Motivierte Europacup-Débutanten mit wegweisendem Auftaktsieg / AEK Larnaca – FCZ Analyse und Highlights

2014 begann die Europa League-Gruppenphase für den FCZ mit einer 2:3-Niederlage im GSP Stadion von Nikosia gegen Apollon Limassol. Fast auf den Tag genau vier Jahre später gelingt nach einer deutlich reiferen Leistung mit einer im Schnitt anderthalb Jahre jüngeren Mannschaft mit sieben Europacup-Débutanten in der Startformation gleichenorts gegen das gleich stark einzustufende AEK Larnaca ein 1:0-Auftakterfolg. Man spürte jederzeit, dass der FCZ dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Innenverteidiger Andreas Maxsö agierte bei seinem Wettbewerbsspieldébut für den FCZ äusserst aufmerksam und trug zusammen mit Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu viel zur Stabilität und Kompaktheit des Teams bei. Auch bei eigenen Eckbällen ging das Magnin-Team gegen den konterstarken Gegner keine unnötigen Risiken ein.

Vor dem Spiel gegen den FCZ hatte AEK Larnaca in sieben Europacupheimspielen in Folge kein Gegentor kassiert bei einem Gesamtscore von 20:0. Sturm Graz, welches in der Champions League-Qualifikation gegen Ajax Amsterdam ganz ordentlich aufgetreten war, und gerade im Hinspiel einiges an Pech mit Schiedsrichterentscheiden erlitten hatte, wurde durch AEK in der Europa League-Qualifikation mit insgesamt 0:7 Toren richtiggehend vorgeführt. Der ehemalige FCB-Trainer Heiko Vogel meinte danach: «AEK Larnaca hat es sehr sehr gut gemacht. Schnell gespielt. Gutes Positionsspiel, klare Technik, ausgezeichnete Automatismen. Grosses Kompliment. Sie haben es verdammt gut gemacht.»

Trotzdem war beim FCZ nicht alles gold. Der September war beispielsweise ganz generell nicht Pa Modou Jagne’s Monat. Vor und nach der Länderspielpause stand der Captain der Gambischen Nationalmannschaft etwas neben den Schuhen, so auch in Nikosia, als ihm während der ganzen Partie wenig gelang und er am Ende auch noch mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wurde. Das entscheidende Tor fiel trotzdem im Anschluss an einen Einwurf des Linksverteidigers. Antonio Marchesano provozierte AEK-Abwehrmann Daniel Mojsov mit seinem Lauf im Strafraum an die Grundlinie zu einem unkontrollierten Tackling, welches zum von Benjamin Kololli sicher verwandelten Handspenalty führte. Wie schon einmal in seiner Geschichte profitierte der FCZ in dieser Szene von einem zu weit vorne ausgeführten Einwurf. Und zwar hatte diesmal Schiedsrichter Jonathan Lardot dem FCZ einen Einwurf zugesprochen, nachdem Larnaca-Aussenverteidiger Igor Silva den Ball deutlich zu weit vorne eingeworfen hatte. Ein weitere positive Notiz des Zypern-Trips war das Wettbewerbsdébut von Assan Ceesay in der Schlussphase der Partie, während auf der Seite der Negativerlebnisse die im Training erlittene Kreuzbandverletzung Izer Alius stand.

AEK Larnaca – FCZ 0:1 (0:0)

Tore: 61. Kololli (Handspenalty) 0:1.

AEK Larnaca – Toño; Igor Silva (80. Gbayera), Mojsov, Gonzalez, Ioannou; Larena (83. Garcia); Acoran, Hevel, Trickovski, Tete (64. Taulemesse); Giannou.

FCZ – Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; Khelifi (90.+2 Winter), Palsson, H. Kryeziu, Kololli; Marchesano (86. Nef); Odey (75. Ceesay).

