Der SC Kriens – daheim wie das Kaninchen, auswärts wie die Schlange

Den SC Kriens daheim im Letzigrund im Cup-Viertelfinal empfangen zu können, war für viele Fans des FCZ das Wunschlos. Doch wäre es nicht besser gewesen, auswärts in Kriens antreten zu können oder gar in Bern gegen den BSC Young Boys? Der FCZ spielte bisher einmal gegen die Innerschweizer im Cup und gewann in der Saison 2007/2008 im Achtelfinal auf dem Kleinfeld nach zwei Toren von Hannu Tihinen und einem Treffer von Raffael in der Nachspielzeit 3:0, nachdem es zur Pause noch 0:0 gestanden hatte. Marco Schönbächler war damals schon dabei und auf Krienser Seite der Verteidiger Daniel Fanger. Doch es gibt auch noch ernsthaftere Argumente, Kriens könnte auswärts stärker sein als daheim.

Genau wie in der Super League mit dem Neuchâtel Xamax FC, dem BSC Young Boys und dem FC Thun, so haben auch in der Challenge League mit dem FC Wil, dem FC Schaffhausen und dem SC Kriens drei Clubs ihre heimische Arena mit einem Kunstrasen ausgestattet. Im Falle von Kriens spricht man zwar nicht von der Arena oder vom Park sondern wortwörtlich vom Kleinfeld. Aber anders als bei den beiden Clubs im nordöstlichen oder östlichen Teil des Landes hatten die Zentralschweizer in dieser Saison bisher grösste Probleme, überhaupt einmal ein Meisterschaftsspiel daheim zu gewinnen.

Besonders beim FC Schaffhausen, teilweise auch beim FC Wil spielen richtige Kunstrasenspezialisten mit: technisch starke, körperlich eher kleinere, schnelle und wendige Spieler. Das ist wohl ein wichtiger Grund für den recht klaren Unterschied in den Heim- und Auswärtsbilanzen dieser beiden Clubs. Pikantes Detail dazu: Die beiden bisher einzigen Siege auswärts holte der FC Schaffhausen in Wil und Kriens auf Kunstrasen.

Ganz anders sieht das beim SC Kriens aus. Während auswärts aus elf Spielen 15 Zähler resultierten, sammelte man daheim aus ebenfalls elf Spielen nur gerade sieben Punkte und steht damit an letzter Stelle der Heimtabelle. Allerdings fanden die ersten drei Heimspiele in der Swisspor-Arena in Luzern auf Naturrasen statt. Der erste Heimsieg überhaupt resultierte erst im zehnten Versuch vor 19 Tagen gegen den FC Winterthur, der hinten und vorne Geschenke verteilte. Warum ist der heimische Kunstrasen bisher für den SC Kriens noch kein Vorteil gewesen? Die Innerschweizer haben noch kein spezielles Kader für Spiele auf Kunstrasen aufgebaut oder zusammengestellt. Sie überlassen dazu dem Gegner eher den Ball, schalten aber nach der Eroberung schnell um, was auswärts einfacher funktioniert als daheim. Dazu wird der Club auch immer wieder unterschätzt, auswärts noch viel mehr als daheim.

Mit dem SC Kriens steht eine eingespielte und engagierte Mannschaft auf dem Platz, die jederzeit auf ihre Möglichkeit lauert und von Trainer Bruno Berner bestens vorbereitet scheint und gemessen an den bescheidenen Möglichkeiten fast immer das Maximum herausholt. Beim Betrachten sämtlicher, 31 geschossenen Tore und 37 kassierten Gegentreffern in der Meisterschaft fallen bestimmte, häufige Entstehungsweisen auf. Da sind in erster Linie ausgeprägte Stärken jedoch auch Schwächen nach Standards (10:13). Also beinahe jedes dritte Tor mit Krienser Beteiligung fällt in Momenten nach schnellen Einwürfen, Eckbällen, Freistössen oder Penaltys. Im offensiven Bereich bei indirekt erzielten Toren aus Standards verteilen sich fünf Treffer auf verschiedene Spieler aus allen Mannschaftsteilen. Fünf Tore allein erzielte Nico Siegrist mittels Penalty oder direktem Freistoss. Erstaunlich in der Bilanz der Entstehung der Tore ist aber etwas, das Aufschluss gibt über eine andere Fähigkeit; zuzubeissen, wie eine giftige Schlange, schnell und unerwartet. Denn bei Ballverlusten vor dem eigenen Tor bzw. Balleroberungen vor dem gegnerischen Tor steht das Torverhältnis 7:3. Ohne ein komplett systematisches Pressing der ganzen Mannschaft aufzuziehen, gelingt es den Kriensern trotzdem sehr häufig, in der vordersten Zone mit Hilfe von einem, zwei oder drei Akteuren dem Gegner den Ball abzujagen und danach ein Tor zu erzielen, besonders auf fremdem Platz. Fast ein Viertel der eigenen Treffer fallen so, was ein sehr hoher Wert bedeutet. Selber ist man in der umgekehrten Situation viel vorsichtiger und kompromissloser und lässt nur etwa jedes zwölfte Gegentor auf diese Weise zu.

