YB stellt sich taktisch selbst ein Bein / FCZ – YB Analyse

FC Zürich öffnet für Kracher gegen YB neue Sektoren (nau.ch)

Spielt YB den Spitzenkampf in Zürich vor voller Hütte? (nau.ch)

Wie schon beim Auswärtsspiel in Bern scheint sich der FCZ speziell gut auf YB vorbereitet zu haben. Die Züri Live-Durchschnittsnote der Mannschaft ist mit 6,9 die bisher zweithöchste der Saison – nach dem besagten Auswärts-0:0 in Bern (7,1). Gegen den amtierenden Meister gelingen also die bisher besten beiden Partien. Dies interessanterweise vor allem in offensiver Hinsicht. Es ist erstaunlich, dass der FC Zürich gerade gegen YB zu so vielen Abschlüssen in 90 Minuten kommt, wie bisher noch nie in dieser Saison! Dies vor allem auch dank der frühen Führung in der 1. Halbzeit, dank der der FCZ in der 2. Halbzeit gegen einen offener spielenden Gegner zu vielen Räumen kommt und am Ende sein erstes Kontertor der Saison zur Siegsicherung erzielt. So wird es die beste 2. Halbzeit der bisherigen Saison, in welcher bisher die 1. Halbzeit deutlich häufiger die bessere war. Adrian Guerrero sowie die eingewechselten Antonio Marchesano und Ivan Santini erzielen alle Offensiv eine Note 10.

Individuelle und taktische Probleme bei YB

Bei YB passt dabei allerdings sowohl individuell als auch taktisch wenig zusammen. Die Umstellung auf ein 4-2-3-1 mit zwei Sechsern und nur einer Sturmspitze schadet YB in diesem Spiel mehr, als dass es nützt. Der FCZ passt sich mit seiner 1-zu-1 Manndeckung dem taktischen Wechsel YB’s flexibel an, so dass Afriyie und Mathew in der Regel auf gleicher Höhe die beiden YB-Sechser decken. Dadurch macht sich YB seine Räume für den Spielaufbau hinten heraus gleich selbst eng, was ein wichtiger Grund für das erfolgreiche FCZ-Pressing beim 1:0-Führungstreffer ist. Gleichzeitig hat Jean-Pierre Nsamé als einziger Stürmer vorne in den meisten Situationen zu wenig Support. Ebrima Colley, der im September bei einer 3:4-Niederlage mit der YB-Reserve im Heerenschürli gegen die 2. Mannschaft des FCZ seinen ersten Einsatz im Gelb-Schwarzen Dress erlebt hatte, agiert zu wenig abgeklärt. Und der zu Beginn der Saison so solide Innenverteidiger Mohamed Camara ist in ein Leistungsloch gefallen. Vor allem aber auch im Mittelfeld leistet sich YB in der Letzigrund-Formation defensive Mängel. Ausserdem herrscht bei jedem FCZ-Standard ein Chaos im YB-Strafraum – ein ungewohntes Bild.

