Die Aussenbahnen bereiten Sorgen – FCZ-Kadersituation nach der 0:3-Niederlage bei YB

Es gibt kaum einen besseren Moment um auf YB und den FCB zu treffen als jetzt. Sowohl der eine wie auch der andere Krösus der Liga sind in einem Findungsprozess und mitten in Englischen Wochen. Trotzdem hat der FC Zürich die ersten zwei der drei Duelle verloren. Man scheint dabei als Grundthema immer wieder an den zu hohen Ansprüchen zu scheitern, die man gemessen an den Möglichkeiten an sich selber stellt: mit ablösefreien Verpflichtungen und ständig wechselnden Trainern, Sportchefs, Vereinsstrukturen und Taktiken einen Europacupplatz erreichen. Das Perfekte ist der Feind des Guten. Und dies während man gleichzeitig weiter in die Nachwuchs- und Frauenabteilung investiert – und mit Verkäufen von guten Spielern bei den Männern eine ausgeglichene Rechnung anstrebt. Eine Herkulesaufgabe für jeden Trainer. Man hatte im Sommer eine gute Mannschaft mit einem pragmatischen Trainer. Auch damit kann es in einer ausgeglichenen Liga gegen einen Gegner, der einen Super-Tag erwischt, mal eine 0:3-Derbyklatsche absetzen. Das muss man aushalten können.

Nun hat man nachdem erst der Trainer und dann der Sportchef gehen mussten in der Winterpause so viele gewichtige Abgänge zu verzeichnen wie seit der Abstiegssaison 15/16 nicht mehr. Das Flügelduo Markelo / Phaëton um welches den FCZ die halbe Liga beneidet hat, ist auseinandergerissen, Antreiber Steven Zuber weg. Qualitativ solide Spieler wie Mariano Gomez und Nemanja Tosic ebenfalls. Man spielt mit einer anderen Taktik als noch vor ein paar Monaten. Raumaufteilung, Spielweise und individuelle Qualitäten der Spieler sind phasenweise nicht aufeinander abgestimmt. Freude machten in Bern die Leistungen von Silas Huber, Daniel Ihendu und Cheveyo Tsawa. Auf den Aussenbahnen bahnt sich hingegen ein grosses Problem an.

Gesamteindruck nach dem 0:3 in Bern

Die Grundstruktur der Mannschaft wirkte erstaunlich stabil. Die beiden entscheidenden Gegentore zum 0:1 und 0:2 fielen auf individuelle Unkonzentriertheiten des in Bern zu nonchalant auftretenden Livano Comenencia. Man begann gut, hatte die erste Torchance durch Reverson. Dann versprang Comenencia im Mittelfeld ein Ball vom Fuss ohne dass er wirklich in Bedrängnis war. YB konterte schnell und traf mit Monteiro. Vom frühen Gegentreffer erholte man sich schnell. Nach zugegeben wenigen Torchancen in der 1. Halbzeit konnte man nach der Pause klar und deutlich einen Zacken zulegen. Bis zur 80. Minute war noch jeder Ausgang möglich. Dann spielte der erneut unkonzentrierte Comenencia einen Einwurf in den Rücken von Reichmuth – YB konterte zum zweiten Mal erfolgreich und traf mit dem eingewechselten Fassnacht. Junge Spieler wie Cheveyo Tsawa, Daniel Ihendu und Silas Huber übernehmen Verantwortung und gehen voran. Tsawa war bis zu seiner Auswechslung der beste Mann auf dem Platz, Ihendu und Huber brachten Stabilität.

Den Eindruck einer Mannschaft vor der sich die Gegner in Acht nehmen müssen, machte der FCZ in Bern allerdings nicht. in der Formtabelle der letzten fünf Partien liegt man zu Recht auf dem letzten Platz und verlor in Bern 0:3 gegen die Mannschaft, die in der Formtabelle auf dem zweitletzten Platz liegt. Selbst das aktuelle Prunkstück, der Sturm, performt nur in jedem zweiten Spiel gut. Man hat mehrere mässig besetzte Schwachstellen, ist nicht so eingespielt wie andere Teams – und immer noch auf der Suche nach der richtigen Taktik. Die meisten Partien kann man ausgeglichen gestalten und hätte fast immer ein Unentschieden verdient, kassiert dann aber regelmässig in den Schlussminuten noch einen entscheidenden Gegentreffer. Und es gibt selten Partien, die man hätte gewinnen müssen. Die letzte solche Partie war gegen Winterthur. Gerade auch aufgrund der Drei Punkte-Regel braucht man aber zumindest ab und zu einen Sieg.

Tabellensituation

Die Erwartungshaltung, dass diese Mannschaft um die Top 6-Plätze spielen müsste ist unrealistisch. Mit Thun, St. Gallen, Lugano und Basel sind vier Plätze der Top 6 schon vergeben. St. Gallen beispielsweise hat ein deutlich höheres Budget als der FC Zürich und ist in der Lage Spieler, teilweise sogar Stammspieler, direkt aus der Bundesliga zu holen – nicht MLS-Spieler, die früher mal Bundesliga gespielt haben. Nach zwei Sommertransferperioden unter Sportchef Milos Malenovic hatte man trotzdem ein stimmiges Team zusammen, welches das Ziel Top 6 zu Recht anpeilen konnte, und trotz Leistungsschwankungen insgesamt auf Kurs war. Mit der Freistellung des Sportchefs und dem damit verbundenen Umbruch mitten in der Saison geht es bis zum Ende der Spielzeit in dieser äusserst ausgeglichenen Liga um den Klassenerhalt. Je früher dies den Spielern und dem Staff klar wird, und man unterstützt von den Fans mit viel Motivation diese wichtige Aufgabe angeht, desto grösser die Chance auf Erfolg in dieser Mission. Ansonsten wird auch Winterthur noch zu einer Gefahr.

