Konstanz als Erfolgsfaktor in der Super League – Halbzeitanalyse, Teil 9

Im zweitletzten Teil der Vorrundenanalyse 21/22 hat Züri Live untersucht, ob Konstanz (Kontinuität) im Fussball wirklich ein Erfolgsfaktor ist. Die CIES hatte dies vor Jahren aufgrund einer internationalen Untersuchung in Bezug auf die Kaderzusammensetzung postuliert. Züri Live hat die Konstanz der Super League-Teams in der Vorrunde in den drei Bereichen Personal, Formation und Spielweise miteinander verglichen. Das Resultat: gemessen an der Super League-Vorrunde 21/22 scheint Konstanz tatsächlich ein Erfolgsfaktor zu sein, und zwar in allen drei Bereichen.

Die beiden Letztplatzierten Lausanne und Luzern zusammen mit dem viertletzten Sion waren von allen Super League-Teams am volatilsten. Luzerns Ex-Trainer Fabio Celestini warf man ein zu stures Festhalten an seiner Spielweise vor. Was die taktische Formation, Ballbesitz und Pressing betrifft, war Luzern in dieser Vorrunde aber überhaupt nicht konstant. Das Problem scheint also eher gewesen zu sein, dass Celestini diese Saison zu flexibel war beziehungsweise die präferierte Spielweise nicht durchsetzen konnte. Lausanne-Sport war sowohl beim Personal, wie auch der Formation und der Spielweise volatil. Am unkonstantesten waren die Waadtländer bei ihrer Spielweise. Wild durcheinander wurde mit viel, durchschnittlich oder wenig Ballbesitz gespielt. Dasselbe bezüglich Pressing. Das genaue Gegenteil verkörpert der FCZ, der sowohl bezüglich Personal wie auch Formation und Spielweise eine im Ligavergleich hohe Konstanz erreichte. Es wurden nur zwei verschiedene Taktische Formationen eingesetzt, die einander zudem auch noch sehr ähnlich sind. Und bei keiner anderen Mannschaft haben die am meisten eingesetzten 11 Spieler so viel gespielt – im Schnitt 74,26 Minuten pro Spieler und Partie. Neun Spieler spielten die Herbstrunde praktisch durch, dazu gesellten sich mit Bledian Krasniqi und Wilfried Gnonto zwei Junge zum Team der am meisten eingesetzten 11 der Vorrunde (inklusive Cup).

Interessanterweise hatte Servette sowohl bezüglich Ballbesitz wie auch beim Pressing in diesem Herbst relativ viel Volatilität. Wenig überraschend hingegen die personelle Inkonstanz bei Sion mit 31 eingesetzten Spielern – mit den entsprechenden Folgen. YB litt ebenfalls unter personeller Inkonstanz, aus mehrheitlich anderen Gründen wie Verletzungen und Europacup-Rotation – aber auch etwas aufgrund des grossen Kaders. Personal scheint der wichtigste der drei Konstanz-Faktoren zu sein, wohingegen die Konstanz bei der taktischen Formation die wohl kleinste Rolle spielt. Auch bezüglich diesem Kriterium sind die Spitzenteams grundsätzlich eher konstant und die Mannschaften der unteren Tabellenhälfte unkonstant. Aber gibt es hier je eine Ausnahme: so hat das überdurchschnittlich performende Lugano in der Vorrunde rekordhohe neun verschiedene taktische Startformationen verwendet. Und das bezüglich taktischer Formation konsequent mit einem Mittelfeld-Rhombus spielende St. Gallen erlebte resultattechnisch eine schlechte Vorrunde.

Die beliebteste taktische Formation war übrigens das vorwiegend von YB implementierte 4-4-2 (32x), welches auch vier andere Mannschaften ab und zu verwendeten – gefolgt vom 4-1-2-3 mit Hauptprotagonist Servette (30x) und dem hauptsächlich von den beiden Zürcher Teams präferierten 3-4-1-2 (28x). Servette und der FCB (4-2-3-1) spielten als einzige alle 18 Partien mit der gleichen taktischen Startformation. Beim FCZ und dem FC St. Gallen unterscheidet sich das Alternativsystem allerdings nur minim von der Standardformation. GC’s Contini hat zu Beginn der Vorrunde experimentiert, sich dann aber auf ein 3-4-1-2 festgelegt. Sions Tramezzani passte sein System jeweils gezielt dem Gegner an, während die Systemwechsel von Lausannes Borenovic eher Verzweiflungstaten aufgrund der Unzufriedenheit mit der eigenen Spielweise waren.

Messgrössen Konstanz Personal

  • Spielminuten erste 11 Spieler
  • Spielminuten erste 18 Spieler
  • Anzahl eingesetzte Spieler

Messgrössen Konstanz Formation

  • Häufigkeit der am häufigsten verwendeten taktischen Aufstellung (Startformation)
  • Häufigkeit der zwei am häufigsten verwendeten Startformationen
  • Anzahl verwendete Startformationen

Messgrössen Konstanz Spielweise

  • Ballbesitz-Quantilsabstand
  • Ballbesitz-Spannweite
  • PPDA (Passes Per Defensive Action)-Quantilsabstand
  • PPDA-Spannweite

Halbzeitanalyse, Teil 1 – Erfolgsfaktoren, Folgerungen und Ausblick

Halbzeitanalyse, Teil 2 – Mehr Gegentore auf Konter und Weitschüsse

Ceesay defensiv schon vor zwei Jahren mit Quantensprung / Halbzeitbilanz 21/22, Teil 3

Für welchen Gegner welche Taktik? – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 4

Tosin, Marchesano und Gnonto die Offensivstützen – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 5

Ende Flaute: Boranijasevic effektiv über rechts – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 6

Tosin und Pollero die produktivsten Torschützen, Ceesays Fehlen zum Start kein Nachteil – Halbzeitanalyse, Teil 7

Tosin Notenbester, Plus- / Minusbilanz spricht für Coric – Halbzeitanalyse, Teil 8

Per Aussenrist zum MVP / GC – FCZ in der Züri Live-Analyse

GC kann trotz Pausenführung auch im neunten Derby in Folge nicht gewinnen. Vor ziemlich genau vier Jahren erzielte Jeffren den einzigen Treffer beim letzten Derbysieg des Stadtrivalen. Drei Tage später schoss Cédric Brunner in der 92. Minute des Halbfinalderbys den FCZ in den Cupfinal. Es war der erste von sechs Siegen bei drei Unentschieden seither. Neu hat der FC Zürich nun gegen Lausanne-Sport historisch die zweittiefste Siegquote nach dem FCB, und nicht mehr gegen den Stadtrivalen.