 

Dixons Einwechslung rettet über weite Strecken schlechten Auftritt nur halbwegs / Xamax – FCZ 3:3 Analyse und Highlights

Der FCZ hat zum zweiten Mal in dieser Saison Mühe mit Aufsteiger Xamax. Nach guter Startviertelstunde folgen die wohl schlechtesten 45 Minuten der bisherigen Spielzeit mit einem verdienten 0:2-Rückstand nach zwei Toren Max Velosos, der damit auch seine Super League-Tore Nummer drei und vier gegen den FCZ erzielen konnte (die ersten beiden mit Xamax 2011 und Sion 2013). Das Resultat ist auf Zürcher Seite unter anderem der bisher tiefste Züri Live-Notenschnitt der Saison. In den Offensivaktionen fehlte das proaktive Element: die möglichen Anspielstationen reagierten, anstatt zu agieren. Die Nati-Pause schien diesmal nicht wie gewohnt für neuen Schwung zu sorgen. Die FCZ-Akteure mit abnehmender Formkurve konnten sich nicht auffangen. Spieler wie Odey, Domgjoni oder Marchesano wirken überspielt, und Benjamin Kololli nach dem Zwischen-Erfolg mit der Nationalmannschaft und vor einigen Family & Friends in der Maladière noch etwas nonchalanter, schludriger und noch mehr betont cool als zuletzt schon. Adi Winter vermochte in seinem immerhin bereits 100. Wettbewerbsspiel für den FCZ wie fast immer nimmermüden Einsatz offensiv und defensiv in die Waagschale zu werfen.

Es brauchte die Einwechslung von Débutant Fabio Dixon, der in der Nati-Pause im Testspiel in Schaffhausen überzeugt hatte, und eine taktische Umstellung (nur noch zwei statt drei Zentrale Mittelfeldspieler, dafür drei Anspielstationen vorne), um sofort für Torgefahr und innert drei Minuten den 2:2-Ausgleich zu sorgen. Gleich die erste Aktion nach Dixons Einwechslung (ein Angriff über 16 Stationen) führt zum 1:2-Anschlusstreffer, dann folgt eine Grosschance von Doudin (Lattentreffer) und die sich lange hinziehende Auswechslung des angeschlagenen Grégory Karlen – und bereits mit der darauffolgenden Aktion gelingt das 2:2 – ein Angriff über 12 Stationen, bei welchem erneut Dixon eine wichtige Rolle spielte und zum zweiten Mal hintereinander vom gut spielenden FCZ-Tordébutanten Hekuran Kryeziu per Direktabnahme vollendet wurde.

Die letzte halbe Stunde der Partie war eine Hauruckübung. Nach einem der vielen unnötigen Ballverluste Benjamin Kolollis in der Vorwärtsbewegung konnte Yanick Brecher zum Eckball klären, welchen dann Charles-André Doudin im «Jedvaj-Stil» am nahen Pfosten ins lange Eck köpfte. In der 76. Minute dann wieder der 3:3-Ausgleich nach Kololli-Penalty, als der eher zweifelhafterweise am Ende der Partie noch auf dem Platz stehende Solothurner Charles Pickel Fabio Dixon an der Fünfmetergrenze am Trikot zurückhielt. Rund um diesen Treffer wurden zwei Kopfballtreffer von Alain Nef und Stephen Odey aberkannt. Beim ersten stand Odey (aktiv oder passiv?) in Offsideposition, beim zweiten sah Ref Fedayi San ein kurzes Halten von Hekuran Kryeziu gegen Samir Ramizi abseits des Spielgeschehens. So wartet der FCZ weiterhin in dieser Super League-Saison auf ein Tor im Anschluss an einen Eckball, obwohl Standardspezialist Kololli auch diesmal wieder zehn davon treten konnte.

Xamax – FCZ 3:3 (1:0)

Tore: 21. Veloso (Nuzzolo) 1:0; 56. Veloso (Nuzzolo) 2:0, 61. H. Kryeziu (Marchesano) 2:1, 64. H. Kryeziu (Dixon) 2:2, 66. Doudin (Veloso) 3:2, 76. Kololli (Penalty, Dixon) 3:3.

Xamax: Walthert; Gomes, Oss, Sejmenovic, Le Pogam; Veloso (77. Corbaz), Di Nardo, Pickel, Doudin; Karlen (62. Ramizi), Nuzzolo.

FCZ: Brecher; Nef, Bangura, Maxsö; Winter (87. Khelifi), Palsson (60. Dixon), Kololli; Domgjoni, H. Kryeziu; Odey, Marchesano.

