Topskorer Ceesay, Vollprofi Guerrero und Pluspunkte für Krasniqi / FCZ – Luzern in der Züri Live-Analyse

Im Zusammenhang mit Assan Ceesay wurde nach der Saison oft vom „zweitbesten Torschützen“ der Liga gesprochen. Ausser Acht gelassen wurde dabei, dass der Gambier mit 20 Toren und 11 Assists der Top-Skorer der Liga war – und dies mit klarem Vorsprung vor Jordan Siebatcheu (26 Skorerpunkte) und Miroslav Stevanovic (24). Ausserdem war Ceesay der beste Torschütze aus dem Spiel heraus – Torschützenkönig Siebatcheu hatte fünf seiner 22 Treffer verwandelten Penaltys zu verdanken (Ceesay nur einen von 20). Im abschliessenden Heimspiel vor vollen Rängen im Letzigrund konnte Ceesay bereits im dritten Spiel in Folge einen Assist verbuchen: eine saubere Ablage vor dem Strafraum auf Tosin, der per Weitschuss zur frühen Führung traf. Später erhöhte Ceesay selbst auf 2:0 nach einem mit optimalem Timing mit dem schwächeren Rechten Fuss Guerreros in die Tiefe gespielten Ball.

Deutliche Leistungssteigerung – aber nur phasenweise

Zwar erreichte der FCZ bei weitem nicht mehr die Leistung wie noch in Basel oder St. Gallen, im Vergleich mit dem Heimspiel gegen Lausanne oder der Auswärtspartie in Lugano vermochte sich der mit der Rückrunden-Stammelf auflaufende Stadtclub aber nochmal deutlich zu steigern. Man konnte diese Leistungssteigerung allerdings nicht über 90 Minuten durchzuziehen. Die ersten 30 Minuten waren sehr gut, dann liess das Team nach, was dem FC Luzern den 2:2-Ausgleich noch vor der Pause ermöglichte. Der FCZ war in dieser Phase im Pressing und in der Rückwärtsbewegung zu passiv und wurde zwei Mal ausgekontert. Nach dem Seitenwechsel liess das Breitenreiter-Team dann bereits nach starken fünf Anfangsminuten wieder nach. Nach einem Einwurf erzielte Filip Ugrinic in der 55. Minute per Weitschuss die 2:3-Führung für Luzern.

FCZ drückt vor allem dank Krasniqi, Seiler und Guerrero auf den Ausgleich

Ab der 60. Minute übernahm der FCZ dank der beiden flinken Einwechselspieler Krasniqi und Seiler dann aber wieder das Szepter. Speziell der in der Rückrunde mit Leistungsschwankungen agierende Bledian Krasniqi konnte in den letzten beiden Partien in Lugano und gegen Luzern nochmal Pluspunkte sammeln. Die Innerschweizer scheinen dem 20-jährigen Zürcher als Gegner ganz allgemein zu liegen. Ab der 75. Minute und der Einwechslung Rohners für Aliti rückte Nikola Boranijasevic zurück in die Dreierabwehr. Der FCZ machte Druck und kam unter anderem zu vielen Eckbällen, die MVP Adrian Guerrero meist ideal in die Mitte brachte – Kryeziu und Kamberi gelang der verdiente Ausgleich aber nicht. Der als professionelles Vorbild vorangehende Guerrero war bereits beim Heimspiel gegen Lausanne der MVP gewesen. Mit einer gelinde gesagt eher mässigen Leistung verabschiedete sich der als Letzter ausgewechselte Ousmane Doumbia von den FCZ-Fans, nachdem er Tage zuvor bei seinem künftigen Verein Lugano noch die Captainbinde getragen hatte.

Performance & Stats

Telegramm

FCZ – Luzern 2:3 (2:2)
Tore: 2. Tosin (Ceesay) 1:0, 27. Ceesay (Guerrero) 2:0, 28. Ndiayé (Jashari) 2:1, 45. Campo (Abubakar) 2:2; 55. Ugrinic (Campo) 2:3.
FCZ – Brecher; Kamberi, Kryeziu, Aliti (75. Rohner); Boranijasevic, Dzemaili (60. Seiler), Doumbia (82. Coric), Guerrero; Marchesano (60. Krasniqi); Tosin, Ceesay (75. Kramer).
Luzern – Müller; Dräger, Burch, Simani, Frydek; Ugrinic (82. Emini), Jashari; Ndiayé (74. Tasar), Campo (64. Schulz), Abubakar (74. Schürpf); Sorgic (64. Kvasina).



Neues Mittelfeld mit Krasniqi, Seiler und Coric – FCSG-FCZ Startformationen

Beim FCZ ist Ousmane Doumbia gesperrt. Der fraglich gemeldete Kramer ist genauso wie Blerim Dzemaili und Moritz Leitner nicht im Aufgebot. Der FCZ läuft in St. Gallen zum Rückrundenspitzenkampf mit einem komplett neuen Zentrum auf: Stephan Seiler, Bledian Krasniqi und Ante Coric. Marchesano und Kryeziu sitzen auf der Bank. In der Hinterreihe kommt Karol Mets rein. Lindrit Kamberi könnte in der Dreierabwehr im Zentrum auflaufen.