Eine spezielle Schwäche der Innerschweizer besonders daheim war so wie das erstarrende Verhalten des Kaninchens vor der Schlange trotz oder gerade, weil man in Front lag. So kassierte man mit einem Mann mehr nach einer 2:0-Führung gegen den FC Vaduz in der 87. Minute noch den Ausgleich. Gegen Leader Servette FC vergab man beim Stand von 2:1 oder auch schon vorher manche Grosschance und verlor gar durch Tore von Mychell Chagas in der Nachspielzeit zum 2:2 in der 91. Minute und zum 2:3 in der 94. Minute. Auch gegen den FC Winterthur vergab man eine recht frühe Führung. Und das 1:2 durch Ousmane Doumbia fiel in der 84.Minute. Der SC Kriens hatte daheim also oft Angst vor dem Sieg, stand zu tief und fand die Balance zwischen Defensive und Offensive nicht mehr ganz.

Es fällt zudem auf, dass der SC Kriens von seiner linken Abwehrseite bisher eindeutig mehr Flanken oder Pässe zu Gegentreffern zulassen musste, als von rechts, sowohl auswärts, wie auch daheim.

Zu den Torhütern ist festzuhalten: In der Meisterschaft spielten Simon Enzler (21) und Sebastian Osigwe (24) je elf Spiele. Enzler ist speziell stark, wenn ein Angreifer mit dem Ball allein auf den Keeper zulaufen kann. Hinzu kommen Schnelligkeit und Beweglichkeit auf der Linie. Probleme haben beide Keeper noch bei hohen Flanken mit Freistössen und Eckbällen. Osigwe kassierte in Chiasso allein in einem Spiel drei Tore nach indirekt ausgeführten Freistössen. Besonders ärgerlich war der Ausgleich zum 3:3 in der 92. Minute.

Interessant ist, dass die Akteure des SC Kriens bisher pro Spiel weniger als zwei gelbe Karten kassierten, was in der Challenge League ein unterdurchschnittlicher Wert ist. Nur beim Saisonauftakt in Lausanne übertrieb es mit Nico Siegrist ein Krienser etwas mit seinem Einsatz. Er bekam dadurch die gelbrote Karte gezeigt. Trotzdem ist er in der gut funktionierenden Mannschaft der herausragende Spieler und wichtigste Taktgeber, wirkt dabei fast immer ganz rechts vom Flügel in der Mittelfeldreihe aus, Er stellt vom Typ her den hellwachen und ausgekochten Grümpelturnier-Kicker dar, welcher vom Festzelt direkt auf den Platz kommt, dort im besten Sinn alles tut für seine Mannschaft, alle Mitspieler mitreisst, aber auch auf dem Platz Spass hat und diesen auch verbreitet und nach dem Match wieder im Festzelt eintaucht, so Spiel für Spiel nimmt bis zum Sieg im Final oder eher noch bis zum Ende der Siegesfeier mit den Kollegen.

Siegrist galt mit 17 Jahren beim FC Luzern als hoffnungsvolles Talent. Schon vor seinem zwanzigsten Altersjahr hatte er 39 Super League-Spiele absolviert und dabei sechs Tore geschossen. Nach einem Wechsel zum FC Aarau, danach zur AC Bellinzona mit wenigen Einsätzen kam er nochmals für fünf Spiele zum FC Luzern zurück und erkannte, dass er es wohl ohne grosse Abstriche in der Lebensführung nicht zur absoluten Spitze schaffen würde. Beim FC Biel kam die Freude auf dem Platz zurück. Dort spielte der Stürmer in einer talentierten Mannschaft unter anderem mit Antonio Marchesano, Benjamin Kololli und Myrlind Kryeziu zusammen, bis der Club Konkurs anmelden musste. Danach wechselte Siegrist im Sommer 2015 zurück in die Innerschweiz zum SC Kriens in die Promotion League, aus welcher der Club nach der dritten Saison mit Siegrist den Aufstieg schaffte. Seine Bilanz dabei: 88 Spiele, 34 Tore. Nico Siegrist fühlt sich beim Club auch darum wohl, weil er als Teilzeitprofi einerseits ebenso teilzeitlich als Lehrer arbeiten und andererseits auch einmal ein Bier trinken kann, ohne dass danach der Trainer oder die Medien sogleich ein Theater daraus machen.

Diese Freiheit stärkt Siegrist in seinem Verantwortungsgefühl. Auf dem Platz trifft er beinahe instinktiv fast immer die richtige Entscheidung und das ganz stark im Dienst der eigenen Mannschaft. Ob zu dribbeln, zu passen oder zu schiessen besser sein könnte, Siegrist wählt fast immer die Lösung, die den grössten Erfolg bringen wird, ist gedanklich sehr präsent, ja überdurchschnittlich stark vorausdenkend und handlungsschnell. Er setzt jedem Ball nach, selbst auf der Grundlinie. Die Kollegen wissen das und bereiten sich mit ihrer zahlreichen Präsenz im gegnerischen Strafraum entsprechend auf ein mögliches seitliches Zuspiel nahe vor das Tor vor. Auf diese Weise überraschte man kürzlich den favorisierten FC Winterthur gleich zweimal kurz nacheinander, was dann zum erwähnten ersten Heimsieg reichte. Siegrists Bilanz in der aktuellen Meisterschaft: 21 Spiele, 13 Tore, 8 Assists, also 21 direkte Torbeteiligungen bei 31 Toren der ganzen Mannschaft. Er ist in der ganzen Challenge League für eine Mannschaft der wichtigste Einzelspieler. Siegrist ist äusserlich alles andere als ein glamouröser Typ. Er spielt extrem effektiv jedoch nicht speziell effektvoll. Aber seine Leistung beim SC Kriens hat etwas Glamouröses. Sein Torjubel, oft im Sprint mit erhobenem Arm und ausgestrecktem Zeigfinger führt Siegrist manchmal am gegnerischen Torhüter oder Trainer vorbei oder auf den eigenen Trainer zu, um im kurzen Erfolgsrausch noch etwas Kleines zu bereinigen.