Taktik allgemein

Die Holländischen Trainer sind weg, Jahnoah Markelo ist verkauft – und damit auch das Flügelspiel. Unter Dennis Hediger spielt man wieder vorwiegend vertikal durch die Mitte, in der Eröffnung häufig mit hohen Bällen auf Philippe Keny. Was bleibt, ist das hohe Pressing. Dabei funktioniert die Formation mit einem Zehner hinter einem Sturmduo in den letzten Wochen jeweils deutlich besser als der Dreimannsturm. Es handelt sich bei Hedigers Dreimannsturm nicht um ein 4-3-3 mit breit an der Seitenlinie agierenden klassischen Flügeln, sondern um ein 3-4-3 in welchem die äusseren Stürmer auf den Halbpositionen agieren

Auf diesen Halbpositionen fühlt sich aber kaum einer der Stürmer wohl. Sowohl Keny wie auch Reverson, Umeh oder Nvendo hängen in dieser Rolle in der Luft. Nur der äusserst vielseitige Phaëton kann vorne alles spielen. Die grundsätzlich sich in Torlaune befindlichen Keny und Reverson sind als klassisches Sturmduo am stärksten – mit einem klassischen Zehner dahinter, der sowohl als „Staubsauger“ für die zweiten Bälle sowie auch als Quelle von Schnittstellenpässen fungiert – wie demjenigen von Krasniqi auf Phaëton beim frühen 1:0-Führungstreffer gegen den FCB.

Taktische Wechsel in Bern

YB, das sich in den letzten Jahren und speziell in dieser Saison immer mehr auf ein durch die Mitte angelegtes Konterspiel fokussiert hat, überraschte den FCZ zu Beginn der Partie mit unüblich breit an den Seitenlinien stehenden Flügeln Virginius und Monteiro in einem Dreimannsturm. Da der FC Zürich sich nicht auf eine Fünferabwehr zurückziehen wollte, sorgte dies in der Dreierabwehr taktisch für Probleme, weil so Vujevic und Kamberi auf die Seite gezogen wurden und Ihendu ganz alleine im Zentrum einen grossen Raum abdecken musste, in den Sanches oder Gigovic vorstossen konnten. Aus einer solchen Situation entstand auch das frühe 1:0 für die Berner und die Torchance für Gigovic im Strafraum.

Zur Pause stellte Hediger mit dem Wechsel Reichmuth für Vujevic auf eine Viererabwehr und einen Mittelfeld-Rhombus um und dies erwies sich als richtige Massnahme. Die Verteidigung wurde stabiler und gleichzeitig das Mittelfeld dominanter. Es war die beste Phase des Zürcher Spiels. Die Wechsel Umeh Emmanuel für Bledian Krasniqi in der 61. Minute und vor allem Nevio Di Giusto für Cheveyo Tsawa in der 72. Minute taten dem Zürcher Spiel dann aber nicht gut. Einerseits personell: es kamen zwei Spieler, die null (Umeh) oder fast keinen (Nevio) Einfluss aufs Spiel ausübten, für einen ordentlichen Krasniqi und einen dominanten Tsawa. Hediger scheint mehr oder weniger die gleichen Wechsel zum jeweils gleichen Zeitpunkt vorzunehmen – unabhängig davon ob diese Wechsel im konkreten Spiel Sinn machen oder nicht. Ausserdem agierte man ab der 61. Minute in einer äusserst seltsamen Variante eines 4-3-3 in welchem die Aussenstürmer auf den Halbpositionen agieren. Die Raumaufteilung stimmte nicht.

Die Situation im Sturm und auf der 10er-Position

Im Sturm ist die Situation weiterhin so vorteilhaft wie nie zuvor in den letzten Jahren. Dies ist auch einer der grössten Pluspunkte für den FCZ im Abstiegskampf: man hat mehrere torgefährliche Stürmer. Philippe Keny ist offensiv wie defensiv sehr wertvoll, Mathias Phaëton in Topform, und Damienus Reverson schiesst diese Saison in der Super League alle 109 Minuten ein Tor – und war auch in Bern beim Stand von 0:1 mit einem ansatzlosen von Marvin Keller stark parierten Weitschuss wieder nahe an einem Treffer. In manchen der letzten Saisons hätte der FCZ liebend gerne auch nur einen solchen Stürmer in seinen Reihen gehabt, von denen man nun drei zählt. Umeh Emmanuel ist ausser Form und aktuell eigentlich höchstens als Konterstürmer für die Schlussphase eine Option – wie in Genf, als er kurz vor Schluss allein vor Joël Mall in Unterzahl beinahe das Siegtor erzielte. Von Vincent Nvendo kommt nichts. Mit Top-Torschütze Din Ramic und Sekou Diawara gibt es in der U21 aber noch weitere interessante Kandidaten für die zwei Mittelstürmerpositionen – dazu nicht zu vergessen Damien Osborne nach der Rückkehr von seiner Sperre. Und Juan José Perea.

Auch auf der 10er-Postion hat der FC Zürich mehrere gute Optionen. Die beste fällt allerdings leider erst mal drei, vier Wochen angeschlagen aus. Nach seinen Top-Leistungen in der U21, an der U17-EM und bei seinem Teileinsatz gegen den FCB kann Jill Stiel mit seiner Übersicht, Klarheit und Zielstrebigkeit hier im Lauf des Frühlings eine wichtige Rolle einnehmen. Ricardo Rodriguez kam nach der jeweils im November stattfindenden U17-WM im März 2010 zu seinem ersten Super League-Einsatz – Jill Stiel 16 Jahre später nun schon etwas früher. Die zweite Option und aktueller Starter auf dieser Position ist Bledian Krasniqi – mit sieben Torvorlagen der beste Assistgeber des Teams. Er lieferte das Klasse-Zuspiel für Mathias Phaëton zum 1:0 in der Startminute gegen Basel, die Vorlage zum 1:1 Reversons in Genf, und bereitete auch die erste Torchance der Partie in Bern durch Reverson mit einem Aussenristpass vor. Krasniqi ist die dritte Saison in Folge bei den Skorerpunkten in den Top 3 des Teams – vorletzte Saison hinter Marchesano und Okita, dann hinter Chouiar und aktuell hinter Keny und Phaëton jeweils an dritter oder zweiter Stelle (auf gleicher Höhe mit Steven Zuber). Auch Miguel Reichmuth kann gut auf dieser Position spielen, und als vierte Option kommt auch noch Nevio Di Giusto in Frage, der aber noch einfacher und zielstrebiger agieren muss.

