Die Lehren aus dem 284. Derby gezogen / 285. Zürcher Derby Analyse mit Randnotiz: Mirlind Kryeziu ist zurück – und Frauenderby-Highlights

DOPPELDERBY VORSCHAU (Züri Live)

Die Geschichte des 285. Zürcher Derbys ist relativ schnell erzählt. Der FCZ beginnt die Partie engagiert mit viel Hohem Pressing, geht in der 38. Minute durch einen Penalty in Führung und verteidigt diese nach zwei Platzverweisen dann bei zehn gegen zehn im wahrsten Sinne des Wortes. Die Lehren aus dem letzten Derby bloss zwei Wochen davor wurden gezogen. Damals hatte der FCZ nach einer starken 1. Halbzeit und 1:0-Führung zu viel Risiko auf sich genommen und wurde zwei Mal ausgekontert. Diesmal zog man sich in der 2. Halbzeit so stark zurück wie noch nie in dieser Saison. Es ging alleine darum, nach sieben sieglosen Spielen wieder einmal ein Erfolgserlebnis und drei Punkte mitnehmen zu können.

Sehr disziplinierter Auftritt des FCZ

Der FCZ kam zu nur sechs Abschlüssen und hatte abgesehen vom Penalty einen einzigen Standard im Angriffsdrittel (Eckball Krasniqi). Es war der wohl disziplinierteste Auftritt des FC Zürich in dieser Saison. Sowohl offensiv wie auch defensiv beging man kaum Fehler. Selbst Nikola Katic hatte bis zu seinem Platzverweis wegen Groben Foulspiels eine gute Partie gespielt. Glänzen konnte keiner, aber abgesehen von den eingewechselten Okita und Rohner war auch keiner ungenügend. Zwar hatte die rechte Seite mit Boranijasevic, Kamberi und Conceição im ersten Spielviertel noch Probleme mit dem GC-Duo Hoxha / Schürpf, aber das legte sich danach. GC hatte im 284. Derby mit der Einwechslung von Schürpf und Babunski die Spielweise und Taktik entscheidend umgestellt. Diesmal spielten die beiden von Beginn weg.

Highlights – Dank Frauenderby Sieg geniessen

Personalien – Katic verbessert, Kryeziu wie eine Wand

  • Nikola Boranijasevic: Klar bester Spieler der 2. Halbzeit – zum dritten Mal in dieser Saison.
  • Fabio Daprelà: Beginnt gegen seinen Junioren-Klub fokussiert. Muss zur Pause aber (wohl angeschlagen) wieder ausgewechselt werden.
  • Bledian Krasniqi: Bester FCZ-Spieler in der Offensiven Phase, zum vierten Mal in den letzten sechs Partien der Beste in der 1. Halbzeit.
  • Rodrigo Conceiçâo: Ungenügende Laufwege im Pressing, offensiv aber noch weniger gut.
  • Mirlind Kryeziu: Zur Pause eingewechselt, in einem seiner ersten Einsätze der Saison Defensiv Bester seines Teams, steht hinten wie eine Wand, an welcher der Gegner abprallt.
  • Nikola Katic: Wie schon Cheikh Condé in Yverdon hat er bis zu seinem Platzverweis für seine Verhältnisse überdurchschnittlich gut gespielt. Ohne den technischen Fehler vor dem Foul und dem schlechten Timing im Tackling, welche zur Roten Karte führten, hätte er eine Note “8“.
  • Fabian Rohner: Ab der 75. Minute einziger Stürmer. Daniel Afriyie agiert rechts im Mittelfeld, Conceição links.
  • Jonathan Okita: Zum dritten Mal hintereinander sowohl in der 2. Halbzeit wie auch insgesamt ungenügend.
  • Yanick Brecher: Hat wie schon in Yverdon fast keine Arbeit.

Kommentare – Platzverweise FCZ mehr geholfen

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FCW erstmals Favorit / FCZ – Winterthur Cup-Viertelfinal VORSCHAU

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Daten und Fakten im Vergleich (Transfermarkt)

Möglicherweise zum ersten Mal in der Geschichte dieses Duells ist der FC Winterthur Favorit – auch wenn dies die Buchmacher noch anders sehen. In der Super League-Jahrestabelle 2024 hat der FC Winterthur aus sieben Partien vier Punkte mehr auf dem Konto und nur ein Spiel verloren. Die Eulachstädter schiessen immer ein oder zwei Tore, manchmal auch drei. Der FCZ hingegen schoss in den letzten vier Spielen eines oder keines. Nach dem pragmatisch ermauerten Derby-Sieg (1:0) brachte das Team von Ural / Romano in Luzern und Lugano viel Intensität und Spielfreude auf den Platz und hatte beim Ballbesitz ein Übergewicht. Die Anzahl erarbeiteter Torchancen liessen aber gerade in Lugano noch zu wünschen übrig. Der FCZ ist voll im Umbruch, Winterthur hingegen im Flow.

Di Giusto-Bruderduell durchaus realistisch

Dass es zum Duell zwischen Matteo Di Giusto (23, FCW) und seinem jüngeren Bruder Nevio (18, FCZ) kommt, ist durchaus denkbar. Beim FCW ist die Entscheidung zwischen Matteo Di Giusto oder Randy Schneider auf der 10er-Position eine enge Kiste. Ebenso beim FCZ diejenige zwischen Nevio Di Giusto und Antonio Marchesano. Di Giusto hat in Lugano in der 2. Halbzeit stark gespielt. Marchesano ist trotz seiner Tore im Derby (Penalty) und in Luzern nicht in Bestform und in letzter Zeit meist am besten, wenn er als Joker reinkam. Einen wie Marchesano auf der Bank in der Hinterhand haben zu können, könnte den Ausschlag für Di Giusto geben – gerade in einem Cup-Spiel, das allenfalls auch in eine Verlängerung gehen könnte.