Personalien – Conceiçãos Effektivität lässt zu wünschen übrig

  • Nikola Boranijasevic: Wie im Wankdorf gegen den gleichen Gegner wieder ein starker Start in die Partie. Fokussiert sich diesmal in der Mittelzone vor allem darauf, die Passwege ins Zentrum zuzumachen, und dies erfolgreich. Schien in Lugano mit einem ähnlichen Spieler (Conceição) auf der gleichen Seite in seinem Wirkungskreis eingeengt. Verstand sich diesmal aber bereits viel besser mit dem Portugiesen.
  • Yanick Brecher: Zum siebten Mal Defensiv Bester, obwohl er über weite Strecken relativ wenig zu tun hat und erst in der 20. Minute erstmals eingreifen muss.
  • Lindrit Kamberi: Wallner hält Bo Henriksen für vielseitig genug, auch auf halblinks gut spielen zu können, Hornschuh offenbar hingegen weniger. Daher verschiebt sich Kamberi nach der verletzungsbedingten Auswechslung Wallners auf halblinks.
  • Rodrigo Conceição: Die Effektivität seiner Offensivaktionen lässt weiter zu wünschen übrig. Der Portugiese war bisher trotz der neuntmeisten Einsatzzeit nur an drei Toren beteiligt, also nur alle 367 Minuten an einem. Von den regelmässig eingesetzten Spielern hat nur Silvan Wallner eine noch schlechtere Quote. Alle anderen Verteidiger und Torhüter waren deutlich häufiger an FCZ-Treffern beteiligt als der mittlerweile als Stürmer eingesetzte Conceição (siehe untenstehende Statistik).
  • Antonio Marchesano: Nach dem Stadtderby zum zweiten Mal MVP. Bringt als Einwechselspieler seine besten Leistungen. Ab dem Zeitpunkt, als er reinkam, hatte man nicht mehr das Gefühl, dass noch etwas anbrennen könnte.
  • Cheikh Condé: Phasenweise unaufmerksam, etwas zu viel und in den falschen Momenten mit Reklamieren beschäftigt.
  • Jonathan Okita: Schiesst erneut das 1:0 auf ähnliche Weise wie in Lugano. Vier Tore in den letzten fünf Spielen. Der Mann für die Highlights. Arbeitet gleichzeitig vermehrt auch nach hinten. Die Quote der gelungenen Aktionen mit Ball ist aber weiterhin tief.
  • Nikola Katic: Sehr grosse Diskrepanz zwischen seiner offensiven und defensiven Leistung. Schiesst ein Kopfballtor, ist aber defensiv in der Luft deutlich ungenügend und ganz allgemein im Duo mit Kamberi der defensive Schwachpunkt beim FCZ, den YB noch mehr hätte bespielen sollen. Stellungsspiel nicht Super League-würdig.
  • Silvan Wallner: Mehrmals unaufmerksam in Bezug auf die Offsidefalle, eröffnet YB so ungeahnte Möglichkeiten.

Statistik – Santini und Marchesano mit höchster, Wallner und Conceição mit tiefster Torbeteiligungsquote

Spielminuten pro Torbeteiligung beim FC Zürich (Saison 23/24, Stand: 9.12.2023, alle Wettbewerbe)

Randnotiz – Wie spielt der FCZ unter Bo Henriksen?

Die Zwischenanalyse hier

Highlights – Unerwartet, aber toll

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UNTERSCHIEDLICHE FIEBERKURVE BEI FANS UND MEDIEN / YB – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Die Affiche YB – FCZ wurde einem Spitzenspiel gerecht. Die Intensität war für eine Super League-Partie hoch und die beiden Trainer hatten sich taktisch gerade auch in den Details einiges einfallen lassen. So schien sich beispielsweise der FCZ intensiv auf die YB-Standards vorbereitet zu haben, denn diese wurden in corpore so stark verteidigt, wie man dies beim FCZ noch kaum je gesehen hat. Nicht nur zwei oder drei Spezialisten hatten ihren Gegenspieler und ihre Aufgabe voll im Griff, sondern alle! Daniel Afriyie beispielsweise agierte stark im eigenen Strafraum. Es war ein tolles Teamwork.

Bisher beste Saisonleistung des FCZ

Auf der anderen Seite vermochte beispielsweise Ulisses Garcia als erster Gegenspieler der häufigen Zürcher Spieleröffnung mit den Kopfballweiterleitungen Lindrit Kamberis rechts im Mittelfeld etwas entgegen zu setzen. In der 1. Halbzeit schnitt der FCZ jedem YB-Flämmchen sofort die Sauerstoffzufuhr ab. Die Gelb-Schwarzen brachten kaum eine zusammenhängende Aktion zustande. Das FCZ-Pressing funktionierte besser als dasjenige YB’s. In der 2. Halbzeit konnte der FCZ dann wie üblich die Pace nicht im gleichen Ausmass durchhalten. Diesmal entfalteten aber Einwechselspieler wie Hornschuh, Guerrero oder Rohner etwas mehr Wirkung als in den letzten Partien.

Der Match in Bern ist mit einer Durchschnittsnote von 7,1 die beste Saisonleistung des FCZ (bisher Lugano (H, 3:0) und die Lausanne-Sport (A, 0:0) mit je 6,7). Und nur zwei Partien (ebenfalls “Lugano“ und “Lausanne-Sport“) waren offensiv besser. Die 1. Halbzeit in Bern ist zudem mit Note 7,0 die bisher beste Halbzeit der Saison (bisher 1. Halbzeit in Basel (6,8)). Der FCZ trat wieder im üblichen 3-4-3 mit Antonio Marchesano auf dem Rechten Flügel an. Der Spielaufbau von hinten lief über eine Viererabwehrreihe (Conceição als Linksverteidiger, Boranijasevic rückt nach vorne).

