Ins 291. Derby gehen beide Zürcher Klubs mit der Gewissheit, dass sich ein Team herauskristallisiert hat, das in der Lage ist, in der Super League erfolgreich zu spielen. Bei GC ist dies schon länger der Fall. Vor der unglücklichen 1:2-Niederlage in Unterzahl in Lugano hatte das Scheiblehner-Team seit acht Wochen kein Spiel mehr verloren. GC hat zudem bisher in allen neun Saisonpartien mindestens ein Tor erzielt. Beim FCZ hatte man beim 3:1 gegen St. Gallen erstmals seit den ersten 70 Minuten zum Saisonauftakt gegen Sion das Gefühl, dass die Rädchen im Verlauf der Partie ineinander zu greifen beginnen. An den letzten zehn Minuten gegen die Walliser hatte der FCZ lange zu kauen, konnte den Schaden seither punktemässig aber in Grenzen halten. Dies vor allem auch dank Einzelleistungen des zu Beginn der Saison effektiv kombinierenden Duos Krasniqi / Emmanuel – oder von Cheveyo Tsawa.
FCZ: Mit „Köpfchen“ spielen und nicht mit dem Kopf durch die Wand
Der FC Zürich hat mit GC, Lugano, YB und FCB einen interessanten Oktober vor sich. Er ist seit 2018 die Nr. 1 der Stadt mit der besseren Derbybilanz (oder höherer Ligazugehörigkeit) in sieben Saisons in Folge. Trotz der besseren Tabellenlage des FC Zürich treten zum ersten Saisonduell zwei Teams gegeneinander an, die sich vom Formstand her auf Augenhöhe befinden. Zu den letzten zwei Derbys mit den Grasshoppers als Heimteam pilgerten jeweils um die 20’000 Zuschauer. Und diesmal kommen im Sektor D zusätzliche Stehplätze hinzu. Der Einsatz von Philippe Keny in der Startelf gegen St. Gallen war mitentscheidend für den Heimsieg, an Mathias Phaëton kommt Trainer Mitchell Van der Gaag aufgrund dessen Form aktuell nicht vorbei und Janoah Markelo kommt auch langsam, aber sicher in die Gänge. Van der Gaag hat somit mit Krasniqi, Emmanuel und Perea ein vielversprechendes Joker-Trio zur Verfügung. Denkbar ist, dass für den Pragmatiker Van der Gaag Junior Ligue auf der Aussenverteidigerposition zu wenig defensive Solidität ausstrahlt und er ihn daher in Zukunft eher als Flügelalternative sieht. Als Backup des jeweils nicht durchspielenden Routiniers Rodic scheint daher der solidere Volken wieder im Vorteil zu sein.
Aufgrund des St. Gallen-Spiels kann vermutet werden, dass Lindrit Kamberi gegen GC für Jorge Segura in der Startformation stehen wird. Wichtig wird gegen hoch pressende Hoppers vor allem sein, hinten heraus geduldig zu passen bis sich echte Lücken auftun, oder sonst auch mal hohe Bälle ins Mittelfeld zu schlagen. Auf keinen Fall sollte man versuchen in der eigenen Platzhälfte „mit dem Kopf durch die Wand“ laufen zu wollen. Offensiv müssen Tsawa und Zuber die Lücken nutzen, die sich bei GC auf der Doppel-Sechs immer wieder auftun. Bei Hassane wechseln sich ähnlich wie früher bei FCZ’s Condé die Top-Defensivaktionen mit zu wenig konsequentem Positionsspiel ab. Nebenmann Zvonarek hat seine Stärken eindeutig in der Offensive. Ausserdem könnten je nach Risikobereitschaft GC’s auf den Seiten auch für die FCZ-Flügel freie Räume entstehen.
GC: Entscheidende Aussenläuferpositionen mit eigenen Talenten besetzt
GC hat aktuell die jüngste Mannschaft der Liga. Diese ist Zentrums-orientiert und sucht den direkten Weg zum Tor. Die im 3-4-1-2 System entscheidenden Aussenläuferpositionen hat der neue Trainer Gerald Scheiblehner mit jungen, leichtgewichtigen Spielern mit viel Ausdauer / Laufvermögen besetzt. Samuel Marques und Simone Stroscio sind beide eigentlich gelernte Zentrale Mittelfeldspieler. Scheiblehner schaute bei seiner Ankunft offenbar als allererstes auf die Ausdauerwerte – und hat dann diese beiden Spieler erfolgreich umfunktioniert. Beide helfen sowohl hinten aus, machen defensiv im Abwehrdrittel aus der Dreier- eine Fünferkette – und tauchen dann in der nächsten Aktion zeitgleich an vorderster Front im gegnerischen Strafraum in Abschlussposition auf.
Speziell der 20-jährige Samuel Marques gehört ligaweit zu den grössten Aufsteigern der bisherigen Saison, da er zusätzlich zu seinem Laufvermögen auch noch seine Technik, Abschluss- und spielerischen Qualitäten ausspielen kann. Bei seinen Diagonalläufen Richtung Strafraum kann er mit den spielerisch ebenfalls exzellenten Asp Jensen und Zvonarek ein gefährliches Dreieck im rechten Halbraum bilden. Nicht nur Marques und Stroscio, sondern auch deren Aussenläufer-Alternativen Allan Arigoni und der Testspieltorschütze gegen Bayern, Loris Giandomenico, stammen alle aus dem GC-Nachwuchs.
Lupi zwischen Stuhl und Bank
Durch die Sperre gegen den 19-jährigen Italiener Dorian Paloschi wird es Rochaden in der Dreierabwehr geben. Zumal der Einsatz von Routinier Saulo Decarli weiterhin unsicher scheint. Eine naheliegende Lösung wäre, den vielseitigen Allan Arigoni in die Abwehrkette zurückzuziehen. Der letzte Saison im Abstiegskampf so wichtige Offensivmann Tomas Veron Lupi (25) ist unter dem neuen Coach etwas zwischen Stuhl und Bank gefallen. Seine Flügelposition existiert im neuen System nicht mehr, und im Offensiven Mittelfeld ist der 19-jährige Jonathan Asp Jensen eine „Bank“.
Nachdem Lausanne-Sport letzte Saison dem FC Zürich den Platz in der Championship Group noch weggeschnappt und letztendlich gar einen Europacupplatz erreicht hat, konnte sich der FCZ nun mit dem Auswärtssieg etwas dafür revanchieren. Es ist der nach der Auftaktniederlage gegen Sion und dem Remis in Luzern der erste Saisonsieg unter dem neuen Coach Mitchell Van der Gaag. Dieser ist gegen einen heimstarken Gegner auf dem Kunstrasen der Tuilière verdient, auch wenn die Waadtländer am Ende noch hätten ausgleichen können. Wie in Luzern stand der FC Zürich aussergewöhnlich tief. Die vier Punkte aus zwei Auswärtsspielen holte man sich mit einer zurückhaltenden Taktik. Wenn man mal ein Hohes Pressing anreissen wollte, funktionierte es weiterhin nicht gut. Das ist man sich vom FC Zürich nicht gewohnt. Der Defensivauftritt mit Raumdeckung im 4-3-3 erinnert etwas an die Franco Foda-Zeit.
Lausanne muss über die Seiten ausweichen
Steven Zuber war überraschend von Beginn weg dabei und an beiden Toren entscheidend beteiligt, hatte aber ansonsten auch diesmal recht viele Ballverluste. Auch die gute Form des Duos Krasniqi / Emmanuel bestätigte sich in dieser Partie. Jorge Segura steigerte sich wie sein Kolumbianischer Defensivkollege Nelson Palacio in der 2. Halbzeit. Die Lausanner Angriffe durchs Zentrum konnte man erfolgreich stoppen, so dass die Waadtländer immer wieder auf die Seiten ausweichen mussten. Genauso gewährte man ihnen nicht so viele und entscheidende Ballverluste im Spielaufbau durch die Mitte, sondern baute auch deshalb vermehrt über die Seiten auf.
Der Verlierer: Kevin Mouanga, Lausanne. Immer wieder wirds über seine rechte Abwehrseite gefährlich. Sieht gegen die wirbligen FCZ-Flügelspieler immer wieder alt aus.
– sport.ch
Am letzten Wochenende beim 1:1 in Luzern fehlte Steven Zuber den Zürchern noch. Umso deutlicher wurde in Lausanne, wie wichtig der 56-fache Schweizer Internationale für den FCZ ist.
