Mit Demut und Pragmatik den Bann gebrochen / FCZ – YB in der Züri Live-Analyse

Nach sieben langen Jahren ist der Bann gebrochen. Der FCZ gewinnt erstmals wieder in der Super League gegen YB. In dieser ganzen Zeit hatte man nie wirklich aus den Misserfolgen gegen die Berner gelernt. Eine solche Partie auf Züri Live in voller Länge zu kommentieren, welche trotz „guten Ansätzen“ zum dutzendsten Mal auf das übliche 0:4 zusteuerte, wurde mit der Zeit qualvoll. Man fragte sich immer wieder: Warum kann der FCZ nicht mal gegen YB so aufspielen, wie dies Servette immer wieder zustande bringt? Oder zumindest einen Punkt ermauern wie Lugano oder GC?

FCZ verwickelt YB in viele Zweikämpfe

Nur die Formbaisse YB’s hätte auch diesmal nicht gereicht. Es brauchte wirklich die davor jahrelang in solchen Spielen fehlende Pragmatik und Demut des Trainerduos Breitenreiter / Scholtysik, um die unheilvolle Serie zu brechen. Die Idee, der FCZ müsse auch gegen einen Gegner wie YB mitspielen, wurde hochkant über Bord geworfen. Der verführerische Stolz überwunden. Der FCZ stand deutlich tiefer als noch im mit 0:4 verlorenen Hinspiel im Wankdorf und verteidigte auf allen Positionen Eins zu Eins, Mann gegen Mann – und dies fokussiert sowie diszipliniert. Dies war auch notwendig, denn bei Aussenläufern, welche die gegnerischen Aussenverteidiger angreifen und einer Dreierabwehr, die sich Mann gegen Mann um den YB-Dreimannsturm kümmert, war in der Regel keine Absicherung vorhanden. Hefti und Garcia versuchten jeweils mit Vorstössen mit Ball am Fuss Richtung Zentrum die Blockade zu brechen, ihre Doppelpässe seitlich in der Angriffszone waren aber nicht erfolgreich. Viele Zweikämpfe, Fouls und Einwürfe brachen den Rhythmus des Spiels, was Aussenseiter FCZ zugute kam. Der Spitzenkampf wurde so schlussendlich zu einem der ereignislosesten Super League-Spiele der letzten Jahre. Normalerweise füllen die Notizen von Züri Live zu einem analysierten Spiel fünf bis sechs A4-Seiten – diesmal knapp anderthalb.

Ein Spiel für Fidan Aliti

Beide Mannschaften kamen kaum zu Abschlüssen. Die mit Abstand beste Torchance der 1. Halbzeit hatte Adrian Guerrero alleine vor YB-Keeper Guillaume Faivre nach Vorarbeit von Ceesay, Dzemaili, Doumbia und Aliti. Es war eine Abwehrschlacht mit 140 Top-Defensivaktionen, eine Partie, in welcher ein Fidan Aliti wieder mal so richtig in seinem Element war – so wie es letzte Saison häufiger der Fall gewesen war. Szenenapplaus erhielt der Linksfuss in der 38. Minute, als er im eigenen Strafraum auf dem Hintern rutschend Meschack Elia gezielt den Ball wegstibitzte. Mirlind Kryeziu hatte seinen Gegenspieler Jordan Siebatcheu fast komplett im Griff – so eng wurde in dieser Saison wohl noch kein Gegenspieler vom FCZ gedeckt. Becir Omeragic setzte zusätzlich zu seiner guten Defensivarbeit Offensivakzente.

Ante Coric desorientiert und unkonzentriert

In der 1. Halbzeit hatte das Zürcher Mittelfeldzentrum defensiv grosse Probleme. Dzemaili und Doumbia hatten ihre Positionen vor der Abwehr gegen Aebischer und Sierro nicht im Griff und waren in der Rückwärtsbewegung zu langsam. Antonio Marchesano musste nach zwei hohen Beinen gegen Christopher Martins vorsichtshalber schon vor der Pause ausgewechselt werden. Sein Ersatz Ante Coric wirkte desorientiert. Seine lasche Körpersprache setzte sich nahtlos fort in unüberlegte Aktionen. In der Nachspielzeit war das schlechte Zweikampfverhalten des Kroaten hauptverantwortlich dafür, dass Aebischer zu seinem Pfostenschuss (beste YB-Chance der Partie) kam und anschliessend nach einem unnötigen Foul Corics an Fabian Lustenberger nochmal einen Freistoss in Strafraumnähe treten durfte.

Probleme im Zentrum und „Maskottchen“ Kramer

Offensiv wurde das Zürcher Mittelfeldzentrum sowieso in der Regel mit Hohen Bällen aus der Hintermannschaft auf die Forwards überspielt und “innen vor“ gelassen. Dzemaili mit seinen Schwankungen zwischen Übermotivation und Passivität war erneut einer der fehlerbehaftetsten Spieler beim FCZ – diesmal wurde dies aber durch überdurchschnittlich viele gelungene Defensivaktionen (mehr als) kompensiert. Nach der Pause konnten sich Dzemaili und Doumbia dann steigern, ohne allerdings ihre Fehler ganz abstellen zu können. Bei Blaz Kramer verlief die Formkurve umgekehrt: mit mehreren engagierten und effektiven Defensivsprints und guten Kopfballweiterleitungen in die Partie gestartet, baute der Slowene nach der Halbzeitpause stark ab. Die Trainer scheinen ihn auch etwas als das „Maskottchen“ des Teams zu sehen – 6 Einsätze, 6 Siege. Mit weniger Einsätzen eine hundertprozentige Siegquote haben bisher auch Tosin, Kamberi und der zur Zeit zwischen Ersatzbank und Militärdienst pendelnde Seiler.

