Autor: Lukas Stocker
FCB – FCZ 2:1
Zum zweiten Mal gegen Lichtsteiner / FCB – FCZ mit möglichen taktischen Formationen
Der FC Zürich trifft mit sechs sieglosen Speien im Rucksack im St. Jakob Park auf einen FC Basel mit drei Niederlagen in Folge in der Tasche. Speziell an diesen drei “Nullern“ unter dem neuen Trainer Stephan Lichtsteiner ist, dass sie innert einer Woche das Ausscheiden im Europacup, im Schweizer Cup und vielleicht auch im Titelrennen der Super League bedeuten. Der Rückstand auf Leader Thun beträgt nun immerhin schon 14 Punkte. Auch bereits 11 Punkte Rückstand hat der FC Zürich gegenüber dem heutigen Gegner. Für den FCZ stellt sich heute die Frage, ob er noch im Kampf um die Top 6 mitmischen kann, oder sich definitiv auf den Abstiegskampf fokussieren muss.
Matthias Phaëton zurück
Beim FCZ ist Mathias Phaëton wieder mit dabei, der sich vor 14 Tagen beim Torjubel nach dem 1:0-Führungstreffer gegen den FCB eine Spielsperre eingehandelt hatte. Dafür ist Philipp Keny gesperrt. Eine offene Frage ist, ob die Spielbewilligung für Alexander Hack bereits eingetroffen ist und ob er auch sonst bereits ready ist für einen Einsatz im neuen Team. Silas Huber soll wie in Bern wieder im Tor stehen. Beginnt zudem erneut Nelson Palacio? Oder wieder Miguel Reichmuth?

Transfer von FCZ-Talent Giacomo Koloto zu Basel sorgte vor 2 Jahren für Aufruhr
Neben Kevin Rüegg hat der FC Basel mit Giacomo Koloto neuerdings einen weiteren FCZ-Junior in der 1. Mannschaft im Einsatz. Auch die GC-Junioren Dion Kacuri und Marvin Akahomen haben unter dem neuen Coach Stephan Lichtsteiner bessere Einsatzchancen. Koloto war seit sehr jungen Jahren eines der herausragenden Talente im FCZ-Nachwuchs und war mit Jill Stiel Stammspieler an der U17-WM in Katar im November. Sein Transfer war einer von mehreren Abgängen von grossen Talenten aus dem FCZ-Nachwuchs, die in der Zeit vor der Amtsübernahme von Milos Malenovic aufgegleist worden waren. Als Reaktion begann der FCZ dann während der Malenovic-Amtszeit offensiv und frühzeitig langfristige Verträge mit den besten Talenten abzuschliessen – solche schmerzhaften Abgänge wie der von Koloto gab es unter Malenovic dann nicht mehr. In den letzten Jahren vorwiegend auf dem Flügel oder auf der Zehner-Position eingesetzt, wurde der junge Stadt-Zürcher beim Cup-Spiel in St. Gallen zur Pause für Albian Ajeti eingewechselt, und erzielte in seiner typischen Art per Kopf das zwischenzeitliche Ausgleichstor. Auf Trainer Stephan Lichtsteiner traf der FC Zürich diese Saison bereits im Cup, als man damals noch unter Coach Mitchell Van der Gaag mit dem 1.Liga-Spitzenteam auf dem Moos Probleme hatte. Stürmer Philippe Keny, der heute in Basel gesperrt ist, sah damals praktisch keinen Ball.

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Die Aussenbahnen bereiten Sorgen – FCZ-Kadersituation nach der 0:3-Niederlage bei YB
Es gibt kaum einen besseren Moment um auf YB und den FCB zu treffen als jetzt. Sowohl der eine wie auch der andere Krösus der Liga sind in einem Findungsprozess und mitten in Englischen Wochen. Trotzdem hat der FC Zürich die ersten zwei der drei Duelle verloren. Man scheint dabei als Grundthema immer wieder an den zu hohen Ansprüchen zu scheitern, die man gemessen an den Möglichkeiten an sich selber stellt: mit ablösefreien Verpflichtungen und ständig wechselnden Trainern, Sportchefs, Vereinsstrukturen und Taktiken einen Europacupplatz erreichen. Das Perfekte ist der Feind des Guten. Und dies während man gleichzeitig weiter in die Nachwuchs- und Frauenabteilung investiert – und mit Verkäufen von guten Spielern bei den Männern eine ausgeglichene Rechnung anstrebt. Eine Herkulesaufgabe für jeden Trainer. Man hatte im Sommer eine gute Mannschaft mit einem pragmatischen Trainer. Auch damit kann es in einer ausgeglichenen Liga gegen einen Gegner, der einen Super-Tag erwischt, mal eine 0:3-Derbyklatsche absetzen. Das muss man aushalten können.
Nun hat man nachdem erst der Trainer und dann der Sportchef gehen mussten in der Winterpause so viele gewichtige Abgänge zu verzeichnen wie seit der Abstiegssaison 15/16 nicht mehr. Das Flügelduo Markelo / Phaëton um welches den FCZ die halbe Liga beneidet hat, ist auseinandergerissen, Antreiber Steven Zuber weg. Qualitativ solide Spieler wie Mariano Gomez und Nemanja Tosic ebenfalls. Man spielt mit einer anderen Taktik als noch vor ein paar Monaten. Raumaufteilung, Spielweise und individuelle Qualitäten der Spieler sind phasenweise nicht aufeinander abgestimmt. Freude machten in Bern die Leistungen von Silas Huber, Daniel Ihendu und Cheveyo Tsawa. Auf den Aussenbahnen bahnt sich hingegen ein grosses Problem an.