Beim FC Winterthur wird es wohl trotz der Englischen Woche nicht viele Änderungen geben. Einerseits ist das “Abstiegsgespenst“ für die Winterthurer beinahe schon vertrieben, was die Bedeutung des Cup-Duells erhöht. Andererseits hat sich in den letzten Wochen auch mehr und mehr eine Stammelf herauskristallisiert, von der Trainer Rahmen sicherlich nur ungern abweichen will. Auf der rechten Seite beispielsweise hat sich das Duo Sidler / Gantenbein bewährt. Zuffi und Fofana (zuletzt in zwei Spielen in Folge getroffen) sind gut in Form. Ltaief hat zuletzt etwas geschwächelt, spielt aber gegen seinen Stammklub FCZ meist gut. Für den angeschlagenen Jankewitz gibt es mehrere Varianten: Stillhart, Corbaz oder vielleicht als Überraschung gar Durrer.

Sabobo erstmals im Aufgebot?

Beim FCZ sehen die Vorschau-Aufstellungen aktuell ganz anders aus, als noch unter Bo Henriksen, als diese Woche für Woche quasi allein mit der Copy-Paste Funktion erstellt werden konnten. Möglich, dass das Duo Ural / Romano beispielsweise mit Joseph Sabobo einen Überraschungsmoment in der Startformation bringen. Einen Spieler, der auf dem Linken Flügel mit seiner Technik und Beweglichkeit für mehr Wirbel sorgen könnte, als der zuletzt enttäuschende Jonathan Okita, welcher zudem für diese Position auch schlechter geeignet ist als für die Halbposition im 3-4-3, auf der er unter Henriksen agierte.

Achterbahnfahrt von der besten 1. Halbzeit in die schlechteste 2. Halbzeit der Saison / 284. Derby-Analyse

DAS ZÜRCHER DERBY WIRD IMMER POPULÄRER / 284. DERBY-VORSCHAU (Züri Live)

Wie kann so etwas passieren? Die 1. Halbzeit des FC Zürich im 284. Zürcher Derby ist überragend! Mit einem Notenschnitt von 7,1 die beste der ganzen Saison. Nach der Pause der Absturz: Notenschnitt 4,8 und somit die schlechteste 2. Halbzeit der ganzen Saison. Fast mit dem Schlusspfiff erzielt dann auch noch Pascal Schürpf den vielumjubelten 2:1-Siegtreffer für GC. Auf der gleichen Platzseite wie in der Meistersaison Assan Ceesay für den FCZ.

Justin Hammel mit der Torwart-Aktion der Saison

Das erste Duell nach der Übernahme von GC durch den LAFC beginnt äusserst flott. Der FCZ gibt mit viel Direktspiel Vollgas. Schon nach wenigen Sekunden köpft Afriyie einen Flankenball Guerreros nach einer 180 Grad-Drehung Conceiçãos auf der linken Seite knapp am Pfosten vorbei. Bledian Krasniqi erzielt in der 20. Minute ein spektakuläres Tor zur 1:0-Führung. GC-Goalie Justin Hammel hält seine Mannschaft daraufhin aber im Spiel. In der 30. Minute wohl mit der bisherigen Torwart-Aktion der Saison! Bei einer Vierfachchance (!) des FCZ pariert der 23-jährige innert Sekundenfrist die ersten drei Abschlüsse aus kurzer Distanz mit drei verschiedenen Körperteilen. In der 43. Minute stoppt er den allein aufs Tor zustürmenden Daniel Afriyie erfolgreich – – und in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit lenkt er einen Conceição-Drehschuss spektakulär an die Latte.

Gehörte die 1. Halbzeit dem FC Zürich, so gestaltete sich das dritte Viertel der Partie ausgeglichen. Diesmal startete GC mit viel Tempo. Schon in der Ersten Minute nach der Pause haute Fink an der 5 Meter-Grenze etwas am Ball vorbei. Auf der anderen Seite hielt Hammel mit einer weiteren spektakulären Flugeinlage einen Drehschuss Conceiçãos aus 25 Metern in der Luft. Letzterer drang zudem in der 63. Minute gefährlich in den Strafraum und wurde von Dirk Abels leicht am Arm zurückgerissen. Der FCZ hatte es mehrmals verpasst, die Führung auszubauen.

Wende mit der Einwechslung von Babunski / Schürpf

Die Wende läutete dann in der 71. Minute die Einwechslung des Duos Babunski / Schürpf ein. Nicht nur wurde die GC-Formation von einem 4-1-4-1 auf ein 4-4-2 angepasst, sondern auch die Spielweise – mit viel direkterem Spiel Richrung gegnerisches Tor. Momoh rückte vom Linken Mittelfeld in den Zweimannsturm mit Babunski. Den gegenteiligen Effekt hatten die FCZ-Einwechslungen. Cheick Condé brachte keine Energie, sondern eher Lethargie auf den Platz. Reichmuth, Ligue und Santini vermochten nichts zu bewegen – genauso wenig wie die Umstellung auf ein 4-3-3 mit der Einwechslung Santinis in der 84. Minute. In der Schlussphase machte der FCZ den Fehler, taktisch, personell und von der Spielweise her alles nach vorne zu werfen während Momentum und Energielevel längst auf die GC-Seite gekippt waren. So tauchte in der 89. Minute sogar Nikola Katic am gegnerischen Strafraum auf und ging dort ins Dribbling. In so einem Moment wäre es cleverer gewesen, nicht mehr so viel zu riskieren. Man muss sich letztendlich vorwerfen, nach einer 1:0-Führung in zwei gegnerische Konter gelaufen zu sein.