Trainer Bruno Berner verspricht für den Cup-Viertelfinal heute Abend im Letzigrund eine Krienser Mannschaft, die kämpfen wird bis zum Umfallen und dem Favoriten auswärts alles abverlangen wird. Der Trainer der Innerschweizer wird das Spiel von der Tribüne aus verfolgen, nachdem er in Rapperswil-Jona, beim überzeugenden 4:1-Auswärtssieg (drei Treffer von Saleh Chihadeh) im Achtelfinal reklamierend die Coachingzone übertreten hatte und von Schiedsrichter Luca Gut dort schon auf die Tribüne verwiesen wurde.

 

Déjà Vu an der Sihl / Red Star – FCZ 2:3 Analyse & Highlights

Trainer Ludovic Magnin hatte nicht zu viel versprochen, als er ankündigte, man werde den Achtelfinal gegen Red Star genauso ernst nehmen wie jedes andere Spiel, obwohl es gleich neben dem eigenen Trainingsplatz stattfand. Zumindest war dies in der ersten halben Stunde so. Der FCZ zeigte da wirklich einen äusserst fokussierten und erfreulichen Auftritt. Spätestens mit Beginn der Zweiten Halbzeit schlich sich allerdings beim ein oder anderen Spieler der Schlendrian ein. Beipielhaft für die Leistungskurve der ganzen Mannschaft war Flügelspieler Salim Khelifi. der gut begann, nach der Pause stark abbaute und sich dann in der Schlussphase nochmal etwas aufrappeln konnte, als wie schon beim 4:2-Sieg bei Breitenrain Roberto Rodriguez stark mit dafür verantworlich war, die «Kugel» möglichst lange möglichst weit vom eigenen Gehäuse wegzuhalten.

Hakim Guenouche kam zu seinem ersten Wettbewerbsspiel in der 1. Mannschaft und bereitete mit einem seiner Tempoläufe in die Tiefe das 3:0 durch Assan Ceesay (dessen zweites Tor an diesem Abend) in der 27. Minute vor. Guenouche war auch einer derjenigen, die in der 2. Halbzeit um jeden Ball kämpften. Dazu gehörte während der ganzen Partie definitiv auch Adrian Winter, der sich die Züri Live-MVP-Auszeichnung gegen seinen Ex-Klub Red Star redlich verdiente. In der 1. Halbzeit war der Zürcher Sturmpartner von Assan Ceesay und wechselte für den zweiten Durchgang auf die Rechtsverteidigerposition, als Marco Schönbächler für den Rechten Flügel eingewechselt wurde und Stephan Odey von der Rechten Seite in die Spitze wechselte. Zum ersten Mal in einem Wettbewerbsspiel in der Startaufstellung stand zudem der 17-jährige Simon Sohm, eines der grössten Talente aus dem FCZ-Nachwuchs.

Red Star spielte lange Zeit in einer defensiveren Ausrichtung als in der Meisterschaft üblich, blieb aber angeführt von Captain Jan Hartmann immer mit schnellen Gegenstössen, bei welchen die «Zweite Welle» jeweils zügig nachrückte, gefährlich. Nach Breitenrain spielte der FCZ an der Sihl im Cup zum zweiten Mal hintereinander gegen einen Top-Amateurklub mitten in einer belebten Stadtlandschaft und die Partie verlief praktisch identisch mit einer schnellen 3:0-Führung und dem Zittern am Schluss. Zum Viertelfinal Ende Februar empfängt der FCZ nun im Letzigrund den SC Kriens, das aktuell zweitbeste Auswärtsteam der Challenge League, welches im Achtelfinal (natürlich auswärts!) den FC Rapperswil-Jona gleich mit 4:1 bezwingen konnte.

Red Star – FCZ 2:3 (0:2)

Tore: 2. Khelifi 0:1; 8. Ceesay (Khelifi) 0:2, 27. Ceesay (Guenouche) 0:3, 36. Gashi (Hartmann) 1:3; 64. Graf (Thalmann) 2:3.

Red Star: Beeler; Hartmann (61. Durand), Benzlar, Schnidrig, Scherrer, Thalmann (75. Ribeiro); Gashi, Steiger; F. Janett, Baillargeaut (61. Eid), Graf.

FCZ: Vanins; Rüegg (46. Schönbächler), Nef, M. Kryeziu, Guenouche; Odey, Sohm (90.+2 Maouche), H. Kryeziu, Khelifi; Winter, Ceesay (64. Rodriguez).

Derby daheim – das erwartet den FCZ auf der Allmend Brunau

Seit 12 Jahren ist die Allmend Brunau das Zuhause der 1. Mannschaft des FC Zürich. Täglich legen die Spieler und der Staff den Weg von den Garderoben in der Saalsporthalle auf den für sie reservierten Platz der Anlage zurück. Vorbei an Hündelern, Joggern, Spaziergängern oder Modellfliegerenthusiasten. Die als Provisorium gedachte Lösung ist mittlerweile trotz allem auch etwas Heimat geworden. Am Matchtag verschiebt sich der Klub-Tross dann jeweils in den Letzigrund zu den Fans. Heute hingegen werden tausende Fans bei der 1. Mannschaft an der Türe klingeln und sich in deren Wohnstube breit machen. Das Cup-Derby gegen Red Star findet auf dem Hauptplatz des Erstligisten statt, der direkt an den FCZ-Trainingsplatz angrenzt.