– Blue
Personalien – Phaëton und Bangoura enttäuschend
Nelson Palacio: Beim Gegentor war erstmals der Nelson Palacio aus seiner Zeit bei Real Salt Lake zu sehen, der nicht konsequent genug in die Defensive umschaltet. Wenn die Abwehrkette Richtung Grundlinie gedrängt wird, muss der Sechser sich um die möglichen Anspielstationen für Cutbacks in der Linie dahinter kümmern – Kaly Sène dürfte nicht so frei stehen. Wie in Luzern steigerte sich Palacio aber in der 2. Halbzeit und spielte da auch defensiv stark.
Neil Volken: Das Passspiel und die Flanken sind normalerweise eine seiner grössten Stärken. Diesmal kamen aber seine Zuspiele von der Schärfe und Richtung her nicht so präzis wie gewohnt.
Jahnoah Markelo: Bekommt durchaus gute Bälle, kann sich aber zu wenig häufig durchsetzen und vergibt gleich zu Beginn eine Topchance. Dazu mit defensiven Mankos.
Jorge Segura: Obwohl er eigentlich nach Plan in der 60. Minute hätte ausgewechselt werden sollen, steigerte er sich in der 2. Halbzeit enorm und wurde dafür bei seinem ersten Einsatz gleich mit seinem Premièrentreffer belohnt. Gewinnt in Lausanne jeden Zweikampf an der Mittellinie, wenn der FC Zürich hoch steht. Dies im Kontrast zu einem Nikola Katic, der in seiner Zürcher Zeit an der Mittellinie fast jeden Zweikampf verlor. Die Grätsche gegen Butler-Oyedeji an der Strafraumgrenze ist zu riskant – auch wenn die Aktion letztendlich zu Recht als Schwalbe des Lausanne-Stürmers gewertet wird. In Bulgarien hat Segura solche Grätschen öfters ausgepackt, aber dort waren die gegnerischen Stürmer weniger flink und schnell.
Steven Zuber: Weiter Licht und Schatten. Entscheidend an beiden Toren beteiligt. Und bei gegnerischen Standards im eigenen Strafraum defensiv clever. Gleichzeitig verliert er viele Bälle. Und er hat das Hohe Pressing nicht im Griff. Soll dieses anführen und gibt dabei verwirrende Anweisungen, kommt selbst häufig zu spät – in diesem Bereich kein Vergleich zu einem Antonio Marchesano, der im Pressing jahrelang der Schlüsselspieler war.
Umeh Emmanuel: Weiterhin im Formhoch, hilft auch defensiv gut mit.
Bledian Krasniqi: Nach seinem Traum-Assist beim 1:1 in Luzern in Lausanne an beiden Toren beteiligt. Das erste leitet er ein und schliesst selbst ab. MVP mit einer offensiven Top-Leistung, ist aber auch defensiv sehr wichtig. Neben dem Platz ein Herz und eine Seele mit Lindrit Kamberi, versteht er sich auf dem Platz auf der linken Seite fast wie blind mit Umeh Emmanuel. Die beiden arbeiten sowohl defensiv wie offensiv gut zusammen.
Mohamed Bangoura – Weiterhin in der Mannschaft nicht angekommen. Es misslingt ihm alles. Die Mitspieler müssen ständig für ihn einsspringen und das Gefühl haben, man könne ihm den Ball nicht überlassen. Will zu viel, sollte einfacher spielen.
Livano Comenencia – Wird bei seinem Début am Rechten Flügel eingesetzt, hilft in der Schlussphase aber vor allem defensiv mit.
Mathias Phaëton – Weiterhin zu wenig handlungsschnell und auch die Schnelligkeit mit Ball ist nicht genügend – eine enttäuschende Leistung des Franzosen.
Zum Auftakt der neuen Saison gibt es wie zum Ende der letzten wieder eine 2:3-Niederlage gegen einen Klub aus der Westschweiz. Wieder dominierte der FC Zürich über weite Strecken das Spiel und der Gegner schoss innerhalb von 10-15 Minuten drei Tore. Auch damals stand mit Jean-Philippe Gbamin ein Routinier vor allem defensiv völlig neben den Schuhen – diesmal ist es Steven Zuber. In der Züri Live-Leserumfrage wurde er gerade noch mit überwältigendem Mehr zum Spieler der Saison 24/25 gewählt. Hier Zubers wichtigste Szenen gegen Sion im Schnelldurchlauf:
4. Minute: Steven Zubers Motor stottert zu Beginn. Innert derselben Minute verliert er wegen fehlender Handlungsschnelligkeit gleich zwei Mal den Ball.
7. Minute: Guter Querpass von Miguel Reichmuth vor dem gegnerischen Strafraum auf Steven Zuber, dem unbedrängt der Ball weit verspringt. Reichmuth holt diesen mit einem herzhaften Sprint in Richtung eigenes Tor wieder zurück.
12. Minute: Zuber rutscht an der Seitenlinie erneut ein einfacher Ball unter dem Schlappen durch und geht ins Seitenaus.
15. Minute: Erste Abschlussbeteiligung. Bei einem schnellen Konter ausgelöst von Gomez über Reichmuth bedient Zuber Phaëton.
27. Minute: Das grosse Highlight! Da sich Emmanuel wuchtig im Eins-gegen-eins gegen Kabacalman durchsetzen kann, eilt der zweite Sion Sechser Sow diesem zu Hilfe. Dadurch hat Zuber viel freien Raum vor sich als Emmanuel ihn mit dem richtigen Timing bedient. Die Nummer Zehn des FCZ nutzt diesen Raum optimal aus und haut den Ball entschlossen aus 23m herrlich zum 1:0 ins rechte Lattenkreuz.
35. Minute: Kamberi mit einem Top-Diagonalball auf Volken, der eine gute Flanke an die Fünfmetergrenze bringt, wo Zuber beim Kopfballversuch das Timing etwas fehlt.
40. Minute: Zuber humpelt nach einem Sprint – ohne Einwirkung des Gegners . Bis zur Pause kann er defensiv nicht mehr richtig mithelfen, was die Sion-Gegenstösse sofort gefährlicher macht.
45. Minute: Nach dem Pausenpfiff rennt Zuber als Erster in die Kabine. Um sich behandeln zu lassen?
55. Minute: Beim 2:0 Reversons nach einer langen Passkombination durch die Zürcher Reihen ist Zuber nicht direkt beteiligt. Allerdings hilft er mit seinem Lauf Richtung Tor mit den Raum zu schaffen in den sich Reverson zurückfallen lassen und freistehend einnetzen kann.
63. Minute: Erster FCZ-Corner! Zuber spielt mit Palacio kurz und überlegt hin und her bis er frei zum Flanken kommt. Die Flanke an den zweiten Pfosten gerät aber etwas zu weit.
70. Minute: Ab diesem Zeitpunkt lässt Zuber speziell in seiner Defensivarbeit wieder stark nach. Dies trägt neben den Sion-Einwechslungen, -Systemumstellungen und grösserer Risikobereitschaft wesentlich zum Aufbau der Sion-Druckphase bei.
77. Minute: Zweiter Zuber-Eckball – Racioppi lässt diesen auf den ersten Blick relativ einfachen Ball aus den Händen gleiten. Der FCZ kann aber nicht profitieren.
81. Minute: Am Ursprung des 1:2-Anschlusstreffers von Sion steht, dass Liam Chipperfield zentral in der FCZ-Platzhälfte mit seinem starken linken Fuss enorm viel Raum und Zeit hat um unbedrängt einen präzisen, scharfen Ball an den rechten Flügel auf Chouaref zu spielen. Durch die Schärfe und Präzision dieses Balles geht anschliessend alles sehr schnell. Zuber verhält sich bereits seit der 70. Minute defensiv sehr passiv und lässt einerseits Chipperfield frei, läuft aber gleichzeitig auch Kronig nicht richtig an, der Chipperfield unbedrängt mit einem Zuspiel bedienen kann. Hätte Zuber Chipperfield zugestellt, hätte Kronig den Diagonalball auf rechts spielen müssen. Der Ball wäre wesentlich länger in der Luft gewesen. Emmanuel auf aussen und Gomez in der Mitte wären so nicht jeweils einen halben Schritt zu spät gekommen.
81. Minute Doppelwechsel beim FCZ. Krasniqi und Nvendo kommen für Emmanuel und Phaëton. Steven Zuber wechselt von der Doppel-Acht auf den Linken Flügel, die Position von Emmanuel.
84. Minute: Anfängerfehler von Zuber – Fehlpass von der Seitenlinie vor den eigenen Strafraum. Krasniqi winkt, Zuber wartet aber zu lange mit dem Abspiel, so dass Bouchlarhem den Pass abfangen kann.