FCZ und Pressing: Extreme Wandlung im Saisonverlauf

GC ging in der 1. Halbzeit ein relativ hohes Tempo, und konnte dieses dann nicht durchziehen, Speziell im mittleren Teil der 2. Halbzeit liessen die Hoppers nach, was der FCZ mit dem durch aggressives Pressing erzwungenen 2:1 nutzte. Bezüglich Pressing hat sich der FCZ im Verlauf der Saison stark verändert. Zu Beginn lag das Breitenreiter-Team bei einem PPDA-Wert zwischen 13 und 14, was dem aktuellen Saisondurchschnittswert des in dieser Wertung „letztplatzierten“ Sion entspricht. Der Wert sagt aus, dass die Walliser ihre Gegner im Durchschnitt in deren eigener Platzhälfte und in der Zone um die Mittellinie (insgesamt 60% des Spielfeldes) 13 bis 14 mal einen Pass spielen lassen, bevor Sion entweder einen Ball abfängt, zu einem Sliding Tackling ansetzt, einen Defensiv-Zweikampf gewinnt, oder ein Foul begeht. Interessant ist der Röstigraben und Risottograben in dieser Wertung. Die Welschen Teams und Lugano (und der FCZ Anfangs Saison) machen am wenigsten Pressing. Luzern, das über weite Strecken einen welschen Trainer hatte, ist im Saisonschnitt in der Mitte anzutreffen.

Die Deutschschweizer Teams machen hingegen viel Pressing. Von den rund 100 Klubs aus Topligen haben nur zwei einen noch tieferen PPDA-Wert als YB: Barcelona und Torino. Auch Basel, St. Gallen und GC sind im Vergleich mit Top-Liga Teams in den oberen 20%. Wolverhampton Wanderers hingegen macht sogar deutlich weniger Pressing als Sion. Die Spielweise des englischen Partnerklubs unterscheidet sich somit sehr stark von derjenigen von GC. Der gerade neu ausgeliehene Bruno Jordao wird sich da erst mal adaptieren müssen. Im Saisonschnitt liegt der FCZ noch zwischen Luzern und GC – bezogen auf die letzten fünf Partien hingegen mittlerweile auf der Höhe des in dieser Wertung Erstplatzierten YB. Und dabei ist der Ausreisser in Lausanne mit einem PPDA-Wert von 11,17 sogar mitgezählt, als sich die Zürcher in der 2. Halbzeit nach der 2:0-Führung zurückzogen. Gegen GC kam der FCZ auf einen Wert von 6,38, was in den Top-Ligen kein Team im Durchschnitt erreicht.

Die Wandlung im Saisonverlauf ist also dramatisch. Gegen Ende der Vorrunde schien es noch, als würde der FCZ den Trend zu mehr Pressing wieder etwas zurückfahren. Unter Berücksichtigung der Testspiele und der ersten zwei Rückrundenpartien muss man hingegen nun sagen: der FCZ ist zu einem distinktiven Pressingteam geworden – in dieser Hinsicht vergleichbar mit YB. Sowohl gegen Luzern und St. Gallen am Ende der Vorrunde wie auch nun gegen Servette und GC lag der PPDA-Wert des FCZ zwischen 6,3 und 7,5. Auch in den Testspielen wurde trotz Müdigkeit viel und schnell in der Angriffszone und im Mittelfeld Druck auf den Gegner gemacht. Speziell das konsequente Gegenpressing führt dazu, dass der Gegner zu langen Bällen gezwungen wird und so die FCZ-Mannschaft immer mehr auseinandergezogen wird und ihre Kompaktheit verliert. Trotzdem wirkt man defensiv auch mit dieser Spielweise auf einem guten Weg. Luzern entwickelt sich unter dem neuen Trainer Mario Frick in dieselbe Richtung wie der FCZ (PPDA-Wert beim Spiel in Lugano: 6,53), so dass alle Deutschschweizer Teams nun in dieser Hinsicht „beisammen“ sind.

Positionstausch Doumbia / Dzemaili – Lösungsansatz fürs Zentrum

Taktisch trat GC wie von Züri Live vermutet aufgrund ihrer Personalsituation gezwungenermassen in einem Rhombus-System mit Viererabwehr an. Adrian Guerrero und Nikola Boranijasevic mussten so im Pressing extra weite Wege gehen (Anlaufen der gegnerischen Aussenverteidiger). Der FCZ spielte dementsprechend als Antwort auf den GC-Rhombus wie schon häufig mit einem Sechser und zwei Achtern. Ousmane Doumbia sagt in vielerlei Hinsicht die Achter-Rolle besser zu, als die des Sechsers. Der Sechser im modernen Fussball muss ein Stratege mit einem optimalen Positionsspiel sein. Das ist ganz und gar nicht die Stärke von Doumbia. Er lebt (ähnlich wie Stephan Seiler) von Spontaneität, Beweglichkeit und Energieanfällen. Um so mehr wenn der FCZ wie oben beschrieben immer mehr zu einer Pressingmannschaft wird, dann braucht es Doumbia dort, wo in so einem Fall die Bälle erobert werden sollen: nämlich vorne. Wie vor dem 2:1-Führungstreffer gegen GC, als Doumbia weit vorne Kawabe so unter Stress versetzte, dass dieser einen zu kurzen Rückpass Richtung eigenen Torhüter spielte, von welchem Tosin profitieren konnte. Als Sechser wäre Doumbia auch nicht in die Position gekommen, wie beim 1:1-Ausgleichstreffer seine Top-Flanke aus dem Halbfeld in Gaël Clichy-Manier hinter die GC-Abwehr auf Assan Ceesay zu schlagen.