Die Situation im Zentrum

Cheveyo Tsawa (19) ist gesetzt. Einer der konstantesten Spieler beim FC Zürich mit grossen Offensiv- und Defensivqualitäten, schlägt die meisten Standards, und wenn er Verantwortung übernehmen kann, spielt er am besten. Diesen Frühling kann er beim FCZ mit guten Leistungen im Kampf gegen den Abstieg einen echten Impact erzielen. Als bestes Talent seit Ricardo Rodriguez wird der ziemlich sicher künftige Nationalspieler im Sommer wohl einen Wechsel zu einem Mittelfeld-Klub in einer Topliga vornehmen, möglicherweise gar oberes Mittelfeld. Miguel Reichmuth hatte seinen „Jour sans“ gegen Basel, kam in Bern zur Pause aber wieder verbessert zurück. Nelson Palacio ist nach seiner Innenbandverletzung, zugezogen bei einer heroischen Rettungsaktion im November in Sion, noch nicht in der Form des Herbstes. Weitere Optionen sind der zuletzt reifer gewordene Mohamed Bangoura und Aaron Tchamda. Eher nicht der Aufgabe gewachsen sind wohl zur Zeit Isaiah Okafor oder Cosimo Fiorini. Grundsätzlich können auch Krasniqi oder Stiel auf der Doppel-Sechs eingesetzt werden.

Die Situation auf der Aussenbahn

Ûberraschenderweise ist die Situation auf dieser Position am prekärsten. Überraschenderweise darum, weil man im Sommer auf diesen zwei Positionen eher überbesetzt war. Innerhalb von einem halben Jahr gab es nun aber die Abgänge von Mendy, Conceição, Tosic, Denoon, Guzzo, Rodic und Ligue. Einige Abgänge sind nachvollziehbar. Nemanja Tosic beispielsweise, der bei seinen wenigen Einsätzen im FCZ-Dress vorwiegend gute Leistungen gebracht hatte, hätte man hingegen durchaus halten können. Der 32-jährige Chris Kablan sollte Stabilität und Mentalität in das Team bringen, enttäuschte bisher aber. Und Livano Comenencia erwies dem Team in Bern sowohl vor dem 0:1 als auch dem 0:2 mit seinen Aussetzern einen Bärendienst. In Genf hatte Mathias Phaëton an Stelle Comenencias die linke Aussenbahn bespielt und dabei defensiv erstaunlich viel nach hinten gearbeitet. Trotzdem konnte Servettes Schlüsselspieler Stevanovic auf dieser Seite zeitweise ein Herrenleben führen.

Die Alternativen für die Aussenbahnen sind aktuell dünn gesät und nicht sehr vielversprechend. Für die Linke Seite scheint beim stark auf Körpergrösse und Körperbau achtenden Dennis Hediger Neil Volken weniger Kredit zu haben als unter Vorgänger Van der Gaag. Zuletzt sass dafür zwei Mal der ältere, grössere und weniger talentierte Sebastian Walker (20) auf der Bank. Die dynamischen Gabriel Roskovic (17) oder Valentin Beck (19) müssten sich vermutlich erst mal ein paar Spiele in der U21 beweisen, bevor sie im besten Fall im Verlauf des Frühlings eine Option werden könnten. Für die rechte Seite sass gegen Servette sogar der seit fünfeinhalb Jahren für die U21 spielende Lamberti-Klient Selmin Hodza (22) wieder mal auf der Ersatzbank – gegen den FCB und in Bern allerdings nicht mehr. Die Alternative zu Kablan für die Rechte Aussenbahn scheint aktuell Mittelfeldspieler Mohamed Bangoura zu sein, der nach Einwechslungen diese Position zuletzt häufiger gespielt hat. Im Prinzip wäre er aktuell wohl sogar besser als der bisher medioker auftretende Kablan. Grundsätzlich könnte auch noch Lindrit Kamberi auf der Rechten Aussenbahn spielen.

Die Situation in der Hinterreihe

Die Dreierabwehr Kamberi – Ihendu – Vujevic vom YB-Auswärtsspiel zeigt solide Leistungen. Auf der zentralen Position wurde erst David Vujevic, dann Jorge Segura und schliesslich Daniel Ihendu eingesetzt. Vujevic ist für diese Position mit seiner Schnelligkeit und Technik eigentlich am besten geeignet. Die Niederlage und Gegentore in Bern sind den drei nicht anzukreiden – sie entstanden aus Unzulänglichkeiten vor allem der Aussenläufer und teilweise auch des ohne Cheveyo Tsawa entblössten Zentralen Mittelfeldes. Da offenbar Jorge Segura auch noch auf dem Absprung ist, blieb nur der aktuell zum wiederholten Male in dieser Saison verletzte Ilan Sauter als grundsätzlich valabler Ersatz.

Der während seiner FCZ-Zeit sehr konstant agierende Mariano Gomez hätte dem FC Zürich in der Rückrunde durchaus noch helfen können. Beim Ungarischen Serienmeister Ferencvaros (zuletzt sieben Mal in Folge) kann Gomez im Frühling um den Meistertitel und Ende Februar den Europa League-1/16 Final gegen Ludogorets spielen. Zu den aktuellen Alternativen gehören neben Sauter die beiden gelernten Mittelfeldspieler Nelson Palacio und Isaiah Okafor, die beide auch in einer Dreierabwehr eingesetzt werden können. Der zu Beginn der Saison in der Innenverteidigung eingesetzte Gian Stork ist eher ein Mann fürs Defensive Mittelfeld. Aus der U21 kommen Leandro Schödler oder Ivan Kovacevic in Frage.