Joker Tosin nutzt Berner Schwachstelle

Wie so häufig in der Super League kam der FCZ in einem typischen 0:0-Spiel schlussendlich durch die Ausnutzung der Schwachstelle des Gegners zum Erfolg. Die Aussenverteidiger-Backups Lefort und Maceiras vermögen mit dem Niveau des Restes der gelb-schwarzen Mannschaft nicht mitzuhalten. Der zum dritten Mal eingewechselte Comebacker Tosin brachte zum dritten Mal entscheidende Impulse, stibitzte Maceiras im Pressing den Ball weg, bediente erst Doumbia, dann Boranijasevic, dieser liess ebenfalls Maceiras aussteigen und brachte mit dem schwächeren linken Fuss eine butterweiche für die Berner Abwehrreihe nicht zu verteidigende Flanke auf den mit idealem Timing startenden Wilfried Gnonto. Der 18-jährige Italiener feierte sein zweites Super League-Kopfballtor.

Telegramm

FCZ – YB 1:0 (0:0)
Tor: 83. Gnonto (Boranijasevic) 1:0.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Dzemaili (65. Hornschuh), Doumbia, Guerrero; Marchesano (42. Coric); Ceesay (82. Tosin), Kramer (65. Gnonto).
Young Boys – Faivre; Hefti, Bürgy (86. Lustenberger), Lauper, Garcia (62. Maceiras); Martins (84. Kanga); Aebischer, Sierro (62. Rieder); Elia (62. Mambimbi), Siebatcheu, Moumi.

Promo für den Schweizer Fussball! Bilanz des ersten Jahrzehnts Promotion League und Bewertung der SFV-Spielklassen-Reform

Der Schweizerische Fussballverband hat entschieden, ab der Saison 2022/23 die Spielklassenstruktur von der Promotion League über die 1. Liga bis zur 2. Liga Interregional leicht anzupassen.

Neue SFV-LigastrukturQuelle: football.ch

Die U21 des FC Zürich ist seit dem Start der Promotion League 2012/13 in dieser eingleisigen „Dritten Liga“ des Schweizer Fussballs dabei. 16/17 und 17/18 erreichte das Heerenschürli-Team mit Izer Aliu, Toni Domgjoni, Kevin Rüegg, Fabian Rohner und Co. jeweils den 5. Platz. Die letzten drei Jahre war man eher im Abstiegskampf involviert.

U21-Kader sind zu 80-90% tatsächlich „U21“

Bisher war die Anzahl der U21-Teams in der Promotion League auf maximal vier limitiert. Tatsächlich waren zuletzt nach dem Abstieg von St. Gallen volle fünf Jahre durchgängig nur drei Reserve-Teams (FCB, FCZ und Sion) in der obersten Amateuerklasse gewesen. Basel war dabei der einzige Klub, der es in all den Jahren schaffte, mit einem (fast) reinen U21-Team jeweils die Klasse zu halten. Die Rotblauen setzten höchstens punktuell aus Verletzungen zurückkommende Kaderspieler der 1. Mannschaft in ihrer Zweiten Mannschaft ein – abgesehen von jungen Offensivtalenten, die formell zur Ersten Mannschaft gehörten, aber dort aufgrund der grossen Konkurrenz wenig Chancen auf Einsätze hatten.

YB hat beim Aufstieg diesen Sommer am Ende einer verkürzten Saison davon profitiert, dass die U21-Teams gegenüber den Amateurmannschaften aufgrund der Coronasituation einen klaren Vorteil hatten. Die Berner fahren diese Saison im „Oberhaus“ eine ähnliche Linie wie der FCB. Dass der FC Sion sich so lange in der Promotion League hat halten können, liegt vor allem an einer trotz tiefer Einwohnerzahl, grosser Distanzen und hoher Wintersportaffinität erstaunlich produktiven Walliser Nachwuchsarbeit. Gleichzeitig spielen aufgrund der überdurchschnittlichen Grösse des Profikaders einzelne Profis konstant in der Reserve.

FCZ: Rodriguez und Montolio als erfahrene Verstärkungsspieler

Der Weg des FCZ lag in den letzten Jahren irgendwo in der Mitte zwischen diesen Polen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat man die U21 zuletzt nicht mehr so regelmässig wie früher zur Heranführung von Spielern aus dem Super League-Kader nach Verletzungen benutzt. Stattdessen wurde das U21-Kader mit ein bis zwei gestandenen Führungsspielern verstärkt – tendenziell ein Innenverteidiger und ein Mittelstürmer. Aktuell agiert in der Zentralen Abwehr der 25-jährige aus dem Villarreal-Nachwuchs stammende Genis Montolio (rund 75 Partien auf Drittliganiveau in Spanien) sowie weiter vorne der zurückgekehrte Schwamendinger Mittelfeldtechniker Roberto Rodriguez (31). Theoretisch gehört auch noch Stürmer Shani Tarashaj (26) dazu, aber dieser spielt ebenso zur Zeit keine Rolle wie José Gonçalves (36), welcher mittlerweile als Teammanager häufig für die 1. Mannschaft unterwegs ist.