Gesamteindruck nach dem 0:3 in Bern
Die Grundstruktur der Mannschaft wirkte erstaunlich stabil. Die beiden entscheidenden Gegentore zum 0:1 und 0:2 fielen auf individuelle Unkonzentriertheiten des in Bern zu nonchalant auftretenden Livano Comenencia. Man begann gut, hatte die erste Torchance durch Reverson. Dann versprang Comenencia im Mittelfeld ein Ball vom Fuss ohne dass er wirklich in Bedrängnis war. YB konterte schnell und traf mit Monteiro. Vom frühen Gegentreffer erholte man sich schnell. Nach zugegeben wenigen Torchancen in der 1. Halbzeit konnte man nach der Pause klar und deutlich einen Zacken zulegen. Bis zur 80. Minute war noch jeder Ausgang möglich. Dann spielte der erneut unkonzentrierte Comenencia einen Einwurf in den Rücken von Reichmuth – YB konterte zum zweiten Mal erfolgreich und traf mit dem eingewechselten Fassnacht. Junge Spieler wie Cheveyo Tsawa, Daniel Ihendu und Silas Huber übernehmen Verantwortung und gehen voran. Tsawa war bis zu seiner Auswechslung der beste Mann auf dem Platz, Ihendu und Huber brachten Stabilität.
Den Eindruck einer Mannschaft vor der sich die Gegner in Acht nehmen müssen, machte der FCZ in Bern allerdings nicht. in der Formtabelle der letzten fünf Partien liegt man zu Recht auf dem letzten Platz und verlor in Bern 0:3 gegen die Mannschaft, die in der Formtabelle auf dem zweitletzten Platz liegt. Selbst das aktuelle Prunkstück, der Sturm, performt nur in jedem zweiten Spiel gut. Man hat mehrere mässig besetzte Schwachstellen, ist nicht so eingespielt wie andere Teams – und immer noch auf der Suche nach der richtigen Taktik. Die meisten Partien kann man ausgeglichen gestalten und hätte fast immer ein Unentschieden verdient, kassiert dann aber regelmässig in den Schlussminuten noch einen entscheidenden Gegentreffer. Und es gibt selten Partien, die man hätte gewinnen müssen. Die letzte solche Partie war gegen Winterthur. Gerade auch aufgrund der Drei Punkte-Regel braucht man aber zumindest ab und zu einen Sieg.
Tabellensituation
Die Erwartungshaltung, dass diese Mannschaft um die Top 6-Plätze spielen müsste ist unrealistisch. Mit Thun, St. Gallen, Lugano und Basel sind vier Plätze der Top 6 schon vergeben. St. Gallen beispielsweise hat ein deutlich höheres Budget als der FC Zürich und ist in der Lage Spieler, teilweise sogar Stammspieler, direkt aus der Bundesliga zu holen – nicht MLS-Spieler, die früher mal Bundesliga gespielt haben. Nach zwei Sommertransferperioden unter Sportchef Milos Malenovic hatte man trotzdem ein stimmiges Team zusammen, welches das Ziel Top 6 zu Recht anpeilen konnte, und trotz Leistungsschwankungen insgesamt auf Kurs war. Mit der Freistellung des Sportchefs und dem damit verbundenen Umbruch mitten in der Saison geht es bis zum Ende der Spielzeit in dieser äusserst ausgeglichenen Liga um den Klassenerhalt. Je früher dies den Spielern und dem Staff klar wird, und man unterstützt von den Fans mit viel Motivation diese wichtige Aufgabe angeht, desto grösser die Chance auf Erfolg in dieser Mission. Ansonsten wird auch Winterthur noch zu einer Gefahr.
Taktik allgemein
Die Holländischen Trainer sind weg, Jahnoah Markelo ist verkauft – und damit auch das Flügelspiel. Unter Dennis Hediger spielt man wieder vorwiegend vertikal durch die Mitte, in der Eröffnung häufig mit hohen Bällen auf Philippe Keny. Was bleibt, ist das hohe Pressing. Dabei funktioniert die Formation mit einem Zehner hinter einem Sturmduo in den letzten Wochen jeweils deutlich besser als der Dreimannsturm. Es handelt sich bei Hedigers Dreimannsturm nicht um ein 4-3-3 mit breit an der Seitenlinie agierenden klassischen Flügeln, sondern um ein 3-4-3 in welchem die äusseren Stürmer auf den Halbpositionen agieren
Auf diesen Halbpositionen fühlt sich aber kaum einer der Stürmer wohl. Sowohl Keny wie auch Reverson, Umeh oder Nvendo hängen in dieser Rolle in der Luft. Nur der äusserst vielseitige Phaëton kann vorne alles spielen. Die grundsätzlich sich in Torlaune befindlichen Keny und Reverson sind als klassisches Sturmduo am stärksten – mit einem klassischen Zehner dahinter, der sowohl als „Staubsauger“ für die zweiten Bälle sowie auch als Quelle von Schnittstellenpässen fungiert – wie demjenigen von Krasniqi auf Phaëton beim frühen 1:0-Führungstreffer gegen den FCB.