Mit Alexander Hack kommt nun ein grossgewachsener Linksfuss hinzu. Idealerweise sollte dieser für den verletzungsanfälligen Ilan Sauter auf der halblinken Position eingesetzt werden, weil er von da im Spielaufbau bessere Passwinkel hat, als aus einer zentralen Position. Ausserdem ist David Vujevic schneller, zweikampfstärker und daher der bessere „Ausputzer“. Auch Daniel Ihendu könnte als mittlerweile gute Alternative zu Vujevic in der zentralen Rolle agieren, mit Captain Kamberi auf halbrechts. Die Gefahr besteht allerdings, dass Hack aufgrund seiner altersmässigen Seniorität in der Mitte und Vujevic oder Ihendu halblinks eingesetzt werden, was für all Beteiligten suboptimal wäre. Auf jeden Fall ist die Dreierabwehr das bevorzugte System für Hack und mit ein Grund warum er zum FC Zürich kommt. Neben dem Fakt, dass er in der erweiterten Region (nahe Memmingen) aufgewachsen ist und Alemannisch parliert.

Die Situation im Tor

Silas Huber ist der formstärkere Torhüter mit deutlich mehr Potential als Yanick Brecher. Daher macht es Sinn, dass Huber weiterhin im Tor bleibt.

Transferprioritäten

Sorgen machen muss man sich beim FC Zürich um die Aussenbahnen. Sowohl offensiv wie auch defensiv kommt vom Duo Kablan / Comemencia deutlich zu wenig. Dies kann den FCZ teuer zu stehen kommen. Eine naheliegende Option wäre die vorzeitige Rückkehr von Leihspieler Mattia Rizzo (19). Dieser liegt als Stammspieler auf der Rechten Aussenbahn aktuell mit Lecco auf Platz 3 in der Serie C, Gruppe A. Er wäre auf jeden Fall besser als Chris Kablan. Und wie wärs mit einer Rückkehraktion von Adrian Guerrero (28) für die linke Seite? Jetzt wo der FC Zürich wieder mit Aussenläufern spielt, würde der Spanier wieder ins System passen. Er ist zudem ein Spieler, welcher dem Teamgefüge gut tut. In Ungarn fühlt er sich allerdings wohl – spielt aktuell beim Tabellenvierten Debrecen unter einem ihm bekannten Spanischen Trainer regelmässig, wenn auch nicht immer. Zweite Priorität neben den Aussenbahnen hatte die Verpflichtung eines Innenverteidigers, da die Auswahl auf dieser Position etwas dünn ist. Sinn machen würde hier ein erfahrener, grossgewachsener Mann mit ansprechender Technik. Und während der Fertigstellung dieses Artikels wurde genau dieser Wunsch mit Alexander Hack erfüllt.

FCZ dreht den Spiess um – und gewinnt erneut einen FIFA-Titel

Wie letztes Jahr kehrt der FC Zürich an Auffahrt 2023 erneut mit einem Turniersieg von der Buchlern nach Hause ins Heerenschürli. Nach den Juniorinnen 2022 sind diesmal die von den U21-Trainern Genesio Colatrella und Vincenzo Zinnà gecoachten Junioren erfolgreich – mit einem Finalsieg gegen Corinthians aus Sao Paolo. 2022 waren die Jungs Dritter geworden. Die Mädels platzierten sich diesmal im 4. Rang hinter Vancouver Whitecaps, FCB und YB. Resultatmässig schlecht schnitten die europäischen Grossklubs ab – Liverpool und Olympique de Marseille bei den Männern sowie Arsenal und Juventus bei den Frauen klassierten sich auf den hintersten Rängen. Die bei den Zuschauern beliebteste Mannschaft war das Männerteam der Académie Génération Foot aus Senegal (Dritter Platz). Die UEFA Youth League wurde dieses Jahr von AZ Alkmaar im Final gegen Hajduk Split gewonnen. Auch am FIFA Blue Stars Youth Cup bestätigt sich immer wieder, dass im Juniorenbereich Teams aus Ländern wie Kroatien, Holland, Portugal oder auch der Schweiz häufig besser arbeiten und sogar stärker spielen, als Gleichaltrige von Klubs deren 1. Mannschaft in einer Topliga engagiert ist.

Mehr Ausgeglichenheit und Konkurrenz im Männer-Turnier

Die FCZ-Teams und ihr Abschneiden stehen exemplarisch für die unterschiedliche Leistungsdichte der Blue Stars-Turniere bei den Frauen und Männern. 2022 dominierten die beiden damals 15-jährigen Leela Egli und Sydney Schertenleib dieses prestigeträchtige internationale U19-Turnier. Diesmal fehlten die beiden aufgrund ihrer Teilnahme mit der Schweizer U17-Nati an der EM-Endrunde in Estland (0:3-Niederlage gegen Spanien nach 4:0-Auftaktsieg gegen die Gastgeberinnen). Viele der älteren Spielerinnen aus der letztjährigen Siegermannschaft waren auch dieses Jahr wieder mit dabei, stellten aber ohne Egli und Schertenleib nur besseren Durchschnitt dar. Allerdings wurden verschiedene Zürcher Spielerinnen an diesem Turnier zu Ausbildungszwecken häufig nicht auf ihrer angestammten / stärksten Position eingesetzt. Trotzdem: YB hatte das fussballerisch deutlich besser entwickelte Team – und Basel landete mit dem Beinahe-Turniersieg (Ausgleich der Whitecaps in letzter Minute des Finals und anschliessende Niederlage im Penaltyschiessen) um ein Haar einen Coup.

Bei den FCZ Männern fehlten mit Léon Grando, Elohim Kamoko, Mattia Rizzo und Cheveyo Tsawa gleich vier Spieler aufgrund ihrer Teilnahme an der U17 EM-Endrunde (2:0-Sieg zum Auftakt gegen die Niederlande! Grando, Kamoko und Tsawa in der Startformation). Dies fiel aber nicht ins Gewicht, denn es wären wohl ohne EM höchstens zwei von ihnen überhaupt im FCZ-Aufgebot auf der Buchlern gestanden, und auch diese hätten im Turnierverlauf aktuell wohl noch kaum eine tragende Rolle gespielt. Im Männerturnier ist es für einen Spieler jüngeren Jahrgangs aufgrund der grösseren internen sowie auch externen Konkurrenz (speziell im physischen Bereich) deutlich schwieriger, einem solchen Turnier den Stempel aufzudrücken, als bei den Frauen.