Beim FC St. Gallen wird mit Lukas Görtler ebenfalls der Mittelfeldkämpfer als krank gemeldet, Von Moos war vor der Partie fraglich, nimmt aber auf der Ersatzbank Platz.

Das Zeidler-Team ist zuletzt jeweils auswärts mit Raute und zu Hause mit einem Dreimannsturm angetreten – so auch heute wieder, wobei zu Beginn der ehemalige Juniorennationalspieler Lungoyi Von Moos ersetzt. Beim Spiel mit Raute (auswärts) hatte sich im Spiel mit Ball in der Angriffszone häufig entweder Victor Ruiz oder Lukas Görtler auf die Position des Rechten Flügels verschoben, so dass ebenfalls situativ ein Dreimannsturm entstand.

Ein Spiel geprägt von der vorgängigen Gegneranalyse beider Trainer / Servette – FCZ in der Züri Live-Analyse

Selten gibt es Spiele mit so vielen offensichtlichen Referenzen an die Duelle der jüngsten Vergangenheit wie diese Partie. Beide Trainer hatten gleich mehrere Massnahmen getroffen, um die gegen den gleichen Gegner in dieser und der letzten Saison einkassierten Gegentore diesmal zu verhindern – und die beiden Teams setzten diese Vorgaben auch um. Servette sieht sich selbst mittlerweile als Spezialisten gegen die drei Spitzenteams und konnte dies erstmal in dieser Saison auch gegen den FCZ bestätigen. Allerdings hat der FCZ selbst in dieser Wertung die beste Bilanz – vor St. Gallen, welches gegen alle drei Spitzenteams der Saison 2021/22 zur Zeit eine ausgeglichene Punktebilanz aufweist.

Erstmals seit langer Zeit standen wieder mal sechs aus der eigenen Nachwuchsabteilung stammende Spieler in der Startformation beim FCZ und damit mehr als bei Servette (drei), das diese Saison mit St. Gallen und Lausanne zu den am meisten auf den eigenen Nachwuchs setzenden Teams in der Super League gehört.

Viel Ballbesitz und Torchancen

Wie schon zuvor GC überliess auch Servette dem FCZ überwiegend den Ball und zog sich zurück. Auch die Flügel Stevanovic und Rodelin standen im Spiel ohne Ball tief. Der FCZ hatte die ganze Partie hindurch zwischen 60 und 70% Ballbesitz. Trotzdem kam der FCZ zu einigen Tormöglichkeiten, aber die Abschlusseffizienz war wie meist bei hohem Ballbesitz tiefer, als bei geringem Ballbesitz. In der 49. Minute kam es gar zu einer Vierfachchance durch Guerrero, Ceesay, Marchesano und Aliti. In der Folge konnte Ceesay tolle Vorlagen hinter die Abwehr von Guerrero und Tosin nicht verwerten – Ceesay und Gnonto scheiterten zudem alleine vor dem Tor nach Hereingaben von rechts. In der Nachspielzeit wurden zwei weitere Bälle von rechts an den nahen Pfosten gespielt – aber keiner der zahlreichen Zürcher im Strafraum besetzte diese Position.

Kontinuierlich und dramatisch sinkende Abschlusseffizienz

Seit dem 3:0-Heimsieg gegen Lugano hat die Abschlusseffizienz beim FCZ (Erzielte minus Erwartete Tore) kontinuierlich abgenommen und liegt als gleitender Durchschnitt seit dem St. Gallen-Heimspiel sogar im negativen Bereich. Dementsprechend ist auch die Punkteausbeute im gleichen Zeitraum zurückgegangen. Die Effizienz der jeweiligen Gegner in den Partien gegen den FCZ hat sich zudem leicht verbessert, liegt aber seit Ende der Vorrunde im negativen Bereich, was für Torhüter Yanick Brecher spricht.

Aufbau über viele Stationen gegen ein tief stehendes Servette

Die Züri Live-Durchschnittsnote 5,6 ist zusammen mit dem Derby vor Wochenfrist die tiefste Rückrundenbewertung. Nur zwei Mal in dieser Saison gab es bisher weniger Defensivpunkte: im Cupspiel in Solothurn sowie beim anschliessenden 2:1-Derbysieg zu Beginn der Spielzeit. Einerseits kam Servette speziell durch die Mitte trotz häufiger nomineller Zürcher Überzahl viel zu häufig und zu einfach durch. Andererseits hatte der FCZ dann aber auch phasenweise defensiv kaum Arbeit zu verrichten. 56 Pre-Vorlagen sind deutlicher Saisonrekordwert und ein klarer Ausdruck für die erschwerte „Penetration der gegnerischen Abwehr“ (um einen Lieblingsausdruck von SRF-Experte Kay Voser zu gebrauchen). Um zu einer Abschlusschance zu gelangen, mussten viele Pässe gespielt werden. So war schlussendlich beispielsweise Ballverteiler Mirlind Kryeziu an der Vorbereitung von 10 Torchancen beteiligt.