Taktische Wechsel in Bern
YB, das sich in den letzten Jahren und speziell in dieser Saison immer mehr auf ein durch die Mitte angelegtes Konterspiel fokussiert hat, überraschte den FCZ zu Beginn der Partie mit unüblich breit an den Seitenlinien stehenden Flügeln Virginius und Monteiro in einem Dreimannsturm. Da der FC Zürich sich nicht auf eine Fünferabwehr zurückziehen wollte, sorgte dies in der Dreierabwehr taktisch für Probleme, weil so Vujevic und Kamberi auf die Seite gezogen wurden und Ihendu ganz alleine im Zentrum einen grossen Raum abdecken musste, in den Sanches oder Gigovic vorstossen konnten. Aus einer solchen Situation entstand auch das frühe 1:0 für die Berner und die Torchance für Gigovic im Strafraum.

Zur Pause stellte Hediger mit dem Wechsel Reichmuth für Vujevic auf eine Viererabwehr und einen Mittelfeld-Rhombus um und dies erwies sich als richtige Massnahme. Die Verteidigung wurde stabiler und gleichzeitig das Mittelfeld dominanter. Es war die beste Phase des Zürcher Spiels. Die Wechsel Umeh Emmanuel für Bledian Krasniqi in der 61. Minute und vor allem Nevio Di Giusto für Cheveyo Tsawa in der 72. Minute taten dem Zürcher Spiel dann aber nicht gut. Einerseits personell: es kamen zwei Spieler, die null (Umeh) oder fast keinen (Nevio) Einfluss aufs Spiel ausübten, für einen ordentlichen Krasniqi und einen dominanten Tsawa. Hediger scheint mehr oder weniger die gleichen Wechsel zum jeweils gleichen Zeitpunkt vorzunehmen – unabhängig davon ob diese Wechsel im konkreten Spiel Sinn machen oder nicht. Ausserdem agierte man ab der 61. Minute in einer äusserst seltsamen Variante eines 4-3-3 in welchem die Aussenstürmer auf den Halbpositionen agieren. Die Raumaufteilung stimmte nicht.
Die Situation im Sturm und auf der 10er-Position
Im Sturm ist die Situation weiterhin so vorteilhaft wie nie zuvor in den letzten Jahren. Dies ist auch einer der grössten Pluspunkte für den FCZ im Abstiegskampf: man hat mehrere torgefährliche Stürmer. Philippe Keny ist offensiv wie defensiv sehr wertvoll, Mathias Phaëton in Topform, und Damienus Reverson schiesst diese Saison in der Super League alle 109 Minuten ein Tor – und war auch in Bern beim Stand von 0:1 mit einem ansatzlosen von Marvin Keller stark parierten Weitschuss wieder nahe an einem Treffer. In manchen der letzten Saisons hätte der FCZ liebend gerne auch nur einen solchen Stürmer in seinen Reihen gehabt, von denen man nun drei zählt. Umeh Emmanuel ist ausser Form und aktuell eigentlich höchstens als Konterstürmer für die Schlussphase eine Option – wie in Genf, als er kurz vor Schluss allein vor Joël Mall in Unterzahl beinahe das Siegtor erzielte. Von Vincent Nvendo kommt nichts. Mit Top-Torschütze Din Ramic und Sekou Diawara gibt es in der U21 aber noch weitere interessante Kandidaten für die zwei Mittelstürmerpositionen – dazu nicht zu vergessen Damien Osborne nach der Rückkehr von seiner Sperre. Und Juan José Perea.
Auch auf der 10er-Postion hat der FC Zürich mehrere gute Optionen. Die beste fällt allerdings leider erst mal drei, vier Wochen angeschlagen aus. Nach seinen Top-Leistungen in der U21, an der U17-EM und bei seinem Teileinsatz gegen den FCB kann Jill Stiel mit seiner Übersicht, Klarheit und Zielstrebigkeit hier im Lauf des Frühlings eine wichtige Rolle einnehmen. Ricardo Rodriguez kam nach der jeweils im November stattfindenden U17-WM im März 2010 zu seinem ersten Super League-Einsatz – Jill Stiel 16 Jahre später nun schon etwas früher. Die zweite Option und aktueller Starter auf dieser Position ist Bledian Krasniqi – mit sieben Torvorlagen der beste Assistgeber des Teams. Er lieferte das Klasse-Zuspiel für Mathias Phaëton zum 1:0 in der Startminute gegen Basel, die Vorlage zum 1:1 Reversons in Genf, und bereitete auch die erste Torchance der Partie in Bern durch Reverson mit einem Aussenristpass vor. Krasniqi ist die dritte Saison in Folge bei den Skorerpunkten in den Top 3 des Teams – vorletzte Saison hinter Marchesano und Okita, dann hinter Chouiar und aktuell hinter Keny und Phaëton jeweils an dritter oder zweiter Stelle (auf gleicher Höhe mit Steven Zuber). Auch Miguel Reichmuth kann gut auf dieser Position spielen, und als vierte Option kommt auch noch Nevio Di Giusto in Frage, der aber noch einfacher und zielstrebiger agieren muss.