Verdienter Turniersieg des FCZ

Speziell am diesjährigen Turnier waren die Resultate von Finalist Corinthians. Die Brasilianer entpuppten sich als defensives Bollwerk par excellence und kassierten in den fünf Partien keinen einzigen Gegentreffer. Ihr Innenverteidiger Moscardo wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt – und ihr Torhüter Kaue zum besten Schlussmann. Allerdings trafen sie einzig in der Auftaktpartie gegen den alljährlichen Turnieraussenseiter Blue Stars ins Netz (3:0). Ihre vier weiteren Partien gingen alle 0:0 aus, wobei sie im Halbfinal das Penaltyschiessen gegen die Académie Génération Foot mit 4:3 gewannen und im Final dasselbige aufgrund von vier Fehlschüssen gegen den FCZ verloren.

Der FCZ war trotz des 2. Platzes in seiner Gruppe der verdiente Turniersieger. Der Stadtclub blieb als einziges Team ungeschlagen, erzielte die meisten Tore (7) und war sowohl im Halbfinalderby (2:0) wie im Final das bessere Team. Genesio Colatrellas Markenzeichen in der U21 ist, dass er grosso modo eine Stammformation die ganze Saison durchspielen lässt – Personal, Positionen und Spielweise werden kaum geändert. Und Standardsituationen sind jeweils ein wichtiges Offensivelement. Diese resultatorientierte Vorgehensweise wendete er auch in diesem Turnier an. Der Vorteil neben den Resultaten an und für sich ist dabei, dass die in der Stammformation eingesetzten Talente auf diese Art und Weise viel Erfahrung, Sicherheit und Selbstvertrauen sammeln können – und genug Zeit für ihre Entwicklung erhalten.

Sturmduo Ligue / Bajrami – die rare Spezies im FCZ-Universum

Schaut man sich die Siegermannschaft des Turniers 2023 genauer an, fällt sofort auf, dass gleich sieben der eingesetzten 15 Feldspieler Linksfüsser sind – in gewissen Partien traf dies gleich auf alle drei Zentralen Mittelfeldspieler auf dem Platz zu. Ein relativ hoher Anteil an LInksfüssern war auch ein Markenzeichen der FCZ-Meistermannschaft von 2022. Der FCZ spielte auf der Buchlern teilweise im 4-3-3 oder auch mal mit einem Zweimannsturm und Vierermittelfeld mit Rhombus. Der Kern der Mannschaft bestand aus der im Alltag von Umberto Romano trainierten U18. Dieses Team hat speziell im Mittelfeld, aber auch in der Abwehr eine aussergewöhnliche Anzahl an guten Talenten, die in der Meisterschaft durchaus jeweils noch deutlich mehr aus ihren Möglichkeiten herausholen könnten, und häufig etwas mit „angezogener Handbremse“ unterwegs zu sein scheinen.

Eigentlich müsste der FCZ aktuell auf dieser Altersstufe mit diesem Mittelfeld die Spiele deutlich mehr dominieren. Es ist unter Coach Romano auch wenig individuelle Entwicklung erkennbar. Allerdings fehlt es vorne auch etwas an Durchschlagskraft. Das für die U18 spielberechtigte Sturmduo Calixte Ligue und Labinot Bajrami spielt in der 1. Mannschaft und in der U21. Ein Sturmduo aus dem gleichen Jahrgang des eigenen Nachwuchses mit einer solchen Qualität hat der FCZ möglicherweise noch nie gehabt. Sturmtalente von diesem Niveau gibt es beim Stadtclub ganz allgemein selten, und wenn, dann ist es ein Einzelner pro Jahrgang. Während Ligue als Stadtzürcher früh zum FCZ gestossen ist, hat Bajrami das Fussball-ABC bei den Winterthurer Vereinen Veltheim und FCW gelernt und dann über einen kurzen Abstecher von 18 Monaten via Niederhasli in der U16 den Weg ins Heerenschürli gefunden. Die beiden ergänzen sich gut. Der dynamische Ligue hat unter Bo Henriksen schon neun Super League-Einsätze absolvieren können. Der klassische Strafraumstürmer und Torjäger (per Kopf und mit beiden Füssen) Bajrami scheint leistungsmässig ebenfalls nahe an der 1. Mannschaft dran zu sein.

Academy-Transfers: der FCZ dreht den Spiess um

Den gleichen Jahrgang wie Bajrami und Ligue hat Testspieler Joseph Sabobo Banda aus Sambia, der zu den grössten Offensivtalenten seines Landes zählt. Am Turnier benötigte er durchaus etwas Anlaufzeit, konnte dann aber sein Potential speziell in Sachen Antrittsschnelligkeit und Unberechenbarkeit am Ball andeuten. Noch ein halbes Jahr jünger ist der zum Saisonstart von Fiorentina in die FCZ U18 gewechselte Cosimo Fiorini. Zu dem Zeitpunkt war er Captain der italienischen U17-Nationalmannschaft. Fiorini schlägt gefährliche Standards und nimmt das Spiel in die Hand, scheint aber physisch ähnlich wie Becir Omeragic und anders als beispielsweise Landsmann Willy Gnonto etwas anfällig zu sein. Über viele Jahre waren externe Talente keine Erfolgsgeschichte im Zürcher Nachwuchszentrum gewesen. Viele Espoirs mit Vorschusslorbeeren kamen aus der Genfersee-Region nach Zürich Nord und schienen hier einfach nicht richtig gedeihen und sich entwickeln zu wollen. Im Endeffekt hatten jeweils die aus der Region Zürich stammenden Alterskollegen mehr Biss. Ausserdem gab es ausländische Youngster beispielsweise aus skandinavischen Ländern, die beim Stadtclub aufgenommen wurden, sich nicht durchsetzen konnten und schnell wieder weg waren.