Umso wichtiger wird es sein, diese Partie positiv zu gestalten, denn an den Ort des Geschehens werden die Spieler auch danach wieder täglich zurückkommen. Und Teil der Erinnerungen an diesen Ort wird immer das heutige Cupspiel bleiben. Red Star Zürich teilt nicht zufällig sowohl den Namen wie auch Logo und Klubfarben mit dem Red Star FC aus Paris, einem der ältesten und traditionsreichsten Französischen Fussballklubs. Unter anderem war dieser Verein von Fussballpionier Jules Rimet mitbegründet worden: der Mann, nach welchem der erste WM-Pokal benannt worden war, den Brasilien nach ihrem dritten Titel 1970 mit nach Hause nehmen konnte.

Zusätzlich speziell ist die Partie für Adi Winter, der bei Red Star vor 13 Jahren den Schritt von den Junioren in den Erwachsenenfussball gemacht hat. Red Star gilt als bester Schweizer Amateurklub der Geschichte, führt der Klub doch die Ewige Tabelle der 1. Liga an und hatte immer eine grosse und erfolgreiche Juniorenbewegung. Red Star ist ausserdem der wichtigste Partnerklub des FC Zürich. Nicht überraschen kann daher, dass in der «Stadionbeiz» «Kafi Usglich» Autogrammkarten der FCZ-Idole Alain Nef, Marco Schönbächler und Adi Winter neben einem Red Star-Wimpel hängen.

Den FCZ wird von der Spielweise her ein ähnlicher Gegner erwarten, wie am Sonntag St. Gallen. Red Star ist offensiv ausgerichtet und versucht häufig in der gegnerischen Hälfte mit schnellem Umschaltspiel Überzahl zu schaffen. Es fallen viele Tore auf beiden Seiten, da dementsprechend der Gegner meist auch die Gelegenheit bekommt, bei eigenen Konterangriffen Lücken vorzufinden. Allerdings müssen diese schnell und konsequent genutzt werden, denn Red Star betreibt ein sehr laufintensives und solidarisches Spiel, das attraktiv anzusehen ist. Captain Jan Hartmann ist in der mit Tempo nach vorne stürmenden Truppe das defensive Gewissen und für die Balance im Team unabdingbar. Die Mannschaft ist offensiv schwierig auszurechnen, da man im Kollektiv in einer Art „Hurrafussball“ nach vorne spielt und grundsätzlich alle Stürmer und Mittelfeldspieler torgefährlich werden können. Die grosse Frage ist, ob Red Star gegen den FCZ gleich spielen wird, wie immer – oder werden sie ihren Spielstil etwas anpassen?

Der Verlauf der Aufstiegsspiele in die Promotion League Ende Mai/Anfang Juni geben einen Eindruck wie Matches mit Red Star-Beteiligung laufen können: Favorit YB II führt auf der Allmend Brunau klar mit 4:1, als Red Star in der Schlussphase durch den eingewechselten Giovanni La Rocca (heute Wohlen) noch auf 3:4 herankommt. Im Rückspiel im Stade de Suisse vermasselt Red Star dann die Aufstiegshoffnungen der Berner gleich mit einer 4:0-Klatsche. Danach geht es gegen den Traditionsklub Bellinzona (mit vielen Spielern mit Profierfahrung in ihren Reihen) um die Wurst – wieder führt der favorisierte Gast auf der Allmend kurz nach der Pause mit 3:1, was Red Star bis zum Schlusspfiff aber noch in ein 4:3 zu drehen vermag, nachdem bei den Tessinern der ehemalige FCZ-Akteur Tito Tarchini in der 64. Minute mit Rot vom Platz muss. Im Stadio Comunale bringt der mittlerweile wieder zum FCZ zurückgekehrte Marc Figueiredo die Aussenseiter aus Zürch früh gar mit 1:0 in Führung, nur um dann etwa anderthalb Stunden später trotzdem Bellinzona nach einem 1:5 zum Aufstieg gratulieren zu müssen. Auch in der aktuellen Saison unter dem neuen Trainer Simon Roduner (Ex-Höngg) spielt Red Star wieder an der 1.Liga-Spitze mit beinahe drei erzielten Toren pro Partie.

FCZ gewinnt die Finals, YB weiterhin nicht – Cupfinal Highlights & Bericht

Der FCZ gewinnt gegen den Saisondominator YB  (nur vier Niederlagen in 36 Meisterschaftspartien) in dessen Stadion den Cupfinal 2018 mit einer Willensleistung. Der Siegeshunger hatte das Letzigrund-Team gleichenorts bereits 2014 unter Trainer Urs Meier gegen den FC Basel zum Titel getragen. Als grosse Willensleistung kann auch der Titel 2016 mit dem Trainerduo Forte/Magnin bezeichnet werden – nicht wegen des Gegners, sondern aufgrund der psychologisch äusserst anspruchsvollen Situation wenige Tage nach dem feststehenden Abstieg.

https://soundcloud.com/fcz-radio/cupfinal-fcz-yb-21-highlights

Der FC Zürich hat mittlerweile mit 10 Titeln in 11 Finals eine ähnliche Cupfinalbilanz wie der FC Sion (13 Titel in 14 Versuchen). Sion und der FCZ unterscheiden sich von den meisten anderen Schweizer Klubs durch eine jahrzehntelang gleichbleibende Führung, die im Laufe der Zeit viel Erfahrung in der Vorbereitung von wichtigen Spielen angehäuft hat. Luisier und Constantin im Wallis, Hotz und Canepa in der Limmatstadt. Die Einheit im Klub ist für den Teamspirit der 1. Mannschaft in grossen Partien förderlich. Aussergewöhnliche Massnahmen wie die Vorbereitungswoche bei der FIFA auf dem Zürichberg sind schnell beschlossen und umgesetzt. Während in anderen Klubs jeder Verantwortliche darauf bedacht ist, in seinem Verantwortungsbereich einfach einen guten Job zu machen – aber häufig nicht darüber hinauszudenken und -handeln.