U21-Teams im Spitzenamateurfussball mitentscheidender Faktor für Erfolg der Nati

Aus rein egoistischer Sicht hätte der FCZ eher gegen die Reform sein müssen, um den Vorteil der Höherklassigkeit gegenüber der Mehrheit der Konkurrenten beibehalten zu können. Was zählt ist aber die Nützlichkeit eines Ligasystems für den Schweizer Fussball insgesamt. In Sachen Schweizer Nachwuchsförderung ist die Anpassung der Spielklassenstruktur eine gute Sache. Die Schweiz hat in der Talententwicklung viele Nachteile, wie der aufgrund der geringen Bevölkerungszahl eingeschränkte Talentpool oder ein fehlender Titel auf A-Nationalteam-Stufe als Referenz. Der grösste Vorteil im Vergleich mit vielen anderen Ländern war in den letzten Jahren hingegen immer, dass die Schweizer Jungs dank der Integration der U21-Teams in den Spitzenamateurfussball in der Regel in jüngerem Alter zu regelmässigen Wettbewerbspartien gegen Männerteams kommen.

Zwei Wege führen nach Rom über den Spitzenamateurfussball

Ähnlich wie die besten Mädchen enorm davon profitieren, gegen Jungs spielen zu können, profitieren Jungs davon, schon früh gegen richtige Männer antreten zu dürfen. Kein Training und kein Test kann eine solche Wettkampferfahrung ersetzen! Dies zeigt sich immer wieder in den internationalen Vergleichen auf Junioren-Nationalteamstufe und später auch in der A-Nationalmannschaft. Die grosse Mehrheit der aktuell erfolgreichen Nati hat in jungen Jahren einen ganz entscheidenden Schritt in Richtung nationale und internationale Reife im Spitzenamateurfussball genommen – sei es innerhalb oder wie im Fall von Renato Steffen oder Christian Fassnacht gar ausserhalb einer professionellen Fussball-Akademie! So holt man sich schon früh die Wettkampfhärte und Frechheit, um einem Paul Pogba in einem EM-Achtelfinal in der entscheidenden Szene den Ball vom Fuss zu klauen. Der Vorteil eines Manuel Akanji, Yann Sommer, Denis Zakaria, Noah Okafor, Xherdan Shaqiri oder Djibril Sow gegenüber einem Steffen oder Fassnacht war, dass sie neben den wertvollen Einsätzen gegen Top-Amateurteams in den Akademien zusätzlich zahlreichere und in aller Regel bessere Trainings hatten.

Ewige Rangliste Promotion LeagueQuelle: Transfermarkt.ch, Stand: 2.12.21

Promotion League oder 1. Liga Classic?

Der grosse Vorteil einer U21 auf Stufe Promotion League ist sicherlich, dass diese im Vergleich zur 1. Liga Classic oder 2. Liga Interregional nicht nur physisch, sondern auch technisch und taktisch gefordert wird. Rund die Hälfte der Spieler der Promotion League-Teams hat zumindest Challenge League-Erfahrung. Vor allem ist der Schritt von der Promotion League in die Challenge League oder Super League weniger gross.

Welche Vorteile hat die 1. Liga? Die grössten Talente in einem U21-Team sind in der Regel nicht die am häufigsten sondern die jüngsten eingesetzten Spieler. Im Team von 12/13 (siehe Grafik weiter oben) also Nico Elvedi, Saidy Janko, Francisco Rodriguez oder der später verletzungsgeplagte Marvin Graf – oder heute Stürmer Labinot Bajrami (stammt ursprünglich vom FC Winterthur und ist über einen durch die „Malenovic-Affäre“ ziemlich kurzen Zwischenschritt bei GC im Heerenschürli gelandet).

Würden diese Top-Talente, um die es im Hinblick auf die 1. Mannschaft ja schlussendlich mehrheitlich geht, eine Stufe tiefer in der 1. Liga mehr zum Einsatz kommen? Antwort: ein bisschen ja. Das Hauptkriterium für den richtigen Zeitpunkt ihres ersten Einsatzes im Erwachsenenfussball ist allerdings der physische Entwicklungsstand und diesbezüglich gibt es zwischen der 1. Liga und der Promotion League keinen allzu grossen Unterschied.

Punkte pro Saison Promotion LeagueQuelle: Transfermarkt.ch, Stand: 2.12.21

Mehr als 40 Profiteams`! Die Schweiz am oberen Rand ihrer Möglichkeiten

Die in der Promotion League, 1. Liga und 2. Liga Interregional engagierten Männer sind genauso wie die Frauen der Women’s Super League Spitzenamateure und bewegen sich somit in einem gleichzeitig sehr abwechslungs- wie anforderungsreichen Alltag als ambitionierte Sportler mit Beruf, Ausbildung und teilweise auch schon eigener Familie. Das Zuschauerpotential reicht auf diesen Stufen nicht aus, um mit den geringen Einnahmen den Spielern und Spielerinnen echte Saläre bezahlen zu können. Dabei unterstützen die sportbegeisterten Schweizer ihre Lieblingsteams so treu in den Stadien, dass mehr als 40 Profimannschaften mit entsprechend Tausenden von Arbeitsplätzen in Fussball und Eishockey unterhalten werden können. Das ist sehr viel. Das deutsche Bundesland Niedersachsen beispielsweise (gleiche Einwohnerzahl wie die Schweiz) hat in Fussball, Eishockey, Handball und Basketball zusammengenommen rund 10-15 Profimannschaften. Auch wenn man berücksichtigen muss, dass Teile Niedersachsens zu den Einflussgebieten Hamburgs und Bremens gehören, steht die Schweiz im Vergleich sehr gut da.

