Hoffnungsschimmer in der Torhüterfrage nach jahrzehntelanger Dürre

Der FC Zürich und die Torhüterausbildung im Nachwuchs war unter dem Strich über die ganze moderne Klubgeschichte hinweg ein Trauerspiel. Bei Nachbar GC konnte man in guten wie in schlechten Zeiten darauf bauen, dass immer wieder solide bis exzellente Goalies aus dem eigenen Haus den Sprung in den Profifussball schafften. Jahrzehntelang haben die Hoppers einen Nationaltorhüter nach dem anderen produziert. Zu dieser Serie gehören auch die aktuellen Nationaltorhüter der Schweiz (Gregor Kobel, BVB) und Kosovos (Arijanet Muric, Sassuolo, ex-Man City). Muric war im Alter von 10 Jahren kurz ein Jahr beim FCZ, wechselte dann aber schnell in den für Torhüter deutlich besseren Ausbildungsverein ennet der Gleise.

Von Grob bis Da Costa keine eigenen Torhüter mehr

Auf der Suche nach einem Nationaltorhüter aus dem FCZ-Stall muss man weit zurück blicken. In den 80er-Jahren kam Urs Zurbuchen auf zwei Freundschaftsländerspiele. Fast seine ganze Karriere spielte dieser allerdings für YB. Beim FC Zürich war er zuvor nicht am beim FC Küsnacht ausgebildeten Karl Grob vorbeigekommen, der einzigen echten Torhüter-Klub-Legende. Zurbuchen war in den zwei Jahrzehnten (!) mit Grob im Tor (1967 – 1987) nicht der einzige gute Ersatztorhüter gewesen. In jenen Jahren schien man auf dieser Position ein Luxusproblem zu haben. Das änderte sich in den Jahren nach der „Lebensversicherung“ Grob sofort. Seither arbeiteten gemessen an der Anzahl Länderspiele der FC Baden oder der FC Schaffhausen in der Torhüterausbildung erfolgreicher als der FC Zürich.

Beim FCZ musste man ab 1988 auf von extern verpflichtete Torhüter bauen. Diese waren manchmal illuster, häufig im Vergleich zur Konkurrenz aber auch unterdurchschnittlich: Knutti, Suter, Böckli, Mäder, Stiel, Shorunmu, Pascolo, König, Taini. Der Walliser Johnny Leoni hütete achteinhalb Jahre das FCZ-Tor und errang als Nr.1 drei Meistertitel – als solider Keeper hinter einer spielerisch überragenden Mannschaft (Raffael, César, Margairaz, Alphonse, Abdi, Djuric, Chikhaoui,…).. Nach ’06, ’07 und ’09 hätte es ohne das zwischenzeitliche Missverständnis Guatelli für Leoni 2011 auch noch ein vierter Meistertitel sein können. Als Nati-Kandidat galt er trotzdem nie.

Brecher war 2015 noch nicht ready

Ab 2012 setzte der FC Zürich auf der Torhüterposition dann auf Eigengewächse – erst drei Jahre lang auf Piu Da Costa, dann Yanick Brecher. Schon damals machte der FC Thun jeden Profi besser. Der ehemalige FCZ-Ersatzgoalie Da Costa konnte sich im Berner Oberland zwei Jahre lang zu einem verlässlichen Super League-Torhüter entwickeln, worauf ihn der FCZ zurückholte. Yanick Brecher war sein Ersatz. Torhütertrainer der 1. Mannschaft war damals erst Stefan Knutti und dann Christian Bösch. Ein wirklich guter Torhüter wurde Da Costa aber erst nach seiner zweiten FCZ-Zeit dank seinem Abstecher in die Serie B ins Torhüterland Italien. Dies zeigte sich danach auch bei seiner Rückkehr in die Schweiz beim FC Lugano. Brecher war in der Saison 14/15 in die Challenge League nach Wil ausgeliehen worden. Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten gelangen ihm dort im März 2015 vier Clean Sheets in Folge. Brecher wurde von der Leihe zurückgeholt und ersetzte per sofort Da Costa als neue Nr. 1.

Brecher war zu diesem Zeitpunkt aber bei weitem noch nicht ready für die Super League. Die Highlight-Videos aus den Partien mit Wil täuschten über seine Schwachpunkte hinweg, die damals jedem, der seine Spiele über 90 Minuten sah, aufgefallen sein mussten. Die Art und Weise wie er sich damals beispielsweise in Eins.gegen-Eins Situationen instinktiv schmal statt breit machte, um sich vor dem Ball zu schützen, hatte nichts mit Profi-Fussball zu tun. Es wäre sogar bei einer Amateur-Mannschaft bemängelt worden. Brechers Qualitätsmängel waren ganz wesentlich für den Abstieg in der Saison 15/16 mitverantwortlich. Mit dem Liga-Punkteschnitt des zweiten Torhüters Anthony Favre wäre der FC Zürich in jener Saison auf dem 6. Platz gelandet. Von den 22 Liga-Partien in denen Brecher im Tor stand, gewann der FCZ hingegen gerade mal drei. Mit Favre im Kasten wurde man in der gleichen Saison zudem auch noch Cup-Sieger – nach einem überdurchschnittlich schwierigen Programm mit vier Super League-Gegnern und klaren Auswärtserfolgen bei YB, Thun und Cup-Spezialist Sion. Inklusive Cup hatte Favre gar einen Punkteschnitt von 1,7, was in der Liga dem dritten Rang entsprach. Die Mannschaft erreichte diese Resultate mit dem Waadtländer im Kasten, obwohl dieser von seinen Fähigkeiten her nicht mehr und nicht weniger als ein guter Challenge League-Torhüter war. Er war ja auch wie später Zivko Kostadinovic als klare Nr. 2 vom FC Wil geholt worden und für diese Rolle geeignet.

Unter Taini steigert sich Brecher zum offensiv besten Super League-Keeper

Kurz vor Ende der Abstiegssaison holte sich Brecher im Training nach all den schlechten Leistungen auch noch einen Kreuzbandriss. Den Wiederaufstieg bewältigte der FC Zürich mit dem Lettischen Nationaltorhüter Andris Vanins zwischen den Pfosten. Mit dem Trainerwechsel von Uli Forte zu Ludovic Magnin wurde Brecher im Februar 2018 wieder zur Nummer Eins. Schon damals schien Brecher im Klub an höchster Stelle eine starke Lobby zu haben, was nach Forte sieben Jahre später auch Mitchell Van der Gaag schmerzlich erfahren musste, als dieser offenbar laut über einen Torhüterwechsel zu Talent Silas Huber nachdachte. Unter dem didaktisch geschulten Davide Taini als Torhütertrainer machte Brecher im Laufe der Jahre aber auch erhebliche Fortschritte. Von einem Sicherheitsrisiko wurde er erst zu einem mindestens durchschnittlichen Super League-Torhüter. In der Meistersaison 21/22 hatte er erstmals einen Züri Live-Notenschnitt von über 6 (auf einer Skala von 1-10) und gehörte zu den drei, vier besten Torhütern der Liga.

