Torschütze Krasniqi könnte einiges von MVP Kryeziu abgucken / FCZ – Servette in der Züri Live-Analyse

Der FCZ ging zum Rückrundenauftakt gegen Servette von Anfang an relativ viel Risiko und spielte intensiv. Das Gegenpressing verhinderte dabei über weite Strecken, dass Servette so wie in früheren Jahren zu einfach zu Konterchancen kam. Der FCZ spielte ansatzweise wie St. Gallen und gegen diesen Gegner bekundete Servette in den letzten Saisons meist Mühe. Yanick Brecher hatte abgesehen von einer etwas verzögerten Parade bei einem Weitschuss Imeris, beim welchem man das Gefühl hatte, der Zürcher Torhüter hätte den Ball auch mit einem Seitwärtsschritt sicher halten können, in der 1. Halbzeit nichts zu tun.

Stevanovic überall und nirgends richtig

Servette reiste sowohl ohne den bisherigen (Grejohn Kyei) wie auch den neuen (Chris Bedia) nominellen Mittelstürmer Nummer 1 an. Und da sich Alex Schalk diese Saison bisher noch nicht von seiner formstarken Seite gezeigt hat, begann der vielseitige Ronny Rodelin im Sturm. Der Franzose war dann aber der klare Schwachpunkt im Genfer Spiel. Es wirkte, als wären die Gäste aus der Calvinstadt mit einem halben Spieler weniger auf dem Platz. Miroslav Stevanovic fühlte sich bemüssigt, überall auszuhelfen. Der Bosnier war mal im Offensivzentrum anzutreffen, dann auf dem Flügel und dann rannte er vor dem eigenen Strafraum einem Zürcher nach, den Boris Cespedes aus den Augen verloren hatte. Das Ergebnis: in „seiner“ Zone am und im gegnerischen Strafraum fehlte Stevanovic dann die Kraft und / oder der Fokus.

Blitzstart von Wilfried Gnonto

Die Zürcher Anfangsphase war personell geprägt durch einen sehr engagierten Wilfried Gnonto. Servette konnte von Glück sprechen, dass Schiedsrichter San das Klammern von Servette-Verteidiger Vouilloz gegen den wirbligen Italiener im Genfer Strafraum in der 3. Minute nicht als penaltywürdig taxierte. Am Ende verloren die Grenats trotzdem erstmals ein Spiel mit dem 20-jährigen Eigengewächs in der Startformation. Auch weil San auf der anderen Seite in der 81. Minute, als ein Befreiungsschlag Kryezius im Strafraum an Boranijasevics Arm prallte, dies ebenfalls nicht als ahndungswürdige Körperverbreiterung beurteilte.

Nicolas Vouilloz geht im eigenen Strafraum riskant gegen Wilfried Gnonto zu Werke.

Eines der besten Spiele von Mirlind Kryeziu

Beim FCZ scheint sich seit dem Ende der Vorrunde nichts Wesentliches verändert zu haben. Auch die Team-Gesamtnote von 6,3 ist sehr ähnlich wie zuletzt in Lausanne und gegen St. Gallen: keine brillante Leistung, aber gut. Auch der siebte Sieg in Folge kam mit viel Willen und etwas Wettkampfglück zustande. Es war wieder einmal ein Sieg trotz schlechterem Verhältnis bei den Erwarteten Toren. Die Torchancen des Heimteams summierten sich schlussendlich bloss auf einen Wert von 0,52 – der tiefste der Saison. Stark war das Zürcher Spiel hinten heraus. Mirlind Kryeziu gelang eines der besten Spiele seiner bisherigen Karriere! Der Zürcher Abwehrturm nimmt den Schwung aus der Vorrunde mit und scheint einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Wie schon in den Vorbereitungsspielen werden viele Angriffe mit Pässen Kryezius zwischen die gegnerischen Linien lanciert. Zusammen mit dem sich ständig in Bewegung befindlichen Guerrero und dem initiativen Gnonto bildet er den Roten Faden des Teams in vorläufiger Abwesenheit des noch etwas geschonten Antonio Marchesano in der Startformation.

Torschütze Krasniqi insgesamt ungenügend

Die Aussenläufer Guerrero und Boranijasevic machen dort weiter, wo sie vor der Winterpause aufgehört haben. Wie neu aufgezogene Duracell-Hasen. Derweil bleibt die Zürcher Problemzone weiterhin das Mittelfeldzentrum. In der Zusammensetzung der Startaufstellung gegen Servette war es dieser Mannschaftsteil, an dem es gehakt hat, wenn der Ball nicht wunschgemäss schnell und direkt nach vorne gespielt werden konnte. Beim einen (Dzemaili) liegts am Alter, beim zweiten (Doumbia) an der Technik, beim Dritten (Krasniqi) an der Verspieltheit. Doumbia und Dzemaili konnten sich zumindest in der 2. Halbzeit so steigern, dass sie noch auf eine genügende Note kamen – Krasniqi hingegen hat zwar das entscheidende Tor auf Vorarbeit von Boranijasevic (viertes Assist in den letzten fünf Spielen!) erzielt – aber ansonsten in vielen Aktionen zu zögerlich oder naiv und im Gegenpressing zu wenig konsequent für Super League-Niveau agiert. Beispielsweise von Teamkollege Kryeziu könnte er einiges hinsichtlich Klarheit und Zielstrebigkeit abgucken. Mehrmals stand bei Zürcher Pressing im Genfer Spielaufbau ein Gegenspieler völlig frei – und jedes Mal hatte einer der drei Zentralen Mittelfeldspieler nicht aufgepasst, am häufigsten Krasniqi.

Ohne den Ablenker von Cespedes wäre Krasniqis Schuss wohl an den Pfosten. Abhängig vom Drall des Balles von dort wieder ins Feld, oder via Innenpfosten ins Netz.

Telegramm

FCZ – Servette FC 1:0 (0:0)
Tore: 48. Krasniqi (Boranijasevic) 1:0.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Dzemaili (75. Mets), Doumbia, Guerrero (90. Gogia); Krasniqi (75. Seiler); Kramer, Gnonto (60. Marchesano).
Servette – Frick; Diallo, Vouilloz, Sasso, Clichy; Cespedes (56. Douline); Cognat (72. Antunes), Valls (82. Oberlin); Stevanovic, Rodelin (72. Schalk), Imeri.

Sie habens im Griff, les Welsches!

Mit welcher Frage beschäftigen sich Fussballcoaches am meisten? Viele Beobachter gehen ja davon aus, die Profi-Trainer würden sich den ganzen Tag mit Gedanken an die Taktik, die Verletztensituation und den nächsten Gegner den Kopf zerbrechen. Nur teilweise richtig. Wie das Institut für Sozialpsychologie der Universität Schwurblingen in ihrer neusten Studie herausgefunden hat, ist bei der Liste von Fragen, mit welcher Fussballcoaches tatsächlich die meiste Zeit verbringen an erster Stelle: „Was ziehe ich an: Trainerkombi oder Anzug?“. Wenn man es sich recht überlegt, ist es wahrscheinlich die komplizierteste Frage, die sich ihnen stellt, und manche kommen ihre ganze (meist allzu kurze) Karriere nie zu einer befriedigenden Antwort. „Bin ich auch ein Mitglied der Mannschaft – oder nicht? Und wie soll ich dies mit meiner Kleidung ausdrücken? Was gibt mir Autorität? Was Sympathie? Beim Team? Beim Publikum? Was davon ist wichtiger? Wie kann ich vermitteln, dass dieses Spiel entscheidend ist und wir den Gegner ernst nehmen müssen? Wie zeige ich Identifikation mit meinem Verein? Wie komme ich sowohl während dem Spiel wie auch danach beim TV-Interview adäquat rüber? Welche Kleidung gibt mir beim Herumfuchteln an der Seitenlinie genügend Bewegungsfreiheit? Welche verhindert in ihrer besänftigenden optischen Wirkung am ehesten, dass mich der Schiri auf die Tribüne schickt? Welche ist bei einem Wetterumschwung am polyvalentesten? Was macht in den Fussball-Chefetagen am meisten Eindruck? In welchem Outfit werde ich zum Trainer des Jahres?“ Alain Geiger hat die Lösung auf alle diese Fragen gefunden. Wir sehen ihn im Letzigrund während dem Spiel gegen den FC Zürich: Hemd, oberster Knopf offen, darüber ein sportliches Gilet mit Klub-Logo. Die Polsterung (zusammen mit einer gesunden Walliser Konstitution) erlaubt es, auch im Januar in einem Leichtathletikstadion einen offenen Business Casual-Mantel ohne Knöpfe zu tragen, welcher den Blick auf das Klub-Logo freigibt. Alles farblich gut aufeinander abgestimmt. Sie habens im Griff, les Welsches!