Dzemaili und Aliti reklamieren und sind vor dem Gegentor entscheidend abgelenkt

Nach schlechten Erfahrungen in dieser Saison war Servette darauf bedacht, möglichst gegnerische Freistösse in Strafraumähe zu vermeiden – und tatsächlich gab es nur einen einzigen. Mirlind Kryezius Aufsetzer kam dabei immerhin wieder mal aufs Gehäuse und strahlte leichte Torgefahr aus. Den einzigen Treffer der Partie erzielte Servette im Anschluss an einen Einwurf. Es war das dritte FCZ-Gegentor der Saison aus einem solchen Standard. Entscheidend für das Gegentor war auch, dass Dzemaili und Aliti fälschlicherweise ein vermeintliches Foul an Guerrero reklamierten, dadurch die paar entscheidenden Zehntelssekunden abgelenkt waren und bei der Genfer Kombination im Strafraum die entscheidenden Schritte zu spät kamen. Tatsächlich war Guerrero ausserhalb des Strafraumes einfach über den von Marchesano zu Boden gestossenen Douline gestolpert. Krasniqi schaltete zudem in der Szene zum Gegentor ab und half nicht mit.

FCZ in Überzahl im 4-4-2 nicht erfolgreich

In der Vergangenheit war das Letzigrund-Team immer wieder anfällig bei Servette-Cornern gewesen – diesmal liess man nur einen einzigen solchen zu. Der FCZ setzt dafür seine alte Tradition fort, aus Überzahlsituationen wenig herauszuholen, ähnlich wie dies auch im Eishockey bei auf Umschaltspiel ausgerichteten Mannschaften wie Ambri häufig der Fall ist. Mit der Einwechlung Salim Khelifis und einem Mann mehr (Gelb-Rot Douline mit Foul gegen Gnonto an der Mittellinie) stellte Coach Breitenreiter auf ein 4-4-2 mit den offensiven Flügeln Khelifi und Tosin sowie Kamberi auf der Rechtsverteidigerposition um.

Kryeziu überwindet Mini-Krise im Verlauf der Partie

Der FCZ arbeitete viel mit Seitenwechseln und Diagonalbällen von Doumbia, Dzemaili, Marchesano und Kryeziu. In der 1. Halbzeit kam man fast ausschliesslich mit Fabian Rohner über rechts gefährlich vors gegnerische Gehäuse – und bis kurz vor der Pause nur Marchesano zum Abschluss. Die 21 Flanken in den Strafraum pro 90 Minuten sind Saisonrekordwert – nur in den 120 Minuten in Yverdon waren es noch etwas mehr gewesen. Rohner baute nach einem starken ersten Viertel im Verlauf der Partie genauso ab wie der gut startende Krasniqi und der ordentlich beginnende Dzemaili. Dafür steigerten sich die ungenügend startenden Kryeziu und Brecher im Verlauf des Matches. Kryeziu schien in Genf je länger das Spiel dauerte seine Mini-Krise der letzten Wochen überwinden zu können. Plötzlich kamen auch seine langen Bälle wieder präzis beim Adressaten an.

Tosin löst Krasniqi als MVP ab

Bei Bledian Krasniqi gehen die relativ grossen Leistungsschwankungen weiter. Seinem hervorragenden Auftritt als Einwechselspieler im Derby folgte in Genf wieder ein vor allem im zweiten Viertel der Partie unterdurchschnittlicher Teileinsatz bis zu seiner Auswechslung kurz vor der Pause. Der in der 66. Minute eingewechselte Tosin war hingegen sehr engagiert und machte in der Schlussphase am meisten Druck, lief viel und riss Räume auf – während der gleichzeitig ins Spiel gekommene Moritz Leitner abgesehen von einzelnen guten Ansätzen insgesamt weiterhin nicht genügt. Seine tiefe Saisondurchschnittsnote von 3,2 konnte er im Stade de Genève nicht verbessern.

Performance & Stats

Szenen

Telegramm

Servette – FCZ 1:0 (1:0)
Tore: 35. Imeri (Stevanovic) 1:0.
Servette – Frick; Vouilloz, Rouiller, Sasson, Behrami (89. Severin); Douline; Cognat, Imeri (89. Oberlin); Stevanovic, Bedia (72. Cespedes), Rodelin (72. Alves).
FCZ – Brecher; Kamberi, Kryeziu, Aliti; Rohner (79. Khelifi), Doumbia, Dzemaili (66. Leitner), Guerrero; Krasniqi (44. Gnonto); Marchesano (66. Tosin), Ceesay.



FCZ kann Raum hinter GC-Abwehr nicht nutzen / FCZ – GC in der Züri Live-Analyse

Der FCZ bleibt im vierten Jahr in Folge die Nr.1 der Stadt, das war schon vor der Partie klar. Nach dem vierten Derby der Saison kann man zusätzlich sagen: ungeschlagen. Diesmal war der FCZ bei einem Expected Goals-Verhältnis von 2,35 zu 1,1 und insgesamt 20 Abschlüssen ineffizient, angefangen beim ersten in einem Wettbewerbsspiel für den FCZ verschossenen Penalty Antonio Marchesanos. Dies nach 14 verwandelten in Folge (ohne Berücksichtigung des Penaltyschiessens in Yverdon)! Der FCZ-Notenschnitt von Züri Live ist mit 5,6 der tiefste seit dem 1:0-Auswärtssieg in Sion in der 14. Runde. GC setzte fünf Spieler ein, die aus dem eigenen Nachwuchs stammen (Arigoni, Loosli, Morandi, Kacuri, Rastoder), der FCZ in Abwesenheit des gesperrten Mirlind Kryeziu nur vier (Brecher, Dzemaili, Krasniqi, Rohner).