Offensiv wurde Brecher gar zum besten Torhüter der Liga und profitierte dabei sicherlich auch davon, dass er als Kind beim FC Männedorf erst Feldspieler gewesen war. Seine Ballverteilung war zeitweise exzellent. Und dies gleich dreifach: mit dem Rechten Fuss, mit dem fast gleich starken Linken Fuss – und dem schnellen Einleiten von Kontern mit weiten, präzisen Auswürfen. Diese Kombination ist sehr selten. Nach der Meistersaison unterschrieb Brecher einen Fünfjahresvertrag bis 2027. Unmittelbar darauf liessen seine Leistungen wieder etwas nach. Der FCZ kassierte unter Franco Foda nach Expected Goals-Statistik deutlich mehr Gegentore als aufgrund der Torchancen der Gegner hätten fallen sollen. Ein grosser Teil dieser Differenz war auf Brecher zurückzuführen. Es waren die faden Auftritte von Team-Leadern wie Brecher, Dzemaili und Marchesano, welche dem Österreichischen Coach schnell den Job kosteten und Nachfolger Bo Henriksen eine Herkulesaufgabe zur Rettung des Teams hinterliessen. Trotzdem gab es unter Foda zwischendurch ein Leistungs-Highlight. Yanick Brecher wurde im Europacup vom gefährlichen Angriffspressing von Bodö/Glimt auf Kunstrasen stark gefordert und bestand den Test mit hervorragend präzisen und scharfen Ballverteilungen über 30-40m während der ganzen Partie. Die Pressing-Bemühungen der Norweger verpufften so grösstenteils. Vor allem deshalb hatte der FC Zürich am Ende noch gute Chancen auf den 2:2-Ausgleich bei einem Gegner, der davor gleichenorts die AS Roma von José Mourinho mit 6:1 vom Platz gefegt hatte.

Generation Copperfield ist immer noch da

Aufgrund einer unaufschiebbaren komplizierten Operation von Davide Taini übernahm der bisherige Academy-Torhütertrainer Dean Santangelo dessen Position zuerst ad interim, und dann ganz. Zu Beginn konnnte Santangelo Brecher neue Impulse bringen. Die Saison 23/24 wurde mit einem Notenschnitt von 7,1 zu Brechers bester. In der darauffolgenden Saison 24/25 wurden seine Leistungen dann aber wieder deutlich schlechter. Und die Saison 25/26 begann mit einem in jeder Hinsicht lamentablen Auftritt gegen Sion. Auch wenn es zwischendurch dann auch wieder gute Leistungen gab: die Tendenz vor und nach der Winterpause zeigt weiter nach unten. Mittlerweile hat der FC Zürich mit der Verpflichtung eines neuen Torhütertrainers reagiert – Michaël Bauch kommt für Santangelo. Ausserdem soll U21-Natitorhüter Silas Huber im Wankdorf gegen YB zu seinem Début kommen.

Warum war der FCZ über Jahrzehnte so schlecht in der Torhüter-Entwicklung im Nachwuchs? Ein Grund dafür scheint zu sein, dass man sich zu lange an einem veralteten Stereotyp eines guten Torhüters orientiert hat. In den 80er- und 90er-Jahren waren es willensstarke Führungspersönlichkeiten, die lautstark und effektvoll ihre Vorderleute dirigierten – und mit spektakulären Paraden die eine oder andere „hundertprozentige“ Torchance entschärften. Und wenn sie den Ball nicht hielten, hechteten sie trotzdem spektakulär, so dass der Gegentreffer unvermeidlich schien und ganz sicher nicht dem Torhüter angekreidet werden konnte. Etwas Illusionskunst à la Devid Copperfield gehörte zum Goalie-Business dazu. Die Schweiz ist ein Land in welchem Goalies bei den Fans verschiedener Sportarten häufig am meisten geliebt und bewundert werden. Die Skepsis gegenüber dem kreativen Stürmerstar mit seinen Anflügen von neo-aristokratischer Attitüde verfliegt hingegen nie ganz. Da kann dieser noch so viele Tore schiessen. Der Torhüter ist hingegen nahbar. In dieser Rolle könnten sich viele Fans zumindest theoretisch irgendwie auch noch sehen.

Malloth und Heim kommen nicht an Brecher vorbei

Der moderne Torhüter ist aber hyperbeweglich und hat ein hervorragendes Positionsspiel. Er ist mit den Füssen am Ball technisch genauso gut wie die Feldspieler und kann auch konditionell einigermassen mit diesen mithalten. Seine Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen sind fast so gut wie die eines Profi-Tänzers. Er geht ins kognitive Training. Und ist zu 100% in die taktischen Ûberlegungen eingebunden. Ein Torhüterwechsel kann dazu führen, dass der Trainer die Taktik ändern muss. Es handelt sich hier nicht per se um eine Stilfrage – moderne Torhüter sind einfach besser. Der erste moderne Schweizer Torhüter war GC-Junior Diego Benaglio. Dieser begann seine Profikarriere vor 25 Jahren. Torhüter alter Schule gibt es trotzdem immer noch ein paar wenige. Einer davon trägt seinen Teil dazu bei, dass in der Challenge League Yverdon Sport mit Antonio Marchesano langsam aber sicher den Anschluss an die Tabellenspitze verliert.

Beim FCZ sah man bis vor kurzem im Vergleich zu anderen Schweizer Akademien bei den Nachwuchs-Torhütern von Jahr zu Jahr wenig Entwicklung. Und Torhüter alter Schule wurden gegenüber modernen Goalies auf allen Stufen häufig bevorzugt. Beispiele für Torhütertalente mit modernen Attributen, die es immerhin kurzzeitig bis auf die Position des 3. Torhüters der 1. Mannschaft schafften, waren Andres Malloth oder Calvin Heim. An Yanick Brecher kamen sie aber nicht vorbei. Dieser war zu Beginn seiner Zeit in der 1. Mannschaft vorwiegend ein Torhüter alter Schule. Zum weitgehend modernen Torhüter wurde er erst während seiner Zeit bei den Profis, quasi auf dem zweiten Bildungsweg. Nach Jahren in denen die Torhüterposition ein Schwachpunkt war, konnte er von 2021 bis 2024 der Mannschaft ein guter Rückhalt und erster Aufbauspieler sein. Wenn es ihm aber nicht so läuft, wie jetzt schon mehr oder weniger seit anderthalb Jahren, drücken bei Brecher die eigentlich wegtrainierten alten Gewohnheiten wieder durch.

Was für ein Torhüter ist Silas Huber?

In den letzten zweieinhalb Jahren hat sich beim FCZ nun aber im Nachwuchsbereich einiges getan – und das betrifft auch die Torhüter. 2023 kamen erst Yevhen Morozov (heute 18, aus der Ukraine, Arsenal Kiev) und dann Silas Huber (heute 20, vom FC Aarau) zum FC Zürich. Beide waren schon gut als sie kamen, aber im Gegensatz zu früheren Jahren entwickelten sich die zwei Torhütertalente in ihrer Zeit im FCZ-Nachwuchs bis heute stark weiter. Silas Huber war beispielsweise mit den Füssen noch nicht gut, als er zum FCZ kam. Heute ist es eine seiner grössten Stärken. Nicht nur das: mit Tyrese Pinthus (17) gibt es mittlerweile gar noch ein weiteres Torhütertalent, das ebenfalls sehr modern spielt und sich sich in den letzten zwei Jahren gut entwickelt hat.

Silas Huber ist ein gut ausgebildeter junger Torhüter aus dem Bilderbuch. Er zeichnet sich durch aussergewöhnliche Reflexe aus, kann das Speil sehr gut lesen und ist wie erwähnt gut am Ball. Vergleicht man den 20-jährigen Silas Huber mit dem 20-jährigen Yanick Brecher, ist Huber um Längen besser. Der Vergleich mit Brecher in dessen bester Saison 23/24 wäre ausgeglichener. Nur ist dieser von der Form von damals weit entfernt. Und Huber hat viel mehr Potential, sich mit der Erfahrung auf Super League-Niveau noch weiter zu verbessern. Brecher ist dafür bekannt, dass er in den letzten Jahren zum regelmässig hoch stehenden, mitspielenden Torhüter geworden ist. Huber ist diesbezüglich noch etwas forscher. Er kann in der Regel gut einschätzen, wann er sich einbringen sollte und wann eher zurückziehen. Beim entscheidenden letzten Spiel der U21 im Mai gegen Basel U21, als das Team von Dennis Hediger mit einem 3:0 den Klassenerhalt schaffte, ging Huber in der 78. Minute beim Stand von 2:0 aber zu viel Risiko. Nach dem Foul als letzter Mann vor dem Strafraum musste er vom Platz. Miguel Reichmuth erzielte in Unterzahl dann noch das 3:0.