Weiter harmlos bei Standards, irreguläres Tor zum 1:2 / FCZ – Sion Analyse und Highlights

Der FCZ verliert nach acht Monaten erstmals wieder ein Heimspiel – und dies gegen Murat Yakins FC Sion. Damit ist die Bilanz von FCZ-Trainer Magnin gegen den Ex GC-Trainer nach den drei Derbies im März/April und dem dank Einwechselspieler Assan Ceesay spät errungenen 2:1-Erfolg im Tourbillon wieder ausgeglichen. In der Startaufstellung fehlen Umaru Bangura und Toni Domgjoni, welcher zuletzt in seinen Leistungen etwas stagniert hatte. Das 1:0 durch Antonio Marchesano in der 62. Minute schien der späte Lohn für eine gute 1. Halbzeit und mehrere Topchancen zu sein. Andreas Maxsö hatte das Tor mit einem magistralen Pass auf den eben eingewechselten Salim Khelifi eingeleitet. Nach den drei Assists in Luzern war Khelifi damit erneut in der Meisterschaft Assistgeber.

Allerdings kam vom Waadtländer danach nicht mehr viel. Stattdessen gelang in der 71. Minute Pajtim Kasami nach einem Sion-Konter der Ausgleich zum 1:1. Dieser Gegentreffer war beinahe eine Kopie des 1:1-Gegentreffers in Luzern und deshalb speziell ärgerlich. Der FCZ agiert im Anschluss an einen eigenen Eckball erneut überaus risikoreich. Sechs Zürcher stehen annähernd auf einer Linie vor dem Sion-Strafraum, als Hekuran Kryeziu zu einem hohen Ball ansetzt. Kommt Kryezius Ball gut und zügig nach ganz rechts aussen, wo die «Weissen» eine klare Überzahl haben, dann kann daraus eine weitere Topchance auf das 2:0 entstehen (siehe untenstehenden Screenshot).

Kryeziu spielt den Ball aber nicht ideal in den linken Bereich des Strafraumes, wo Verteidiger Ndoye keine Probleme hat, vor Maxsö an den Ball zu kommen. Weil Khelifi zu wenig energisch eingreift, kommt der Sion-Gegenangriff ins Rollen. Palsson nimmt sich mit einer erfolglosen Grätsche gegen Kasami selbst aus dem Spiel und kann dadurch nachher nicht mehr eingreifen. Pa Modou macht den Raum für Lenjani auf, indem er ebenfalls erfolglos vorrückt, um Kasami anzugreifen. Dieser könnte nun den Ball steil auf Lenjani spielen, welcher damit alleine vor Torhüter Brecher auftauchen würde. Da Kasami aber das Tor selbst erzielen will, zieht er den Pass auf Lenjani nach aussen und sprintet selbst in die Abschlussposition im Zentrum.

Genauso wie vor anderthalb Monaten im Tourbillon der eingewechselte Assan Ceesay für den FCZ-Sieg gesorgt hatte, war diesmal mit Adryan für Sion ebenfalls ein Joker für den entscheidenden Schwung zum Auswärtssieg im Letzigrund verantwortlich. Der Brasilianer leitete mit einem schnellen Antritt über links das 1:2 ein. Ein Tor, welches allerdings auf irreguläre Weise zustandekam und für den FCZ weitere schmerzhafte Folgen mit sich bringt. Kevin Rüegg hat im eigenen Strafraum einen kurzen Moment die Möglichkeit, den Ball über die Grundlinie zu klären – lässt diese aber verstreichen. Im nächsten Moment rauscht Adryan heran und streckt Rüegg mit der Sohle voran nieder (siehe untenstehenden Screenshot).

Aufgrund dieses Fouls fällt Rüegg nun mit Teilriss des Innenbandes im Rechten Knie mehrere Wochen aus! Damit nicht genug: Im Anschluss an diese Szene stiess Pajtim Kasami Andreas Maxsö in Alain Nef hinein und setzte damit gleich zwei weitere Zürcher aufs Mal ausser Gefecht (siehe untenstehenden Screenshot). Mit drei Zürcher Verteidigern am Boden war der Weg nun frei für den eingewechselten Yassin Fortune, den 2:1-Siegtreffer zu erzielen. Dass der ansonsten gut pfeifende griechische Referee Anastasios Papapetrou gleich beide regelwidrigen Aktionen im Getümmel übersah, ist die eine Geschichte. Weit weniger entschuldbar ist, dass die übertragenden TV-Stationen (und damit auch alle anderen Medien) trotz eindeutiger Bilder, Zeitlupen und mehreren Blickwinkeln einmal mehr so taten, als sei nichts passiert.

