Marchesano und die Academy-Jungs sorgen für die Entscheidung / 283. Zürcher Derby Analyse

MABIL GEGEN EX-COACH HENRIKSEN MIT STARTELF-DÉBUT? / 283. ZÜRCHER STADTDERBY VORSCHAU (Züri Live)

Wird das Zürcher Derby abgesagt? (Blick)

GC ist vor dem Derby in einer Baisse – und will den düsteren Himmel mit rosafarbenen Pinselstrichen aufhellen (Neue Zürcher Zeitung)

Der durch Konzerte verursachte schlechte Rasen prägt die Partie. Die Startphase ist auch eine Testphase für beide Teams. Was für Spielzüge funktionieren unter Wettkampfbedingungen auf dieser Unterlage? Und was lassen wir lieber bleiben? Dazu kamen Spielunterbrechungen wegen des wetterbedingt sich immer wieder im Stadioninnern festsetzenden Rauchs aus der Kurve (wunder(kerzen)schöne Choreo!). Der FCZ startet trotzdem mit viel Energie ins Derby, GC wirkt zu Beginn extrem passiv und lässt sich weit zurückdrängen, begnügt sich ausserdem über weite Strecken mit Raumdeckung. Die Hoppers kommen zwischendurch in der 22. und 25. in beiden Fällen begünstigt durch haarsträubendes Abwehrverhalten Nikola Katics zu zwei Konterchancen. Yanick Brecher muss aber keinen Abschluss parieren. Wie üblich lässt der FCZ, der jeweils viel Energie in die 1. Halbzeit steckt, gegen Ende dar Partie nach. Da aber das eingewechselte Duo Marchesano / Rohner schnell für das Game Winning Goal sorgt und am Ende Yannick Brecher auch noch einen Schuss des ebenfalls eingewechselten Laws pariert, bleibt es bei den drei Punkten im ersten Derby der Saison.

Bei GC kommen die Besten erst spät rein

Man kann sich die Frage stellen, warum Coach Henriksen Jonathan Okita, der in der 2. Halbzeit fast immer stark nachlässt, jeweils nicht etwas früher als drei Minuten vor Schluss auswechselt. Wenn man dann aber den missglückten Kurzeinsatz seines Ersatzes Oko-Flex sieht, beantwortet sich die Frage vielleicht auch schon wieder von selbst. Obwohl GC in der 1. Halbzeit ausser zwei Kontern nach vorne nichts zustande brachte, hat das Team von Bruno Berner am Ende insgesamt die besseren Torchancen. Der FCZ macht mit Effizienz aus sechs Abschlüssen zwei Tore. Der FC Zürich profitiert in diesem ersten Derby auch davon, dass sich bei GC die Mannschaft immer noch im Aufbau befindet. Aus unterschiedlichen Gründen kommen bei GC die besten Spieler Schürpf, Laws und Mabil erst im Verlauf der 2. Halbzeit auf den Platz (ihr eigentlich potentiell bester Vertediger Lonwijk ist immer noch verletzt). Der von Wellington Phoenix gekommene Schotte Joshua Laws hatte zuvor in Derby-Stimmung schon während dem Einlaufen wie ein Box-Coach seinen Kollegen von aussen bei jedem Zweikampf Hinweise und Ermunterungen aufs Spielfeld gerufen.

Die Gesamtnote der Mannschaft ist mit 5,6 trotz erschwerter Bedingungen nur leicht unterdurchschnittlich. Die 2. Halbzeit war allerdings der zweitschlechteste FCZ-Halbzeit der bisherigen Saison nach der 2. Halbzeit in Genf. Die Offensivnote ist mit 5,6 identisch wie diejenige in Genf: nur gegen St. Gallen und Red Star war der FCZ in dieser Saison im Spiel mit Ball noch schlechter. Defensiv gab es nur sehr wenige gelungene Aktionen, es machte aber abgesehen von Katic (mehr als ein Drittel der Defensiv-Minuspunkte gehen auf sein Konto) auch niemand in absoluten Zahlen eine grosse Anzahl an Fehlern (Hodza und Oko-Flex relativ zu ihrer kurzen Spielzeit schon).

Highlights – Rauchpausen und schlechter Rasen

Personalien – mehrere Spieler mit grossen Leistungsschwankungen innerhalb der Partie