Mittlerweile scheint sich der FCZ aber eine Position erarbeitet zu haben, in der man wählerisch sein kann und zu den in Zürich gut ausgebildeten Junioren von extern nur noch Talente dazuholt, die in ihren Juniorennationalteams bereits zu den Leistungsträgern gehören – wie Omeragic (Servette), Gnonto (Inter), Tsawa (St. Gallen), Fiorini (Fiorentina) oder Bajrami / Xhemaili (GC). Zuletzt war der Wechsel des Zürcher Talents Zidan Tairi nach Hoffenheim dem BLICK eine Schlagzeile wert. Zu Saisonbeginn wechselte bereits Niklas Sörensen zum gleichen Verein – und davor Filip Stojilkovic. Andi Hoti (Inter) ist ein weiteres kürzliches Beispiel. Im Unterschied zu früher sind mittlerweile aber die Zugänge in die FCZ Academy (U16, U18) und U21 mindestens so hochkarätig wie die Abgänge. Joseph Sabobo könnte ein weiteres Beispiel dafür werden. Kommt der Sambier nach Zürich, würde er analog dem Vorbild Willy Gnonto ziemlich sicher mit Einsätzen in der U21 starten. Er wäre damit nach Ligue und Bajrami der dritte hoffnungsvolle Stürmer mit 2005-er Jahrgang beim FC Zürich.

FCZ vor dem Restart: Stürmerproblem gelöst? (mit Testspielstatistik)

Nach sieben Testpartien im Sommer hat der FCZ in der verlängerten Winterpause sechs Freundschaftsspiele absolviert. Wir erinnern uns: im Sommer gab es sechs Siege aus sieben Spielen bei einem Torverhältnis von 33:7. Die einzige Niederlage (2:3) setzte es in der letzten Partie in Friedrichshafen gegen den VfB Stuttgart ab – nach einer 1:0-Führung durch Willy Gnonto. Die Testresultate und auch die Leistungen waren deutlich besser gewesen, als im Sommer vor der Meistersaison. Aber diesmal musste man zum Auftakt gleich nach Bern und verlor nach einer guten Leistung am Ende klar. Antonio Marchesno, der vor Jahresfrist einen Freistoss nach dem anderen aus 20 Metern über die Mauer gezirkelt direkt verwandelte, verschoss vom Elfmeterpunkt. Häufig läuft es in der Meisterschaft genau umgekehrt wie bei den Tests. Auch in Theaterkreisen gilt: schlechte Hauptprobe bedeutet gute Première – und umgekehrt. Die Testpartien können bezüglich Hierarchien, Taktiken und der Entwicklung einzelner Spieler durchaus Aufschlüsse bieten – nicht aber im Hinblick auf eine Prognose des Startes in die neue Wettbewerbsrunde.

Bledi, Marc, Juni,… – die Zweite Reihe macht Druck

Jetzt im Winter gab es drei Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage bei einer Tordifferenz von 13:12. In jeder der 13 Freundschaftsspiele der Saison hat der FC Zürich ins Netz getroffen. Zum Abschluss wurde der FC Wil bereits zum zweiten Mal in dieser Saison mit dem Resultat von 3:2 besiegt – diesmal im Heerenschürli über 140 Minuten. Die unter Franco Foda gepflegte Spielweise wurde kaum verändert. Sie ist weiterhin von Raumdeckung und Ballkontrolle geprägt. Der neue Trainer Henriksen hat ja auch von Anfang an betont, dass er in erster Linie im kommunikativen Bereich eine Änderung bewirken will – und nicht taktisch.

Die beste Testspielform hatten zuletzt Spieler, die zum Auftakt in Luzern tendenziell auf der Bank erwartet werden können und diesen Status noch verbessern wollen. Marc Hornschuh machte einen sehr erholten, spielfreudigen Eindruck, Bledian Krasniqi steuerte in mehreren Partien mit Toren, Assists und Tempodribblings einen wesentlichen Teil der wenigen Glanzpunkte bei. Roko Simic, der durchaus von Beginn weg Startelfchancen hat, hatte Zug aufs gegnerische Tor. Auch Calixte Ligue bestätigte das Vertrauen von Trainer Henriksen und der Klubführung. So weit wie der zwei Jahre ältere Roko Simic ist er aber natürlich noch nicht. Möglichst viele LInksfüsser im Kader zu haben ist aber immer gut – mit Karol Mets ist in der Winterpause zwar einer gegangen, aber mit den aus Genesio Colatrella’s U21 beförderten Ramon Guzzo und Calixte Ligue zwei weitere hinzugekommen.

Verteidiger in der Rückwärtsbewegung schlecht

Gianni De Nitti machte zumindest in den Testpartien den etwas besseren Eindruck, als Zivko Kostadinovic. Kostadinovic ist grundsätzlich aktuell höher einzustufen, aber er konnte in den Vorbereitungsspielen wenig überzeugen und ist genauso wie De Nitti mit den Füssen deutlich schlechter als Brecher, was in der Liga auf das Zürcher Aufbauspiel einen grossen Einfluss haben wird. Ivan Santini, der im Herbst von den Einsatzzeiten her nur die Nummer 22 im Kader war, konnte sich in den Wintertestspielen nicht empfehlen. Bohdan Vyunnik arbeitet viel für die Mannschaft. Der Ukrainer hat in dieser Saison nach Fabian Rohner (13) in Testpartien am zweitmeisten Skorerpunkte erzielt (fünf Tore, vier Assists). Assan Ceesay war beim FCZ ebenfalls erst der „Testspiel-Goalgetter“, bevor er dann später zum echten Topskorer wurde. Dauerläufer Adrian Guerrero wurde diese Saison auch in Vorbereitungsspielen mit 825 Minuten mit Abstand am meisten eingesetzt. Potentielle Back-Ups gibt es mit Fidan Aliti, Ramon Guzzo, Selmin Hodza, Calixte Ligue, Jonathan Okita und Daniel Afriyie einige. Aber keiner von diesen bringt das Laufvermögen des Spaniers mit.

