinem (vorläufig) letzten Spiel im Letzigrund (im Interview mit Züri Live: «Ich hoffe, ich darf wieder zurückkommen») seine Nervosität nicht ganz verbergen. Er war im Jahr des 13.Mai als Zwölfjähriger zum FCZ gekommen. Dafür spielte Rasmus Thelander solider als zuletzt. Und Yanick Brecher benötigte in einigen Szenen sowohl Glück als auch Können, um den letztendlich klaren Sieg in trockene Tücher zu bringen. Erwähnenswert vor allem seine Parade gegen den Nachschuss Oberlins aus kurzer Distanz nach dem «Lattenlupfer» Campos. Er habe (erfolgreich) spekuliert, gab Brecher nach der Partie gegenüber Züri Live zu Protokoll – und ausserdem Oberlins Verhalten vor dem Tor noch von früher her aus dem Training gekannt.
https://soundcloud.com/fcz-radio/yanick-brecher-habe-mich-entschieden-zu-spekulieren
FCZ – Basel 4:1 (0:0)
Tore: 49. Dwamena (Pa Modou) 1:0, 62. Pa Modou (Rüegg) 2:0, 83. Frey (Marchesano) 3:0, 90.+1 Marchesano (Frey) 4:0, 90.+3 Ajeti (Campo) 4:1.
FC Zürich: Brecher; Thelander, Brunner, Kryeziu; Rüegg, Palsson, Pa Modou; Aliu (46. Marchesano), Domgjoni (76. Sarr); Frey, Dwamena (86. Odey).
Basel: Vaclik; Manzambi, Frei, Balanta, Riveros; Serey Dié (78. Pululu), Zuffi (46. Petretta); Bua (66. Oberlin), Campo, Elyounoussi; Ajeti.