Sturmduo Gnonto / Kramer kann Räume in die Tiefe nicht nutzen

GC setzte im 90er-Jahre Stil auf ein konsequentes Mittelfeldpressing. Die hintere Fünferreihe stand hoch und vor der Mittellinie setzten die drei Stürmer die Zürcher Hintermannschaft im richtigen Moment so unter Druck, dass es dem Breitenreiter-Team sehr selten gelang, einen präzisen Ball nach vorne zu spielen. Raum wäre speziell in der 1. Halbzeit hinter der GC-Abwehr vorhanden gewesen, aber da fehlte zu diesem Zeitpunkt ein Assan Cessay, welcher diesen Raum auch hätte ausnutzen können. Kramer und Gnonto erhielten nach ihren positiven Auftritten zuletzt in Bern die Chance von Beginn weg und konnten diese nicht nutzen. Gnonto blieb ungewohnt blass und Kramer fehlte das richtige Timing oder in anderen Situationen die Ballkontrolle.

Morandi / Bolla provozieren ungewohnte Abstimmungsprobleme bei Guerrero / Aliti

In der Hinterreihe mussten Omeragic, Mets und Aliti häufig ohne Absicherung in den Eins-gegen-Eins Duellen gegen Sène (Omeragic), Momoh (Mets) und Morandi (Aliti) bestehen. Der aus den Nachwuchsabteilungen des Team Ticino und GC’s stammende Giotto Morandi kam nach seinem Kreuzbandriss erstmals in der Startformation zum Einsatz. erzielte den Führungstreffer und stellte die linke Zürcher Seite unterstützt von Bendegúz Bolla auch im Pressing vor Probleme. Der abgesehen von seiner Torvorbereitung eher einen schlechten Tag einziehende Adrián Guerrero (ungewohnt viele Unpräzisionen) und Fidan Aliti hatten in dieser Partie Schwierigkeiten mit dem richtigen Timing beim situativen Wechsel von Manndeckung auf Raumdeckung und umgekehrt. Der tiefe Platz trug das Seinige dazu bei, dass der FCZ seine üblichen Stärken in Form von Offensiv-Automatismen nicht so wie üblich ausspielen konnte.

Omeragic und Dzemaili in der 2. Halbzeit am Anschlag

Der GC-Führungstreffer wurde durch einen Fehlpass Nikola Boranijasevics in der gegnerischen Hälfte eingeleitet und Becir Omeragic liess sich daraufhin im Mittelfeld nachdem ihm Kaly Sène den Ball eigentlich bereits „geschenkt“ hatte, diesen viel zu einfach vom Senegalesen wieder abluchsen. Boranijasevic hatte im dritten Viertel der Partie eine schwache Phase, in welcher ihm fast alles misslang. Er wird genauso wie Coric in Genf gesperrt sein, was einem mit zwiespältigen Erinnerungen mit dem Stade de Genève verbundenen Fabian Rohner zu einem Starteinsatz verhelfen dürfte. Omeragic baute ebenfalls nach der Pause stark ab, hatte speziell in der Rückwärtsbewegung grosse Probleme. Dies zog sich bis zu seinem verletzungsbedingten Ausfall hin – als ob die beiden Einsätze in der U21-Nationalmannschaft als Rechtsverteidiger zu viel für ihn gewesen wären. Die Meniskusverletzung holte er sich in einer Szene, in welcher er in der Rückwärtsbewegung zu wenig investierte und sich so selbstverschuldet in eine Stresssituation brachte. Auch der bereits in den ersten 45 Minuten ungenügend spielende Blerim Dzemaili baute im Verlauf der 2. Halbzeit noch weiter ab. Ausgewechselt wurde aber Doumbia. Nach zwischendurch guten Leistungen gegen Basel und in Luzern fiel Dzemaili zuletzt gegen St. Gallen, in Bern und gegen GC im Vergleich zum Rest der Mannschaft wieder ab. Das Total von 69 Defensivpunkten für das ganze Team in dieser Partie ist niedrig.

Offensivkopfball ein FCZ-Schwachpunkt

Auch Fidan Alitis Auftritt war lange Zeit mässig, sein Ausgleichstreffer (erstes Tor im 77. Super League-Spiel) beflügelte ihn in der Schlussphase dann aber sichtlich. Aliti ist ganz allgemein zur Zeit der Haupt-Zielspieler bei Standards im gegnerischen Strafraum – trotz der für einen Super League- Innenverteidiger eher geringen Körpergrösse von 1,83m, wodurch der Kosovarische Nationalspieler trotz grossen Einsatzes viele Kopfballduelle verliert. Eines der grössten Offensivprobleme des aktuellen FCZ besteht darin, dass die grossgewachsenen Spieler alle schlecht im Offensivkopfball sind. So nutzt es am Ende dann häufig auch nichts, dass man relativ gute Standardschützen hat. Nicht zufällig wurde ein wesentlicher Teil der diesjährigen Standardtore direkt verwandelt. Alitis Abstauber war das neunte FCZ-Wettbewerbstor der Saison auf einen Freistoss. Adrián Guerrero schlug diesen so hervorragend in den Strafraum, dass man bei GC Bendegúz Bolla wegen dessen Abpraller keine allzu grossen Vorwürfe machen kann.