Ende Flaute: Boranijasevic effektiv über rechts – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 6

Bei den Standardtoren hat sich der FCZ in allen wesentlichen Diszplinen nochmal deutlich verbessert. Wenn man den Nachschuss von Kramer in Luzern freundlich mitzählt, dann wurden alle Liga-Penaltys aus dem Spiel heraus in dieser Vorrunde verwandelt – was in Testspielen oder im Penaltyschiessen in Yverdon bei weitem nicht immer der Fall war. Phänomenal ist natürlich die Freistossbilanz mit sieben Treffern in einer Halbserie – davon sechs direkt! Aber auch die in der Regel überlegt ausgeführten Eckbälle und Einwürfe waren wichtig. Es gab eine Zeit vor zwei, drei Jahren als weite Einwürfe beim FCZ (Pa Modou) und in der Liga allgemein als gefährliche Offensivwaffe angesehen wurden. Dies hat sich in der Realität aber nicht bewahrheitet. Es gibt auch weltweit kaum Einwerfer, die in dieser Weise in einer gewissen Regelmässigkeit Tore herbeiführen können. Nur weit einwerfen alleine genügt nicht. Da erscheint das unspektakuläre Vorgehen eines Nikola Boranijasevic mit seinem guten Timing effektiver. Es geht dabei ganz simpel darum, den Vorteil des Agierens in den eigenen Reihen zu behalten und vom Einwurf weg mit drei, vier abgesprochenen Spielzügen hintereinander immer einen Schritt schneller als der Gegner zu sein – und so schlussendlich in gute Abschlussposition zu gelangen.

Penaltys: Blaz Kramer erst im Nachschuss

Sechs Penaltys durfte der FCZ im Herbst treten, die Hälfte davon verwandelte Antonio Marchesano souverän. Gnonto traf gegen Solothurn vom Punkt, Ceesay war im letzten Spiel gegen St. Gallen erfolgreich – Kramer traf zu Beginn der Saison im Nachschuss in Luzern und jubelte vor dem gegnerischen Anhang.

Wegen seines verletzungsbedingten Ausfalles in der Mitte der Vorrunde hat Blaz Kramer rechnerisch in jedem fünften Spiel über 90 Minuten einen Penalty getreten und ist damit pro Zeiteinheit häufiger angetreten als Antonio Marchesano.

Coric und Guerrero die ersten unter vielen Standardspezialisten

58% der Eckbälle wurden von Adrian Guerrero getreten. Der Katalane trat diese je nach Variante von beiden Seiten.

Ziehen wir hingegen die Daten für die Anzahl Corner pro 90 Minuten, so steht Rechtsfuss Ante Coric beinahe auf gleiher Höhe mit Guerrero. Wenn der Kroate auf dem Platz stand, war er also einer der beiden hauptsächlichen Verantwortlichen für Eckbälle. Ansonsten übernahmen andere Rechtsfüsser wie Antonio Marchesano (häufig), Moritz Leitner oder Bledian Krasniqi seine Rolle.

Adrian Guerrero ist auch der mit Abstand häufigste Freistossschütze in Strafraumnähe – allerdings mit insgesamt etwas weniger als 50%. Krasniqi trat keinen einzigen solchen Freistoss, dafür waren Blerim Dzemaili und Mirlind Kryeziu ebenfalls für solche Situationen vorgesehen.

Auch bei den Freistössen sind allerdings Guerrero und Coric die Hauptschützen, wobei der Kroate in dieser Disziplin sogar noch etwas mehr Standards pro 90 Minuten augeführt hat, als der Spanier.

Umschaltspiel für einen Grossteil der Freistösse aus gefährlichen Positionen verantwortlich

Penaltys und vor allem zu Toren führende Freistösse sind in dieser Vorrunde überwiegend aus Umschaltsituationen entstanden. Rechnet man diese Treffer mit, dann haben insgesamt auch die FCZ-Tore aus Umschaltsituationen zugenommen. Am stärksten war die Zunahme bei den Kontertoren. Vor allem die Schnelligkeit von Assan Ceesay wurde dabei immer wieder beispielhaft ausgenutzt.

FCZ phasenweise spielbestimmend im Letzigrund

Auffällig die starke Zunahme an Toren aus dem Aufbauspiel gegen einen tief stehenden Gegner. Im ersten Vorrundendrittel erzielte der FCZ allerdings nur gegen Solothurn solche Treffer (gleich fünf an der Zahl). Im zweiten Vorrundendrittel gelangen solche Tore dann aber auch regelmässig in der Liga gegen Servette, Sion (2), GC und Basel (2) – alle im Letzigrund erzielt. Im letzten Vorrundendrittel wiederum erlahmte die Torproduktion aus diesen Spielsituationen heraus. Es kam nur noch indirekt zu einem Torerfolg im Aufbau gegen einen Tief stehenden Gegner beim Penaltytor in Lausanne. Auch gegen hoch stehende Gegner hat der FCZ in dieser Vorrunde aus dem Aufbauspiel mehr Tore erzielt, als in den Halbsaisons davor.

FCZ behebt Offensivflaute über rechts

Während defensiv die linke Zürcher Seite mit null (!) Gegentoren aus dem Aufbauspiel der Gegner brilliert, fällt offensiv der grosse Sprung nach vorne bei den Toren aus dem Spielaufbau über die rechte Seite (mit dem Duo Boranijasevic / Omeragic) ins Auge. Aber auch über links und vor allem durch die Mitte hat die Torproduktion im Aufbauspiel zugenommen. Dazu entstanden beinahe doppelt so viele Treffer wie letzte Saison in einem halben Jahr direkt oder indirekt aus einer Flanke. Auch mit Seitenwechseln vor dem Strafraum wurde vermehrt erfolgreich gearbeitet. Die Anzahl Weitschusstore hingegen blieb auf dem gleichen Niveau.

Beinahe die Hälfte aller Flanken der Vorrunde stammen von den beiden Aussenläufern Guerrero und Boranijasevic. Aber auch Zentrumsspieler wie Marchesano, Ceesay oder Gnonto weichen häufig auf die Seite aus und bereiten eine Strafraumchance für einen Mitspieler vor.

Pro 90 Minuten liegt hingegen Fabian Rohner mit 4,13 Flanken an der Spitze, deutlich vor Guerrero und Boranijasevic. Interessanterweise gibt es nur vier eingesetzte Feldspieler, die in der ganzen Vorrunde keine einzige Flanke von der Seite in den Strafraum gebracht haben: Mirlind Kryeziu, Marc Hornschuh, Stephan Seiler und Rodrigo Pollero.

Tosin baut gerne mit auf

Die Steilpässe sind noch stärker auf verschiedene Spieler verteilt – Antonio Marchesano hat dabei fast einen Viertel der Zürcher Steilzuspiele der Vorrunde gespielt.

Auch bei den Steilpässen pro 90 Minten liegt Marchesano an der Spitze. Danach folgt aber Tosin, der obwohl in erster Linie als Zielspieler stark, sich immer wieder gerne auch am Spielaufbau beteiligt.

