61 Millionen Transfererlös – Schweizer Klubs werden zu Spielerhändlern

Der FC Basel stösst mit dem Geschäftsjahr 2016 finanziell für Schweizer Verhältnisse in neue Dimensionen vor. An der gestrigen Bilanzpressekonferenz präsentierte der Verwaltungsrat Finanzen Stephan Werthmüller eine Umsatzzahl von 132 Millionen Schweizer Franken! Dies sind nochmal 27 Millionen mehr als beim bisherigen Rekordergebnis vor zwei Jahren, welches Werthmüller damals noch für nicht mehr übertreffbar hielt. Zum Vergleich: der FCZ hat 2015 einen Umsatz von 22,5 Millionen ausgewiesen. Das sind nicht 20, 30 oder 50% weniger, sondern es geht um den Faktor 6. Für den FCZ ist ein FC Basel zur Zeit genauso in einer anderen finanziellen Dimension wie in die andere Richtung ein FC Schaffhausen oder der nach dem Abgang des Türkischen Besitzers redimensionierte FC Wil. Winterthur, Xamax, Servette oder Aarau sind hingegen näher beim FCZ als der FCB.

Welche Schlüsse können Schweizer Klubs aus diesen Zahlen ziehen? Das Rekordergebnis verdankt der FCB den kürzlich abgeschlossenen TV-Verträgen in Deutschland und England. Durch diese stossen die dortigen Klubs finanziell in neue Sphären vor. Ein Teil dieses Geldes landet durch den «trickle down»-Effekt über den Transfermarkt in der Schweiz und anderen kleineren und mittleren Fussballländern. Die Transfereinnahmen machen für das Jahr 2016 rekordhohe 61 Millionen aus! Damit ist die auf Züri Live vor 8 Monaten berechnete Kennzahl von 1/3 bezüglich dem Anteil der Transfereinnahmen am Umsatz bei den Schweizer Topausbildungsklubs FCZ, GC und FCB zumindest für letzteren bereits wieder obsolet. Es ist nun beinahe die Hälfte! Auch die Transferausgaben des FCB sind mit 23 Millionen (für Spieler wie Balanta, Sporar, Elyounoussi und auch Bua vom FCZ) im Jahr 2016 so hoch wie noch nie gewesen.

Die Schweizer Fussballklubs werden de facto noch mehr als bisher zu Spielerhändlern und Spielerentwicklern. Auch wenn mercato-transfersdie Haupttätigkeit immer noch aus dem Bestreiten der nationalen und internationalen Wettbewerbe besteht, hat die wichtigste Quelle des Umsatzes wie in jeder anderen Branche natürlich einen wesentlichen Einfluss auf die getroffenen Entscheide – auch in sportlichen Belangen. Für die jungen Talente ist das gut. Die Trainer werden von ihrer Klubführung noch mehr dazu angehalten werden, im Zweifelsfall auf die Jungen zu setzen, weil nur diese die den Klub finanzierenden Transfersummen generieren können. Der sportliche Erfolg in Form von Meisterschaften und Cupsiegen wird in Zukunft noch mehr als bisher davon abhängen, wie gut es die Klubleitungen schaffen, an den Milliarden-Umsätzen der Top 5-Ligen direkt oder indirekt zu partizipieren. Dass die Wichtigkeit der Spielertransfers weiter zunimmt, ist für den FCZ positiv. Denn in diesem Bereich ist der Letzigrundklub erfolgreicher, als Konkurrenten wie St.Gallen oder Luzern.

Das Timing spielt bei den Abgängen nicht nur aus Spieler-, sondern auch aus Klubsicht eine entscheidende Rolle. Wechselt der Spieler zu früh, kann man weder sportlich noch finanziell die Früchte von dessen Ausbildung in angemessenem Ausmass ernten. Wechselt er zu spät, verstopft er die «Pipeline» für nachrückende Talente. Dass ein grosser «Talente-Umschlag» nicht zwingend schlecht für die sportlichen Resultate sein muss, beweisen seit Jahren Klubs wie Porto oder Benfica. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Talente-Pipeline gut gefüllt, und die 1.Mannschaft hervorragend geführt ist.

Die Transfereinnahmen werden zunehmend auch erst Jahre nach dem eigentlichen Verkauf des Spielers generiert. Dank «gut formulierten Verträgen», wie sich Werthmüller ausdrückt, hat der FC Basel diesen Sommer mit den Weiterverkäufen von Aleksandar Dragovic von Dynamo Kiev zu Bayer Leverkusen, und vor allem Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach zu Arsenal geschätzt 15-20 Millionen Franken verdient. Es hilft zusätzlich, wenn sich am anderen Ende der Transferkette ein professionell geführter internationaler Grossklub wie Arsenal befindet. Bei solchen Klubs muss man manchmal als Schweizer Verein nicht einmal seine Ansprüche anmelden. Diese nehmen sogar von sich aus Kontakt mit Ex-Vereinen auf, um die in der Vergangenheit von Drittparteien ausgehandelten Vertragsklauseln zu erfüllen, wie Werthmüller ausführt. Zudem habe er in seiner ganzen Amtszeit nur ein einziges Mal bei einem Klub Druck machen müssen, damit das Geld überwiesen wird. Die allfälligen Sanktionsmöglichkeiten über die FIFA oder UEFA seien gross, was international die Zahlungsmoral hochhält.