YB hat seit dem Cupsieg 1987 in den letzten 31 Jahren alle seine sechs Finalspiele in Cup und Meisterschaft verloren. Der FCZ hingegen ging im gleichen Zeitraum in allen seinen sieben Finals als siegreiches Team hervor! Dabei hat YB in dieser Zeitperiode in der obersten Schweizer Liga insgesamt rund 200 Punkte mehr auf sein Konto gebracht, als der FCZ.  Abgesehen von Einwechselspieler Sarr (trotz seiner Rolle in der Vorbereitung einer guten Torchance), spielte am Sonntag die ganze Mannschaft auf persönlich hohem Niveau. Speziell den beiden während der Spielzeit 17/18 durchzogene Leistungen zeigenden Skandinaviern Thelander und Palsson gelang ihr bestes Spiel im FCZ-Dress. Palsson beispielsweise gewann fast jedes Kopfballduell mit Guillaume Hoarau. Auch Cédric Brunner (unter anderem Vorbereiter des 1:0) gelang zu seinem Abschied eine gute Partie und ein perfekter Abschluss.

Der FCZ war nicht das erste Team, welches bei YB Kasim Nuhu als Schwachpunkt eruiert und ausgenutzt hat. YB seinerseits agierte vorwiegend über die rechte Seite, um von den Defiziten Pa Modous in der Rückwärtsbewegung zu profitieren. Da Mbabu-Ersatz Jordan Lotomba seine seit dem Last Minute-Tor gegen Dynamo Kyiv im letzten August wenig erbauliche Saison nahtlos fortsetzte, und mit einem Fehlpass gar das erste Zürcher Tor einleitete, konnte YB erst im zweiten Durchgang mit dem eingewechselten Thorsten Schick diese Taktik so richtig in die Tat umsetzen. Der 1:2-Anschlusstreffer entstand denn auch über diese Seite nach einer kurzen Flanke Ngamaleus von der Strafraumgrenze, nachdem Pa Modou einen Stellungsfehler Kryezius hatte ausbügeln müssen. Aber bei YB erreichten an diesem Tag insgesamt zu wenige Spieler ihr Rendement, um einen sehr gut eingestellten FCZ selbst in Überzahl noch bezwingen zu können.

https://soundcloud.com/fcz-radio/tempo-und-wille-cupfinal-fcz-yb-spielinfos

FCZ – YB 2:1 (1:0)

Tore: 11. Frey (Brunner) 1:0 ; 75. Marchesano (Pa Modou) 2:0, 80. Sulejmani (Ngamaleu) 2 :1.

FC Zürich: Brecher; Thelander, Brunner, Kryeziu; Rüegg, Palsson, Pa Modou; Marchesano (78. Schönbächler), Domgjoni (46. Sarr); Frey (92. Rodriguez), Winter.

Young Boys: Wölfli; Lotomba (46. Schick), Nuhu, Von Bergen, Benito (76. Ngamaleu); Sulejmani, Sanogo, Bertone, Fassnacht; Assalé (59. Nsamé), Hoarau.

Der FCZ als Aussenseiter im 93. Cupfinal

Der FCZ hat die Möglichkeit, seine Saison als Aufsteiger zu krönen. Er geht im Stade de Suisse aber als Aussenseiter in dieses Endspiel. Und das ist vielleicht sogar ein kleiner Vorteil.

Man könnte in einer Vorschau über den 93. Schweizer Cupfinal über den Vorteil der Young Boys schreiben, den Cupfinal im eigenen Stadion austragen zu können, dazu noch auf dem Kunstrasen, auf dem das Kader auch regelmässig trainieren kann. Ebenso wäre es möglich, die überragende Leistung der Young Boys zu gewichten, welche mit attraktivem Fussball in dieser Saison souverän Meister geworden sind, mit dem hervorragend zusammengestellten Kader, aus welchem einige Spieler noch besonders herausstechen.

Und weil mit Umaru Bangura der zweikampfstärkste Verteidiger dieser Super League-Saison dem FCZ verletzt fehlt und mit Raphael Dwamena Zürichs schnellster Stürmer und zweitbester Skorer gesperrt ist, wäre auch das ein Grund, den Gegner aus Bern noch mehr zu favorisieren. Es bezweifelt niemand, dass Zürich klarer Aussenseiter ist in diesem Cupfinal.

Aber der FCZ hat nach dem FC Sion die zweitbeste Cupfinalbilanz aller Clubs mit mehr als einem Sieg. Zehnmal stand der Club im Endspiel. Neun Siege resultierten daraus. In einigen dieser Finals war der FCZ klarer Aussenseiter (Lausanne-Sports 2000, Basel 2014) oder eher leichter Aussenseiter (Basel 1970, 1972, 1973), in einigen war er gleichwertiger Siegesanwärter (Servette 1966, Lugano 2016) und dreimal war er ganz klarer (Luzern 2005) oder recht klarer Favorit (Servette 1976, Lausanne-Sports 1981).