Halbzeitanalyse, Teil 1 – Erfolgsfaktoren, Folgerungen und Ausblick

Halbzeitanalyse, Teil 2 – Mehr Gegentore auf Konter und Weitschüsse

Ceesay defensiv schon vor zwei Jahren mit Quantensprung / Halbzeitbilanz 21/22, Teil 3

Für welchen Gegner welche Taktik? – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 4

Tosin, Marchesano und Gnonto die Offensivstützen – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 5

Für welchen Gegner welche Taktik? – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 4

Während der FCZ defensiv in der Vorrunde eher durchschnittlich war, hat er offensiv so viele Super League-Tore erzielt (43) wie seit der Saison 05/06 nicht mehr (45).

FCZ stark mit seinen Standards

Von den drei Spielsituationen liegen dabei die Standards an erster Stelle. Dies unter anderem dank der sehr guten Detailarbeit bisher unter Trainer André Breitenreiter. Das Umschaltspiel war für etwas weniger als einen Drittel der Zürcher Treffer verantwortlich. Am wenigsten häufig gabe es Tore aus einem Aufbauspiel – mit 28%.

Fokussieren wir uns nur auf Liga-Spiele, dann liegt das Umschaltspiel zusammen mit den Standards ex-aequo an erster Stelle. Im Cup gegen unterklassige Gegner war der Anteil der Umschalttore klein, was nicht überrascht.

Starke Zunahme an Toren aus Aufbauspiel und Hoher Position

Der hohe Wert an Umschalttoren des letzten Saisonviertels 20/21 konnte in dieser Vorrunde gehalten werden. Die Anzahl Standardtore und vor allem die Tore aus dem Aufbauspiel haben aber stark zugenomen. Die Zahlen im Ersten Quartal sind etwas verzerrt durch das 10:0 beim FC Solothurn, aber auch im Zweiten Quartal wurden direkt aus dem Aufbauspiel sechs Tore erzielt. Ausserdem ist aus den Züri Live-Daten ersichtlich, dass vor allem die aus einer Hohen Position erzielten Tore stark zugenommen haben. Dies lässt die gleichzeitige Zunahme der Gegentore aus einer Hohen Position aus der Defensivanalyse in einem freundlicheren Licht erscheinen. Vor allem weil die erzielten Tore aus dieser Position stärker zugenommen haben, als die Gegentore. Somit sind diese zusätzlichen Gegentore die natürliche Folge eines im Vergleich zur Rizzo-Zeit allgemein häufiger höher stehenden Teams. Wie im ersten Teil der Halbzeitanalyse erwähnt, ist der FCZ im Ligavergleich beim Hohen Pressing im Mittelfeld anzusiedeln. Allerdings wurde in diesem Artikel die Aussage gemacht, das Breitenreiter-Team habe sogar weniger Pressing-Tore erzielt, als in der Rizzo-Zeit. Dies stimmt, wenn man nur die direkt aus dem Pressing erzielten Tore anschaut. Zählt man hingegen die aus Pressingsituationen entstandenen Penalty- und Direkten Freistosstore hinzu, dann sind es mehr.

FCZ erzielt seine Tore variabel

Bei den erzielten Toren lassen sich pro Gegner nicht so klare Profile erstellen wie bei den Gegentoren. Der FCZ erzielt seine Tore gegen die meisten Gegner auf variable Art und Weise. Am stärksten auf Standardtore ist der FCZ gegen Teams wie Lugano, Thun oder den FC Vaduz angewiesen. Mit Umschaltspiel am erfolgreichsten ist das Letzigrund-Team gegen Sion, GC und YB. Das Aufbauspiel führt nur gegen Xamax (und Solothurn) am ehesten zum Erfolg. Gegen Basel sind Umschaltspiel und Standards auf gleicher Höhe.

Gegen Sion, Luzern, Vaduz, Thun, Solothurn, Kriens und Chiasso hat der FCZ aus einer Hohen Position mehr Tore erzielt – gegen St. Gallen, Lausanne, YB und (mit kleinem Unterschied) Lugano oder Servette eher aus einer Tiefen Position. Bei einen Grossteil der Gegner ist die Bilanz diesbezüglich aber in den letzten zweieinhalb Jahren Fifty-Fifty oder beinahe.

Gegen YB, FCB, Servette, Lugano und St. Gallen aus Tiefer Position erfolgreicher

Führt man die Daten zur Offensive mit denjenigen zur Defensive zusammen, ergibt sich folgendes Bild. Gegen mehr als die Hälfte der Liga ist TIEF stehen sowohl aus Offensiver wie aus Defensiver Sicht auf Basis der Tore und Gegentore seit Sommer 2019 die vorteilhafte Option für den FCZ. Und zwar gegen die Spitzenteams YB und FCB sowie auch gegen Servette, St. Gallen und Lugano. Gegen diese Mannschaften spielt der FC Zürich am erfolgreichsten, wenn er möglichst immer mit allen Mannen hinter dem Ball ist. Mit Bällen in die Tiefe können diese Gegner am besten geknackt werden. Und defensiv sollte man sich keine Blösse geben und solidarisch verteidigen. Selbst Servette ist gegen den FCZ im Umschaltspiel immer wieder gefährlich. Gegen YB, Servette und St. Gallen ist die tiefe Position sowohl aus defensiven wie aus offensiven Gründen vorteilhaft – gegen Basel hingegen nur aus defensiven und gegen Lugano nur aus offensiven Gründen. Gegen den FCB geht es also in erster Linie darum, dem Gegner keinen Raum zum spielen zu lassen, während man gegen Lugano fast nur Tore erzielen kann, wenn der Gegner mal etwas aus seiner tiefen Position herausgelockt werden kann.

Taktik gegen Lausanne: erst Hohes Pressing, dann aus der Deckung locken

Der einzige aktuelle Liga-Konkurrent gegen welchen in den letzten zweieinhalb Jahren sowohl offensiv wie defensiv HOCH stehen am vorteilhaftesten war, ist Sion. Gegen die Walliser sollte der Ball also möglichst in der gegnerischen Hälfte gehalten werden. Gegen Lausanne ist der FCZ defensiv tief und offensiv hoch am erfolgreichsten, was zu einer speziellen Empfehlung führt: offenbar kann man gegen die Waadtländer den Ball gut in der gegnerischen Hälfte mit einem Pressing gewinnen, dann aber sollte man den Gegner rauslocken, allenfalls mit Rückpässen bis zum eigenen Torhüter, um mit Ball die Räume zwischen den Linien und hinter der Abwehr des Teams von Captain Stjepan Kukuruzovic zu finden. Geradezu exemplarisch dafür steht der 2:0-Führungstreffer Wilfried Gnontos zuletzt beim Auswärtssieg in den Tuilières, als man mit einem Rückpass zu Torhüter Brecher sogar ein in Unterzahl spielendes Lausanne entscheidend rauslocken konnte und so die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld der Waadtländer weit offen waren.

Gegen Luzern sind aggressives Gegenpressing und spielerische Lösungen wichtig

Der umgekehrte Fall ist Luzern. Gegen die Innerschweizer ist der FCZ offensiv HOCH und defensiv TIEF stehend am besten. Dies bedeutet, dass bei Ballverlust ein schnelles, aggressives Gegenpressing und Unterbinden des Luzerner Angriffs, allenfalls auch mit Fouls, besonders wichtig ist – damit man sich wieder in einer tiefen Position formieren kann. Mit Ball ist hingegen, sofern man diesen nicht im Gegenpressing gewonnen hat, geduldiges, spielerisches Aufbauspiel gefragt – mit langsamem Zurückdrängen und Einschnüren des Gegners. Keine Präferenz sowohl defensiv wie offensiv gibt es bei GC. Die Gegentore in den bisherigen zwei Derbys beispielsweise sind ausschliesslich auf Standards gefallen. Nicht berücksichtigt in dieser Analyse und den resultierenden Empfehlungen ist die Art und Weise der Entstehung der Standardtore. Und natürlich basiert sie auf Daten seit Sommer 2019. Auch wenn die meisten Kontrahenten in dieser Zeitspanne ihren Spielstil nicht wesentlich verändert haben, hat sich beispielsweise durch Trainerwechsel trotzdem die eine oder andere taktische Anpassung im Laufe der Zeit ergeben.