Kurz nach dem Gegentor wechselte Ludo Magnin als dritten Einwechselspieler Adrian Winter für Züri Live-MVP Roberto Rodriguez ein, der sich auch diesmal auf der Rechten Seite gut mit Rüegg ergänzt und eine Saisonrekordzahl von sieben Flanken in den Strafraum gebracht hatte – darunter die Idealvorlage für Ceesay bei dessen Pfostenschuss aus spitzem Winkel. Offenbar hatte Rüegg eine Minute nach Adryans Foul noch das Gefühl, weiterspielen zu können oder zu müssen und blieb auf dem Feld – mit zunehmender Spieldauer in der Schlussphase aber mehr und mehr humpelnd. Rüegg blieb nicht das einzige Verletzungsopfer der Partie. Schon in der 50. Minute hatte der Medizinische Masseur Rolf Schumann Stephen Odey nach dessen Zusammenprall mit Sion-Keeper Kevin Fickentscher auf der Schulter in die Kabine tragen müssen.  

Dem FCZ nützt es am Ende der Partie nichts, dass er gegen Sion ausnahmsweise mal das zweikampfstärkere Team stellt und mehrmals von groben Schnitzern des Ex GC-Verteidigers Jan Bamert profitieren kann. Weiterhin zu ungefährlich ist das Letzigrund-Team bei Standards. Benjamin Kolollis Freistoss- und Cornerbälle sehen zwar meist ästhetisch hübsch aus, sind aber wenig effektiv. Nach dem FC Thun hat der FCZ in dieser Saison bisher am zweitwenigsten Kopfballtore aller Super League-isten erzielt. In den letzten Jahren hat in solchen Situationen ein Wechsel des Standardspezialisten meist kurzfristig einen positiven Effekt gehabt, auch weil die Gegner dann jeweils nicht auf dessen Stil eingestellt sind. Ausserdem spielt Kololli seine Standards gerne direkt – mit kurz gespielten Cornern und Freistössen schien der FCZ in den letzten Jahren aber mehr Erfolg zu haben. Eines der raren Beispiele eines kurz gespielten Standards in der jüngeren Vergangenheit war der Eckball zum 1:0-Siegtreffer von Victor Palsson gegen Ludogorets, wo Kololli kurz angespielt aus einer besseren Position flanken konnte, als bei einem direkt ausgeführten Corner.

 FCZ – Sion 1:2 (0:0)

Tore: 62. Marchesano (Khelifi) 1:0, 71. Kasami (Lenjani) 1:1, 82. Fortune (Adryan) 1:2.

FCZ: Brecher; Rüegg, Nef, Maxsö, Pa Modou; Palsson; Marchesano, H. Kryeziu; Rodriguez (84. Winter), Kololli (59. Khelifi); Odey (50. Ceesay).

Sion: Fickentscher; Maceiras (63. Abdellaoui), Ndoye, Bamert, Morgado; Mveng, Neitzke, Kouassi; Kasami, Lenjani (77. Fortune); Philippe (63. Adryan).

 

(Screenshots: Teleclub)

„Andere Mentalität in der Mannschaft“ / Luzern – FCZ 2:5 Highlights & Analyse

Der FCZ erzielt in Luzern fünf Tore mit 14 Abschlüssen und kommt gegen den bisherigen „Angstgegner“ zum zweiten Saisonsieg im zweiten Aufeinandertreffen. Dies dank eines sehr guten Starts in die Partie mit der verdienten 1:0-Führung durch Toni Domgjoni nach doppeltem Doppelpass mit Züri Live-MVP Salim Khelifi und erfolgreichem Konterspiel in der Zweiten Halbzeit. Zwei Mal hätte Pascal Schürpf einen Penalty zwar nicht erhalten müssen, aber können. Die Pfeife von Ref Hänni blieb aber stumm. Der FCZ nahm bei eigenem Eckball beim Spielstand von 1:0 etwas zu viel Risiko und wurde mit dem 1:1-Ausgleich durch Blessing Eleke bestraft, der dieses Tor anschliessend auf eine ziemlich unsympathische Art und Weise zu bejubeln schien. Dank der grandiosen Einzelleistung von Stephen Odey wurde dieser Fehler aber noch vor der Pause wieder wettgemacht.