85. Minute: Zuber erneut sehr passiv auf der linken Seite. Er überlässt es Volken, allein gegen zwei Gegenspieler zu verteidigen. Glücklicherweise ist die Hereingabe Lukembilas in den Zürcher Strafraum schlecht.
87. Minute: Zuber mit einem unnötigen Foul an Chouaref in der eigenen Platzhälfte an der Seitenlinie. Es mag wie Zuber meint eine Fifty-Fifty Entscheidung gewesen sein: beide halten, Chouaref fällt. Trotzdem eine sehr ungeschickte Aktion, die man einem jungen Débutanten als „Lehrblätz“ mal zugestehen könnte, aber eigentlich nicht einem Routinier.
87. Minute: Weiter „Juniorenfussball“ von Zuber. Darf einem Profi nicht passieren. Nach dem Foul gibt er den Ball nonchalant ziemlich schnell dem Gegner. Während seine Mitspieler daran sind, sich alle auf ihre Freistoss-Verteidigungsposition an der Strafraumgrenze zu begeben, will Zuber noch mit dem Schiedsrichter über dessen Entscheidung diskutieren. Anstatt vor den Ball zu stehen oder zumindest genau aufzupassen, was Sion macht. Währenddessen spielt Berdayes den Freistoss schnell auf Chouaref. Dieser kann völlig unbedrängt hinter die sich noch in der Formierung begriffene Zürcher Abwehrreihe flanken – Lukembila trifft wie zuvor Nivokazi am nahen Pfosten.
93. Minute: FCZ macht Druck und kommt nochmal zu einer letzten Möglichkeit. Zuber verpatzt aber den richtigen Zeitpunkt zum Flanken so dass Lavanchy blocken kann. Im schnellen Gegenzug versucht Chouaref noch Brecher aus der Distanz zu überwinden.
Blick und Züri Live mit umgekehrten Benotungen
Trotz des wunderschönen Tores zum 1:0 ist die Bilanz Zubers gegen Sion letztendlich klar negativ. Der FCZ war auch ohne Zuber und ohne das 1:0 gut im Spiel. Sion kam hingegen ganz wesentlich durch Anfängerfehler und schlechte Defensivarbeit Zubers ins Spiel – und drehte es noch. Die beiden ersten Gegentore gehen zu grossen Teilen auf seine Kappe. Möglich, dass die in der 40. Minute zugezogene leichte Verletzung einen wesentlichen Einfluss auf Zubers Auftritt gehabt hat. Er hätte sich dies in diesem Fall dann aber eingestehen und einen Wechsel verlangen sollen. Die Trainer wollten wohl einen der wenigen Routiniers auf dem Platz lassen. Dieser beging danach aber eine Reihe von entscheidenden Anfängerfehlern, während die Jungen im FCZ-Dress eine reife Leistung zeigten. Das Alter per se sagt nichts aus – wie Zuber selbst danach auch in einem Interview bemerkt hat.
„Blick“ sah Zuber als besten Spieler und Neil Volken als schlechtesten. Bei Züri Live ist es genau umgekehrt. Numa Lavanchy und Ilyas Chouaref haben am Freitagabend beide zum neunten Mal im Sion-Dress gegen den FC Zürich gespielt. Sie standen in dieser Zeit wohl noch nie einem FCZ-Linksverteidiger gegenüber, der ihnen Mal für Mal so zuverlässig den Ball vom Fuss stibitzt wie Volken bei dessen Startelf-Début. Es war lange Zeit zum Verzweifeln für die zwei. Normalerweise gibt es von ihnen mehr Bälle und Vorstösse in den Strafraum. Chouaref wich nach der Auswechslung Kolollis zwischenzeitlich sogar mal auf die ungeliebte linke Seite aus, in der Hoffnung dort mehr ausrichten zu können.
Chouaref und Lavanchy kommen gegen Volken nicht durch
Das Aufbauspiel lief beim FCZ lange Zeit vorwiegend über die linke Seite mit Sauter und Volken. Sion verschob sich jeweils mehrheitlich auf diese Seite. Volken fand dabei gegen eine gegnerische Überzahl immer wieder gute Lösungen – und so konnte dann jeweils mit einem Diagonalball der auf der rechten Seite völlig freistehende Phaëton bedient werden. Nicht zuletzt half Volkens wie am Lineal gezogener Pass scharf der Seitenlinie entlang Emmanuel vor dem 2:0 den seitlich rausgerückten Sion-Innenverteidiger Hajrizi zu überwinden.
Der Beste: Wirklich auffällig war er über die 90 Minuten nicht. Doch das macht einen Unterschiedsspieler eben aus: Die neue Nummer 10 des FCZ, Steven Zuber, eröffnet die Super-League-Saison mit einem traumhaften Weitschuss nach 27 Spielminuten.
Der Schlechteste: Der 18-jährige FCZ-Linksverteidiger Neil Volken hat einen gebrauchten Tag erwischt. Die ersten zwei Tore liefen über seine linke Seite, beim Missverständnis zum dritten Gegentor hat er die Füsse massgeblich mit im Spiel und auch sonst war er mehr als nur überfordert.
– Tobias Wedermann, Pascal Keusch, Blick
Die beiden Flügel Emmanuel und Phaëton hatten von Trainer Mitchell Van der Gaag die Aufgabe bei Vorstoss des gegnerischen Aussenverteidigers bis ganz nach hinten den äussersten Raum an der Seitenlinie zu verteidigen. So bildete sich in diesen Situationen hinten jeweils eine Fünferkette wobei die Zürcher Aussenverteidiger (Volken / Kamberi) leicht einrückten. Daher war es Emmanuels und nicht Volkens Aufgabe beim ersten Sion-Tor ganz aussen an der Seitenlinie die Flanke zu verhindern. Dies schaffte der Nigerianer knapp nicht – vor allem auch wegen vorhergehenden groben Versäumnissen des Zürcher Mittelfeldes (Zuber, und wohl auch Palacio). Das Gegentor fiel also zwar über „Volkens Seite“, aber dass es zu dieser Flanke Chouarefs kam, lag nicht in erster Linie an ihm. Beim zweiten Gegentor gilt dies noch weniger, denn hier handelte es sich um eine Freistosssituation, wo die Raumzuteilung jeweils völlig anders ist, als bei laufendem Spiel. Zuber war derjenige Spieler, welcher dieses Gegentor eindeutig am meisten hätte verhindern können und müssen.
Brecher bringt seine Verteidiger in die Bredouille – und ermöglicht Winsley Boteli den FCZ zum zweiten Mal „abzuschiessen“
Dann der Nackenschlag des dritten Gegentores zum 2:3. Eine Drop & Chase-Aktion wie man sie aus dem Eishockey kennt. Von ganz hinten nach ganz vorne gespielt (in diesem Fall von Torhüter Racioppi). Die Verteidiger des FCZ jagen dem Ball nach mit den gegnerischen Stürmern im Nacken. Das Schlechteste was ein Torhüter in so einer Situation machen könnte, wäre rauszukommen und seinen Verteidigern ins Handwerk zu pfuschen. Aber genau das macht Yanick Brecher. Mitchell Van der Gaag hatte in der 86. Minute mit Ihendu und Stork zwei Innenverteidiger eingewechselt um einerseits den gegen Ende der Partie abbauenden Sauter zu ersetzen und andererseits auf Fünferkette umzustellen – um die zunehmenden Sion-Angriffe über die Seiten noch besser verteidigen zu können. Dann fällt das 2:2 auf einen unnötig verursachten Standard.
Vor dem 2:3 zahlt sich hingegen die Fünferkette eigentlich aus. Mit dem linken Innenverteidiger Stork und Linksverteidiger Volken sind beim Drop & Chase in der Rückwärtsbewegung gleich zwei Zürcher am nächsten zum Ball – mit Ilyas Chouaref in ihrem Rücken. Die Situation ist unter Kontrolle. Die Zürcher Verteidiger könnten den Ball mindestens ins Seitenaus schlagen oder mit ihrer spielerischen Qualität möglicherweise gar direkt wieder einen Gegenangriff starten. Dass Brecher in dieser Situation rauskommt ist völlig unnötig und bringt seine Vorderleute in die Bredouille. Anstatt sich um den Ball zu kümmern, müssen Stork und Volken nun plötzlich mit aller Kraft verhindern, dass der von hinten anstürmende Chouaref vor Brecher an den Ball kommt. Die beiden reagieren und kooperieren dabei optimal! Der kräftigere Stork kümmert sich sofort um Chouaref und stellt sich in dessen Laufweg, während der kleinere Volken möglichst nahe am Ball bleibt und diesen eng abdeckt – da er ja nicht wissen kann wie lange Stork es in seinem Rücken schafft, Chouaref aufzuhalten. Dank der guten Arbeit von Stork und Volken kommt dann Brecher tatsächlich vor Chouaref an den Ball, könnte diesen wegschlagen, zögert aber einen Moment, kommt so unter Druck und spielt ihn dann Boteli in die Füsse, der ins verwaiste Tor trifft. Dass Brecher anschliessend auf dem Platz auch noch öffentlichkeitswirksam den Startelf-Débutanten anschnauzt, obwohl er selbst den Fehler gemacht hat, ist nicht Captain-like. Auch in Interviews nach dem Spiel schob Brecher weiter seinen jungen Verteidigern die Schuld zu. Passt auch nicht zum Südkurven-Motto vor der Partie: „Gmeinsam starch wie e ballti Fuscht“.
