Zwei Auftaktniederlagen und Feuer unterm Dach

Der FC Aarau gehört zu denjenigen Teams, die in den ersten 10 Tagen nach Trainingsstart ganz auf Testspiele verzichten, weil der Trainer und ehemalige FCZ-Verteidiger Stephan Keller sein Team erst dann gegen einen Gegner auf den Platz schicken will, wenn er vom Trainingsstand her von seinen Spielern das Umsetzen der Vorgaben auch wirklich erwarten kann. Aufgrund der Beobachtungen in und rund um die ersten beiden Tests gegen Schaffhausen (2:5) und Luzern (0:2) wäre das eventuell für den FC Zürich auch eine zu bedenkende Variante gewesen.

Die Trainings unter Ludo Magnin sind generell so intensiv, abwechslungsreich und sehen optisch so gut aus wie unter keinem seiner Vorgänger in den letzten 10 Jahren. Dieser Eindruck wird durch verschiedene Experten bestätigt. Wenn überhaupt, dann sind die Trainings insgesamt eher zu hart und gehen gemäss einzelnen Stimmen zu stark an die Substanz, so dass die Mannschaft kräftemässig in gewissen Phasen der Saison möglicherweise nicht ihr volles Potential ausschöpfen kann. Auch wenn aufgrund des Corona-Regimes Trainingsbesuche nicht mehr ohne weiteres möglich und eine aktuelle Einschätzung darum schwierig ist, kann man davon ausgehen, dass auch in dieser Vorbereitung aktuell die Mannschaft sehr intensiv trainiert.

Gegen Schaffhausen begann man gut, das Tempo war von beiden Seiten in der Startviertelstunde relativ hoch. Dann musste man dem Gegner aber relativ schnell das Szepter überlassen. Ungewöhnlich für von Murat Yakin trainierte Teams haben die Schaffhauser nach den Sommertransfers eine ganze Reihe von gelernten Stürmern im Kader und traten in beiden Halbzeiten mit Prtajin / Pollero sowie Barry / Djoulou mit jeweils zwei „waschechten“ Mittelstürmern an, so dass Hélios Sessolo rechts ins Mittelfeld ausweichen musste. Die Munotstädter vermochten im Gegensatz zu ihrem Gegner über die ganzen 90 Minuten die für ein Testspiel relativ hohe Intensität zu halten. Auch wenn das 4:2 und das 5:2 während einer Pflege von Nathan gegen einen FC Zürich in Unterzahl fielen, war das Ergebnis insgesamt auch in dieser Höhe nicht unverdient.  

Bei regnerischen Bedingungen: Testspielauftakt FCZ – Schaffhausen

Beim FCZ gab der 16-jährige Wilfried Gnonto sein Début im Profiteam – ein ganz ordentliches, auch wenn er speziell gegen den ehemaligen FCZ-Mittelfeldspieler Sangoné Sarr das ein oder andere Mal noch Probleme hatte, sich physisch zu behaupten. Im Goaliedress bei den Gelb-Schwarzen lief in der 1. Halbzeit Piu Da Costa auf. Der Goalie-Routinier hält sich im Team der Yakin-Brüder fit. In einem Team, das mit dem ehemaligen GC-Junior Amir Saipi und den beiden ehemaligen FCZ-Junioren Calvin Heim und Luka Deronjic auf dieser Position sehr talentiert bestückt ist. Ein Transfer in den Lipo Park scheint zum jetzigen Zeitpunkt nicht wahrscheinlich.

Die Erste Halbzeit endete 1:2 – Kololli hatte nach Treffern der beiden neuen Schaffhausen-Stürmer Pollero und Prtajin eine gute Schönbächler-Flanke mit links aus dem rechten Halbfeld noch leicht per Kopf abgefälscht. Derselbe Schönbächler hatte bereits in der 5. Minute mit einer Doppelchance (Lattenkopfball, Da Costa-Parade) die erste gute Einschussgelegenheit der Partie vergeben. Später traf Pollero neben seinem Treffer mit einem schönen Abschluss aus der Drehung auf der anderen Seite auch noch den Pfosten. In der Zweiten Halbzeit erhöhten Sessolo per Penalty, Barry und Kastrati das Skore der Schaffhauser drei Mal. Den Penalty hatte Mirlind Kryeziu verschuldet – und es war nicht sein einziger Schnitzer gewesen.

Nach seinem Fehler vor dem 5:2 Kastratis konnte Präsident Ancillo Canepa seinen Ärger auf der Tribüne nicht zurückhalten. Im Anschluss der Partie führte dieser dann zusammen mit Heliane unverzüglich ein intensives Einzelgespräch mit dem 23-jährigen Verteidiger. Wie zwei wohlgesinnte Lehrer, die einem Schüler klarmachen, dass die nächste Prüfung für seinen Werdegang entscheidend sein wird. In Luzern fehlte Mirlind dann – wohl kaum verletzungsbedingt. Ähnlich einzuordnen eine Szene in der Pause des Luzern-Spiels, als Captain Yanick Brecher Stürmer Blaz Kramer packte und ruppig wegstiess, nachdem dieser etwas salopp und frech auf Brechers Einzelkritik reagiert hatte. Kramer hatte unter anderem kurz vor der Pause nach einer guten Flanke Rüeggs eine hervorragende Kopfballchance ungenutzt gelassen – allerdings weniger wegen fehlender Konzentration, sondern mehr weil es dem Slowenen in solchen Szenen schlicht an Qualität fehlt. Will man die beiden hitzigen Diskussionen am Rande des Spielfelds positiv interpretieren, so dahingehend, dass man einen gewissen Schlendrian von einzelnen Spielern nicht mehr zu tolerieren gewillt ist – selbst in Testspielen nicht.

Gedenkminute für die überraschend verstorbene Luzerner Klublegende Paul Wolfisberg vor dem zweiten Zürcher Testauftritt in der Zentralschweiz

Nicht zielführend war hingegen sicherlich das Reklamieren bei Schiedsrichter San im Luzern-Spiel. Toni Domgjoni hätte den Eckball, der zum 1:0 Luzerns führte, verhindern können, wenn er sich nicht darauf fokussiert hätte, ausgiebig ein Handspiel Ugrinics zu beanstanden. Trainer Magnin nervte sich darüber, dass in der Zweiten Halbzeit bei einem Laufduell mit David Mistrafovic kein Penalty zugunsten von Assan Ceesay gepfiffen worden war. Und Assistenztrainer Alfons Higl ging nach dem Schlusspfiff ziemlich heftig bei Schiedsrichter Fedayi San reklamieren. Pluspunkte bei den Unparteiischen sammeln die Zürcher so schon vor Saisonstart sicherlich nicht.

Einzelne Spieler wussten in den beiden Partien durchaus zu gefallen. Henri Koide macht nahtlos weiter, wo er letzte Saison aufgehört hatte, unter anderem mit einer starken Einzelleistung zum zwischenzeitlichen 2:3 gegen Schaffhausen. Fabian Rohner deutet an, was für einen Wert er mit seinem Speed für die Mannschaft haben kann. Kevin Rüegg und Nathan wirken mental gut drauf und haben sich gegen Luzern im Vergleich zum Schaffhausen-Spiel bereits gesteigert, Hekuran Kryeziu zeigte sich in Luzern ebenfalls verbessert, zumindest in der offensiven Phase.

Gegen Schaffhausen machte das Zentrum hingegen fast durchs Band Fehler im Aufbauspiel: Omeragic, Sohm, Seiler, Heki Kryeziu, Mirlind Kryeziu, Domgjoni, Rüegg. Auch in Luzern liess man Lang, Zivkovic, Arques, Ugrinic, Voca und Co. viel zu viele Freiheiten. Und die Zone vor dem eigenen Strafraum hat man weiterhin nicht im Griff. Von den Flügeln kommt weiterhin zu wenig defensive Unterstützung (Ausnahme: Koide). In beiden Partien tritt der FCZ im 4-2-3-1 an, welches letzte Saison lange Zeit die Stammformation war. Schon in den letzten Meisterschaftspartien der alten Saison war Magnin wieder zu diesem System zurückgekehrt – mit Kololli als linker Flügel, wo dieser weniger effektiv agiert, als in der Sturmspitze. Wilfried Gnonto wird bisher jeweils auf der 10er-Position eingesetzt, wo er als Hängende Spitze auch bei Inter häufig gespielt hat.