Deshalb ist die Spitze der Schweizer Fussballpyramide mit zwei 10er-Ligen ideal. Da die Challenge League unter Profibedingungen betrieben werden kann, sind die Spieler und Klubs mit der Super League konkurrenzfähig und bieten daher das ideale Biotop für den letzten Schritt zum Spitzenniveau. Was passiert, wenn ein Land von der Grösse der Schweiz die obersten Ligen zahlenmässig verwässert, sieht man aktuell sehr schön am Beispiel von Österreich, wo das einst sehr ansehnliche sportliche Niveau der zweithöchsten Liga innert kürzester Zeit in den Keller gesunken ist. Was eine Ligavergrösserung in der Super League oder Challenge League alles für schädliche Auswirkungen auf Talentförderung, Zuschauerzahlen, Arbeitsplätze und den sportlichen Wettbewerb hätte, erklärt der folgende Artikel: Vergeudetes Talent, weniger Zuschauer, geschlossene Liga: Warum eine Aufstockung der Super League für den Schweizer Fussball gefährlich wäre.

Mehr regionale Derbies

Die Spitzenamateure bewegen sich im Spannungsfeld und Übergangsbereich zwischen der Profi- und der Amateurwelt und werden dies immer tun. Schon manch ein Spieler, Funktionär oder Zuschauer eines Klubs aus der 2. Liga Interregional hat sich die Frage gestellt, ob er nicht lieber ein Derby gegen das Nachbardorf in der 2. Liga oder 3. Liga Regional hätte, als in einen anderen Kanton zu reisen, um dort gegen einen wenig bekannten Gegner auf höherem Niveau anzutreten. Die grösste Änderung der aktuellen Reform der SFV-Spielklassenstruktur setzt genau an diesem Punkt an.

Auch wenn die Promotion League und die 1. Liga-Gruppen leicht vergrössert werden, wird der Spitzenamateurbereich insgesamt durch die starke Reduktion der Anzahl Teams in der 2. Liga Interregional massiv reduziert – zugunsten der regionalen Ligen. Einige regionale Derbies wie Rorschach-Goldach – St. Margrethen, Seuzach – Wiesendangen oder Schattdorf – Altdorf könnten wiederbelebt werden. Diejenigen, die sich aber für den Spitzenamateurfussball mindestens auf Stufe 2. Liga Interregional entscheiden, werden dafür noch etwas mehr investieren müssen. Es entsteht eine klarere Abgrenzung als bisher.

Spitzenamateurfussball profitiert von Nachwuchs-Akademien

Spitzenamateur-Teams wie Breitenrain, Köniz, YF Juventus oder SC Brühl bestehen zu grossen Teilen aus Spielern, die in den Jugendakademien der Profiklubs ausgebildet worden sind. Es trifft also in der Promotion League in gewisser Weise die ältere Generation auf die jüngere Generation der Akademien. Von den eigenen Nachwuchsspielern aus der weiter oben aufgelisteten FCZ U21-Generation der Saison 12/13 hat mehr als ein Drittel mehr oder weniger direkt den Weg in den Spitzenamateurfussball gefunden. Weitere sind nach zwei bis fünf Profijahren, in denen sie sich letztendlich nicht nachhaltig auf höchster Stufe etablieren konnten, später noch zusätzlich dazugestossen. Dazu kommen Spieler, die ihren Weg „von unten“ an die Spitze des Amateurfussballs geschafft haben. Sie alle haben mit den U21-Teams sowie vielen weiteren Spitzensportlern anderer Sportarten in der Schweiz gemeinsam, dass sie viel in ihren Sport investieren, ohne davon leben zu können. Und sie alle können Stolz darauf sein, dass sie in den Spitzenamateurligen einen ganz wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der künftigen Schweizer Nationalmannschaft beitragen.

„Wild Cards“? Wozu?

Zum Abschluss doch noch ein kleiner Kritikpunkt an der SFV-Reform: Wofür „Wild Cards“ in der ersten Saison? Und nach welchen Kriterien werden diese überhaupt vergeben? Das ist ein unnötiger Präzedenzfall. Die U21-Teams sollen sich wie alle anderen von Anfang an auf sportlichem Weg für eine höhere Liga qualifizieren. Dies bedeutet dann automatisch, dass sie für die höhere Liga auch wirklich sportlich bereit sind.

Darius Scholtysik über das Spitzenspiel gegen YB, Blerim Dzemaili, Fabian Rohner und Wilfried Gnonto

An der Pressekonferenz vor dem YB-Match erschien für einmal Co-Trainer Darius Scholtysik, weil sich Trainer André Breitenreiter, wie sich später herausstellte Corona-bedingt, unwohl fühlte. Der in Polen geborene ehemalige Bundesliga-Mittelfeldspieler gab einige interessante Einblicke ins Innenleben der Mannschaft vor der Partie im Letzigrund und einige Personalien. Die (fast) gesamte Pressekonferenz (20 Minuten) hier im Wortlaut:

Züri Live: Spitzenspiel am Sonntag, freuen Sie sich darauf?

Darius Scholtysik: Ja. Nicht nur ich, die ganze Mannschaft, der Staff, der gesamte Verein. Wir freuen uns vor allem auf ein gut besuchtes Haus und dass die Begeisterung entfacht worden ist durch die Leistungen, die wir abgeliefert haben. Jetzt haben wir als Belohnung ein Spitzenspiel vor der Brust. Da ist die Freude natürlich gross.