Halbzeitanalyse, Teil 1 – Erfolgsfaktoren, Folgerungen und Ausblick

Halbzeitanalyse, Teil 2 – Mehr Gegentore auf Konter und Weitschüsse

Ceesay defensiv schon vor zwei Jahren mit Quantensprung / Halbzeitbilanz 21/22, Teil 3

Für welchen Gegner welche Taktik? – Halbzeitanalyse 21/22, Teil 4

Ceesay defensiv schon vor zwei Jahren mit Quantensprung / Halbzeitbilanz 21/22, Teil 3

Wie sah die individuelle Defensiv-Performance in der Vorrunde aus? Dafür schauen wir uns die von Züri Live erfassten Defensivpunkte der Spieler an. Diese werden für gute Defensivaktionen vergeben. Pro Aktion können 0,5 bis 2 Defensivpunkte vergeben werden. Am häufigsten werden 0,5 Punkte vergeben, zum Beispiel für die Beteiligung an einer Balleroberung durch gute Zustellung eines Passweges. 2 Punkte kann es beispielsweise geben für Verhinderung einer klaren Tor- oder gefährlichen Konterchance mit einem Spezialeffort. Separat gezählt werden die Negativpunkte und diese werden zur Zeit (noch) nicht in Defensiv- und Offensivszenen unterteilt. Es gibt beispielsweise Spieler, die viele defensive Pluspunkte gesammelt haben, aber unter Berücksichtigung ihrer defensiven Negativpunkte würde die Gesamtbilanz deutlich schlechter aussehen.

Defensivpunkte geben nur die positive Seite der Defensiv-Performance wieder

Ousmane Doumbia zum Beispiel hat durch seine Mentalität und Explosivität immer wieder starke Defensivszenen, gleichzeitig aber auch häufig Mühe mit seinem Positionsspiel. Sein Defensivspiel ist auf Einzelaktionen ausgerichtet. Blerim Dzemaili profitiert in manchen Aktionen von seiner Erfahrung, in vielen anderen begeht er unnötige „Anfängerfehler“, weil er seine Möglichkeiten auf Super League-Niveau im Alter von 35 und nach den letzten Jahren mit wenig Spielen immer noch teilweise überschätzt. Insgesamt hat Ousmane Doumbia klar am meisten Defensivpunkte gesammelt vor den drei Innenverteidigern mit Mirlind Kryeziu an der Spitze. Nikola Boranijasevic liegt in dieser Wertung vor Adrian Guerrero und der aus der vorderen Reihe an der Spitze liegende Antonio Marchesano bestätigt auch in dieser Saison seine Top-Entwicklung in defensiver Hinsicht in den letzten Jahren.

Stephan Seiler ideal auf der 10-er Position

Gemessen an der Einsatzzeit liegt Stephan Seiler klar an der Spitze mit 27,7 Defensivpunkten pro 90 Minuten. Natürlich muss dieser Wert relativiert werden, denn Seiler hat insgesamt nur 12 Minuten gespielt. Das ist erstens nicht eine repräsentative Zeitspanne und zweitens kann von einem Einwechselspieler mit kurzer Einsatzzeit natürlich auch erwartet werden, dass er mehr Energie in die einzelnen Aktionen stecken und deshalb mehr Punkte pro Zeiteinheit sammeln kann. Trotzdem: auch schon letzte Saison war Stephan Seiler in dieser Wertung an der Spitze. Im Frühling ist seine Sportler-RS zu Ende. Seine grösste Stärke sind Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Daher und weil er mit Ball vor allem im Kurzpassspiel gut ist, ist die 10-er Position seine Idealposition. Er ist auch der beweglichste Spieler im Kader. Auf dieser könnte er in der Rückrunde beispielsweise als Einwechselspieler bei einer Führung wichtige Impulse bringen. Auch auf einer offensiven Flügelposition kann man sich Seiler bei entsprechender Formation gut vorstellen.

Tosin überzeugt als Einwechselspieler auch defensiv

Hoch ist auch die Anzahl Defensivpunkte pro 90 Minuten bei Aiyegun Tosin und Marc Hornschuh. Tosin hat sich in seinen Einsätzen vor der Winterpause vor allem als Einwechselspieler auch defensiv sehr gut eingeführt. Spielt der Nigerianer von Anfang an, hat er weiterhin lange Phasen, in denen er „abtaucht“. Er lebt von seiner Explosivität in einzelnen Szenen und bringt daher häufig als Einwechselspieler mehr. Hornschuh kam meistens ebenfalls im Verlauf einer Partie rein und sorgte für zusätzliche Stabilität. In der Innenverteidigung hat Lindrit Kamberi den gleichen Wert an Defensivpunkten pro 90 Minuten wie Mirlind Kryeziu. Yanick Brecher liegt klar vor Zivko Kostadinovic – Moritz Leitner hingegen hinter Ante Coric, obwohl der Bayer meist etwas weiter hinten positioniert war. Rodrigo Pollero ist bei den Stürmern an letzter Stelle positioniert. Seine fehlende Antrittsschnelligkeit ist sowohl defensiv wie offensiv ein Manko.

Stürmer mit entscheidendem Defensiv-Beitrag zu nur 0,5 Gegentoren pro Spiel und 18 Punkten in den letzten sechs Partien

Die zentralen Spieler im Mittelfeld und der Verteidigung haben naturgemäss die höchste Anzahl an Defensivpunkten pro 90 Minuten. Am klarsten waren die defensiven Leistungschwankungen in der Vorrunde bei den Zentralen Mittelfeldspielern, die ein wichtiger Faktor für die zwischenzeitliche Baisse gleich nach dem Saisonstart zu sein schienen. Rund um die zweiten Duelle gegen GC und Basel mit jeweils drei Gegentoren hatten diese zusammen mit den Stürmern und hängenden Spitzen noch eine zweite defensive Baisse. Gegen Ende der Vorrunde mit den sechs Siegen in Folge haben sich alle Mannschaftsteile defensiv gesteigert, am meisten die Stürmer. Diese hatten Ende der Vorrunde ihre defensiv klar stärkste Phase.

Kostadinovic kann seine Chance nicht nutzen

Yanick Brecher hatte auf gleicher Höhe mit St. Gallens Zigi und hinter Lausannes Diaw am zweitmeisten Bälle abzuwehren. Er kommt nicht ganz auf die Saving-Quote von Basels Heinz Lindner, hatte aber insgesamt eine gute Vorrunde. Am Anfang und am Ende waren Brechers beste Phasen. Dazwischen gab es vor allem in der 4./5. Runde beim Derby und in St. Gallen auch schlechte Spiele. Zivko Kostadinovic ist grundsätzlich eine solide Nummer 2, aber in der Vorrunde hat er im Cup seine Chance nicht nutzen können. Einerseits wurde er in den drei Partien aus dem Spiel heraus praktisch nie geprüft, andererseits machte er im Penaltyschiessen in Yverdon keine gute Figur.

Innenverteidiger: gemeinsam stark vor der Winterpause

Beim Verteidigertrio Omeragic / Kryeziu / Aliti gab es im Verlauf der Vorrunde unterschiedliche Formkurven, aber in den letzten Partien vor der Winterpause erkämpften sich alle drei gemeinsam relativ viele Defensivpunkte. Lindrit Kamberis Defensivpunkte pro 90 Minuten sprengten nach den ersten Kurzeinsätzen den Rahmen der untenstehenden Grafik, pendelten sich dann aber gegen Ende leicht unter dem Stammtrio ein.