Blerim Dzemaili seinerseits bringt in dieser Saison klar bessere Leistungen auf der „Sechs“, als auf der Achterposition. Er entspricht auch viel eher dem Profil des spielintelligenten Strategen und Ballverteilers mit langen Bällen. Daher wäre es sehr empfehlenswert, wenn Doumbia und Dzemaili für den Rest der Rückrunde permanent ihre Positionen tauschen würden. Auf die kommende Saison hin könnte der „Königstransfer“ des FCZ ein strategisch starker Sechser, der auch noch physische Qualitäten mitbringt, sein. Als Idealtyp einer wie der in der Vorrunde bei St. Gallen aktive Ousmane Diakité. Natürlich ist es alles andere als simpel, so einen Spieler fix zu verpflichten. Gute Perspektiven für die kommende Saison könnten das aber etwas vereinfachen. Becir Omeragic hat gegen GC auf der Sechs nicht überzeugt und in der Innenverteidigung verspricht das Trio Mets – Kryeziu – Aliti am meisten Stabilität. Unter anderem führte ein zu riskantes Zuspiel Omeragics zum 0:1-Rückstand. Auch Bledian Krasniqi konnte sich im Derby wie schon gegen Servette nicht empfehlen.

Mirlind Kryeziu, der gegen Servette noch defensiv wie offensiv stark gespielt hatte, war diesmal durchschnittlich. Der in der Vorrunde bestbenotete Tosin trotz seines Tores gar leicht ungenügend. Einige Male machte der Nigerianer aus guten Situationen am gegnerischen Strafraum oder in der Konterauslösung viel zu wenig. Wenn der Nigerianer mit Ball zu viel Zeit zum Nachdenken hat, geht es meist schief. Handelt er intuitiv und schnell, dann klappt es deutlich besser. Ante Coric hingegen bestätigte seine Vorrundenbilanz als FCZ-Kaderspieler mit der besten Plus-/Minusbilanz. Auch gegen GC kam er beim Stand von 1:1 rein und trug unter anderem mit seinem stark geschlagenen Corner zum 3:1 zu den drei Punkten bei. Das Team insgesamt hatte in diesem Derby den tiefsten Wert an Negativpunkten der ganzen Liga-Saison. Man kann also wohl konstatieren, dass es die fokussierteste Leistung der Saison war.

Nikola Boranijasevic: per Aussenrist zum MVP

Nikola Boranijasevic wurde von André Breitenreiter nicht ohne Grund bei der Auswechslung besonders innig geherzt. Dem Serben gelang in der Züri Live-Bewertung sein bisher bestes Spiel im FCZ-Trikot mit seiner ersten glatten „10“. Obwohl er diesmal kein Tor oder Assist verbuchen konnte. Sowohl bei den Offensivpunkten wie bei den Defensivpunkten und Negativpunkten schnitt Boranijasevic im Derby deutlich besser ab, als üblich. Fast schon penetrant spielte der 29-jährige einen Aussenristpass am anderen – und dies penetrant gut! Zum Beispiel das raumöffnende Zuspiel auf Doumbia vor dem 1:1-Ausgleich.

Afrika-Cup Karma an der Super League-Spitze

Er kam sah und traf! Auch direkt nach Siegen mit Gambia am Afrika-Cup hatte Assan Ceesay über Social Media Video- und Text-Nachrichten direkt aus der Kabine an die FCZ-Fangemeinde gerichtet. Er war dankbar, bei der ersten Teilnahme seines Heimatlandes an einem internationalen Turnier dabei zu sein – und freute sich gleichzeitig bereits auf die Rückkehr nach Zürich und die Rückrunde mit dem FCZ. Gambia zeichnete ähnlich wie sein Zürcher Team ein grossartiger Teamspirit aus. Der Belgische Trainer Tom Saintfiet stellte sehr variabel ein und auf – hervorragend auf die jeweiligen Gegner eingestellt. Es kamen Spieler von Dänischen Drittligisten, Englischen Viertligisten und sogar Schweizer Fünftligisten in Startformationen zum Einsatz – und kämpften sich sensationell bis in den Viertelfinal gegen Gastgeber Kamerun. Nach der Rückkehr in die Schweiz war Ceesay zwar müde, aber voller positiver Emotionen für Gambia und den FCZ – und trug ganz wesentlich zum Resultatumschwung in der 2. Halbzeit des 277. Zürcher Derbys bei.

Szenenwechsel: Basel, St. Jakob Park. In der 81. Minute des Heimspiels gegen Sion führt der FCB gemessen an den Torchancen etwas glücklich mit 3:2, als Nasser Djiga für Taulant Xhaka eingewechselt wird. Der 19-jährige ist gerade einmal neun Sekunden (!) auf dem Feld, als er im eigenen Strafraum ungeschickt von hinten bei Gaëtan Karlen aufläuft. Penalty! Der aus der FCZ Academy stammende Anto Grgic hatte den Steilpass in den Strafraum gespielt und verwandelte danach auch den Penalty zum 3:3-Ausgleich (Endstand). Anschliessend erhielt er von Schiedsrichter Piccolo Gelb wegen seiner Finger vor den Mund-Geste gegenüber der pfeifenden Muttenzerkurve. Schon zuvor hatte Grgic das Führungstor Itaitingas mit einem ideal ge-time-nten Zuspiel aufgelegt und den 2:2-Ausgleich mit einem magistralen Direkten Freistoss erzielt.

Djiga ist auch nach dieser Szene völlig von der Rolle und sorgt mit zwei unmotivierten Fehlpässen in der eigenen Platzhälfte beinahe noch im Alleingang für die Basler Niederlage – nur eine grandiose Parade Heinz Lindners gegen einen Wesley-Weitschuss verhindert dies. Die Führungsriege des FC Basel hatte Djiga die Freigabe für den Afrika-Cup verweigert, was in dessen Heimatland Burkina Faso grosse Wellen warf. Vom Rheinknie aus musste Djiga mitverfolgen, wie seine Mannschaft sich für die Achtelfinals qualifizierte und auch dort weiterkam. Einen Tag nach der Halbfinalqualifikation seines Teams durch einen 1:0-Sieg gegen den Favoriten Tunesien sass Djiga zum Auftakt der Super League-Rückrunde in Luzern 90 Minuten auf der Ersatzbank. An seiner Stelle spielte der gelernte Mittelfeldspieler Wouter Burger neben Andy Pelmard in der Innenverteidigung. Im Abwehrzentrum Burkina Fasos kamen an der Seite des gesetzten Tapsoba derweil Akteure wie Ouattara oder Dayo zum Einsatz, die in der Marokkanischen Liga engagiert sind. Den Halbfinal verlor Burkina Faso so mit 1:3 gegen den Senegal.