Züri Live: Im «Hinspiel» in Bern habt ihr von Anfang an hoch gepresst, seid Risiko gegangen. Nach 30 Minuten hatte man das Gefühl, dass ihr die Laufleistung nicht mehr durchhalten könnt, es sind Lücken entstanden, die YB dann genutzt hat. Ist der FCZ mittlerweile einen Schritt weiter im Vergleich zu damals?

Scholtysik: Das ist aus taktischer Sicht ein wichtiger Punkt, den Sie ansprechen. Man kann nicht 90 Minuten ständig pressen. Speziell gegen eine so gute Mannschaft. Man muss die Balance finden zwischen pressen und zwischendurch dann eben auch mal kompakt stehen. Das haben wir damals logischerweise nach dem Spiel auch mit der Mannschaft besprochen. Dass wir den Gegner auch aus einer kompakten Position heraus mit frühem Anlaufen ärgern und Balleroberungen haben können. Wir werden uns definitiv nicht verstecken vor diesem Gegner. Wir wollen einfach unseren Fussball spielen, den wir in den letzten Wochen geboten haben.

Züri Live: Aufgefallen ist, dass gegen die Spitzenteams YB und Basel die Abschlusseffizienz nicht so hoch war, wie gegen andere Gegner. Woran könnte das liegen? An der Qualität des jeweiligen Torhüters, oder mentale Gründe bei den Stürmern?

Scholtysik: Eine mentale Sache glaube ich nicht. In den letzten Spielen waren wir relativ erfolgreich. Die Jungs schwimmen momentan auf einer Erfolgswelle. Das macht Riesenspass. Natürlich sind bei den Spitzenteams der Torwart oder auch die Verteidiger besser. Man hat beispielsweise gegen Atalanta gesehen, dass YB in der Lage ist, Gegnern auf europäischem Niveau die Stirn zu bieten.

Züri Live: André Breitenreiter war im Wankdorf dabei. Was hat er mitgenommen aus diesem Spiel?

Scholtysik: Ja, André und unser Analyst Fabi Sander sind hingefahren und wollten sich das Spiel mal live anschauen. Es ist live vor Ort ja doch ein bisschen was anderes als zu Hause vor dem Fernseher. Atalanta spielt ähnlich wie wir, versucht auch mal hoch zu pressen und frühe Balleroberungen zu haben. Von der taktischen Aufstellung her spielen sie ebenfalls ähnlich wie wir, mit drei Verteidigern. Das muss man sich auf dem Spitzenniveau dementsprechend mal anschauen und dann versuchen mit unserer Mannschaft das Beste herauszuholen, um in der Lage zu sein, so einen Gegner auch mal zu schlagen.

Blick: Ist die Mannschaft reif für dieses Spitzenspiel?

Scholtysik: Ja. Man hat direkt nach dem letzten Spiel bei Sion in der Regeneration an der Körpersprache sehen können, dass sie sich bereits freuen auf dieses Spitzenspiel. Das ist ein Riesenvergleich! Wir spielen bei uns zuhause. Hoffentlich bei einem vollen Haus. Die Stimmung wird wahrscheinlich sehr gut sein. Wenn dann die Leistung auch noch stimmt und das Ergebnis am Ende, sind alle zufrieden.

Tagi: Wie zeigt sich das an der Körpersprache, wenn man sich freut?

Scholtysik: Es gibt das Phänomen, wo man mit gesenktem Kopf geht, die Schultern und Arme hängen nach unten, man ist ein bisschen lustlos. Das wäre die negative Körpersprache. Die positive Körpersprache ist Brust raus, Kopf nach oben, man freut sich, man macht Spässe untereinander. Der Einsatz im Training ist dann dementsprechend hoch. Man möchte jeden Ball gewinnen, keinen Zweikampf verlieren. So merkt man: die Jungs sind bereit, die wollen unbedingt. Hoffen wir, dass sie das am Sonntag auch auf dem Platz zeigen.

Tagi: Wie war die Woche in der Position des Leaders, hält sich das Empfinden die ganze Woche?

Scholtysik: Da ist die Trainingssteuerung wichtig. Vor zwei Tagen haben wir zwei Mal trainiert auf einem hohen Niveau mit hoher Intensität. Gestern hatten wir hier in der Saalsporthalle die Möglichkeit, etwas regenerativ zu arbeiten: Mobilität, Stabilität und nachher Fussballtennis. Damit sich die Spieler auch mal etwas von der Belastung erholen. Heute (Freitag) versuchen wir wieder eine Schippe draufzulegen, damit die Spannung wieder kommt. So dass die Freude und Begeisterung auf dieses Spiel hin dann vorhanden ist.

Züri Live: Trainieren Sie heute auf Kunstrasen?

Scholtysik: Ich war noch nicht auf dem Platz. Wir werden uns im Staff unterhalten, wie wir das machen. Und dann holen wir das Beste raus. Einfach ist es nicht. Sie sehen es ja.

Tagi: André Breitenreiter hat vor dem Spiel in Basel gesagt, es sei noch viel Luft nach oben. In welchem Bereich ist das der Fall?

Scholtysik: In Basel waren wir von der Spielanlage richtig gut. Wir haben uns viele Torchancen herausarbeiten können. Wir haben die Bälle aber nicht im Tor versenkt. Einige Freunde von mir haben sich das Spiel angeschaut und die haben gesagt, der FCZ spiele wirklich guten Fussball. Das könne man sich anschauen. Der Fussball sei mutig, natürlich mit einem gewissen Risiko behaftet. Aber das wollen wir ja auch spielen. Wir wollen offensiv sein und Tore machen und Spiele gewinnen. Basel war vier Mal gefährlich vor unserem Tor und hat drei Tore gemacht. Uns hat in diesem Spiel halt vielleicht das Glück etwas gefehlt.