Bledian Krasniqi bringt entscheidenden Schwung

Das Gegentor Morandis war der Weckruf. Zuerst reagierte die Südkurve. Kaum hatte Schiedsrichter Schärer auf den Punkt gezeigt, begann diese richtig Gas zu geben. Die Mannschaft zog mit. Vor allem aber brachten einmal mehr gewisse Einwechslungen Schwung. Bledian Krasniqi trug wesentlich dazu bei, dass sich der FCZ in der gegnerischen Hälfte installieren und in der Schlussphase zu einigen guten Torchancen kommen konnte. Auch den Freistoss zum Ausgleich holte der 20-jährige heraus. Es war seine bisher beste Saisonpartie (erstmals MVP). Neben ein paar guten Auftritten auswärts in Luzern zu Beginn der Saison, beim 6:2 gegen Sion, beim Cup-Aus in Yverdon und dem Auswärtssieg in Lausanne vor der Winterpause war auch viel Leerlauf dabei. Die Kürze des Auftrittes, der Derbycharakter und gewisse Denkpausen zwischendurch haben wohl ihren Teil dazu beigetragen, dass Krasniqi deutlich konkreter auftrat, als in den meisten seiner bisherigen Einsätze der Saison. Vom ersten Ballkontakt an machte er die kleinen Dinge besser, zum Beispiel Kurzpässe in der richtigen Schärfe oder am Ball durch proaktives Handeln zu verhindern, dass der Gegner überhaupt in den Zweikampf kommt. Aus der Startformation hingegen konnten nur Marchesano und Doumbia überzeugen. Dzemaili, Omeragic, Guerrero und Einwechselspieler Coric erhalten im vierten Derby der Saison eine ungenügende Note.

Performance & Stats

Szenen

Telegramm

FCZ – GC 1:1 (0:0)
Tore: 50. Morandi (Momoh) 0:1, 82. Aliti (Guerrero) 1:1.
FCZ – Brecher; Omeragic, Mets, Aliti; Boranijasevic (76. Rohner), Doumbia (76. Coric), Dzemaili, Guerrero; Marchesano (60. Krasniqi); Gnonto (60. Tosin), Kramer (60. Ceesay).
Grasshopper-Club – Moreira; Arigoni, Loosli, Seko; Bolla, Kawabe, Herc, Schmid (73. Lenjani); Morandi (78. Da Silva), Momoh (74. Kacuri), Sène (78. Rastoder).



Das junge Duo Infernale Gnonto / Krasniqi soll wieder in der Tuilières wirbeln – Lausanne-Sport – FCZ Vorschau und Startformationen

Historisch hat der FCZ in der von dbfcz erfassten Zeitperiode gegen Lausanne-Sport(s) (seit 2003 ohne „s“ am Ende) eine negative Bilanz.Genauso wie auch gegen die anderen Kontrahenten aus den „Big 6“ – GC, FCB, Servette und (knapp) YB. In Lausanne hat der FCZ weniger als halbsoviele Siege wie Niederlagen eingefahren. Chancenlose Auftritte in der Stadt am Lac Léman haben in den letzten Jahren wesentlich zur Ablösung der Trainer Forte und Magnin beigetragen. Zuletzt gab es allerdings drei Siege und zwei Unentschieden in den letzten fünf Duellen mit den Waadtländern.

Historische Bilanz Lausanne-Sport gegen den FC Zürich (dbfcz-Statistik Stand: 5.3.2022)

Beim FCZ werden in den Tuilières die beiden gesperrten Omeragic und Dzemaili vermutlich durch Mets und Krasniqi ersetzt werden. Möglicherweise erhält wie schon vor der Winterpause auch diesmal wieder Wilfried Gnonto auf dem Kunstrasen eine Chance von Beginn weg, auf welchem Dzemaili wohl sowieso nicht von Anfang an aufgelaufen wäre. Damit wäre das Duo Krasniqi / Gnonto wieder vereint, welches damals für den 1:0-Führungstreffer im Waadtland gesorgt hatte. Aiyegun Tosin hat seit Wiederbeginn der Meisterschaft noch nicht überzeugen können.

Tatsächlich erhält wie gewünscht Gnonto an Stelle von Tosin die Chance von Beginn weg auf dem Kunstrasen der Tuilières.

Lausanne-Sport hatte zuletzt eine Serie von acht Niederlagen in Folge (inklusive Cup neun). Trotzdem war in der Rückrunde bisher nur die Startniederlage gegen St. Gallen wirklich ein schlechter Auftritt. Die anderen Partien verliefen über weite Strecken ausgeglichen, es fehlte den Waadtländern dabei hauptsächlich ein Goalgetter. Bei der 0:1-Niederlage zuletzt in Sion war Lausanne gar das bessere Team und hätte einen Sieg oder mindestens einen Punkt (so wie der FCZ zuletzt) im Wallis verdient gehabt. Der Leistungstrend unter dem neuen Trainer Casanova zeigt also nach oben. Die taktische Formation wird zwischen und während den Spielen viel gewechselt. Casanova vertraut offenbar Sow nicht, hingegen wird Anel Husic nicht mehr als verletzt gemeldet. Kommt der Schweizer U21-Nationalspieler rein, dann könnte Lausanne mit einer Dreierabwehr auflaufen.