Luzern – FCZ 2:5 (1:2)

Tore: 5. Domgjoni (Khelifi) 0:1, 22. Eleke (Juric) 1:1, 27. Odey (Khelifi) 1:2; 70. Kololli (Khelifi) 1:3, 73. Marchesano (Kololli) 1:4, 90. Vargas (Schneuwly) 2:4, 90.+1 Winter (Ceesay) 2:5.    

Luzern: Zibung; Kakabadze, Knezevic, Cirkovic, Schwegler; Voca; Custodio (74. Grether), Schulz (60. Vargas); Eleke, Schürpf (84. Schneuwly); Juric.

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; H. Kryeziu; Marchesano, Domgjoni; Khelifi (78. Rodriguez), Kololli (87. Winter); Odey (84. Ceesay).

Maxsö überzeugt bei erstem Super League-Einsatz / FCZ – Luzern Analyse

 Der FCZ kann die mehr als fünf Jahre andauernde Heimflaute (sieben Niederlagen in Folge gefolgt von einem Unentschieden) im Duell der zwei zweikampfschwächsten Teams der Liga gegen den FC Luzern mit einem 1:0-Sieg durchbrechen. Auch wenn das Letzigrund-Team von Anfang an ziemlich spielbestimmend war, hatte Kevin Rüegg auf seiner rechten Abwehrseite zu Beginn Mühe mit den langen hohen Bällen von Luzern-Torhüter Salvi auf den grossgewachsenen Pascal Schürpf. Auch Alain Nef und die Mittelfeldspieler vermochten Rüegg nicht genügend zu unterstützen – und so entstand die Riesentorchance für Christian Schneuwly, der wenige Meter vor dem Tor den Ball nicht im leeren Tor unterzubringen vermochte.

Auch in der Schlussphase hatte der FCZ noch einmal Glück, als Blessing Eleke mit einer spektakulären Akrobatiknummer den Ball per Fallrückzieher an die Latte zimmerte. Das entscheidende Tor erzielte Stephen Odey nachdem sich Benjamin Kololli gegen den neuverpflichteteten Otar Kakabadze durchgesetzt hatte, der an diesem Tag die Schwachstelle bei den Innerschweizern war. In seinem ersten Super League-Spiel für den FCZ wird Andreas Maxsö mit seiner defensiv fast einwandfreien Leistung gleich zum Züri Live-MVP – auch Pa Modou und der eingewechselte Marchesano spielten überdurchschnittlich.

FCZ – Luzern 1:0 (0:0)

Tore: 55. Odey (Kololli) 1:0.

FCZ: Brecher; Rüegg, Nef, Maxsö, Pa Modou; Palsson, H. Kryeziu (69. Marchesano); Winter, Domgjoni, Kololli (83. M. Kryeziu); Odey (90. Ceesay).

Luzern: Salvi; Kakabadze, Lucas (76. Ugrinic), Schulz, Grether; Voca, Custodio; C. Schneuwly (86. Eleke), Gvilia (65. Vargas), Schürpf; Demhasaj.

Antonio Marchesanos Laserpässe bringen angeschlagenes Leverkusen in Verlegenheit / FCZ – Bayer 3:2 Analyse und Highlights

Nach den zwei Siegen gegen Hertha BSC im Intertoto-Cup und denjenigen gegen Dresden und Dynamo Berlin im Europacup der Landesmeister gewinnt der FCZ zum fünften Mal im Europacup gegen ein Deutsches Team und schafft sich mit dem Punktemaximum nach drei Gruppenspielen eine ausgezeichnete Ausgangslage. Das Team von Ludo Magnin und René Van Eck hatte sich zwar gemäss Roberto Rodriguez vorgenommen, von Beginn weg hoch zu stehen und den Gegner unter Druck zu setzen – in der Realität verbarrikadierte man sich hingegen die meiste Zeit am eigenen Strafraum und liess den Gegner bis 30 Meter vors Tor praktisch frei kombinieren.