Wicky ändert sein Konzept für die Spiele gegen den FC Zürich und Manchester City

YB-Coach Raphael Wicky änderte für das Spitzenspiel gegen den FCZ und das Champions League-Heimspiel gegen Manchester City die taktische Formation und Ausrichtung mit einem 4-3-3 in der offensiven Phase (6er: Lauper, 8er: Ugrinic und Niasse, Flügel: Monteiro und Elia, Mittelstürmer: Nsamé / Itten). In der defensiven Phase presste YB in der gegnerischen Platzhälfte im 4-4-2 (Doppelsturm: Nsamé und Monteiro, Aussen-Mittelfeldspieler: Ugrinic und Elia), was sich in der eigenen Platzhälfte in ein 4-5-1 verwandelte (Monteiro zurück ins Mittelfeld). Da aber Sandro Lauper und Daniel Afriyie ganz offensichtlich den Auftrag hatten, sich gegenseitig in Manndeckung zu nehmen, rückte Lauper immer wieder in die Abwehrreihe zurück, wenn Afriyie seinen typischen Lauf von der 10er- auf die 9er-Position machte, woraus sich dann bei YB ein 5-4-1 ergab. Dies drängte die Berner noch mehr zurück.

Highlights – Knapp daneben

Personalien – Hornschuh is back

  • Marc Hornschuh: Erster Meisterschaftseinsatz seit Ende August, als er mit seinem Deckungsfehler gegen St. Gallen den späten Ausgleich mitverschuldete – und erstmals diese Saison in der Liga über mehr als zehn Minuten. Hornschuhs Einwechslung in Bern ist wichtig für die Sicherung des Unentschiedens und erinnert an seine besten Einsätze im FCZ-Dress. Früher hatte Hornschuh gegen YB meist Mühe mit dem hohen Tempo, diesmal nicht. Hornschuh ist ein weiterer Baustein einer langsam, aber sicher besser werdenden FCZ-Bank. Sie ist nicht mehr ganz so dünn besetzt wie noch im ersten Saisonviertel.
  • Lindrit Kamberi: Hat bei seinen Kopfballweiterleitungen der hohen Bälle Brechers mit Ulisses Garcia so viel Gegenwehr in der Luft wie bisher noch nie in dieser Saison.
  • Fabio Daprelà: Erstmals seit dem Startspiel gegen Yverdon in der 1. Halbzeit ungenügend. Ist weiterhin noch nicht wieder in der Form von Ende August / Anfang September.
  • Yanick Brecher: Durchschnittlicher Start im ersten Viertel, sein Offensivspiel wird danach deutlich besser. Seine langen, hohen Bälle kommen präzis bis fast an den gegnerischen Strafraum und versetzen das Spielgeschehen zusammen mit dem aggressiven Gegenpressing von Brechers Vorderleuten viel länger als YB lieb sein kann in die Platzhälfte der Berner. Zum dritten Mal MVP nach den Auswärtspartien in Genf und bei SLO und dabei erstmals mit der Offensiv-Maximalnote “10“. Defensiv war er hingegen erst in der 45. Minute zum ersten Mal richtig gefordert.
  • Ifeanyi Mathew: Nach dem defensiv schlechten Auftritt gegen Winterthur in Bern diesbezüglich wie verwandelt. Spielt von Beginn weg fokussiert und aufmerksam. Defensiv bester Mann beim FCZ und so gut wie bisher noch nie in dieser Saison.
  • Nikola Boranijasevic: Nach dem Auswärtsspiel bei SLO auf der Pontaise zum zweiten Mal der offensiv Beste seines Teams, beide Male mit Note “10“. Zum zweiten Mal nach dem Auswärtsspiel bei Lausanne-Sport bester Spieler der 1. Halbzeit. Wiederum eine gute Torchance (Marchesano) nach einem Boranijasevic-Einwurf.
  • Cheikh Condé: Condé lässt gegen YB zum ersten Mal seit dem St. Gallen-Heimspiel in der 2. Hälfte stark nach und ebenfalls zum ersten Mal seit dem Duell mit dem Zeidler-Team hat der Guineer eine schlechte Note in der Offensiven Phase. St. Gallen und YB sind die beiden Schweizer Teams mit dem stärksten Pressing. Gegen solche Gegner fehlt es ihm in gewissen Situation noch an der Entscheidungsschnelligkeit.
  • Jonathan Okita: Seine Standards sind weiterhin gut, aber aus dem Spiel heraus zu viele leichte Ballverluste. Versucht hohe Bälle wieder im Karate-Schritt statt mit der Stirn anzunehmen. Erstmals in dieser Saison bereits in der 1. Halbzeit ungenügend.
  • Armstrong Oko-Flex: Geht konsequenter ins Pressing, als Okita. Offensiv aber zum vierten Mal in Folge schlecht oder ungenügend.