Die Schlüsse aus den zwei Geschichten von Assan Ceesay und Nasser Djiga soll jeder selbst ziehen. Aber es gibt Menschen, die in solchen Fällen von Karma sprechen.

Telegramm

GC – FCZ 1:3 (1:0)
Tore: 43. Schmid (Bolla) 1:0; 47. Ceesay (Doumbia) 1:1, 67. Tosin 1:3, 83. Gnonto (Ceesay) 1:3.
GC – Moreira; Bolla, Arigoni, Ribeiro (77. Lei), Lenjani; Herc (84. de Carvalho); Da Silva (65. Jordao), Schmid; Kawabe (77. Kacuri); Bonatini (65. Demhasaj), Momoh.
FCZ – Brecher; Mets, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (89. Rohner), Omeragic (54. Coric), Guerrero; Doumbia, Krasniqi (46. Ceesay); Tosin (78. Gnonto), Marchesano (78. Hornschuh).

Tosin zurück, Startelfdébut Mets, GC mit Systemumstellung! GC – FCZ Aufstellungen

Der FCZ hat im ersten Rückrundenspiel gegen Servette den Saison-Tiefstwert von 0,52 Erwartete Tore herausgespielt. Fürs Derby stehen Aiyegun Tosin (zuvor krank) und Assan Ceesay (Afrika-Cup) Trainer André Breitenreiter wieder zur Verfügung. Vor der Partie waren aber Ceesay genauso wie Kramer (kleine Verletzung beim Aussteigen aus dem Auto) und Dzemaili als fraglich gemeldet. Kramer ist tatsächlich nicht dabei, Ceesay sitzt auf der Ersatzbank. Tosin ist hingegen wieder zurück und bildet wohl mit Marchesano das Sturmduo. Becir Omeragic könnte wie in der Schlussphase gegen Servette im Mittelfeld auflaufen. Karol Mets kommt zu seinem Startelfdébut!

Bei GC sind mit Sène, Loosli und Santos gleich drei Spieler gesperrt. Petar Pusic, welcher beim letzten Derby (3:3) eine wichtige Rolle gespielt hat, fehlt weiterhin krankheitshalber. Auch Margreitter ist nicht dabei. Von den neuverpflichteten asiatischen Spielern sind Jeong und Seko noch nicht im Aufgebot. Der chinesische Verteidiger Lei sitzt zum ersten Mal auf der Bank. Gut möglich daher, dass Trainer Contini gezwungenermassen vom üblichen 3-4-1-2 abweicht. Zwei Mal in dieser Saison hat GC im 4-1-2-1-2 gespielt, was auch heute wieder zum Zuge kommen könnte.

Torschütze Krasniqi könnte einiges von MVP Kryeziu abgucken / FCZ – Servette in der Züri Live-Analyse

Der FCZ ging zum Rückrundenauftakt gegen Servette von Anfang an relativ viel Risiko und spielte intensiv. Das Gegenpressing verhinderte dabei über weite Strecken, dass Servette so wie in früheren Jahren zu einfach zu Konterchancen kam. Der FCZ spielte ansatzweise wie St. Gallen und gegen diesen Gegner bekundete Servette in den letzten Saisons meist Mühe. Yanick Brecher hatte abgesehen von einer etwas verzögerten Parade bei einem Weitschuss Imeris, beim welchem man das Gefühl hatte, der Zürcher Torhüter hätte den Ball auch mit einem Seitwärtsschritt sicher halten können, in der 1. Halbzeit nichts zu tun.

Stevanovic überall und nirgends richtig

Servette reiste sowohl ohne den bisherigen (Grejohn Kyei) wie auch den neuen (Chris Bedia) nominellen Mittelstürmer Nummer 1 an. Und da sich Alex Schalk diese Saison bisher noch nicht von seiner formstarken Seite gezeigt hat, begann der vielseitige Ronny Rodelin im Sturm. Der Franzose war dann aber der klare Schwachpunkt im Genfer Spiel. Es wirkte, als wären die Gäste aus der Calvinstadt mit einem halben Spieler weniger auf dem Platz. Miroslav Stevanovic fühlte sich bemüssigt, überall auszuhelfen. Der Bosnier war mal im Offensivzentrum anzutreffen, dann auf dem Flügel und dann rannte er vor dem eigenen Strafraum einem Zürcher nach, den Boris Cespedes aus den Augen verloren hatte. Das Ergebnis: in „seiner“ Zone am und im gegnerischen Strafraum fehlte Stevanovic dann die Kraft und / oder der Fokus.

Blitzstart von Wilfried Gnonto

Die Zürcher Anfangsphase war personell geprägt durch einen sehr engagierten Wilfried Gnonto. Servette konnte von Glück sprechen, dass Schiedsrichter San das Klammern von Servette-Verteidiger Vouilloz gegen den wirbligen Italiener im Genfer Strafraum in der 3. Minute nicht als penaltywürdig taxierte. Am Ende verloren die Grenats trotzdem erstmals ein Spiel mit dem 20-jährigen Eigengewächs in der Startformation. Auch weil San auf der anderen Seite in der 81. Minute, als ein Befreiungsschlag Kryezius im Strafraum an Boranijasevics Arm prallte, dies ebenfalls nicht als ahndungswürdige Körperverbreiterung beurteilte.

Nicolas Vouilloz geht im eigenen Strafraum riskant gegen Wilfried Gnonto zu Werke.