Siegtorschütze Winsley Boteli hatte im Servette-Dress den FC Zürich bereits vor drei Jahren mit zwei frühen Toren im U16-Meisterschaftsfinal “abgeschossen“. Auf FCZ-Seite stand damals wie heute Neil Volken in der Startformation – dazu der aktuell verletzte David Vujevic (hier geht’s zum Matchtelegramm). Der ebenfalls eingewechselte Ausgleichstorschütze Josias Lukembila traf zudem ebenfalls bereits gegen den FC Zürich – vor gerade mal zwei Monaten am 13. Mai zur Führung des FC Winterthur im Letzigrund. Sion begann im üblichen 4-2-3-1 grösstenteils mit dem letztjährigen Team – und änderte dann im Verlauf der 2. Halbzeit auch aufgrund des Zweitore-Rückstandes die Taktik und brachte neues Personal. Erst auf ein 4-3-3, dann wieder zurück zum 4-2-3-1 und schliesslich auf ein 4-2-4. Der FCZ agierte im üblichen 4-3-3, defensiv aber etwas kompakter als noch unter Ricardo Moniz. Mit der Sion-Umstellung aufs 4-2-4 hatte der FCZ phasenweise Probleme, gerade im Mittelfeld. Alle drei Sion-Tore wurden durch Neuzugänge erzielt.
Drei Sommer-Zugänge sorgten mit ihren Treffern in der 81., 87. und 91. Minute für die nicht mehr für möglich gehaltene Wende. Zunächst gelang Rilind Nivokazi, im letzten Jahr bester Torschütze in der Challenge League, der Anschlusstreffer. Dann glich Josias Lukembila per Kopf aus, ehe Winsley Boteli von einem Missgeschick des Zürcher Goalies profitierte und ins leere Tor traf.
– Blue
Personalien – Emmanuel gereift
Matthias Phaëton: Ist an vielen Abschlüssen beteiligt und arbeitet auch defensiv mit. Kann seine Freiheiten aber nicht zu Zählbarem nutzen.
Nelson Palacio: Zu Beginn mit Ballverlusten. Defensiv insgesamt okay, abgesehen von einzelnen Stellungsfehlern.
Ilan Sauter: Muss sich erst noch an die Super League-Intensität gewöhnen. Seine Spieleröffnung ist beim Trainer aber sicherlich ein Pluspunkt im Vergleich zur Konkurrenz.
Gian Stork: Machte in der kurzen Einsatzzeit defensiv und im Spielaufbau alles richtig. Gelungenes Début.
Daniel Ihendu: Zwei entschlossene Klärungen aus dem Strafraum. Wurde am Ende noch als „Brecher“ nach vorne geschickt.
Damienus Reverson: Lange Zeit wenig im Spiel, schiesst aber in der Super League bisher alle 71 Minuten ein Tor (fünf Tore in 357 Minuten). Zu Beginn der Partie Ballgewinne für den FC Zürich durch engagiertes Forechecking Reversons.
Yanick Brecher: Hat gemäss dbfcz mit 343 Wettbewerbsspielen für den FC Zürich Alain Nef und Urs Fischer eingeholt. Ist 80 Minuten lang abgesehen von seiner Beteiligung am Spielaufbau praktisch beschäftigungslos. Begeht dann in der Nachspielzeit zwei entscheidende Fehler (übermotiviertes Herauskommen, Fehlpass auf Boteli), die Sion das Siegtor bringen.
Umeh Emmanuel: Schon letzte Saison hat er gegen Sion und Yverdon seine besten Partien gemacht. Er wirkt aber auch allgemein nach einem Jahr in Zürich persönlich und fussballerisch gereift. Die klaren Leitlinien unter Van der Gaag scheinen ihm zusätzlich gut zu tun. Setzt sich bei beiden Assists erst mit seiner Wucht gegen Kabacalman / Hajrizi durch und legt dann im richtigen Moment überlegt ab für den besser postierten Mitspieler (Zuber / Reverson). Sein taktisches Verhalten war letzte Saison bis zum Schluss sein grösstes Manko. Nun verhielt er sich bereits im ersten Spiel offensiv-taktisch sehr gut und defensiv-zumindest stark verbessert. Positionierung und Laufweg vor dem 2:0 war einstudiert. Vor dem 1:2 Sions kommt er bei einem sehr gut gespielten Sion-Spielzug gegen Chouaref einen kleinen Schritt zu spät. Im Vergleich zu den Versäumnissen Zubers bei den ersten beiden Gegentreffern war das aber ein kleiner Fehler
Miguel Reichmuth: Bester Mann der 1. Halbzeit, konnte seine Startelfnomination rechtfertigen.
Einen «Horrorstart» nennt es Miguel Reichmuth, der im Zentrum starten darf und eine gute Leistung zeigt. Vor allem in der ersten Halbzeit überzeugt der 21-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs durch viele Balleroberungen und kluge Seitenverlagerungen. Er ist einer dieser Lichtblicke, von denen es, zumindest bis zum zweiten Zürcher Tor durch Damienus Reverson (55.), doch einige gab.
Die Resultate der Züri Live-Leserumfrage zum Saisonstart 25/26 sind da! Diese Umfrage wurde mit zahlreichen Rückmeldungen nach zwei Jahren zum zweiten Mal durchgeführt.
Top-Derbybilanz als grösstes Highlight – mit der Unterstützung der Fans
Diesmal waren die Züri Live-Leser vor allem begeistert von der Top-Derby-Bilanz unter Trainer Ricardo Moniz – mit vier Siegen und einem Unentschieden. Dieses Highlight wird genauso häufig hervorgehoben wie die Unterstützung der Fans, die bei den Highlights in solchen Umfragen immer weit vorne liegt. Die Europacup-Reisen waren hingegen ein weniger grosses Highlight wie bei der Umfrage vor zwei Jahren – klar, man hat diesmal mit Irland und Portugal „nur“ zwei Länder mit FCZ-Support beehrt – und keine Gruppenphase erreicht. 22/23 gab es Reisen bis über den Polarkreis und eine FCZ-Armada in den Strassen von London. Die zunehmende Bedeutung der Frauen-Equipe in den Erwägungen wird illustriert dadurch, dass der Cupsieg des Teams von Renato Gligoroski im Letzigrund gegen den FC Basel (1:0, Tor: Chiara Bücher) von 30% als eines der klaren Highlights der letzten Saison angesehen wird – bei der Züri Live-Umfrage zur Saison 22/23 waren es noch rund 23%, die notabene den Meistertitel der Frauen als Highlight der Saison einstuften.
Highlight der Saison 24/25
Vor zwei Jahren wurde der 1:2-Anschlusstreffer von Roko Simic (aktuell Karlsruher SC) in Luzern am 21. Januar 2023 knapp vor dem Débuttor von Juni Ligue gegen Servette von den Züri Live-Lesern zum Tor der Saison gewählt. Auch diesmal obsiegt wieder ein Tor gegen den FC Luzern – diesmal ist es der trockene Abschluss von Samuel Ballet in die lange Ecke nach einem Tunnel von FCL-Linksverteidiger Andrejs Ciganiks im Letzigrund. Es war aber eine enge Entscheidung, denn die Traumkombination in Sion mit Abschluss Perea, der Bilderbuchkonter in Basel mit erfolgreichem Schlenzer Chouiars und der Weitschussaufsetzer im Derby mit dem schwächeren Linken Fuss Kamberis erzielten fast gleich viele Stimmen.
Schönstes Tor 24/25
Steven Zuber: 63,3%!