Boranijasevic mit mehr Defensivpunkten als Guerrero

Nikola Boranijasevic lag nach dem 1. Spieltag die ganze Vorrunde hindurch bei der Anzahl Defensivpunkte pro 90 Minuten vor Adrian Guerrero, der am Ende nochmal aufdrehte. Fabian Rohner konnte im Cup bei Yverdon defensiv mit einigen Ballgewinnen und sogar gewonnenen Luftduellen überzeugen. Weil er danach fünf Spiele nicht mehr zum Einsatz kam und der Gleitende Durchschnitt über diese Zeitperiode berechnet wird, fällt seine Kurve danach auf Null, bevor sie mit seinem Kurzeinsatz in Lausanne nochmal leicht ansteigt. Silvan Wallner spielte so wenig, dass er schwer zu beurteilen ist.

Doumbia und Hornschuh als defensives Gewissen

Im Zentrum sammelten Ousmane Doumbia und Marc Hornschuh am meisten Defensivpunkte. Ersterer als Stamm-, der zweite vorwiegend als Einwechselspieler. Rund um den Heimsieg gegen Lugano (1:0) hatte Hornschuh eine defensiv sehr gute Phase. Bledian Krasniqi und Moritz Leitner liegen deutlich dahinter. Blerim Dzemaili konnte sich gegen Ende langsam steigern. Stephan Seiler hatte nur wenig Einsatzzeit, in der er defensiv relativ gesehen viel bewegte.

Marchesano führt vordere Reihe defensiv an

Antonio Marchesano, der das Pressing anführt, wenn er vorne im Sturm spielt, war die ganze Vorrunde durch unter den defensiv besten Forwards beim FCZ. Auch er steigerte sich gegen die Winterpause hin. Tosin führte sich nach seiner Verletzungspause in der Schlussphase auch defensiv stark ein. Die Ausreisser nach oben von Gogia und Pollero in der 16. Runde stammen hingegen von ihren guten Kurzeinsätzen gegen Basel (3:3) in der 12. Runde. Weil gleichzeitig ihre weniger guten Auftritte in der Startformation in Yverdon im Gleitenden Durchschnitt in der 16. Runde aus der Wertung fallen. Kramer (stark) und Gnonto (in kleinen Schritten) steigerten sich defensiv im Laufe ihrer Vorrunde.

Leihe nach Osnabrück liess Ceesay reifen

Über längere Frist seit dem Sommer 2019 gesehen hat sich Antonio Marchesano in Sachen Defensivpunkte pro 90 Minuten kontinuierlich gesteigert. Dasselbe gilt auf tieferem Niveau auch für Blaz Kramer. Tosin hatte in dieser Sparte eher einen rückläufigen Trend, ist jetzt aber vor der Winterpause „explodiert“. Ob er dieses Niveau zu Beginn der Rückrunde weiter halten kann? Auch für Mirlind Kryeziu war die Vorrunde 21/22 seine defensiv klar beste Runde seit Sommer ’19. Assan Ceesays Leistungssprung in Sachen Defensivarbeit fand hingegen bei seiner Leihe nach Osnabrück in der Rückrunde 19/20 statt. Seither hat der Gambier doppelt so viele Defensivpunkte pro 90 Minuten wie vorher. Becir Omeragic hatte vor einem Jahr in der Vorrunde 20/21 leicht bessere Werte als heute. Yanick Brecher erreicht nach einem Abwärtstrend wieder sein Niveau der Rückrunde 19/20.

Halbzeitanalyse, Teil 1 – Erfolgsfaktoren, Folgerungen und Ausblick

Halbzeitanalyse, Teil 2 – Mehr Gegentore auf Konter und Weitschüsse

St. Gallen revolutionär, der FCZ differenziert / FCZ – St. Gallen in der Züri Live-Analyse

Die Auftritte des FC St. Gallen sind immer wieder beeindruckend: das Tempo, die Athletik, die Laufbereitschaft und Kompromisslosigkeit. Mit vielen kleineren und grösseren innovativen Herangehensweisen und Prinzipien brechen sie über Jahrzehnte eingeschliffene Spielweisen und Gewohnheiten auf. Sie zwingen ihren Gegnern damit einen Fussball auf, der den Stempel der Unterhaltungsgarantie trägt. Die Liga sollte den Ostschweizern dafür dankbar sein. Das fängt bei der schnellen Ausführung von Einwürfen und Eckbällen an, geht über die unaufhörliche Suche nach dem direktesten Weg zum Tor, bis zu einer verteilten Positionierung, welche beiden Teams viel Platz zum Laufen und Spielen mit Ball bietet – ein wichtiger Grund dafür, warum Spiele gegen St. Gallen so abwechslungreich rüberkommen.

St. Gallen hat den Super League-Fussball verändert

Die Spielweise ist eine moderne Version des ursprünglich Englischen Stils des „Kick and Rush“ und eine komplette Abkehr von der seit den durch Italien dominierten 90er-Jahren gepredigten „Kompaktheit“ im internationalen Fussball. Sie wurde in für Innovationen offenen und mit der notwendigen Geduld für langfristiges Arbeit ausgestatteten österreichischen und deutschen „Retortenklubs“ entwickelt. St. Gallens Peter Zeidler entstammt dieser Trainerschule, welche speziell österreichischen Vereinen im Europacup ungeahnte Höhenflüge ermöglicht hat. In der Schweiz führte der ehemalige Salzburger Trainer Adi Hütter YB auf den langfristigen Erfolgskurs.

Wer schon einmal Zusammenfassungen von englischen First Division-Partien aus den 70er-Jahren gesehen hat, fühlt sich bei St. Gallen-Matches daran erinnert. Wenn man gut hinhört, vernimmt man dabei sogar als ein Echo der damaligen Zeit wieder das leidenschaftliche englische Stehplatzpublikum bei jeder Aktion lebhaft mitgehen. Aber natürlich ist es in der Realität nicht genau dasselbe: die Plätze sind heute besser, ebenso die Athletik und Technik der Spieler sowie die deutlich zahlreicheren taktischen Finessen. Während die Fesseln auf dem Platz also wieder etwas fallen, strahlen derweil die Fankurven mehr denn je römische Kompaktheit aus.

FCZ agiert differenzierter als die Grünweissen

So viel zum löblichen Spielstil. Niemand wird aber behaupten, dass St. Gallen und Peter Zeidler alles richtig machen, sonst würden sie nicht auf der aktuellen Tabellenposition stehen. Die Partie gegen den FCZ zeigte exemplarisch die Probleme des aktuellen St. Galler Spiels auf: es ist zu stereotyp. Wie „Manöggeli“ in einem Computerspiel der 80er-Jahre verhalten sich die grünweissen Spieler überall auf dem Platz genau gleich. Egal ob im Mittelfeld, im Angriffsdrittel oder im eigenen Strafraum. Das St. Galler Pressingverhalten ist auf dem ganzen Platz intensiv. Dabei handelt es sich tendenziell nicht um ein kollektives Pressing, sondern jeweils um eine überfallartige Attacke des ballführenden Gegners durch einen einzelnen St. Galler im Vollsprint. So auch von Boubacar Traoré gegen Blerim Dzemaili im St. Galler Strafraum – das Resultat: Penalty!

Oder in der Angriffszone: wie wenn sich im Zürcher Tor ein Magnet befinden würde, bewegt sich der Ball bei St. Galler Ballbesitz entweder durch Dribblings oder lange Pässe in direkter Linie zum gegnerischen Tor. Und es wird auch aus relativ grosser Distanz schnell der Abschluss gesucht. Querpässe scheinen verpönt zu sein. Anders der FCZ: er passt sich zwar bis zu einem gewissen Grad dem St. Galler Spiel an und hat ebenfalls Zug in seinen Aktionen, geht aber deutlich differenzierter vor. Vor dem 2:1-Führungstreffer beispielsweise wird die gegnerische Abwehr im Angriffsdrittel auch mal mit Querpässen und Diagonalbällen ausgehebelt. Und im eigenen Strafraum verteidigt man nicht gleich wie im Mittelfeld.