Unter dem Strich war die Leistung der FCZ-Startelf ziemlich ausgeglichen und gut. Die Differenz der Leistungen der Einwechselspieler machten den Unterschied. Nicht nur brachten beim FCZ die Einwechselspieler zu wenig, sondern es wurden mit Marchesano, Boranijasevic und Daprelà auch noch die besten Spieler ausgewechselt. Und dass Conceição für den ausgewechselten Boranijasevic zurück auf die Position des Rechten Aussenläufers rückte, machte diese Seite defensiv anfälliger. Bei GC fiel zudem erneut Innenverteidiger Joshua Laws positiv auf, der in den Derbys jeweils bis in die Haarspitzen motiviert ist, und seine besten Leistungen zu zeigen scheint. Die Offensivleistung des FCZ war unter dem Strich eher überdurchschnittlich, die Defensivleistung hingegen die viertschlechteste der Saison nach den Auswärtspartien in Winterthur und Tuggen sowie dem Heimspiel gegen St. Gallen.

Highlights – Schönster Sieg für Bruno Berner

Personalien – Kamberi ungeduldig, Condé unterirdisch

  • Nikola Boranijasevic: Zum dritten Mal bester FCZ-Akteur in der Offensiven Phase, an den schönsten Offensivaktionen beteiligt, tunnelt vor dem 1:0 elegant Gegenspieler Hoxha, gute Flanken und Pässe.
  • Fabio Daprelà: Zum dritten Mal der Beste beim FCZ in der 2. Halbzeit. Hält gegen seinen Jugendklub aussergewöhnlicherweise mal über beinahe 90 Minuten gut durch.
  • Cheikh Condé: Interessante Option als Zielspieler für Brechers hohe Bälle. Kommt als Einwechselspieler rein. Seine Defensivleistung ist unterirdisch und trägt zum Umschwung zuungunsten des FCZ bei.
  • Adrian Guerrero: Bester FCZ-Akteur in der starken 1. Halbzeit. In der 2. Halbzeit lässt beinahe die ganze Mannschaft nach – aber Guerrero am meisten.
  • Yanick Brecher: Lange Bälle teilweise bis beinahe an den gegnerischen Strafraum. Lässt ebenfalls in der 2. Halbzeit aussergewöhnlich stark nach.
  • Lindrit Kamberi: Will in der Schlussphase den Siegtreffer unbedingt, nimmt in mehreren Situationen, so auch vor dem 1:2, Risiko und ist gedanklich schon voll im Angriffsmodus, wenn der Ball noch nicht sicher unter Kontrolle ist.
  • Antonio Marchesano: Arbeitstier, kämpft und rackert für die Mannschaft. MVP und defensiv Bester.
  • Nikola Katic: Note “6“ ist eine positive Meldung. Überrascht speziell in der 1. Halbzeit positiv, in der er normalerweise schwach spielt. Beste 1. Halbzeit seiner bisherigen Saison zusammen mit jener beim 4:1-Auswärtssieg in Luzern. Startet dann in die 2. Halbzeit mit einem ungenauen langen Ball – auch der Anstoss nach dem ersten Gegentor geht ins Seitenaus. Das bringt negative Vibes.
  • Bledian Krasniqi: Wenn eine Offensivaktion gefährlich wird, ist er meist beteiligt. Trifft wieder im Derby – und dies mit einem Traumtor!

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Brecher, Marchesano, Guerrero gut – FCZ gut: Leistungsbilanz der 1. Saisonhälfte

In der ersten FCZ-Saisonhälfte 23/24 waren mit Yanick Brecher, Antonio Marchesano und Adrian Guerrero die Leistungsträger aus der Meistersaison 21/22 auffälligerweise die besten regelmässig eingesetzten Akteure. Es waren auch genau diese Spieler gewesen (zusammen mit Blerim Dzemaili und Wilfried Gnonto), welche unter Franco Foda den grössten Leistungseinbruch erlitten hatten – und nun unter Bo Henriksen wieder aufblühen. Mit anderen Worten: spielen Brecher, Marchesano und Guerrero gut, spielt der FCZ gut. Guerrero hat dabei nach seinem verletzungsbedingten Ausfall während vier Partien Mitte der Vorrunde in der 2. Hälfte des Herbstes erst so richtig aufzudrehen begonnen und dabei sein Pendant Nikola Boranijasevic noch überholt, der mit zwei ungenügenden Noten in Winterthur und St. Gallen am Ende noch nachliess. Ebenfalls im oberen Drittel des Notenschnittes befinden sich die beiden Zentrumsspieler Condé und Mathew sowie der in der Winterpause in die U21 versetzte Fabian Rohner. Vor allem aufgrund der ersten Hälfte der Vorrunde sind die Durchschnittsnoten der 1. Halbzeit generell besser als diejenigen der 2. Halbzeit. Allerdings hat sich dieses Verhältnis gegen Ende der Vorrunde eher umgedreht.