Die Benotung der Vereinsführung liegt wie zu erwarten war im durchschnittlichen Bereich, wobei sich die Voten für eine gute „6“ und eine ungenügende „4“ etwa die Waage halten. Auch bezüglich Sportchef Malenovic gibt es zwei Lager, wobei in diesem Fall das Negativlager etwas grösser ist als bezüglich Ancillo und Heliane Canepa. Am besten schneidet Trainer Ricardo Moniz ab mit der grössten Anzahl Voten für eine Note „7“. Extreme Noten an beiden Enden der Skala wurden für Moniz praktisch keine vergeben.
Als besten Spieler der Saison 22/23 wählten die Züri Live-Leser mit 29% der Stimmen in dessen letzter Saison Blerim Dzemaili vor Aiyegun Tosin mit 24,2% und Captain Yanick Brecher mit 16,1% der Stimmen zum besten Spieler der Saison. Diesmal gibt es ein überwältigendes Ergebnis von 63,3% für Steven Zuber. Dies nur einige Monate nach dem unfreundlichen Empfang durch einen Teil der Fans. An zweiter und dritter Stelle folgen mit grossem Abstand Newcomer Jahnoah Markelo und der junge Stammspieler Junior Ligue – in einer Saison in welcher letzterer auf vielen verschiedenen Positionen eingesetzt worden war.
Bester Spieler der Saison 24/25
Mir händ meh vergässe als anderi je erläbed
2023 stand auch die Frage nach der besten Choreographie im Zeichen von Blerim Dzemaili. 17’700 Zuschauer sahen im Letzigrund gegen Lugano dessen Abschied von der Fussballbühne und auch die Choreographie zu seinen Ehren. Auch diesmal waren die Verabschiedungschoreos für Antonio Marchesano und Mirlind Kryeziu beliebt. Die Nummer Eins ist allerdings diesmal „Mir händ meh vergässe als anderi erläbed“ vom Auswärts-Derby am 30. März 2025.
Beste Choreo 24/25Bild: Südkurve
Geringe Meisterhoffnung
Die Meisterschaft wird 24/25 zu einem klaren Zweikampf zwischen dem amtierenden Meister FCB und dem davor über mehrere Jahre weitgehend die Vorherrschaft innehabenden YB. 83,5% geben entweder dem einen oder anderen Team ihre Stimme, mit leichten Vorteilen für Basel. Dem FC Zürich trauen 8,7% den Schweizer Meistertitel zu. Danach folgt Lugano. Servette, GC, Winterthur, Lausanne-Sport und Luzern wurden von Einzelnen als Tipp für den Meistertitel ebenfalls noch erwähnt.
In Sachen Schlussrangierung sind die Züri Live-Leser optimistischer als vor zwei Jahren. Damals des FC Zürich hatte Rang 6 am meisten Stimmen erhalten. Diesmal gehen je mehr als 20% von einem 4. oder 5. Platz aus. Die Schlussrangierung der Vorsaison war ja auch etwas besser als vor zwei Jahren gewesen. Interessanterweise sieht von 255 Einreichungen des Fragebogens niemand (!) den FC Zürich auf dem 2. Platz. Meister und die letzten drei Plätze werden ebenfalls als ziemlich unwahrscheinlich angesehen. Fragen stellen sich dann aber bei den doch immerhin etwa 5% der Teilnehmenden, die den FCZ in der Meisterfrage auf dem 1. Platz getippt haben, bei der Rangierung dann aber nicht.
Züri LIve-Lesertipp Schlussrangierung FCZ 25/26
Markelo, Tsawa plus zwei Transfers
Vor der Saison 23/24 setzten am meisten Züri Live-Leser ihre Hoffnungen auf Donis Avdijaj, knapp vor Bledian Krasniqi und Calixte „Junior“ Ligue. Dieses Trio lag deutlich vor allen anderen genannten Kandidaten. Diesmal rechnet man vor allem damit, dass Jahnoah Markelo und Cheveyo Tsawa (weiter) „explodieren* werden. Dahinter folgen Reverson, Emmanuel und erneut Krasniqi.
Welcher Spieler „explodiert“ in der Saison 25/26?
Der Wunsch nach zusätzlichen Transfers ist gross. Einen Stürmer und einen Verteidiger wünscht sich die Mehrheit der Züri Live-Leser.
Transferwünsche der Züri Live-Leser
Das schöne Oberland lockt
In Sachen Auswärtsreisen freuen sich die FCZ-Anhänger wie schon vor zwei Jahren am meisten auf die neue Destination des Aufsteigers (diesmal Thun), dazu Basel, Winterthur und St. Gallen. Genf und Lausanne wecken als Auswärtsdestinationen am wenigsten Begeisterung.
Auf welche Auswärtsreise freust du dich am meisten?
Die Einschätzung der Ticket- und Abopreise im Letzigrund bleibt im Vergleich zu vor zwei Jahren weitgehend unverändert: eine Mehrheit findet sie weiterhin okay, annahernd 30% empfinden sie hingegen „an der oberen Grenze“. Zu teuer sind sie für 8,6% der Abstimmenden.
Einschätzung der Ticket-/Abopreise
Stadion wird bis zum 200 Jahr-Jubiläum des FC Zürich eröffnet
In Bezug auf die Realisierung des neuen Fussballstadions in Zürich sind die Züri Live-Leser in den letzten zwei Jahren skeptischer geworden. Mittlerweile rechnet fast die Hälfte der Abstimmenden damit, dass das Stadion nie oder zumindest nicht zu ihren Lebzeiten stehen wird. Dass es bis ins Jahr 2032 eröffnet wird, glaubt nur noch ein Viertel.
Zwei Tage nach dem EM-Halbfinal im Letzigrund zwischen Spanien und Deutschland startet der FCZ zu Hause gegen den FC Sion in die Saison 25/26. In der letzten Saison haben die meisten Spieler unter Coach Ricardo Moniz einen Schritt nach vorne gemacht. Bledian Krasniqi entwickelt sich immer mehr zum Leistungsträger, hat so viel gespielt und so viele Skorerpunkte erzielt wie noch nie – und kam zu seinem Début in der Kosovarischen Nationalmannschaft. Nikola Katic konnte sich im Bosnischen Nationalteam etablieren. Daniel Denoon und JP Gbamin gelang der Wechsel in eine Top-Liga.
Positive Entwicklung vieler FCZ-Spieler unter Ricardo Moniz
Mariano Gomez entwickelte sich zu einem umsichtigen Abwehrchef. Der aus dem Kreis 11 stammende Junior Ligue hatte als 19-jähriger am fünftmeisten Spielminuten des ganzen Kaders. Mounir Chouiar, JP Gbamin und Juan José Perea konnten sich nach komplizierten Zeiten anderswo nun beim FCZ wieder aufpäppeln. Lindrit Kamberi schoss als Rechtsverteidiger erneut vier Tore, davon ein Weitschusstreffer im Derby mit Links. Steven Zuber überzeugte von Anfang an, nachdem der ehemalige AEK-Meisterspieler nach einem Trainerwechsel in Athen nicht mehr wie gewohnt zum Zug gekommen war. Der zu Beginn der Saison 17-jährige Cheveyo Tsawa etablierte sich mehr und mehr als Stammspieler. Samuel Ballet weckte international Interesse.
Damienus Reverson lieferte in der wenigen Spielzeit sofort mit Toren ab. Sein vom Kroatischen Drittligisten Kustosija via Celje gekommener Landsmann Jahnoah Markelo entwickelte sich innerhalb einer Saison vom U21-Spieler zum wohl besten Rechten Flügel der Super League. Der zuvor lange stagnierende Miguel Reichmuth machte sich für die 1. Mannschaft interessant. Silvan Wallner hatte zum Saisonbeginn und vor seinem Wechsel nach Österreich die mit Abstand beste Phase seiner letztendlich relativ kurzen Karriere. Die jungen David Vujevic, Vincent Nvendo, Cosimo Fiorini, Neil Volken, Mohammad Mahmoud, Norbu Lhakpa und Parfait Coulibaly machten alle ihre ersten Schritte in der Super League und zeigten gute Ansätze. All dies bei gleichzeitig einem grossen Kaderumbruch und Umstellung des Spielsystems war eine Parforce-Leistung. Gegenbeispiele gab es nur wenige: Yanick Brecher spielte eine schlechtere Saison als 23/24, von Umeh Emmanuel wurde in seinem ersten FCZ-Jahr sicherlich eine etwas schnellere Entwicklung erwartet, Selmin Hodza stagnierte, die Linksverteidiger Doron Leidner und Benjamin Mendy enttäuschten.
