Autor: Lukas Stocker
SFC – FCZ 2:1
Kaderplanung wie bei einer 5.Liga-Truppe / SFC – FCZ mit möglichen taktischen Formationen
Es ist wahrlich keine neue Erkenntnis: der FCZ hat seit der Winterpause grosse Probleme auf den Aussenverteidigerpositionen. Ein Grossteil der Gegentore plus zwei frühe Platzverweise gingen in den letzten Wochen auf schlechtes bis miserables Abwehrverhalten und unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung von Chris Kablan, Livano Comenencia und Lindrit Kamberi zurück. Dies hat sich in der 1. Halbzeit gegen Lausanne-Sport einmal mehr gezeigt. Kablan trat gegen Omar Janneh und Co. einmal mehr in der Rolle als Tourist auf – oder vielleicht eher als hilfsbereiter Fremdenführer durch die Zürcher Platzhälte? Um wenigstens etwas Stabilität auf die rechte Abwehrseite zu bringen, musste Trainer Hediger zur Pause den zentral wichtigen Cheveyo Tsawa auf die Rechtsverteidigerposition verschieben. Dies hatte tatsächlich eine gewisse stabilisierende Wirkung, ist aber für die FCZ-Transferpolitik der Winterpause eine Bankrotterklärung. Dies zumal zusätzlich auch noch die Aussenverteidigerposition nicht zu den gut besetzten Positionen im Nachwuchs gehört.
Aussenverteidiger-Abgänge Rodic und Tosic schlagen bei neuen Klubs ein
Derweil schiesst der in der Winterpause abgeschobene FCZ-Aussenverteidiger Milan Rodic seinen Stammklub OFK gegen das Spitzenteam Partizan mit einem Doppelpack zum Derbysieg. Nemanja Tosic hat Anorthosis Famagusta sofort defensiv stabilisiert. Dank nur einem Gegentor in den letzten vier Meisterschaftpartien klettert der seit Jahrzehnten im Exil in Larnaca domizilierte Zypriotische Traditionsklub Schritt für Schrit aus der Abstiegszone.-Derweil Chris Kablan im Herbst schon beim Zypriotischen Abstiegskandidaten Akritas Chlorakas defensiv neben den Schuhen stand – und diesen Eindruck in Zürich fortsetzt. Der sowieso eher nonchalant veranlagte Livano Comenencia liess sich seit der Winterpause bis zu seiner Verletzung zu noch mehr entscheidenden Unkonzentriertheiten hinreissen als zuvor. Lindrit Kamberis Auftritte als Captain waren schwankend und endeten zwei Mal in einer frühen Roten Karte.

Sebastian Walker hatte auf der linken Seite in Bern einen tadellosen Teileinsatz. Gegen Lausanne-Sport war es okay – die offensive Abstimmung mit Ivan Cavaleiro passte aber nicht, weil der Portugiese jeweils den Ball zu lange am Fuss führte, und damit den jungen Walker in die Bredouille brachte. Neil Volken ist verletzt, hat davor in dieser Saison aber auch noch keine Bäume ausgerissen. Eine Leihe in die Challenge Lrague wäre für ihn sicherlich die bessere Variante gewesen. In der U21 kommt der bereits 20-jährige gelernte Mittelfeldspieler Doron Lichtenstein nur darum regelmässig zum Einsatz, weil er bereit ist, die Position des Rechtsverteidigers / Rechten Aussenläufers zu bekleiden. Auf Promotion League-Niveau kann er mit seinem Einsatz die Mankos bezüglich Talent und fehlender Spezialisierung einigermassen ausgleichen. Mohamed Bangoura wurde sowohl in der 1. Mannschaft wie auch in der U21 zuletzt ebenfalls jeweils auf die Seite verschoben. Derweil Selmin Hodza den Schritt zu einem Challenge League-Klub spätestens letzten Sommer, wenn nicht vorletzten Sommer verpasst hat.
Seit mehr als einem Jahr torloser Perea verschuldet Lausanner Siegtreffer
Für Rechtsverteidiger Yuro Bohon kam hingegen als letztjähriger U21-Ergänzungsspieler die Leihe in die Challenge League nach Wil zu früh. Valentino Longo wiederum wechselte zu GC. Fazit: die Aussenverteidigerposition ist im heutigen Spitzenfussball mindestens so wichtig wie alle anderen Positionen. Beim aktuellen FCZ ist sie hingegen qualitativ und quantitativ unterbesetzt. Und etwas wie in einer 5.-Liga-Amateurtruppe werden die „schwächeren“ Zentralen Mittelfeldspieler und Innenverteidiger auf diese Position abgeschoben. Bereits nicht mehr ganz junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Sebastian Walker und Pirosch Fischer, die selbst in der U21 nie gänzlich überzeugen konnten, werden als Notnagel für die 1. Mannschaft (zurück)geholt. Servette hatte auf der Rechtsverteidigerposition diese Saison lange Zeit ebenfalls ein Problem. Talent Loun Srdanovic verletzte sich und Théo Magnin fiel in ein tiefes Leistungsloch (mittlerweile transferiert zu Red Star nach Paris). Die Lösung soll nun der von Fortuna Sittard gekommene Houboulang Mendes sein, so dass auch U21-Captain und Innenverteidiger Téo Allix da nicht mehr zwingend aushelfen muss.