Der wirblige Aussenspieler Toichi Suzuki empfahl sich zuletzt in zentralerer Position. Routinier Adrian Trebel (Nantes, Standard, Anderlecht) unterlief zuletzt in jeder Partie ein kapitaler Fehler. Wäre er jung, hätte ihn das schon länger seinen Platz gekostet. Ausserdem hat Lausanne weiterhin Mühe nach Auswechslungen sofort wieder in die Ordnung zu kommen, was zuletzt Sion im Tourbillon mit dem Siegtreffer von Giovanni Sio ausgenutzt hat. Trainer Casanova hat sich zuletzt vor allem darauf fokussiert, dass seine Mannschaft hinten und im Mittelfeld Zugriff aufs Spiel bekommen hat. Der nächste Schritt wäre nun der häufig einzigen Sturmspitze Pollero (oder Amdouni) Schritt für Schritt mehr Unterstützung zu geben, ohne die Kompaktheit im Mittelfeld zu verlieren.

Auch bei Lausanne gibt es nur einen Unterschied zur Aufstellung in der Vorschau: Ex FCZ-ler Stjepan Kukurozovic darf für Thomas von Anfang an ran. Die taktische Formation wird wohl wieder gleich wie bei der guten Leistung in Sion aussehen.

Per Aussenrist zum MVP / GC – FCZ in der Züri Live-Analyse

GC kann trotz Pausenführung auch im neunten Derby in Folge nicht gewinnen. Vor ziemlich genau vier Jahren erzielte Jeffren den einzigen Treffer beim letzten Derbysieg des Stadtrivalen. Drei Tage später schoss Cédric Brunner in der 92. Minute des Halbfinalderbys den FCZ in den Cupfinal. Es war der erste von sechs Siegen bei drei Unentschieden seither. Neu hat der FC Zürich nun gegen Lausanne-Sport historisch die zweittiefste Siegquote nach dem FCB, und nicht mehr gegen den Stadtrivalen.

FCZ und Pressing: Extreme Wandlung im Saisonverlauf

GC ging in der 1. Halbzeit ein relativ hohes Tempo, und konnte dieses dann nicht durchziehen, Speziell im mittleren Teil der 2. Halbzeit liessen die Hoppers nach, was der FCZ mit dem durch aggressives Pressing erzwungenen 2:1 nutzte. Bezüglich Pressing hat sich der FCZ im Verlauf der Saison stark verändert. Zu Beginn lag das Breitenreiter-Team bei einem PPDA-Wert zwischen 13 und 14, was dem aktuellen Saisondurchschnittswert des in dieser Wertung „letztplatzierten“ Sion entspricht. Der Wert sagt aus, dass die Walliser ihre Gegner im Durchschnitt in deren eigener Platzhälfte und in der Zone um die Mittellinie (insgesamt 60% des Spielfeldes) 13 bis 14 mal einen Pass spielen lassen, bevor Sion entweder einen Ball abfängt, zu einem Sliding Tackling ansetzt, einen Defensiv-Zweikampf gewinnt, oder ein Foul begeht. Interessant ist der Röstigraben und Risottograben in dieser Wertung. Die Welschen Teams und Lugano (und der FCZ Anfangs Saison) machen am wenigsten Pressing. Luzern, das über weite Strecken einen welschen Trainer hatte, ist im Saisonschnitt in der Mitte anzutreffen.

Die Deutschschweizer Teams machen hingegen viel Pressing. Von den rund 100 Klubs aus Topligen haben nur zwei einen noch tieferen PPDA-Wert als YB: Barcelona und Torino. Auch Basel, St. Gallen und GC sind im Vergleich mit Top-Liga Teams in den oberen 20%. Wolverhampton Wanderers hingegen macht sogar deutlich weniger Pressing als Sion. Die Spielweise des englischen Partnerklubs unterscheidet sich somit sehr stark von derjenigen von GC. Der gerade neu ausgeliehene Bruno Jordao wird sich da erst mal adaptieren müssen. Im Saisonschnitt liegt der FCZ noch zwischen Luzern und GC – bezogen auf die letzten fünf Partien hingegen mittlerweile auf der Höhe des in dieser Wertung Erstplatzierten YB. Und dabei ist der Ausreisser in Lausanne mit einem PPDA-Wert von 11,17 sogar mitgezählt, als sich die Zürcher in der 2. Halbzeit nach der 2:0-Führung zurückzogen. Gegen GC kam der FCZ auf einen Wert von 6,38, was in den Top-Ligen kein Team im Durchschnitt erreicht.