Simon Sohm wird zur Zeit (nicht zum ersten Mal) als Innenverteidiger eingesetzt. In Luzern machte er seine Sache bereits etwas besser, als gegen Schaffhausen. Auf dieser Position hat er das Spiel vor sich und kann mit seinen Rushes und langen Bällen möglicherweise mehr bewirken als von weiter vorne aus. Und es besteht die Hoffnung, dass Sohm durch die klarere Rolle seine Schwächen im Positionsspiel und der Rückwärtsbewegung überwinden kann und reifer wird. Denn ohne diesen Prozess wird er es trotz hervorragender Anlagen nicht zu einem Top-Spieler schaffen. Im Zweikampf hat er am Boden Qualität, muss sich in der Luft aber noch stark verbessern.

FC Zürich – Schaffhausen 2:5 (1:2)
Tore: 13. Pollero 0:1, 28. Prtajin 0:2, 40. Kololli (Schönbächler) 1:2; 64. Sessolo (Penalty, Djoulou) 1:3, 71. Koide (Marchesano) 2:3, 81. Barry 2:4, 83. Kastrati 2:5.
FCZ 1.Hz.: Brecher: Britto, Sohm, Omeragic, Winter; H. Kryeziu, Seiler; Schönbächler, Gnonto, Kololli; Ceesay.
FCZ 2. Hz.: Brecher; Rohner, Nathan, M. Kryeziu, Britto; Rüegg, Domgjoni; Koide, Marchesano, Khelifi; Kramer.
Schaffhausen 1. Hz.: Da Costa; J. Krasniqi, I. Bunjaku, Mujic, Alvarez; Lika, Bislimi, Sarr, Del Toro; Prtajin, Pollero.
Schaffhausen 2. Hz.: Saipi; Qollaku, Müller, Padula, Del Toro; Sessolo, Talic, Kastrati, M. Bajrami; Barry, Djoulou.

Luzern – FCZ Zürich 2:0 (1:0)
Tore: 3. Ugrinic 1:0: 89. Hermann (Jashari) 2:0.
Luzern 1. Hz.: Müller; Sidler, Lucas, Knezevic, Bürki; Arques; Emini, Ugrinic; Kakabadze, Schürpf, Lang.
Luzern 2. Hz.: Zibung; Grether, Schulz, Mistrafovic, Sidler (61. Balaruban); Kakabadze (80. Hermann), Arques, Voca, Jashari; Lang, Zivkovic.
FCZ 1.Hz.: Brecher; Rohner, Nathan, Omeragic (37. Sohm), Winter; Rüegg, Domgjoni; Schönbächler, Marchesano, Kololli; Kramer.
FCZ 2. Hz.: Kostadinovic; Rohner (61. Britto), Nathan (61. Wallner), Sohm, Erne; H. Kryeziu, Domgjoni (69. Seiler); Khelifi, Marchesano (69. Gnonto), Kololli (61. Koide); Kramer (61. Ceesay).

Einbruch der Routiniers / „Air Jérémy“ narrt die Liga / FCZ – St. Gallen in der Analyse

Wenn die Routiniers beim FCZ nach der Pause doch nur halbwegs so vif gewesen wären, wie der Zürcher Balljunge, der etwa eine halbe Minute vor dem St. Galler 2:1 Lukas Görtler umgehend den Ball zuwarf! Der FCZ geriet durch den schnell ausgeführten Einwurf in Verlegenheit (Omeragic war noch mit Organisieren beschäftigt). Schon nach wenigen Sekunden des zweiten Durchganges stellte sich beim Kommentatorenteam von Züri Live auf der Tribüne ein ungutes Gefühl in der Magengegend ein. Kramer verschätzte sich bei einem langen Ball, und Kololli lief diesem und den Gegenspielern plötzlich wieder in seiner unmotiviert wirkenden Art und Weise von letztem Jahr hinterher. Auch Marchesano machte beim nächsten hohen Ball nicht mal den Versuch, den Gegenspieler etwas zu stören. Anschliessend verlor Kololli einen weiteren Ballbesitz im Duell mit Stergiou, weil er sich aus alter Gewohnheit wieder zu stark mit dem Gegenspieler und zu wenig mit dem Ball beschäftigt hatte. Dann ein unpräziser Steilpass Marchesanos für Kramer, der ebenfalls vom 18-jährigen Stergiou abgelaufen wurde. Anstatt sofort ins Gegenpressing zu gehen, trabte Marchesano schon in der dritten Minute nach der Pause leicht resigniert in eine andere Richtung. Kololli und Kempter verhielten sich auf der Seite dann zu passiv gegen Görtler und Demirovic – und in der Mitte passte Nathan die entscheidende Zehntelssekunde nicht auf – Brecher vermochte am nahen Pfosten den Winkel zum Ball auch nicht mehr zu verkürzen.

Nach der Partie lag ein Fokus der Berichterstattung und der Einschätzungen auf den Abwehrfehlern von Nathan. Der Brasilianer war sicherlich gleich nach dem Restart deutlich besser drauf, als ihm vor allem in St. Gallen eine Top-Partie gelang , wo er unter anderem am nahen Pfosten einen fast sicher geglaubten Treffer von Ermedin Demirovic verhinderte. Trotzdem hatte Nathan auch diesmal einige gute Aktionen gegen St. Gallen und der Leistungsabbau mehrerer anderer FCZ-Akteure war eklatanter sowie entscheidender für die schlechte Zweite Halbzeit. Vom seine Form suchenden Antonio Marchesano und Blaz Kramer kam sowohl offensiv wie auch defensiv klar zu wenig, Hekuran Kryeziu verzettelte sich im Mittelfeld. Sogar Michael Kempter war erstmals seit dem Restart unter dem Strich ungenügend. Dieser wurde genauso wie Kevin Rüegg durch die beiden St. Galler Flügel Ribeiro und Bakayoko im 4-3-3 der Ersten Halbzeit stärker zurückgebunden, als sonst jeweils gegen den gleichen Gegner. Die Einwechselspieler Sohm und Schönbächler machten die Situation eher noch schlechter. Wirklich gut war nur Henri Koide (im sechsten Einsatz zum zweiten Mal MVP).

Die Partie hatte diesmal ein deutlich tieferes Niveau, als die zum Teil hochstehenden bisherigen Direktbegegnungen der beiden Teams in dieser Saison. Die Präzision, Intensität und defensive Geschlossenheit liess auf beiden Seiten zu wünschen übrig – auf Seiten des FCZ letztendlich unter dem Strich noch mehr als beim Gegner. Der FCSG griff bei weitem nicht so hoch und aggressiv an, wie sonst jeweils, so dass die Anzahl Ballverluste im eigenen Drittel des Spielfeldes beim FCZ so tief wie noch nie in dieser Saison gegen die Ostschweizer war. Auf der einen Seite gewannen die Zürcher gegen ebenfalls nicht sattelfeste St. Galler so viele Offensivduelle wie noch nie in dieser Saison – abgesehen vom 3:0-Heimsieg gegen Luzern im November. Andererseits war der Anteil gewonnener Defensivzweikämpfe sehr tief und abgesehen von der 1:4-Niederlage in Genf im Februar liessen die FCZ-Feldspieler in der aktuellen Spielzeit noch nie so viele Schüsse aufs eigene Tor zu – in der Zweiten Halbzeit war das Schussverhältnis 1:16. Die FCZ-Quote der gewonnenen Luftduelle war hingegen wiederum sehr hoch. Aufgrund der guten 1. Halbzeit vermochte der FCZ mit 1,83 den höchsten Expected Goals-Wert seit dem Auswärtssieg in St. Gallen zu verzeichnen. Sieht man zudem vom Penalty in der 2. Minute ab, hatte der FCSG trotz grosser Überlegenheit im zweiten Durchgang insgesamt keinen höheren Expected Goals-Wert als der FCZ zu verzeichnen.