Die Situation im Zentrum
Cheveyo Tsawa (19) ist gesetzt. Einer der konstantesten Spieler beim FC Zürich mit grossen Offensiv- und Defensivqualitäten, schlägt die meisten Standards, und wenn er Verantwortung übernehmen kann, spielt er am besten. Diesen Frühling kann er beim FCZ mit guten Leistungen im Kampf gegen den Abstieg einen echten Impact erzielen. Als bestes Talent seit Ricardo Rodriguez wird der ziemlich sicher künftige Nationalspieler im Sommer wohl einen Wechsel zu einem Mittelfeld-Klub in einer Topliga vornehmen, möglicherweise gar oberes Mittelfeld. Miguel Reichmuth hatte seinen „Jour sans“ gegen Basel, kam in Bern zur Pause aber wieder verbessert zurück. Nelson Palacio ist nach seiner Innenbandverletzung, zugezogen bei einer heroischen Rettungsaktion im November in Sion, noch nicht in der Form des Herbstes. Weitere Optionen sind der zuletzt reifer gewordene Mohamed Bangoura und Aaron Tchamda. Eher nicht der Aufgabe gewachsen sind wohl zur Zeit Isaiah Okafor oder Cosimo Fiorini. Grundsätzlich können auch Krasniqi oder Stiel auf der Doppel-Sechs eingesetzt werden.
Die Situation auf der Aussenbahn
Ûberraschenderweise ist die Situation auf dieser Position am prekärsten. Überraschenderweise darum, weil man im Sommer auf diesen zwei Positionen eher überbesetzt war. Innerhalb von einem halben Jahr gab es nun aber die Abgänge von Mendy, Conceição, Tosic, Denoon, Guzzo, Rodic und Ligue. Einige Abgänge sind nachvollziehbar. Nemanja Tosic beispielsweise, der bei seinen wenigen Einsätzen im FCZ-Dress vorwiegend gute Leistungen gebracht hatte, hätte man hingegen durchaus halten können. Der 32-jährige Chris Kablan sollte Stabilität und Mentalität in das Team bringen, enttäuschte bisher aber. Und Livano Comenencia erwies dem Team in Bern sowohl vor dem 0:1 als auch dem 0:2 mit seinen Aussetzern einen Bärendienst. In Genf hatte Mathias Phaëton an Stelle Comenencias die linke Aussenbahn bespielt und dabei defensiv erstaunlich viel nach hinten gearbeitet. Trotzdem konnte Servettes Schlüsselspieler Stevanovic auf dieser Seite zeitweise ein Herrenleben führen.
Die Alternativen für die Aussenbahnen sind aktuell dünn gesät und nicht sehr vielversprechend. Für die Linke Seite scheint beim stark auf Körpergrösse und Körperbau achtenden Dennis Hediger Neil Volken weniger Kredit zu haben als unter Vorgänger Van der Gaag. Zuletzt sass dafür zwei Mal der ältere, grössere und weniger talentierte Sebastian Walker (20) auf der Bank. Die dynamischen Gabriel Roskovic (17) oder Valentin Beck (19) müssten sich vermutlich erst mal ein paar Spiele in der U21 beweisen, bevor sie im besten Fall im Verlauf des Frühlings eine Option werden könnten. Für die rechte Seite sass gegen Servette sogar der seit fünfeinhalb Jahren für die U21 spielende Lamberti-Klient Selmin Hodza (22) wieder mal auf der Ersatzbank – gegen den FCB und in Bern allerdings nicht mehr. Die Alternative zu Kablan für die Rechte Aussenbahn scheint aktuell Mittelfeldspieler Mohamed Bangoura zu sein, der nach Einwechslungen diese Position zuletzt häufiger gespielt hat. Im Prinzip wäre er aktuell wohl sogar besser als der bisher medioker auftretende Kablan. Grundsätzlich könnte auch noch Lindrit Kamberi auf der Rechten Aussenbahn spielen.
Die Situation in der Hinterreihe
Die Dreierabwehr Kamberi – Ihendu – Vujevic vom YB-Auswärtsspiel zeigt solide Leistungen. Auf der zentralen Position wurde erst David Vujevic, dann Jorge Segura und schliesslich Daniel Ihendu eingesetzt. Vujevic ist für diese Position mit seiner Schnelligkeit und Technik eigentlich am besten geeignet. Die Niederlage und Gegentore in Bern sind den drei nicht anzukreiden – sie entstanden aus Unzulänglichkeiten vor allem der Aussenläufer und teilweise auch des ohne Cheveyo Tsawa entblössten Zentralen Mittelfeldes. Da offenbar Jorge Segura auch noch auf dem Absprung ist, blieb nur der aktuell zum wiederholten Male in dieser Saison verletzte Ilan Sauter als grundsätzlich valabler Ersatz.
Der während seiner FCZ-Zeit sehr konstant agierende Mariano Gomez hätte dem FC Zürich in der Rückrunde durchaus noch helfen können. Beim Ungarischen Serienmeister Ferencvaros (zuletzt sieben Mal in Folge) kann Gomez im Frühling um den Meistertitel und Ende Februar den Europa League-1/16 Final gegen Ludogorets spielen. Zu den aktuellen Alternativen gehören neben Sauter die beiden gelernten Mittelfeldspieler Nelson Palacio und Isaiah Okafor, die beide auch in einer Dreierabwehr eingesetzt werden können. Der zu Beginn der Saison in der Innenverteidigung eingesetzte Gian Stork ist eher ein Mann fürs Defensive Mittelfeld. Aus der U21 kommen Leandro Schödler oder Ivan Kovacevic in Frage.