Kommentare – FCZ wie ein Spitzenreiter

Randnotiz I – the missing link

Im aktuellen System des FCZ pendelt der zentrale Angreifer im 3-4-3 je nach Spielsituation und gegnerischer Taktik zwischen 10er- und 9er-Position – und dementsprechend auch die Formation zwischen einem 3-4-3 und 3-4-1-2. Wie vielfach im Eishockey sind es eher die einrückenden Flügel, welche für die Tore sorgen sollen – und nicht in erster Linie der Center. Nun gibt es aktuell auf keiner Position so viele Wechsel während einer Partie wie auf derjenigen im Sturmzentrum. Es ist keine Seltenheit, dass in den 90 Minuten plus Nachspielzeit drei verschiedene Spieler diese Position besetzen. Dies und die Spielweise des FCZ unter Bo Henriksen lassen erahnen, dass man die Idealbesetzung noch nicht gefunden hat. Unter André Breitenreiter war Antonio Marchesano gesetzt. Franco Foda und nun auch Bo Henriksen setzen Marchesano aber häufiger auf dem Rechten Flügel ein. Marchesano wird zwar von jedem Trainer aufgrund seiner Qualitäten als unverzichtbar angesehen, ob er aber eine Idealbesetzung für die zentrale Angriffsposition ist, da gehen die Meinungen offensichtlich auseinander.

Daniel Afriyie beginnt aktuell zwar jedes Spiel als Starter im Zentrum, wirkt dabei aber eher als eine Art Platzhalter, hat häufig wenig Bindung zum Spiel und zeigt seine besten Aktionen, wenn er über den Rechten Flügel angreifen kann – was aber genauso auch für Fabian Rohner gilt. Der Rechte Flügel ist somit vorne sicherlich gut besetzt. Links kann sich Oko-Flex hoffentlich mit zunehmenden Einsätzen als echte Konkurrenz zu Okita entwickeln. Die wohl weiterhin gesuchte Idealbesetzung Henriksens im Zentrum wäre wohl hingegen ein Stürmer vom Typ “Roko Simic“: ein grossgewachsener, spielstarker Mittelstürmer, der sich auch gerne zurückfallen lässt. Idealerweise wäre er zudem defensiv noch etwas besser als Simic. Nur: so einen Stürmertyp mit der für den FCZ benötigten Qualität zu finden und dann auch zu verpflichten grenzt an eine Herkules-Aufgabe. Vielleicht wäre “selber stricken“ eine Option? Zum Beispiel in Form von einem Nachwuchsstürmer aus der U21, Junior Ligue oder Labinot Bajrami, wenn sie es schaffen, in eine solche Rolle hineinzuwachsen… Der Vorteil eines Daniel Afriyie im Zentrum ist allerdings unter anderem seine Defensivqualität im Duell mit dem gegnerischen 6er, welche kaum ein anderer Stürmer in diesem Ausmass mitbringt – ein wichtiges Puzzleteil für die defensive Stabilität des FCZ.

Randnotiz II – Entscheidungen von Schiedsrichter und VAR

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YB – FCZ (Südkurve)

Unterschiedliche Fieberkurve bei Fans und Medien / YB – FCZ VORSCHAU

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Die Fieberkurve steigt schon seit ein paar Tagen und die Vorfreude aufs Spitzenspiel YB – FCZ ist bei vielen Supportern gross. Die ersten zwei des aktuellen Spitzentrios (mit dem FC St. Gallen) treffen im Wankdorf aufeinander. Der FCZ ist als einziges Team noch ungeschlagen, YB nach Verlustpunkten Leader. Medial wird das Thema Spitzenspiel allerdings auf äusserst kleiner Flamme gekocht. Vorschauen gibt es so gut wie keine und bei der FCZ-Pressekonferenz war gerade mal ein Journalist anwesend. Sehr viel höher war das Journalisten-Interesse an YB’s Begegnung mit dem aktuellen Tabellenletzten vor der Nati-Pause. Das Fan-Interesse auf beiden Seiten spricht hingegen eine andere Sprache. Das Team von YB ist mit dem anstehenden Champions League-Heimspiel vom Mittwoch gegen Manchester City konfrontiert. Von Family & Friends werden die YB-Spieler in den letzten Tagen und Wochen immer wieder auf diese Partie angesprochen worden sein – unter anderem mit Ticketanfragen.