  • Yannick Brecher: Hatte in der 1. Halbzeit im Strafraum so gut wie keine Arbeit, spielte den aufmerksamen „Ausputzer“ auf der Libero-Position ausserhalb des Sechzehners. Nach den Begegnungen gegen die drei Waadtländer Teams YS, SLO und LS zum vierten Mal der defensiv Beste beim FCZ.
  • Nikola Katic: Nach zwei ordentlichen Auftritten in Basel und Lausanne präsentiert sich Katic im Derby wieder von seiner schlechten Seite. Der Freistoss, den er in der 83. Minute in eine völlig andere Richtung als gewollt ins Seitenaus schoss, hatte Slapstick-Charakter und war sinnbildlich für das mit Ballverlusten gespickte Spiel. Katic wurde immer wieder von Morandi oder Babunski aus der Abwehrreihe gelockt ohne dass der FCZ-Verteidiger die Weiterleitungen der GC-Stürmer in den von ihm geöffneten Raum im Zentrum auch nur im Ansatz stören oder gar zu verhindern vermochte. Allerdings muss differenziert werden, dass die Note Katics von seinem katastrophalen zweiten Viertel der Partie stark heruntergezogen wird, mit einer Punktzahl die sogar weit unter der Skala der Tiefstnote „1“ liegt. Sein erstes Viertel wird hingegen mit einer ordentlichen Züri Live-Note „5“ bewertet und für die 2. Halbzeit gibt es eine zwar ungenügende, aber nicht schlechte „4“. Bei den Statistiken zu „Clearances“ und „Interceptions“ ist Katic relativ häufig vorne anzutreffen. Dies kommt positionsbedingt durch seine absichernde Rolle in der Mitte einer Dreierabwehr zustande. So wie ein Mittelstürmer im Normalfall die meisten Abschlüsse haben sollte, und ein Zentraler Mittelfeldspieler viele Ballkontakte. Aussergewöhnlich wäre, wenn ein Spieler bei den für die jeweilige Position typischen Werten nicht vorne wäre.
  • Fabio Daprelà: Konnte das Spiel nicht wie gewohnt defensiv prägen. Und da er zudem in der 66. Minute ausgewechselt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass er immer noch etwas angeschlagen ins Spiel ging.
  • Cheikh Condé: Seine Wichtigkeit für die Mannschaft zeigt sich unter anderem auch darin, dass Coach Bo Henriksen Condé bis zum Schluss auf dem Platz lässt, obwohl er bereits in der 6. Minute (unberechtigterweise) verwarnt worden war.
  • Rodrigo Conceição: Der beste FCZ-Mann der 1. Halbzeit schien nach der Pause seinen unbedarften Zwillingsbruder auf den Platz geschickt zu haben. Die zwei Halbzeiten Conceiçãos waren wie Tag und Nacht. Das bei Katic so katastrophale zweite Viertel der Partie war Conceiçãos beste Phase – unter anderem mit der überzeugenden Vorbereitung des 1:0.
  • Antonio Marchesano: Erstmals in dieser Saison der Züri Live-MVP einer Partie. Offensiv bester Mann war er bereits gegen Red Star und in Basel.
  • Silvan Wallner: Die Emotionen des auf dem Platz miterlebten 2:0 Marchesanos motivieren Verteidiger Wallner anschliessend noch zusätzlich.
  • Bledian Krasniqi: Zweites Super League-Tor, das erste aus dem Spiel heraus – und dies ausgerechnet im Derby! Pusht die Fans. Je nach Spielsituation agiert Krasniqi auf dem Rechten Flügel oder im Zentrum.
  • Daniel Afriyie: Das Spiel läuft im Derby etwas am Ghanaer vorbei.
  • Jonathan Okita: Wie bei Conceição eine grosse Diskrepanz zwischen ordentlich bis guter 1. Halbzeit und schlechter 2. Halbzeit. Zu viele Ballverluste, weil er beispielsweise bei vielversprechenden Umschaltsituationen zu wenig investiert, um an den Ball zu kommen oder am Ball zu bleiben.
  • Fabian Rohner: Bringt sofort Energie rein, behauptet mit seiner ersten Aktion den Ball im Mittelfeld gut und holt mit einem Solo den Einwurf heraus, der gleich zum 2:0 führt. Bei diesem Treffer legt er den Ball im Strafraum schnell und direkt für den mit ihm eingewechselten Marchesano auf.
  • Selmin Hodza: Bei diesem Kurzeinsatz lief so ziemlich alles schief, was schieflaufen kann. Rennt beim gegnerischen Eckball beim hektischen Versuch, seinen entwischten Gegenspieler Abels wieder einzuholen, Mitspieler Katic über den Haufen. Purer Slapstick. Es kommen noch weitere Fehler hinzu. Das Eigentor ist die Szene, wo man ihm noch den kleinsten Vorwurf machen kann – es ist zumindest in der Situation nicht einfach, gegen den anstürmenden Mabil den Ball übers Tor oder am Tor vorbei zu lenken.

Impression 283. Zürcher Derby

Kommentare – mehr Alternativen auf der Bank

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Positionswechsel zwischen Afriyie und Marchesano – und wie sich diese aufs FCZ-Spiel auswirken / Lausanne-Sport – FCZ Analyse