Mit Alexander Hack kommt nun ein grossgewachsener Linksfuss hinzu. Idealerweise sollte dieser für den verletzungsanfälligen Ilan Sauter auf der halblinken Position eingesetzt werden, weil er von da im Spielaufbau bessere Passwinkel hat, als aus einer zentralen Position. Ausserdem ist David Vujevic schneller, zweikampfstärker und daher der bessere „Ausputzer“. Auch Daniel Ihendu könnte als mittlerweile gute Alternative zu Vujevic in der zentralen Rolle agieren, mit Captain Kamberi auf halbrechts. Die Gefahr besteht allerdings, dass Hack aufgrund seiner altersmässigen Seniorität in der Mitte und Vujevic oder Ihendu halblinks eingesetzt werden, was für all Beteiligten suboptimal wäre. Auf jeden Fall ist die Dreierabwehr das bevorzugte System für Hack und mit ein Grund warum er zum FC Zürich kommt. Neben dem Fakt, dass er in der erweiterten Region (nahe Memmingen) aufgewachsen ist und Alemannisch parliert.
Die Situation im Tor
Silas Huber ist der formstärkere Torhüter mit deutlich mehr Potential als Yanick Brecher. Daher macht es Sinn, dass Huber weiterhin im Tor bleibt.
Transferprioritäten
Sorgen machen muss man sich beim FC Zürich um die Aussenbahnen. Sowohl offensiv wie auch defensiv kommt vom Duo Kablan / Comemencia deutlich zu wenig. Dies kann den FCZ teuer zu stehen kommen. Eine naheliegende Option wäre die vorzeitige Rückkehr von Leihspieler Mattia Rizzo (19). Dieser liegt als Stammspieler auf der Rechten Aussenbahn aktuell mit Lecco auf Platz 3 in der Serie C, Gruppe A. Er wäre auf jeden Fall besser als Chris Kablan. Und wie wärs mit einer Rückkehraktion von Adrian Guerrero (28) für die linke Seite? Jetzt wo der FC Zürich wieder mit Aussenläufern spielt, würde der Spanier wieder ins System passen. Er ist zudem ein Spieler, welcher dem Teamgefüge gut tut. In Ungarn fühlt er sich allerdings wohl – spielt aktuell beim Tabellenvierten Debrecen unter einem ihm bekannten Spanischen Trainer regelmässig, wenn auch nicht immer. Zweite Priorität neben den Aussenbahnen hatte die Verpflichtung eines Innenverteidigers, da die Auswahl auf dieser Position etwas dünn ist. Sinn machen würde hier ein erfahrener, grossgewachsener Mann mit ansprechender Technik. Und während der Fertigstellung dieses Artikels wurde genau dieser Wunsch mit Alexander Hack erfüllt.
YB – FCZ 3:0
Hoffnungsschimmer in der Torhüterfrage nach jahrzehntelanger Dürre
Der FC Zürich und die Torhüterausbildung im Nachwuchs war unter dem Strich über die ganze moderne Klubgeschichte hinweg ein Trauerspiel. Bei Nachbar GC konnte man in guten wie in schlechten Zeiten darauf bauen, dass immer wieder solide bis exzellente Goalies aus dem eigenen Haus den Sprung in den Profifussball schafften. Jahrzehntelang haben die Hoppers einen Nationaltorhüter nach dem anderen produziert. Zu dieser Serie gehören auch die aktuellen Nationaltorhüter der Schweiz (Gregor Kobel, BVB) und Kosovos (Arijanet Muric, Sassuolo, ex-Man City). Muric war im Alter von 10 Jahren kurz ein Jahr beim FCZ, wechselte dann aber schnell in den für Torhüter deutlich besseren Ausbildungsverein ennet der Gleise.
Von Grob bis Da Costa keine eigenen Torhüter mehr
Auf der Suche nach einem Nationaltorhüter aus dem FCZ-Stall muss man weit zurück blicken. In den 80er-Jahren kam Urs Zurbuchen auf zwei Freundschaftsländerspiele. Fast seine ganze Karriere spielte dieser allerdings für YB. Beim FC Zürich war er zuvor nicht am beim FC Küsnacht ausgebildeten Karl Grob vorbeigekommen, der einzigen echten Torhüter-Klub-Legende. Zurbuchen war in den zwei Jahrzehnten (!) mit Grob im Tor (1967 – 1987) nicht der einzige gute Ersatztorhüter gewesen. In jenen Jahren schien man auf dieser Position ein Luxusproblem zu haben. Das änderte sich in den Jahren nach der „Lebensversicherung“ Grob sofort. Seither arbeiteten gemessen an der Anzahl Länderspiele der FC Baden oder der FC Schaffhausen in der Torhüterausbildung erfolgreicher als der FC Zürich.