Dreierabwehr der schwächste Mannschaftsteil

Die Intensität in den ersten 45 Minuten war im Sommer und Frühherbst die grosse Stärke des FC Zürich gewesen. Man ging immer in Führung und konnte dann meist den Sieg nach Hause bringen. Antonio Marchesano verkörperte diese Spielweise gut. Mit 7,4 war er bisher der Beste in der 1. Halbzeit und hatte dann in der 2. Halbzeit eine um 0,7 tiefere Durchschnittsnote. Dies obwohl er als Einwechselspieler gute Leistungen zeigte. Die schlechteren 2. Halbzeit-Noten stammen von seinen Einsätzen, in denen er in der Startformation stand. Möglicherweise deutet sich hier beim 33-jährigen ein Phänomen an, das bei Blerim Dzemaili ganz ausgeprägt war: über bis zu 45 Minuten in der Lage, die Super League-Intensität mitzugehen und die individuelle Qualität auszuspielen, aber gleichzeitig mit starkem Leistungsabfall und vielen Fehlern bei längeren Einsätzen. Gegen die Wintermonate hin wurde die 1. Halbzeit immer häufiger regelrecht “verschlafen“. In denjenigen Partien, in denen der FCZ in Rückstand geriet, holte er nur ein einziges Mal (gegen Stade Lausanne-Ouchy) noch einen Punkt. In den anderen drei Fällen (Servette (H), Winterthur (A), St. Gallen (A)) wurde ein Niederlage draus. Nikola Katic ist die grosse Ausnahme der Regel. Seine 1. Halbzeiten waren im Schnitt mit 4.3 deutlich ungenügend, die 2. Halbzeit dann aber um gleich 1,2 Noten besser. Der Kroate braucht jeweils eine 45-minütige Anlaufzeit, um richtig in die Partie zu kommen. Von den mehr als 500 Minuten eingesetzten Spielern war ansonsten nur noch Lindrit Kamberi in der 2. Halbzeit leicht besser, als in den ersten 45 Minuten.

Vier Spieler waren im Herbst insgesamt ungenügend: Katic und die drei weniger als 500 Minuten eingesetzten Avdijaj, Bar und Hodza. Alle diese drei Spieler gehören mittlerweile nicht mehr zum (engeren) Kader der 1. Mannschaft. Nach Positionen betrachtet hat der FCZ des Herbstes seine starken Mannschaftsteile im Tor und im Vierermittelfeld mit Boranijasevic – Condé – Mathew – Guerrero. Der schwächste Mannschaftsteil ist die Dreierabwehr – vor allem in defensiver Hinsicht. Mit einem Notenschnitt von 6,0 liegt Fabio Daprelà im Mittelfeld der Noten und ist dabei gleichzeitig der beste Abwehrspieler. Der ehemalige GC- und Lugano-Abwehrmann ist gleichzeitig der Einzige aus der Dreierabwehr, welcher Defensiv eine bessere Note zu verzeichnen hat, als Offensiv. Insgesamt die beste Offensivnote der regelmässig eingesetzten Spieler erzielte Adrian Guerrero mit 7,9. Am anderen Ende der Skala befindet sich Jonathan Okita mit 5,2. Gemeinsam haben die beiden, dass sie meist gute Standards schlagen. Defensiv überzeugte Yanick Brecher (7,4) am meisten mit Nikola Katic (4,4) als dem Gegenstück am anderen Ende der Skala.

Afriyie und Marchesano sollten in der Offensiven Phase häufiger die Position tauschen

Trotz eher durchschnittlicher Abschlusseffizienz von 18% war Jonathan Okita dank der Menge seiner Abschlüsse (55) der beste FCZ-Torschütze der Vorrunde (10). Ignoriert man die beiden Penaltytreffer (mit einer statistischen Trefferwahrscheinlichkeit von rund 75%) hat Okita aus dem Spiel heraus eine Abschlusseffizienz von 15% zu verzeichnen gehabt. Inklusive der beiden Penaltys kommt Okita auf eine Torbeteiligungsquote (inklusive Pre-Assists) von 1,07 pro 90 Minuten. Fabian Rohners, Ivan Santinis und vor allem Antonio Marchesanos Torbeteiligungen pro 90 Minuten waren noch wesentlich höher – wobei Santini einen hohen Anteil Spielminuten in Cup-Partien gegen Unterklassige in der Statistik hat (57%). Auch die wenig eingesetzten und sich im oberen Drittel der Torbeteiligungen pro 90 Minuten befindlichen Avdijaj, Oko-Flex und Hodza haben einen hohen Anteil Spielminuten in Cup-Partien. Bei Santini und Oko-Flex war jeder zweite Abschluss ein Tor.

Von den regelmässig eingesetzten Spielern weiterhin am wenigsten an FCZ-Treffern beteiligt waren Silvan Wallner und Rodrigo Conceição – sogar die Torhüter Yanick Brecher und Zivko Kostadinovic hatten mehr Torbeteiligungen pro 90 Minuten Einsatzzeit. Daniel Afriyie traf im Herbst nur zwei Mal ins Netz (Doppelpack gegen Lugano). Dies lag nicht an der Anzahl Abschlüsse (mit 39 am drittmeisten nach Okita und Marchesano), sondern an seiner geringen Abschlusseffizienz von 5%. Die Torvorbereitung scheint dem Ghanaer besser zu liegen. Defensiv verrichtete er seine Aufgabe auf der 10er-Position zwar meist gut, aber offensiv erzielt er jeweils mehr Wirkung, wenn er über die rechte Halbposition kommt. Dementsprechend könnte es Sinn machen, dass beispielsweise Afriyie und Marchesano beim Umschalten von Defensive auf Offensive häufiger die Position tauschen würden.