FOUSSENI DIABATÉ STEHT VOR LIGA-DÉBUT / LAUSANNE-SPORT – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Die Konstanz der Spielweise, Taktik und des Personals ist ein Markenzeichen des Henriksen-Teams und einer der Gründe für den sehr guten Saisonstart. Dies heisst aber nicht, dass es gar keinen Wandel gibt. In kleinen Schritten nimmt Bo Henriksen immer wieder Anpassungen vor. So lief Antonio Marchesano in Lausanne wieder im Sturmzentrum auf, nachdem er zuvor auf dem Rechten Flügel gespielt hatte. Die Nummer 10 des FCZ tauschte somit mit Daniel Afriyie die Rolle, welche die beiden allerdings unterschiedlich interpretieren. Spielt Afriyie im Zentrum, dann nimmt dieser den gegnerischen spielmachenden Sechser in Manndeckung und folgt diesem allenfalls auch bis zum eigenen Strafraum. Marchesano ist in der defensiven Phase tendenziell weiter vorne anzutreffen und setzt auch den gegnerischen Torhüter unter Druck. Bei Ballbesitz ist es umgekehrt. Da sorgen Marchesano zurückgezogen auf der Zehnerposition mit seinem Direktspiel zusammen mit den zur Mitte eingerückten Flügeln Okita und Afriyie für zusätzliche Vertikalität im Zürcher Spiel. Afriyie als Zentrumsspieler stösst hingegen selbst häufig auf die Neunerposition vor, die Flügel Marchesano (oder Rohner) und Okita stehen in diesem Fall breiter.

Einwechselspieler bringen mehr Energie und PS

Schon nach Sekunden lag der Ball im Lausanner Tornetz. Der frühe Treffer von Okita wurde aber wegen Handspiels aberkannt. In der Nachspielzeit rettete Lausanne-Keeper Letica mit einem Big Save gegen einen Kopfball von Silvan Wallner. Diese beiden Ereignisse rahmten ein Spiel ein, in welchem der FCZ mehr Ballbesitz und auch die klareren Torchancen hatte. Die linke Seite blieb im ersten Spielviertel weiter ein Sorgenkind: Kamberi, Conceição und Okita starteten alle mit einer ungenügenden Zwischennote in die Partie. Danach wurde es besser. Insgesamt war es sowieso ein sehr gutes Spiel der Mannschaft mit der besten Durchschnittsnote der Saison ex-aequo mit dem Lugano-Heimspiel. Offensiv war es sogar klar die beste Partie im 23/24, was auf den ersten Moment bei einem 0;0 seltsam klingen mag. Bewertet werden ja aber nicht allein die Tore, sondern die Leistungen und einzelnen Aktionen insgesamt. Hätte der FCZ bei seinem zweiten Auswärtsspiel in Lausanne in kurzer Folge auch noch Tore erzielt: die Noten wären natürlich noch besser gewesen.

Defensiv war die Mannschaft von Bo Henriksen wieder deutlich fokussierter als noch in der Cup-Partie in Tuggen. Magnin-Teams sind in der defensiven Phase häufig etwas passiv. Der FCZ tritt da im Vergleich (zumindest in der Liga) deutlich proaktiver und aggressiver ohne Ball auf. Er gewann in der Tuilière die Bälle im Gegenpressing häufig schnell wieder zurück. Wohl unter anderem eine Folge davon ist dann aber auch ein gewisses Nachlassen nach der Pause aufgrund des Kräftehaushaltes. Umso wichtiger wäre es dann jeweils, dass die Einwechselspieler zusätzliche Energie reinbringen und die Mannschaft in der 2. Halbzeit tragen, was in Lausanne deutlich besser klappte als die Wochen zuvor. Die eingewechselten Oko-Flex, Rohner, Santini und Hodza brachten PS und Ideen auf den Platz, und konnten so die Starter entscheidend unterstützen. Wenn Lausanne-Sport in Umschaltsituationen mal durchkam, konnte es mit seinen Tempoverschärfungen durchaus gefährlich werden. Brighton Labeau, welcher Kaly Sène im Sturmzentrum ersetzte, holte sich einige Bälle auch hinten in der eigenen Platzhälfte.

Highlights – Santini mit der Hacke

Personalien – Cheick Condé: 17 Abschlussbeteiligungen und schon wieder MVP

  • Nikola Boranijasevic: In den bisherigen fünf Duellen mit dem FCZ gegen seinen Ex-Klub mit einer Züri Live-Durchschnittsnote 6,4. Diesmal mit Note 8 deutlich überdurchschnittlich, aber sein einziger Abschluss findet den Weg nicht ins Netz wie in der ersten Direktbegegnung vor zwei Jahren im Letzigrund (3:1, Boranijasevic war an allen drei Teffern beteiligt). Schlägt aber insgesamt sieben Flanken, so viele wie noch nie in dieser Saison – das ist wieder der gute, alte Nikola Boranijasevic!
  • LIndrit Kamberi: Defensiv eher schlecht, dreht aber im letzten Viertel der Partie offensiv auf.
  • Ifeanyi Mathew: Im Vergleich zu den letzten, eher durchschnittlichen Partien verbessert. Leitet in der 83. Minute einen Gegenangriff mit einem Fallrückzieher ein.
  • Cheikh Condé: 17 Abschlussbeteiligungen und schon wieder MVP – wie schon beim letzten Meisterschaftsspiel in Basel – knapp vor Yanick Brecher.
  • Armstrong Oko-Flex: Kommt für die Schlussminute plus Nachspielzeit herein und schlägt noch zwei gefährliche Standards.
  • Antonio Marchesano: Erstmals seit längerem wieder auf der 10er-Position auflaufend. Gibt dem Zürcher Spiel so mehr Tiefe.
  • Silvan Wallner: Gegner kommen mit Pässen und Abschlüssen zu einfach an ihm vorbei, beispielsweise weil er sich häufig seitlich abdreht und schmaler macht.