Die Rückwärtsbewegung von Verteidigern wie Nikola Katic, Lindrit Kamberi oder Ilan Sauter war in den Testpartien auch gegen Gegner wie Dornbirn oder Wil sehr schlecht. Da kann man nur hoffen, dass es alleine an der Spritzigkeit lag – und diese zum Auftakt gegen Luzern wieder da sein wird. Auf insgesamt 545 beziehungsweise 453 Minuten in den Testspielen kommen mit Sauter und Seiler zwei Spieler, die in Wettbewerbspartien für den FCZ in dieser Saison noch keine oder fast keine Rolle gespielt haben. Basierend auf den Auftritten vor allem von Sauter wird sich das wohl auch kaum wesentlich ändern.

Drei neue Stürmer auf der Mannschaftsliste

Die häufigste Spielformation in Ballbesitz war in den Testspielen weiterhin das 3-3-2-2 System, welches im Spiel gegen den Ball häufig zu einem 3-4-3 mit beispielsweise Antonio Marchesano auf dem Linken Flügel wird – wie unter Foda. Gegen Universitatea Cluj und Schalke 04 hat man für die letzten zehn Minuten eine Variante durchgespielt mit Wechsel auf 4-2-3-1 (Hornschuh beziehungsweise Katic auf der Zehner-Position) mit Hohem Pressing. Beide Male hat man so tatsächlich noch ein Tor erzielt. Allerdings kann man in Testspielen mit taktischen Wechseln oder Rhythmuswechseln sehr einfach reüssieren, weil die Gegner jeweils taktisch nicht reagieren, wie dies in einem Meisterschaftsspiel der Fall wäre.

Der FCZ hatte in den ersten 16 Runden Super League 2022/23 gemessen an den zugelassenen Torchancen, man höre und staune, die beste Defensive der Liga! Das grosse Problem war im Herbst die Offensive und dabei wiederum die Position der Stürmer. Diese trugen zu wenig dazu bei, gute Torchancen zu kreieren und waren zudem auch noch im Gegensatz zu letzter Saison im Abschluss sehr ineffizient. Nach der Winterpause tauchen auf dieser Position nun drei neue Namen auf der Mannschaftsliste auf: Roko Simic (Leihe von Salzburg), Daniel Afriyie (Hearts of Oak) und Calixte Ligue (aus dem eigenen Nachwuchs).

Neu wieder mit Alternativen auf dem Flügel

Mittelstürmer Roko Simic hat trotz seiner 19 Jahre das Potential, dem FCZ in der Rückrunde helfen zu können. Das Stürmerblut, der Zug zum Tor ist vorhanden. Er ist gross und bringt eine gute technische Ausbildung mit. Vieles wird bei ihm davon abhängen, wie lange es dauert, bis er sein erstes Tor erzielt. Gelingt es ihm in den ersten drei Spielen, wird es eine gute Runde für ihn. Muss er sechs, sieben Spiele darauf warten, könnte die Halbsaison in Zürich eine zu kurze Episode werden, um positive Spuren zu hinterlassen. Roko’s Vater Dario Simic bestritt vorwiegend als Rechtsverteidiger 100 Länderspiele für Kroatien, stand 1998 im WM-Halbfinal und im Gruppenspiel gegen die Schweiz (0:0) an der EM 2004 ebenfalls in der Startformation.

Daniel Afriyie ist ein typischer Flügelstürmer, der aktuell an den African Nations Championships in Algerien sein Heimatland Ghana vertritt. Im ersten Gruppenspiel gegen Madagaskar (1:2-Niederlage) lief er in einem Zweimann-Sturm auf. Bei seinem ersten Einsatz im Nationalteam im Juni wurde er in der Schlussphase auf der Position des Linken Aussenläufers eingewechselt als Nationalcoach Otto Addo die Dreierabwehr testete, welche dieser später an der WM im Auftaktspiel gegen den Gruppenfavoriten Portugal auch umsetzte. Schritt für Schritt hat der FCZ auf der eine gewisse Zeit lang kaum besetzten Position des Offensivflügels wieder aufgestockt, so dass für ein 4-3-3, 3-4-3 oder 4-2-3-1 auch auf den Flügelpositionen genügend Alternativen für die Startformation und Einwechslungen vorhanden sind: Jonathan Okita, Fabian Rohner, Donis Avdijaj, Aiyegun Tosin, Calixte Ligue und Daniel Afriyie.

Afriyie bereits diese Woche in Zürich?

Afriyie kann sich im Alter von 21 Jahren bereits Meister von Burkina Faso (mit Überraschungsteam Rahimo FC) und Ghana (mit Traditionsklub Hearts of Oak) nennen. Er war zudem Captain von Ghanas U20-Nationalmannschaft mit der er vor zwei Jahren Afrikameister wurde und im Final gegen Uganda die zwei Tore zum 2:0-Sieg erzielte. Im Testspiel gegen die Schweiz kurz vor der WM 2022 kam er zum Einsatz, am anschliessenden Turnier aber nicht. Die African Nations Championship (CHAN) sind exklusiv in Afrika geborenen Spielern vorbehalten, die in afrikanischen Ligen aktiv sind. Die Spiele des Turniers gelten offziell als „Freundschaftsspiele“ und die Qualifikationspartien werden in vielen Statistiken gar nicht erst als Länderspiele mitgezählt. Afriyie hat in der Qualifikation in drei der vier Partien gegen Benin und Nigeria je einen Treffer erzielt.

Daniel Afriyie gegen Madagaskar in Erwartung eines Penaltys, der dann vom VAR unterbunden wird.

Die 1:2-Niederlage zum Auftakt gegen Madagaskar ist nun aber ein herber Dämpfer. Solomampionona Razafindranaivo und Tokinantenaina Randriatsiferana brachten Madagaskar in Führung, bevor Augustine Agyapong mit einem Flankenball der Anschlusstreffer gelang. Viele Spieler rutschten auf dem Rasen im algerischen Constantine immer wieder weg. Das gleiche passierte auch Afriyie bei einem Richtungswechsel im gegnerischen Strafraum. Der Schiedsrichter entschied überraschend auf Strafstoss. Afriyie bereitete sich darauf vor, den Penalty gleich selbst zu schiessen, aber durch VAR-Intervention wurde dieser nach mehreren Minuten dann doch noch annulliert. Da WM-Halbfinalist Marokko kurzfristig nicht mit von der Partie ist, hat sich die Ghana-Gruppe auf drei Teams reduziert. Somit könnte man bereits am Donnerstag nach der Partie gegen den Sudan ausgeschieden sein.