Lift off! We have a lift off… Das Flugi der „Air Jérémy“ breitet im Zürcher Strafraum seine Flügel aus und hebt ab – es gibt Penalty.

Dass dieser Penalty nach 38 Sekunden Spielzeit von Schiedsrichter Jaccottet gepfiffen und von VAR Esther Staubli nicht im Detail angeschaut wurde, ist unverständlich. Jérémy Guillemenot steht im Strafraum auf die Zehenspitzen und hebt ab wie ein Flugzeug beim Start – eine klassische Schwalbe. Der Versuch Nathans, Guillemenot an der Schulter zurückzuhalten, ist so unmerklich, dass dieser ohne Probleme in einer fliessenden Bewegung in die entgegengesetzte Richtung nach vorne abspringen kann. Als Guillemenot bereits in der Luft ist, findet dann auch noch unten eine Berührung statt. In einem normalen Laufduell gäbe es in dieser Situation Druck und Gegendruck, da der Stürmer hier aber bereits abgehoben und keine Bodenhaftung mehr hat, wird er in der Luft natürlich wie ein Stück Holz weggedrückt. Im Fussball, wo sogar leichte Bodychecks erlaubt sind, ist dies sicherlich kein Foul. In der 2. Halbzeit hatte Guillemenot dann die Unverfrorenheit, das Gleiche im Laufduell mit Hekuran Kryeziu gleich nochmal zu versuchen. Wieder pfiff Jaccottet, aber diesmal griff Esther Staubli ein.

Vom Eiskunstlaufen abgeschaute Technik: Guillemenot schleift zur Vorbereitung des Absprungs den rechten Fuss nach, was einen katapultartigen Sprung ermöglicht. Der Genfer fliegt bei seinen Schwalben häufig spektakulär à la Stéphane Lambiel und überschlägt sich in der Luft.

Jérémy Guillemenot ist seit seiner Ankunft in der Super League vor anderthalb Jahren zum unbestrittenen Schwalbenkönig der Liga avanciert. In früheren Zeiten hatte jede zweite Mannschaft einen Spieler, der ab und zu eine Schwalbe produzierte. In den letzten Jahren ist dieses Phänomen in der Liga glücklicherweise stark zurückgegangen. Guillemenot bringt nun die unguten Zeiten gleich im Konzentrat wieder zurück.

Absprung auf den Zehenspitzen: sicheres Zeichen für eine Schwalbe. Aufgrund der VAR-Bilder revidiert Ref Jaccottet seine Entscheidung bei der zweiten Penalty-Schwalbe Guillemenots gegen den FCZ.

Züri Live hat die in der Datenbank gespeicherten letzten 21 für Guillemenot gepfiffenen Freistösse und Penalties angeschaut: sage und schreibe 15 davon entpuppten sich als Schwalben! Nur fünf Freistösse und ein Penalty waren korrekt gepfiffen. Selbst in diesen sechs korrekt gepfiffenen Fällen war Guillemenot jeweils nur darauf aus, ein Foul zu provozieren. Es ist die Strategie, die er entwickelt hat, um seine fehlende Schnelligkeit zu kompensieren: Guillemenot wartet, bis der Gegenspieler nahe dran ist, spielt den Ball leicht nach vorne und stoppt dann abrupt ab, damit der Gegenspieler in ihn reinläuft. Nur ein einziges Mal von diesen 21 untersuchten gepfiffenen „Fouls“ liess sich Guillemenot zudem NICHT in seiner typischen Art theatralisch fallen.

Monatsstatistik der an Jérémy Guillemenot verübten gepfiffenen „Fouls“

Es ist peinlich für die Super League, dass der Genfer in St. Galler Diensten die Schiedsrichter landauf landab nun schon seit anderthalb Jahren zum Narrren hält und diese bis heute nichts gelernt zu haben scheinen. Was wird denn in den vielen individuellen Feedbacks und Workshops thematisiert, wenn nicht so etwas? Schon zu Beginn der Saison fiel mit Adrien Jaccottet der gleiche Schiedsrichter auf eine Schwalbe Guillemenots im St. Jakob Park herein und pfiff in der 80. Minute einen für den weiteren Verlauf der Meisterschaft wegweisenden Penalty zum 2:1-Sieg St. Gallens beim FC Basel. Wohlgemerkt: Jaccottet pfiff hier gegen das Team, von dem er in jungen Jahren selbst Fan war! Die ganze Sache hat definitiv nichts mit der Bevorteilung einer Mannschaft zu tun, sondern schlicht mit der fehlenden Fähigkeit, die Schauspielkunst Guillemenots als solche zu erkennen. Ob Eray Cömert in der Szene Guillemenot beim Versuch den Ball wegzuschlagen berührt hat oder nicht, ist im TV-Bild schwierig zu erkennen. Was klar erkennbar ist: Guillemenot fiel nicht wegen Cömert hin, sondern er liess sich selbst fallen.

Komm in meine Arme! Abspringen. mit dem rechten Fuss den Kontakt zu Cömert suchen, Arme ausbreiten, Lächeln. Guillemenot täuscht bereits Anfangs Saison Schiedsrichter Jaccottet mit einer Schwalbe – der Penalty bedeutet den 2:1-Siegtreffer St. Gallens in Basel.

Da solche Spieler wie Guillemenot höchst selten geworden sind, müssen sich die Schiedsrichter erst wieder dran gewöhnen und sich über einige Grundprinzipien klar werden. Hebt ein Spieler auf den Fussspitzen ab, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um eine Schwalbe handelt. Schiedsrichter Dudic hat dies in der Partie Lugano-FCZ bei Jonathan Sabbatini erkannt, der in der gleichen Art und Weise bereits im ersten Saisonspiel im Letzigrund gegenüber Alain Bieri einen Penalty erschleichen wollte – damals erfolgreich. Ein Foul ist immer ein Bruch des Bewegungsablaufes, die Extremitäten fliegen in alle Richtungen, der Stürmer landet unsanft und vor allem unelegant. Ist es hingegen eine fliessende Bewegung mit schön geordneten Armen und Beinen wie auf einem gemalten Bild, handelt es sich um einen gewollten Bewegungsablauf und somit (fast) sicher um eine Schwalbe.

Unglaublich aber wahr! Auch dieser „Soldat wird in dramatischem Kriegsfilm von hinten erschossen“-Sturz im Hollywood-Stil (wieder gegen Cömert, diesmal im Kybunpark) wird von Urs Schnyder als Foul taxiert.

Guillemenot verwendet Techniken vom Bodenturnen, dem Eiskunstlauf und der Skiakrobatik für seine Absprünge, und um deren optische Wirkung zu verstärken. Er schafft es mit diesen Effekten und Illusionen trotz der Offensichtlichkeit seiner Schwalben immer wieder, dass die Schiedsrichter wie verzaubert automatisch ihre Trillerpfeifen zum Mund führen. Guillemenots Schauspielkunst ist so ausgefeilt, dass manchmal selbst der Gegenspieler unsicher ist, ob er vielleicht doch ein Foul begangen hat.

Machtlos gegen die Schwerkraft – auch Leonardo Bertone vom FC Thun bestaunt verwundert die innige Beziehung Guillemenots zur Mutter Erde.
Kein Witz! Jérémy Guillemenot sinkt in heimischen Genfer Gefilden ins Gras. Fedayi San sieht hier ein Foul.
Ausnahmsweise korrekt – Simon Grether trifft Jérémy Guillemenot knapp im Strafraum ungeschickt am Fuss. Hier kann man pfeifen, auch wenn Guillemenots stilechte Flugeinlage einen zusätzlichen Einfluss auf die Entscheidung von Schiedsrichter Fähndrich gehabt haben dürfte.