Beim FCZ musste man ab 1988 auf von extern verpflichtete Torhüter bauen. Diese waren manchmal illuster, häufig im Vergleich zur Konkurrenz aber auch unterdurchschnittlich: Knutti, Suter, Böckli, Mäder, Stiel, Shorunmu, Pascolo, König, Taini. Der Walliser Johnny Leoni hütete achteinhalb Jahre das FCZ-Tor und errang als Nr.1 drei Meistertitel – als solider Keeper hinter einer spielerisch überragenden Mannschaft (Raffael, César, Margairaz, Alphonse, Abdi, Djuric, Chikhaoui,…).. Nach ’06, ’07 und ’09 hätte es ohne das zwischenzeitliche Missverständnis Guatelli für Leoni 2011 auch noch ein vierter Meistertitel sein können. Als Nati-Kandidat galt er trotzdem nie.
Brecher war 2015 noch nicht ready
Ab 2012 setzte der FC Zürich auf der Torhüterposition dann auf Eigengewächse – erst drei Jahre lang auf Piu Da Costa, dann Yanick Brecher. Schon damals machte der FC Thun jeden Profi besser. Der ehemalige FCZ-Ersatzgoalie Da Costa konnte sich im Berner Oberland zwei Jahre lang zu einem verlässlichen Super League-Torhüter entwickeln, worauf ihn der FCZ zurückholte. Yanick Brecher war sein Ersatz. Torhütertrainer der 1. Mannschaft war damals erst Stefan Knutti und dann Christian Bösch. Ein wirklich guter Torhüter wurde Da Costa aber erst nach seiner zweiten FCZ-Zeit dank seinem Abstecher in die Serie B ins Torhüterland Italien. Dies zeigte sich danach auch bei seiner Rückkehr in die Schweiz beim FC Lugano. Brecher war in der Saison 14/15 in die Challenge League nach Wil ausgeliehen worden. Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten gelangen ihm dort im März 2015 vier Clean Sheets in Folge. Brecher wurde von der Leihe zurückgeholt und ersetzte per sofort Da Costa als neue Nr. 1.
Brecher war zu diesem Zeitpunkt aber bei weitem noch nicht ready für die Super League. Die Highlight-Videos aus den Partien mit Wil täuschten über seine Schwachpunkte hinweg, die damals jedem, der seine Spiele über 90 Minuten sah, aufgefallen sein mussten. Die Art und Weise wie er sich damals beispielsweise in Eins.gegen-Eins Situationen instinktiv schmal statt breit machte, um sich vor dem Ball zu schützen, hatte nichts mit Profi-Fussball zu tun. Es wäre sogar bei einer Amateur-Mannschaft bemängelt worden. Brechers Qualitätsmängel waren ganz wesentlich für den Abstieg in der Saison 15/16 mitverantwortlich. Mit dem Liga-Punkteschnitt des zweiten Torhüters Anthony Favre wäre der FC Zürich in jener Saison auf dem 6. Platz gelandet. Von den 22 Liga-Partien in denen Brecher im Tor stand, gewann der FCZ hingegen gerade mal drei. Mit Favre im Kasten wurde man in der gleichen Saison zudem auch noch Cup-Sieger – nach einem überdurchschnittlich schwierigen Programm mit vier Super League-Gegnern und klaren Auswärtserfolgen bei YB, Thun und Cup-Spezialist Sion. Inklusive Cup hatte Favre gar einen Punkteschnitt von 1,7, was in der Liga dem dritten Rang entsprach. Die Mannschaft erreichte diese Resultate mit dem Waadtländer im Kasten, obwohl dieser von seinen Fähigkeiten her nicht mehr und nicht weniger als ein guter Challenge League-Torhüter war. Er war ja auch wie später Zivko Kostadinovic als klare Nr. 2 vom FC Wil geholt worden und für diese Rolle geeignet.
Unter Taini steigert sich Brecher zum offensiv besten Super League-Keeper
Kurz vor Ende der Abstiegssaison holte sich Brecher im Training nach all den schlechten Leistungen auch noch einen Kreuzbandriss. Den Wiederaufstieg bewältigte der FC Zürich mit dem Lettischen Nationaltorhüter Andris Vanins zwischen den Pfosten. Mit dem Trainerwechsel von Uli Forte zu Ludovic Magnin wurde Brecher im Februar 2018 wieder zur Nummer Eins. Schon damals schien Brecher im Klub an höchster Stelle eine starke Lobby zu haben, was nach Forte sieben Jahre später auch Mitchell Van der Gaag schmerzlich erfahren musste, als dieser offenbar laut über einen Torhüterwechsel zu Talent Silas Huber nachdachte. Unter dem didaktisch geschulten Davide Taini als Torhütertrainer machte Brecher im Laufe der Jahre aber auch erhebliche Fortschritte. Von einem Sicherheitsrisiko wurde er erst zu einem mindestens durchschnittlichen Super League-Torhüter. In der Meistersaison 21/22 hatte er erstmals einen Züri Live-Notenschnitt von über 6 (auf einer Skala von 1-10) und gehörte zu den drei, vier besten Torhütern der Liga.