Einfluss des Torhüterwechsels aufs Mannschaftsgefüge und Transfers

Wie wird sich der Torhüterwechsel auf das Mannschaftsgefüge auswirken? Wie gross der (positive) Einfluss Brechers auf die Mannschaft tatsächlich ist, ist schwierig abzuschätzen. Aus der Distanz wirkt er sowohl gegenüber den Jungen wie auch den ausländischen Spielern eher distanziert und nicht wirklich beschützend. Die Situation ist sicherlich eine Chance für einen Lindrit Kamberi, aber auch Cheveyo Tsawa oder David Vujevic sich noch stärker einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Philippe Keny ist sowieso in jeder Hinsicht ein Spieler, der auf dem Platz als Vorbild vorangeht und sicherlich nicht zufälligerweise bereits dritter Captain. Der erfahrene Chris Kablan ist als Unterstützung ebenfalls mit an Bord. Mit einem weiteren Transfer einen „erfahrenen Leader“ ins Team zu holen, kann auch sehr gut ins Auge gehen. Den beiden letztjährigen Wintertransfers und designierten Leadern Jean-Philippe Gbamin und Benjamin Mendy unterlief beiden in fast jeder Partie ein fataler Fehler, der zu einem Gegentor führte. Dasselbe mit Sommertransfer Milan Rodic. Viel Erfahrung bringt nicht automatisch Stabilität. Denn solche Spieler sind in der Regel nur dann bereit zu einem Verein wie dem FC Zürich zu kommen, wenn sie dies für ihren persönlichen Aufbau, beispielsweise nach einem längeren Ausfall, unbedingt benötigen. Sie wirken dann jeweils auch nicht wirklich in der Mannschaft integriert. Eine Ausnahme war Steven Zuber, auch wenn es selbst bei ihm viele Ups und Downs gab. Auf der anderen Seite würde es sicherlich ganz allgemein Sinn machen, noch einen guten Innenverteidiger oder Defensiven Mittelfeldspieler zu holen – je nachdem wo Nelson Palacio hauptsächlich eingeplant ist – und eventuell einen Linken Aussenläufer.

Van der Gaag reagiert taktisch zur Pause: Luzern – FCZ 1:1 Analyse mit Randnotiz: Luzern zu Hause gegen den FCZ schon wieder mit Referee- und VAR-Glück, Spadanuda macht den Shaqiri

Gleiche Startelf wie gegen Sion? / Luzern – FCZ Vorschau mit möglichen taktischen Formationen (Züri Live)

Luzern-Trainer Mario Frick nimmt gerade gegen den FC Zürich immer wieder mal gerne taktische Änderungen vor. Es ist auch ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Gegner. Diesmal liess er sein Team in einem 3-3-3-1 (statt 4-2-3-1) auflaufen, woran der FC Zürich die ganze Partie durch zu knabbern hatte. Diese taktische Änderung in Kombination mit dem im Vergleich zu Vorgänger Moniz weniger forschen Ansatz Mitchell Van der Gaags führte letztendlich zu einer Partie mit wenig Torchancen. Die Qualität der Spieleröffnung aus der hinteren in die mittlere Zone (speziell bei Abstössen) war dabei aber auf beiden Seiten auf hohem Niveau.

FCZ zieht sich im Verlauf der 1. Halbzeit zurück

Zwar wurden am Ende auf der Allmend 54% Ballbesitz für den FCZ ausgewiesen. Der Stadtclub stand dabei aber in der 1. Halbzeit so tief wie selten in den letzten Jahren. In der Anfangsphase versuchte man gegen das gegnerische Aufbauspiel zwar noch ein hohes Pressing aufzuziehen, aber die Zuteilung klappte nicht – daher ging man in dieser Situation zu Recht auf Nummer Sicher und zog sich zurück. Im tiefen Block verteidigte man dann im 4-3-3 im Raum. Der FC Luzern suchte und fand ab und zu Lücken zwischen den Linien mit dem typischen Beispiel der Torchance von Tyron Owusu in der 33. Minute. Insgesamt kam das Heimteam aber auch in dieser Phase zu deutlich weniger Torchancen als üblicherweise, wenn man jeweils gegen einen das Spiel machenden FCZ im eigenen Stadion einen schnellen Konter nach dem anderen fahren kann. Das Spiel hatte somit auch für die Zuschauer ein anderes Feeling als die Begegnung Luzern gegen den FCZ am Fuss des Pilatus üblicherweise in den letzten Jahren jeweils hatte. Beide Trainer versuchten den Gegner in dessen Stärken zu beschneiden – und dies jeweils erfolgreich.

Vielmehr als einen Kopfball von Adrian Bajrami nach rund 30 Minuten, der knapp am Luzerner Tor vorbeifliegt, bringen die offensiv ebenfalls ideenlosen Luzerner nicht zustande. Sinnbildlich: Es sind eben dieser Bajrami und Sauter, die bis zum Schluss die meisten Ballkontakte ihrer Teams haben.

Loris Brasser, Tages-Anzeiger

Dies ist gerade in Bezug auf den in der Liga neuen Trainer Van der Gaag bemerkenswert. Sind doch in der Vergangenheit genügend FCZ-Kollegen mit ihren Teams an dieser Stätte ins offene Messer gelaufen. Auf der anderen Seite konnte sich Mario Frick auf seine zweikampfstarken Verteidiger wie Bung Meng Freimann oder Stefan Knezevic verlassen. Seine Mannen waren auch auf die Stärken und Laufwege der FCZ-Angreifer gut eingestellt. Und dem FC Zürich gelangen nicht so viele Seitenwechsel wie noch gegen Sion. In der 1. Halbzeit konnte auf FCZ-Seite neben Yanick Brecher und Ilan Sauter vor allem Cheveyo Tsawa überzeugen. Gerade in der Phase der taktischen Konfusion stopfte der „für zwei“ arbeitende Mittelfeldspieler viele Löcher und stellte jeweils die brüchige Balance wieder her. Der für den erneut gut spielenden Miguel Reichmuth früh reingekommene Bledian Krasniqi konnte hingegen bis zur Pause nicht richtig ins Spiel finden.

Knackpunkt Di Giusto in der 2. Halbzeit

Nach dem Wiederanpfiff blühte Krasniqi dann aber auf und war beim FCZ bester Spieler der 2. Halbzeit. Während Luzern in der Pause nichts an der Taktik änderte, kamen die Gäste aus Zürich mit einem mannorientiereren Pressing aus der Kabine. Man getraute sich nun mit den drei Stürmern gegen die drei Luzerner Innenverteidiger hoch zu pressen. Die Kreise von Luzerns Neuverpflichtung und spielmachendem Sechser Taishi Abe wurden von Bledian Krasniqi gestört. Wie jedes taktische Konzept hatte aber auch dieses Hohe Pressing einen Knackpunkt – und der hiess Matteo Di Giusto. Der Preis für den besseren Zugriff in fast allen Zonen war, dass man dem ehemaligen FCZ-Junior mehr Platz zugestehen musste. Eine hundertprozentige Manndeckung hätte nämlich bedeutet, dass Ilan Sauter seinem sich häufig zurückfallen lassenden Gegenspieler überallhin hätte folgen müssen. Ausser Gian Piero Gasperini (Roma, ex-Atalanta) lässt aber praktisch kein Trainer so spielen. Als Anker der Defensive sollten die beiden Innenverteidiger in der Regel auf einer Linie verteidigen – woran sich dann alle Anderen orientieren.