FC Zürich – St. Gallen 1:3 (1:1)
Tore: 2. Quintilla (Penalty, Guillemenot) 0:1, 16. Kololli (Koide) 1:1; 48. Itten (Demirovic) 1:2, 75. Guillemenot (Görtler) 1:3.
FCZ – Brecher; Rüegg, Nathan, Omeragic, Kempter (77. Sohm); Domgjoni, H. Kryeziu; Koide, Marchesano (67. Schönbächler), Kololli; Kramer.
St. Gallen – Zigi: Hefti, Stergiou, Letard (46. Fazliji), Muheim; Görtler (80. Rüfli), Quintilla, Staubli (46. Staubli); Ribeiro (46. Itten), Guillemento, Bakayoko (46. Demirovic).

(Standbilder: Teleclub)

Warum der FCZ in zehn Minuten drei Gegentore kassiert. Das Spiel Thun – FCZ (3:2) in der Analyse.

Kommt eine Mannschaft nicht ins Spiel, wie der FCZ in Thun, dann sind die Erklärungen in der Live-Berichterstattung schnell zur Hand: „Sie sind nicht wach“, „Es fehlt der Biss“, „Mit den Gedanken irgendwo anders“. Die Züri Live-Übertragungen sind da keine Ausnahme. Da keiner von uns Lucien Favre heisst, erkennen wir manchmal nicht auf den ersten Blick, was tatsächlich falsch läuft. Dazu ist dann die ausführliche Match-Analyse da, für die wir uns nach jedem Spiel die nötige Zeit nehmen. Diese fördert immer interessante Aspekte zutage: manchmal sind es Details, manchmal stellt sie die LIve-Einschätzung des Spiels aber auch so ziemlich auf den Kopf.

Dass der FC Thun in den ersten 20 Minuten scheinbar mühelos gleich mit 3:0 in Führung gehen konnte, hatte zu grossen Teilen taktische Gründe, wobei „Taktik“ nicht nur die entsprechenden Vorgaben, sondern auch deren Umsetzung auf dem Platz beinhaltet. In der 29. Minute reagierte der FCZ und stellte seine ursprüngliche Taktik um. Ab da bekam man die Partie sofort deutlich besser in den Griff. Schon zwei Minuten später führte dies zum ersten Eckball, ersten Torschuss und Tor zum 1:3. Was war also das Problem der ersten 28 Minuten?

Dafür muss man erstmal etwas Ausholen: Kompakt stehen und dem Gegner wenig Raum zum Spielaufbau geben ist schon seit Jahrzehnten das A und O des modernen Defensivfussballs. Gewisse Abweichungen davon gibt es seit ein paar Jahren mit dem ultraschnellen Umschaltfussball à la St. Gallen und dessen Vorbildern, bei welchem die Reihen automatisch weiter auseinanderrücken, als dies in Partien mit Beteiligung von anderen Teams der Fall ist. Diese grösseren Räume kommen speziell dem FCZ und dessen Qualitäten entgegen, was mit ein Grund ist, warum das Magnin-Team zur Zeit gegen St. Gallen so viele positive Resultate liefert. Unabhängig davon, ob man das Pressing hoch, im Mittelfeld oder tief ansetzt, und ob man schnell in die Offensive umschaltet oder nicht (wie schnell man in die Defensive umschalten muss, hängt im Wesentlichen vom Gegner ab), ist schon seit langer Zeit das Essenzielle jeder Defensivarbeit, den jeweils ballführenden Gegner mit unterschiedlichen Mitteln so unter Druck zu setzen, dass dieser keine gefährlichen Pässe spielen kann, eben, zu „pressen“. Freies Spiel lassen kann man gegnerischen Verteidigern und dem Torhüter höchstens in einer Zone, in welcher unmittelbar gefährliche Pässe in die Tiefe, auf welche die eigenen Verteidiger allenfalls nicht mehr schnell genug reagieren können, nicht möglich oder zumindest sehr unwahrscheinlich sind.

„Die Verteidigung beginnt vorne“ ist nicht nur ein Spruch. Qualitätsunterschiede zwischen der Verteidigungsarbeit der Stürmer sind heutzutage in einer Liga beispielsweise im Vergleich der Mittelfeldteams häufig wegweisender für die defensive Stabilität, als die meist etwa ähnlich guten Verteidigungsreihen. Der FCZ hatte hier lange ein grosses Problem. Kaum ein anderes Team der Liga hatte so schwach verteidigende Vorderleute wie Kramer, Ceesay, Mahi, Kololli, Schönbächler oder Marchesano. Nun ist der FC Zürich auch heute in dieser Kategorie noch nicht top, es ist aber in dieser Saison eine klare Verbesserung festzustellen – angeführt vom sich enorm entwickelnden Antonio Marchesano, welcher das Pressing im 4-4-2 vorne (abgesehen von ein, zwei Momenten pro Spiel) mittlerweile sehr gut steuert. Marchesano sorgt dafür, dass der Zweierblock gut funktioniert, wobei es da je nach Partner noch Unterschiede gibt. Blaz Kramer hat sich zwar auch etwas entwickelt, nimmt sich aber immer noch zu viele defensive Auszeiten. Marchesanos Copain aus Bieler Zeiten Benjamin Kololli erweist sich hingegen speziell seit der Corona-Pause wie ein umgekehrter Handschuh.

Foto: Moritz Wolf

In Thun hatte der FCZ in der ersten halben Stunde nun in der vorderen Reihe zwei entscheidende Probleme. Erstens: Marchesano war abwesend. Die Personaldecke speziell in den vorderen Reihen ist zur Zeit dünn. So kam Adrian Winter im offensiven Zentrum neben Benjamin Kololli zu seinem Startelf-Comeback ausgerechnet in dem Stadion, wo er sich vor mehr als einem Jahr seinen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Winter vorne zentral einzusetzen, ist grundsätzlich ein logischer Schritt, denn die auf dem Flügel so entscheidende Antrittsschnelligkeit hat er altersbedingt auf Super League-Niveau nicht mehr in entscheidendem Masse. Im Offensivzentrum für Unberechenbarkeit sorgen, ist hingegen eine Rolle, die ihm auch als Charakter liegt und in der er der Mannschaft immer noch helfen kann, wie dies die Tessiner TV-Kommentatoren Cerone / Tarchini (Ex-FCZ) zuletzt richtigerweise bemerkt haben.

Zweitens wurde gegen den FC Thun von der bisherigen standardmässigen Verteidigungsformation des flachen 4-4-2 leicht, aber entscheidend abgewichen. Thun spielt wie der FC St. Gallen mit einer Raute im Mittelfeld, dies aber mit mehr Präzision / langsamerem Umschalten. In diesem Zusammenhang wurde offenbar vom FCZ der auf der Sechserposition spielende Thun-Captain Leonardo Bertone als entscheidende Relais-Station im Spielaufbau ausgemacht. Adrian Winter und Benjamin Kololli standen daher nicht auf der gleichen Höhe, um auf der ganzen Breite des Spielfeldes Störarbeit verrichten zu können, sondern einer von beiden nahm jeweils auf der 10er-Position Bertone in Deckung und diesen somit aus dem Spiel. Dies bedeutete für den jeweils Anderen (in der Regel Kololli) lange Laufwege, ohne die beiden Innenverteidiger Stillhart und Havenaar wirklich entscheidend beim Spielaufbau behindern zu können. Der Gedankengang aus FCZ-Sicht lässt sich nachvollziehen. Bertone gilt als einer der Liga-Spezialisten für lange Bälle auf der Sechserposition, während die Innenverteidiger Stillhart und Havenaar nicht den gleichen Ruf geniessen. Allerdings: beide haben sich in letzter Zeit in spielerischer Hinsicht klar verbessert und Stillhart, welcher durchaus das Potential hat, zumindest teilweise in die grossen Fussstapfen des zurückgetretenen Thuner Captains Dennis Hediger zu treten, gelang zudem just gegen den FCZ eine der besten Halbzeiten seiner bisherigen Karriere. Aus diesem Grund ging die Rechnung des FCZ trotz Unterzahl in der vordersten Pressing-Reihe gleichzeitig mit der Viererabwehr relativ hoch stehen zu können, nicht auf.