Nikola Boranijasevic macht viele kleine, entscheidende Dinge gut

Beeindruckend bei St. Gallen ist die Sprungtechnik von Kwadwo Duah und Elie Youan bei den eingeübten hohen langen Bällen von Ati Zigi in die gegnerische Hälfte. Sie steigen so hoch mit einem hervorragenden Timing, dass den Zürcher Gegenspielern nur das Staunen bleibt. In der Anfangsphase ergibt sich so eine grosse Gästechance. Das Vorgehen kostet aber auch Kraft, die den Stürmern dann oft im Abschluss fehlt. Wenn die Spieler Roboter wären, würde St. Gallen mit seiner Spielweise mit grossem Vorsprung Schweizer Meister. Aber es sind eben Menschen mit begrenzten Ressourcen. Und natürlich haben die Ostschweizer die Abgänge eines Ermedin Demirovic, Silvan Hefti oder Jordi Quintilla bis heute noch nicht richtig kompensieren können. Gegen den FCZ fiel im Verlauf der Partie dann auch noch Leistungsträger Ousmane Diakité verletzt aus. Bei gegnerischen Eckbällen hat sich das Zeidler-Team nach zwei Corner-Gegentoren in Luzern Ende Oktober der grossen Mehrheit der Liga angeschlossen und auf Manndeckung umgestellt.

Obwohl St. Gallen nicht ganz so hoch verteidigt wie noch beispielsweise bei der Heimniederlage gegen GC (0:4), operiert der FCZ sehr häufig mit Hohen Bällen von hinten heraus. Im ersten Spielviertel zeigt sich bei den Zürchern eine grosse Diskrepanz zwischen sehr schlecht in die Partie gestarteten Spielern wie Becir Omeragic und Blerim Dzemaili auf der einen Seite und auf der anderen die herausragend beginnenden Nikola Boranijasevic und Aiyegun Tosin. Blerim Dzemaili war vom Anfangstempo der St. Galler überfordert. Unter anderem führte ein Ballverlust von ihm, als er dem Ball nicht entgegenging, zu einem St. Galler Konter mit dem Pfostenschuss des wirbligen Elie Youan. Nach vier gelungenen Teileinsätzen lief Tosin zum zweiten Mal in dieser Vorrunde in der Startformation auf, baute im Verlaufe der Partie dann aber fortlaufend ab. Nach stürmischer Anfangsphase war von ihm nicht mehr viel zu sehen. Der für Tosin in der 61. Minute eingewechselte Wilfried Gnonto brachte hingegen wieder viel Schwung.

Boranijasevic ist erstmals der Zürcher MVP, profitiert dabei auch etwas davon, dass die linke St. Galler Seite mit Aussenverteidiger Traoré und dem linken 8-er Schmidt nicht immer ganz sattelfest war. Es ist auch eine Belohnung dafür, dass der Serbe schon die ganze Vorrunde hindurch viele kleine, aber nicht unwichtige Dinge immer gut macht – zum Beispiel die Einwürfe. Wie sehr im FCZ auf Details geachtet wird, um das Maximum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen, wird unter anderem dadurch illustriert, dass Assan Ceesay die Ausführung des Penaltys übernahm. In einem Team, das nicht lebt, geht man häufig den Weg des geringsten Widerstandes und hält sich an Gewohnheiten. Hier wird hingegen flexibel auf Umstände reagiert. Jedes Spiel, jede Aktion, jede Entwicklung wird ernst genommen und die jeweils bestmögliche Lösung für die jeweilige Situation gesucht.

Alle vier Tore des Spiels auf Standards erzielt

Der 0:1-Rückstand in der 7. Minute durch ein Eigentor von Becir Omeragic war das vierte Gegentor der Vorrunde nach einem Eckball. Gegen St. Gallen und GC gab es in jedem bisherigen Spiel solch einen Gegentreffer. Der Eckball war aus einem anderen Eckball und dieser aus einem Ballverlust des wie meist in den letzten Wochen eher durchschnittlich spielenden Antonio Marchesano in der Angriffszone entstanden. Dass Becir Omeragic den Ball dabei ins eigene Tor lenkte, war kein Zufall. Der Genfer, obwohl Innenverteidiger, gehört eher zu den schwächeren Zürchern in solchen Situationen und verliert ab und zu mal seinen Gegenspieler aus den Augen. Da Mirlind Kryeziu wie immer im Raum eingesetzt wurde, wurde daher Lindrit Kamberi damit betraut, den stärksten Gegenspieler (erst Diakité, dann Nuhu) zu decken. Beim Gegentreffer verlor Omeragic seinen Gegenspieler Guillemenot, der damit die Möglichkeit erhielt, Kryeziu an der Grenze des Erlaubten beim Versuch, den Ball wegzuköpfen zu behindern. Omeragic hätte danach den Ball auch selbst wegköpfen können, war aber darauf auch nicht gefasst. Stattdessen stand er letztendlich abseits des Geschehens an einer Stelle, wo er nichts bewirken konnte – aussser einen Schuss von Kwadwo Duah, welcher klar nebens Tor geflogen wäre, entscheidend ins eigene Gehäuse abzulenken.

Duahs Gegenspieler wäre Ousmane Doumbia gewesen. Der Ivorer gehört normalerweise zu den aufmerksamen Manndeckern bei gegnerischen Eckbällen, aber diesmal liess er sich erwischen. Auf der anderen Seite erzielte der FCZ alle seine drei Tore ebenfalls aus Standardsituationen: ein Penalty, ein Freistoss und ein Corner. Der neben Antonio Marchesano stärkste Offensiv-Kopfballspieler Lindrit Kamberi erzielte nach einem Guerrero-Corner per Kopf sein erstes Wettbewerbstor im Fanionteam. Es war beinahe eine Kopie von Mirlind Kryezius 3:0-Treffer gegen Luzern, ausser dass diesmal der Eckball von links und an den nahen Pfosten geschlagen wurde. Bei St. Gallen lief in dieser Szene etwas mit der Zuteilung schief. Boubacar Traoré war sicherlich die falsche Wahl als Gegenspieler von Kamberi. Insgesamt hat der FCZ in dieser Vorrunde inklusive Cup 41% seiner Tore auf Standards erzielt.

Telegramm

FCZ – St. Gallen 3:1 (1:1)
Tore: 7. Omeragic (Eigentor, Duah) 0:1, 28. Ceesay (Penalty, Dzemaili) 1:1; 78. Kramer (Kryeziu) 2:1, 86. Kamberi (Guerrero) 3:1.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Kamberi; Boranijasevic (90. Gogia), Dzemaili (90. Hornschuh), Doumbia, Guerrero; Marchesano (71. Krasniqi); Tosin (61. Gnonto), Ceesay (71. Kramer).
St. Gallen – Zigi; Sutter, Stergiou, Fazliji, Traoré; Diakité (43. Nuhu); Münst (81. Schubert), Schmidt (63. Diarrassouba); Guillemenot (63. Besio); Duah, Youan.

8, 75, 125, 150, 1’000 – Zahlenspiel zum Jubiläum / FCZ – Sion 6:2 in der Züri Live-Analyse

8 Tore zum 125 Jahr-Jubiläum – die Feierlichkeiten gingen nahtlos in das Spiel über und das Spiel nahtlos in Feierlichkeiten. Glückstage laufen so. Sowohl in der 1. wie auch in der 2. Halbzeit traf Assan Ceesay jeweils nach exakt 150 Sekunden zur Führung. Und Antonio Marchesano gelang in der 75. Minute das 1’000-ste FCZ-Tor der Super League-Geschichte. Der FC Zürich ist der dritte Verein, der diese Marke erreicht.