Gibt es erklärbare Gründe, warum der FCZ in seinen Cupfinals bisher so überdurchschnittlich erfolgreich war? Dazu möchte ich jedes einzelne Endspiel hier kurz betrachten:

1966: Servette FC – FCZ 0:2 (0:0)
Der erste Cupsieg nach der ersten Finalteilnahme des FCZ bewirkte auch gleich das erste Double. Im Final gegen die zweitbeste Mannschaft der Saison war der FCZ ganz leicht favorisiert. Christian Winiger und Fritz Künzli gelangen die beiden Tore vor 56’000 Zuschauern im Berner Wankdorfstadion. Nie mehr kamen bis jetzt mehr Zuschauer an ein solches Endspiel in der Schweiz. Louis Maurer war der Baumeister des Erfolgs. Der FCZ sollte zwischen 1965/66 und 1975/76 die erfolgreichste Phase seiner Clubgeschichte erleben mit neun Titeln innerhalb von 11 Jahren.

1970: FC Basel – FCZ 1:4 (0:0, 1:1) nach Verlängerung
Wohl das wichtigste Tor aller Cupfinals des FCZ gelang René Quentin. Es war der Ausgleich zum 1:1 gut eine Viertelstunde vor Schluss gegen den leicht favorisierten nachmaligen Meister. Dieser Treffer leitete den Umschwung für mehr als ein Finalspiel ein. Bis jetzt gelang den Baslern gegen den FCZ kein Tor mehr in einem Cupfinal. Fritz Künzli sorgte in der Verlängerung mit zwei Toren für die Entscheidung. Beim Tor zum 3:1 reklamierten die Basler eine meterweise Offsideposition des Schützen, die jedoch aus der ungünstigen Kameraperspektive nicht klar belegt werden konnte. Alex Cortis 4:1 war eine Zugabe. Die Zürcher Fans unter den 47`500 Zuschauern jubelten euphorisch, als Captain Werner Leimgruber den Pokal in die Höhe stemmte. Georges Gawliczek war damals Trainer des FCZ.

1972: FC Basel – FCZ 0:1 (0:1),
Daniel Jeandupeux entwischte nach einem Steilpass kurz vor der Pause seinem Gegenspieler Peter Ramseier und erzielte aus vollem Lauf das goldene Tor. Basel war wieder leicht favorisiert. In spezieller Erinnerung bleibt die wohl spektakulärste Torhüterparade in allen FCZ-Cupfinals durch Karl Grob nach einem Distanzschuss von Peter Ramseier beim Stand von 0:0. Der Zürcher Keeper lenkte den Ball mit einem fulminanten Hechtsprung über das Lattenkreuz. Bundesrat Ritschard sagte anlässlich der Siegerehrung, die Zürcher hätten nicht nur Jeandupeux gehabt, sondern auch „chance un peu“, bevor Captain Fritz Künzli vor 45’000 Zuschauern die Trophäe in Empfang nehmen durfte. Die Basler haderten nach dem Spiel etwas mit ihren dunklen Leibchen, die in der Hitze von Bern mehr Sonnenenergie absorbierten, als die weissen Shirts der Zürcher. Spielertrainer Timo Konietzka gewann seinen ersten Titel. Es war der erste Cupfinal, der direkt im TV ausgestrahlt wurde.

1973: FC Basel – FCZ 0:2 (0:0, 0:0) nach Verlängerung
Der FCZ benötigte im Rückspiel des Halbfinals gegen den FC Winterthur daheim im Letzigrund etwas Glück, um das Endspiel zu erreichen. Den Winterthurern wurde ein korrekt erzieltes Tor fälschlicherweise aberkannt. Die FCZ-Fans reisten im Fritz- oder Köbi-Express zum Final nach Bern. Der favorisierte Gegner aus Basel spielte nach den Erfahrungen der beiden zuvor verlorenen Endspiele in orangen Leibchen. Trotzdem war Zürich in der Verlängerung wieder die frischere Mannschaft. Der eingewechselte, schnelle Peter Marti und einmal mehr Fritz Künzli schossen die Tore zum Sieg in einem wieder ausgeglichenen Spiel. Erstmals konnte der FCZ den Cuptitel erfolgreich verteidigen. Für Köbi Kuhn war entscheidend, dass die Zürcher die Couloirs auf den Seiten gegen die aufrückenden Aussenverteidiger der Basler schliessen konnten. Wieder waren 45`000 Zuschauer anwesend. Zum dritten Mal in vier Jahren wurde der FC Basel Meister, nachdem er den Cupfinal gegen den FCZ verloren hatte.

1976: Servette FC – FCZ 0:1 (0:1)
Der fünfte Cupfinal in Bern war der erste des FCZ ohne Fritz Künzli. Dieser verlor ein Jahr zuvor mit dem FC Winterthur das Endspiel gegen den FC Basel. Wer sollte für den FCZ die Tore schiessen? Zürich war als Tabellenführer der Meisterschaft gegen die Herausforderer aus Genf leicht favorisiert. Topskorer Ilja Katic gelang mit dem Kopf schon früh das entscheidende Tor. Zürich unternahm danach nicht mehr viel für ein attraktives Spiel. Und die Genfer konnten kaum reagieren. Am Ende der Saison holte der FCZ das zweite Double. Wieder war Servette die zweitbeste Mannschaft, sowohl im Cup, als auch in der Meisterschaft. Timo Konietzka holte damit seinen dritten Cupsieg als Trainer.