Nikki Havenaar kann ungehindert mit Ball in die Zürcher Hälfte vordringen und hat mit Aussenverteidiger Sven Joss und dem Achter Matteo Tosetti zwei Anspielstationen in kurzer Passdistanz, um einen gefährlichen Angriff über die rechte Seite zu lancieren.

Den Schuss vor den Bug bezüglich der taktischen Marschroute gab es für den FCZ in der 6. Minute. Weil Winter strikt bei Bertone blieb, musste der fleissige Kololli einen sehr langen Weg gehen und konnte Havenaar nicht hindern, mit Ball am Fuss mehr als fünf Meter in die Zürcher Hälfte vorzudringen (siehe Standbild oben). Dies brachte aufgrund der nun kurzen Passwege des Gegners die kompakt im Raum stehenden beiden Zürcher Viererreihen in Verlegenheit und verschärfte zwei zusätzliche Probleme. Einerseits das geschickte sequentielle Positionsspiel Thuns, in welchem die „Achter“ Tosetti und Hasler in der Angriffszone auf den Flügel ausweichen und dann beim Zurücklaufen den gegnerischen Aussenverteidiger Richtung Mitte mitziehen, um dem eigenen Aussenverteidiger Raum nach vorne zu verschaffen. Andererseits die in Thun nach längerer Zeit wieder aufgetretenen Probleme einer hoch stehenden Zürcher Viererabwehrkette mit der Offsidefalle. Das Duo Mirlind Kryeziu / Kempter stand mehrmals deutlich höher als auf rechts Nathan / Britto.

Die Szene endete mit einer gefährlichen scharfen Hereingabe von Joss von der rechten Seite, die Brecher knapp vor Hassane Bandé am nahen Pfosten wegfausten konnte. Die Zürcher Forwards lernten daraus: über Havenaar kann Thun gefährliche Vorstösse lancieren. Fünf Minuten später lief Adi Winter daher den ballführenden Basil Stillhart von der Mitte an, um den Pass zu Havenaar zu verhindern oder zumindest zu erschweren – und gleichzeitig machte sich sogar Kololli noch zusätzlich für den Fall eines Querpasses auf den Weg Richtung Havenaar und liess dafür sogar Bertone vorläufig stehen (siehe Standbild unten).

Adrian Winter läuft Basil Stillhart von der Mitte aus an, um den Querpass auf Nikki Havenaar zu erschweren. Stillhart nutzt den Raum und Platz, um den Angriff über links selbst zu lancieren.

Stillharts Reaktion darauf ist logisch: er macht rechtsumkehrt, nutzt den sich durch die Fokussierung der Zürcher auf Havenaar bietenden Raum selbst und spielt unbedrängt auf seiner Seite einen Traumpass in die Tiefe für Nias Hefti. Der Ball driftet dabei auf seiner Bahn auf dem Thuner Kunstrasen stabil und präzise wie eine Bowlingkugel in den Lauf des offensiven linken Aussenverteidigers. Rapp verwertet dessen ideale Hereingabe zum Thuner 1:0.

Ein Bild des Grauens: Winter und Kololli kriegen vorne in Unterzahl keinen Zugriff auf die Angriffsauslösung, Britto lässt sich von Hasler zu stark nach innen ziehen, Mirlind Kryeziu und Kempter stehen zu weit vorne, um gegen Rapp und allenfalls Bandé noch effektiv eingreifen zu können.

Man kann in der ganzen Szene Willie Britto nicht zum Vorwurf machen, dass er sich in der Nähe von Nicolas Hasler aufhält und nach innen ziehen lässt, aber er müsste aufgrund der Angriffsauslösung auf seiner Seite sich mindestens zwei bis drei Meter weiter nach rechts begeben, um die Distanz zur Aussenbahn nicht zu gross werden zu lassen. Wohlgemerkt: Thun macht es in dieser Situation richtig gut. Die Spielsituation ändert sich enorm schnell. Zu behaupten, Britto würde „schlafen“, wäre ungerechtfertigt. Er ist durchaus aufmerksam und bemerkt Heftis Lauf nur eine Zehntelssekunde nach obigem Standbild. Das Problem des Ivorers wie auch einiger anderer Zürcher Spieler in ähnlichen Situationen ist aber: er ist noch am „bouncen“. Der trabende, leicht hüpfende Schritt hilft Energie und Kräfte sparen, ist aber komplett ungeeignet, wenn Gefahr im Verzug ist, und verhindert die notwendige ultraschnelle Richtungsänderung. Da muss man stattdessen „auf den Zehenspitzen stehen“.

Stillhart leitet mit ähnlichen weiten Bällen auch das zweite und das dritte Tor ein, wobei er bei letzterem den Ball tief aus der eigenen Hälfte in Bedrängnis durch Kololli mit dem linken Fuss spielt – sein Meisterstück. An diesem Abend schien dem Ostschweizer bis zu seinem Ausschluss alles zu gelingen. In der 29. Minute dann die taktische Änderung des FCZ auf eine Dreierkette, die das Spiel veränderte. Man wollte dabei weiterhin Bertone aus dem Spiel nehmen und stellte daher auf ein 3-4-1-2 um. Nun waren die Zürcher vorne im Dreieck des Thuner Spielaufbaus zwischen Havenaar, Stillhart und Bertone nicht mehr die ewig zu spät kommenden Unterzahlspieler. Der linke (Mirlind Kryeziu) und rechte Innenverteidiger (Willie Britto) vermochten zudem sowohl das Mittelfeld gegen die beiden Thuner Achter Tosetti und Hasler, als auch die Aussenspieler besser zu unterstützen. Vorne führte die Präsenz des zentralen Offensivtrios Kololli – Schönbächler – Winter sofort zum ersten Corner und Tor. In der Zweiten Halbzeit rückte Hekuran Kryeziu zurück auf die mittlere Position der Dreierabwehrkette, was für ihn durchaus eine Position mit Zukunft sein könnte.

Sieht viel besser aus! Durch das Pressing im 3-4-1-2 wird der Thuner Spielaufbau empfindlich gestört.

Leider griff das 3-4-1-2 Pressing auch nicht immer ganz reibungslos, dies aber nicht aus taktischen, sondern aus personellen Gründen – Marco Schönbächler erwischte nach einigen guten Leistungen in Thun einen schlechten Tag. Ganz anders Benjamin Kololli, dem trotz Niederlage möglicherweise gar seine bisher beste Leistung im FCZ-Dress gelang. Zu seiner allgemeinen Aufwärtstendenz nach der Coronapause (bisher in jedem Einsatz ein Tor und ein Assist, wichtige Rolle in der Sturmspitze, deutlich verbesserte Defensivleistung) kam die Erholungspause gegen Lugano und der Fakt hinzu, dass die Berner Oberländer sein klarer Lieblingsgegner zu sein scheinen – bei bisher schon sieben Treffern und zwei Assists in elf Begegnungen.