Die in der Schweiz auf die nächste Saison hin erhöhten TV-Gelder werden vor allem kleineren Klubs helfen, über die Runden zu kommen, bleiben für die grösseren Vereine hingegen weiterhin nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Zuschauer im Stadion hingegen sind in der Schweiz trotz steigender Transfererlöse nicht nur moralisch, sondern auch finanziell ultimativ wichtig. Nicht nur wegen der Ticket-, Catering- und Merchandisingeinnahmen, sondern auch aufgrund der positiven Zusatzeffekte aufs Sponsoring. In diesem Bereich macht beispielsweise YB mit seinen zahlreichen Aktionen und Aktivitäten zur Gewinnung und Pflege der verschiedenen Zuschauergruppen vieles richtig. Die Stadionzuschauer sind neben der Talententwicklung und guten Führung der 1.Mannschaft die Basis für künftige Erfolge von Schweizer Fussballklubs. 

Graphik: Khalil-aich7 (CC BY-SA 4.0) 

50% von Buffs Freistössen in Strafraumnähe führen zu einem Tor: Wil – FCZ Stats, Performance und Spielinfos

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Oliver Buff war in seinem 74 Minuten-Einsatz in Wil an allen drei in dieser Zeit erzielten Treffern als Torschütze oder Passgeber beteiligt. 50% seiner Freistösse in Strafraumnähe führten zu Toren. Dazu trug der Zürcher Offensivmann zur Vorbereitung von sieben der insgesamt 12 FCZ-Torchancen der Partie bei. Ebenfalls aussergewöhnlich für diese Saison ist, dass Buff diesmal alle Standards in Strafraumnähe trat: vier Freistösse und fünf Eckbälle. Kein Wunder also, dass Buff zum neunten Mal in dieser Saison und damit beinahe in einem Drittel der Spiele zum Züri Live-Most Valuable Player gewählt wurde.

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Weder die Torpremiere von Mirlind Kryeziu, noch diejenige durch Raphael Dwamena kam überraschend. Offensiv lässt Kryeziu für einen Innenverteidiger wenig Wünsche offen, defensiv ist er sicherlich noch verbesserungsfähig, wurde gegen Wil aber noch weniger geprüft, als gegen Xamax. Dwamena agierte weniger auffällig, als noch gegen Xamax. Gilles Yapi und Burim Kukeli sind wieder da! Und ein grosser Pluspunkt im Zürcher Spiel. Adrian Winter und Moussa Koné (diesmal in der Rolle als zweite Sturmspitze neben Cavusevic) brachten Schwung in der 2.Halbzeit. Über die Aussenspieler konnte sich der FCZ nicht wie gewünscht in Szene setzen – viele Aktionen waren im Ansatz gut, wurden aber nicht konsequent zu Ende gespielt.

 

François Marque im Dienste seiner Königlichen Hoheit (Le Mont-Serie, Teil 5)

Die Le Mont-Saga geht in die nächste Runde. Nach seiner Kampfsporteinlage im Letzigrund gegen Alain Nef hatte man es fast vermuten können: François Marque wurde von seiner Königlichen Hoheit rekrutiert! Allerdings nicht von Queen Elizabeth II für den MI6, sondern von Haji Al-Muhtadee Billah Ibni Sultan Haji Hassanal Bolkia Mu’izzaddin Waddaulah, Kronprinz von Brunei, für den Brunei DPMM. Das ist ein Fussballteam benannt nach seiner Königlichen Hoheit himself, welches an der S.League, der obersten Liga von Singapur, teilnimmt, die aus 9 Mannschaften besteht. Singapur ist ein Stadtstaat in welchem sich die Einwohnerzahl der Deutschschweiz auf die Fläche des Kantons Glarus quetscht. In Brunei hat es mehr Platz – die Einwohnerzahl des Kantons Luzern verteilt sich auf die Fläche des Kantons Bern.

Wie in den meisten Weltregionen sind die Kleinstaaten Singapur und Brunei wirtschaftlich weiter entwickelt, als ihre grossen Nachbarländer, und gehören zusammen mit Katar, der Schweiz, Norwegen oder Luxemburg zu den reichsten Ländern der Welt. Singapur ist das wichtigste Handelszentrum Südostasiens, Brunei nutzt seine Öl- und Gasvorkommen. Die neue Heimat von François Marque ist auf der Insel Borneo gelegen, die zum grössten Teil zwischen Malaysia und Indonesien aufgeteilt wird.