Auf der linken Seite ist man bei Servette hinten mit Lilian Njoh (einem der besten Assistgeber der Liga) und Bradley Mazikou sowieso doppelt besetzt – und davor auf dem LInken Flügel hofft man mit dem von Almere City ausgeliehenen Junior Kadile zumindest temporär einen Ersatz für den im Sommer nach Griechenland abgewanderten Dereck Kutesa gefunden zu haben. Der Linke Flügel des FCZ, Ivan Cavaleiro, brachte in seinen ersten 120 Minuten im FCZ-Dress kein Bein vor das andere. Nach der Halbzeitpause gegen Lausanne vermochte er erstmals zumindest offensiv zwei, drei sehr gute Aktionen zu zeigen – mit einer Flanke auf Philippe Keny und dem Tor per Direktabnahme zum zwischenzeitlichen 1:1. Vom Sturmduo Keny / Reverson kam hingegen gegen die Waadtländer eher wenig. Der eingewechselte Juan José Perea wiederum machte vor mehr als einem Jahr (!) in Sion seinen letzten Skorerpunkt im FCZ-Dress. Gegen Lausanne-Sport war der Kolumbianer wesentlich für das späte 1:2 mitverantwortlich, da er beim Custodio-Eckball Gegenspieler und Torschütze Karim Sow zu schlampig bewachte.
Live Radio
SFL Telegramm
FCZ – LS 1:2
YB – FCZ 3:0
Neue Chance einen Monat danach / YB – FCZ mit möglichen taktischen Formationen
Aussergewöhnliche Situation in der Super League: genau ein Monat nach dem 3:0 von Young Boys gegen den FC Zürich treffen die beiden Teams erneut im Wankdorf aufeinander. Gemeinsam haben YB und der FCZ, dass sie schon sehr lange nicht mehr gegen einen Gegner der oberen Tabellenhälfte haben gewinnen können. Beim FCZ war dies der Auswärtssieg gegen St. Gallen am 6. Dezember – für YB liegt ein solches Erfolgserlebnis sogar noch weiter zurück – am 9. November, ebenfalls bei den Ostschweizern. Im Direktduell mit dem FC Zürich vermochten die Berner zuletzt vier Mal in Folge zu gewinnen. Die letzte Niederlage resultiert vom März 2024. In der Tabelle liegen die Gelbschwarzen fünf Punkte vor dem heutigen Gegner „über dem Strich“.
Ein Spiel im Zeichen von Valon Berisha
Zuletzt hat Trainer Dennis Hediger die taktische Formation wieder vermehrt dem Gegner angepasst, nachdem er sich zuvor auf ein 3-4-1-2 / 3-4-3 festgelegt hatte. Schaut man sich die letzten Begegnungen an, scheint dies eine sinnvolle Massnahme zu sein. In Bern verlor man ohne wesentliche Anpassung an den Gegner klar mit 0:3. In Basel passte man sich an, machte ein gutes Spiel und war bis zur 90. Minute 1:0 in Führung. Dies behielt man gegen den FC Winterthur bei und gewann das Kantonsderby 3:0. Gegen Luzern versuchte man es dann mit der in Basel und gegen Winterthur gut funktionierenden Viererabwehr und lief gegen das Vertikalspiel der Innerschweizer „in den Hammer“. Daraus zog man seine Lehren und stellte gegen das ähnlich wie Luzern agierende GC wieder auf Dreierabwehr um.

Daher kann gegen YB vermutet werden, dass wieder zurück auf eine Viererabwehr umgestellt wird, da dies gegen diesen Gegner vermutlich besser funktioniert – was vor einem Monat auch die 2. Halbzeit gezeigt hat, in der man deutlich besser im Spiel war. Es stellen sich vor dieser Partie aber noch weit tiefer gehende Fragen: Wird Valon Berisha nach dem von ihm miterlebten tödlichen Unfall seines Cousins vor einer Woche in Bern dabei sein? Wird der FCZ mit Trauerflor antreten? Beim gestrigen 2:1-Sieg im Tessin gegen den FC Paradiso waren Alessio Lebrino, Sebastian Walker, Aaron Tchamda, Jill Stiel und Sekou Diawara nicht dabei. Daher könnte der eine oder andere aus dieser Gruppe im Wankdorf mit von der Partie sein.
YB setzt auf teure Neuzugänge
YB will mit den für Super League-Verhältnisse teuren Neuverpflichtungen Essende, Bukinac und Valery eine bessere Phase einleiten. Die Zuschauerzahlen sind im Wankdorf zuletzt stark gesunken. Im Vergleich zu vor einem Monat wird Christian Fassnacht diesmal wohl von Beginn weg auflaufen. Joël Monteiro könnte Alan Virginius ersetzen. Und Sandro Lauper könnte Trainer Gerardo Seoane wieder mal auf seiner angestammten Position im Zentralen Mittelfeld für den sehr volatilen Armin Gigovic starten lassen.