Tagi: Aber grundsätzlich, wie viel Luft ist noch nach oben? Nach 14 Runden hat man ja wahrscheinlich mittlerweile einen Eindruck davon?

Scholtysik: Beispielsweise bezüglich Stabilität der Mannschaft in den verschiedenen Spielphasen. Wie anfangs erwähnt, man kann nicht 90 Minuten pressen. Dass die Mannschaft nach 20 Minuten powern merkt, auch wenn es immer noch 0:0 steht, dass es sinnvoll sein kann, kompakter zu stehen und trotzdem das Spiel zu dominieren. Dazu gehört, bei eigenem Ballbesitz auch mal etwas ruhiger zu agieren, so dass die Vorbereitung der Tore hinten heraus klar und deutlich zu sehen ist, was die Spieler wollen, wie wir unsere Torchancen herausarbeiten. Das braucht eine gewisse Zeit, damit diese Automatismen greifen.

Tagi: Wie wichtig ist in dieser Funktion ein Blerim Dzemaili mit seiner Erfahrung?

Scholtysik: Da brauchen wir uns gar nicht darüber zu unterhalten. Das ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Durch seine Präsenz und Erfahrung kann er auch mal vorgeben, was defensiv oder offensiv gemacht werden soll.  

Züri Live: Mir hat Dzemaili auf der Sechs oder Doppel-Sechs zuletzt besser gefallen, als weiter vorne. Wie haben Sie das gesehen?

Scholtysik: Er ist ein Spieler, der flexibel ist im zentralen Bereich. Er kann alleine die Sechs spielen oder auch die Doppel-Sechs, kann auf der Acht spielen. Je nach Gegner wird seine Qualität auf unterschiedlichen Positionen gebraucht. Da stellt er sich dann jeweils zur Verfügung und ruft sehr gute Leistungen ab.

Züri Live: Noch eine andere Personalie. Einer, der kaum zum Einsatz kam in letzter Zeit ist Fabian Rohner. In der Vorbereitung hat er sehr viel gespielt auf verschiedenen Positionen. Wie sehen Sie den Stand seiner Entwicklung? Auf welchen Positionen kann er ein Startelfkandidat sein?

Scholtysik: Fabi ist ein Spieler, der die rechte Seite sehr gut besetzen kann – defensiv und offensiv. Seine Stärke ist ja nicht in erster Linie das Dribbling, sondern das pure Tempo, mit dem er den Ball vorbeilegen kann. Er schlägt sehr gute Flanken / Torvorbereitungen und hat zudem einen sehr guten und präzisen Schuss. Wenn wir beispielsweise etwas riskieren müssen, dann stellen wir Fabi rechts hinten auf, wenn mit Niko etwas sein sollte oder um frische Kräfte reinzubringen. Und er ist in der Lage, die ganze Zeit die Linie rauf und runter zu marschieren und seine Aufgabe zu erfüllen.

Züri Live: Aber er könnte auch im Sturm spielen zum Beispiel, mit seinem guten Schuss und dem Tempo – je nachdem, wie man spielen will?

Scholtysik: Genau. Vor jeder Einwechslung oder Auswechslung machen wir uns Gedanken: Wie läuft das Spiel? Müssen wir das Spiel beruhigen? Müssen wir das Spiel stabilisieren? Oder mehr Risiko eingehen? Zum Beispiel nach vorne noch einen Offensiven bringen. Die Entscheidung trifft natürlich der Cheftrainer.

Tagi: Wenn man solche Spiele sieht wie in Sion, wo man in der 2. Halbzeit nicht mehr gut gespielt hat und gegen Ende richtig stark unter Druck geraten ist, wie wertvoll sind solche Siege? Auch das 2:1 davor bei Servette war ein sehr zäher Kampf…

Scholtysik: Man sagt immer, man macht einen Schritt weiter, wenn man solche Spiele gewinnt. Ich glaube, dass die Mentalität und Einstellung der Mannschaft absolut vorhanden ist. Die Jungs geben nie auf. Sie haben sicherlich auch schon mal bemerkt, wie viele Spiele wir schon im Rückstand waren und dann aufgeholt haben. Das spricht für die Mentalität der Jungs. Das ist eine Eigenschaft, die kann man nicht verpflichten, sie entwickelt sich mit der Zeit. Für uns als Staff ist das eine gute Bestätigung, dass wir Spass bei der Sache haben. Und immer wieder versuchen, das Beste herauszuholen. In jedem Spiel.

Tagi: Sie wissen ja, was man auch sagt: wenn man solche Spiele gewinnt, kann man Meister werden.

Scholtysik: Wissen Sie, das ist weit weg. Es ist wie ein Marathonlauf. Man gewinnt nicht nach 2’000 oder 10’000 Metern. Das ist eine lange Strecke. Es ist immer ganz gut, wenn wir von Spiel zu Spiel denken. Wir versuchen in jedem Spiel unser Bestes zu geben. Es ist relativ einfach.