Für zwölf Meisterschaftspartien pro Saison werden Singapurische Teams im 28’000 Fans fassenden Nationalstadion empfangen, zwölf Mal fliegt die Mannschaft ins mehr als 1’200 Kilometer entfernte Singapur. Nach seinem Probetraining in Brunei in der Winterpause kam François Marque erst mal wieder in die Schweiz zurück. Nachdem Le Mont-Trainer Dragani die ganze Winterpause durch mit Viererabwehrkette gespielt hatte, wechselte er mit der Rückkehr von Marque auf das letzte Testspiel in Nyon hin wieder zurück auf Dreierabwehr, und spielte auch mit dem Franzosen so beim Rückrundenauftakt in Wil (0:0). Dann wurde der Wechsel nach Brunei aber doch noch schneller als erwartet vollzogen, als bekannt wurde, dass sich Marque beim Vorspielen gegen acht Mitbewerber durchgesetzt hatte.

Ab dem darauffolgenden Heimspiel gegen Chiasso (2:1) ist ohne Marque bei Le Mont wieder die Viererkette Trumpf, was den Waadtländern zuletzt in Aarau trotz Überzahl beim 2:4 erstmals in dieser Saison vier Gegentreffer einbrockte. Marques neues Team besteht zu grossen Teilen aus Spielern der Brunei-Nationalmannschaft. Dazu kommen sechs Spieler mit einem europäischen Pass. Mit 28 Jahren der jüngste dieser Legionäre ist der Italo-Brasilianer Rafael Ramazotti dos Quadros – beim FCZ unter Trainer Urs Fischer im Frühling 2012 mit drei Teileinsätzen in der Super League aktiv. Als letzjähriger Topskorer der S.League durfte er bei Brunei DPMM bleiben.

Le Mont-Serie, Teil 1 (Wintervorbereitung, Simonyan und Cabral)

Le Mont-Serie, Teil 2 (Interview mit Artjom Simonyan)

Le Mont-Serie, Teil 3 (Anthony Favre)

Le Mont-Serie, Teil 4 (Bye Bye, Baulmes)

Wil – FCZ 0:4 Highlights und Spielbericht

Mirlind Kryeziu und Raphael Dwamena erzielen in Wil ihre ersten Tore für die 1.Mannschaft des FCZ. Die Limmatstädter gewinnen auch dank einem Tor und zwei Assists von Oliver Buff. Die Spielminute, die Position des Freistosses und auch die Art und Weise des Schusses beim 1:0 ähnelten sich stark dem Führungstreffer Buffs an gleicher Stätte beim ersten Aufeinandertreffen im Juli. In den ersten 20-30 Minuten konnte Wil vor mehr als 3’000 Zuschauern im Bergholz gut mithalten, liess danach aber stark nach. Roberto Rodriguez bestätigte nach der Partie gegenüber Züri Live, dass man den Wiler Spielern die ungemütliche Situation im Verein auf dem Platz angemerkt habe. Der erste Rückrundensieg ist daher sicherlich erfreulich, aber der Gegner war an diesem Tag im Gegensatz zu den ersten beiden Rückrundengegnern nicht ein echter Gradmesser.

FC Wil – FC Zürich 0:4 (0:1)

Tore: 40. Dwamena (Buff) 0:1; 62. Buff (Winter) 0:2, 68. Kryeziu (Buff) 0:3, 84. Winter (Koné) 0:4.

Wil: Deana; Ozokwo (29. Stadelmann), Ajeti, Bühler, Huber; Vonlanthen (70. Fazli), Stillhart, Lombardi, Mlinar, Bottani (50. Maroufi); Roux.

FC Zürich: Vanins; Stettler, Nef, Kryeziu, Kempter; Schönbächler (46. Winter), Kukeli, Yapi, Rodriguez; Buff (74. Koné), Dwamena (66. Cavusevic).

Mirlind Kryeziu auch in Wil dabei

Der FC Zürich peilt morgen beim FC Wil den ersten Rückrundensieg an. In den Gesprächen mit Spielern oder Trainerstaff war in den letzten Monaten das 1:1-Unentschieden vom 30.Juli ein immer wiederkehrendes Thema. Es waren nach der 1:0-Führung durch einen herrlichen Buff-Freistoss diejenigen Punktverluste, welche die Mannschaft wohl am meisten gewurmt haben. Der Wille, beim zweiten Duell in der IGP Arena die drei Punkte zu holen, ist deshalb gross. Damals hatte der FCZ auf dem noch vor Spielbeginn gewässerten Kunstrasen in der 1.Halbzeit Mühe bekundet, sich an die Unterlage zu gewöhnen. Deshalb hat man diesmal im Vorfeld der Partie nicht nur ein, sondern gleich zwei Mal auf dem Juchhof-Kunstrasen trainiert – „und zum Glück hat es zuletzt geregnet“, wie Trainer Uli Forte heute an der Medienkonferenz meinte. Somit konnte man sich optimal an die Bedingungen herantasten. Das Verletztenkabinett in der Innenverteidigung lichtet sich nur sehr zögerlich. Forte stellt daher in Aussicht, dass Mirlind Kryeziu, dem er ein gutes Début gegen Xamax attestiert hat, auch in Wil mindestens auf dem Matchblatt stehen wird. Ivan Kecojevics körperlicher Zustand wird am Matchtag nochmal getestet. Für Alesevic und Bangura kommt ein Einsatz hingegen sicherlich nicht in Frage. Und Alain Nef? „Alain trainiert immer“, meint Forte mit leuchtenden Augen – „egal was passiert, Alain trainiert immer…“.

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