Offensiv wurde Brecher gar zum besten Torhüter der Liga und profitierte dabei sicherlich auch davon, dass er als Kind beim FC Männedorf erst Feldspieler gewesen war. Seine Ballverteilung war zeitweise exzellent. Und dies gleich dreifach: mit dem Rechten Fuss, mit dem fast gleich starken Linken Fuss – und dem schnellen Einleiten von Kontern mit weiten, präzisen Auswürfen. Diese Kombination ist sehr selten. Nach der Meistersaison unterschrieb Brecher einen Fünfjahresvertrag bis 2027. Unmittelbar darauf liessen seine Leistungen wieder etwas nach. Der FCZ kassierte unter Franco Foda nach Expected Goals-Statistik deutlich mehr Gegentore als aufgrund der Torchancen der Gegner hätten fallen sollen. Ein grosser Teil dieser Differenz war auf Brecher zurückzuführen. Es waren die faden Auftritte von Team-Leadern wie Brecher, Dzemaili und Marchesano, welche dem Österreichischen Coach schnell den Job kosteten und Nachfolger Bo Henriksen eine Herkulesaufgabe zur Rettung des Teams hinterliessen. Trotzdem gab es unter Foda zwischendurch ein Leistungs-Highlight. Yanick Brecher wurde im Europacup vom gefährlichen Angriffspressing von Bodö/Glimt auf Kunstrasen stark gefordert und bestand den Test mit hervorragend präzisen und scharfen Ballverteilungen über 30-40m während der ganzen Partie. Die Pressing-Bemühungen der Norweger verpufften so grösstenteils. Vor allem deshalb hatte der FC Zürich am Ende noch gute Chancen auf den 2:2-Ausgleich bei einem Gegner, der davor gleichenorts die AS Roma von José Mourinho mit 6:1 vom Platz gefegt hatte.
Generation Copperfield ist immer noch da
Aufgrund einer unaufschiebbaren komplizierten Operation von Davide Taini übernahm der bisherige Academy-Torhütertrainer Dean Santangelo dessen Position zuerst ad interim, und dann ganz. Zu Beginn konnnte Santangelo Brecher neue Impulse bringen. Die Saison 23/24 wurde mit einem Notenschnitt von 7,1 zu Brechers bester. In der darauffolgenden Saison 24/25 wurden seine Leistungen dann aber wieder deutlich schlechter. Und die Saison 25/26 begann mit einem in jeder Hinsicht lamentablen Auftritt gegen Sion. Auch wenn es zwischendurch dann auch wieder gute Leistungen gab: die Tendenz vor und nach der Winterpause zeigt weiter nach unten. Mittlerweile hat der FC Zürich mit der Verpflichtung eines neuen Torhütertrainers reagiert – Michaël Bauch kommt für Santangelo. Ausserdem soll U21-Natitorhüter Silas Huber im Wankdorf gegen YB zu seinem Début kommen.
Warum war der FCZ über Jahrzehnte so schlecht in der Torhüter-Entwicklung im Nachwuchs? Ein Grund dafür scheint zu sein, dass man sich zu lange an einem veralteten Stereotyp eines guten Torhüters orientiert hat. In den 80er- und 90er-Jahren waren es willensstarke Führungspersönlichkeiten, die lautstark und effektvoll ihre Vorderleute dirigierten – und mit spektakulären Paraden die eine oder andere „hundertprozentige“ Torchance entschärften. Und wenn sie den Ball nicht hielten, hechteten sie trotzdem spektakulär, so dass der Gegentreffer unvermeidlich schien und ganz sicher nicht dem Torhüter angekreidet werden konnte. Etwas Illusionskunst à la Devid Copperfield gehörte zum Goalie-Business dazu. Die Schweiz ist ein Land in welchem Goalies bei den Fans verschiedener Sportarten häufig am meisten geliebt und bewundert werden. Die Skepsis gegenüber dem kreativen Stürmerstar mit seinen Anflügen von neo-aristokratischer Attitüde verfliegt hingegen nie ganz. Da kann dieser noch so viele Tore schiessen. Der Torhüter ist hingegen nahbar. In dieser Rolle könnten sich viele Fans zumindest theoretisch irgendwie auch noch sehen.
Malloth und Heim kommen nicht an Brecher vorbei
Der moderne Torhüter ist aber hyperbeweglich und hat ein hervorragendes Positionsspiel. Er ist mit den Füssen am Ball technisch genauso gut wie die Feldspieler und kann auch konditionell einigermassen mit diesen mithalten. Seine Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen sind fast so gut wie die eines Profi-Tänzers. Er geht ins kognitive Training. Und ist zu 100% in die taktischen Ûberlegungen eingebunden. Ein Torhüterwechsel kann dazu führen, dass der Trainer die Taktik ändern muss. Es handelt sich hier nicht per se um eine Stilfrage – moderne Torhüter sind einfach besser. Der erste moderne Schweizer Torhüter war GC-Junior Diego Benaglio. Dieser begann seine Profikarriere vor 25 Jahren. Torhüter alter Schule gibt es trotzdem immer noch ein paar wenige. Einer davon trägt seinen Teil dazu bei, dass in der Challenge League Yverdon Sport mit Antonio Marchesano langsam aber sicher den Anschluss an die Tabellenspitze verliert.