Das „Bibbern“ hat ein Ende – Ligue in der Super League

Generell lässt sich sagen, dass Afriyie ein wirbliger Spieler mit Überraschungsmomenten ist. Sein Vertrag bei Hearts of Oak lief aus. Er soll im Dezember ein Angebot des spanischen Zweitligisten Leganés (Nachbarort von Getafe im Süden von Madrid) abgelehnt und sich für den FCZ entschieden haben. Gegen Madagaskar gelang Afriyie auf der von ihm nicht präferierten Position im Sturmzentrum allerdings nicht viel. Immer wieder auffällig auch in früheren Spielen mit dem Nationalteam oder mit Hearts of Oak ist, dass Afriyie viel über die Mitspieler lamentiert und bei einem Assist oder Torerfolg meist alleine jubelt. In dieser Hinsicht passt er im negativen Sinn ein wenig ins aktuelle FCZ-Team, bei welchem sich mehrere Spieler selbst in Testspielen ständig benachteiligt fühlen, beim Schiedsrichter heftig reklamieren, und Gegenspieler für ein Freundschaftsspiel unangemessen heftig attackieren. Dzemaili, Marchesano, Katic oder Aliti geben diesbezüglich die Richtung vor und jüngere Spieler wie Condé oder Rohner lassen sich davon anstacheln.

Der Zürcher Calixte Ligue (17) aus dem eigenen Nachwuchs ist der Dritte im Bunde der neuen Stürmer im Kader der 1. Mannschaft. Von allen Talenten aus dem FCZ-Nachwuchs musste in den letzten Jahren bei ihm sicherlich am meisten „gebibbert“ werden, dass er nicht (zu früh) wechselt. Beobachtet wurde er im Heerenschürli und anderswo von ausländischen Scouts schon lange. Denn im Gegensatz zur Mehrheit der Zürcher Talente brachte er schon früh auch die physischen Komponenten mit, die ihn international begehrt machten. Nun hat er aber glücklicherweise den nachweislich erfolgsversprechenderen Weg eingeschlagen, in seiner näheren Umgebung die ersten Schritte im Profibereich zu tätigen und sich zu etablieren. Ligue ist grundsätzlich Mittelstürmer, wurde in den letzten Jahren aber auch viel als Flügelstürmer eingesetzt – und am letzten Blue Stars/FIFA Youth Cup mit guten Leistungen sogar als Aussenläufer in einem 3-5-2 System.

Santini und Avdijaj am effizientesten

Was ist mit den bisherigen Stürmern? Aiyegun Tosin war in seiner Karriere bisher noch nie der grosse Torjäger. Man kann seine bloss vier Ligatreffer (davon drei im letzten Spiel gegen Servette) beklagen, aber sein Torkonto Ende der letzten beiden vollen Saisons beim FCZ lag bei bloss sechs Treffern. Auf seine Entwicklung und eine Leistungsexplosion à la Assan Ceesay wurde beim FCZ zu Beginn der Saison stark gesetzt. Tosin spielt aber vorderhand gleich weiter wie in den Jahren zuvor. Er möchte immer wieder das Spiel in die Hand nehmen und sich spielerisch beteiligen. Entscheidungssituationen mit mehreren Optionen sind aber nicht seine Stärke. Tosin ist viel besser in Drucksituationen, wenn nur noch eine sinnvolle Lösung übrigbleibt. Jonathan Okita ist noch zu stark auf seine „Signature Moves“ fokussiert und müsste häufiger auch mal altermative, einfachere Lösungen wählen.

Antonio Marchesano spielt bisher insgesamt eine durchaus gute Saison, hat aber seine Abschlussqualitäten vorläufig eingebüsst. Mit Willy Gnonto zusammen hatte er von allen Torschützen der bisherigen Vorrunde die tiefste Torquote pro 90 Spielminuten. Anders sieht dies bei Donis Avdijaj und Ivan Santini aus. Diese beiden Stürmer brachten bisher in dieser Saison die so dringend benötigte Effizienz mit. 27,3% aller Abschlüsse von Donis Avdijaj fanden unter Coach Franco Foda den Weg ins gegnerische Gehäuse und Santini hat in jener Zeit 0,6 Treffer pro 90 Einsatzminuten erzielt. Das sind die jeweils klar höchsten Werte im Team. Santini gelang ein sehr gutes Spiel gegen Lausanne-Sport. Zum Zeitpunkt seiner Auswechslung führte der FCZ 2:1 und hatte die Partie im Griff. Die Art und Weise wie Schiedsrichter Bieri gegenüber Lausanne-Verteidiger Anel Husic in dessen unfair geführten Zweikämpfen mit Santini mehr als ein Auge zudrückte, machte danach aber Schule. Statt Husic schien Santini bei den Referees auf einer „Schwarzen Liste“ gelandet zu sein, was den weiteren Verlauf seiner Vorrunde zusätzlich zur ansonsten bereits geringen Einsatzzeit erschwerte.

Krasniqi beginnt, Marchesano und Mets Ersatz / FCZ – Servette Aufstellungen

Sowohl der FCZ wie Servette hatten vor der Winterpause resultatmässig eine sehr gute Phase. Beide haben Neuverpflichtungen getätigt, der FCZ allerdings zu einem früheren Zeitpunkt als die Genfer. Darum ist Karol Mets heute bereits einsatzfähig und bei den Grenats Bedia und Bauer nicht. Ausserdem wird in typischer Servette-Manier Grejohn Kyei, der seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern will, ebenfalls nicht nach Zürich mitgenommen. Allerdings beginnt Mets heute auf der Ersatzbank genauso wie Marchesano. Bledian Krasniqi beginnt in der Startformation.

Bei Servette wird wohl Ronny Rodelin die Sturmposition einnehmen und Kastriot Imeri am Flügel auflaufen. Der ehemalige FCZ-Jungspieler Dimitri Oberlin sitzt auf der Ersatzbank.

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