In der 78. Minute kam Emmanuel nach einem schönen Lupfer von Bledian Krasniqi knapp vor Luzern-Goalie Pascal Loretz an den Ball. Für den zwölf Minuten davor eingewechselten Nigerianer war es der erst zweite Treffer in der Super League. 

– Blue

Dies bedeutete, dass Sauter Di Giusto häufig frei laufen liess und dabei aber ständig auf der Lauer war, aus der Abwehrreihe herauszupreschen, sobald der Ball auf Di Giusto gespielt wird. Das Gegentor war nicht die erste Situation, bei der Sauter zu spät kam. Aber es war das erste Mal, dass dies im Rahmen eines Luzerner Konterangriffes geschah, wo Di Giusto die Möglichkeit hatte, den Ball One-Touch auf Grbic in die Tiefe zu spielen. Eingeleitet worden war der Konter ausgerechnet durch einen Fehlpass des ansonsten so stabilen Cheveyo Tsawa. Man hatte bis zu diesem Zeitpunkt Luzerner Konter eindämmen / verhindern können. Nicht ohne Grund war man darauf so erpicht: denn der sozusagen erste Konter des FCL führte auch gleich zum Gegentor. Im Nachinein betrachtet hätte Sauter in dieser Situation länger zurückstaffeln und beim gefährlicher postierten Grbic bleiben sollen. Als Regel gilt: wenn der Innenverteidiger rauskommt, muss er den Pass des Gegenspielers sicher verhindern können. Sonst lässt man den Gegenspieler im Mittelfeld lieber erst mal bis zu 20 Meter mit Ball laufen. Nicht selten löst sich dann das Problem sogar von allein, weil der ballführende Spieler zögert und / oder ein Mitspieler mittlerweile zu Hilfe geeilt ist.

Extrem strikte VAR-Linie in der neuen Saison – oder erneut ein Fall von „Schärer contra FCZ“?

Letztendlich spielten aber leider zum wiederholten Mal bei Luzern – FCZ der Schiedsrichter und VAR eine mitentscheidende Rolle für den Spielausgang (siehe auch die „Randnotiz“ weiter unten). Im Mittelfeld pfiff Johannes Von Mandach zwar ausgewogen. Bei den entscheidenden Szenen im Strafraum wurde wie schon im Januar mit dem damaligen Ref Sven Wolfensberger wieder Luzern bevorteilt. Adrian Bajrami foulte Umeh Emmanuel in der gleichen Art und Weise wie eine Woche davor im Letzigrund Nikolas Muci. Damals gab es diskussionslos Penalty für GC, diesmal Gelb gegen Emmanuel wegen angeblicher Schwalbe. Die tatsächliche Schwalbe von Pius Dorn im Zürcher Strafraum wurde dann durch Von Mandach nicht sanktioniert – es wäre die Gelb-Rote Karte gegen den Luzerner Captain gewesen. Und in der Nachspielzeit führte eine Schwingfesteinlage von Severin Ottiger gegen Vincent Nvendo ebenfalls zu keinem Penalty. Solche Situationen bei einem Eckball sind für den Schiedsrichter jeweils nicht einfach zu sehen, da er seine Augen nicht auf allen Zweikämpfen gleichzeitig haben kann.

VAR Sandro Schärer griff aber ebenfalls nicht ein. Dieser beeinflusst seit langer Zeit regelmässig in der Rolle als VAR Spiele zuugunsten des FCZ. So ist es keine Überraschung, dass es auch diesmal wieder der Fall war. Es macht den Anschein, dass in dieser Saison als Learning aus der chaotischen VAR-Saison 24/25 die strikte Devise ausgegeben wurde, dass der VAR wirklich nur noch bei 100% glasklaren, niet- und nagelfesten Fehlentscheidungen eingreifen soll. Gemessen am Verzicht des Eingriffs bei den beiden Penaltyszenen im Luzerner Strafraum wird diese Devise nun extrem weitreichend ausgelegt. Wenn dies wirklich so durchgezogen wird, ist es grundsätzlich eine gute Sache. Nur ist zu hoffen, dass dies dann auch wirklich für alle Teams gleichermassen gilt – und der FCZ und alle anderen Klubs in den entsprechenden Situationen im gleichen Masse von der neuen Passivität des VAR profitieren kann, wie diesmal Luzern.

Grundsätzlich macht die FCZ-Abwehr einen soliden Eindruck. Was fehlt, ist der nötige Druck über die Seiten, da muss einfach mehr kommen.

– Mischi Wettstein, Nau

Personalien – Tramoni mit unglücklichem Début

  • Nelson Palacio: Staffelt diesmal auch im Spielaufbau an Stelle von Miguel Reichmuth zurück. In der Defensiven Phase weiterhin phasenweise etwas zu tief stehend. Nach einer lange Zeit persönlich durchzogenen Partie steigert er sich in der Schlussphase merklich und hilft mit, den Punkt zu verteidigen.
  • Neil Volken: Defensiv diesmal weniger überzeugend als noch vor einer Woche gegen Sions Chouaref und Lavanchy. Steigert sich in der Schlussphase.
  • Jahnoah Markelo: Startelfaufgebot scheint für ihn noch zu früh gekommen zu sein. In der 1. Halbzeit musste er zudem tief stehen und hatte somit einen langen Weg Richtung Tor. Luzern hat zudem defensiv ein spezielles Augenmerk auf ihn gerichtet.
  • Damienus Reverson: Kommt in der Anfangsphase viel in die eigene Platzhälfte und hilft im Spielaufbau. Ab etwa der 35. Minute gelingt ihm offensiv immer weniger. Stefan Knezevic verteidigt nach Cutbacks Markelos zwei Mal aufmerksam gegen Reverson am nahen Pfosten.
  • Yanick Brecher: In seinem 300. Super League-Spiel für den FC Zürich hat er defensiv wenig zu tun. Muss einmal weit herauskommen und hat dabei diesmal das richtige Timing. Dank seiner offensiv starken Partie (Spielaufbau mit beiden Füssen plus Auswürfe, Offensiv-Note 10) ist er Züri Live-MVP.
  • Umeh Emmanuel: Offensiv weiter einer der Wirkungsvollsten. Zu Unrecht ein Penalty verwehrt und von Journalisten als „Schwalbenkönig“ betitelt. Sprintet nach Ballverlust über den halben Platz zurück, um diesen sofort zurückzuerobern.
  • Lisandru Tramoni: Sein Spielwitz war sofort zu sehen – nicht nur bei seinem Seitfallzieher. Unter dem Strich aber ein sehr unglücklicher Kurzeinsatz mit mehreren Ballverlusten.

Der Schweizer Nati-Trainer Murat Yakin schaut sich die Partie am Sonntagnachmittag vor Ort an. Ex-Nati-Profi Steven Zuber kann er dabei nicht beobachten, weil dieser verletzungsbedingt kurzfristig ausfällt. Dazu fällt nach etwas weniger als einer halben Stunde der beste Mann auf dem Rasen, Miguel Reichmuth, ebenfalls verletzt aus. Für ihn kommt Bledian Krasniqi ins Spiel, der eben erst von einer Verletzung zurückgekehrt ist. Unter der Woche war dieser zudem mehrere Tage krank.