Mirlind Kryeziu gelang in der Stockhorn Arena per Kopf endlich sein erstes Super League-Tor. Auch dies hatte seine Vorgeschichte in den Testspielen, wo er in Schaffhausen ein identisches Tor nach Corner Kolollis von rechts erzielt hatte – ebenfalls via Lattenunterkante. Nathan und Kempter spielten in Thun zwar immer noch solide, aber nicht mehr so zwingend, wie noch in den Partien davor. Rüegg und Winter zeigten grosses Kämpferherz, begingen aber auch viele Fehler. Willie Britto fühlte sich in der Viertelstunde vor der Pause in der Dreierabwehr deutlich wohler als zuvor und war für wichtige Spielauslösungen über rechts zuständig, die über Standards zu den beiden Anschlusstreffern führten. Die Erste Halbzeit bestätigte die aktuell hohe Effizienz und Standardstärke des Letzigrund-Clubs. In der Zweiten Halbzeit war die Mentalität der Mannschaft stark und man spielte deutlich besser, als in vielen Überzahlsituationen der gleichen Saison. Dass man in extremer Weise aufs Tempo drückte und den Gegner kaum noch verschnaufen liess, war richtig, aber es fehlte ein Quäntchen mehr Ruhe und Geduld zwischendurch. Auf jeden Fall bleibt wie schon in den vorangegangenen Partien die halbe Stunde nach der Pause die beste Phase im Zürcher Spiel. Der Energiehaushalt ist auf diese Phase ausgerichtet, während beispielsweise ein Team wie St. Gallen die Entscheidung in der Regel bereits in den ersten 30 Minuten der Partie sucht – und danach abbaut.

Vor der Pause hatte der FCZ etwas Glück, dass Ref Tschudi nach einem Tackling von Basil Stillhart gegen den ballführenden Benjamin Kololli auf Freistoss und Gelb entschied. Das hätten nicht alle Schiedsrichter so gesehen. Der anschliessende Penaltyentscheid und die zweite Gelbe Karte gegen Stillhart war dann aber korrekt. Bei einem leichten Halten von Kempter gegen Bandé und auf der anderen Seite einem unabsichtlichen Ellbogenschlag von Havenaar gegen Kololli im Strafraum war es zudem jeweils nachvollziehbar, dass nicht auf Penalty entschieden wurde.

Thun – FC Zürich 3:2 (3:2)
Tore: 11. Rapp (Hefti) 1:0, 14. Tosetti (Hefti) 2:0, 21. Karlen (Stillhart) 3:0, 31. M. Kryeziu (Kololli) 3:1, 45+5 Kololli (Penalty, Nathan) 3:2.
Thun – Faivre; Joss, Havenaar, Stillhart, Hefti; Bertone; Tosetti (46. Sutter), Hasler; Karlen; Bandé (61. Fatkic), Rapp.
FCZ – Brecher; Britto (46. Domgjoni), Nathan, M. Kryeziu, Kempter (81. Pa Modou); H. Kryeziu, Janjicic (46. Sohm); Rüegg, Winter, Schönbächler (72. Koide); Kololli.

(Standbilder: Teleclub)

Winter und Britto in Startelf vor den Augen von Urs Fischer: Aufstellungen Thun – FCZ im Detail

Der ehemalige FCZ- und Thun-Trainer sowie FCZ-Legende Urs Fischer will heute in der Stockhorn Arena ein spannendes Duell seiner beiden Ex-Klubs geniessen. Der aktuelle FCZ-Trainer Ludovic Magnin hat für die heutige Partie in der Stockhorn Arena eine begrenzte Personalauswahl in den vorderen Reihen. Benjamin Kololli kehrt zwar wieder zurück, aber dafür ist Blaz Kramer gesperrt – wegen eines „Fouls“ in der Anfangsphase der Partie gegen Lugano, das keines war. Dazu fallen die vom Platz gefahrenen / getragenen Tosin und Omeragic verletzt aus. Mahi und Marchesano sind ebenfalls nicht fit. Neu in die Startformation rücken Adi Winter, Mirlind Kryeziu, Hekuran Kryeziu und Willie Britto. Es ist sowohl eine Variante mit Dreierabwehr, als auch mit Viererabwehr denkbar.

Beim FC Thun hat Stürmer Ridge Munsy einen Lauf und seit seinem ersten Rückrundeneinsatz gegen Lugano in sechs Partien jedes Mal getroffen! Mit Hassane Bandé hat Thun-Trainer und FCZ-Gott Marc Schneider eine zusätzliche Option im Sturm, was Simone Rapp zu motivieren scheint, der zuletzt in St. Gallen nach seiner Einwechslung zur Halbzeit stark dazu beigetragen hat, dass die Berner Oberländer beinahe noch einen Punkt aus der Gallusstadt entführt hätten. Gegen den FCZ beginnt etwas überraschend das Duo Rapp / Bandé und Munsy sitzt als Joker auf der Bank. Seit einiger Zeit lässt Marc Schneider im Mittelfeld mit einer Raute spielen, wodurch die Position des Top-Assistgebers Tosetti auf dem offensiven Flügel normalerweise aus dem System rausfällt. Der FCZ hat in den letzten Jahren aber immer wieder Mühe mit Tosetti gehabt, daher bringt ihn Schneider heute trotzdem von Anfang an, ob als Achter in der Raute oder in einem flachen Vierermittelfeld wird sich noch zeigen. Grégory Karlen könnte in Abwesenheit von Miguel Castroman auf die 10er-Position rücken und der offensiv orientierte Nias Hefti ersetzt links hinten Chris Kablan.

Frage zum Spiel: FCZ in Thun – Top oder Flop?

Nach den Siegen in St. Gallen (aufgrund der Zweiten Halbzeit verdient) und gegen den FC Lugano (etwas glücklich) wartet die Stockhorn Arena auf den FC Zürich. Im Letzigrund sind mit Tosin und Omeragic zwei verletzte Spieler dazugekommen. Wie sieht es bei Mahi und Marchesano aus?

Frage zum Spiel: FCZ in Thun - Top oder Flop?

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Züri Live-Direktübertragung ab 20:15 mit Moritz Wolf (Radio RaBe)

Emblematisches Duell Rüegg vs. Yao: FCZ – Lugano Analyse

Am Wochenende hatte St. Gallen eine halbe Stunde lang gegen den FCZ das Spiel so dominiert gehabt, dass sich manche fragten, wie die Ostschweizer diese Partie verlieren konnten. Am Ende verzeichnete der FCZ aber ein klares Chancenplus und aus dieser Warte war der Auswärtssieg logisch. Analog erlebten die Zuschauer im Letzigrund eine intensive Zürcher Druckphase in der halben Stunde nach der Pause, welche den FCZ am Ende als logischen 1:0-Sieger erscheinen liess. Nur: gemäss Expected Goals-Statistik hatte Lugano in dieser Partie insgesamt die besseren Torchancen gehabt. Der FCZ konnte zwar doppelt so viele Abschlusschancen zu verzeichnen, wie in St. Gallen, als man 4:0 gewann, aber die Chancen waren in der Summe viel weniger vielversprechend. Nun fliessen im Ansatz hervorragende Möglichkeiten, die nicht zu einem Abschluss führen (wie beispielsweise die Szene, in welcher Lugano-Keeper Baumann den Ball fallen lässt) nicht in die Expected Goals-Statistik ein. Ebensowenig „Fahrradkette“-Diskussionen wie „hätte er doch Schönbi angespielt, der war links ganz frei“. Substanziell ändert dies aber nichts am Befund.

Die 0:4-Heimniederlage im Letzigrund gegen den gleichen Gegner zum Saisonauftakt lief in vielerlei Hinsicht ähnlich. Nur traf damals Aratore mit einem Sonntagsschuss ins Netz und diesmal Sabbatini nur die Latte. Der FCZ erzielte zudem auf einen Standard das erste Tor, während damals Lugano in grosser Hitze von einem geschenkten Penalty zum 0:1 profitierte. Gravierende Fehler im Zürcher Spiel gab es auch diesmal. So leitete beispielsweise Kevin Rüegg mit einem Fehlpass in der 28. Minute die Szene zum Pfostenschuss von Eloge Yao ein. Bei diesem machte sich Yanick Brecher im Eins gegen Eins nicht wirklich breit und hatte Glück, dass Yao durch die entstehende Lücke nicht das Tor traf. In der 77. Minute war Yanick Brecher gegen Yao ein zweites Mal bereits geschlagen, aber diesmal rettete an Stelle des Pfostens Becir Omeragic vor der Linie (Michael Kempter wäre dahinter ebenfalls noch bereitgestanden). Auch in dieser Szene hatten beim FCZ unverständlicherweise Sohm, Janjicic und allen voran Rüegg „geschlafen“, als Lavanchy mit einem Bogenball von Lovric gefährlich hinter die Abwehr angespielt worden war.