Ugrinic kopiert Okita

Die Analyse des Head-to-head fällt je nach zeitlicher Perspektive sehr unterschiedlich aus. Langfristig ist die Bilanz mit je 83 Siegen gemäss dbfcz.ch ausgeglichen. Mittelfristig hat YB (in der Super League-Ära) die Vorteile klar auf seiner Seite. Kurzfristig war der FCZ gegen YB hingegen erstaunlich erfolgreich mit drei Siegen, drei Unentschieden und nur einer Niederlage in den letzten sieben Duellen. Bo Henriksen hat gegen die Berner noch nie verloren. Nach Erwarteten Punkten, die sich aus den Erwarteten Toren und Gegentoren ergeben liegt YB in der aktuellen Super League-Tabelle nur auf dem 8. Platz. Erster müsste eigentlich St. Gallen sein, mit statistisch viereinhalb Punkten vor dem FCZ. YB lebt diese Saison bisher von der wohl stärksten Defensive der Liga und vorne der Abschlusseffizienz seiner Stürmer, die aus wenig Abschlüssen viele Tore machen. Am meisten Treffer der Liga hat aber weiterhin trotzdem der FCZ erzielt. Erst hatte Jonathan Okita einen Lauf und nun trifft Antonio Marchesano in jedem Spiel. Beide Teams sind gleichermassen stark bei Standards – und scheinen diesbezüglich manchmal auch voneinander abzugucken. Zumindest war Ugrinics Ausführung des Eckballes zum 1:0 von YB gegen den FCB (Torschütze: Nsamé) eine Kopie von Okitas Corner beim 1:0 Führungstreffer des FCZ in Luzern (Torschütze: Katic). Das Flügelspiel ist und bleibt Teil der YB-DNA – trotz eher aufs Zentrum fokussiertem Spielsystem mit Mittelfeldrhombus. So ist YB nun schon in der siebten Saison in Folge auf dem 1. Platz der Liga bei der Anzahl Flanken.

Beide Trainer können (fast) aus dem Vollen schöpfen

Da das Spiel nach der Nati-Pause stattfindet, wird YB-Coach Raphael Wicky seine beste aktuell zur Verfügung stehende Mannschaft auf den Platz schicken, Fraglich ist von den aktuellen Stammplatzkandidaten einzig Darian Males.

Beim FCZ ist die grösste offene Frage wohl die, ob auf der linken Seite Rodrigo Conceição oder Adrian Guerrero beginnt.

Mit Demut und Pragmatik den Bann gebrochen / FCZ – YB in der Züri Live-Analyse

Nach sieben langen Jahren ist der Bann gebrochen. Der FCZ gewinnt erstmals wieder in der Super League gegen YB. In dieser ganzen Zeit hatte man nie wirklich aus den Misserfolgen gegen die Berner gelernt. Eine solche Partie auf Züri Live in voller Länge zu kommentieren, welche trotz „guten Ansätzen“ zum dutzendsten Mal auf das übliche 0:4 zusteuerte, wurde mit der Zeit qualvoll. Man fragte sich immer wieder: Warum kann der FCZ nicht mal gegen YB so aufspielen, wie dies Servette immer wieder zustande bringt? Oder zumindest einen Punkt ermauern wie Lugano oder GC?

FCZ verwickelt YB in viele Zweikämpfe

Nur die Formbaisse YB’s hätte auch diesmal nicht gereicht. Es brauchte wirklich die davor jahrelang in solchen Spielen fehlende Pragmatik und Demut des Trainerduos Breitenreiter / Scholtysik, um die unheilvolle Serie zu brechen. Die Idee, der FCZ müsse auch gegen einen Gegner wie YB mitspielen, wurde hochkant über Bord geworfen. Der verführerische Stolz überwunden. Der FCZ stand deutlich tiefer als noch im mit 0:4 verlorenen Hinspiel im Wankdorf und verteidigte auf allen Positionen Eins zu Eins, Mann gegen Mann – und dies fokussiert sowie diszipliniert. Dies war auch notwendig, denn bei Aussenläufern, welche die gegnerischen Aussenverteidiger angreifen und einer Dreierabwehr, die sich Mann gegen Mann um den YB-Dreimannsturm kümmert, war in der Regel keine Absicherung vorhanden. Hefti und Garcia versuchten jeweils mit Vorstössen mit Ball am Fuss Richtung Zentrum die Blockade zu brechen, ihre Doppelpässe seitlich in der Angriffszone waren aber nicht erfolgreich. Viele Zweikämpfe, Fouls und Einwürfe brachen den Rhythmus des Spiels, was Aussenseiter FCZ zugute kam. Der Spitzenkampf wurde so schlussendlich zu einem der ereignislosesten Super League-Spiele der letzten Jahre. Normalerweise füllen die Notizen von Züri Live zu einem analysierten Spiel fünf bis sechs A4-Seiten – diesmal knapp anderthalb.