Tagi: Es gibt so eine Sendung im deutschen Fernsehen am Sonntagmorgen, da hätten Sie jetzt drei Euro zahlen müssen…

Blick: Gerade eben kam das Urteil raus im Zürcher Fanskandal, Ihr müsst die nächsten zwei Derbies ohne Südkurve spielen. Wie schwierig wird das? Es waren bisher enge Spiele gegen GC…

Scholtysik: Man merkt ja bereits schon beim Einlaufen, dass die Stimmung da ist. Und wir werden danach über 90 Minuten oder auch mehr unterstützt. Das Schönste ist immer, wenn man gewonnen hat, dass man mit den Fans auch mal feiern kann. Das sind so diese Momente, die den Fussball ausmachen. Man will das einfach mal erleben. Die Fans sind schon sehr wichtig für uns. Aber wenn es so sein sollte, dann hat man so bestimmt hat, dann muss man auch ohne Fans sei Bestes geben. Aber es wäre natürlich sehr schade.

Tagi: Könnt Ihr gegen dieses Urteil rekurrieren?

FCZ: Ja, kann man. Es ist erst gerade rausgekommen. Wir haben noch nicht entschieden, was wir machen. Die Rekursfrist läuft 5 Tage.

Blick: Mal etwas ganz anderes, wenn Sie schon hier sind. Es gab im Sommer mal ein Bild von Ihnen, wo Sie so etwas wie eine Stoppuhr während des Spiels in der Hand haben. Was hat es damit auf sich?

Scholtysik: Ich bin mir gewohnt, diese Stoppuhr einfach mal laufen zu lassen. Vielleicht ein kleiner Tick von mir, dass ich immer die Zeit im Auge behalte. Heute zeichnet der Analyst alles auf, aber früher hatte ich immer einen Notizblock dabei und habe mir die wichtigsten Szenen mit Minute und andere Auffälligkeiten notiert, zur späteren Analyse. Ich bin nicht abergläubisch, aber die Uhr gehört trotzdem immer noch irgendwie dazu. So kann ich beispielsweise zum Cheftrainer gehen und sagen: wir haben jetzt genau noch dreissig Minuten Zeit, wir können noch etwas ändern…  

Züri Live: Es geht also nicht darum, wie in Salzburg im Training die Zeit von Balleroberung bis zum Torabschluss zu stoppen…

Scholtysik: Nein, nein… (lacht)

Tagi: Noch eine ganz andere Frage zu Wilfried Gnonto. Er ist ja erst 18, wo sehen Sie sein Potential?

Scholtysik: Er hat ein Riesenpotential. Für sein Alter hat er schon sehr viele Erstligaspiele. In der Nationalmannschaft hat er auch einige Spiele bestritten. Er ist auf einem sehr, sehr guten Weg ein guter Fussballer zu werden. Aber wir wissen ja alle, dass es nicht nur darum geht, gut zu trainieren, gut Fussball zu spielen, sondern es gehören viele andere Sachen dazu, ganz allgemein die Entwicklung eines jungen Menschen. Das alles braucht seine Zeit. Bis jetzt hat er seine Einsätze bekommen, seine Leistungen immer wieder bestätigt. Was ihm vielleicht noch fehlt, sind die Tore.  Das beflügelt, gibt Selbstvertrauen. Das ist der nächste Schritt für ihn, dass er in den Spielen so torgefährlich wird, wie in den Trainings. In St. Gallen hat er ein Kopfballtor nach einem Standard gemacht. Solche Aktionen wünscht man sich natürlich mehr. Er sich selber wahrscheinlich auch.

Tagi: Was ist das Riesenpotential bei Gnonto, wie können Sie das beschreiben?

Scholtysik: Über seine Qualitäten brauchen wir uns nicht zu unterhalten: Tempo, sehr gutes Dribbling, kann mit beiden Füssen schiessen, sehr unangenehm für den Gegner. Sie wissen ja selber, dass Willie einem 1.95m-Innenverteidiger Knoten in die Beine spielen kann. Was er teilweise noch etwas lernen muss, sind die Fouls, die er zu ziehen versucht. Die Schiedsrichter lassen immer weiter laufen. Das ist ein schmaler Grat. Von fünf Aktionen war vielleicht zwei Mal Foul, wo der Schiedsrichter hätte pfeifen können, es dann aber unterlassen hat. Das meine ich mit der Entwicklung eines jungen Spielers.

Tagi: Er sucht zu sehr das Foul, würde ich sagen. Und es ist wirklich nicht jedes Mal Foul, wenn er liegen bleibt.

Scholtysik: «Suchen» vielleicht nicht unbedingt.  Er versucht seine Fähigkeiten auszuspielen und das ist sein Dribbling. Wenn er gegen einen grossen Spieler spielt und der stellt sein Bein da hin, dann fliegt Willie natürlich aufgrund der Körpergrösse durch die Gegend. Aber entscheidend ist danach: er muss halt aufstehen und weitermachen. Wenn der Schiedsrichter nicht gepfiffen hat, dann geht’s halt immer weiter. Und wenn er liegenbleibt und versucht, etwas zu bekommen, dann kommt logischerweise der Schiedsrichter auf ihn zu und sagt: «Du machst ja nur Schwalben, ich kann nicht pfeifen». Auch wenns manchmal ein Foul ist. Das gehört dazu. Er ist ein intelligenter Spieler und wird das sicherlich im Laufe der Zeit lernen.

Tagi: Darüber redet Ihr mit ihm?

Scholtysik: Ja, natürlich. Wir haben uns unterhalten, haben ihm Videos gezeigt. Und da gibt es dann Szenen, wo er auch selber erkannt hat, dass der Schiedsrichter in der einen Situation vielleicht auch kein Foul pfeifen kann – und dann gibt es andere Situationen, wo sowohl wir wie auch Willie gesagt haben, «das muss er pfeifen». Wir sind alle nur Menschen. Aber die Häufigkeit, wenn man solche Einzelanalysen immer wieder macht, wird dazu führen, dass man irgendwann den Weg finden wird.