– Pascal Ruckstuhl, Dominik Mani, Yannick van Buul, 20 Minuten

Randnotiz: Luzern zu Hause gegen den FCZ schon wieder mit Referee- und VAR-Glück, Spadanuda macht den Shaqiri

Weitere Berichte

Telegramm (Transfermarkt)

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FCZ profitiert von Luzerner Goalie-Fehler – Sion überfährt Lugano (20 Minuten)

Die Noten: FCL verschenkt möglichen Sieg – guter Punkt für FCZ (Nau)

Kein Sieger zwischen Luzern und Zürich (Blue)

Ohne Zuber: Der FCZ punktet nach Rückstand in Luzern (SRF)

Ein Punkt, kein Spektakel – die Offensive des FCZ tut sich schwer (Tages-Anzeiger)

Servette verteidigt herzhafter und konsequenter / FCZ – Servette Analyse mit Randnotiz: Stephan Rammings Hobby

UPDATE zum Spitzenduell im Letzigrund: Emmanuel und Kamberi beginnen / FCZ – Servette Vorschau mit möglichen taktischen Formationen (Züri Live)

Wie für den Clasico in Basel war der FCZ auch für das Derby voll parat gewesen – und genauso verliert er auch diesmal das anschliessende Spiel. Grosser Unterschied: das 1:4 in St. Gallen war eine hochklassige Partie, die trotz des klaren Resultates über Details entschieden wurde und auch vom FCZ hätte gewonnen werden können. Das Duell mit Servette hingegen gestaltete sich wie der Kater nach der Derby-Party vor vollem Haus. Es fehlte speziell im zweiten und dritten Viertel der Partie an so ziemlich allem: Esprit, Fokus, Zusammenspiel. Dass der FCZ in dieser Saison bisher zu Hause schlechter auftritt als auswärts zeigte sich in dieser Partie akzentuiert. Die Spieler-Durchschnittsnote von 5,3 bestätigt den Gesamteindruck des bisher schlechtesten Saisonspiels.

Sieben FCZ-Starter defensiv ungenügend

Man kann dabei auch nicht wirklich eine Halbzeit, einen Mannschaftsteil oder eine Spielphase aus der schlechten Bewertung rausnehmen. Einzig die Einwechselspieler (mit Ausnahme von Conceição) waren etwas besser als die Starter. Die für die Schlussphase hereingekommenen Ifeanyi Mathew und Daniel Afriyie sind die einzigen Zürcher mit einer Note “8“. Sieben von elf Spielern aus der Startformation waren hingegen defensiv ungenügend. Dementsprechend ist die Defensivnote des Teams mit 4,9 nach dem 0:3 zu Hause gegen Vitoria Guimaraes zum zweiten Mal im negativen Bereich. Die Abwesenheit Antonio Marchesanos war defensiv noch mehr spürbar als offensiv. Die Koordination des Pressings funktionierte nicht – unter anderem beim ersten Gegentor. Unter Thomas Häberli hat Servette zuletzt schrittweise verschiedenste Anpassungen an der Spielweise vorgenommen. So wird nach Vorbild vieler Premier League-Teams neu häufig mit einer Dreierkette von hinten aufgebaut und dabei einer der beiden Aussenverteidiger ins Mittelfeldzentrum gezogen. Auf solche taktischen Kniffe reagierte der FCZ aber relativ gut. Das Problem lag in erster Linie an der ungenügenden defensiven Intensität von Perea und Co..

Beim FCZ wird der verletzte Stratege Antonio Marchesano schmerzlich vermisst. Die Offensive ist ein Totalausfall. Es dauert mehr als eine Stunde, bis das Heimteam Genfs Goalie Jérémy Frick erstmals zu einer Parade zwingt.

– Pascal Ruckstuhl und Yannick Peng, Blick

In der defensiven Phase lag der grösste Unterschied zwischen den beiden Teams und wurde die Partie entschieden – Servette verteidigte konsequenter und herzhafter als der FCZ. Es gab defensiv wie offensiv beim FCZ nicht zu wenig gute Aktionen, sondern in beiden Fällen zu viele Minuspunkte. Man liess mit überdurchschnittlich vielen Fehlern ab Mitte der 1. Halbzeit einen aussergewöhnlich zurückhaltenden und stark aufs Konterspiel ausgerichteten Gegner ins Spiel kommen. Das erste Gegentor entstand durch das Ausnutzen eines temporären Energieabfalls des ganzen Zürcher Teams – das zweite und dritte aus Kontern. In den letzten fünf Spielen hat der FCZ ein Gegentor pro Partie aus Kontern erhalten – eindeutig zu viel.

Häberli-Team mit schmalem Kader – und überragenden Kutesa & Stevanovic

Nikola Katic hatte Probleme mit dem Verteidigen an der Mittellinie – umso mehr da auf der anderen Seite ein Dereck Kutesa stand – oder eher lief. Nach GC’s Lee hatte zudem auch Servette mit Crivelli einen Mittelstürmer, der viele Kopfballduelle im Mittelfeld gegen die grossgewachsenen aufgerückten FCZ-Innenverteidiger gewinnen konnte. Nach einem guten Saisonstart war es nun nach dem Derby die zweite ungenügende Katic-Note in Folge. Lindrit Kamberis Leistung als Rechter Aussenläufer war ebenfalls schlecht. Neben den Defensivproblemen gegen Kutesa & Co. stimmte auch die offensive Abtimmung beim FCZ über diese Seite überhaupt nicht.

Servette wirkte dabei im Letzigrund trotz ihrer Erfolgsserie keineswegs unbezwingbar. Zu Beginn drohten die Genfer etwas unter die Räder zu kommen. Trainer Häberli musste Abwehrchef Rouiller noch während der 1. Halbzeit vom Platz nehmen, weil dieser bereits früh Gelb/Rot-gefährdet war. Dessen Ersatz Adams machte seine Sache danach gut. Ansonsten war aber spürbar, dass die Genfer von den aktuellen Spitzenteams das wohl schmalste Kader haben. Der FCZ konnte immer wieder Schwachpunkte des nicht immer zu Startformation zählenden Magnin ausnutzen. Das eine Chance in der Startelf erhaltende Eigengewächs Ouattara (U20-Nationalspieler) blieb blass. Eingewechselte Akteure wie Baron, Simbakoli oder Sawadogo machten das Team spürbar schwächer und brachten so dem FCZ Aufwind, so dass es am Ende wenigstens noch zum 1:3 reichte. Fast alles bêim Häberli-Team hängt zur Zeit an den sich in sehr guter Form befindlichen Kutesa und Stevanovic.

Zu wenig Torchancen mit Dreierabwehr-System

Im ersten Viertel starteten Krasniqi, Condé, Emmanuel und Ligue gut in die Partie. Gomez tauchte mehrmals weit vorne auf, zeigte in vielversprechenden Situationen aber zu wenig Übersicht. Der nach der Partie von Coach Ricardo Moniz wegen zu wenig Kreativität kritisierte Mounir Chouiar war der Einzige, der sich nach dem 0:2 an der Ehre gepackt fühlte und eine deutliche Reaktion zeigte. Aus diesem Grund hatte er am Ende von allen Startern auch die beste Note (7). Offensiv konnte sich der FCZ wie schon seit mehreren Wochen im Dreierabwehr-System zu wenig Torchancen herausarbeiten. DIe Niederlage war auch aufgrund der Expected Goals-Werte (0,58 vs. 1,95) verdient. Die aktuellen Probleme von Lindrit Kamberi auf der rechten Aussenbahn wurden im Derby von seinem Tor übertüncht. Ihn hätte Moniz gegen Servette spätestens zur Pause durch Markelo ersetzen müssen. Dann hätte der FCZ wohl noch eine Chance in dieser Partie gehabt. Auf der linken Seite führte hingegen die Einwechslung von Conceição für Ligue in der 55. Minute zu einer klaren Verschlechterung.