Die Wandlung im Saisonverlauf ist also dramatisch. Gegen Ende der Vorrunde schien es noch, als würde der FCZ den Trend zu mehr Pressing wieder etwas zurückfahren. Unter Berücksichtigung der Testspiele und der ersten zwei Rückrundenpartien muss man hingegen nun sagen: der FCZ ist zu einem distinktiven Pressingteam geworden – in dieser Hinsicht vergleichbar mit YB. Sowohl gegen Luzern und St. Gallen am Ende der Vorrunde wie auch nun gegen Servette und GC lag der PPDA-Wert des FCZ zwischen 6,3 und 7,5. Auch in den Testspielen wurde trotz Müdigkeit viel und schnell in der Angriffszone und im Mittelfeld Druck auf den Gegner gemacht. Speziell das konsequente Gegenpressing führt dazu, dass der Gegner zu langen Bällen gezwungen wird und so die FCZ-Mannschaft immer mehr auseinandergezogen wird und ihre Kompaktheit verliert. Trotzdem wirkt man defensiv auch mit dieser Spielweise auf einem guten Weg. Luzern entwickelt sich unter dem neuen Trainer Mario Frick in dieselbe Richtung wie der FCZ (PPDA-Wert beim Spiel in Lugano: 6,53), so dass alle Deutschschweizer Teams nun in dieser Hinsicht „beisammen“ sind.

Positionstausch Doumbia / Dzemaili – Lösungsansatz fürs Zentrum

Taktisch trat GC wie von Züri Live vermutet aufgrund ihrer Personalsituation gezwungenermassen in einem Rhombus-System mit Viererabwehr an. Adrian Guerrero und Nikola Boranijasevic mussten so im Pressing extra weite Wege gehen (Anlaufen der gegnerischen Aussenverteidiger). Der FCZ spielte dementsprechend als Antwort auf den GC-Rhombus wie schon häufig mit einem Sechser und zwei Achtern. Ousmane Doumbia sagt in vielerlei Hinsicht die Achter-Rolle besser zu, als die des Sechsers. Der Sechser im modernen Fussball muss ein Stratege mit einem optimalen Positionsspiel sein. Das ist ganz und gar nicht die Stärke von Doumbia. Er lebt (ähnlich wie Stephan Seiler) von Spontaneität, Beweglichkeit und Energieanfällen. Um so mehr wenn der FCZ wie oben beschrieben immer mehr zu einer Pressingmannschaft wird, dann braucht es Doumbia dort, wo in so einem Fall die Bälle erobert werden sollen: nämlich vorne. Wie vor dem 2:1-Führungstreffer gegen GC, als Doumbia weit vorne Kawabe so unter Stress versetzte, dass dieser einen zu kurzen Rückpass Richtung eigenen Torhüter spielte, von welchem Tosin profitieren konnte. Als Sechser wäre Doumbia auch nicht in die Position gekommen, wie beim 1:1-Ausgleichstreffer seine Top-Flanke aus dem Halbfeld in Gaël Clichy-Manier hinter die GC-Abwehr auf Assan Ceesay zu schlagen.

Blerim Dzemaili seinerseits bringt in dieser Saison klar bessere Leistungen auf der „Sechs“, als auf der Achterposition. Er entspricht auch viel eher dem Profil des spielintelligenten Strategen und Ballverteilers mit langen Bällen. Daher wäre es sehr empfehlenswert, wenn Doumbia und Dzemaili für den Rest der Rückrunde permanent ihre Positionen tauschen würden. Auf die kommende Saison hin könnte der „Königstransfer“ des FCZ ein strategisch starker Sechser, der auch noch physische Qualitäten mitbringt, sein. Als Idealtyp einer wie der in der Vorrunde bei St. Gallen aktive Ousmane Diakité. Natürlich ist es alles andere als simpel, so einen Spieler fix zu verpflichten. Gute Perspektiven für die kommende Saison könnten das aber etwas vereinfachen. Becir Omeragic hat gegen GC auf der Sechs nicht überzeugt und in der Innenverteidigung verspricht das Trio Mets – Kryeziu – Aliti am meisten Stabilität. Unter anderem führte ein zu riskantes Zuspiel Omeragics zum 0:1-Rückstand. Auch Bledian Krasniqi konnte sich im Derby wie schon gegen Servette nicht empfehlen.

Mirlind Kryeziu, der gegen Servette noch defensiv wie offensiv stark gespielt hatte, war diesmal durchschnittlich. Der in der Vorrunde bestbenotete Tosin trotz seines Tores gar leicht ungenügend. Einige Male machte der Nigerianer aus guten Situationen am gegnerischen Strafraum oder in der Konterauslösung viel zu wenig. Wenn der Nigerianer mit Ball zu viel Zeit zum Nachdenken hat, geht es meist schief. Handelt er intuitiv und schnell, dann klappt es deutlich besser. Ante Coric hingegen bestätigte seine Vorrundenbilanz als FCZ-Kaderspieler mit der besten Plus-/Minusbilanz. Auch gegen GC kam er beim Stand von 1:1 rein und trug unter anderem mit seinem stark geschlagenen Corner zum 3:1 zu den drei Punkten bei. Das Team insgesamt hatte in diesem Derby den tiefsten Wert an Negativpunkten der ganzen Liga-Saison. Man kann also wohl konstatieren, dass es die fokussierteste Leistung der Saison war.