Rüegg, Janjicic und Sohm schalten ab, während Lavanchy einen Ball quer durch den Fünfmeterraum spielt

Omeragic musste nach der Kopfballabwehr angeschlagen ausgewechselt werden. Zuvor hatte bei einem Freistoss Tosin einen schärferen und aus kürzerer Distanz geschossenen Ball von Gerndt in der Mauer mit der Stirn geblockt. Kevin Rüegg ist aktuell der Spieler mit den grössten Leistungsschwankungen innerhalb eines Spiels. Er setzte gleich zu Beginn mit seinem Engagement und Kampfgeist wichtige Zeichen. In der Rückwärtsbewegung konnte er hingegen immer wieder froh sein, dass Nathan ihm in vielen Situationen tatkräftig zur Seite stand. Das Duell Rüegg gegen Yao war emblematisch für die Partie. In der Ersten Halbzeit standen die Lugano-Aussenspieler, speziell Yao, sehr hoch, und banden Rüegg und Kempter etwas zurück. In der Zweiten Halbzeit war es dann eher umgekehrt. Luganos situativ ständig zwischen 3-5-2 und 4-4-2 hin- und herwechselnde Formation vermochte im zweiten Durchgang die Räume nicht mehr so konsequent zu schliessen, auch weil beim FCZ in der ganzen Mannschaft mehr Bewegung im Spiel war.

Das Duell Rüegg gegen Yao war emblematisch für die Partie

Wie schon in Bern und St. Gallen ersichtlich, hat der FCZ die Corona-Pause ganz offensichtlich genutzt, um das Pressing zu verbessern und die Gegenstrategien gegen die stärksten Waffen der Ligagegner zu verfeinern. Ein Beispiel dafür war das Verhalten der Innenverteidiger Omeragic und Nathan in der Angriffsauslösung Luganos. Die beiden Stürmer Gerndt und Janga beteiligten sich nicht am kompakten Defensivblock der Tessiner und warteten an der Mittellinie auf Gegenstossmöglichkeiten. Der FCZ nahm dabei das potentielle Risiko eines zwei gegen zwei auf sich. Omeragic und Nathan antizipierten Luganos Konterauslösungen speziell über den Schlüsselspieler Gerndt gut und folgten in diesen Situationen den beiden Stürmern in enger Manndeckung, um zu verhindern, dass diese sich drehen und einen entscheidenden Steilpass oder Seitenwechsel spielen konnten.

Zu den Zürcher Offensivwaffen gehören nach der Corona-Pause neuerdings die Standards. Nachdem der FCZ jahrelang bei den „Set pieces“ so gut wie nichts zustande gebracht hatte, erzielte man nun schon zum dritten Mal in Folge ein Standardtor. Marco Schönbächler, der für den gesperrten Benjamin Kololli fast alle Stehenden Bälle trat, brauchte bei Eckbällen neun Versuche, aber einer davon, der spielentscheidende, kam ideal auf den Kopf von Marchesano, nachdem die Haupttribüne mit „Schönbi! Schönbi!“-Rufen just vor diesem Corner den Zürcher Flügelspieler aufgemuntert hatte. Es war das erste Tor gegen Lugano nach mehr als zehn Stunden Spielzeit. Ein weiterer Trumpf ist aktuell Michael Kempter, welcher sich gegen Lugano im Vergleich zum St. Gallen-Spiel noch weit häufiger offensiv einschalten konnte und zur Zeit einfach „funktioniert“.

Am anderen Ende der Skala befindet sich unter anderem Blaz Kramer, welcher in allen Rückrundenspielen eine ungenügende Züri Live-Note erhalten hat. Mit seinen vielen Ballverlusten und verlorenen Zweikämpfen, gerade auch in der Luft, ist er eher eine Hypothek im Zürcher Aufbauspiel, und wenn der Slowene dann zusätzlich auch noch seine eine Topchance, die er pro Spiel bekommt, nicht nutzt, wird es schwierig. Tosin liess so viele Chancen ungenutzt wie noch nie. Ähnlich wie bei Rüegg war sein Auftritt gegen Lugano ein grosses Auf und Ab. Am Ende liess man den Nigerianer minutenlang hinkend weiterspielen, bevor es mit seinem Rechten Knie überhaupt nicht mehr weiter ging. In der 78. Minute kam der 19-jährige Henri Koide zu seinem Super League-Début. Die Einwechslung hätte schon in der 73. Minute erfolgen sollen, wurde dann aber durch Marchesanos Tor um fünf Minuten verschoben. Das Team insgesamt kommt auf einen Notenschnitt von 6.0, womit zum ersten Mal in dieser Saison in drei Spielen hintereinander „die Sechs steht“ (YB 6.1, FCSG 6.3).

78. Minute: Henri Koide kommt zu seinem Super League-Début

FC Zürich – Lugano 1:0 (0:0)
Tore: 73. Marchesano (Schönbächler) 1:0.
FCZ – Brecher; Rüegg, Nathan, Omeragic (78. M. Kryeziu), Kempter; Sohm (78. H. Kryeziu), Janjicic; Tosin (90.+2 Domgjoni), Marchesano (78. Koide), Schönbächler; Kramer (60. Winter).
Lugano – Baumann; Kecskes, Maric, Daprelà; Lavanchy, Selasi (78. Lungoyi), Yao (90. Jefferson); Lovric (90. Covilo), Sabbatini; Janga (78. Holender), Gerndt (67. Bottani).

(Bilder: Züri Live, RSI Standbild)


Saisonstatistik: FCZ schraubt Testspielskore auf 61

Rekordverdächtige 21 Testspiele hat der FCZ in der Saison 19/20 mittlerweile gespielt. Und damit beinahe gleich viele Freundschaftspartien, wie solche um Punkte in der Super League (23). Die Gegner bewegten sich dabei in einem weiten Feld von Borussia Dortmund und RB Leipzig bis Wettswil-Bonstetten. Gegen Vaduz, Wil und Halle wurde dabei je zwei Mal, gegen den letzten Gegner Schaffhausen (6:0) gar drei Mal gespielt. In der ersten Saisonhälfte waren die Testresultate ausgewogen – seit dem 14. Januar hat der Letzigrund-Club aber neun Testspielerfolge in Serie hingelegt. Zugegebenermassen ist dies im Hinblick auf die anstehenden Wettbewerbsspiele jeweils nicht aussagekräftig.

Zumindest werden Tore erzielt. In allen sechs „Corona-Testspielen“ landete der Ball vier bis sechs Mal im Netz des jeweiligen FCZ-Gegners. Zuletzt in Schaffhausen trafen mit Pa Modou Jagne (Foulpenalty), Nils Reichmuth und Mirlind Kryeziu gleich drei Spieler erstmals in der laufenden Saison in einer Testpartie. Für den 18-jährigen Reichmuth, der mit seinem beinahe zwei Jahre jüngeren Bruder Miguel in der U18 spielt, und zudem zum erweiterten U21-Kader gehört, war es das Jungferntor in der Ersten Mannschaft. Und Mirlind Kryeziu (1,98m) gelang seit langer Zeit wieder einmal ein Kopfballtor – genauso wie Antonio Marchesano (1,68m), welcher mit Kopfbällen in den letzten Jahren deutlich häufiger erfolgreich war. Bei beiden Treffern hatte Benjamin Kololli mit jeweils einem Standard seinen Rechten Fuss im Spiel. Der wie schon in Vaduz als Stürmer auflaufende Kosovarische Nationalspieler ermöglichte zudem bereits in der 17. Minute Marchesano das 1:0, als dieser dank dem guten Laufweg Kolollis nach einer Kempter-Flanke fast unbehelligt zum Abschluss kam. Das vierte Tor erzielte Kololli per Handspenalty gleich selbst. Zu einem ersten Teileinsatz in der Super League-Equipe kam dabei der von Ajax zurückgekehrte Filip Frei. Er war in der für ihn verkürzten Saison in Holland in der U19 unter dem ehemaligen Elftaal-Haudegen Johnny Heitinga der älteste Spieler gewesen und auf allen Aussenpositionen (rechts-links, vorne-hinten) eingesetzt worden.