Condé und Conceição treffen das Tor nicht

Jonathan Okita war bisher in dieser Saison an 122 Abschlüssen beteiligt. Dahinter folgen Antonio Marchesano (97), Ifeanyi Mathew (94), sowie Adrian Guerrero und Nikola Boranijasevic (je 88). Cheick Condé und Rodrigo Conceição haben mit 15 am meisten Abschlüsse abgefeuert ohne dabei einen Treffer erzielt zu haben.

Defensiv schwach, ungenügende Chancenverwertung und VAR-Pech / Kantonsderby in der Analyse

SCHWIERIGE WITTERUNGSBEDINGUNGEN HABEN TRADITION / WINTERTHUR – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

18:15 Abschlüsse, 8:3 Schüsse aufs Tor, 1,83:1,36 Erwartete Tore. Nach Torchancen hätte eher der FCZ die Partie auf der Schützenwiese gewinnen müssen. Speziell in der Schlussphase gingen die Gäste Risiko und machten viel Druck. Winterthur kam aber nach einem FCZ-Eckball mit einem Konter noch einmal in die FCZ-Hälfte und erzielte auf zweifelhafte Art und Weise (siehe Rubrik: Randnotiz) den erlösenden späten Siegtreffer durch den früheren FCZ-Junior Nishan Burkart. Dieses Gegentor war gleichzeitig eine Saison-Première. Zum ersten Mal erhielt der FCZ ein Gegentor aus dem Spiel heraus aus einer tiefen Position. Dafür wurde allerdings aus Sicht von Winterthur auch etwas die Hilfe von Schiedsrichter Von Mandach benötigt, der Condé beim hinten herausspielen im Weg stand. Mit Sayfallah Ltaief war ein weiterer ehemaliger FCZ-Junior an der Entstehung des ersten Tores entscheidend beteiligt. Auch der ehemalige FCZ-Profi Aldin Turkes war nicht nur erneut an einem Tor gegen seinen Ex-Klub involviert und bestürmte danach Schiedsrichter Von Mandach, dass er den Ball dabei nicht berührt habe – er fiel auch durch eine Schauspieleinlage auf, als er von LIndrit Kamberi leicht angestupst sich mit Händen vor dem Kopf am Boden wälzte und auf unsportliche Art und Weise einen Platzverweis gegen den gegnerischen Verteidiger erschleichen wollte. Im Eishockey gibt so etwas Zwei Minuten wegen “Embellishment“.

Winterthurer Fokus auf Vermeidung von FCZ-Eckbällen

Dass zudem Basil Stillhart und Silvan Sidler an den Winterthurer Toren beteiligt waren, passte ebenfalls ins Bild: auch diese zwei Spieler konnten in der Vergangenheit in den Dresses von Thun oder Luzern gegen den FCZ immer wieder ihre Bestleistung abrufen. Coach Patrick Rahmen hatte sicherlich keine Probleme, sein Team zu motivieren. Dadurch dass der FC Zürich aktuell an der Liga-Spitze mit dabei ist, erhöht sich der meist sowieso schon hohe Fokus auf die Partien gegen den Stadtclub bei vielen Gegnern noch mehr. Eine gegenteilige Entwicklung war nur bei YB festzustellen, wo im letzten Direktduell einzelne Spieler mit dem Kopf etwas mehr bei der Champions League gewesen zu sein schienen. Die Züri Live-Durchschnittsnote der Mannschaft ist mit 6,1 zwar deutlich schlechter als zuletzt gegen YB und Luzern, aber besser, als gegen Servette und in Lugano in den Partien davor. Offensiv war der Auftritt in Winterthur sogar einer der besseren der bisherigen Saison, auch wenn die Raumaufteilung zu Beginn ungewohnt ungeordnet schien. Defensiv war es hingegen das schlechteste der bisher 20 Wettbewerbsspiele. Mehr als die Hälfte der eingesetzten FCZ-Spieler hat defensiv eine ungenügende Note, am schlechtesten Okita und Rohner mit je einer “2“.

Der FCZ hatte Mühe mit den Winterthurer Konterangriffen. Vor allem die rechte Seite mit den etwas ausser Form geratenen Kamberi und Boranijasevic war eine Problemzone, die auf Winterthurer Seite Ltaief und Schättin (ebenfalls Ex-FCZ) immer wieder gut auszunutzen vermochten. Der FCZ vermochte gegen den tiefstehenden Gegner und auf dem tiefen Untergrund sein übliches Direktspiel durch die Mitte nicht in gewünschtem Masse umzusetzen. Man musste auf die Seiten ausweichen und schlug eine saisonrekordhohe Anzahl Flanken in den gegnerischen Strafraum. In der Innenverteidigung ist der FCW mit dem Duo Lüthi / Arnold mittlerweile aber besser aufgestellt, als noch zu Beginn der Saison – und ist daher auf Hereingaben von der Seite nicht mehr so verwundbar. Winterthur war daher darauf bedacht, lieber eine Flanke mehr zuzulassen, als einen der gefährlichen FCZ-Eckbälle zu verursachen. Die Eulachstädter machten insgesamt nicht wirklich ein gutes Spiel, aber dank herzhafter Verteidigungsarbeit im eigenen Strafraum gegen einen defensiv schwachen FCZ mit geringer Abschlusseffizienz und mit der zusätzlichen kleinen Unterstützung durch Schiedsrichter und VAR reichte es trotzdem zum Sieg.