1981: Lausanne-Sports – FCZ 4:3 (1:0, 2:2) nach Verlängerung
Als kommender Meister und Sieger im Hinspiel des Ligacup-Finals gegen Lausanne-Sports war der FCZ recht klarer Favorit. Er vergab aber die grosse Möglichkeit, das Tripple zu erringen. Der FCZ war in der regulären Spielzeit eindeutig die bessere Mannschaft, verspielte jedoch zweimal eine durch Heinz Lüdi sowie Gian-Pietro Zappa erzielte Führung. Torhüter Karl Grob hatte zuvor in seinen vier siegreichen Endspielen nur ein Tor zugelassen. Der Ausgleich zum 1:1 durch Robert Kok fiel nach einem direkt verwandelten Eckball des Holländers. In der Verlängerung stürmte der FCZ kopflos ins Verderben. Trainer Daniel Jeandupeux hätte einen andern Plan gehabt. Der eingewechselte Stéphane Crescenzi hiess der Held des Cupfinals für Lausanne. Innerhalb von zwei Minuten konnte er von der Mittellinie gleich zweimal ungehindert auf das FCZ-Tor zulaufen und die beiden Treffer zum 4:2 erzielen. Walter Iselin sah auch noch die rote Karte nach einer Tätlichkeit gegen den Torschützen. Mit einem Mann weniger gelang Franz Peterhans noch ein Stürmertor zum 4:3. Das verlorene Endspiel gegen Lausanne im Cupfinal ist bis heute eine der bittersten Niederlagen des FCZ. Stéphane Crescenzi hatte vor diesem Endspiel im Fussball keine grosse Rolle gespielt und spielte sie auch danach nicht mehr.

2000: Lausanne–Sports – FCZ 2:2 (1:0, 1:1) nach Verlängerung / 0:3 nach Pen.
19 Jahre später gelang die Revanche unter umgekehrten Vorzeichen. Der FCZ spielte unter Trainer Gilbert Gress nach der Entlassung von Raimondo Ponte in der Auf-/Abstiegsrunde zur NL B und konnte sich nach dem Cupfinal erst im letzten Heimspiel gegen Aarau retten, während Lausanne-Sports Dritter wurde. So war Zürich klarer Aussenseiter. Gotcha Jamarauli glich die Führung der Waadtländer in der letzten Viertelstunde aus und bereitete kurz nach Beginn der Verlängerung die eigene Führung durch Shaun Bartlett vor. Andres Gerber konnte für den Favoriten jedoch noch ausgleichen. Der FCZ rettete nach einer gelbroten Karte gegen Bartlett das Unentschieden über die Verlängerung ins Penaltyschiessen. Nachdem der ehemalige Lausanneois Philippe Douglas dem FCZ-Hüter Marco Pascolo die entscheidenden Hinweise geben konnte, wohin seine früheren Kollegen zielen würden, gewann Zürich nach 24 Jahren wieder einmal den Cup. Urs Fischer, Philippe Douglas und Mikhail Kavelashvili trafen für den FCZ. Marco Pascolo hielt die gegnerische Versuche von Oscar Londono und Sven Christ. Christophe Ohrel traf den Pfosten. Captain Urs Fischer überreichte den Pokal bei der Siegerehrung zuerst dem Präsidenten Sven Hotz. Dieses Endspiel war der letzte Cupfinal im alten Wankdorfstadion.

2005: FC Luzern – FCZ 1:3 (1:0) 32500 Zuschauer bildeten für die Neuzeit eine grosse Kulisse in Basel. Der FCZ war klarer Favorit gegen den FC Luzern, den Club aus der Challenge League. Im Zentrum der Medien stand speziell das Bruderduell von Alhassane Keita und Alseny Keita. Der Aussenseiter begann euphorisch und hatte mit einem Kopfball nach einem Corner durch Genc Mehmeti die erste Grosschance. Nach und nach kontrolliere der FCZ das Spiel und ging durch Marc Schneider vor der Pause in Führung. Alhassane Keita und Mihai Tararache trafen zur Entscheidung gegen die Innerschweizer, welche den sehr talentierten Mittelfelregisseur Pirmin Schwegler nach einem ungeahndeten Foul von Mihai Tararache zum Ärger ihres Trainers René Van Eck früh verloren. Das 1:3 durch Christian Andreoli fiel zu spät, rettete aber noch die Ehre der Luzerner. Mit Captain Davide Taini war es der Torhüter, welcher die neue Cuptrophäe entgegen nehmen durfte. Dieser Cupsieg leitete eine erfolgreiche Aera des FCZ ein, deren Begründer Trainer Lucien Favre war.

2014: FC Basel – FCZ 0:2 (0:0, 0:0) nach Verlängerung
Zwei rote Karten gegen die Basler Gaston Sauro und Giovanni Sio ebneten den Weg zum 2:0-Sieg über den Favoriten. Mario Gavranovic erzielte beide Tore und war dadurch der Held des Cupfinals. In spezieller Erinnerung bleibt Yassine Chikhaouis Vorbereitung des zweiten Tores mit einem Lauf mit dem Ball am Fuss über ¾ des Feldes. Der FCZ spielte mannschaftlich sehr geschlossen und liess gegen den Favoriten nur eine Grosschance zu, die David Da Costa zu Beginn der zweiten Hälfte vereitelte. Basels Trainer Murat Yakin hatte seine Mannschaft zu defensiv eingestellt. So verlor der Serienmeister das zweite Endspiel hintereinander gegen einen Zürcher Club. Urs Meier formte zuvor die erfolgreiche Mannschaft.

2016: FC Lugano – FCZ 0:1 (0:1)
Der FCZ war vier Tage vor dem Final in die Challenge League abgestiegen. Vorentscheidend dafür war eine erschreckend klare 0:4-Heimniederlage gegen den FC Lugano. Nach diesem Spiel wurde Trainer Sami Hyypiä entlassen und durch Uli Forte ersetzt, der das Debakel nicht mehr verhindern konnte.
Knackpunkt des Cupfinals im Letzigrund war ein verschossener Penalty. Anthony Favre wehrte den selbst verschuldeten Strafstoss von Mattia Bottani ab. Sangoné Sarr gelang kurz vor der Pause nach einem Eckball von Oliver Buff im Nachsetzen der entscheidende Treffer. Die Siegesfeier war stark getrübt durch den Abstieg. Als Ersatzcaptain Alain Nef und der im Finalspiel verletzte Captain Gilles Yapi den gewonnenen Pokal verlegen auf die Tartanfläche vor der Südkurve stellten, berührte dieser Moment viele Zuschauer peinlich.