Ein Spiel für Fidan Aliti

Beide Mannschaften kamen kaum zu Abschlüssen. Die mit Abstand beste Torchance der 1. Halbzeit hatte Adrian Guerrero alleine vor YB-Keeper Guillaume Faivre nach Vorarbeit von Ceesay, Dzemaili, Doumbia und Aliti. Es war eine Abwehrschlacht mit 140 Top-Defensivaktionen, eine Partie, in welcher ein Fidan Aliti wieder mal so richtig in seinem Element war – so wie es letzte Saison häufiger der Fall gewesen war. Szenenapplaus erhielt der Linksfuss in der 38. Minute, als er im eigenen Strafraum auf dem Hintern rutschend Meschack Elia gezielt den Ball wegstibitzte. Mirlind Kryeziu hatte seinen Gegenspieler Jordan Siebatcheu fast komplett im Griff – so eng wurde in dieser Saison wohl noch kein Gegenspieler vom FCZ gedeckt. Becir Omeragic setzte zusätzlich zu seiner guten Defensivarbeit Offensivakzente.

Ante Coric desorientiert und unkonzentriert

In der 1. Halbzeit hatte das Zürcher Mittelfeldzentrum defensiv grosse Probleme. Dzemaili und Doumbia hatten ihre Positionen vor der Abwehr gegen Aebischer und Sierro nicht im Griff und waren in der Rückwärtsbewegung zu langsam. Antonio Marchesano musste nach zwei hohen Beinen gegen Christopher Martins vorsichtshalber schon vor der Pause ausgewechselt werden. Sein Ersatz Ante Coric wirkte desorientiert. Seine lasche Körpersprache setzte sich nahtlos fort in unüberlegte Aktionen. In der Nachspielzeit war das schlechte Zweikampfverhalten des Kroaten hauptverantwortlich dafür, dass Aebischer zu seinem Pfostenschuss (beste YB-Chance der Partie) kam und anschliessend nach einem unnötigen Foul Corics an Fabian Lustenberger nochmal einen Freistoss in Strafraumnähe treten durfte.

Probleme im Zentrum und „Maskottchen“ Kramer

Offensiv wurde das Zürcher Mittelfeldzentrum sowieso in der Regel mit Hohen Bällen aus der Hintermannschaft auf die Forwards überspielt und “innen vor“ gelassen. Dzemaili mit seinen Schwankungen zwischen Übermotivation und Passivität war erneut einer der fehlerbehaftetsten Spieler beim FCZ – diesmal wurde dies aber durch überdurchschnittlich viele gelungene Defensivaktionen (mehr als) kompensiert. Nach der Pause konnten sich Dzemaili und Doumbia dann steigern, ohne allerdings ihre Fehler ganz abstellen zu können. Bei Blaz Kramer verlief die Formkurve umgekehrt: mit mehreren engagierten und effektiven Defensivsprints und guten Kopfballweiterleitungen in die Partie gestartet, baute der Slowene nach der Halbzeitpause stark ab. Die Trainer scheinen ihn auch etwas als das „Maskottchen“ des Teams zu sehen – 6 Einsätze, 6 Siege. Mit weniger Einsätzen eine hundertprozentige Siegquote haben bisher auch Tosin, Kamberi und der zur Zeit zwischen Ersatzbank und Militärdienst pendelnde Seiler.

Joker Tosin nutzt Berner Schwachstelle

Wie so häufig in der Super League kam der FCZ in einem typischen 0:0-Spiel schlussendlich durch die Ausnutzung der Schwachstelle des Gegners zum Erfolg. Die Aussenverteidiger-Backups Lefort und Maceiras vermögen mit dem Niveau des Restes der gelb-schwarzen Mannschaft nicht mitzuhalten. Der zum dritten Mal eingewechselte Comebacker Tosin brachte zum dritten Mal entscheidende Impulse, stibitzte Maceiras im Pressing den Ball weg, bediente erst Doumbia, dann Boranijasevic, dieser liess ebenfalls Maceiras aussteigen und brachte mit dem schwächeren linken Fuss eine butterweiche für die Berner Abwehrreihe nicht zu verteidigende Flanke auf den mit idealem Timing startenden Wilfried Gnonto. Der 18-jährige Italiener feierte sein zweites Super League-Kopfballtor.