Highlights – Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu

Personalien – Guerrero weiterhin Mann der Stunde, Reichmuth nahe am 2:1

  • Nikola Boranijasevic: Erstmals diese Saison mit einer ungenügenden Note. Sein Start in die Partie ist schlecht. Der Serbe steigert sich dann im zweiten Viertel. Drei Minuten vor der Pause sorgt er gar für das technisch / artistische Highlight des Spiels, als er einen weiten Flankenball Guerreros am Fünfmeterraum gekonnt in der Luft mit dem Aussenrist sich selbst vorlegte und den Ball dann aus der Drehung von der Grundlinie in die gefährliche Zone vor dem Tor spielte. Der Rechte Aussenläufer führte viele Duelle mit dem weit zurückstaffelnden ungestümen Flügel Ballet. In der 59. Minute deckt Boranijasevic in einem weiteren Zweikampf den von Ballet zuletzt gespielten Ball ab. Ballet versucht erfolglos den drohenden Eckball zu verhindern. Als der Ball dann über der Linie ist, hebt Ballet trotzdem den Arm, um den Assistenten zusammen mit seinem hinzugeeilten Konditionstrainer Alex Kern zu beeinflussen – und hat Erfolg. Boranijasevic enerviert sich über die Fehlentscheidung und lässt in der Folge bis zu seiner Auswechslung in der 83. Minute wieder etwas nach.
  • Silvan Wallner: Erst zum zweiten Mal in dieser Saison mit einer Note “7“. Allerdings besteht eine grosse Diskrepanz zwischen seiner sehr guten Offensiv- und ungenügenden Defensivnote.
  • Ifeanyi Mathew: An zehn Abschlüssen beteiligt. Allgemein ziemlich typisch für den Auftritt des FCZ in Winterthur: defensiv ungenügend, offensiv sehr gut.
  • Adrian Guerrero: Weiterhin der wohl wichtigste Spieler in der aktuellen Phase. Bereits das vierte Assist in den letzten vier Partien, zum dritten Mal MVP in den letzten fünf Partien und mit einem Notenschnitt von 8,3 in den letzten sechs Begegnungen. Ausserdem ist der Spanier zum dritten Mal bester Spieler der 1. Halbzeit und hat zum vierten Mal in der Offensiven Phase eine Note “10“. An ihm lag der mässige Start in die Partie nicht.
  • Cheikh Condé: Ungewöhnlich viele Defensivfehler, startet am schlechtesten in die Partie, steigert sich dann.
  • Jonathan Okita: Erst gerade gegen Luzern zum zweiten Mal MVP und zum ersten Mal mit Note “10′ – in Winterthur nun aber vor allem durch seine ungenügende Defensivarbeit bei beiden Gegentreffern aufgefallen.
  • Antonio Marchesano: Im von Seiten des Teams insgesamt ungenügenden ersten Viertel der Partie war Marchesano mit Note “8“ noch der Beste. Als er nach dem 0:1 zwischendurch von rechts auf die linke Seite wechselte, funktionierte das Zürcher Spiel da besser. Marchesano versteht sich nicht nur privat sondern auch auf dem Platz praktisch “blind“ mit Adrian Guerrero. Im Zusammenspiel mit Mathew und Afriyie konnten sich die zwei über links flüssig durchkombinieren. Die Position ist aber aktuell grundsätzlich durch Okita besetzt.
  • Nikola Katic: Erstmals seit dem Stadtderby mit einer ungenügenden Note in der Zweiten Halbzeit. Sein Notenschnitt in den Zweiten Halbzeiten ist mit 5,4 deutlich besser als in den Ersten Halbzeiten (4,4). Häufig braucht Katic also 45 Minuten Anlaufzeit, um in ein Spiel zu kommen. Diesmal aber wurde er nach einem genügenden ersten Durchgang nach dem Pausentee schlechter.
  • Nils Reichmuth: Trägt in der Schlussphase mit seinem schnellen Kurzpassspiel und Abschlüssen viel dazu bei, dass der FCZ eigentlich 2:1 in Führung gehen müsste. Remo Arnolds langes Bein verhindert in der 89. Minute den praktisch sicheren Treffer Reichmuths bei einem Rebound aus 9m, der als Drehschuss wohl unhaltbar für Torhüter Keller in die linke Torecke unterwegs war. Ein weiterer Abschluss von der Strafraumgrenze wird durch Corbaz und Keller in Corner gelenkt. Korrigiert somit seinen Notenschnitt nach dem schlechten Teileinsatz gegen Red Star nach oben.
  • Yanick Brecher: Bereits zum achten Mal in dieser Saison Defensiv bester Mann beim FCZ, ohne dass es dazu eine überragende Leistung gebraucht hätte.
  • Lindrit Kamberi: Sowohl mit wie auch ohne Ball in mehreren Szenen unkonzentriert.