Volken und Stork mit guten Einsatzchancen
Unter dem Strich waren die individuellen Entwicklungen der Spieler deutlich im Plus. Das ist die erfreuliche Basis des Teams, das gegen den FC Sion am Freitagabend die Super League-Saison 25/26 eröffnen darf. Bei den Neuverpflichtungen gibt es hingegen noch Fragezeichen. Der den Rhythmus eines Super League-Teams nicht gewohnte Ilan Sauter musste gleich in zwei Testspielen angeschlagen ausgewechselt werden. Nelson Palacio und Matthias Phaeton hatten noch kaum Zeit, sich in die Mannschaft einzufügen. Das Spielsystem 4-3-3 bleibt unter dem neuen Trainer Van der Gaag gleich. Genauso wie die letztjährigen offensiven und defensiven Rollen von für das Zürcher Spiel zentralen Akteuren wie Lindrit Kamberi, Bledian Krasniqi oder Steven Zuber. Van der Gaag hat aber von Anfang an auch seine Prägung als langjähriger Coach von portugiesischen Underdog-Teams betont. Tatsächlich macht unter ihm im Vergleich zum Vorgänger alles einen ruhigeren und ausgewogeneren Eindruck. Man geht im Pressing weniger Risiko. Und in den Testspielen hatte viel von Van der Gaags Coaching mit Absicherung zu tun. Von der guten Vorarbeit von Moniz kann Van der Gaag dabei profitieren und darauf aufbauen.
In der Sommervorbereitung wechselten sich gute und weniger gute Leistungen ab, wobei die Mannschaft von Mitchell van der Gaag gegen Gegner mit unterschiedlichem Niveau unterschiedliche Ergebnisse erzielte. (Messerscharfe Analyse der FCZ-Saisonvorbereitung auf fcsion.ch)
Zum Auftakt muss der FC Zürich auf die verletzten / angeschlagenen David Vujevic, Junior Ligue und Isaiah Okafor verzichten. Der beim letzten Testspiel in Ulm fehlende Jahnoah Markelo ist ein Fragezeichen. Für Ilan Sauter könnte allenfalls auch Gian Stork, der noch kein Wettbewerbsspiel für die U21 bestritten hat, zu seinem Super League-Début kommen. Er passt als Ergänzung besser zu Abwehrchef Gomez als der weniger schnelle letztjährige U21-Abwehrchef Ihendu. Der ebenfalls 18-jährige Neil Volken wird zudem vermutlich sein Startelf-Début feiern. Und auf welcher Position spielt Steven Zuber? In der Vorbereitung wurde er wie unter Ricardo Moniz vorwiegend auf der Doppel-Acht eingesetzt. Kann sich der FC Zürich in der gegnerischen Hälfte festsetzen, agiert Zuber dabei wie schon letzte Saison eher als der offensivere der beiden Achter, der sich zusammen mit Rechtsverteidiger Kamberi in die vordere Fünferkette bewegt, während der andere Achter dann in einem 3-2-5 eher zurückstaffelt. Beim letzten Test gegen den SSV Ulm begann Zuber die Partie allerdings wieder mal auf dem Linken Flügel.
Wieder mehr Rouge et Blanc beim FC Sion
Wie FCZ-Trainer Van der Gaag an der Pressekonferenz vor der Auftaktpartie richtig angedeutet hat, sind beim FC Sion vor allem die Vorderreihen breit und gut aufgestellt. Seit letzter Saison setzt man beim FC Sion zudem wieder deutlich mehr auf Walliser Eigengewächse als in den Jahren davor. Vor diesem Hintergrund schmerzt es Sportchef Barthélemy Constantin vermutlich, dass sich Edimilson Fernandes bei seiner Rückkehr in die Schweiz für YB entschieden hat. Mit Hajrizi und Kronig könnten zwei Walliser in Zürich in der Startaufstellung stehen und Top-Talent Adrien Llukes (17) steht ebenfalls bereits in den Startlöchern. Die letzte Saison bei Bellinzona zusammen spielenden Sauter und Nivokazi könnten direkt aufeinandertreffen. In der Abwehrreihe ist das Team von Trainer Tholot hingegen wie aktuell der FCZ eher dünn aufgestellt. Und die neue Nummer 1 Anthony Racioppi (vom 1. FC Köln gekommen) hat zuvor in der Super League noch nicht konstant gute Leistungen abrufen können.
von Züri Live Deutschland-Korrespondent Toni Gassmann
Ulm und sein SSV 1846 Fussball
Ulm ist mit ca. 130’000 Einwohnenden nach 195 km von der Quelle in Donaueschingen die erste grosse Stadt am Flusslauf der Donau. Hier wurde 1879 Albert Einstein geboren, der Entdecker der Relativitätstheorie, später dann, mit grosser Relevanz für den Fussball, auch Uli Hoeness (1952) und sein Bruder Dieter (1953). Apropos relativ: Für Menschen in der Schweiz wäre Ulm eher eine grosse Stadt, die sechstgrösste, knapp vor Winterthur. Für Menschen in Deutschland wäre die Stadt im schwäbischen Teil von Baden-Württemberg eher weniger gross, die Nummer 63 der bevölkerungsreichsten Städte im ganzen Land.
In Ulm und um Ulm herum wurde in den vergangenen Jahren nach drei Insolvenzen, die letzte 2014, die Begeisterung für den „SSV Ulm 1846 Fussball“ wieder entfacht. Von der Regionalliga kletterte der Club unter Thomas Wörle, vormals bei den Frauen des FC Bayern München, im Sommer 2022 zuerst in die 3. Liga, danach 2023 direkt in die 2. Bundesliga hoch. Vereinfacht geschrieben waren eine solide Abwehr, viele Tore aus Standards und der brasilianische Tempodribbler Léo Scienza mit 12 Toren und 13 Assists Schlüssel für den Durchmarsch, der dazu durch aussergewöhnlichen Teamgeist möglich wurde. ULMAUFHALTSAM lautet denn auch der Titel des bebilderten Buches über diese historische Erfolgsgeschichte. Ähnliches erlebten in der gleichen Zeit parallel dazu Spieler und Fans der Westfalen vom SC Preussen Münster und eine Saison davor die SV Elversberg aus dem Saarland, welche 2021 in der Regionalliga Südwest vor Ulm den Aufstieg erreicht hatte.
Mit 17’000 Zuschauern war das 1925 eingeweihte Donaustadion am 3. Oktober 2023 im Drittligaspiel gegen 1860 München seit dem Jahr 2000 erstmals wieder ausverkauft. Vergleichbar ist das Stadion mit Tartanbahn um das Spielfeld herum mit dem bisherigen Stadio Cornaredo von Lugano: kurze, gedeckte Haupttribüne, lange, ebenfalls gedeckte Gegentribüne, je zum Sitzen, flache, ungedeckte Stehtreppen in beiden Kurven. Für die Zulassung zur 2. Bundesliga musste letzten Sommer eine Rasenheizung und eine Bewässerungsanlage eingebaut werden.
Durch diese Erfolge wechselten zuerst Spieler, wie Yannick Rochelt (Elversberg, jetzt Hannover) und Adrian Beck (Heidenheim), später Léo Scienza (Heidenheim) in höhere Ligen, was die Ulmer letzte Saison zu spüren bekamen. Dass trotz Trainerwechsels zum ehemaligen U19-Trainer, Robert Lechleiter, noch während der letzten Spielzeit, sogleich wieder der Abstieg folgte, scheint aber diesmal keine existenzielle Katastrophe mehr zu sein, anders, als es das jeweils in früheren Jahren gewesen war, als vieles danach zusammengebrochen war; beispielsweise nachdem Ralf Rangnick zuvor die Ulmer Spatzen 1998 in die 2. Bundesliga geführt hatte, Martin Andermatt 1999 danach der Aufstieg in die 1. Bundesliga gelungen war, verbunden mit dem sofortigen Abstieg, nicht zuletzt wegen einer denkwürdigen und vorentscheidenden 1:2-Niederlage in Rostock, früh in der Saison, als gleich vier Spieler von Ulm im Laufe des Spiels die Rote Karte zu sehen bekommen hatten, dazu Trainer Andermatt und der Manager des Clubs. Aber erst in der 90. Minute war Rostocks Victor Agali damals mit 11 gegen 7 Spielern das Siegtor gelungen. Am Ende hatten den Ulmern genau diese drei Punkte Differenz gefehlt, um mit Rostock gleichauf dazustehen. Bis heute ist es das Spiel mit den meisten Roten Karten in der Geschichte der Bundesliga und damit unrühmlich legendär. Sie waren allesamt berechtigt. Es hätten sogar noch mehr sein können.