Die Gäste aus Leverkusen hatten so während praktisch der ganzen Spielzeit mehr Ballbesitz, begingen dabei aber zu viele einfache Fehler. Und der FCZ konnte immer wieder im eigenen Stadion mit schnellen Gegenstössen für Gefahr sorgen – dank mittlerweile grosser Variabilität in der Spielanlage des Teams, welches gleichzeitig personell in den letzten Wochen von Spiel zu Spiel jeweils nur wenig Änderungen erfahren hat. Diesmal durfte Adrian Winter wieder einmal von Beginn weg ran – auch dank seiner Defensivqualitäten im Duell mit dem bei Leverkusen spielbestimmenden Linksverteidiger Wendell. Der FCZ vermochte am Ende der Partie auf ein Chancenplus gegen das nominelle Deutsche Spitzenteam zu verweisen.

Antonio Marchesano, Toni Domgjoni und Stephen Odey erzielten dabei alle drei ihr erstes Europacuptor. Marchesano kam kurz vor der Pause aus geringer Distanz zum Handkuss, nachdem Maxsö im Mittelfeld sein Kopfballduell gegen den Deutschen Jungnationalspieler Havertz für sich entscheiden konnte, obwohl er dabei von diesem unterlaufen worden war – und Captain Kevin Rüegg sich rechts des Strafraumes magistral gegen Bailey und Sven Bender durchgesetzt hatte. Ein Doppelschlag von Karim Bellarabi (jeweils praktisch identisch bezüglich Abschlussposition und -art) erwischte den FCZ nach der Pause kalt. Während das erste Gegentor für den FCZ schwierig zu verteidigen war, gestaltete sich das zweite als vermeidbar. Leverkusen schien sich dabei ein Beispiel an YB zu nehmen.

Die Berner hatten am Wochenende einige Male erfolgreich eine Lücke in den Zürcher Abwehrverbund gerissen, indem Maxsö oder Bangura aus diesem herausgelockt wurden. Im Gegensatz zu YB schaffte es Leverkusen mit einem solchen Spielzug nun auch ein Tor zu erzielen. Ohne den überspielten Bangura in der Viererkette und dem zentral Richtung Tor stürmenden Bailey mussten Maxsö und Pa Modou stärker nach rechts rücken, was auf der linken Zürcher Abwehrseite den entscheidenden Raum für den Doppeltorschützen Bellarabi öffnete. Dass selbst nach diesem Doppelschlag auf Seiten der FCZ-Fans schnell wieder berechtigte Hoffnungen auf eine „Konterrevolution“ bestanden, hatte drei Gründe. Erstens war noch genug Zeit dafür vorhanden, zweitens die Mentalität und das Selbstverständnis des eigenen Teams, und drittens, so seltsam es vielleicht im ersten Moment klingt, wirkte der Gegner nicht so stabil wie beispielsweise ein FC Thun.

Der 20-jährige Toni Domgjoni übernahm auch in diesem Spiel wieder eine wichtige Rolle und wurde mit seiner Europacup-Torpremière belohnt. Vor zweieinhalb Jahren hatte Züri Live anlässlich eines U18-Länderspiels in Grenchen gegen Deutschland erstmals über Domgjoni berichtet. Die damalige Einschätzung gilt heute mehr denn je: «Domgjonis Beitrag zum guten Spiel (der Schweizer) war vor allem sein grosser Aktionsradius verbunden mit einem dementsprechenden Laufpensum. Der Mittelfeldspieler war überall anzutreffen, wo’s brennt, rechts, links, hinten und auch vorne in Abschlussposition».

Sowohl Stürmer Stephen Odey wie auch Antonio Marchesano sind an allen drei Toren sowie an mehreren guten Torchancen beteiligt. Die beiden scheinen sich auf dem Platz immer besser zu verstehen. Marchesano bereitete das zweite und dritte Tor jeweils mit entscheidenden Bällen in die Tiefe vor und ist der Züri Live-MVP des Spiels, was er letztmals beim 2:0-Derbysieg in der 2. Super League-Runde gewesen war.