Antonio Marchesano war im Spiel davor gegen Aarau (5:1) wie gegen Schaffhausen an zwei Toren beteiligt – genauso wie Adi Winter und Stephan Seiler mit seinen Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Seiler (19) hat in seinen ersten Einsätzen im „Eins“ unter anderem aufgrund von Absenzen auf den Aussenverteidigerpositionen ausgeholfen. Zuletzt wurde er nun aber immer auf seiner angestammten Position im Mittelfeld eingesetzt, wobei dies aktuell auch durch den Ausfall von Simon Sohm bedingt ist. Der klare Sieg des FCZ im Letzigrund gegen Aarau kam erst in der Schlussphase zustande. Die Aargauer stellten in der Zweiten Halbzeit ein Juniorenteam mit einem Durchschnittsalter von 18 Jahren auf den Platz, wenn man von den beiden Routiniers Jérôme Thiesson und Elsad Zverotic absieht. Der FCZ seinerseits hat in dieser Partie mit einem 3-4-3 wieder einmal ein System mit Dreierabwehr getestet, nachdem ein solches in Wettbewerbsspielen letztmals vor Jahresfrist in der Saisonschlussphase unter anderem bei den wichtigen Siegen gegen Sion, Xamax und Thun erfolgreich zum Einsatz gekommen war.

Im ersten Test in Vaduz war der in dieser Saison mit wiedergewonnener Spielfreude offensiv eine wichtige Rolle einnehmende Marco Schönbächler an vier der fünf Treffer direkt beteiligt gewesen (ein Tor, drei Assists). Insgesamt erzielte der FCZ in dieser „Testspielsaison“ 61 Treffer – umgerechnet 2,9 pro Spiel. Davon gingen zwölf auf das Konto von Benjamin Kololli, der in Tests häufig als Sturmspitze eingesetzt wurde. Blaz Kramer erzielte sieben Tore und ist gleichzeitig der erste Spieler seit Beginn der Aufzeichnung der Testsspielstatistiken durch Züri Live vor vier Jahren, welcher in einer einzigen Saison eine vierstellige Minutenzahl im Einsatz war. Dementsprechend ist der Slowene bei der Statistik „Minuten pro Skorerpunkt“ auch „nur“ an siebter Position hinter Assan Ceesay (zuletzt mit muskulären Problemen, nachdem er davor in drei Spielen ebenso viele Skorerpunkte im Abstiegskampf Osnabrücks beigesteuert hatte), Lavdrim Rexhepi, Mimoun Mahi, Benjamin Kololli, Marco Schönbächler und Antonio Marchesano. Betrachtet man die gesamten Testspieleinsatzminuten der Saison, so liegen auf den Positionen Torhüter, Defensiv-Zentrum, Offensiv-Aussen und Offensiv-Zentrum grosso modo die Stammspieler an der Spitze, während Defensiv-Aussen sowie im Mittelfeld-Zentrum eher Spieler aus der zweiten Reihe / im Aufbau zur grössten Anzahl Spielminuten kamen.

Zu den erinnerungswürdigsten Partien gehörten das 3:1 gegen Rapperswil-Jona in der unbarmherzig brennenden Sonne von Eschenbach sowie das 4:1 in der RBL Akademie zu Leipzig, als der FCZ in der Saisonvorbereitung schnellen, direkten Konterfussball auf den Platz brachte. Dazu das 40 Jahr-Jubiläum mit Platzeinweihung des FC Wettswil-Bonstetten, als auf FCZ-Seite aus Personalnot sehr viel improvisiert werden musste. Insgesamt konnten sich 63 Spieler präsentieren. Henri Koide und Kedus Haile-Selassie haben mittlerweile einen Profivertrag beim FCZ unterschreiben dürfen. Von den anderen eingesetzten Talenten vermochten der spielerisch gute „Mittelfeldterrier“ Arlind Dakaj (18) sowie der grossgewachsene Innenverteidiger Andi Hoti (17) am meisten zu überzeugen, wobei letzterer mittlerweile zu Internazionale gewechselt ist. Vom gleichen Klub hat der FCZ umgekehrt im Frühling Wilfried Gnonto (16) verpflichtet, welcher bisher aber noch nicht zu einem Einsatz gekommen ist – genauso wie der beim Berater, Fussball-Accessoires-Händler und ehemaligen Winterthur-Idol Patrick Bengondo unter Vertrag stehende Tessiner Torhüter Thomas Candeloro (20), der seit Januar Teil des U21-Teams ist. Matteo Di Giusto (19) hat mittlerweile den Sprung in die Challenge League zu Vaduz geschafft. Es kamen auch Nachwuchsspieler wie Tanzillo, Fuchs oder Corvalan zum Einsatz, die realistischerweise wenig Chancen haben, sich wirklich aufzudrängen – oder andere wie Catari, Arghandewall oder Rexhepi, die aus unterschiedlichen Gründen stagniert haben.

Wer kann sich noch erinnern, dass William Le Pogam vor der Reaktivierung von Pa Modou Jagne als Linksverteidigerkandidat zu einem Testspieleinsatz (in Leipzig) kam? Heute spielt der ehemalige Servette- und Xamax-Linksverteidiger bei Stade Lausanne-Ouchy. Die Einsätze von Augsburg-Leihspieler Pedersen auf der gleichen Position waren auch in den Testpartien wenig erspriesslich. Levan Kharabadze vermochte verletzungsbedingt in der Rückrunde nicht mehr einzugreifen. Der im Sommer wenig überzeugende Testspieler Erdem Sen hat mittlerweile in der Winterpause beim Türkischen Zweitligisten Istanbulspor angeheuert. Nicht mehr beim FCZ sind mittlerweile neben Andi Hoti auch Denis Popovic (Krylia Sovetov Samara, Premier Liga), Nicolas Andereggen (CA Alvarado, Primera Nacional) und Stephen Odey (KRC Genk, Jupiler Pro League). Hadzikic, Kamberi, Rohner, Aliu, Khelifi und Ceesay sind verliehen. Die „auf dem Abstellgleis“ stehenden und teilweise in der U21 eingesetzten Sangoné Sarr und Yassin Maouche kamen ebenfalls zu wenigen Testeinsätzen in der Ersten Mannschaft. Und dann sind da noch Marvin Graf (24) und Michael Kempter (25). Zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die sich den grössten Teil ihres längerfristigen und diesen Sommer dem Vernehmen nach auslaufenden Profivertrages mit hartnäckigen Verletzungen herumschlugen. Graf kam neben sechs Teileinsätzen in der U21 diese Saison auch im Test in Wettswil-Bonstetten als Rechtsverteidiger zum Einsatz, holte dabei mit einer Flanke einen Handspenalty heraus, und verursachte gleichzeitig das Kontergegentor des FCWB durch seinen ehemaligen U21-Teamkollegen Philipp Allemann. In der Rückrunde hat er beim FC Kosova Spielpraxis sammeln wollen. Der Philippinische Nationalspieler Michael Kempter hingegen rannte seit der Winterpause auf der „Problemposition“ links hinten während 511 Spielminuten und hat durchaus Einsatzchancen in den kommenden „Englischen“ Super League-Wochen.

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