Der FCZ vor dem Testspiel
Gemäss Insiderinformation verliefen die Trainings durch den neuen Chef Mitchell Van der Gaag sehr intensiv und gezielt ausgerichtet. Einerseits ging es inhaltlich in der Vorbereitung um den Aufbau einer sehr guten Fitness, andererseits stark um ein taktisches Konzept. Idee ist, mit gezieltem und von der physischen Beanspruchung her bewusst getaktetem Pressing, in Ballbesitz zu gelangen und so die Kräfte auf die ganze Dauer des Spiels besser zu verteilen. Dadurch soll der FCZ in Zukunft länger das Spiel kontrollieren können. Bevorzugtes System ist ein 4-3-3. Gegen den FC Magdeburg, immerhin 5. in der Schlusstabelle der letztjährigen 2. Bundesliga, hatte der FCZ eine Woche zuvor bereits eine gute Umsetzung dieses Vorhabens gezeigt, war die Mannschaft doch während allen vier Spielteilen à 30 Minuten die bestimmende Mannschaft gewesen und hatte souverän mit 2:0 gewonnen.
Die Rahmensituation um das Testspiel herum
Die Testpartie zwischen dem SSV Ulm und dem FC Zürich war ursprünglich auf den Sonntag angesetzt worden. Aber wegen der Festlegung der Swiss Football League, die Meisterschaft 2025/2026 durch den FCZ gegen den FC Sion bereits am Freitagabend zu starten, verschob der SSV Ulm die Begegnung auf Bitte des FCZ auf den Samstag.
Was auf den ersten Blick problemlos erscheint, ist bei genauerer Betrachtung als echtes Entgegenkommen der Ulmer zu sehen. Sie hatten geplant, dieses Spiel in ihre Saisoneröffnung mit Rahmenprogramm einzubetten. In Deutschland sind solche Anlässe bei Profivereinen vor dem eigentlichen Meisterschaftsstart üblicher, als bei Clubs in der Schweiz. So war es vorgesehen, im Ulmer Münster, einem bedeutenden, gotischen Bauwerk im Stadtzentrum, um 12:00 Uhr für Fans eine kirchliche Messe abzuhalten. Danach würden diese zu Fuss zum Donaustadion gelangen und dort sollten Sportdirektor Markus Thiele und Trainer Robert Lechleiter vor Publikum am Spielfeldrand befragt werden zur bevorstehenden Saison, inklusive der Verkündung der Vertragsverlängerung von Captain Jo Reichert. Weiter sollte das neue Heimtrikot präsentiert werden. Nach dem Spiel würde der Anlass speziell für die jungen Fans abgerundet mit der Gelegenheit, Autogramme ihrer Lieblinge einholen zu können. Die Behörden ordneten jedoch an, dass am Samstag im Stadion nur 5000 Zuschauende zugelassen sein dürfen, um andere Veranstaltungen nicht stärker zu konkurrenzieren. Das ganze Rahmenprogramm fand trotzdem so statt, wie geplant. Allerdings beteiligten sich dabei merklich weniger Leute an Messe und Fanmarsch, wie an einem Sonntag. Trotzdem war es auch als Ortsfremder kein Problem, ohne elektronische Hilfe zum Donaustadion zu gelangen, denn es bewegten sich immer noch genügend SSV-Anhänger in diese Richtung. Die Gastmannschaft aus der Schweiz war im Bus angereist und dabei noch etwas in einen Stau geraten. In latenter Ferienstimmung erschienen war zudem eine Gruppe von Fans des FCZ.
Brecher Kamberi – Gomez – Sauter (ab 19. Stork) – Volken (ab 59. Mendy) Tsawa (ab 59. Reichmuth) – Palacio (ab 78. Bangoura) – Krasniqi (ab 59. Oko-Flex) Emmanuel (ab 83. Di Giusto) – Reverson (ab 59. Phaëton) – Zuber
Bemerkung zur 2. Halbzeit: Reichmuth nach Einwechslung halblinks, Zuber halbrechts im Mittelfeld Oko-Flex rechts am Flügel, Emmanuel links am Flügel
Das Spiel
1. Halbzeit
Im Ulm war der FCZ eine gute halbe Stunde lang offensiv harmlos und musste den Schwaben bei schnellen Vorstössen in die Tiefe durch Röser und speziell Becker grössere Möglichkeiten zugestehen, die aber Brecher mit guten Interventionen unterbinden konnte. Zuvor hatte sich Sauter nach einem Zusammenstoss im Gesicht verletzt und sich auf dem Jochbein unter dem rechten Auge eine Platzwunde zugezogen die später aufschwoll. Nach längerer Pflege auf dem Spielfeld und Behandlung in der Kabine war er nochmals kurz ins Spiel zurückgekehrt, musste dann aber trotzdem für Stork ausgewechselt werden. In dieser Phase zielten auch Röser und Boller nach einem Eckball bzw. Einwurf jeweils von rechts mit dem Kopf knapp über das Tor.
Erst in der letzten Viertelstunde vor der Pause kam der FCZ vorne zu zwei Torszenen. Zuerst prallte dem überraschten Reverson nach einer Hereingabe von Emmanuel von der rechten Seite der Ball in bester Position im Strafraum seitlich an den Oberschenkel und versprang unkontrolliert. Die zweite Gelegenheit eröffnete sich Emmanuel nach einem Ballverlust der Ulmer vor der Mittellinie. Er übersah aber den links ideal mitlaufenden und gestikulierenden Zuber, verzögerte den Lauf, zog nach innen und schloss schliesslich selber ab. Der Schuss ging rechts vorbei. Bemerkenswert ist, dass sich Zuber auch danach noch offensichtlich aufregte, in so guter Position nicht angespielt worden zu sein. Im Ansatz sollte dies die beste Chance des FCZ im ganzen Spiel bleiben. In der Nachspielzeit vor der Pause war es dann Castelle, der auf Pass von Brandt von der halblinken Seite an der Strafraumgrenze Brecher mit einem präzis geschlenzten Schuss tief in der rechten Ecke überwinden konnte. Die Führung zu diesem Zeitpunk für den SSV Ulm war verdient, gemessen an Spielanteilen und Möglichkeiten. Die Schwaben wirkten spritziger in den Zweikämpfen und stellten den FCZ mit zügig umgesetztem, vertikalem Spiel vor gewisse Probleme. Ein Beleg dafür ist auch die Gelbe Karte gegen Gomez, der Castelle einmal im letzten Moment noch vor dem Strafraum zu Fall bringen konnte. Und vom FCZ kam kein einziger Abschluss auf das Ulmer Tor.
2. Halbzeit
Zur 2. Halbzeit wechselten die Ulmer sechs Spieler aus, später noch den weiteren Rest der Startelf. Der FCZ spielte vorerst in gleicher Formation weiter, wie vor der Pause, und konnte das Spiel nun ausgeglichen gestalten. Trotzdem waren es wieder die Ulmer, welche das nächste Tor erzielten. Scholze hatte auf der rechten Seite knappen Raum und Zeit für eine präzise Flanke, welche Kahvic beim hinteren Pfosten mit perfektem Timing wuchtig einköpfen konnte. Weder die Flanke, noch den erfolgreichen Kopfball konnte der FCZ verhindern.
Mit den vier Wechseln nach einer Stunde und einer Verschiebung von Zuber vom linken Flügel auf die 8er-Postition ins Mittelfeld rechts, hatte der FCZ dann auch seine beste Phase und in der 67. Minute gleich zwei sehr gute Szenen. Zuerst traf Zuber auf Pass von Phaëton von ausserhalb des Strafraums den rechten Pfosten. In einer neuen Aktion visierte darauf Phaëton selber mit einem Distanzschuss die Lattenoberseite über dem rechten Pfosten an.
Auch der eingewechselte Mendy trat nach seiner Einwechslung offensiv noch mehrmals in Erscheinung, allerdings ohne entscheidenden Impuls. Es sollten seine allerletzten 31 Minuten im Dress des FCZ sein. Es gelang bis zur letzten Minute keiner der beiden Mannschaften mehr, eine gute Möglichkeit herauszuspielen.
Dann aber erzielte Ulm nach einem Eckball von rechts mittels Kopfball durch Etse in der 90. Minute noch das 3:0.
Fazit
Der FCZ wirkte in der 1. Halbzeit so, als würde es ihm etwas an Laufbereitschaft fehlen. Dazu wurde der Ball zu schnell wieder verloren, weil der Gegner bissiger war und konzentrierter. Über die rechte Seite entstand offensiv etwas Gefahr durch Emmanuel, speziell wenn sich Kamberi mit nach vorne einschaltete. Links aussen wirkte Zuber „verschenkt“. Das wäre aber möglicherweise schnell anders gewesen, hätte er in bester Position von Emmanuel den Pass erhalten, beim Stand von 0:0.