Personalien – Chouiar mit Reaktion nach zweitem Gegentor

  • Mounir Chouiar: Zu Beginn unkonzentriert und eher passiv. Wie schon bei der Partie in St. Gallen scheint zudem der Schiedsrichter etwas gegen ihn zu haben (die Schiedsrichter-Assistenten waren dieselben, der Head nicht). Wacht nach dem 0:2 auf, zeigt eine Reaktion, kommt über den Kampf ins Spiel und steigert sich so auch offensiv.
  • Cheick Condé: Dank seiner individuellen Qualität unter dem Strich nicht ungenügend. Agiert aber wie üblich wenn keine ältere Respektsperson wie Mathew, Marchesano oder früher Dzemaili in seiner Nähe ist launisch und mit schlechter Körpersprache. An allen drei Gegentoren mit zu passivem Verhalten wesentlich beteiligt.
  • Lindrit Kamberi: Defensiv mit Problemen, offensiv passte gar nichts zusammen. Ist über die ganze bisherige Saison hinweg in den Zweiten Halbzeiten mit einem Notenschnitt von 4,4 deutlich schlechter als in den Ersten Halbzeiten (5,5).
  • Bledian Krasniqi: Wie im Derby bester FCZ-Spieler der Ersten Halbzeit – diesmal aber nicht auf eine besonders überzeugende Weise, sondern vor allem weil der Rest des Teams nicht performte.
  • Calixte “Junior“ Ligue: Gehörte zu den Besseren der 1. Halbzeit und steigerte sich in den zehn Minuten nach dem Pausentee bis zu seiner Auswechslung noch weiter. War als Einziger an allen vier ersten Torchancen beteiligt.
  • Umeh Emmanuel: Guter Start in die Partie. In der 2. Halbzeit kaum zu sehen.
  • Juan José Perea: Das Kopfballtor beim Okita-Eckball in der 90. Minute ist der einzige Abschluss des Mittelstürmers in dieser Partie. Hat bisher in den Zweiten Halbzeiten einen um eine ganze Note tieferen Züri Live-Notenschnitt als in den Ersten Halbzeiten. Dies aufgrund seines kräfteraubenden Spielstils. Ist aber trotzdem immer für ein Tor gut und wird bis zum Ende auf dem Platz gelassen. Holt sich aber wie schon in St. Gallen in der Nachspielzeit eine Sperre.
  • Ifeanyi Mathew: Nach dem Auswärtsspiel in St. Gallen zum zweiten Mal MVP. Bringt nach seiner Einwechslung speziell offensiv mehr Struktur ins Zürcher Spiel.
  • Jonathan Okita: Sein guter Eckball zum 1:3 ist sein erster seit beinahe drei Monaten und führt gleich zu einem Tor.
  • Daniel Afriyie: Defensiv ein klarer Gewinn in der Schlussphase. Trägt dazu bei, dass der FCZ am Ende das bestimmende Team ist. Hält beim Anstoss Servettes nach dem 1:3 Perea nach dessen zu frühem Loslaufen beim ersten Versuch an der MIttellinie wie ein Rennpferd in der Box zurück, bis der Schiedsrichter gepfiffen hat.
  • Yannick Brecher: Schon vor dem ersten Gegentor ein ungenügender Auftritt und dann auch noch an allen drei Gegentoren mitschuldig.
  • Nikola Katic: Nach dem Derby zum zweiten Mal in Folge ungenügend. Steigert sich in der Schlussphase nach der Auswechslung Kutesas. Gegen Ende bei laufendem Spiel Trash-Talk mit der Servette-Bank.

Der Loser: Nikola Katic

Der Zürcher Abwehrchef hatte heute Abend einen schwachen Tag und hatte insbesondere mit Kutesa grosse Mühe. Immer wieder kam er einen Schritt zu spät, und beim 0:2 war er es, der das Abseits klar aufhob.

– sport.ch

Kommentare: Kutesa spielt die Saison seines Lebens

Randnotiz: Stephan Rammings Hobby

Und dann merkte er es doch noch. Es lief die 90. Minute, und Juan José Perea jubelte nach seinem Kopfballtor, als hätte der FCZ-Stürmer in letzter Sekunde den Siegtreffer erzielt. Dem war freilich nicht so, es war für den FCZ eine Art Trostpflaster nach einem Spiel, das die Zürcher auch mit fünf oder sechs Gegentreffern hätten verlieren können. Als auch Perea dies wieder einfiel, hielt er sich zurück, streckte nur den Zeigfinger wedelnd in die Luft und rannte aus dem Servette-Strafraum. […]
Schon als sich die erste Halbzeit dem Ende zugeneigt hatte, musste man Angst haben, dass sich Moniz selbst Schmerzen zufügte ob der Vorstellung seiner Mannschaft. Er hatte sich den kleinen Finger in den Mundwinkel gesteckt und malträtierte ihn so heftig, wie einst Alex Ferguson seine Kaugummis geplagt hatte.

Stephan Ramming, Neue Zürcher Zeitung, bei seinem langjährigen Hobby, FCZ-Spieler, -Trainer und -Funktionäre als „unterbelichtet“ darzustellen

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Das neue FCZ-Kader unter der Lupe: Analyse der ersten 15 Partien 24/25

Dem FC Zürich gelingt 24/25 zum dritten Mal in den letzten vier Saisons ein hervorragender Saisonstart. Mit 18 Punkten aus den ersten neun Runden hat das Team einen Punkt weniger auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Gleichzeitig ist es ein Punkt mehr als 21/22, als man den Meistertitel vor allem durch Topleistungen im zweiten und dritten Saisonviertel, also im Winterhalbjahr, nach Zürich holen konnte. Letzte Saison hatte man den Eindruck, dass die Mannschaft in den ersten Monaten (keine Niederlage bis Anfang November) am oberen Rand ihrer Möglichkeiten performte:

  • viele Standardtore
  • treffsichere Offensivspieler Marchesano und Okita
  • ein Fabio Daprelà, der in dieser Phase so lange es gesundheitlich ging der Mannschaft mit seiner italienisch geprägten Verteidigungsleidenschaft helfen konnte
  • Daniel Afriyie traf doppelt gegen Lugano, überzeugte als Stammspieler aber vor allem mit seiner Defensivarbeit als Manndecker des gegnerischen Sechsers

Trotz dünner Personaldecke lag vor einem Jahr sogar eine makellose Bilanz in den ersten neun Spielen im Bereich des Möglichen – fragwürdige Schiedsrichter- / VAR-Entscheide gegen St. Gallen und in Genf, sowie ein Last Minute-Gegentreffer in Basel und -Big Save von Letica gegen Wallner in Lausanne führten zu Unentschieden in den vier Partien, die man gut und gerne ebenfalls hätte gewinnen können. Und vor der Winterpause war man mit nur einem Punkt aus den erfreulichen Auftritten gegen Luzern, in Winterthur und in St. Gallen schlecht bedient. Letztendlich wäre es aber mit dem letztjährigen Kader eine riesige Sensation gewesen, über eine ganze Saison hinweg vorne in der Tabelle mitreden zu können.

Gomez überzeugt als Rechtsverteidiger mehr denn als Abwehrchef

Diese Saison sind die personellen Voraussetzungen vorteilhafter. Mit Juan José Perea hat man den ersten echten Mittelstürmer seit Assan Ceesay, der regelmässig trifft. Fernand Gouré und Labinot Bajrami wären zudem gute Alternativen, kommen zur Zeit aber wegen Verletzung / Leihe nicht in Betracht. Die Verteidigungsreihe wurde ebenfalls gestärkt. Mirlind Kryeziu bringt konstant gute Leistungen und der Fitnessstand und damit auch die Auftritte von Nikola Katic haben sich im Vergleich zur letzten Saison deutlich verbessert. Eine Viererreihe zusammen mit den beiden Neuverpflichtungen Mariano Gomez und Nemanja Tosic auf den Aussenpositionen wie beim Startspiel in Yverdon wäre ein Abwehrblock, der den Mittelfeldspielern und Stürmern mehr offensive Entfaltung ermöglichen und gleichzeitig bei Standards im gegnerischen Strafraum eine grosse Gefahr für den Gegner darstellen würde.