Eines der besten Spiele von Mirlind Kryeziu

Beim FCZ scheint sich seit dem Ende der Vorrunde nichts Wesentliches verändert zu haben. Auch die Team-Gesamtnote von 6,3 ist sehr ähnlich wie zuletzt in Lausanne und gegen St. Gallen: keine brillante Leistung, aber gut. Auch der siebte Sieg in Folge kam mit viel Willen und etwas Wettkampfglück zustande. Es war wieder einmal ein Sieg trotz schlechterem Verhältnis bei den Erwarteten Toren. Die Torchancen des Heimteams summierten sich schlussendlich bloss auf einen Wert von 0,52 – der tiefste der Saison. Stark war das Zürcher Spiel hinten heraus. Mirlind Kryeziu gelang eines der besten Spiele seiner bisherigen Karriere! Der Zürcher Abwehrturm nimmt den Schwung aus der Vorrunde mit und scheint einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Wie schon in den Vorbereitungsspielen werden viele Angriffe mit Pässen Kryezius zwischen die gegnerischen Linien lanciert. Zusammen mit dem sich ständig in Bewegung befindlichen Guerrero und dem initiativen Gnonto bildet er den Roten Faden des Teams in vorläufiger Abwesenheit des noch etwas geschonten Antonio Marchesano in der Startformation.

Torschütze Krasniqi insgesamt ungenügend

Die Aussenläufer Guerrero und Boranijasevic machen dort weiter, wo sie vor der Winterpause aufgehört haben. Wie neu aufgezogene Duracell-Hasen. Derweil bleibt die Zürcher Problemzone weiterhin das Mittelfeldzentrum. In der Zusammensetzung der Startaufstellung gegen Servette war es dieser Mannschaftsteil, an dem es gehakt hat, wenn der Ball nicht wunschgemäss schnell und direkt nach vorne gespielt werden konnte. Beim einen (Dzemaili) liegts am Alter, beim zweiten (Doumbia) an der Technik, beim Dritten (Krasniqi) an der Verspieltheit. Doumbia und Dzemaili konnten sich zumindest in der 2. Halbzeit so steigern, dass sie noch auf eine genügende Note kamen – Krasniqi hingegen hat zwar das entscheidende Tor auf Vorarbeit von Boranijasevic (viertes Assist in den letzten fünf Spielen!) erzielt – aber ansonsten in vielen Aktionen zu zögerlich oder naiv und im Gegenpressing zu wenig konsequent für Super League-Niveau agiert. Beispielsweise von Teamkollege Kryeziu könnte er einiges hinsichtlich Klarheit und Zielstrebigkeit abgucken. Mehrmals stand bei Zürcher Pressing im Genfer Spielaufbau ein Gegenspieler völlig frei – und jedes Mal hatte einer der drei Zentralen Mittelfeldspieler nicht aufgepasst, am häufigsten Krasniqi.

Ohne den Ablenker von Cespedes wäre Krasniqis Schuss wohl an den Pfosten. Abhängig vom Drall des Balles von dort wieder ins Feld, oder via Innenpfosten ins Netz.

Telegramm

FCZ – Servette FC 1:0 (0:0)
Tore: 48. Krasniqi (Boranijasevic) 1:0.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Dzemaili (75. Mets), Doumbia, Guerrero (90. Gogia); Krasniqi (75. Seiler); Kramer, Gnonto (60. Marchesano).
Servette – Frick; Diallo, Vouilloz, Sasso, Clichy; Cespedes (56. Douline); Cognat (72. Antunes), Valls (82. Oberlin); Stevanovic, Rodelin (72. Schalk), Imeri.

Sie habens im Griff, les Welsches!

Mit welcher Frage beschäftigen sich Fussballcoaches am meisten? Viele Beobachter gehen ja davon aus, die Profi-Trainer würden sich den ganzen Tag mit Gedanken an die Taktik, die Verletztensituation und den nächsten Gegner den Kopf zerbrechen. Nur teilweise richtig. Wie das Institut für Sozialpsychologie der Universität Schwurblingen in ihrer neusten Studie herausgefunden hat, ist bei der Liste von Fragen, mit welcher Fussballcoaches tatsächlich die meiste Zeit verbringen an erster Stelle: „Was ziehe ich an: Trainerkombi oder Anzug?“. Wenn man es sich recht überlegt, ist es wahrscheinlich die komplizierteste Frage, die sich ihnen stellt, und manche kommen ihre ganze (meist allzu kurze) Karriere nie zu einer befriedigenden Antwort. „Bin ich auch ein Mitglied der Mannschaft – oder nicht? Und wie soll ich dies mit meiner Kleidung ausdrücken? Was gibt mir Autorität? Was Sympathie? Beim Team? Beim Publikum? Was davon ist wichtiger? Wie kann ich vermitteln, dass dieses Spiel entscheidend ist und wir den Gegner ernst nehmen müssen? Wie zeige ich Identifikation mit meinem Verein? Wie komme ich sowohl während dem Spiel wie auch danach beim TV-Interview adäquat rüber? Welche Kleidung gibt mir beim Herumfuchteln an der Seitenlinie genügend Bewegungsfreiheit? Welche verhindert in ihrer besänftigenden optischen Wirkung am ehesten, dass mich der Schiri auf die Tribüne schickt? Welche ist bei einem Wetterumschwung am polyvalentesten? Was macht in den Fussball-Chefetagen am meisten Eindruck? In welchem Outfit werde ich zum Trainer des Jahres?“ Alain Geiger hat die Lösung auf alle diese Fragen gefunden. Wir sehen ihn im Letzigrund während dem Spiel gegen den FC Zürich: Hemd, oberster Knopf offen, darüber ein sportliches Gilet mit Klub-Logo. Die Polsterung (zusammen mit einer gesunden Walliser Konstitution) erlaubt es, auch im Januar in einem Leichtathletikstadion einen offenen Business Casual-Mantel ohne Knöpfe zu tragen, welcher den Blick auf das Klub-Logo freigibt. Alles farblich gut aufeinander abgestimmt. Sie habens im Griff, les Welsches!