Beim FCZ sah man bis vor kurzem im Vergleich zu anderen Schweizer Akademien bei den Nachwuchs-Torhütern von Jahr zu Jahr wenig Entwicklung. Und Torhüter alter Schule wurden gegenüber modernen Goalies auf allen Stufen häufig bevorzugt. Beispiele für Torhütertalente mit modernen Attributen, die es immerhin kurzzeitig bis auf die Position des 3. Torhüters der 1. Mannschaft schafften, waren Andres Malloth oder Calvin Heim. An Yanick Brecher kamen sie aber nicht vorbei. Dieser war zu Beginn seiner Zeit in der 1. Mannschaft vorwiegend ein Torhüter alter Schule. Zum weitgehend modernen Torhüter wurde er erst während seiner Zeit bei den Profis, quasi auf dem zweiten Bildungsweg. Nach Jahren in denen die Torhüterposition ein Schwachpunkt war, konnte er von 2021 bis 2024 der Mannschaft ein guter Rückhalt und erster Aufbauspieler sein. Wenn es ihm aber nicht so läuft, wie jetzt schon mehr oder weniger seit anderthalb Jahren, drücken bei Brecher die eigentlich wegtrainierten alten Gewohnheiten wieder durch.
Was für ein Torhüter ist Silas Huber?
In den letzten zweieinhalb Jahren hat sich beim FCZ nun aber im Nachwuchsbereich einiges getan – und das betrifft auch die Torhüter. 2023 kamen erst Yevhen Morozov (heute 18, aus der Ukraine, Arsenal Kiev) und dann Silas Huber (heute 20, vom FC Aarau) zum FC Zürich. Beide waren schon gut als sie kamen, aber im Gegensatz zu früheren Jahren entwickelten sich die zwei Torhütertalente in ihrer Zeit im FCZ-Nachwuchs bis heute stark weiter. Silas Huber war beispielsweise mit den Füssen noch nicht gut, als er zum FCZ kam. Heute ist es eine seiner grössten Stärken. Nicht nur das: mit Tyrese Pinthus (17) gibt es mittlerweile gar noch ein weiteres Torhütertalent, das ebenfalls sehr modern spielt und sich sich in den letzten zwei Jahren gut entwickelt hat.
Silas Huber ist ein gut ausgebildeter junger Torhüter aus dem Bilderbuch. Er zeichnet sich durch aussergewöhnliche Reflexe aus, kann das Speil sehr gut lesen und ist wie erwähnt gut am Ball. Vergleicht man den 20-jährigen Silas Huber mit dem 20-jährigen Yanick Brecher, ist Huber um Längen besser. Der Vergleich mit Brecher in dessen bester Saison 23/24 wäre ausgeglichener. Nur ist dieser von der Form von damals weit entfernt. Und Huber hat viel mehr Potential, sich mit der Erfahrung auf Super League-Niveau noch weiter zu verbessern. Brecher ist dafür bekannt, dass er in den letzten Jahren zum regelmässig hoch stehenden, mitspielenden Torhüter geworden ist. Huber ist diesbezüglich noch etwas forscher. Er kann in der Regel gut einschätzen, wann er sich einbringen sollte und wann eher zurückziehen. Beim entscheidenden letzten Spiel der U21 im Mai gegen Basel U21, als das Team von Dennis Hediger mit einem 3:0 den Klassenerhalt schaffte, ging Huber in der 78. Minute beim Stand von 2:0 aber zu viel Risiko. Nach dem Foul als letzter Mann vor dem Strafraum musste er vom Platz. Miguel Reichmuth erzielte in Unterzahl dann noch das 3:0.
Einfluss des Torhüterwechsels aufs Mannschaftsgefüge und Transfers
Wie wird sich der Torhüterwechsel auf das Mannschaftsgefüge auswirken? Wie gross der (positive) Einfluss Brechers auf die Mannschaft tatsächlich ist, ist schwierig abzuschätzen. Aus der Distanz wirkt er sowohl gegenüber den Jungen wie auch den ausländischen Spielern eher distanziert und nicht wirklich beschützend. Die Situation ist sicherlich eine Chance für einen Lindrit Kamberi, aber auch Cheveyo Tsawa oder David Vujevic sich noch stärker einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Philippe Keny ist sowieso in jeder Hinsicht ein Spieler, der auf dem Platz als Vorbild vorangeht und sicherlich nicht zufälligerweise bereits dritter Captain. Der erfahrene Chris Kablan ist als Unterstützung ebenfalls mit an Bord. Mit einem weiteren Transfer einen „erfahrenen Leader“ ins Team zu holen, kann auch sehr gut ins Auge gehen. Den beiden letztjährigen Wintertransfers und designierten Leadern Jean-Philippe Gbamin und Benjamin Mendy unterlief beiden in fast jeder Partie ein fataler Fehler, der zu einem Gegentor führte. Dasselbe mit Sommertransfer Milan Rodic. Viel Erfahrung bringt nicht automatisch Stabilität. Denn solche Spieler sind in der Regel nur dann bereit zu einem Verein wie dem FC Zürich zu kommen, wenn sie dies für ihren persönlichen Aufbau, beispielsweise nach einem längeren Ausfall, unbedingt benötigen. Sie wirken dann jeweils auch nicht wirklich in der Mannschaft integriert. Eine Ausnahme war Steven Zuber, auch wenn es selbst bei ihm viele Ups und Downs gab. Auf der anderen Seite würde es sicherlich ganz allgemein Sinn machen, noch einen guten Innenverteidiger oder Defensiven Mittelfeldspieler zu holen – je nachdem wo Nelson Palacio hauptsächlich eingeplant ist – und eventuell einen Linken Aussenläufer.