Lücken im FCZ-Gegenpressing lassen Sion im zweiten Viertel ins Spiel kommen

Gegen Sion zum Jubiläum startet der FC Zürich gut und hat die Partie im ersten Viertel unter Kontrolle. In der 24. Minute lässt man Sion ein erstes und danach gleich noch ein zweites Mal kontern. Moritz Leitner wich nach einem Krasniqi-Kopfballablenker zum Gegner in seiner typischen Art zurück, anstatt den Ballführenden anzugreifen.

Seitenwechsel als Erfolgsrezept

Obwohl durch schnelle Konter zurück ins Spiel gefunden, erzielt der FC Sion seine beiden Tore mit Hilfe von Seitenwechseln und nutzte dabei Lücken, die durch die Verschiebebewegung im gegnerischen Defensivverbund entstehen. Dies erinnerte stark an den Februar, wo die Walliser unter Weltmeister Fabio Grosso als Coach durch Luca Clemenza ebenfalls so im Letzigrund ihr Tor erzielten: “Grgic, Brecher und Domgjoni retten matten Zürchern einen Punkt“. Der FCZ kam zu seinem 1:0-Führungstreffer durch Assan Ceesay in der 3. Minute nach Vorarbeit von Bledian Krasniqi und Fidan Aliti allerdings ebenfalls auf die genau gleiche Art und Weise.

Moritz Leitner ungenügend

Sion ging nach dem 1:1-Ausgleich durch Filip Stojilkovic (trifft bei seinem zweiten Auftritt im Letzigrund gegen seinen Stammklub schon wieder) mit einem Chancenplus im zweiten Spielviertel und einem besseren Gefühl in die Kabine. André Breitenreiter reagierte und nahm den zu “pomadig“ auftretenden Moritz Leitner raus – und ebenso Fabian Rohner. Da half auch nicht mehr. dass die beiden kurz vor der Pause noch in einer hervorragenden Aktion nach einem Einwurf die beste Zürcher Chance von Bledian Krasniqi vorbereitet hatten.

Fabian Rohner aus dem Tritt geraten

Der 23-jährige Rohner hatte im Sommer auf den verschiedensten Positionen eingesetzt sehr gute Testpartien absolviert, ist aber mittlerweile aus dem Tritt geraten. Für die Stammformation reicht es zur Zeit nicht und bei seinen (Teil-)Einsätzen kann er sich nicht nachhaltig empfehlen. Die Entschlossenheit scheint ihm sowohl offensiv wie auch defensiv etwas abzugehen und er wird von den Mitspielern auch wenig gesucht und ins Spiel gebracht. Gar völlig neben den Schuhen stand Wilfried Gnonto. Der junge Italiener schien mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache zu sein und hatte an diesem Tag gar kein Auge für seine Mitspieler.

Taktische Umstellung bringt Wende zugunsten des FCZ

Vor allem aber nahm der FCZ auf die 2. Halbzeit hin eine taktische Umstellung von einem 3-3-2-2 (zuletzt liess Breitenreiter sein 3-4-1-2 vermehrt mit nur einem 6-er auflaufen) auf ein 4-1-2-1-2, also ein 4-4-2 mit Rhombus, vor. Auch dies ist wie Breitenreiters bisherige Lieblingsformationen beim FCZ grundsätzlich ein System mit Fokus aufs Zentrum. Entscheidend aber: in der defensiven Phase standen die beiden 8-er Doumbia und Gnonto breit. Sion, das sich vom zweiten Viertel der Partie gewohnt war, mit Doppelpässen und Seitenwechseln erfolgreich auf den Seiten durchzukommen, wurde angesichts der neuen Situation etwas auf dem falschen Fuss erwischt. Der FCZ nutzte dies zum schnellen 2:1-Führungstreffer.

Balleroberer Doumbia nach der Pause auf der richtigen Position eingesetzt

Wichtig dabei auch die Personalwahl, Ousmane Doumbia auf die 8-er Position auf der rechten Seite zu stellen, denn Sion konnte sich zuvor mit dem spielfreudigen Cipriano und Itaitinga speziell auf ihrer linken Seite immer wieder durchsetzen. Balleroberer Doumbia sollte generell immer auf derjenigen Position spielen, wo der Gegner vorzugsweise sein Spiel aufbaut. Das könnte auch mal auf der “10“ sein, oder (warum nicht?) gegen einen seitlichen Spielmacher wie aktuell wieder Stevanovic oder letzte Saison Clichy von Servette ganz auf der Seite als Aussenverteidiger oder Flügel. Was Doumbia ganz und gar nicht ist: ein „Stratege“ auf der “6“, der defensiv positionssicher agiert und mit präzisen langen Bällen das Spiel lanciert.

Zuletzt gute Entwicklung bei Blerim Dzemaili

So eine Beschreibung trifft viel eher auf Blerim Dzemaili zu – auf einen fitten Blerim Dzemaili wohlgemerkt. Bei seinen Einsätzen letzte Saison war Dzemaili weit vom Super League-Niveau entfernt gewesen. In Züri Live-Analysen wurden auch schon starke Zweifel geäussert, ob er dieses Niveau überhaupt nochmal erreichen kann. Nach seinen (Teil-)Einsätzen zuletzt lässt sich sagen: es ist nicht mehr auszuschliessen, dass Dzemaili doch noch einmal für ein paar Wochen oder Monate dem FCZ wirklich helfen könnte. Die Entwicklung zuletzt ist gut. Neben der taktischen Umstellung war die Hereinnahme des Zürchers ein weiterer Faktor für den Umschwung gegen Sion nach der Pause. Bei der Balleroberung vor dem 2:1 beispielsweise machte er einen wichtigen Laufweg, welcher Serey Dié eine Anspielstation wegnahm und somit Boranijasevic und Doumbia die Balleroberung wesentlich erleichterte.

Ceesay, Dzemaili & Co. physisch verbessert

Die 6-er Position scheint in dieser Phase von Dzemailis Karriere auch wieder besser auf ihn zugeschnitten zu sein – was auch in dieser Hinsicht eine Rückkehr zu den Wurzeln wäre, nachdem er auf dem Höhepunkt seiner Karriere tendenziell eher auf der 8er- und teilweise sogar 10er-Positon gespielt hatte. Was ersichtlich ist: auch schon nur ein 45 Minuten-Einsatz in Super League-Intensität bringt Dzemaili aktuell physisch an seine Grenzen. Ein Blick in sein Gesicht spricht Bände. Aber zumindest ist er im Gegensatz zu letzter Saison mittlerweile in der Lage, 45 oder 60 Minuten das Tempo mitzugehen und die entscheidenden Sprints zu machen. Vielleicht bald auch noch mehr? Eine verbesserte physische Verfassung scheint ganz allgemein ein wichtiger Faktor für den guten Saisonstart des FCZ zu sein. Speziell in Bezug auf den lange Zeit äusserst fragilen Assan Ceesay. Dessen sichtlich verbesserte Körperbalance und -stabilität setzt sich nahtlos um in mehr Zweikampfgewinne, aber auch deutlich mehr Präzision am Ball.

Zweiter taktischer Wechsel nach dem 2:2

Im Gegensatz zum 1:1 fiel der 2:2-Ausgleichstreffer Sions nach der Pause entgegen dem Spielverlauf. Der FCZ war ab der 46. Minute einfach besser und liess sich auch durch diesen temporären Rückschlag in der Spielweise auf der Resultattafel nicht beirren. Allerdings wechselte Trainer Breitenreiter nach dem 2:2 erneut die taktische Formation – zurück auf das lange Zeit übliche 3-4-1-2 mit zwei 6-ern. In dieser Aufstellung gelangen dann gegen zunehmend nachlassende Walliser durch gute Spieleröffnungen Mirlind Kryezius durch die Mitte die entscheidenden Treffer zum 3:2 und 4:2.