Krasniqi beginnt, Marchesano und Mets Ersatz / FCZ – Servette Aufstellungen

Sowohl der FCZ wie Servette hatten vor der Winterpause resultatmässig eine sehr gute Phase. Beide haben Neuverpflichtungen getätigt, der FCZ allerdings zu einem früheren Zeitpunkt als die Genfer. Darum ist Karol Mets heute bereits einsatzfähig und bei den Grenats Bedia und Bauer nicht. Ausserdem wird in typischer Servette-Manier Grejohn Kyei, der seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern will, ebenfalls nicht nach Zürich mitgenommen. Allerdings beginnt Mets heute auf der Ersatzbank genauso wie Marchesano. Bledian Krasniqi beginnt in der Startformation.

Bei Servette wird wohl Ronny Rodelin die Sturmposition einnehmen und Kastriot Imeri am Flügel auflaufen. Der ehemalige FCZ-Jungspieler Dimitri Oberlin sitzt auf der Ersatzbank.

Tosin Notenbester, Plus- / Minusbilanz spricht für Coric – Halbzeitanalyse, Teil 8

Nach der Beleuchtung der verchiedensten Offensiv-, Defensiv- und Teamaspekte folgt heute die Gesamtbewertung der Einzelleistungen der FCZ-Profis in der Vorrunde. Den besten Notenschnitt hat mit 8,2 der gegen das Ende der Runde eingreifende Tosin erreicht. Dahinter folgen Marchesano, Ceesay, Guerrero und Seiler alle ebenfalls mit einem Notenschnitt von mindestens „7“. Zum Vergleich: den letztjährigen besten Notenschnitt hatte Umaru Bangura mit 8,0 – allerdings war dies sein einziger Saisoneinsatz für den FCZ (zudem im Cup). Dahinter folgten der nur phasenweise spielende Lasse Sobiech (7,5) und Joker Fabian Rohner (7,3). Trotz insgesamt starker Vorrunde hat ein Drittel der Mannschaft eine ungenügende Durchschnittsnote.

Antonio Marchesano langjähriger Leistungsträger und „Extremely Valuable“ auswärts zu Beginn der Saison

Am häufigsten Most Valuable Player war diese Vorrunde Antonio Marchesano. Fünf dieser Auszeichnungen erhielt der Tessiner in den ersten sieben Saisonpartien zugesprochen, und zwar war er in dieser Phase in allen Auswärtspartien der beste Zürcher: in Lugano, Luzern, Solothurn, St. Gallen und Bern. Im Dezember war er dann beim 4:0 gegen Luzern erstmals in dieser Vorrunde in einem Heimspiel der MVP.

Antonio Marchesano war auch von den langjährigen Kaderspielern der mit Abstand konstanteste und fiel in keiner Halbserie unter die Durchschnittsnote „6“. Tosin ist nach einer ganz schwachen Saison 20/21 zuletzt nach einer langwierigen Verletzung „wie Phönix aus der Asche“ auf dem Platz „auferstanden“. Ahnliches gilt für Mirlind Kryeziu, dessen steiler Abstieg nach der starken Vorrunde 19/20 anhand der Züri Live-Noten plastisch ersichtlich ist. Assan Ceesay hatte schon immer in der Vorrunde, vor allem in den ersten drei Monaten, bessere Leistungen gezeigt, als in der Rückrunde. Becir Omeragic und Blaz Kramer konnten sich nach ungenügenden Rückrunden 20/21 ebenfalls steigern.

Guerrero hat bessere Unterstützung von hinten als Boranijasevic

Yanick Brechers Züri Live-Noten fielen nach einem sehr guten Saisonstart nach einem Saisondrittel in den ungenügenden Bereich. Seither ging es langsam, aber stetig wieder bergauf.

Mirlind Kryeziu hatte während grossen Teilen der Vorrunde unter den Zentralen Abwehrspielern die beste Durchschnittsnote. Seine beste Phase begann mit dem Cupspiel beim ehemaligen Leihklub Kriens mit einer Steigerung auf das zweite Derby hin und einer Durchschnittsnote von über “8“ über einen gleitenden Durchschnitt von fünf Partien. In der Schlussphase der Vorrunde steigerte sich dann Fidan Aliti zum verlässlichsten Innenverteidiger mit vermehrten Offensivimpulsen. Becir Omeragic, der in der Phase auf das Cupspiel in Kriens hin in den ungenügenden Bereich rutschte, blieb genauso wie Lindrit Kamberi fast durchweg auf einem tieferen Notenniveau. Dementsprechend genoss Adrian Guerrero jeweils etwas bessere Unterstützung auf seiner Seite als Nikola Boranijasevic und konnte dementsprechend auch die ganze Vorrunde hindurch ohne Gegentor im Aufbauspiel des Gegners über seine Seite bleiben.

Adrian Guerrero repräsentiert mit seiner pointierten Leistungskurve die Mannschaft als Ganzes am besten: nach einem Super-Start ein Leistungsabfall verbunden mit taktischen Experimenten – und dann ab etwa Vorrundenmitte wieder eine kontinuierliche Steigerung bis zu den sechs Siegen in Serie am Ende. Noch extremer verlief die Notenkurve bei Fabian Rohner, der von einer 8,5 nach dem Solothurn-Spiel bis auf etwa eine „3“ nach dem zweiten Derby runterfiel. Danach gab es wieder eine klare Steigerung. Allerdings waren bei ihm die letzten drei Partien im Gegensatz zu vielen anderen Akteuren im Kader dann wieder ungenügend. Boranijasevics Kurve war konstanter und abgesehen vom ersten Spiel in Lugano immer im genügenden Bereich – aber in der Regel unter derjenigen von Guerrero.

Viele ungenügende Leistungen im Zentrum

Auf den Zentralen Positionen lag in der Vorrunde der grösste Schwachpunkt der Mannschaft. Ousmane Doumbia war der einzige Spieler, der sich konsistent im genügend bis guten Bereich bewegte. Für Marc Hornschuh könnte man dies ebenfalls sagen, wenn man den Beginn und das Ende der Vorrunde ignorieren würde. Bledian Krasniqi bewegte sich nur kurze Zeit rund um das Cupspiel in Yverdon und dann wieder ganz am Ende im genügenden Notenbereich. Bei Blerim Dzemaili, der in Bern mit Tiefstnote „1“ startete, war es danach ähnlich wie bei Krasniqi – nur auf einem um eine halbe Note tieferen Level. Moritz Leitner (tiefste Durchschnittsnote) brachte zwar in einigen Phasen Struktur ins Zürcher Spiel, war aber dem Tempo und den defensiven Anforderungen auf seiner Position häufig nicht gewachsen und schaffte es die ganze Vorrunde hindurch nie auf ein genügendes Level.