Randnotiz – FCW im VAR- und Schiedsrichter-Glück

Winterthur hatte in diesem Kantonsderby wie ganz allgemein im Jahr 2023 relativ häufig Glück mit den Schiedsrichter- und VAR-Entscheiden. Man erinnert sich in diesem Zusammenhang beispielsweise an die entscheidenden Duelle im Abstiegskampf gegen Sion, in welchen sich die Walliser für einmal zu Recht benachteiligt fühlten. Gegen den FCZ stand Schiedsrichter Von Mandach schon in der 1. Minute bei einem Querpass Condés im Weg. Der Kreis schloss sich in der 93. Minute, als Von Mandach erneut im Passweg Condés stand, als dieser einen Ball vom Strafraum nach vorne zu Okita spielen wollte. Condé versuchte den Ball um Von Mandach herumzuspielen und verfehlte so auch Okita. Daraus entstand der 2:1-Siegtreffer für den FC Winterthur. Auch mit der Erkennung von Handspielen hatte der Schiedsrichter der Partie seine Probleme. In der Entstehung des Eckballs, der zum 1:0-Führungstreffer des FCW führte, übersah Von Mandach ein Handspiel von Remo Arnold im Zürcher Strafraum, welches Winterthur ermöglichte, in Ballbesitz zu bleiben. In der 31. Minute übersah er genauso, wie sich Randy Schneider im Mittelfeld den Ball mit dem Arm vorlegte, woraus eine Torchance Ltaiefs entstand. Stattdessen gab es in der Szene Gelb gegen FCZ-Innenverteidiger Nikola Katic, der das Handspiel beim Referee moniert hatte. Beim 2:1-Siegtreffer Winterthurs in der 93. Minute war es dann VAR Urs Schnyder, welcher die nach Ansicht der TV-Bilder wahrscheinlich korrekte Offside-Entscheidung des Schiedsrichtertrios revidierte. Schnyder schien sich dabei so sicher zu sein, dass er Von Mandach die Bilder nicht einmal mehr anschauen liess.

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Happy End ohne Happy End / FCZ -Luzern Analyse mit Randnotiz

FCL OHNE MEYER, MEYER & MEYER / FCZ – LUZERN VORSCHAU & MATCHBLATT (Züri Live)

Deutlich beste 2. Halbzeit der Saison bisher, zweitbeste Leistung insgesamt nach dem Auswärts-0:0 in Bern, drittbeste 1. Halbzeit, drittbeste Offensivleistung und ebenso drittbeste Defensivleistung. Man kann der Mannschaft abgesehen von der Chancenverwertung nach dem Heimspiel gegen Luzern kaum einen Vorwurf machen. Nur der Start in die Partie fühlte sich etwas harzig an. Nikola Katic spielte im Spielaufbau mehrere Bälle ins “Niemandsland“ und Cheick Condé wirkte mit zwei leichten Ballverlusten zu Beginn ebenfalls nicht ganz konzentriert. Sowohl in der 1. Halbzeit wie in der 2. Halbzeit hatte der FCZ ein klares Chancenplus. 24 Abschlüsse sind der höchste Saisonwert bisher – sogar in den Cupspielen gegen Unterklassige (inklusive Verlängerung) gab es weniger. Luzern kam gerade mal zu sechs Abschlüssen – die Hälfte davon Weitschüsse von Ardon Jashari. Es brauchte ein hanebüchene Grätsche von Nikola Katic in der gegnerischen Hälfte, um ebendiesem Jashari die Vorbereitung des Ausgleichs zu ermöglichen. Es war das vierte Kontergegentor der Saison. Die Zürcher Führung erzielte MVP Jonathan Okita akrobatisch. Okita scheint gegen Weihnachten hin aufzublühen. Gegen Luzern schoss er nicht “nur“ das Tor, sondern spielte insgesamt richtig gut. Es war bereits das sechste FCZ-Tor nach einem Einwurf, das zweite gegen Luzern. Somit sind Einwürfe in Strafraumnähe der produktivste Standard – nicht Freistösse, Eckbälle oder Penaltys.

Jashari überall und doch häufig nicht da

Bei der Beurteilung der Leistung des FCZ muss allerdings mitberücksichtigt werden, dass Luzern im Letzigrund bestimmt nicht einen seiner besten Tage hatte. Das begann bei der Taktik. Der Respekt vor dem FCZ zeigt sich zur Zeit darin, dass viele Gegner ihr Konzept ändern, wenn sie gegen den Stadtclub antreten. Luzern stand ungewohnt tief mit einer Fünferkette in der defensiven Phase. FCL-Trainer Frick nahm eine Unterzahl im Zentralen Mittelfeld in Kauf und baute ganz auf den grossen Wirkungskreis Ardon Jasharis, der quasi für zwei rennen und spielen sollte. Jashari war dann auf dem Platz tatsächlich auch überall anzutreffen. Der FCZ nutzte dies überlegt aus und kam immer wieder durch die Mitte durch, wo Nicky Beloko ziemlich allein gelassen gegen Mathew, Condé und sich situativ zurückfallen lassende FCZ-Stürmer agieren musste, weil sein Kompagnon gerade wieder irgendwo an der Seitenlinie einem Ball nachgejagt war.