Telegramm

FC Zürich – FC Sion 6:2 (1:1)
Tore: 3. Ceesay (Krasniqi) 1:0, 33. Stojilkovic (Cipriano) 1:1; 48. Ceesay (Marchesano) 2:1, 63. Serey Dié (Stojilkovic / Eigentor Aliti) 2:2, 72. Ceesay (Marchesano) 3:2, 75. Marchesano (Ceesay) 4:2, 87. Gogia (Doumbia) 5:2, 90. Ceesay (Coric) 6:2.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu Aliti; Rohner (46. Boranijasevic), Doumbia, Gnonto (69. Gogia); Leitner (46. Dzemaili), Krasniqi (69. Coric); Ceesay, Marchesano (86. Hornschuh).
Sion – Fayulu; Wesley, Saintini, Schmied, Cipriano; Serey Dié (77. Vagner); Cavaré (72. Tosetti), Keita, Zuffi, Itaitinga (63. Bua); Stojilkovic (72. Karlen).

Post Scriptum

Die erste Mannschaft, welche die Marke von 1’000 Treffern erreicht hatte, war vor mehr als fünf Jahren der FC Basel gewesen. Der Isländer Birkir Bjarnason traf dabei im April 2016 nach 0:2-Rückstand (Tore: Kerzhakov, Bua) für die Rotblauen zum 2:2-Ausgleich gegen den FCZ. Nachdem man nach einer schlechten Vorrunde mit Neuverpflichtung Leonardo Sanchez gut in die Rückrunde gestartet war, gab es nach diesem verpassten Auswärtssieg im St. Jakob Park beim FCZ einen Bruch (gerade mal ein Punkt aus den folgenden sieben Spielen), auch weil Sanchez nach einem harten Einsteigen von Cédric Itten in der Folge für den Rest der Saison angeschlagen war. Zwei Jahre später hätte YB ebenfalls zu Haue im April gegen den FCZ mit zwei Toren die 1’000-er Marke knacken können, aber es resultierte “nur“ ein 1:0-Sieg (Tor: Sanogo). Das tausendste Tor wurde ein paar Tage später in Thun durch Jean-Pierre Nsamé nachgeholt und zwei Wochen danach feierte Bern gegen den FC Luzern den ersten Meistertitel seit mehr als drei Jahrzehnten. Bis zum nächsten Klub, der die 1’000-er Marke erreicht, wird es wieder ein paar Jahre dauern. GC, St. Gallen oder Luzern in dieser Reihenfolge sind dafür die heissesten Kandidaten.

FCZ scheitert an Cabrasel – und falschen Entscheidungen in lokaler Überzahl / FCB – FCZ in der Züri Live-Analyse

Antonio Marchesano ist in Basel erneut auswärts der beste Spieler des FCZ in einer Partie, in welcher sein Team hoch stand und erstmals in dieser Saison an der Abschlusseffizienz scheiterte. 18 Torchancen wurden nicht genutzt – so viele wie noch nie in dieser Saison, inklusive Cup-Spiel in Solothurn. Trotz positiver Bilanz an „Erwarteten Toren“ im St. Jakob Park resultierte eine 1:3-Niederlage. Ein weiterer Indikator: 121 Züri Live-Offensivpunkte sind ein bisheriger Saisonrekord – gleichzeitig aber auch die 117 Negativpunkte.

Speziell von der 53. bis in die 70. Minute war der Stadtclub beim Stand von 0:1 am Drücker und hatte rund um die 60. Minute herum mehrere gute Torchancen im Minutentakt. Die Phase wurde abgeschlossen durch einen Pfostenschuss aus kurzer Distanz von Adrian Guerrero. Danach kam ein Bruch ins Zürcher Spiel. Ousmane Doumbia, Moritz Leitner und der eingewechselte Blerim Dzemaili hatten das Zentrum nicht mehr im Griff, woraus das 0:2 resultierte. Basels Linksverteidiger Tavares lenkte einen wohl nebens Gehäuse gezielten Abschluss von Jungnationalspieler Dan Ndoye unfreiwillig entscheidend ins Zürcher Netz ab. Wie schon in der Auswärtspartie bei YB waren die grössten und entscheidenden Mankos des FCZ im Mittelfeldzentrum zu suchen.

FCZ wächst schnell wie eine Bambuspflanze

Die 3-4-1-2 Formation bleibt die Konstante der FCZ-Taktik, aber die Spielweise ändert sich von Spieltag zu Spieltag stark. Zu Beginn der Saison noch die am tiefsten stehende und am stärksten auf Konter ausgerichtete Mannschaft der Liga, steht man nun schrittweise immer höher und übernimmt das Spieldiktat. Wie einer Bambuspflanze kann man dem FC Zürich von Woche zu Woche beim Wachsen live zusehen. Dabei gelingt natürlich nicht alles. So erzielte Basel in der 34. Minute das wichtige erste Tor der Partie gerade weil der FCZ so hoch stand und dazu der sich immer wieder auf die Seiten sowie zwischen die Linien davonstehlende Zielspieler Cabral Heinz Lindners hohen Ball per Kopf hervorragend in die Tiefe weiterleitete. Aliti kam etwas zu spät ins Luftduell und Guerrero lenkte den Ball wenig vorteilhaft für seine Farben ab. Zehn Minuten davor hatte Cabral bereits einmal zwischen den Zürcher Linien einen Hohen Ball von Lindner gut in die Tiefe gelenkt. In dieser Szene war Omeragic zu spät ins Luftduell gekommen, aber Mirlind Kryeziu konnte die Situation ausbügeln.

Grosse Leistungsdiskrepanz

Insgesamt herrschte im Zürcher Team wiederum eine grosse Leistungsdiskrepanz. Auf der einen Seite liessen Mirlind Kryeziu genauso wie Antonio Marchesano kaum Wünsche offen, während sich auf der anderen Moritz Leitner defensiv erneut sehr durchlässig entpuppte, sich in vielen Szenen regelrecht versteckte, notwendigen Zweikämpfen aus dem Weg ging und selbst bei gegnerischen Standardsituationen häufig nicht aufmerksam war. Nach vorne hatte der Bayer auch einzelne gute Aktionen dabei, aber auch zu “schlampige“ Zuspiele und unnötiges Verschleppen von Angriffen.

FCZ bei Standards in der Luft noch zu wenig gefährlich

Bei eigenen Standards kommt der FCZ in der Luft in den letzten Spielen zu selten zum Abschluss direkt aufs Tor. Auch dem grossgewachsenen Mirlind Kryeziu fehlt in der Regel das ideale Timing dafür. Vor dem Gegenstoss zum 1:3 durch Cabral (hatte den Ball selbst aus dem eigenen Strafraum befreit und netzte nach einem 80 Meter-Sprint ein) wurde Kryeziu zudem neutralisiert, da immer er von Guerrero gesucht wurde und deshalb der eingewechselte Burger Kryezius Manndecker Cömert zu Hilfe kam. Die offensive Stärke Mirlind Kryezius liegt immer noch in erster Linie im Spielaufbau.

Telegramm

FC Basel – FC Zürich 3:1 (1:0)
Tore: 34. Millar (Ndoye) 1:0; 73. Tavares (Ndoye) 2:0, 79. Marchesano (Penalty, Guerrero) 2:1, 82 Cabral (Fernandes) 3:1.
FCB – Lindner; Lopez (85. Lang), Cömert, Pelmard, Tavares; Frei (64. Burger), Xhaka; Ndoye (74. Fernandes), Males (64. Kasami), Millar (74. Stocker); Cabral.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu Aliti; Boranijasevic (74. Gogia), Doumbia, Leitner, Guerrero; Coric (57. Dzemaili); Marchesano, Ceesay (57. Gnonto).

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