Tosic musste allerdings schon im ersten Saisonspiel verletzungsbedingt ausgewechselt werden und ist bis heute noch nicht richtig in der Saison angekommen. Gomez hat als Rechtsverteidiger gute bis sehr gute Leistungen erbracht. Aufgrund seiner Schnelligkeit stellte ihn Ricardo Moniz zuletzt auf die zentrale Position in der Dreierabwehr. Diese Rolle liegt ihm bisher aber weniger gut. Gomez scheint zumindest auf den ersten Blick dann am stärksten zu sein, wenn er sich voll auf seine Zweikämpfe, Laufduelle und Zuspiele fokussieren kann, und nicht noch zusätzlich die Abwehr als Ganzes im Blick halten und ordnen muss. Silvan Wallner ist für die eigentlich auf der LInksverteidiger-Position vorgesehenen Tosic und Leidner eingesprungen und entwickelte dabei erstmals im Dress der 1. Mannschaft eine gewisse Konstanz. Damit verdiente er sich seinen Wechsel zu Blau-Weiss Linz, wo er zuletzt bei der Partie bei WSG Tirol bereits erstmals in der Startformation stand. Lindrit Kamberi hingegen kommt bisher weniger zum Zug als letzte Saison und überzeugt dabei jeweils auch nicht in einer Weise, dass ihn Ricardo Moniz zwingend häufiger einsetzen müsste.

Chouiar: viele Torbeteiligungen und effektive Defensivaktionen

Im Mittelfeldzentrum sieht die personelle Situation ebenfalls gut aus, wobei mit dem 27-jährigen Ifeanyi Mathew und dem 17-jährigen Cheveyo Tsawa der Älteste und der Jüngste die grösste Konstanz aufweisen. Tsawa ist nach seiner Gesichtsverletzung auf dem Weg zurück. Der Sohn des ehemaligen FCZ-Spielers, erfolgreichen FCZ Frauen-Coaches und heutigen Athletiktrainers Dorjee Tsawa spielt einen erstaunlich reifen Fussball, ist zweikampfstark, spielintelligent, hat zudem eine gute Technik und ist mit Distanzschüssen auch offensiv gefährlich. Er wirkt wie ein Spieler auf den man sofort bauen könnte. Mathew und Bledian Krasniqi waren in den letzten Wochen die Optionen des Trainers für die Position neben dem gesetzten Cheick Condé. Krasniqi hatte in St. Gallen, wo er normalerweise seine besten Leistungen abzurufen pflegt, Ende September einen völlig verpatzten Einsatz in der 2. Halbzeit. Condé wiederum schien lange nicht 100% fokussiert in die Partien zu gehen. Zwei Tage nach Schliessung des internationalen Transferfensters stand gegen den FC Luzern dann aber plötzlich wieder der Cheick Condé seiner besten Tage auf dem Platz. Seit diesem Spiel ist er wieder zu einem wichtigen Stabilitätsfaktor geworden – und war auch beim 2:0-Sieg in Basel der beste Mann im FCZ-Trikot. Noch nicht zu einem Wettbewerbseinsatz mit der 1. Mannschaft kam bisher der wie Condé aus Conakry (Guinea) stammende Mohamed Bangoura (18), der zudem ein ähnlicher Spielertyp ist, und im Frühling am Blue Stars / FIFA Youth Cup im FCZ U19-Team für gut befunden worden war. Bei seinem Promotion League-Début flog er Mitte September gegen den FC Baden nach 38 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz. Seither folgten vier weitere Einsätze in der U21.

In der Meistersaison waren Antonio Marchesano und Assan Ceesay die Offensivtrümpfe des FC Zürich, bei der starken ersten Saisonhälfte vor einem Jahr das Duo Marchesano / Okita – nun sind es Marchesano und Perea. Das Muster ist erkennbar: Marchesano gut – FCZ gut. Dazu kommt mit Mounir Chouiar nun aber noch ein dritter Mann. Die elf Torbeteiligungen des Franzosen sind aktuell der Spitzenwert im Kader. Unter mehreren Standardspezialisten ist Chouiar im Moment die Nr. 1. Seine Eckbälle und Freistösse sind häufig hervorragend geschlagen. Der von Ludogorets Razgrad ausgeliehene 25-jährige ist spielerisch stark, darüber hinaus aber auch handlungsschnell und mit einem soliden Support in der Defensivphase. Beides im Gegensatz zu manchem früher vom FCZ verpflichteten Spieler vom Typus “Techniker‘ wie Ole Selnaes, Mimoun Mahi, Moritz Leitner, Ante Coric, Denis Popovic, Gregory Sertic oder Benjamin Kololli. Während Marchesano zu Beginn der Saison teilweise auch in einer Doppelspitze eingesetzt worden war, spielt der FCZ aktuell mit Marchesano / Chouiar als Doppel-10 auf den Halbpositionen und Perea als einzige Spitze, die sich flexibel in der ganzen gegnerischen Platzhälfte bewegt.

Ligue als Linker Aussenläufer? Keine neue Idee

Durch die Verletzung von Gouré und die Leihe Bajramis nach Winterthur sind aktuell Daniel Afriyie und Umeh Emmanuel die Alternativen für Perea. Der 23-jährige Ghanaer Afriyie schiesst aber bisher keine Tore und der 20-jährige Nigerianer Emmanuel ist ein anderer Stürmertyp. Marchesano sprüht vor Tatendrang. Sein Notenschnitt bewegt sich konstant auf hohem Niveau zwischen 7 und 9. Die Alternativen für Marchesano und Chouiar auf den Halbpositionen (Doppel-10) sind neben Bledian Krasniqi Nevio Di Giusto, Joseph Sabobo, Jonathan Okita und Armstrong Oko-Flex. Di Giusto hatte bisher durchwegs vielversprechende Teileinsätze, sich aber gegen Sion scheinbar ohne Fremdeinwirkung wieder verletzt. Okita fiel nach anfänglich ansprechenden Leistungen zuletzt wieder ins gleiche Fahrwasser wie bei den wenig erbaulichen Auftritten der vergangenen Rückrunde. Der 18-jährige Sambier Joseph Sabobo wiederum scheint noch nicht bereit für die Liga zu sein. Eine baldige Leihe in die Challenge League oder eine vergleichbare Liga wäre bei ihm sicherlich angebracht.

Zu Beginn der Saison trat der FCZ vorwiegend mit Viererabwehr an. Mariano Gomez (rechts) und Silvan Wallner (links) zeigten dabei gute Leistungen. Lindrit Kamberi ist hingegen ausser Form und Daniel Denoon wurde nach einer längeren Verletzungspause und ohne echte Promotion League-Spielpraxis in der Super League gegen Luzern ins kalte Wasser geworfen, was schief ging. Die dedizierten Linksverteidiger Nemanja Tosic und Dorin Leidner hatten ebenfalls mit Problemen zu kämpfen. Mittlerweile wurde das System auf Dreierabwehr umgestellt. Das Stammduo auf der Aussenläufer-Position sind innert kurzer Zeit Neuverpflichtung Samuel Ballet (rechts) und Eigengewächs Junior LIgue (links) geworden. Ballet füllt diese Rolle bisher dank seiner mittlerweile gewonnenen Reife zufriedenstellend aus. Der gelernte Stürmer Ligue macht sich als LInker Aussenläufer ebenfalls gut. Er hat auf dieser Position in der Vergangenheit bereits bei den Junioren (unter anderem am Blue Stars / FIFA Youth Cup 2022) und bei Testspielen mit der 1. Mannschaft unter Bo Henriksen Erfahrungen gesammelt. Die Idee, dass die Zukunft von Ligue möglicherweise auf dieser Position liegen könnte, existiert beim FCZ also schon seit mehreren Jahren. Ein Beispiel für einen solchen Prozess aus der Vergangenheit ist der FCZ-Junior Miro Muheim, der ursprünglich im Offensiven Mittelfeld spielte. Als er von Chelsea zum FCZ zurück wechselte und zum Linksverteidiger umfunktioniert werden sollte, sträubte sich Muheim erst dagegen. Als dann aber sein nächster Verein FC St. Gallen ihm diesen Positionswechsel ebenfalls nahelegte, willigte er ein.