Mut, Effizienz und des Gegners Ungeduld / Servette – FCZ in der Züri Live-Analyse

Im Stade de Genève präsentierte sich der FCZ von seiner effizienten Seite und holte aus einem relativ chancenarmen, ausgeglichenen Spiel einen 2:1-Auswärtssieg. Mit Mirlind Kryeziu gelang bereits dem dritten FCZ-Akteur in dieser immer noch relativ jungen Saison ein direktes Freistoss-Tor – das sechste insgesamt.

Dzemaili erneut besser auf der 6-er Position

Da Servette im Zentrum standardmässig mit zwei „Achtern“ spielt, agierte beim FCZ Blerim Dzemaili weiter hinten als zuletzt üblich auf einer Doppel-Sechs mit Ousmane Doumbia. Und nicht zum ersten Mal war seine Leistung auf dieser Position deutlich besser, als wenn er weiter vorne agiert. Dies gilt auch für seine zwar selteneren, aber dafür konkreteren Offensivaktionen.

Mutig hohes Pressing des FCZ wird belohnt

Der FCZ ging von Beginn weg ins Pressing mit den beiden Aussenläufern Guerrero und Boranijasevic, welche in sehr hoher Position die gegnerischen Aussenverteidiger anliefen. Die drei Verteidiger hinten spielten somit alle Eins-gegen-Eins und rückten bei einer Rückfallbewegung ihres Gegenspielers zudem weit ins Mittelfeld vor. Die mutige Spielweise wurde mit einer 2:0-Pausenführung belohnt, wobei das Breitenreiter-Team beim 1:0-Führungstreffer das für einmal hoch stehende Servette mit einem exzellent gespielten Aufbau von hinten heraus überwinden konnte. Entscheidend war dabei die hervorragende direkte Ablage Blaz Kramers aus vollem Lauf auf Adrian Guerrero, als der Slowene sich noch zwischen Ball und den verdutzten Anthony Sauthier zu stellen vermochte.

Servette nutzt kleine Pressingpausen beinahe aus

Die wenigen gefährlichen Offensivaktionen Servettes entstanden jeweils in Phasen, in welchen der FCZ eine kurze „Pressing-Verschnaufpause“ einlegte. Imeri und Clichy nutzten dies zu Vorstössen im Halbfeld in die gegnerische Hälfte, um von dort ihre gefährlichen weiten Flanken hinter die Abwehr zu spielen.

Exzellentes Comeback Tosins

Abgesehen von der einen, allerdings mitentscheidenden Aktion, war das Comeback Kramers nicht überzeugend verlaufen und er wurde wie schon vor der Partie abgemacht zur Pause für Wilfried Gnonto ausgewechselt. Dieser musste im Verlauf der Zweiten Halbzeit wegen Gelb-Rot-Gefährdung dem zweiten Comebacker Aiyegun Tosin Platz machen, welchem sowohl defensiv wie offensiv einige exzellente Aktionen gelangen. Exemplarisch in der 90. Minute, als der Nigerianer im eigenen Strafraum eine gefährliche Cornerflanke per Kopf vor dem einen Kopf grösseren Rodelin klärte und dann höchstselbst den darauffolgenden Pass hintenheraus von Ousmane Doumbia mit einem Sprint im Höchsttempo an der Mittellinie erlief und mit einer Ballberührung Aussenrist mit dem schwächeren linken Fuss ideal in die Mitte weiterleitete, wo Assan Ceesay dadurch alleine auf Torhüter Frick zulaufen konnte.

Servettes taktische Vorteile durch eigene Ungeduld zunichte gemacht

Im letzten Spielviertel stellte Servette-Coach Alain Geiger auf ein 4-1-2-1-2 (Rhombus-System) um. Diese Umstellung funktionierte zu Beginn ausgezeichnet. Der FCZ kam im Mittelfeld ins „Schwimmen“, weil der Gegner im Zentrum nun häufig in Überzahl war und sich sowohl horizontal wie vertikal nun vorwiegend in Zwischenräumen bewegte. Zum Glück für den FCZ verlor ein Teil der Genfer Mannschaft dann aber viel zu früh die Geduld. Anstatt weiterhin die Zwischenräume im Mittelfeld zu besetzen und den FCZ vor Probleme zu stellen, rannten die offensiv orientierten Spieler bereits ab einer Viertelstunde vor Schluss vermehrt alle nach vorne und warteten auf Hohe Bälle, während gleichzeitig die Aufbauer hintenheraus händeringend immer noch Anspielstationen fürs Kombinationsspiel suchten. Die individuelle Qualität des sich in der bisherigen Form seines Lebens befindlichen Kastriot Imeri reichte so zu nicht mehr als dem Anschlusstreffer.

Telegramm

Servette – FCZ 1:2 (0:2)
Tor: 28. Ceesay (Marchesano) 0:1, 44. Kryeziu (Freistoss, Ceesay) 0:2; 66. Imeri (Rodelin) 1:2.
Servette – Frick; Sauthier (59. Diallo), Rouiller, Severin, Clichy; Douline (90. Mendes); Imeri, Valls (59. Rodelin); Stevanovic, Kyei, Schalk (79.Antunes).
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (90.+2 Kamberi), Dzemaili (72. Hornschuh) Doumbia, Guerrero; Marchesano (72. Krasniqi); Ceesay, Kramer (46. Gnonto, 83. Tosin).

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