Kommentare – Labeau mit American Football-Körper

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Umstellung der Spielweise in der Pause / Stade Lausanne-Ouchy – FCZ Analyse

RUTSCHT MARCHESANO IN DIE STARTFORMATION? / STADE LAUSANNE-OUCHY – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Der FCZ ist in der ersten Viertelstunde die bessere Mannschaft auf der Pontaise. In der 16. Minute folgt dann aber etwas „aus dem Nichts“ eine Grosschance für SLO durch Florian Danho, der dabei noch entscheidend von Fabio Daprelà gestört wird, was Yanick Brecher die Abwehr des Abschlusses aus kurzer Distanz erleichtert. Stade Lausanne-Ouchy wurde fast ausschliesslich gefährlich, wenn der FC Zürich im Pressing hoch stand. Ihr Torhüter Dany Da Silva ist fussballerisch stärker einzuschätzen als beispielsweise Lugano-Keeper Amir Saipi in der Vorwoche, und vermochte in diesen Situationen daher präzise hohe Bälle ins Mittelfeld zu spielen. Im Fall der Danho-Chance passte Cheick Condé, der eine schlechte 1. Halbzeit spielte, nicht auf und es entstand eine vier gegen drei-Überzahl.

Boranijasevic, Guerrero und Marchesano offensiv top

In der 1. Halbzeit kam der FCZ zu wenig Torchancen. SLO konnte den gewohnten FCZ-Spielaufbau durch die Mittelzone mehrmals unterbinden. Als die Zürcher es nach der Pause dann erfolgreich mehr durch die Mitte statt über die Seiten versuchten, fiel die SLO-Verteidigungsbastion in sich zusammen. Alle drei Tore für den FCZ wurden allerdings aus Standardsituationen erzielt, wobei ein Eckball Okitas zu einem Penalty führte (Daprelà wurde vom unerfahrenen Camara gefoult und war damit auch im gegnerischen Strafraum an einer entscheidenden Aktion beteiligt) und einer von Guerrero zum Tor per Direktabnahme von Lindrit Kamberi. Die Entstehung des Penaltys war typisch für den FCZ – in den letzten Jahren sind Strafstösse für den FCZ häufig aus Standards entstanden.

Der FCZ hatte wie schon gegen Lugano unter dem Strich 43% Ballbesitz. Er kommt auf diese Art und Weise zu überdurchschnittlich vielen Torchancen und hat in den ersten vier Runden 2,5 Tore pro Spiel erzielt. Gleichzeitig gesteht er den Gegnern bisher wenig Torchancen zu. Die Abschlusseffizienz stimmt ebenfalls und Yanick Brecher gelingt ein guter Saisonstart – nach Genf ist er zum zweiten Mal hintereinander am Lac Léman der Zürcher MVP. Dazu ist das omnipräsente Aussenläuferduo Boranijasevic / Guerrero wieder so wichtig wie in der vorletzten Saison. Offensiv bewertet Züri Live den Einsatz beider in Lausanne genauso wie denjenigen Antonio Marchesanos mit der Bestnote 10. Neuverpflichtung Daprelà hat die Defensive stabilisiert. Und Nikola Katic macht nicht mehr so viele Fehler wie noch in den ersten beiden Saisonspielen. Okita ist weiterhin der „Top oder Flop“-Spieler – einerseits mit vielen verunglückten Aktionen, gleichzeitig bisher aber auch an sieben der zehn Tore beteiligt. Vor allem aber kommt dem FC Zürich die personelle und taktische Kontinuität entgegen.

Personalien

Highlights

Randnotiz: Penalty für SLO statt Freistoss für den FCZ

Kommentare

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Telegramm Stade Lausanne-Ouchy – FCZ (transfermarkt)

Zürich grüsst weiter von der Tabellenspitze (BLICK)

Leader FCZ schlägt Lausanne-Ouchy dank Okita-Penalty mit 3:0 (nau.ch)

FCZ mit Effizienz zum nächsten Sieg (Südostschweiz)

Der Balljunge und sein Beitrag zur Zürcher Führung / FCZ – Lugano Analyse

Lugano’s erste Auftritte sind vielversprechend – die des FCZ auch / FCZ – Lugano VORSCHAU (Züri Live)