Betrachtet man die gewonnenen neun Finals, so fallen in der Gesamtbilanz spezielle Gemeinsamkeiten auf:
– der FCZ war vom jeweiligen Trainer taktisch hervorragend auf den Gegner eingestellt worden. Diese Taktik erwies sich als Grundlage für den Erfolg. Selbst die Ausnahme (Niederlage 1981) bestätigt diese Aussage
– oft entschieden die Stürmer mit ihren Toren die teilweise sehr engen Spiele
15 Stürmertore / 3 Mittelfeldspielertore / 3 Verteidigertore
– oft konnte sich der FCZ dabei speziell auf den jeweils aktuellen Topskorer verlassen
– in sechs von zehn Finals kassierte der FCZ kein Gegentor, schoss aber immer mindestens einen Treffer
– nur einmal gewann der FCZ den Cupfinal ohne Stürmertor (2016)
– Der FCZ profitierte aber auch von der Leistung weiterer überdurchschnittlicher Individualisten, die an einem einzigen Tag überzeugend auftraten, was über eine ganze Saison wegen fehlender Konstanz auf höchstem Niveau ausblieb
– das Torverhältnis von 21:8 in allen zehn Finalspielen zusammen (dazu noch 3:0 im Penaltyschiessen) unterstreicht die positive Bilanz
– nur dreimal innerhalb einzelner Finalspiele geriet die Mannschaft in Rückstand
– viermal ging ein Spiel in die Verlängerung
– dabei ging der FCZ dreimal in der ersten Hälfte der Verlängerung in Führung
– das einzige Penaltyschiessen gewann der FCZ mit 3:0
– die Beteiligung des FCZ zog fast immer überdurchschnittlich viele Zuschauer an, welche die Mannschaft sehr stark unterstützten
– ein Cupsieg war zweimal Weckruf zu einer erfolgreichen Trainer-Ära (Konietzka 1972, Favre 2005) bzw. Club-Ära mit jährlich errungenem Titel

Durchschnittlich hat von der Wahrscheinlichkeit her jeder Fussballprofi in der Schweiz während seiner Karriere weniger als einmal die Möglichkeit, in einem Cupfinal um die Sandoz-Trophäe zu spielen.

Jeder Club ist in der Gegenwart in einem bedeutenden Spiel auch ein Teil seiner eigenen Geschichte. Die Geschichte des FCZ in den Cupfinals sollte dazu beitragen, jeden einzelnen Spieler und die ganze Mannschaft zu beflügeln, um den grossen Traum vom Cupsieg wahrzumachen zu können.

Der FC Thun hat es in dieser Saison gegen die Young Boys in drei von vier Spielen gezeigt, wie der grosse Favorit in arge Not gebracht werden kann. Thuns Trainer Marc Schneider und Ludovic Magnin sind in der Trainerausbildung im gleichen Jahrgang…

Der FCZ muss unter anderem die Seiten schliessen, Eckbälle sowie Freistösse in Tornähe vermeiden, im Strafraum konsequent aber mit einer gewissen Vorsicht die Dribblings von Sulejmani oder Assalé foulfrei unterbinden, darf sich von Sekou Sanogo nicht provozieren lassen, braucht einen fehlerfreien Torhüter, ein schnelles Umschalten und ein sicheres Pass-Spiel in den gefährlichen Zonen, dazu Effizienz und einen sehr guten Schiedsrichter. Wichtig ist dabei, fokussiert und trotzdem locker ins Spiel zu gehen.

Otmar Hitzfeld sprach nach dem etwas überraschenden Champions League-Sieg im Final gegen das favorisierte Juventus Turin mit Zinedine Zidane 1996 den einfachen aber trotzdem klugen Satz aus: „In einem Spiel, hat man immer eine Chance.“ Hitzfeld studierte die grosse Schwäche der Turiner beim zweiten Pfosten bei Standards und übte intensiv Eckbälle und Freistösse. Borussia Dortmund gewann dank zwei Kopfballtoren von Riedle zum 1:0 und 2:0 nach Eckbällen von Andy Möller mit 3:1. Fussball kann ganz einfach sein.

Die Schwäche der Young Boys ist nicht so einfach zu eruieren. Aber Ludovic Magnin hat seine Mannschaft in Ruhe und mit dem Focus schon seit einigen Wochen und besonders intensiv in der vergangenen Woche vorbereitet.

Es ist für manchen Akteur das Fussballspiel des Lebens. Dieses Spiel hat eine grössere Bedeutung für einen Spieler, der sich nicht gewohnt ist im Sammeln von Titeln.

Die Young Boys haben am letzten Sonntag noch intensiv gefeiert. Es wäre schön, wenn am späteren Sonntag-Nachmittag auch der FCZ feiern und damit gleich in Bern auf dem Kunstrasen beginnen könnte. Aber er muss sich das verdienen. Der FCZ-Trainer fordert von seinen Spielern Mut. Ich bin optimistisch, dass der FCZ über sich hinauswachsen wird in einem Spiel, in dem man immer eine Chance hat, dem 93. Schweizer Cupfinal.

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