Lindrit Kamberi führte die Niederlage in seiner Einordnung auf die strenge Trainingswoche zurück und auf etwas müde Beine, wollte diesen Umstand allerdings nicht als Ausrede gelten lassen. Leistung und Resultat dämpfen die Erwartungshaltung vor dem Saisonauftakt in die neue Super League Saison gegen den FC Sion und dürften für die Mannschaft und Staff wichtige Hinweise geben, was es mehr braucht für einen guten Saisonstart. Eine Baustelle könnte schon jetzt die Abwehr werden, da mit Vujevic, Junior Ligue und Denoon gleich drei Verteidiger verletzt sind und letzterer den FCZ nun auch Richtung Toskana zu Pisa SC verlassen hat. Hier würde sich eine Verstärkung etwas aufdrängen.
Im Mittelfeld absolvierte Palacio seinen ersten Einsatz für den FCZ und spielte meist in zentraler Position.
Es scheint, als hätten die Spatzen auch in dieser Saison wieder eine hohe Qualität bei Eckbällen, wie in den letzten drei Spielzeiten. Und auch die weiten Einwürfe von beiden Seiten waren im ganzen Spiel von bemerkenswerter Qualität. Beim FCZ war dies nicht der Fall. Es gab dazu auch wenig Gelegenheiten, die Qualität in dieser Sparte zu beweisen.
Anzumerken gilt auch noch, dass Zürichs Sportchef Milos Malenovic das Spiel von den Medienplätzen aus verfolgte.
Im Verlauf der Rückkehr nach seinem Kreuzbandriss kassierte Yanick Brecher (damals 24) vor etwas mehr als acht Jahren bei einem 9:1-Testspielsieg gegen den FC Dietikon ein Gegentor durch Marijan Jelec abgefeuert im Bereich der Mittellinie. Silas Huber (19) unterlief beim Test in Dietikon gegen YF Juventus dasselbe bei einem Weitschuss des Ex FCZ-Juniors Albion Avdijaj. Es war in der 2. Minute das 1:0 für den Nummer 3-Klub der Stadt, welcher zuletzt genauso wie die GC U21 in der Finalrunde der Aufstiegsspiele in die Promotion League knapp gescheitert war. Lausanne- Sport U21 erzwang in der Tuilière im Rückspiel in der 88. Minute durch einen an Marco Van Basten erinnernden Drehschuss von Innenverteidiger Rodolfo Lippo die Verlängerung und konnte sich dort letztlich durchsetzen.
Konkurrenz für Kamberi
Die Aufstellung des im traditionellen Young Fellows Gelb-Rot angetretenen Teams des neuen Coaches Nzuzi Toko im Test gegen den FC Zürich zeigt, dass der Appetit mit dem Essen noch gestiegen zu schein scheint. Neben dem prominenten Sturmduo Avdijaj / Chagas starteten neu auch die langjährigen Profis Samir Ramizi (zuletzt Xamax) und Joel Kiassumbua (Stade Nyonnais). Der FCZ reagierte aber sofort und drehte die Partie mit Toren in der 3. und 6. Minute. Gegen das traditionell offensiv orientierte YF Juventus führte unter anderem eine gute Chancenverwertung zum 4:1-Sieg nach 45 Minuten. Die von Steven Zuber angeführte Equipe legte einen konzentrierten Auftritt hin, besser als derjenige der im ersten 45 Minuten-Spiel gegen den FC Dietikon (2:0-Sieg) angetretenen Elf.
Aus dieser Partie lassen sich nur drei Spieler positiv hervorheben: der sich am Rechten Flügel gut behauptende Nevio Di Giusto, Cheveyo Tsawa und Jill Stiel (17), welcher als Einwechselspieler nach elf Minuten reinkam, sich aber trotzdem am meisten Torchancen erarbeiten konnte (vier) und zudem entscheidend an der Vorbereitung des 1:0-Führungstreffers in der 37. Minute beteiligt war. Die Innenverteidigung hatte mehr Probleme als dies gegen einen solchen Gegner der Fall sein sollte. David Vujevic musste nach einem unglücklichen Start in die Partie angeschlagen ausgewechselt werden. Dem immer wieder relativ grosse Leistungsschwankungen durchlebenden Lindrit Kamberi erwächst mit Mattia Rizzo echte Konkurrenz – nicht nur aufgrund dessen Tores zum 1:1-Ausgleich gegen YF Juventus.
Emmanuel bereitet zwei Reverson-Tore vor
Neben Stiel feierte auch der im Winter von Werder Bremen gekommene Daniel Ihendu (19) sein Début in der 1. Mannschaft. Er erzielte dabei gleich ein Abstaubertor und konnte sich defensiv gegen die Dietiker Angreifer meist durchsetzen – allerdings mit Mühe. Von einem Okafor, Fiorini oder Oko-Flex (trotz seines Tores) muss zudem mehr kommen. Mittelstürmer Vincent Nvendo hatte wenig Bälle, lieferte immerhin den Assist zum Führungstreffer. Räume zu schaffen und Bälle für Mitspieler aufzulegen ist sowieso bisher seine Hauptrolle – auch bei den Meisterschaftseinsätzen für die 1. Mannschaft in der abgelaufenen Saison.
Das Duo Emmanuel / Reverson war gegen YF Juventus gut für die beiden Tore zum 2:1 und 3:1. Beim ersten der beiden Treffer legte Emmanuel über links mit einem herzhaften Antritt gefühlt zehn Meter Distanz zwischen sich und dem gegnerischen Aussenverteidiger und flankte präzis auf den Kopf seines Mittelstürmers Reverson. Beim zweiten Tor des Holländers bediente ihn der Nigerianer aus zentraler Position in die Tiefe. Auch wenn es nur ein Testspiel war, bestätigte Reverson einmal mehr seine bereits letzte Saison angedeutete und im Meisterschaftsbetrieb so wichtige Effizienz in Chancenerarbeitung und Abschluss. Umeh Emmanuels Début-Saison beim FC Zürich ist missglückt und es war ihm anzumerken, dass er die Chance zum Neustart unter Trainer Mitchell Van der Gaag packen will.
Einfluss von Van der Gaag bereits spürbar
Neben Ihendu und Stiel kam mit Raphael Coulibaly (15) ein dritter Spieler zu seinem Début in der 1. Mannschaft. Für die letzte Viertelstunde auf der 8er-Position neben Miguel Reichmuth eingewechselt spielte er nicht wie ein 15-jähriger und bereitete mit seinem Zuspiel die Situation vor in der Steven Zuber im Strafraum gefoult wurde. Dieser verwertete den Penalty gegen den seine letzte Partie bestreitende und für die Schlussphase ebenfalls eingewechselte langjährige FCZ-ler Novem Baumann. Raphael Coulibalys älterer Bruder Parfait (16) wurde 45 Minuten auf dem Rechten Flügel eingesetzt und hinterliess ebenfalls einen positiven Eindruck. Er war in der abgelaufenen Saison ja bereits in Lugano zu einem Super League-Einsatz gekommen.
Von der Grundausrichtung her baut Mitchell Van der Gaag nach einer Trainingswoche auf der Vorarbeit der letzten Saison auf. Ein 4-3-3 mit einem häufig in die vorderste Linie vorstossenden offensiven 8er (Zuber, Stiel) und Rechten Aussenverteidiger (Kamberi, Rizzo) per Diagonallauf in die Halbposition. Auch die Rolle Steven Zubers zuerst auf der 8er-Position und danach im Sturmzentrum wurde (noch) nicht angepasst. Dies obwohl dieser im Zentrum selbst gegen Gegner aus dem Spitzenamateurbereich häufig etwas zu spät kommt und andererseits über den Flügel sehr effektiv agieren kann – nicht zuletzt mit seinen Top-Flanken. Trotzdem kann man selbst nach so kurzer Zeit auch bereits gewisse Veränderungen beobachten. Das Team reflektiert auf dem Platz die grundlegend andere Persönlichkeit des Trainers und wirkt dabei zwar weiterhin proaktiv, aber in einer ruhigeren und bedachteren Art und Weise. Dazu kommt gefühlt eine grössere Variabilität im Angriffsspiel. Man wechselt nahtlos zwischen Angriffen über die Seiten und durch die Mitte, Seitenwechseln, kontrolliertem Aufbauspiel und Bällen hinter die Abwehr.