Der 3:0-Heimsieg ist das unter dem Strich bisher beste der drei Auftaktpartien in die neue Super League-Saison. Lugano kam nur zu wenigen Torchancen: zum dritten Mal in Folge fiel die FCZ-Bilanz bei den Expected Goals deutlich positiv aus. Aussergewöhnlich an der Partie gegen Lugano waren die langen Pressingphasen des FC Zürich. Man zwang den Gegner so zu Fehlern. Zu Recht wurde gegen diesen Gegner zudem auf Umschaltphasen gesetzt – auch wenn die Tessiner Neuverpflichtung Grgic, die in den ersten Spielen für etwas Zuteilungsprobleme im Mittelfeld gesorgt hatte, beim Auftritt bei seinem Stammklub im Letzigrund nicht antreten konnte. Erneut bildete für den FCZ Neuverpflichtung Fabio Daprelà ein wichtiges Element – und wiederholte das Ergebnis des Servette-Auswärtsspiels, als er ebenfalls als defensiv bester FCZ-Akteur eruiert wurde. MVP und offensiv bester Mann war aber Daniel Afriyie. Der in der Schlussphase eingewechselte Ivan Santini zeigte ebenfalls gute Ansätze, Katic und Okita steigerten sich im Vergleich zur Woche davor merklich.

Personalien

Highlights: Innerhalb von 12 Minuten vom 0:0 zum 3:0

Randnotiz: Der Balljunge und sein Beitrag zur Zürcher Führung

Kommentare: „Fühle mich wie ein Golf-Kommentator“

Weitere Berichte und Highlights

Telegramm FCZ – FC Lugano (transfermarkt)

Afriyie ebnet FCZ den Weg zum Sieg (BLICK)

Stade de Genève liegt Avdijaj nicht / Servette FC – FCZ Analyse

Stilbruch unter dem neuen Coach Weiler / SERVETTE – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Auch im zweiten Spiel gegen Servette ist ersichtlich, dass der FCZ offensiv in allen Spielsituationen (Aufbauspiel, Umschaltspiel, Standards) eine ganze Palette an Lösungen und Varianten parat hat, die funktionieren. Man baut auf der personellen und taktischen Eingespieltheit und der Saisonvorbereitung auf. Coach Bo Henriksen schickt dasselbe Team auf den Platz wie gegen Yverdon-Sport. Mitentscheidend für den Punktgewinn in Genf ist die Präsenz des aufmerksamen und manchmal auch etwas giftigen Fabio Daprelà, der gewisse defensive Herausforderungen reaktiv löst, andere sogar proaktiv eindämmt oder verhindert. Gegen Yverdon war der 32-jährige noch nach einem mässigen Teileinsatz zur Pause angeschlagen ausgewechselt worden. Im ersten Spiel ging es noch weitgehend ohne Daprelà – im zweiten wäre das nicht mehr so gewesen.

Nach starker 1. Halbzeit Leistungsabfall nach der Pause

Servette tritt unter dem neuen Coach René Weiler ganz anders auf, als in all den Jahren unter Alain Geiger. Man kann fast schon vom puren Gegenteil sprechen! Vorbei die Zeit des eleganten Kombinationsspiels und der Vermeidung von Zweikämpfen. Unter Weiler wird Torhüter Frick zum wichtigsten Aufbauspieler mit seinen hohen Bällen hinten heraus. Speziell zu Beginn wartete an vorderster Front eine Genfer Fünferreihe mit den beiden Mittelstürmern, den Flügeln plus Rechtsverteidiger Tsunemoto auf die langen Bälle. Spielmacher Timothé Cognat hat sich grundsätzlich bereits gut an den neuen Stil adaptiert, wurde gegen den FCZ aber früh „aus dem Spiel genommen“. Nicht mehr mit dabei ist hingegen der vom FCZ jahrelang so gefürchtete Eckball-Spezialist Théo Valls. Die Rollen sind nun plötzlich in vielen Bereichen vertauscht. Aktuell ist der FC Zürich bei Cornern mit Guerrero und Okita gefährlicher als die Genfer. Servette seinerseits brachte von der 30. Minute bis zum Schlusspfiff ein ausgeprägtes Pressing auf den Platz. Beim FCZ ging im Verlauf der 1. Halbzeit die defensive Disziplin lokal teilweise verloren. Während Fabian Rohner im Spiel ohne Ball meist in der Nähe von Servette-Linksverteidiger Mazikou anzutreffen war, liess auf der anderen Seite Jonathan Okita seinem Gegenspieler Tsunemoto viele Freiheiten, die dieser aber nur selten zu nutzen vermochte.