FCZ – Bayer 3:2 (1:0)

Tore: 44. Marchesano (Rüegg) 1:0; 50. Bellarabi (Volland) 1:1, 54. Bellarabi (Havertz) 1:2, 59. Domgjoni (Marchesano) 2:2, 78. Odey (Pa Modou) 3:2.

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; H. Kryeziu; Marchesano (90. Nef), Domgjoni; Winter (58. Khelifi), Kololli (79. Rodriguez); Odey.

Bayer: Hradecky; Jedvaj, Dragovic (46. Weiser), S. Bender, Wendell; L. Bender, Kohr; Bellarabi, Havertz, Bailey (79. Brandt); Kiese Thelin (46. Volland).

Interviews und Geschichten des Europa League-Auftaktsieges nach Mitternacht in Nikosia

Da ist es wieder, das Cupgesicht des FC Zürich. Der Europacup-Auftakt ist mit dem 1:0-Auswärtssieg gegen AEK Larnaca rundum geglückt. Zum ersten Mal kann der FCZ in einer Europa League-Gruppenphase ein Auswärtsspiel gewinnen! Und AEK Larnaca mit seiner Wahnsinns-Europacupheimserie (sieben Spiele, 20:0 Tore!) kommt dank der solidarischen Leistung der Limmatstädter praktisch nie dazu, seine gefürchteten Bälle hinter die gegnerische Abwehr spielen zu können. Die Gesamtleistung des Magnin-Teams erinnerte an die starken Auftritte in den entscheidenden Spielen des nationalen Cupwettbewerbes. Das sah auch der Zürcher Trainer nach der Partie so: „Wir schaffen es, uns in grossen Momenten zu steigern. Der nächste Schritt ist nun, dass wir lernen müssen, im „Alltag“ solche Leistungen auf den Platz zu kriegen, Routine zu gewinnen.“

Hekuran Kryeziu zeigte sein bisher bestes Spiel im FCZ-Dress und Captain Victor Palsson präsentierte sich annähernd in Cupfinal-Form. Bei Stephen Odey sind von Spiel zu Spiel Fortschritte zu erkennen und Assan Ceesay feierte ein gelungenes Début, auch wenn Trainer Ludo Magnin im Interview mit Züri Live noch „viel Arbeit“ für diesen vor sich sieht. Arbeit, die im Falle von Odey langsam aber sicher Früchte trägt.

Ceesays Landsmann Pa Modou ist hingegen seit dem Lugano-Spiel kurz vor der Nati-Pause von einem Moment auf den anderen in ein Leistungsloch gefallen – die Gelb-Rote Karte nach Zeitspiel und Foul passt da ins Bild. Dem immer wieder angeschlagenen Umaru Bangura unterliefen zudem in der Starthalbstunde fast im Fünfminutentakt grobe Fehlzuspiele. Das wirkliche Sorgenkind ist aber Izer Aliu. Vom Fuss bis weit über das Rechte Knie dick einbandagiert, bewegt der 18-jährige sich nach dem Spiel als einziger Zürcher mit einer nachdenklich-bitteren Miene an Krücken Richtung Mannschaftsbus. Bei seinen Comebacks in Lugano und bei Breitenrain hatte er bereits wieder gute Ansätze gezeigt. Die Art der im Abschlusstraining in Nikosia zugezogenen Verletzung wird nach der Rückkehr in Schweiz (die Mannschaft fliegt um die Mittagszeit) genau analysiert werden, aber es könnte sich um eine Knieverletzung mit längerer Ausfalldauer handeln. Neben der Leistung des FCZ, der Larnaca als erstes europäisches Team diese Saison zähmen und zurückbinden konnte, war Benjamin Kolollis Jubel vor der Südkurve nach seinem von Antonio Marchesano herausgeholten Handspenalty das Thema des Abends. Der Waadtländer hatte Routinier Toño im Larnaca-Tor in die falsche Ecke geschickt, dann die erste Bande übersprungen, dann die zweite …und…oh Schock!….dahinter war ein tiefes Loch. Glücklicherweise konnte der Flügelspieler, der in der Schlussphase für Pa Modou weiter nach hinten rückte, von den Teamkollegen unverletzt wieder hochgezogen werden.

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