Telegramm

FCZ – YB 1:0 (0:0)
Tor: 83. Gnonto (Boranijasevic) 1:0.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Dzemaili (65. Hornschuh), Doumbia, Guerrero; Marchesano (42. Coric); Ceesay (82. Tosin), Kramer (65. Gnonto).
Young Boys – Faivre; Hefti, Bürgy (86. Lustenberger), Lauper, Garcia (62. Maceiras); Martins (84. Kanga); Aebischer, Sierro (62. Rieder); Elia (62. Mambimbi), Siebatcheu, Moumi.

FCZ scheitert an Cabrasel – und falschen Entscheidungen in lokaler Überzahl / FCB – FCZ in der Züri Live-Analyse

Antonio Marchesano ist in Basel erneut auswärts der beste Spieler des FCZ in einer Partie, in welcher sein Team hoch stand und erstmals in dieser Saison an der Abschlusseffizienz scheiterte. 18 Torchancen wurden nicht genutzt – so viele wie noch nie in dieser Saison, inklusive Cup-Spiel in Solothurn. Trotz positiver Bilanz an „Erwarteten Toren“ im St. Jakob Park resultierte eine 1:3-Niederlage. Ein weiterer Indikator: 121 Züri Live-Offensivpunkte sind ein bisheriger Saisonrekord – gleichzeitig aber auch die 117 Negativpunkte.

Speziell von der 53. bis in die 70. Minute war der Stadtclub beim Stand von 0:1 am Drücker und hatte rund um die 60. Minute herum mehrere gute Torchancen im Minutentakt. Die Phase wurde abgeschlossen durch einen Pfostenschuss aus kurzer Distanz von Adrian Guerrero. Danach kam ein Bruch ins Zürcher Spiel. Ousmane Doumbia, Moritz Leitner und der eingewechselte Blerim Dzemaili hatten das Zentrum nicht mehr im Griff, woraus das 0:2 resultierte. Basels Linksverteidiger Tavares lenkte einen wohl nebens Gehäuse gezielten Abschluss von Jungnationalspieler Dan Ndoye unfreiwillig entscheidend ins Zürcher Netz ab. Wie schon in der Auswärtspartie bei YB waren die grössten und entscheidenden Mankos des FCZ im Mittelfeldzentrum zu suchen.

FCZ wächst schnell wie eine Bambuspflanze

Die 3-4-1-2 Formation bleibt die Konstante der FCZ-Taktik, aber die Spielweise ändert sich von Spieltag zu Spieltag stark. Zu Beginn der Saison noch die am tiefsten stehende und am stärksten auf Konter ausgerichtete Mannschaft der Liga, steht man nun schrittweise immer höher und übernimmt das Spieldiktat. Wie einer Bambuspflanze kann man dem FC Zürich von Woche zu Woche beim Wachsen live zusehen. Dabei gelingt natürlich nicht alles. So erzielte Basel in der 34. Minute das wichtige erste Tor der Partie gerade weil der FCZ so hoch stand und dazu der sich immer wieder auf die Seiten sowie zwischen die Linien davonstehlende Zielspieler Cabral Heinz Lindners hohen Ball per Kopf hervorragend in die Tiefe weiterleitete. Aliti kam etwas zu spät ins Luftduell und Guerrero lenkte den Ball wenig vorteilhaft für seine Farben ab. Zehn Minuten davor hatte Cabral bereits einmal zwischen den Zürcher Linien einen Hohen Ball von Lindner gut in die Tiefe gelenkt. In dieser Szene war Omeragic zu spät ins Luftduell gekommen, aber Mirlind Kryeziu konnte die Situation ausbügeln.

Grosse Leistungsdiskrepanz

Insgesamt herrschte im Zürcher Team wiederum eine grosse Leistungsdiskrepanz. Auf der einen Seite liessen Mirlind Kryeziu genauso wie Antonio Marchesano kaum Wünsche offen, während sich auf der anderen Moritz Leitner defensiv erneut sehr durchlässig entpuppte, sich in vielen Szenen regelrecht versteckte, notwendigen Zweikämpfen aus dem Weg ging und selbst bei gegnerischen Standardsituationen häufig nicht aufmerksam war. Nach vorne hatte der Bayer auch einzelne gute Aktionen dabei, aber auch zu “schlampige“ Zuspiele und unnötiges Verschleppen von Angriffen.