Gemessen an den Züri Live-Durchschnittsnoten war der FCZ am Fusse des Salève im Vergleich zum Yverdon-Spiel defensiv etwa gleich gut, offensiv hingegen deutlich schlechter. Ein wirklich grosser Unterschied besteht zwischen der Leistung in der 1. Halbzeit (hervorragende Durchschnittsnote „6,5“) und derjenigen der zweiten 45 Minuten, die mit „4,8“ ungenügend war. Nachdem man im ersten Durchgang die Partie im Griff gehabt hatte, liess man Servette nach der Pause ins Spiel kommen. Der 2:0-Führungstreffer durch einen Mathew-Weitschuss in der 57. Minute fiel zu diesem Zeitpunkt entgegen dem Spielverlauf. Dafür hatte man bei beiden Gegentoren Pech. Beim ersten entdeckte VAR Sandro Schärer in Volketswil ein Handspiel von Ifeanyi Mathew an der Strafraumgrenze, das auf dem Platz und im Stadion niemand gesehen hatte – und meldete sich eine Minute nach der Szene. Der Ball schien wirklich die Fingerspitzen des Nigerianers berührt zu haben und von diesen abgelenkt worden zu sein. Allerdings flog der Ball von Mathews Oberschenkel und damit einem eigenen Körperteil an die Finger – und dies gilt nach der gängigen Auslegung eigentlich nicht als Handspiel. Beim zweiten Gegentor rutschte Guillemenot bei einem Richtungswechsel im Mittelfeld aus und stand dabei Boranijasevic auf den Fuss. Der FCZ spielte weiter und vertändelte durch Mathew den Ball. Beim Genfer Gegenstoss stand dann Dereck Kutesa auf seiner Seite völlig blank, weil der von Guillemenot getroffene Boranijasevic sich natürlich nicht auf seiner Position befand. In diesem Fall ging VAR Schärer nicht auf die Foulszene ein.

Highlights

Personalien

  • Lindrit Kamberi: Beim Saisonstart gegen Yverdon erneut parat und MVP. In Genf hingegen eine ungenügende 1. Halbzeit. Als es in der Schlussphase hart auf hart geht, kommt er etwas besser ins Spiel.
  • Nikola Katic: Im Gegensatz zum Auftakt gegen Yverdon diesmal offensiv deutlich ungenügend. Beginnt die Partie mit zwei Bällen ins Niemandsland – am Ball gelingt ihm so gut wie nichts. Defensiv hingegen ist der Kroate diesmal genügend.
  • Nikola Boranijasevic und Adrian Guerrero: Beide beginnen stark und haben am Ende der Partie aussergewöhnlicherweise sowohl offensiv wie defensiv identische Züri Live-Punktzahlen – und damit auch total. Guerrero ist knapp vor Boranijasevic der beste FCZ-Spieler der 1. Halbzeit. Boranijasevic hat als einziger Spieler in den beiden Auftaktpartien gegen Yverdon und in Genf mindestens eine Note „8“.
  • Fabian Rohner: Legt offensiv mit seinem Tempo über rechts nicht nur mehrere ausgezeichnete Torchancen auf, sondern überzeugt auch mit seinen Kopfballweiterleitungen bei hohen Bällen Yanick Brechers.
  • Daniel Afriyie: Wieder in der Startformation als 10er / „falsche 9“ und erstmals mit einer Leistung auf Super League-Niveau.
  • Yanick Brecher: Zum Auftakt gegen Yverdon mit zwei wichtigen Paraden defensiv der beste FCZ-Spieler, diesmal mit seiner Spielauslösung offensiv der Beste und auch insgesamt MVP.
  • Fabio Daprelà: Verletzungsbedingt ein schwieriger Start gegen Yverdon. In Genf hingegen bereits ein wichtiges Element, speziell in defensiver Hinsicht. Setzte gleich zu Beginn gegen den aktuell besten Servette-Spieler Timothé Cognat eine „Duftmarke“ als er ihn mit Okita ins Sandwich nahm. Cognat blieb in der Folge blass und wurde früh ausgewechselt.
  • Cheikh Condé: Trägt bei Defensivstandards deutlich mehr Verantwortung als noch letzte Saison. Condé deckt nun jeweils häufig den stärksten gegnerischen Kopfballspieler (in diesem Fall: Steve Rouiller).
  • Ifeanyi Mathew: Geht wenig in die Zweikämpfe. Nach gutem Beginn abnehmende Leistungskurve im Spiel. Erzielt zwischenzeitlich aus dem Nichts per Weitschuss die 2:0-Führung, vertändelt dann vor dem 2:2 aber auch unnötig den Ball.
  • Jonathan Okita: Nach ordentlich bis gutem Beginn nimmt seine Leistungskurve im Verlauf der Partie stark ab. Ab der 25. Minute macht er defensiv nicht mehr viel, die Standards werden deutlich schlehchter, und er ist am 2:2-Ausgleich Servettes beteiligt. Von der Sturmreihe kommt allgemein in der 2. Halbzeit zu wenig.
  • Donis Avdijaj:: Bei der 2:3-Niederlage vor Jahresfrist wurde Donis Avdijaj eingewechselt und brachte vorne sowohl defensiv wie offensiv auch unter Berücksichtigung der Unterzahl-Situation (Platzverweis gegen Okita) viel zu wenig zustande (Züri Live-Note: „2“). Diesmal war der Teileinsatz des Deutschen im Stade de Genève sogar noch etwas schlimmer (Note „1“). Das Stadion oder der Gegner scheint ihm nicht zu liegen.