Brecher noch unter dem Leistungsniveau von 23/24

Doron Leidner als Alternative auf der Linken Seite war zu Beginn der Saison überfordert. Der 22-jährige Israeli hat sich zuletzt zwar etwas verbessert präsentiert, strahlt aber weniger Ballsicherheit aus als der drei Jahre jüngere Ligue, welcher zudem physische Vorteile mitbringt. Nemanja Tosic ist eher ein Linksverteidiger in einer Vierer- oder Innenverteidiger in einer Dreierabwehr als ein Aussenläufer. Rodrigo Conceição wirkt in seinen Auftritten nicht solide und verlässlich. Der jeweilige Gegner bekommt sofort Aufwind auf seiner Seite, wenn der Portugiese eingewechselt wird. Selmin Hodza hat schon bewiesen, dass er mithelfen kann, Druck zu machen, wenn in einer Schlussphase ein Rückstand aufgeholt werden soll. Um ein Kandidat für die Startaufstellung zu werden, müsste er aber mehr Konstanz an den Tag legen – nicht zuletzt bei seinen Einsätzen in der Promotion League. Im Tor zeigte sich Zivko Kostadinovic im Vergleich zu seinen Cup-Auftritten der letzten Jahre verbessert – fokussiert und sicher. So machte er in Le Locle unter anderem eine Topchance Christophe Mokranis zunichte. Yanick Brecher wiederum gehört zu den wenigen Spielern beim FCZ, die in der laufenden Saison bisher unter der letztjährigen Form spielen. Allerdings gab es bei ihm in den letzten Partien eine Aufwärtstendenz und zuletzt gegen den FC Lugano war Brecher erstmals diese Saison Züri Live-MVP.

Brasil-Zug fordert den FC Zürich / Zug 94 – FCZ Vorschau mit möglichen Aufstellungen und Frage zum Spiel

Im Eishockey ist EVZ – ZSC ein Spitzenduell zweier Nachbarstädte. Mit dem Zug ist man in 20 Minuten in Zug. Eine weitere Parallele: wie der FC Zürich hiess Zug 94 ganz zu Beginn seiner Geschichte Excelsior. Dies war der ältere der beiden Vorgängervereine, die Mitte der 80er-Jahre sogar kurze Zeit gemeinsam in der Nationalliga B spielten, bevor sie ein Jahrzehnt später fusionierten. Dieser ältere Verein, der SC Zug, war die Feuertaufe zur international äusserst erfolgreichen Trainerkarriere von Ottmar Hitzfeld. Der damalige Ex-Fussball-Profi und angehende Mathematik- / Sportlehrer gab sich fünf Jahre, um sich im Trainergeschäft zu etablieren. Bei Misserfolg hätte er den Lehrerberuf wieder aufgenommen. Schon in seinem ersten Trainerjahr stieg er aber mit dem SC Zug überraschend erstmalig und gleichzeitig einmalig in die Nationalliga A auf. Daraufhin begründete er erst die erfolgreichste Ära der Klubgeschichte des FC Aarau, gewann dann in drei Saisons fünf Titel mit GC (die erfolgreichste Zeit seit den 40er-Jahren), führte dann den damaligen Mittelfeld-Klub Borussia Dortmund an die Spitze der Bundesliga mit zwei Titeln (den ersten seit mehr als 30 Jahren) und sogar dem klubhistorisch erstmaligen Gewinn der Champions League. Mit Bayern gewann er neben nationalen Titeln ebenfalls den ersten Champions League-Titel der Klubhistorie und die erste europäische Top-Trophäe seit dem Meistercup-Triumph 25 Jahre davor. Als Krönung trainierte er dann auch noch erfolgreich die Nationalmannschaft seines zweiten Heimatlandes Schweiz.

Brasil-Trio im Cup gegen Oberklassige schon mehrfach erfolgreich

Zug 94 will gegen den FCZ mit dem Brasil-Trio Claser, Nabarro und Campello für eine Überraschung sorgen. Dieses Trio hat im Dress des FC Rotkreuz vor zwei Jahren der Reihe nach die Oberklassigen Chiasso, Kriens und Schaffhausen ausgeschaltet – und hielt im dadurch sensationell erreichten Viertelfinal gegen Servette lange gut mit. Dies war bei weitem nicht das einzige Mal, dass ein Grüppchen Brasil-Kicker, die davor und danach keine allzu grossen Stricke zerrissen hatten, an Sensationen im Schweizer Fussball beteiligt waren. Man denke an den Cupsieg des FC Wil 2004 mit dem Duo Rogerio / Fabinho – oder die sensationelle Champions League-Teilnahme des FC Thun mit dem Brasil-Quintett Gelson, Spadotto, Pimenta, Vieira und Bernardini ein Jahr später. Im Zug 94-Kader steckt ganz allgemein viel Erfahrung. Das Durchschnittsalter (26,2 Jahre) liegt drei Jahre über demjenigen des FCZ. Linksverteidiger Marco Trachsel (mit Winterthur) und Mittelfeldspieler Muhamed Seferi (mit Wohlen) haben bereits in der Challenge League-Saison 16/17 gegen den FC Zürich gespielt.

Der ehemalige FCZ-Junior Elvedin Causi schaffte auch aufgrund langwieriger Verletzungen in jungen Jahren den Durchbruch in die Super League nicht. Der von Wohlen neu verpflichtete Innenverteidiger Leotrim Nitaj hat ebenfalls eine Geschichte mit dem FC Zürich. Nach dem nach Verlängerung in Niederhasli verlorenen U18-Meisterschaftsfinal-Derby 2016 wurde das damals hoffnungsvolle Verteidigertalent aufgrund seines Verhaltens nach Spielschluss von GC suspendiert. Seine Ambitionen in Richtung Profi-Fussball wurden damit jäh beendet. Der ehemalige Badener und Aarauer Christopher Teichmann und Evergreen Dein Barreiro (Challenge League-Début vor 17 (!) Jahren mit Winterthur) bilden für die 2. Liga Interregional ein namhaftes Flügelduo. Zug 94 ist nicht nur, aber auch aufgrund von Ligareformen in den letzten 15 Jahren von der dritthöchsten in die fünfthöchste Schweizer Liga gerutscht. Da spielt man aber jeweils mit einem Zweiten und Dritten Platz in den letzten beiden Saisons um den Aufstieg mit.

Frage zum Spiel: Welche Philosophie hat Moniz in der Goalie-Frage?

Der FC Zürich hat nach den Cuptiteln 2014, 2016 und 2018 nun in den letzten sechs Jahren nie mehr den Cup-Halbfinal erreicht. Gleichzeitig ist es viele Jahrzehnte her, seit man das letzte Mal schon in der 1. Runde ausgeschieden ist. Ohne den gesperrten Kryeziu und einem wie von Coach Ricardo Moniz angedeutet möglicherweise geschonten Katic könnten Kamberi und Hodza (oder Leidner) zu einer Chance in der Startformation kommen. Vermutlich wird man als Favorit der Partie in einem 4-3-3 antreten. Interessant wird zu sehen sein, was die Moniz-Philosophie für die Goalie-Frage sein wird. Brecher Nr.1 in allen Wettbewerben? Cup-Goalie Kostadinovic? Oder Kostadinovic nur mit Einsätzen gegen unterklassige Gegner? Je nach Coach hat es in den letzten Jahren alle Varianten schon gegeben.

Wer soll gegen Zug 94 im FCZ-Tor stehen?

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