FCZ bei Standards in der Luft noch zu wenig gefährlich

Bei eigenen Standards kommt der FCZ in der Luft in den letzten Spielen zu selten zum Abschluss direkt aufs Tor. Auch dem grossgewachsenen Mirlind Kryeziu fehlt in der Regel das ideale Timing dafür. Vor dem Gegenstoss zum 1:3 durch Cabral (hatte den Ball selbst aus dem eigenen Strafraum befreit und netzte nach einem 80 Meter-Sprint ein) wurde Kryeziu zudem neutralisiert, da immer er von Guerrero gesucht wurde und deshalb der eingewechselte Burger Kryezius Manndecker Cömert zu Hilfe kam. Die offensive Stärke Mirlind Kryezius liegt immer noch in erster Linie im Spielaufbau.

Telegramm

FC Basel – FC Zürich 3:1 (1:0)
Tore: 34. Millar (Ndoye) 1:0; 73. Tavares (Ndoye) 2:0, 79. Marchesano (Penalty, Guerrero) 2:1, 82 Cabral (Fernandes) 3:1.
FCB – Lindner; Lopez (85. Lang), Cömert, Pelmard, Tavares; Frei (64. Burger), Xhaka; Ndoye (74. Fernandes), Males (64. Kasami), Millar (74. Stocker); Cabral.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu Aliti; Boranijasevic (74. Gogia), Doumbia, Leitner, Guerrero; Coric (57. Dzemaili); Marchesano, Ceesay (57. Gnonto).

Spitzenkampf? Beim Anpfiff noch nicht…

Historisch gesehen hat der FCZ gemäss den Daten von transfermarkt.ch (die bis vor den 2. Weltkrieg zurückreichen) gegen keine andere Mannschaft auch nur annähernd so häufig gewonnen wie gegen YB – 78 Siege (in 186 Partien) konnten gegen die unbestrittene Nummer 1 aus der Schweizer Bundesstadt schon gefeiert werden. Die Bilanz der letzten Jahre sieht hingegen deutlich schlechter aus. In der Meisterschaft vermochte der Limmatstadtklub gegen die Gelb-Schwarzen in mehr als vier Jahren kein Meisterschaftsspiel mehr zu gewinnen. Davide Chiumiento und Amine Chermiti trafen beim 2:1-Sieg Anfang August 2014. Im Letzigrund duellieren sich heute zwar der Zweite und der Erste der Super League-Tabelle – aber ist es wirklich auch ein Spitzenkampf? Bei 11 Punkten Rückstand nach nur 10 Runden? Man kann es so formulieren: beim Anpfiff von FIFA-Schiedsrichter Adrien Jaccottet um 19 Uhr ist es per se kein Spitzenkampf. Aber der FCZ kann im Optimalfall im Verlaufe der 90 Minuten dafür sorgen, dass es zu einem wird!

Verletzungsbedingt muss Trainer Ludovic Magnin auf Captain Victor Palsson verzichten. Dies ist umso mehr ein wesentliches Manko, als der Isländer in den letzten Wochen klar aufsteigende Form bewiesen und dem FCZ national und europäisch mit entscheidenden Defensiv- und Offensivaktionen einige Punkte mitbeschert hatte. Es kann gleichzeitig die Chance werden für den zur Zeit noch fraglichen Antonio Marchesano oder vielleicht sogar für Bledian Krasniqi. Interessant wird auch die taktische Ausrichtung zu beobachten sein. Beim ersten Duell der Saison im August agierten beide Mannschaften sehr risikovoll mit offenem Visier – was zu einem klaren Sieg für das Team mit der zur Zeit grösseren individuellen Qualität und vor allem weniger individuellen Fehlern führte. Vor der Nati-Pause vermochte der FC Luzern mit einem viel destruktiveren Konzept (und etwas Glück) in Bern zu gewinnen. Werden die Zürcher ihrer spielerischen Linie treu bleiben – oder gegen YB diesmal eine Ausnahme machen? Züri Live-Experte Toni Gassmann erinnert in einem bewundernswerten Anflug von Optimismus im Vorfeld der Partie daran, dass der FCZ zuletzt häufig gut aus einer Länderspielpause herausgekommen ist und dass Schaffhausen im Cup YB an den Rand einer Niederlage gebracht habe:

 

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