Live-Kommentare zum Spiel

Randnotiz: Servette’s Probleme mit der Verteidigung der FCZ-Ecken

Weitere Berichte

Telegramm Servette FC – FCZ (transfermarkt)

Penalty-Pfiff wirft FCZ aus dem Konzept (BLICK)

Geniestreich und VAR verhindern FCZ-Sieg – Zürcher verspielen 2-Tore-Führung (20 Minuten)

Servette holt dank einer starken 2. Halbzeit einen Zwei-Tore-Rückstand auf (sport.ch)

Servette FC – FCZ (Südkurve)

Defensive Fortschritte / Offensiv fehlt den Teamleadern die Inspiration der Meistersaison: Analyse Tore und Gegentore 19/20 – 22/23

Defensiv hatte der FCZ was die Leistung der Feldspieler betrifft in der Saison 22/23 sehr gute Werte, wie an dieser Stelle bereits gezeigt. Wie kommt es dazu? Schauen wir uns dieses Phänomen etwas genauer an! Ein wirklich erstaunliches Bild zeigt sich bereits in der ersten Grafik. Von 19/20 bis 22/23 hat der FC Zürich über mehrere Saisons hinweg unter verschiedenen Trainern (Magnin, Rizzo, Breitenreiter, Foda, Colatrella, Henriksen) die Verteidigung der gegnerischen Standards Schritt für Schritt stark verbessert (von rund 0,7 Standardgegentoren pro Partie auf unter 0,3). Auch nach der Meistersaison ist das Team in diesem Bereich noch einmal deutlich stärker geworden. Dies mag einige Leser erstaunen. Denn ohne eine systematische Untersuchung eines Phänomens hält man sich für die Beurteilung in der Regel an einzelne besonders in Erinnerung gebliebene Situationen und Spiele. Dazu gehört für die Saison 22/23 mit Sicherheit die 2:4-Heimniederlage gegen den FC Basel am 28. August mit gleich drei Standardgegentoren nach den Freistössen von Taulant Xhaka und dem Eckball durch Darian Males. Dieses Spiel war aber wie die Statistik zeigt, die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.

Bessere Vorwärtsverteidigung und Abwehr von Standards als in der Meistersaison!

Beinahe ebenso stark wurden in der gleichen Zeitperiode die Gegentore aus dem Spiel heraus reduziert, wenn der Gegner aus einer tiefen Position angreift. Das heisst, man verteidigt von Saison zu Saison besser in hoher Position – und hat sich auf diesem Gebiet auch 22/23 im Vergleich zur Meistersaison nochmal verbessert! Der über Jahre anhaltende positive Trend in der Reduktion der Gegentore beim Umschaltspiel, Aufbauspiel und bei einer Hohen Position des Gegners konnte hingegen nicht fortgesetzt werden. In diesen Bereichen gab es einen Rückschritt – am meisten bei gegnerischem Aufbauspiel. Der FCZ verteidigt weniger gut als noch letzte Saison unter Breitenreiter, wenn er sich hinten reindrängen lässt.

Die verbesserte Verteidigung von Standards im Vergleich zur Meistersaison betrifft alle Bereiche mit Ausnahme der Penaltys. Am stärksten verbessert hat man sich bei gegnerischen Einwürfen. Bei gegnerischen Eckbällen hat der fC Zürich im Verlauf der letzten Monate leichte Anpassungen in der Formierung vorgenommen und setzt nun auf zwei oder teilweise gar drei Raumdecker. Wenn der FCZ trotzdem wieder mal ein Corner-Gegentor kassiert, dann liegt dies jeweils eher nicht an der Taktik, sondern individuellen Unaufmerksamkeiten wie beim 2:3 durch Douline in Genf in letzter Sekunde oder einem vermeidbaren Gegentreffer Schettines im einzigen verlorenen Derby der Saison. Penaltys gegen den FCZ entstanden in der Zeitperiode 2019 bis 2023 am häufigsten nach Freistössen oder Einwürfen (je 3 Mal).

Linke Seite nicht mehr so wasserdicht, wie in der Meistersaison

Am meisten Gegenreffer kassiert der FC Zürich immer noch via Konterangriffe des Gegners, auch wenn sich dies seit der Saison 19/20 reduziert und im Vergleich zur Meistersaison auf dem Niveau von einem solchen Gegentreffer alle vier Spiele gehalten hat. Weiter reduziert haben sich aber die Gegentreffer bei gegnerischem (langsamem) Spielaufbau, wenn der FCZ hoch steht. Zu Magnin-Zeiten war in solchen Situationen die Verteidigungsarbeit der Stürmer und Mittelfeldspieler immer wieder mal ungenügend gewesen. Wie bereits weiter oben erwähnt nahmen die Gegentore des FCZ etwas zu, wenn er tief oder in einer mittleren Position gegen einen aufbauenden Gegner verteidigte. Gegentore aus Pressing- oder Gegenpressing-Situationen blieben hingegen relativ selten.