Cup-Out in Yverdon für Pollero fatal

Rodrigo Pollero hatte drei schlechte und drei knapp genügende Auftritte zu Beginn der Saison. Mitentscheidend dafür, dass er in der zweiten Phase der Vorrunde nicht mehr berücksichtigt wurde, war die Cupniederlage in Yverdon, wo Pollero trotz eines Assists insgesamt knapp ungenügend war und sehr viele Torchancen vergab. Auch andere Spieler, die in Yverdon eine Chance erhielten, wurden danach kaum mehr berücksichtigt. Trainer Breitenreiter scheint stark auf die Punktestatistik zu schauen. Fussball ist ein Mannschaftssport, in welchem die Einzelleistung zwar detailliert analysiert werden kann, aber trotzdem am Ende manchmal unsichtbare Feinheiten entscheiden. Dies spricht für eine starke Gewichtung einer Punktestatistik oder Plus-/Minusbilanz. Mit Blaz Kramer und Tosin beispielsweise hat das Team diese Saison bisher immer gewonnen.

Da nutzte Pollero auch nichts mehr, dass seine Leistungen bei den beiden Unentschieden gegen GC und Basel vor und nach der Cuppartie in Yverdon gut gewesen waren. Im Gegensatz zu anderen nicht mehr berücksichtigten Spielern wählte der Uruguayer in der Winterpause die Wechseloption und spielt nun ausgeliehen von Schaffhausen bei Lausanne-Sport. Bei den Waadtländern klaffte in der Vorrunde auf der Sturmposition eine grosse Lücke. Akaki Gogia hatte mit dem ersten Derby und dem Heimspiel gegen Basel und weiteren Aktionen einzelne Glanzpunkte, blieb aber weitgehend im ungenügenden Bereich. Ante Coric begann sehr gut in Kriens und gegen Servette und hatte danach zuerst einen leichten und später einen deutlichen Leistungsabfall.

Ceesay bleibt auch während Torflaute wichtig

Blaz Kramer ist trotz Steigerung gegen Ende der Vorrunde noch nicht richtig in der Saison angekommen. Tosin hingegen explodierte „von 0 auf 100“ und war ein wichtiger Faktor des erfolgreichen letzten Drittels. Genauso wie Gnonto, der sich nach einem Auf und Ab zum Ende der Vorrunde hin immer besser durchsetzen konnte und sich zu einem mindestens gleichwertigen Stammplatzkandidaten im Sturm gemausert hat. Auch wenn die Tor- und Assistproduktion von Assan Ceesay wie üblich im Verlauf der Vorrunde zurückging, blieben seine Leistungen insgesamt konstant gut. Der Gambier behielt seine in dieser Vorrunde neu gewonnene Ballsicherheit bei und verrichtete wertvolle Arbeit für die Mannschaft. Antonio Marchesano hatte nach einem Traumstart eine kontinuierlich nach unten zeigende Notenkurve. Wenn eine solche sinkende Kurve am Ende der Vorrunde aber trotzdem in der Region einer „6,7“ landet, dann kann man trotzdem nicht wirklich ein negatives Fazit ziehen. Tonino bleibt wie in den letzten Jahren wohl DER konstante Leistungsträger schlechthin im Zürcher Team.

Top oder Flop gegen Servette und YB

Interessant die Statistik des Züri Live-Notenschnitts der Mannschaft in Abhängigkeit des Gegners in den letzten zweieinhalb Jahren. Lausanne-Sport liegt dem Team offenbar am besten. Der Gesamtnotenschnitt liegt knapp über 6,0. Die tiefsten Noten hatte die FCZ-Mannschaft hingegen gegen Vaduz, Chiasso und Wil. Erstaunlich wie beispielsweise die Durchschnittsnote in den vier Partien gegen Vaduz letzte Saison jeweils fast identisch war. Mit diesem Gegner hatte man konstant grosse Mühe. Gegen Lugano, Thun oder GC war man konstant, gegen Basel präsentierten sich die Leistungen auch vorwiegend gut. Eine grosse Bandbreite an Leistungen gab es hingegen gegen Servette, YB, Luzern oder Xamax. Gerade gegen Servette und YB gab es Auftritte, die zu den besten und zu den schlechtesten in den letzten zweieinhalb Jahren gehörten.

Dzemaili und Leitner mit den meisten schlechten Aktionen

Neben den Pluspunkten im Offensiv- und Defensivverhalten, fliessen auch Negativpunkte in die Benotung ein. Diese Wertung wird erstmals auch publiziert. So gab es beispielsweie aufgrund von unnötigen Ballverlusten, schlechter Defensiv- oder Offensivarbeit für Blerim Dzemaili 16 Negativpunkte und für Moritz Leitner 15,5 Negativpunkte pro 90 Minuten. Auch Gogia, Coric, Wallner, Pollero oder Kramer hatten viele Negativpunkte zu verzeichnen. Bei einem Ousmane Doumbia oder Nikola Boranijasevic werden die ebenfalls überdurchschnittlichen Negativpunkte in der Regel durch ihre ebenfalls zahlreichen Pluspunkte mehr als kompensiert. Adrian Guerrero ist hingegen im Vergleich mit Boranijasevic etwas disziplinierter, präziser und weniger fehleranfällig und hat darum eine etwas bessere Gesamtbilanz. Abgesehen von den Torhütern am wenigsten Negativpunkte pro 90 Minuten haben Assan Ceesay und Fidan Aliti erhalten. Tosin scheint im Vergleich zu früher solider und reifer geworden zu sein.

Die Negativpunkte pro 90 Minuten haben bei Ante Coric im Verlauf der Vorrunde kontinuierlich stark zu genommen. Pollero hat sich hingegen im -Verlauf der Vorrunde im „oberen“ (schlechteren) Mittelfeld bei rund 9 Negativpunkten pro 90 Minuten stabilisiert. Dzemaili fiel nie unter einen Wert von 13 und gegen Ende der Vorrunde nahm dieser auf etwa 17 zu. Bei Leitner hingegen waren die Negativpunkte nach dem Peak rund um das zweite Derby mit der Zeit auf den immer noch hohen Wert von etwa 12 pro 90 Minuten zurückgegangen.