Nikola Boranijasevic: per Aussenrist zum MVP

Nikola Boranijasevic wurde von André Breitenreiter nicht ohne Grund bei der Auswechslung besonders innig geherzt. Dem Serben gelang in der Züri Live-Bewertung sein bisher bestes Spiel im FCZ-Trikot mit seiner ersten glatten „10“. Obwohl er diesmal kein Tor oder Assist verbuchen konnte. Sowohl bei den Offensivpunkten wie bei den Defensivpunkten und Negativpunkten schnitt Boranijasevic im Derby deutlich besser ab, als üblich. Fast schon penetrant spielte der 29-jährige einen Aussenristpass am anderen – und dies penetrant gut! Zum Beispiel das raumöffnende Zuspiel auf Doumbia vor dem 1:1-Ausgleich.

Afrika-Cup Karma an der Super League-Spitze

Er kam sah und traf! Auch direkt nach Siegen mit Gambia am Afrika-Cup hatte Assan Ceesay über Social Media Video- und Text-Nachrichten direkt aus der Kabine an die FCZ-Fangemeinde gerichtet. Er war dankbar, bei der ersten Teilnahme seines Heimatlandes an einem internationalen Turnier dabei zu sein – und freute sich gleichzeitig bereits auf die Rückkehr nach Zürich und die Rückrunde mit dem FCZ. Gambia zeichnete ähnlich wie sein Zürcher Team ein grossartiger Teamspirit aus. Der Belgische Trainer Tom Saintfiet stellte sehr variabel ein und auf – hervorragend auf die jeweiligen Gegner eingestellt. Es kamen Spieler von Dänischen Drittligisten, Englischen Viertligisten und sogar Schweizer Fünftligisten in Startformationen zum Einsatz – und kämpften sich sensationell bis in den Viertelfinal gegen Gastgeber Kamerun. Nach der Rückkehr in die Schweiz war Ceesay zwar müde, aber voller positiver Emotionen für Gambia und den FCZ – und trug ganz wesentlich zum Resultatumschwung in der 2. Halbzeit des 277. Zürcher Derbys bei.

Szenenwechsel: Basel, St. Jakob Park. In der 81. Minute des Heimspiels gegen Sion führt der FCB gemessen an den Torchancen etwas glücklich mit 3:2, als Nasser Djiga für Taulant Xhaka eingewechselt wird. Der 19-jährige ist gerade einmal neun Sekunden (!) auf dem Feld, als er im eigenen Strafraum ungeschickt von hinten bei Gaëtan Karlen aufläuft. Penalty! Der aus der FCZ Academy stammende Anto Grgic hatte den Steilpass in den Strafraum gespielt und verwandelte danach auch den Penalty zum 3:3-Ausgleich (Endstand). Anschliessend erhielt er von Schiedsrichter Piccolo Gelb wegen seiner Finger vor den Mund-Geste gegenüber der pfeifenden Muttenzerkurve. Schon zuvor hatte Grgic das Führungstor Itaitingas mit einem ideal ge-time-nten Zuspiel aufgelegt und den 2:2-Ausgleich mit einem magistralen Direkten Freistoss erzielt.

Djiga ist auch nach dieser Szene völlig von der Rolle und sorgt mit zwei unmotivierten Fehlpässen in der eigenen Platzhälfte beinahe noch im Alleingang für die Basler Niederlage – nur eine grandiose Parade Heinz Lindners gegen einen Wesley-Weitschuss verhindert dies. Die Führungsriege des FC Basel hatte Djiga die Freigabe für den Afrika-Cup verweigert, was in dessen Heimatland Burkina Faso grosse Wellen warf. Vom Rheinknie aus musste Djiga mitverfolgen, wie seine Mannschaft sich für die Achtelfinals qualifizierte und auch dort weiterkam. Einen Tag nach der Halbfinalqualifikation seines Teams durch einen 1:0-Sieg gegen den Favoriten Tunesien sass Djiga zum Auftakt der Super League-Rückrunde in Luzern 90 Minuten auf der Ersatzbank. An seiner Stelle spielte der gelernte Mittelfeldspieler Wouter Burger neben Andy Pelmard in der Innenverteidigung. Im Abwehrzentrum Burkina Fasos kamen an der Seite des gesetzten Tapsoba derweil Akteure wie Ouattara oder Dayo zum Einsatz, die in der Marokkanischen Liga engagiert sind. Den Halbfinal verlor Burkina Faso so mit 1:3 gegen den Senegal.

Die Schlüsse aus den zwei Geschichten von Assan Ceesay und Nasser Djiga soll jeder selbst ziehen. Aber es gibt Menschen, die in solchen Fällen von Karma sprechen.

Telegramm

GC – FCZ 1:3 (1:0)
Tore: 43. Schmid (Bolla) 1:0; 47. Ceesay (Doumbia) 1:1, 67. Tosin 1:3, 83. Gnonto (Ceesay) 1:3.
GC – Moreira; Bolla, Arigoni, Ribeiro (77. Lei), Lenjani; Herc (84. de Carvalho); Da Silva (65. Jordao), Schmid; Kawabe (77. Kacuri); Bonatini (65. Demhasaj), Momoh.
FCZ – Brecher; Mets, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (89. Rohner), Omeragic (54. Coric), Guerrero; Doumbia, Krasniqi (46. Ceesay); Tosin (78. Gnonto), Marchesano (78. Hornschuh).

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