Obwohl die Standardgegentore weiter reduziert wurden, haben die Kopfballgegentore im Vergleich zur Meistersaison 22/23 wieder zugenommen, ohne dass es im Vorfeld von Gegentreffern mehr Flanken (definiert als Bälle von der Seite von ausserhalb des Strafraumes) gegeben hätte. Dies deutet vermehrt auf Kopfballgegentore aus dem Spiel heraus hin, teilweise durch kurze Chipbälle von innerhalb des Strafraumes. Weitschussgegentreffer haben im Vergleich zur letzten Saison hingegen abgenommen, was für die gute Arbeit speziell der FCZ-Akteure auf der 6er-Position (in erster Linie Cheick Condé) spricht. Deutlich zugenommen haben hingegen Tore auf gegnerische Angriffe durch die Mitte und über rechts (also die linke Zürcher Abwehrseite). Letztere hatten sich in der Meistersaison auf null reduziert. 22/23 konnten Guerrero, Aliti und Co. ihre Seite hingegen nicht mehr so gut schliessen, wie noch ein Jahr davor.

Inspiration bei den Offensivstandards ging verloren

Das Problem des FCZ 22/23 im Vergleich zur vorherigen Spielzeit lag in der Offensive, so viel ist schon länger bekannt. „Offensive“ bedeutet aber nicht automatisch „Stürmer“. Beispielsweise der Spielaufbau aus der Zone 1 in der eigenen Platzhälfte in die Zone rund um die Mittellinie schien in der Meistersaison besser zu funktionieren. Die Torausbeute hat in allen Spielphasen (Aufbau, Umschalten, Standards) und sowohl aus einer hohen wie auch tiefen Position durchs Band deutlich abgenommen, wobei dabei eine geringere Abschlusseffizienz eine gewisse Rolle spielte. Am stärksten reduziert hat sich die Ausbeute von Standards.

Schaut man die Standardtore im Detail an, sieht man einen leichten Anstieg bei den Penaltytreffern, aber eine starke Reduktion von FCZ-Treffern, die aus Freistössen und Eckbällen erzielt wurden – und zwar auf das tiefste Level der letzten vier Jahre. Was ist der Grund, dass Marchesano, Guerrero und Dzemaili nicht mehr so gute Freistösse und Corner hinkriegten wie in der Meistersaison? Dieses Rätsel zu lösen ist ein wichtiger Faktor für den offensiven Erfolg der kommenden Saison. Denn dass Marchesano, Guerrero, Krasniqi, Okita, Kryeziu und Co. grundsätzlich gute Standards drauf haben, ist unbestritten.

Weniger Erfolg im Knacken von tief stehenden Gegnern über die Seiten

In den letzten vier Jahren hat der FCZ am häufigsten Penaltys aus Freistössen und Konterangriffen erhalten. Auch aus Angriffen gegen tief stehende Gegner sowie aus Eckbällen gab es häufiger Penalty für als gegen den FCZ.

Aus dem Spiel heraus erzielt der FCZ weiterhin am meisten Tore aus dem Aufbauspiel gegen tief stehende Gegner sowie aus Konterangriffen, wobei vor allem ersteres in der abgelaufenen Saison stark abgenommen hat.

Offensiv fehlte die Überzeugung, das Zusammenspiel und das Timing bei den Standards aus der Meistersaison

Kopfballtore haben in der Saison 22/23 sehr stark abgenommen – von „einem in drei Spielen“ auf „eines in zehn Partien“. Dies hängt direkt zusammen mit der ebenfalls starken Abnahme von Toren aus „Angriffen über rechts“. Nikola Boranijasevic hat zwar insgesamt 22/23 gute Leistungen gezeigt, aber das Timing und Zusammenspiel mit den Stürmern in den entscheidenden Momenten funktionierte nicht mehr so traumwandlerisch sicher wie noch 21/22.

Durch die Analyse der Tore und Gegentore verdichtet sich das Bild über die Unterschiede zwischen der Saison 21/22 und der Saison 22/23. Die Teamleader Antonio Marchesano, Blerim Dzemaili, Adrian Guerrero, Willy Gnonto und Yanick Brecher zeigten sich von allen Kaderspielern als zu wenig anpassungsfähig an den Trainerwechsel und begannen die Spielzeit uninspiriert. Defensiv spielte die Mannschaft als Ganzes eine ganz gute Saison – speziell die neu verpflichteten Cheick Condé und später Ifeanyi Mathew sorgten im Zentrum für Stabilität. Ausserdem verbesserte man sich beim Verteidigen von gegnerischen Standards weiter. Offensiv fehlte hingegen die Überzeugung, das Zusammenspiel und das Timing bei den Standards, beim Abschluss und beim letzten Pass, welches die Breitenreiter-Mannschaft so ausgezeichnet hatte – exemplarisch illustriert durch die unglaubliche Serie direkt verwandelter Freistösse durch Marchesano, Kryeziu und Coric zum Saisonbeginn 21/22 im Kontrast mit dem verschossenen Penalty Marchesanos zum Auftakt 22/23 in Bern. Über die rechte Seite von Boranijasevic wurden nicht mehr so viele Tore vorbereitet wie noch in der Meistersaison, und die linke Seite mit Guerrero und Aliti war defensiv zwar immer noch gut, aber nicht mehr so ein wasserdichtes Bollwerk, wie noch im Jahr zuvor.

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