Luzern trat mit einem sehr jungen Team an – ohne Routiniers wie Simani, Haas, Max Meyer oder Ademi in der Startformation. Der 27-jährige Pius Dorn und die beiden 25-jährigen Teddy Okou und Dario Ulrich waren die einzigen über 23-jährigen zu Beginn auf dem Platz. Dorn nahm dabei eine hybride Rolle ein. Ohne Ball bildete er rechts aussen einen Teil der dicht gestaffelten Fünferabwehr, die viele FCZ-Abschlüsse mit viel Kampfgeist blockte – mit Ball rückte er auf die 8er-Position im 4-3-3 vor. Dorns schlechter hoher Ball nach vorne direkt in die Arme von Yanick Brecher ermöglichte dem FCZ um ein Haar noch ein Hollywood Ending. Fünf Minuten Nachspielzeit waren angezeigt, punktgenau nach 5:00 Minuten spedierte Ifeanyi Mathew seinen Weitschuss mit Präzision in den linken Kranz. Wieder ein Weitschusstor von Mathew gegen Luzern! Die Erlösung! Der verdiente Sieg! Aber das Happy End hatte kein Happy End, weil Ivan Santini in der Vorbereitung nach dem schönen Zuspiel Krasniqis mit einem Fuss im Offside stand.

Highlights

Personalien – Katics effektvolle, aber unpräzise Grätschen

  • Nikola Boranijasevic: Bringt wieder vermehrt gute Flanken in den Strafraum. Eine davon wird von Jonathan Okita verwertet.
  • Fabio Daprelà: Zurück mit einem zurückhaltenden Auftritt, wenig involviert. Bei Offensivstandards aber wie üblich in der Rolle des “Bodyguards“ des Zielspielers.
  • Ifeanyi Mathew: Sein erstes Wettbewerbstor für den FCZ hatte er im April in Luzern aus einer ähnlichen Position erzielt, wie nun im Letzigrund seinen aberkannten Siegtreffer nach genau 95 Minuten. Diesmal war seine Zweite Halbzeit nach sehr guten ersten 45 Minuten eher durchschnittlich gewesen.
  • Adrian Guerrero: Liefert die Zuspiele zu vier der ersten fünf FCZ-Chancen. Seine Standards waren wieder so stark geschlagen, dass daraus mindestens ein Tor hätte resultieren müssen. Beispielsweise als Condé unmittelbar vor dem Konter zum 1:1 freistehend aus wenigen Metern auf Luzern-Keeper Loretz ablenkt, anstatt richtig zu schiessen.
  • Cheikh Condé: Ist zum dritten Mal der Defensiv Beste in dieser Saison. Zeigt sich in der Defensivarbeit speziell bei Umschaltsituationen verbessert. Im Spiel mit Ball in den Startminuten mit Konzentrationsschwierigkeiten.
  • Jonathan Okita: Nach dem Cupspiel in Bellinzona zum zweiten Mal MVP und zum ersten Mal mit Note “10“.
  • Antonio Marchesano: Vergibt die meisten guten Torchancen, scheitert auch mit seinen Direkten Freistössen nur knapp. In Lugano hatte er per Weitschuss getroffen. Der zweite regelmässige Torschütze des FCZ neben Okita ist nahe dran.
  • Nikola Katic: Beginnt die Partie mit mehreren Fehlpässen hintereinander ins “Niemandsland“. Die Bälle fliegen dabei jeweils in die Mitte zwischen zwei jeweils ca. 20m auseinander stehende Mitspieler. Katic stabilisiert sich danach etwas. Seine schlechte Technik auch bei Grätschen spielt aber eine entscheidende Rolle für den Spielausgang. Ein Cheick Condé beispielsweise grätscht Gegenspielern häufig und gut Bälle ab und sieht dies als selbstverständlichen Teil seines Jobs. Katic kommt in der Rückwärtsbewegung mit seiner Langsamkeit hingegen mehrheitlich zu spät. In der 67. Minute serviert ihm aber der kleine Teddy Okou im Laufduell ungeschickt den Ball in den Laufweg, so dass Katic diesen noch erreicht und die Klärung danach effektvoll feiert. Das sind Bilder, die sich einprägen. Wie auch das Bild des blutüberströmten Kroaten mit Turban zu Beginn seiner FCZ-Zeit in Basel. Er zelebriert solche Gelegenheiten. Auch ein Verteidiger kann heutzutage zur Show beitragen. Allerdings hätte Katic bei besserer “Grätsch-Technik“ in dieser 67. Minute den Ball eigentlich ins Seitenaus klären müssen – oder idealerweise gar Gegenspieler Okou anschiessen und damit einen Abstoss bewirken können. Mehrere Teamkollegen Katics hätten dies geschafft. Stattdessen rollte der Ball in eine ungewollte Richtung und es gab es Eckball für Luzern. Die schlechte Grätsch-Technik Katics war in der 82. Minute dann entscheidend für die zwei Punktverluste in einem überlegen geführten Heimspiel gegen Luzern. Katic spielte den Ball in der gegnerischen Hälfte beim Grätschen erneut in eine andere Richtung und mit einer anderen Schärfe als er eigentlich sollte und wollte – zurück an die Mittellinie direkt in den Lauf von Ardon Jashari. Luzern bedankte sich und nutzte die sich daraus ergebende Kontersituation zum 1:1-Ausgleich. Hat zudem von den in der Dreierabwehr eingesetzten Spielern die schlechtesten Zweikampfwerte (siehe Statistik unten). Wird aus diesem Grunde bei gegnerischen Eckbällen nicht mit einer Manndeckungsaufgabe betraut, sondern als Raumdecker eingesetzt.

Randnotiz – Anteil Gewonnene Zweikämpfe

Anteil Gewonnene Zweikämpfe in %, Ligaspiele im November / Dezember 2023, Stand: 12.12.2023, Quelle: Wyscout

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