Auch Wilfried Gnonto hatte seinen Peak an Negativpunkten rund um das zweite Derby und konnte diese danach stark reduzieren auf noch vier Negativpunkte pro 90 Minuten am Ende der Herbstrunde. Kramers Negativpunkte waren zum Ende der Vorrunde hoch. Doumbia und Boranijasevic hatten eine konstante Entwicklung im oberen Mittelfeld.

Bei der absoluten Zahl an Negativpunkten liegt Ousmane Doumbia klar an der Spitze vor den in der Regel auf der rechten Seite agierenden Boranijasevic und Omeragic. Dzemaili hat in 721 Spielminuten gleich viel Negativpunkte erhalten wie Marchesano in mehr als der doppelten Spielzeit.

Blaz Kramer als lebendes „Maskottchen“

Lindrit Kamberi, Stephan Seiler, Blaz Kramer und Tosin haben eine makellose Punktebilanz vorzuweisen. Im Falle von Kramer waren das neun Spiele! Bei den ersten drei der Serie von vier Siegen zum Saisonbeginn war der Slowene genauso dabei wie als dem Team mit Kramers Rückkehr eine Serie von sechs Siegen zum Schluss gelang. Gegen die beiden Spitzenteams Basel und YB stand er dabei nur ein Mal (1:0-Heimsieg gegen die Berner) auf dem Platz. Der 25-jährige ist also das lebende „Maskottchen“ der Mannschaft. Eine vergleichsweise schlechte Punktebilanz weisen Moritz Leitner, Ante Coric, Akaki Gogia oder Rodrigo Pollero auf. Dies hatte sicherlich Einfluss auf ihre Einsatzzeiten und wog schwerer als ihre teilweise guten Statistiken bezüglich gewisser Einzelaspekte.

Punktebilanz täuscht: Plus- / Minusbilanz spricht stark für Ante Coric

Züri Live errechnete zudem erstmals nach Vorbild des Eishockeys eine Plus- / Minusbilanz (Tore minus Gegentore bei denen ein Spieler auf dem Platz stand). Hier liegt erstaunlicherweise (pro 90 Minuten) Ante Coric an erster Position, der gleichzeitig die zweitschlechteste Punktebilanz und im Verlauf der Vorrunde einen Negativtrend bezüglich mehrerer Indikatoren zu verzeichnen hatte. Der FCZ schoss pro 90 Minuten, in denen Coric auf dem Platz stand, 2,5 Tore mehr als der Gegner! Der Kroate verliess gegen Servette und in Basel den Platz, als das Resultat noch besser war, als am Ende. Bei Einwechslung Coric standen die Heimpartien gegen Sion, Lugano und YB unentschieden – mit ihm gewann man diese Spiele noch. Gegen Basel wurde er bei Rückstand eingewechselt und es gab noch ein Unentschieden. Speziell positiv auf seine Statistik wirkt sich das Sion-Spiel aus, als die auf der Kippe stehende Partie drei Minuten nach Corics Einwechslung in die Bahnen eines FCZ-Sieges gelenkt wurde und der Gegner danach noch „auseinanderfiel“ und vier Tore kassierte. Corics im Vergleich zu den Mitspielern eher schlechte Punktebilanz erklärt sich dadurch, dass er tendenziell eher gegen in der Vorrunde gute Gegner auf dem Platz stand. So war er gegen Basel beide Male dabei, gegen St. Gallen hingegen beide Male nicht. Die ebenfalls sehr gute Plus- / Minusbilanz pro 90 Minuten von Tosin und Kramer erstaunt angesichts ihrer Punktebilanz hingegen nicht.

Negativer Eindruck von Leitners Vorrunde bestätigt sich in der Plus- / Minusbilanz

In den anderen Mannschaftsteilen haben Kamberi, Boranijasevic, Dzemaili und Brecher die beste Plus-/Minusbilanz pro 90 Minuten. Die einzigen Spieler mit einer negativen Plus-/Minusbilanz sind die beiden Deutschen Leitner und Hornschuh. Wenn Leitner auf dem Platz stand erzielten die Gegner ein Tor mehr als der FCZ über 90 Minuten, was nach einer punktemässig so guten Vorrunde eine äusserst schlechte Bilanz ist. Dass Leitner dementsprechend auch den schlechtesten Züri Live-Notenschnitt aufweist, ist dementsprechend nicht verwunderlich. Auch die jungen Seiler, Rohner und Wallner können nicht ihre Plus- / Minusbilanz als Argument für mehr Einsatzzeit als Argument vorbringen, wobei Seilers und Wallners Gesamteinsatzzeit zu klein ist, um diesbezüglich fundierte Aussagen zu machen.

Mirlind Kryeziu fehlte bei höchster Vorrundenniederlage

In absoluten Zahlen hat Mirlind Kryeziu beim FCZ mit +21 die beste Plus- / Minusbilanz in Ligaspielen. Er fehlte bei der 0:4-Niederlage in Bern und hat deshalb eine um vier Tore bessere Bilanz als der über die volle Spielzeit durchspielende Yanick Brecher. Auch Boranijasevic und Doumbia liegen knapp über der Teambilanz über die 18 Vorrundenspiele von +17.

Halbzeitanalyse, Teil 1 – Erfolgsfaktoren, Folgerungen und Ausblick

Halbzeitanalyse, Teil 2 – Mehr Gegentore auf Konter und Weitschüsse

Ceesay defensiv schon vor zwei Jahren mit Quantensprung / Halbzeitbilanz 21/22, Teil 3

Für welchen Gegner welche Taktik? – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 4

Tosin, Marchesano und Gnonto die Offensivstützen – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 5

Ende Flaute: Boranijasevic effektiv über rechts – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 6

Tosin und Pollero die produktivsten Torschützen, Ceesays Fehlen zum Start kein Nachteil – Halbzeitanalyse, Teil 7

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